Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertundvierzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Ministerpräsident Dschaafari ruft Prediger zu Friedensgebeten auf.
Erneut Fahrverbot für Bagdad und Umgebung. UNHCR sorgt sich um
Palästinenser im Irak
Sa.04.03.06 - Angesichts der explosiven Lage im Irak hat Regierungschef Ibrahim
Dschaafari die islamischen Prediger aufgefordert, in ihren
Freitagsgebeten Anschlägen und religiösen Ausschreitungen eine
Absage zu erteilen. Die Imame sollten sich für ein friedliches
Miteinander und für die Einheit der Iraker aussprechen, sagte der
Ministerpräsident laut dem Fernsehsender El Irakija. Die Regierung
werde unnachsichtig mit allen Geistlichen umgehen, die Gewalt predigten.
Bei einem Überfall auf zwei Ziegeleien in Nahrawan, zehn Kilometer
östlich der Hauptstadt Bagdad, tötete eine Gruppe bewaffneter
Männer am Donnerstagabend nach Angaben des irakischen
Innenministeriums mindestens 18 schiitische Arbeiter. Dieselbe Gruppe
habe in Nahrawan auch ein Umspannwerk angegriffen, hieß es. Dabei
seien mindestens neun Männer getötet worden. Zwei
Wachmänner wurden demnach verletzt, ein weiterer wurde verschleppt.
In der Gegend der nordirakischen Stadt wurden nach Polizeiangaben zwei
Polizisten und ein irakischer Soldat getötet.
In Bagdad galt am Freitag vorübergehend ein Fahrverbot.
Dschaaffari hatte in einer am Donnerstagabend im irakischen Fernsehen
verlesenen Erklärung angekündigt, dass die
Sicherheitskräfte die Autos all derer beschlagnahmen würden,
die sich über das Verbot hinwegsetzten. Bereits am vergangenen
Sonntag hatte ein Fahrverbot für Bagdad und seine Außenzirke
gegolten.
An den beiden Tagen zuvor hatten die Behörden eine Ausgangssperre
verhängt, um gewaltsame Zusammenstöße nach dem Anschlag
auf die Goldene Moschee in Samarra am 22. Februar zu verhindern. Bei
Attentaten und Ausschreitungen zwischen Sunniten und Schiiten waren nach
dem Anschlag amtlichen Angaben zufolge 379 Menschen getötet worden.
Angesichts der anhaltenden Gewalt im Irak sorgt sich das
UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) um die Sicherheit von tausenden
dort lebenden palästinensischen Flüchtlingen. Viele der
sunnitischen Palästinenser dächten inzwischen darüber
nach, das Land zu verlassen, teilte das Brüsseler UNHCR-Büro
am Freitag unter Berufung auf Angaben einer Bagdader
Menschenrechtsorganisation mit. Das UNHCR registrierte nach dem
Irak-Krieg allein in Bagdad etwa 23.000 palästinensische
Flüchtlinge. Kleine Gruppen hielten sich zudem in Mossul und Basra
auf. Die irakische Regierung schätzt die Zahl der Flüchtlinge
laut UNHCR auf insgesamt mindestens 34.000.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 04.03.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertneunundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.04.03.05 - Iraks Kurden bleiben bei Forderung nach Föderalismus unnachgiebig +++
Laut US-Außenministerin Rice hat Irak-Wahl den ganzen Nahen Osten
beeinflusst +++ Sechs Tote bei Anschlägen im Irak - Weiter
Ausnahmezustand +++ US-Armee hat wegen steigender Opferzahlen im Irak
Personalsorgen +++ US-Kommandeur erwartet Rückgang der Anschläge
im Irak +++ Hochdekorierter Saddam-General von USA als Kommandeur
zurückberufen +++ Spannungen im französischen Regierungslager um
Irak-Geiseldrama...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0503040.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost
Palästinensischer Jugendlicher von Soldaten getötet
Sa.04.03.06 - Israelische Soldaten haben im Westjordanland einen palästinsischen
Jugendlichen erschossen. Der 15-Jährige wurde während einer
israelischen Militäraktion im Flüchtlingslager Ein Beit Elma
in Nablus tödlich getroffen, wie palästinensische Sicherheits-
und Rettungskräfte berichteten. Das Opfer hielt sich auf dem Dach
des Hauses seiner Familie auf. Ein 18-jähriger Palästinenser
wurde von den israelischen Soldaten durch Schüsse verletzt.
