Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertundsechsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Gewaltspirale im Irak dreht sich weiter. 47 Fabrikarbeiter in Bakuba
erschossen. Drei Journalisten bei Samarra getötet. Sunniten
brechen Regierungsgespräche nach Ausschreitungen ab
Fr.24.02.06 - Einen Tag nach dem Anschlag auf eines der wichtigsten Heiligtümer
der Schiiten im Irak hat eine Welle der Gewalt das Land erfasst. Seit
Mittwochnachmittag wurden mindestens 130 Tote gezählt.
In der Nacht zum Donnerstag brannten zahlreiche sunnitische Moscheen.
Unter den Toten waren auch drei Journalisten des arabischen
Fernsehsenders Al-Arabija, deren Leichen bei Samarra, 125 Kilometer
nördlich von Bagdad, gefunden wurden. Bewaffnete erschossen am
Donnerstagmorgen den Wächter einer sunnitischen Moschee in Bakuba,
60 Kilometer nordöstlich von Bagdad.
Extremisten hatten am Vortag in Samarra die Goldkuppel des auch als
«Goldene Moschee» bekannten Askari-Schreins weggesprengt. Im
ganzen Irak löste dies wütende und empörte Proteste von
Angehörigen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit aus, die
zunehmend in Gewalt gegen Sunniten umschlugen. Im südirakischen
Basra wurden am Mittwochabend zwölf zumeist aus Ägypten
stammende Gefangene aus einer Haftanstalt geholt und erschossen. Den
landesweiten Ausschreitungen fielen auch drei sunnitische Geistliche
zum Opfer.
Für die irakischen Sicherheitskräfte galt höchste
Alarmbereitschaft. Der schiitische Großayatollah Ali Sistani rief
erneut zu Einheit und Ruhe auf. Aus Sorge vor dem Ausbruch eines
Bürgerkriegs versammelte Präsident Dschalal Talabani die
politischen Führer des Landes. Das wichtigste sunnitische
Bündnis nahm nicht teil und hat am Donnerstag die Gespräche
zur Regierungsbildung mit Schiiten und Kurden abgebrochen. Grund waren
die Angriffe auf mehr als 90 sunnitische Moscheen im Irak nach dem
Bombenanschlag vom Mittwoch auf eines der Heiligtümer der
Schiiten, die goldene Moschee in Samarra. Die Gespräche zur
Regierungsbildung blieben eingefroren, bis es eine Entschuldigung
für die Übergriffe gebe, hieß es.
Zur Eindämmung der anhaltenden Ausschreitungen verlängerte
die Regierung das nächtliche Ausgehverbot in den Provinzen Bagdad
und Salaheddin. Es gilt nun von 20.00 Uhr bis 06.00 Uhr. Trotz der
verschärften Sicherheitsvorkehrungen wurde auch am Donnerstag
wieder eine sunnitische Moschee in Bakuba angegriffen.
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad machte die USA und
Israel für die Zerstörung der schiitischen Kuppelmoschee in
Samarra verantwortlich. Der Anschlag sei das Werk von «Zionisten
und Besetzern», sagte Ahmadinedschad am Donnerstag in einer vom
Staatsfernsehen übertragenen Rede vor mehreren tausend Menschen im
Südwesten Irans. «Sie sind in den Schrein eingedrungen und
haben ihn zerbombt, weil sie gegen Gott und Gerechtigkeit sind»,
sagte Ahmadinedschad.
Bewaffnete Männer haben am Donnerstag in der irakischen Stadt
Bakuba 47 Fabrikarbeiter erschossen. Die Täter stoppten drei Busse
bei Nahrawan, 20 Kilometer südlich der Stadt Bakuba, zwangen die
Arbeiter zum Aussteigen und schossen sie nieder, wie ein Mitglied des
Provinzrates von Dijala, Dhari Thuban, mitteilte. Die Arbeiter waren bei
einer Ziegelfabrik beschäftigt.
Bei einem Anschlag auf einem Markt in Bakuba, 60 Kilometer
nordöstlich von Bagdad, starben mindestens zwölf Menschen,
darunter ein hochrangiger irakischer Armeeoffizer. Die Bombe war in
einem Handkarren versteckt. Die Leichen der Al-Arabija-Reporterin Atwar
Bahgad und zweier Mitglieder ihrer Crew entdecken die Behörden am
Ortseingang von Samarra. Bahgad wurde in Samarra geboren. Sie berichtete
regelmäßig für Al-Arabija aus dem Irak.
(Quellen: dpa, ap, afp)
Hintergrund: Schiiten und Sunniten im Irak
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602230.htm#060223ad
Stichwort: Samarra
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602230.htm#060223ac
Hintergrund: Der Islam in Zahlen und Fakten
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602230.htm#060223ae
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 24.02.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihunderteinundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.24.02.05 - Machtkampf im Irak um zentrale Regierungsämter entbrannt. Kurden
erheben Anspruch auf Iraks Präsidentenamt +++ Erneut blutige
Anschläge und Gefechte +++ Britische Soldaten wegen Misshandlungen im
Irak verurteilt. Keine Anklage gegen US-Soldat nach Todesschuss auf
Unbewaffneten +++ Onkel des US-Präsidenten erzielt Gewinne mit
Rüstungsaktien - Irak-Krieg trieb Aktienkurs nach oben +++
Britische Regierung manipulierte ein juristisches Irak-Gutachten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0502240.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost
US-Außenministerin Rice bemüht sich bisher vergeblich um
Isolierung der Hamas
Fr.24.02.06 - Bei ihrer ersten Nahost-Reise seit dem Wahlsieg der Hamas hat sich
US-Außenministerin Condoleezza Rice vorerst vergeblich um eine
Isolierung der radikalislamischen Bewegung bemüht. Nach
Ägypten weigerte sich am Mittwochabend auch Saudi-Arabien, die
Unterstützung der Autonomiebehörde künftig einzustellen.
Bei der Hilfe für das palästinensische Volk dürften nur
humanitäre Erwägungen eine Rolle spielen, sagte der saudische
Außenminister Saud al Faisal.
Zuvor erteilte auch die ägyptische Regierung Rice eine Absage und
erklärte, die Weltgemeinschaft solle die Hamas nicht vorverurteilen.
Die US-Außenministerin reiste am Donnerstag in den Libanon weiter.
Die USA und die Europäische Union betrachten die Hamas als
Terrororganisation. Am Dienstag wurde der relativ gemäßigte
Hamas-Führer Ismail Hanija für das Amt des
Ministerpräsidenten nominiert. Er hat fünf Wochen Zeit, eine
Regierung zu bilden, an der er auch die bei der Parlamentswahl
unterlegene Fatah von Präsident Mahmud Abbas beteiligen will.
Der Iran warb weiter um Finanzhilfen für die Hamas. «Als
islamische Staaten sind wir verpflichtet, unseren Brüdern in
Palästina zu helfen», sagte Außenminister Manutschehr
Mottaki am Donnerstag bei einem Kurzbesuch in Indonesien. Der Plan der
Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), Geld für die Hamas
einzutreiben und die künftige palästinensische Regierung auch
beratend zu unterstützen, müsse unbedingt verabschiedet werden.
(Quelle: ap)
Fünf Palästinenser bei israelischer Razzia im Westjordanland
getötet
Fr.24.02.06 - Bei einer israelischen Razzia im Flüchtlingslager Balata im
Westjordanland sind am Donnerstag fünf Palästinenser
getötet worden. Einer der Toten wurde als führendes Mitglied
der militanten Al-Aksa-Brigaden identifiziert.
Auch ein 19-Jähriger, der nach Angaben seiner Familie unbewaffnet
war, wurde tödlich getroffen. Die israelischen Streitkräfte
erklärten hingegen, sie hätten auf Jugendliche gefeuert, die
mit Brandsätzen geworfen hätten. Alle Schüsse
hätten sich gegen bewaffnete Palästinenser gerichtet.
Demgegenüber warfen Sanitäter den Sicherheitskräften
vor, ein Soldat habe
auch auf eine Gruppe von Rettungskräften und Journalisten
geschossen und drei Personen verletzt. Der Soldat habe die Schüsse
abgegeben, nachdem in einem Haus verschanzte militante
Palästinenser einen Sprengsatz auf Kollegen geworfen hätten.
Die Gruppe von Sanitätern und Journalisten habe in der Nähe
gestanden, weil sie von den israelischen Sicherheitskräften am
Betreten des Flüchtlingslagers gehindert worden sei.
Seit Beginn der Razzia in Balata am Sonntag wurden nach
Krankenhausangaben acht Palästinenser getötet und mehr als 50
verletzt. Die israelischen Streitkräfte berichteten von 15
Festnahmen. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas
verurteilte die Militäraktion, wie die palästinensische
Nachrichtenagentur WAFA berichtete.
Der Oberste Gerichtshof in Jerusalem bestellte unterdessen einen
Vermittler zur Schlichtung eines Streits zwischen muslimischen Gruppen
und dem Simon-Wiesenthal-Zentrum. Letzteres will ein Museum für
religiöse Toleranz auf einem Gelände errichten, das einst ein
Friedhof für Muslime war. Der frühere Oberste Richter Meir
Schamgar soll sich nun um einen Kompromiss bemühen.
(Quelle: ap)
Dänemark will Dialog der Religionen fördern
Fr.24.02.06 - Dänemark lädt für März zu einer Konferenz zur
Förderung des Dialogs zwischen den Religionen ein.
Außenminister Per Stig Möller teilte am Donnerstag
außerdem mit, dass die Regierung ein UN-Programm unterstützen
werde, das Vorurteile zwischen dem Westen und dem Islam abbauen soll.
Weiter geplant ist ein islamisches Kulturfestival in Kopenhagen.
Zu der Konferenz werden der islamische Prediger Amr Khaled, zwei
weitere muslimische Geistliche aus der arabischen Welt und drei
dänische Experten erwartet. Die Regierung wolle auch darüber
hinaus für einen «respektvollen Dialog» eintreten,
sagte Möller. Dänemark erkenne an, dass sich viele Muslime
durch die Karikaturen in der Zeitung «Jyllands-Posten»
beleidigt gefühlt hätten. Ministerpräsident Anders Fogh
Rasmussen sagte, vermutlich könne der Streit nur im Rahmen der
Vereinten Nationen beigelegt werden. Wie genau er sich das vorstellt,
sagte er nicht.
In Indien wurde unterdessen der Redakteur eines hindisprachigen
Magazins festgenommen, das die umstrittenen Karikaturen nachgedruckt
hat. Die Anwälte von Alok Tomar von der Zeitschrift
«Shabdarth» bemühten sich um eine Freilassung auf
Kaution.
Im Süden Nigerias kehrte am Donnerstag wieder Ruhe ein, nachdem
dort Soldaten in gepanzerten Fahrzeugen aufgefahren waren. Mehr als 50
Menschen wurden dort bei Unruhen in der Folge von Protesten gegen die
Mohammed-Karikaturen getötet. Dort hatten aufgebrachte Muslime
Angehörige der christlichen Minderheit angegriffen.
(Quelle: ap)
Putschgerüchte und Notstand - Lage auf Philippinen spitzt sich zu
Fr.24.02.06 - Die Lage auf den Philippinen spitzt sich zu: Nach neuen Gerüchten
über einen bevorstehenden Putsch hat Präsidentin Gloria
Macapagal Arroyo am Freitag den Notstand über ihr Land
verhängt. Die Führung der Streitkräfte erklärte,
sie stehe hinter der Verfassung, und verschärfte die
Sicherheitsvorkehrungen. Ein General wurde festgenommen.