(Quelle: afp)
Hamas nennt israelischen Abzug Voraussetzung für Nahost-Frieden
Sa.04.03.06 - Die radikal-islamische Palästinenser-Bewegung Hamas hat bei
Gesprächen in Moskau einen israelischen Abzug aus den
Palästinensergebieten zur Vorbedingung für einen
Friedensprozess gemacht. «Frieden kann es nicht geben, solange
die Besatzung andauert.»
Das sagte Hamas-Delegationsleiter Chaled Maschaal am Freitag nach einem
Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow.
«Unsere Bewegung wird Schritte hin zum Frieden unternehmen, falls
Israel sich offiziell bereit erklärt, zu den Grenzen von 1967
zurückzukehren und einer Rückkehr der palästinensischen
Flüchtlinge zustimmt, den Sperrwall zerstört und alle
palästinensischen Häftlinge aus dem Gefängnis
freilässt», fügte er bei einer gemeinsamen
Pressekonferenz hinzu. Lawrow sagte, er habe der Hamas-Delegation
deutlich gemacht, dass die Bewegung das Existenzrecht Israels
anerkennen und der Gewalt abschwören müsse. Auch müsse
sie sich an alle Abkommen unter dem als Road Map bekannten Friedensplan
halten. Das sei notwendig, um den Friedensprozess wieder in Gang zu
bekommen.
Maschaal sagte weiter, Israel bleibe «ein Aggressor-, ein
Besatzerstaat», und das palästinensische Volk sei das
«Opfer». «Israel hat seine Aggression nicht
eingestellt, hat die politischen Gefangenen nicht freigelassen. Deshalb
sind wir an einem Waffenstillstand nicht interessiert.» Eine neue
Regierung unter der Hamas werde der Korruption den Kampf ansagen, um
Gelder einzusparen, die dann für den wirtschaftlichen Aufbau
genutzt werden sollten.
(Quelle: dpa)
Hamas-Charta fordert die Zerstörung des Staates Israel
Die 1987 gegründete radikal-islamische
Palästinenserorganisation Hamas hat in ihrer Charta die
Zerstörung Israels als Ziel festgelegt.
Nach ihrem Wahlsieg bei der Parlamentswahl am 25. Januar hat sie
internationale Forderungen nach einer Abkehr von ihrem Grundsatzpapier
bisher ausgeschlossen. In der Charta heißt es unter anderem:
«Israel wird aufsteigen und bestehen bleiben, bis der Islam es
auslöscht, so wie er seine Vorgänger ausgelöscht hat.
(...) Die Islamische Widerstandsbewegung ist eine betont
palästinensische Bewegung, deren Treue Allah gilt und deren
Lebensart der Islam ist. Sie strebt danach, die Flagge Allahs über
jeder Handbreit Palästinas zu hissen. (...) Palästina ist
islamisches Land. Daher ist die Befreiung Palästinas eine
individuelle Pflicht jedes Muslimen. (...) Friedensinitiativen und so
genannte friedliche Lösungen und internationale Konferenzen
widersprechen den Prinzipien der Islamischen Widerstandsbewegung. (...)