Trotz Verbots versammelten sich mehrere hunderte Gegner der
Präsidentin an dem Ort, wo vor genau 20 Jahren die Erhebung gegen
den damaligen Diktator Ferdinand Marcos begonnen hatte. Der Jahrestag
des Aufstands ist am Samstag. Weitere Personen marschierten ebenfalls
zu dem Platz. Sie werfen der Präsidentin Korruption vor. Die
Polizei drohte, die Versammlung aufzulösen.
Soldaten errichteten Barrieren auf den Zufahrtsstraßen zum
Präsidentenpalast und Kontrollpunkte rund um die Hauptstadt
Manila. Der Schulunterricht wurde abgesagt.
Die Mehrheit der Streitkräfte stehe treu zur Verfassung, sagte der
Oberbefehlshaber des Heeres, Generalleutnant Hermogenes Esperon. Die
Befehlskette sei intakt. In einem Fernsehinterview bat er die
Bevölkerung, jede ungewöhnliche Truppenbewegung rund um
Manila zu melden. «Wir haben die Gefahr verringert. Wir
können nicht sagen, dass sie beseitigt ist.»
Nach Angaben der Heeresführung wurde Brigadegeneral Danilo Lim,
Befehlshaber einer Eliteeinheit von Aufklärern, festgenommen.
Präsidentin Arroyo sei über die Situation unterrichtet und
besorgt, erklärte Esperon weiter. Sie befinde sich im
Präsidentenpalast und habe eine für den Freitag geplante
Teilnahme an einer Veranstaltung abgesagt.
Die Führung der Streitkräfte hatte bereits am Mittwoch von
einem vereitelten Putschplan gegen die Präsidentin berichtet. 14
Offiziere seien in das Komplott verwickelt gewesen, sagte Esperon mit.
Nach seinen Worten wollten die Verschwörer 200 Soldaten
mobilisieren, um die Präsidentin aus dem Amt zu putschen.
(Quelle: ap)
EU droht Belgrad mit Abbruch der Gespräche
Bessere Zusammenarbeit mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal gefordert
Fr.24.02.06 - Die Europäische Union hat Serbien wieder mit dem Abbruch der
Annäherungsgespräche gedroht, sollte die Regierung in Belgrad
nicht in vollem Umfang mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal
zusammenarbeiten. Vorrangig sei die Festnahme und Auslieferung des
früheren Generals der bosnischen Serben, Ratko Mladic, betonte
Erweiterungskommissar Olli Rehn am Donnerstag vor einem Ausschluss des
Europaparlaments.
Wenn Serbien nicht umfassend kooperiere, sei «eine Störung
der Gespräche unvermeidbar», sagte er. Zwar habe es
Fortschritte bei der Zusammenarbeit gegeben, sie sei aber weiter
unzureichend, kritisierte Rehn, der den EU-Außenministern am
Montag einen Bericht über den Stand der Gespräche mit Belgrad
vorlegen soll. Serbien stehe an einem Scheideweg, sagte der
EU-Kommissar. «Es hat die Wahl zwischen einer europäischen
Zukunft und einer nationalistischen Vergangenheit.»
Der für die Zusammenarbeit mit dem UN-Kriegsverbrechertribunal
zuständige serbische Regierungsbeauftragte betonte am Donnerstag
erneut, sein Land tue alles, um seine Verpflichtungen zu erfüllen.
Meldungen über eine unmittelbar bevorstehende Festnahme Mladics
haben in den letzten Tagen Verwirrung ausgelöst. Nach Angaben aus
Sicherheitskreisen in Belgrad verhandelt die Regierung mit dem
Exgeneral, um dessen freiwillige Kapitulation zu erreichen. Die
Chefanklägerin des Haager UN-Tribunals, Carla Del Ponte,
erklärte indessen, Mladic sei weiter flüchtig, doch liege es
in der Macht der serbischen Behörden, ihn zu stellen.
(Quelle: ap)
Human Rights Watch wirft USA Vertuschung von CIA-Flügen vor
Fr.24.02.06 - Die USA haben nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation Human Rights
Watch CIA-Flüge und Geheimgefängnisse in Europa gezielt
vertuscht. Es gebe jedoch genügend Hinweise, dass Häftlinge in
europäische Länder verschleppt und dort gefoltert worden
seien, sagte die für Terrorismusfragen zuständige
Abteilungsleiterin der New Yorker Organisation, Joanne Mariner, am
Donnerstag vor einem Sonderausschuss des Europaparlaments in
Brüssel. Konkretes Beweismaterial präsentierte sie nicht.
Dieses sei nur schwer zugänglich - eben wegen der
Vertuschungskampagne der USA, erklärte Mariner. Die Europäer
sollten deshalb darauf dringen, dass ihre Regierungen alle offen
stehenden Fragen vollständig beantworteten. Mariner wiederholte
frühere Vorwürfe ihrer Organisation, dass der US-Geheimdienst
CIA geheime Gefängnisse für Terrorverdächtige in Polen
und Rumänien betrieben habe. Polnische Ausschussmitglieder wiesen
dies zurück.
Das Europaparlament hat ebenso wie der Europarat eine Untersuchung zu
den mutmaßlichen CIA-Operationen eingeleitet. Als Sonderermittler
des Europarats legte der Schweizer Abgeordnete Dick Marty Ende Januar
einen Zwischenbericht vor. Demnach hat die CIA eine systematische
«Auslagerung» von Folter betrieben. Zwar gebe es bislang
keine Beweise für die Existenz geheimer Haftanstalten auf
europäischem Boden. Klar sei jedoch, dass Menschen nach Europa
entführt worden seien und dort eine «menschenunwürdige
Behandlung» erlitten hätten. Marty traf in Brüssel mit
dem Justizkommissar Franco Frattini zusammen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Konsequenzen aus BND-Affäre gefordert
Fr.24.02.06 - Nach Abschluss der Untersuchungen im Parlamentarischen Kontrollgremium
(PKG) ist eine Debatte über Konsequenzen aus der BND-Affäre
entbrannt. Vertreter von Union, FDP und Grünen forderten eine
Reform des PKG-Gesetzes. Die Regierung hat bisher lediglich
angekündigt, neue Richtlinien für die Vernehmung Gefangener
im Ausland durch Mitarbeiter deutscher Sicherheitsbehörden zu
entwerfen. Am Donnerstagabend wurde der offizielle Regierungsbericht
über die BND-Aktivitäten in Zusammenhang mit dem Irak-Krieg
vorgelegt.
Ob doch noch ein Untersuchungsausschuss zur BND-Affäre eingesetzt
wird,
blieb weiter offen. Die Grünen vertagten ihre Beratungen
darüber zum zweiten Mal. Die FDP will sich erst in der
nächsten Woche festlegen. Nur die Linkspartei hat sich bisher klar
für einen Untersuchungsausschuss ausgesprochen. Für die
Einsetzung dieses Gremiums sind die Stimmen aller Oppositionsfraktionen
notwendig.
Das PKG hatte seine Untersuchungen zur Geheimdienst-Affäre nach
zehn Sitzungen am Mittwoch abgeschlossen. Neben fünf ehemaligen
und jetzigen Ministern sowie weiteren Regierungsvertretern waren etwa
20 Mitarbeiter der Nachrichtendienste befragt worden. Zum Schluss
hatten die PKG-Mitglieder einen fast 300-seitiger Bericht der
Bundesregierung zum BND-Einsatz im Irak, dem Entführungsfall El
Masri, CIA-Flügen und Vernehmungen von Terrorverdächtigen im
Ausland gewürdigt.
Die Koalition sah die Regierung anschließend fast
vollständig entlastet, die Opposition zeigte sich mit den
Ergebnissen der Untersuchung unzufrieden. Der PKG-Vertreter der
Grünen, Hans-Christian Ströbele, sieht noch erheblichen
Aufklärungsbedarf. Er widersprach der Aussage der Bundesregierung,
dass keine Informationen über kriegsrelevante Ziele an US-Dienste
weitergeleitet worden seien. Nach Kriegsbeginn seien insgesamt elf
potenzielle militärische Ziele in vier Meldungen an US-Stellen
weitergeleitet worden, schrieb Ströbele in seiner Bewertung der
PKG-Arbeit.
Neben einer Novelle des PKG-Gesetzes forderte Ströbele auch
Maßnahmen, um die Überprüfung von
«verdächtigen Flugbewegungen über deutschem
Territorium» zu ermöglichen. Die Forderung nach einer
Novelle des PKG-Gesetzes kam auch von Vertretern der FDP und der Union.
«Wir müssen durch eine Änderung des PKG-Gesetzes
dafür sorgen, dass die Geheimdienste künftig von sich aus
durch mehr Informationen zu einer wirklichen Kontrolle
beitragen», sagte CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl.
Die Bundesregierung legte am Abend einen 90-seitigen öffentlichen
Bericht über die BND-Aktivitäten in Zusammenhang mit dem
Irak-Krieg vor. Darin verneint sie, dass der amerikanischen Seite
Unterstützung des «offensiven strategischen
Luftkrieges» gegeben worden sei. Ausführlich wird die
Informationsweitergabe von zwei in Bagdad tätigen BND-Mitarbeitern
an US-Nachrichtendienste geschildert. Die Auskunftsersuchen der
US-Dienste werden als «inhaltlich weit gefächert»
beschrieben.
Wegen Einwänden des Datenschutzbeauftragten Peter Schaar gegen die
Weitergabe personenbezogener Daten hatte sich die Veröffentlichung
verzögert. Die FDP wollte ihre Haltung zu einem
Untersuchungsausschuss auch vom Umfang der Veröffentlichung
abhängig machen. Die Entscheidung soll in der nächsten
Fraktionssitzung fallen.
(Quelle: ap)
El Masri angeblich als Ex-Kommando-Chef im Libanon
Fr.24.02.06 - Der nach Afghanistan verschleppte Deutsch-Libanese Khaled el Masri war
nach Presseinformationen Kommando-Chef einer 16-köpfigen
bewaffneten Gruppe im Libanon. El Masri sei zu Beginn der 80er Jahre
führendes Mitglied der radikalen Bewegung al Tawhid gewesen,
berichtete das Nachrichtenmagazin «Focus» vorab unter
Berufung auf den Geheimbericht der deutschen Sicherheitsbehörden
an das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG). Die ideologisch der
Muslimbruderschaft nahe stehende Organisation habe in erster Linie die
als unislamisch geltende Sekte der Alaviten im Libanon bekämpft.
Das Einsatzgebiet von el Masri und seiner Truppe solle Tripoli gewesen
sein.
In den vergangenen Jahren sei el Masri den Nachrichtendiensten durch
zahlreiche Auslandsaufenthalte aufgefallen, berichtete das Blatt. Er
sei in die Arabischen Emirate, nach Marokko, Jordanien und mehre
Länder Osteuropas gereist.
(Quelle: dpp)
Finanzpolitik der Bundesregierung in der Kritik
Bundeskabinett hatte bisher kräftigste Steuererhöhung in der
bundesdeutschen Geschichte beschlossen
Fr.24.02.06 - Die Finanzpolitik der Bundesregierung steht weiter in der Kritik.
Für dieses Jahr will Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) an
Brüssel ein Staatsdefizit von 3,3 Prozent des
Bruttoinlandsproduktes melden. Das ist zwar weniger als geplant,
bedeutet aber den fünften Verstoß gegen den
Stabilitätspakt in Folge.