Es gibt keine Lösung des palästinensischen Problems
außer durch den Heiligen Krieg. Initiativen, Vorschläge und
internationale Konferenzen sind reine Zeitverschwendung. (...) Den Kreis
des Widerstandskampfes gegen den Zionismus zu verlassen, ist Hochverrat,
und verflucht sei, wer dies tut. (...) Der jüngste Tag wird nicht
kommen, bevor Muslime Juden bekämpfen (und töten); bis die
Juden sich hinter Felsen und Bäumen verstecken, die rufen werden:
Oh Muslim! Da versteckt sich ein Jude hinter mir, komm her und
töte ihn! (...) Hamas sieht sich als Speerspitze des Kampfes gegen
den Welt- Zionismus. Es sind mehr Schritte von arabischen und
islamischen Völkern und islamischen Gruppen in der arabischen Welt
notwendig, um die nächste Runde im Kampf gegen die
kriegstreiberischen Juden zu ermöglichen.»
dpa, 03.03.2006
Hintergrund: Das palästinensische Parlament
Die Gründung eines palästinensischen Parlaments war in den
Friedensverträgen zwischen Israel und den Palästinensern von
1993 vereinbart worden.
Es war zunächst als Übergangsparlament bis zur Gründung
eines palästinensischen Staates gedacht. Die ersten
palästinensischen Wahlen fanden im Januar 1996 statt. Dabei waren
radikale Gruppen wie die Hamas, die in diesem Jahr erstmals kandidierte,
gar nicht angetreten. Das erste Parlament wurde von der Fatah-Bewegung
Jassir Arafats dominiert.
Nach Ausbruch des Palästinenseraufstands im September 2000 waren
neue Wahlen immer
wieder verschoben worden. Nach jahrelangem Drängen des Parlaments
unterzeichnete der damalige Palästinenserpräsident Arafat im
Mai 2002 ein Grundgesetz, das als Vorläufer einer Verfassung gilt
und die Gewaltenteilung regelt. Die Zahl der Abgeordneten wurde von 88
auf 132 erhöht.
Bei der Wahl am 25. Januar errang die islamistische Hamas-Bewegung
einen überwältigenden Sieg. Mit 74 Mandaten hat sie nun das
Sagen. Der Hamas-Politiker Abdel Asis Dweik wurde zum
Parlamentspräsidenten gewählt. Der Hauptsitz des Parlaments
ist in Ramallah, es besteht jedoch bei Sitzungen eine Videoverbindung zu
Abgeordneten in Gaza.
Im palästinensischen Machtgefüge ist das Parlament eher
schwach, seine Kompetenzen werden von der Präsidentialmacht
überstrahlt. Zu Lebzeiten des im November 2004 gestorbenen Arafat
hatten USA und EU sich um eine Stärkung des Abgeordnetenhauses als
Gegengewicht bemüht. Seit dem Wahlsieg der Hamas hat sich dieser
Prozess umgekehrt. In der Frage von Friedensverhandlungen mit Israel
sowie in Beratungen mit Geberländern hat das Parlament keine
Autorität, diese Rolle fällt der Palästinensischen
Befreiungsorganisation PLO zu.
dpa, 03.03.2006
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Kenianische Polizei geht bei Razzia massiv gegen Mediengruppe vor
Sa.04.03.06 - Bei einer Razzia bei der zweitgrößten kenianischen
Mediengruppe Standard haben bewaffnete Polizisten in der Nacht zum
Donnerstag einen Fernsehsender abgeschaltet und eine Druckerpresse
zerstört. Ein Polizeisprecher erklärte in Nairobi, die
nationale Sicherheit sei in Gefahr gewesen. Bei dem Einsatz sei es um
die Sicherung von Beweisen für den Vorwurf gegangen, Journalisten
hätten Geld dafür erhalten, um mit einer Artikelserie für
Unruhe zu sorgen. Die Polizei drang mit Gewehren in die Büros ein
und beschlagnahmte Computer und weiteres Material. Der Polizeisprecher
bestritt Angaben von Augenzeugen, dass sie dabei auch die aktuelle
Ausgabe der Zeitung "The Standard" verbrannten. Das unabhängige
Blatt gibt es seit 104 Jahren.
(Quelle: afp)
Weltbankbericht nennt Unterernährung als Hemmnis für
Entwicklung
Sa.04.03.06 - Unterernährung ist nach Einschätzung der Weltbank ein
wesentliches Hindernis für Entwicklung. Mangelernährung
verringere das Wirtschaftswachstum armer Länder jährlich um
zwei bis drei Prozent, hieß es in einem Bericht der Institution,
der am Donnerstag in Washington vorgestellt wurde. In Politik und
Wirtschaft werde noch oft übersehen, dass Unterernährung "eng
verknüpft ist mit schlechtem Gesundheitszustand und
Umweltfaktoren", sagte der stellvertretende Leiter der
Weltbank-Abteilung für humanitäre Entwicklung, Jean-Louis
Sarbib. Die Hälfte aller Todesfälle bei Kindern könne
ganz oder teilweise auf Mangelernährung zurückgeführt
werden. Der Bericht mit dem Titel "Neupositionierung von Ernährung
als zentralem Faktor für Entwicklung" verglich Unterernährung
daher mit der Pest, die im 14. Jahrhundert ein Drittel der
europäischen Bevölkerung dahingerafft hatte.
(Quelle: afp)
USA wollen Indien moderne Waffensysteme verkaufen
Sa.04.03.06 - Nach dem historischen Atom-Abkommen zwischen den USA und Indien will
die US-Regierung Indien hochmoderne Waffensysteme verkaufen. «Es
ist unser Ziel, Indien dabei zu unterstützen, den Bedarf im
Verteidigungsbereich zu decken», teilte das Pentagon in Washington
während des ersten Besuchs von US-Präsident George W. Bush in
Indien mit.
Man wolle «wichtige Fähigkeiten und Technologien liefern,
nach denen Indien strebt». Die USA wollten Indien unter anderen
F-16- und F-18-Kampfflugzeuge anbieten. Die Aussichten für
Geschäfte bei Kampfjets, Hubschraubern, Flugzeugen zur
Seeüberwachung und Schiffen seien «vielversprechend».
US-Präsident George W. Bush setzte seinen Indien-Besuch am Freitag
mit einer Reise in die südindische High-Tech-Metropole Hyderabad
fort. Während dort auf den Straßen Tausende Menschen gegen
Bush demonstrierten traf der Präsident mit Jungunternehmern, Bauern
und Wissenschaftlern zusammen. Er flog am Nachmittag (Ortszeit)
zurück nach Neu Delhi. In der indischen Hauptstadt wollte er am
Abend an einem historischen Fort die zentrale Rede seiner ersten
Südasien- Reise halten. Am Donnerstag hatten sich Indien und die
USA auf ein von beiden Seiten als historisch bezeichnetes Atom-Abkommen
geeinigt.
Nach mehr als 30-jährigem Boykott wollen die USA demnach als
erstes Land der Welt wieder Atomtechnologie und Nuklearmaterial zur
zivilen Nutzung an Indien liefern. Der US-Kongress muss noch zustimmen.
Indien hat den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet. Bush reist
vermutlich am Freitagabend nach Pakistan weiter.
(Quelle: dpa)
EU-Trio und Iran finden keine Einigung im Atom-Streit
Sa.04.03.06 - Die Spitzengespräche des EU-Trios aus Deutschland, Frankreich und
Großbritannien mit dem iranischen Atomunterhändler Ali
Laridschani haben keine Einigung gebracht. Das sagtenDeutschlands
Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein französischer
Kollege Philippe Douste-Blazy in Wien. Steinmeier wertete die
Unterredungen als "konstruktiv"; es habe aber keine Einigung gefunden
werden können. Ein Vertreter der iranischen Delegation sagte, sein
Land sei optimistisch, dass die Gespräche fortgesetzt würden.
Das Treffen fand drei Tage vor den entscheidenden Beratungen der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) über Irans
Atomprogramm in der österreichischen Hauptstadt statt. Der
IAEA-Gouverneursrat berät am Montag, ob der Streit an den
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verwiesen wird. Im August hatte
das EU-Trio die Atomverhandlungen abgebrochen, nachdem der Iran die
Wiederaufnahme seines Programm zur Urananreicherung angekündigt
hatte. Nach Angaben Teherans soll dieses Programm ausschließlich
einer friedlichen Nutzung der Atomkraft dienen; im Westen wird diese
Darstellung jedoch angezweifelt.