Steinbrück selbst verteidigte am Mittwochabend seinen
Haushaltsentwurf und auch die geplante Mehrwertsteuererhöhung.
«Die drei Prozent sind in der Tat umstritten, ich weiß
das», sagte Steinbrück in den ARD-«Tagesthemen».
Er wies jedoch erneut darauf hin, dass ein Prozent zur Senkung der
Sozialabgaben diene. «Und die anderen zwei Prozent brauchen wir,
um die strukturell unterfinanzierten öffentlichen Haushalte zu
sanieren.»
Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) sagte
der «Märkischen Allgemeinen» (Donnerstag), zwar sei ein
Kurswechsel begonnen worden. Er bemängelte jedoch, dass die
Maastricht-Kriterien nicht eingehalten wurden. Der frühere
Haushaltsexperte der Unionsfraktion im Bundestag kritisierte
insbesondere Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD). Er habe
seinen Sparbeitrag nicht erbracht. Die Explosion der Kosten für das
Arbeitslosengeld II sei erschreckend.
Die FDP-Abgeordnete im Europa-Parlament, Silvana Koch-Mehrin, forderte
in der «Thüringer Allgemeinen» (Donnerstag), die
nächste Stufe des Defizit-Strafverfahrens gegen Deutschland
anzuwenden. Einem «Handelsblatt»-Bericht (Donnerstag)
zufolge rechnen Steuerschätzer jedoch, dass die EU-Defizitquote
schon 2006 unter drei Prozent liegen könnte.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD)
verteidigte die geplante Mehrwertsteuererhöhung. Der «Neuen
Presse» (Donnerstag) in Hannover sagte er: «Uns bleibt kein
anderer Weg als die Mehrwertsteuererhöhung.»
Opposition, Steuerzahlerbund, Wirtschafts- und Sozialverbände
hatten schon am Mittwoch den Haushaltsentwurf der Bundesregierung und
die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer massiv kritisiert.
Grünen- Chef Reinhard Bütikofer bezeichnete die Anhebung der
Mehrwertsteuer als «schweren strategischen Fehler», der
FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms sprach von einer
«finanzpolitischen Bankrotterklärung» der Regierung.
Rückendeckung bekam Finanzminister Steinbrück nur von den
Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD.
Das Bundeskabinett hatte die bisher kräftigste Steuererhöhung
in der bundesdeutschen Geschichte sowie ein umfangreiches Sparpaket zur
Sanierung der Staatskassen beschlossen. Die Regierung von Union und SPD
billigte am Mittwoch die Anhebung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19
Prozent von Anfang 2007 an. Dem Haushaltsentwurf zufolge ist in diesem
Jahr bei Gesamtausgaben in Höhe von 261,7 Milliarden Euro eine
Nettokreditaufnahme von 38,3 Milliarden geplant. Das sind rund sieben
Milliarden mehr als im vergangenen Jahr. 2007 soll sie auf 22 Milliarden
Euro gesenkt werden.
(Quelle: dpa)
Inflation fraß 2005 Anstieg der Verdienste in Deutschland auf
Fr.24.02.06 - Die Verdienste der deutschen Arbeitnehmer haben 2005 deutlich weniger
zugelegt als die Lebenshaltungskosten.
Die Bruttoverdienste legten im Schnitt um 0,4 Prozent gegenüber
dem Vorjahr zu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte.
Allerdings stiegen die Verbraucherpreise im vergangenen Jahr um zwei
Prozent. Im Schnitt verdienten die Arbeitnehmer in Deutschland - vom
Manager bis zum geringfügig Beschäftigten - im vergangenen
Jahr 26.425 Euro vor Steuern. Auch die Tariflöhne stiegen nicht
ausreichend, um den Kaufkraftverlust durch die Inflation auszugleichen:
nach Schätzung des Sachverständigenrates um 1,2 Prozent.
Nach Angaben der Statistiker wurde die Steigerung der Bruttoverdienste
durch einen starken Zuwachs von Ein-Euro-Jobs gedämpft. Ohne diese
niedrigen Verdienste hätte das Einkommen vor Steuern
durchschnittlich um 0,8 Prozent zugelegt.
(Quelle: rtr)
Deutsche Wirtschaft in bester Laune
ifo-Institut rechnet mit mehr Arbeitsplätzen
Fr.24.02.06 - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist so gut wie seit fast 15
Jahren nicht mehr. Im Februar stieg der ifo-Geschäftsklimaindex
überraschend von 101,8 auf 103,3 Punkte. «Der Aufschwung
gewinnt an Breite», erklärte ifo-Präsident Hans-Werner
Sinn in München.
Auch die Binnennachfrage komme in Schwung. Das ifo Institut rechnet
erstmals auch wieder mit mehr Arbeitsplätzen. Der
ifo-Geschäftsklimaindex gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer der
deutschen Wirtschaft. Experten hatten für den Februar eher mit
einer kleinen Verschnaufpause in Form eines leichten Rückgangs
gerechnet.
Die 7000 befragten Unternehmen beurteilten aber sowohl ihre aktuelle
Geschäftslage als auch die Erwartungen für die nächsten
sechs Monate positiver. Als Folge stieg der Klimaindex auf den
höchsten Stand seit Oktober 1991.
Auch die Verbraucherstimmung in Deutschland hat sich im Februar weiter
stabilisiert. Zwar habe sich der kräftige Aufschwung vom
Jahresbeginn nicht in gleichem Ausmaß fortgesetzt, dennoch habe
das Konsumklima seine Aufwärtsentwicklung fortgesetzt, berichtete
der Marktforscher GfK in Nürnberg. Die Stimmung der Verbraucher sei
stabil wie seit Jahren nicht mehr. Für März prognostizierte
die GfK (Xetra: 587530 - Nachrichten) einen Anstieg des
Gesamtindikators für das Konsumklima auf 4,8 Punkte nach 4,6
Punkten im Februar.