(Quelle: afp)
Chinas Polizei geht verschärft gegen Kritiker vor
Sa.04.03.06 - Wenige Tage vor Beginn der jährlichen Sitzung des Volkskongresses
gehen die Sicherheitskräfte in China verschärft gegen Kritiker
vor. Bei einer Razzia in Peking seien mehr als 400 Menschen festgenommen
worden, teilten Menschenrechtsaktivisten der Nachrichtenagentur AFP
mit. Die Betroffenen waren den Angaben zufolge nach Peking gekommen, um
ihre Proteste gegen Chinas Rechtssystem vorzubringen. "Ich habe
gehört, dass die Polizei zurückkommen möchte, um mehr
Menschen mitzunehmen", sagte Qian Lili, die sich seit Jahren für
einen gerechten Prozess wegen des Mordes an ihrem Sohn bemüht.
Ein seit der Kaiserzeit bestehendes Klagesystem sieht vor, dass sich
Bürger an die Zentralregierung wenden dürfen, wenn sie sich
von der Justiz oder der lokalen Regierung ungerecht behandelt
fühlen. Daher kommen jedes Jahr zehntausende Kläger kurz vor
der Einberufung des nationalen Volkskongresses nach Peking. Die
normalerweise zweiwöchige Sitzungsperiode des Parlaments soll am
Sonntag beginnen.
In der Provinz Anhui nahm die Polizei nach Angaben einer
US-Religionsorganisation in einer Bibelschule 36 Menschen fest. Unter
den Festgenommenen seien Pastoren und Schüler, teilte die in Texas
ansässige China Aid Association mit. Bei der Razzia seien auch
10.000 christliche Bücher konfisziert worden. Die Schule
gehörte den Angaben zufolge zu einer Untergrundkirche, die nicht
von den chinesischen Behörden anerkannt ist.
(Quelle: afp)
Brasilien 'privatisiert' den Amazonas-Regenwald
Sa.04.03.06 - Brasilien privatisiert die Nutzung des Amazonas- Regenwaldes.
Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva unterzeichnete am
Donnerstagabend (Ortszeit) in Brasilia ein umstrittenes Gesetz, mit dem
in erster Linie die Holzgewinnung in der so genannten
größten grünen Lunge der Welt geregelt und die
nachhaltige Entwicklung der Urwaldregion gefördert werden sollen.
Nach dem Gesetz sollen im Prinzip die rund fünf Millionen
Quadratkilometer des Amazonas-Urwalds ausgeschrieben werden. Das
Umweltministerium teilte aber mit, in den nächsten zehn Jahren
wolle man für rund drei Prozent dieser Gesamtfläche Lizenzen
gewährt haben. Die linksgerichtete Regierung versichert, dass
dadurch der illegalen Landaneignung und Holzgewinnung Einhalt geboten
werde. Kritiker des Gesetzes meinen dagegen, die Regierung könne
das Geschäft im Riesenland nicht kontrollieren.
Im Rahmen des «Gesetzes zur Verwaltung der öffentlichen
Wälder» sollen Ausbeutungslizenzen mit 5- bis
40-jährigen Laufzeiten gewährt werden. Es sollen nach
Zusicherung aus Brasilia nur jene Aktivitäten zugelassen werden,
die nicht zur dauerhaften Zerstörung des Regenwaldes führen.
Holzfirmen und andere Unternehmen sollen sich zur umweltfreundlichen
Verwaltung ihres jeweiligen Gebietes verpflichten. Alle fünf Jahre
solle diesbezüglich eine unabhängige Kontrolle
durchgeführt werden. Dazu soll der «Brasilianische
Wald-Dienst» gegründet werden.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte die
Verabschiedung des Gesetzes. Es werde zur Entspannung der sehr
schlechten sozialen und Umwelt-Situation im Amazonas-Regenwald
beitragen. «Mit dem neuen Gesetz eignet sich die öffentliche
Gewalt wieder die ihr gehörenden Landflächen an, die im Laufe
der Geschichte von illegalen Landaneignern, Holzfirmen und
Grundbesitzern geplündert wurden. Das allein ist schon sehr
positiv», sagte Paulo Adario, Koordinator der Amazonien-Kampagne
von Greenpeace.
Laut Adario wird die Holzindustrie nun nicht mehr argumentieren
können, dass sie aufgrund des Mangels an wirtschaftlich nutzbaren
privaten Waldgebieten im illegalen Bereich agieren müsse.
«Der Holzsektor wird dazu angehalten, das Gesetz zu respektieren
und den Regenwald in nachhaltiger Form auszubeuten», sagte Adario.
Das Gesetz werde allerdings - so die Warnung des Greenpeace-
Koordinators - nur dann wirksam den Regenwald schützen, wenn der
Staat die mit der Kontrolle der Wirtschaftsaktivitäten im Urwald
beauftragten Institutionen wie Bundespolizei und
Umweltschutzbehörde Ibama stärke. Zudem müsse die
Korruption stärker bekämpft werden.
Einige Organisationen und nationalistische Abgeordnete prangerten das
Gesetz jedoch scharf an. Für den Koordinator der Kommission
für Umweltrecht der brasilianischen Anwaltskammer, Marcos
Montenegro, bedeutet das Gesetz eine «Übergabe des
Amazonas-Regenwaldes an das ausländische Kapital». Andere
Kritiker meinten, die Tatsache, dass die Kontrollen nur alle fünf
Jahre vorgesehen seien, ermögliche wahre Umweltkatastrophen. Der
Staat habe zudem nicht die Mittel, um alle Kontrollen
durchzuführen.
(Quelle: dpa)
EU-Gericht verurteilt Türkei wegen Misshandlungen
Sa.04.03.06 - Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die
Türkei abermals wegen schwerer Misshandlungen verurteilt. Die
Straßburger Richter gaben einem im deutschen Asyl lebenden
türkischen Anwalt Recht, der im Juni 1991 in Istanbul im
Zusammenhang mit der Ermordung eines Generals festgenommen worden war
und von Polizisten misshandelt wurde. Die Regierung in Ankara wurde
angewiesen, dem heute 41 Jahre alten Mann 17.500 Euro Schmerzensgeld zu
zahlen.
Der Türke, dem die Unterstützung einer des Mordes
beschuldigten linksextremen Organisation zur Last gelegt wurde, blieb
zwei Wochen in Polizeigewahrsam und durfte während dieser Zeit
keinen Anwalt sehen. Nach seiner vorläufigen Entlassung stellte ein
Gerichtsmediziner zahlreiche Verletzungen fest, unter anderem Wunden am
Mund, Blutergüsse an den Geschlechtsteilen und Spuren von
Schlägen an Händen und Füßen.
Das medizinische Gutachten habe Foltervorwürfe der Istanbuler
Anwaltskammer und des Menschenrechtsausschusses im türkischen
Parlament untermauert, heißt es in dem Urteil des
Menschenrechtsgerichtshofs. Die türkische Regierung habe im
übrigen keine "plausiblen Erklärungen" für die
Verletzungen abgegeben.
Die Straßburger Richter rügten ferner, dass die
türkische Justiz nach der Strafanzeige des Mannes keine
Ermittlungen eingeleitet hatte. Damit sei gegen das Grundrecht auf
wirksame Rechtsmittel verstoßen worden. Im Dezember 1995 wurde der
Anwalt von einem türkischen Strafsicherheitsgericht zu zwölf
Jahren Haft wegen Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung
verurteilt. Dieses Urteil bestätigte der Kassationsgerichtshof in
Ankara ein Jahr später. In der Zwischenzeit war der Mann nach
Deutschland geflohen, wo er politisches Asyl erhielt. Heute lebt er in
Düsseldorf.