GfK-Vorstandschef Klaus Wübbenhorst warnte jedoch vor Euphorie.
Der Aufschwung sei kein Selbstläufer. So könne ein länger
andauernder Streik im Öffentlichen Dienst die Verbraucherstimmung
beeinträchtigen. «Ich hoffe, dass sich die Tarifparteien
schnellstmöglich zusammensetzen und eine Vereinbarung
treffen», sagte Wübbenhorst der Nachrichtenagentur dpa.
Risikofaktoren für das Konsumklima seien auch die weiterhin hohe
Arbeitslosigkeit und mögliche Energie- Preissteigerungen.
«Und dann kann natürlich ein doppeltes Fragezeichen
dazukommen, wenn etwa die Vogelgrippe ausbricht.»
«Dennoch ist die Grundstimmung positiv», sagte der
GfK-Chef. Nach seinen Angaben glauben mehr Verbraucher als zuvor, dass
die deutsche Wirtschaft gute Chancen hat, sich zu erholen. Dabei spiele
der «Merkel-Faktor» mit der Bildung der großen
Koalition eine wichtige Rolle. «Früher haben sich die
großen Parteien über die Medien gegenseitig Vorwürfe
gemacht, jetzt arbeiten sie zusammen.» Die Regierung vermittle das
Gefühl, dass gehandelt wird. Auch die bevor stehende
Fußball-Weltmeisterschaft werde die Konsumlaune zusätzlich
aufhellen, zeigte sich Wübbenhorst überzeugt. Der private
Konsum könne daher in diesem Jahr ein halbes Prozent zum Wachstum
beitragen.
Das ifo Institut ist überzeugt davon, dass sich die gute Stimmung
schon bald in realen Wachstumszahlen niederschlägt. Im
Schlussquartal 2005 hatte die Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal nur
stagniert. «Das vierte Quartal war offenbar ein
Ausrutscher», sagte ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb der dpa. Schon
im ersten Quartal werde man wohl Wachstum sehen. Es sei nun auch eine
leichte Entspannung am Arbeitsmarkt in Sicht. «Es spricht einiges
dafür, dass der Abbau von Arbeitsplätzen zum Stillstand
gekommen ist.» Die Antworten der Firmen deuteten vielmehr darauf
hin, dass ein Beschäftigungsanstieg begonnen habe.
Der Geschäftslage-Index verbesserte sich im Februar von 99,7 auf
101,9 Punkte. Auch der Erwartungsindex, der die Aussichten in den
kommenden Monaten widerspiegelt, legte von 103,8 auf 104,8 Punkte zu.
Dabei schöpfen auch Krisenbranchen wie Bau und Einzelhandel wieder
Hoffnung. «In der Industrie läuft es schon seit einiger Zeit
rund», sagte Nerb. Nun folgten auch Bau und Einzelhandel.
«Die Branchen kommen allerdings auch von ganz unten aus dem Keller
(London: KLR.L - Nachrichten) .»
Auch wenn die Stimmung in der Wirtschaft fast schon euphorisch ist,
gibt es weiter eine Reihe von Risikofaktoren. Die derzeitigen
Ölpreise seien offenbar beherrschbar, sagte Nerb. «Im
Augenblick können die Firmen damit leben.» Ein sprunghafter
weiterer Anstieg könne den erwarteten moderaten Aufschwung aber
gefährden. Auch die Währungsentwicklung sei immer ein
Risikofaktor.
Wie die GfK in rund 2000 Verbraucherinterviews ermittelte, sind die
Bewohner in den ostdeutschen Bundesländern insgesamt skeptischer
als im Westen. Auch zwischen den gesellschaftlichen Gruppen gebe es
erhebliche Unterschiede. So seien die Rentner in Bezug auf ihre
Einkommenserwartung besonders pessimistisch. «Die schon seit
langem sehr negativen Indikatorwerte in dieser Gruppe sind ein
deutlicher Hinweis darauf, dass sie sich als die wirklich
Benachteiligten in Deutschland sehen», hieß es.
Nach GfK-Angaben lagen alle Einzelindikatoren für das Konsumklima
im Februar über dem langjährigen Durchschnitt von null
Punkten. Der Indikator Konjunkturerwartung blieb mit einer Verringerung
um 1,2 auf 22,3 Punkte weitgehend stabil. Er liegt mehr als 35 Punkte
über dem Vorjahreswert. Der Indikator Einkommenserwartung
verringerte sich ebenfalls leicht um 1,3 Punkte auf einen Wert von 3,2.
Seit Mitte des vergangenen Jahres habe sich der Indikator tendenziell
nach oben entwickelt, berichtete die GfK. Dies zeige, dass die
Verbraucher grundsätzlich optimistischer gestimmt seien. Die
Anschaffungsneigung, die im vergangenen Monat sehr deutlich gestiegen
war, habe einen leichten Rückschritt auf hohem Niveau verzeichnet:
Der Indikator verlor 8,4 Punkte auf einen Wert von 11,9.
(Quelle: dpa)
Conti verbucht Rekordgewinn - Dividende erhöht
Fr.24.02.06 - Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental hat 2005 trotz der
lahmenden Autokonjunktur und hoher Rohstoffpreise einen Rekordgewinn
erzielt und will diesen im laufenden Jahr übertreffen.
Der Konzern profitiert vor allem von seinem Geschäft mit
elektronischen Brems- und Stabilitätssystemen, die zunehmend
serienmäßig in neuen Fahrzeugen installiert werden. Die
Conti-Aktie drehte am Donnerstag im frühen Handel nach
anfänglichen deutlichen Kursverlusten in Plus.
Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei im vergangenen Jahr um
30,2 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro gestiegen, teilte Continental in
Frankfurt mit. Der Umsatz kletterte um 9,8 Prozent auf 13,8 Milliarden
Euro. Beide Kennzahlen lagen im Rahmen der Erwartungen von Analysten.
Der Anstieg beim Überschuss auf 952,2 (Vorjahr 739,0) Millionen
Euro fiel dagegen geringer aus als von Branchenexperten vorausgesagt.
Die Aktionäre sollen mit einer um 25 Prozent auf einen Euro
erhöhten Dividende am Geschäftserfolg beteiligt werden.
"Wir haben unsere erneut ehrgeizigen Saisonziele übertroffen - und
dies trotz weiter eher verhaltender Konjunktur der Automobil- und der
Automobilzuliefererindustrie und deutlich gestiegener Rohstoffpreise",
erklärte Konzernchef Manfred Wennemer. Dazu hätten alle vier
Sparten beigetragen.
Für 2006 bekräftigte Wennemer, dass er bei Umsatz und
operativem Ergebnis ein Plus erwarte. Er gehe von weiter steigenden
Rohstoffpreisen aus, die zu einer ähnlich hohen Ergebnisbelastung
wie 2005 mit 211 Millionen Euro führen würden.
Der Conti-Aktienkurs lag am Vormittag 1,8 Prozent im Plus, nachdem er
zum Handelsbeginn noch um vier Prozent nach unten gerutscht war. Das
Ergebnis im Schlussquartal 2005 lag unter den Markterwartungen. Das Ebit
belief sich auf 371,1 (316,3) Millionen Euro, während von Reuters
befragte Branchenexperten im Schnitt mit 390 Millionen Euro gerechnet
hatten.
(Quelle: rtr)
SPD-Vorsitzender Platzeck für Mindestlohn-Einführung
Fr.24.02.06 - SPD-Chef Matthias Platzeck hat sich für die Einführung eines
gesetzlichen Mindestlohns ausgesprochen. Platzeck sagte der
«Bild»-Zeitung, man könne nicht mehr zusehen, dass in
ganzen Bereichen keine existenzsichernden Einkommen gezahlt
würden. In Deutschland arbeiteten zweieinhalb Millionen Menschen
in Vollzeitjobs und lebten trotzdem unter der Armutsgrenze. «Wir
müssen hier eine Grenze ziehen, damit die Einkommen nicht ins
Bodenlose fallen», wurde Platzeck zitiert.
Zur Höhe eines Mindestlohns äußerte sich Platzeck
nicht. In der Union gibt es Bedenken gegen die zuvor ins Gespräch
gebrachten Betrag von sechs Euro. Der CDU-Arbeitsmarktexperte Ralf
Brauksiepe sagte dem «Mannheimer Morgen», angesichts der
tarifpolitischen Wirklichkeiten und der begrenzten finanziellen
Möglichkeiten seien sechs Euro unrealistisch.
SPD-Fraktionschef Peter Struck rechnet mit einem niedrigeren
Mindestlohn. Struck sagte der «Berliner Zeitung», die SPD
werde früher oder später entscheiden müssen, ob sie
einen verhältnismäßig geringen Mindestlohn als Einstieg
akzeptiere, um später über Steigerungsraten zu reden.
«Oder ob sie sagt, ein so geringer Lohn ist weder für uns
noch für die Gewerkschaften zumutbar», wurde er zitiert.
(Quelle: ap)
SPD und Union streiten über Nachfolge der Ich-AG
Fr.24.02.06 - Zwischen SPD und Union gibt es deutliche Differenzen darüber, wie
Arbeitslose nach der Abschaffung der Ich AG Mitte 2006 bei der
Existenzgründung unterstützt werden sollen. Die
Sozialdemokraten dringen darauf, dass der Umfang der Förderung
nicht nennenswert verringert wird, wie der "Tagesspiegel" berichtet.
Existenzgründung aus Arbeitslosigkeit müsse "ein wichtiges
Projekt" bleiben, sagte SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler dem Blatt. Das
Instrument müsse eine Pflichtleistung bleiben.
Arbeitslose, die einen geprüften Geschäftsplan vorlegten,
müssten somit Anspruch auf den Zuschuss haben, sagte Stiegler. Die
Union fürchtet hingegen, dass zu viele Arbeitslose das neue
Instrument ausnutzen könnten. "Wenn jeder einen
Existenzgründungszuschuss beantragen kann, ist die Gefahr von
Mitnahmeeffekten groß", sagt der arbeitsmarktpolitische Sprecher
der Unionsfraktion, Ralf Brauksiepe (CDU). Der wirtschaftspolitische
Sprecher der Unionsfraktion, Laurenz Meyer (CDU), forderte im
"Tagesspiegel", aus dem Instrument eine "Ermessensleistung" zu machen,
über deren Einsatz der Vermittler entscheidet.
Einig sind sich die Koalitionspartner darin, dass Existenzgründer
in Zukunft besser beraten werden sollen: "Wir brauchen zusätzlich
zur finanziellen Unterstützung kaufmännische Kurse", forderte
Stiegler. Dafür solle die Bundesagentur etwa mit der Kreditanstalt
für Wiederaufbau oder den Handelskammern kooperieren.
(Quelle: afp)
Linkspartei und WASG diskutieren gemeinsames Programm
Fr.24.02.06 - Linkspartei und Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG)
haben die Debatte über das künftige gemeinsame Parteiprogramm
gestartet. Die Parteivorsitzenden Lothar Bisky (Linkspartei) und Klaus
Ernst (WASG) präsentierten in Berlin den Entwurf der gemeinsamen
Programmkommission, der nun in beiden Parteien diskutiert werden soll.
"Wir sind auf dem Weg zur Bildung einer gemeinsamen Partei", sagte
Linksparteichef Lothar Bisky.
Bereits im kommenden Jahr könne ein Ergebnis vorliegen, betonte
Bisky. Es bestehe aber kein Zeitdruck. Er forderte die
Mitglieder beider Parteien auf, bei den bevorstehenden Debatten fair
miteinander umzugehen. "Die denunzierende Kommunikation gehört
weder zum politischen Alltag noch zu einer konstruktiven Debatte." Der
WASG-Vorsitzende Klaus Ernst sagte, das künftige Programm solle
kurzfristige umsetzbare Alternativen ebenso beinhalten wie langfristige
Perspektiven.
In dem Eckpunktepapier, das von Vertretern beider Parteien verfasst
wurde, heißt es: "Wir stellen uns bewusst in die Tradition der
Aufklärung und des demokratischen Sozialismus." Die künftige
Partei wolle auch "radikaldemokratische, linkssozialdemokratische und
antikapitalistische Positionen" in die Bildung der neuen Partei
miteinbeziehen. Konkret wenden sich die Verfasser gegen eine
Arbeitszeitverlängerung. "Wir wollen, dass die Arbeit gerechter
auf alle verteilt wird." Notwendig sei ein gesetzlicher Mindestlohn,
der bei einer regulären Vollbeschäftigung eine Existenz
oberhalb des Armutsniveaus gewährleiste.
Linkspartei und WASG peilen ihren Zusammenschluss für Mitte
kommmenden Jahres an. Ende April sollen auf Parteitagen beider
Organisationen weitere Weichen für die Fusion gestellt werden.
Bereits im März will die WASG mit einer Urabstimmung das Votum der
Basis einholen. In Berlin und anderen WASG-Landesverbänden gibt es
bislang aber erhebliche Vorbehalte gegen den Zusammenschluss.
(Quelle: afp)
Die Tageszeitung 'junge Welt' vom 24.02.06 dokumentiert Auszüge
aus den programmatischen Eckpunkten von Linkspartei.PDS und WASG:
http://www.jungewelt.de/2006/02-24/023.php
Wissenschaft
Einzeller bauen tief unter dem Meeresboden Methan ab - Positive
Auswirkungen auf Treibhauseffekt möglich
Fr.24.02.06 - Wissenschaftler des DFG-Forschungszentrums Ozeanränder haben es
geschafft, Erkenntnisse über bislang unerforschte Einzeller tief
unter dem Meeresboden zu gewinnen. Mit Hilfe neuer Analysemethoden fand
ein deutsch-amerikanische Team heraus, dass einige der in der tiefen
Biosphäre lebenden Archaeen Methan zu Kohlendioxid abbauen und das
ohne Sauerstoff und bei vergleichsweise geringen Methankonzentrationen.
Bislang kannte man anaerobe Methanoxidierer nur aus Gebieten, wo relativ
viel Methan vorkommt. Auch die Art und Weise, wie die Archaeen Methan
umsetzen, ist für die Forscher neu. Ihre Erkenntnisse sind auch
für die Klimaforschung interessant.
Kohlendioxid ist als Treibhausgas 25-mal weniger wirksam als Methan.
Obwohl die Archaeen das Methan tief unter dem Meeresboden abbauen, haben
sie einen großen Einfluss auf den Treibhauseffekt. "Die Prozesse
laufen zwar extrem langsam ab, aber da diese an allen
Kontinentalhängen über riesige Flächen stattfinden,
setzen die Archaeen insgesamt riesige Mengen Methan zu Kohlendioxid um",
erklärt Kai-Uwe Hinrichs, Leiter des Forschungsteams vom DFG, im
Gespräch mit pressetext. "Eine kurzfristige Lösung für
den Treibhauseffekt können die Archaeen vermutlich nicht liefern,
langfristig gesehen haben sie aber schon einen Einfluss auf die
Klimawirkung."
Archaeen sind einzellige Lebewesen, die mit Bakterien etwa so eng
verwandt sind wie der Mensch. Neben Bakterien und Eukaryonten, also
Pflanzen, Tieren und Pilzen, bilden die Archaeen eine dritte riesige
Obergruppe. "Wie bei Eukaryonten gibt es innerhalb der Gruppe der
Archaeen eine große Artenvielfalt", berichtet Hinrichs. Nicht alle
der urtümlichen Einzeller bauen daher Methan ab, einige
produzieren das Treibhausgas sogar. Ein großer Teil davon wird
jedoch von den methanoxidierenden Verwandten wieder zu Kohlendioxid
abgebaut. "Wir kannten Archaeen bisher hauptsächlich von
lebensfeindlichen Orten wie heißen Quellen in der Tiefsee und an
Land, extrem salzigen Lösungen und Erdöllagerstätten,"
ergänzt Geochemiker Hinrichs. Erst im Rahmen des Ozean Bohr
Programms konnten die Forscher anhand von Sedimentproben nachweisen,
dass Archaeen auch tief unter dem Meeresboden vorkommen.
Die in der tiefen Biosphäre lebenden Bakterien und Archaeen machen
etwa ein Zehntel der lebenden Biomasse auf der Erde aus. Geringe
Nährstoffkonzentrationen, ein extrem niedriger Stoffwechsel und
ungewöhnliche Stoffwechselwege ermöglichen es den
urtümlichen Einzellern, bis zu 2.000 Jahre alt zu werden. Dabei ist
erst seit relativ kurzer Zeit bekannt, dass tief unter dem Meeresboden
im Sediment ein eigenes Ökosystem existiert. "Unsere Forschung
steckt noch in den Kinderschuhen", meint Hinrichs, der noch mit einigen
spannenden Entdeckungen auf diesem Gebiet rechnet. "Wir wissen weniger
über den Lebensraum im tiefen Ozeanboden als über manche
Himmelskörper." Weil die Techniken der Wissenschaftler auch
für die Suche nach Leben auf anderen Planeten geeignet ist,
fördert die NASA Teile der Forschung.
(Quelle: pte)