(Quelle: afp)
EU-Kommission will wegen Defizits Druck auf Berlin verstärken
Sa.04.03.06 - Die EU-Kommission will trotz der deutschen Bemühungen um eine
Verringerung des Haushaltsdefizits den Druck auf Berlin zur Einhaltung
des Stabilitätspakts verstärken. Wirtschafts- und
Finanzkommissar Joaquín Almunia sagte am Mittwoch in
Brüssel, er werde die EU-Finanzminister zu einer härteren
Gangart gegen Deutschland auffordern, um eine dauerhafte Korrektur des
Haushalts zu garantieren. Deutschlands Finanzminister Peer
Steinbrück zeigte sich mit der Verschärfung des Verfahrens
einverstanden.
Almunia lobte die Pläne der Bundesregierung für
Ausgabenkürzungen. Diese müssten aber auch strikt umgesetzt
werden, mahnte er. Die Entscheidung zeige, dass die Regeln für alle
EU-Länder gleichermaßen angewandt würden - ob sie klein
oder groß seien. Die Feststellung der deutschen Regierung aus der
vergangenen Woche, dass das Defizit im vergangenen Jahr kleiner
ausgefallen sei als erwartet, sei «eine gute Nachricht, aber nicht
genug».
Die Kommission warnte, dass die längerfristigen
Wachstumserwartungen Berlins sich als zu optimistisch erweisen
könnten. Für diesen Fall drohten Einnahmeverluste. «Das
Szenario für 2006 erscheint plausibel», erklärte die
Kommission. «Von da an scheint das zentrale Szenario aber auf der
hohen Seite angesiedelt zu sein.»
Steinbrück erklärte, die deutsche Regierung sei «mit
der heutigen Entscheidung der EU-Kommission einverstanden». Sie
wolle den Stabilitätspakt durch ein vorbildliches Verhalten
Deutschlands unterstützen. «Das Defizitziel schon in 2006
erreichen zu wollen, wäre aus unserer Sicht nur mit
Konsolidierungsschritten erreichbar gewesen, die den konjunkturellen
Aufschwung gefährdet hätten», schränkte er ein. Ab
2007 werde die Einhaltung des Defizitkriteriums aber sichergestellt.
Die deutsche Regierung hat für dieses Jahr ein Defizit von 3,3
Prozent prognostiziert, womit das Stabilitätskriterium das
fünfte Jahr in Folge überschritten würde. 2007 sollen die
Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent und Kürzungen im
Sozialbereich einen Rückgang auf 2,5 Prozent bewirken, bis 2009
soll das Defizit auf 1,5 Prozent abgebaut werden.
Die deutsche Regierung erwartet, dass das Wachstum des
Bruttosozialprodukts von 0,9 Prozent im vergangenen Jahr auf 1,4 Prozent
in diesem Jahr steige. 2007 wird ein Rückgang auf 1,0 Prozent
prognostiziert. Für die Jahre 2005 bis 2009 soll das
durchschnittliche Wachstum bei 1,5 Prozent liegen.
Der Vorsitzende des Europaausschusses des Bundestages, Matthias
Wissmann (CDU), erklärte, der Beschluss der EU-Kommission
stärke die Motivation, das selbst gesetzte Ziel der
Schuldenreduzierung konsequent voranzutreiben. Der CSU-Finanzexperte
Georg Fahrenschon warnte, bei einer Verfehlung des Dreiprozentlimits im
nächsten Jahr drohten Deutschland Strafzahlungen in
Milliardenhöhe.
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages
(DIHK), Ludwig Georg Braun, forderte «Schluss mit der
Schuldenpolitik». Noch immer gehe die Regierung sorglos mit neuen
Schulden um. Braun erinnerte daran, dass die Schuldenquote weiter
erheblich über der vom Stabilitätspakt geforderten
60-Prozent-Grenze liege. Statt die Ausgaben zu begrenzen, werde die
Mehrwertsteuer erhöht, kritisierte er. Der DIHK forderte die EU
auf, mit der angekündigten härteren Gangart im
Defizitverfahren auch Ernst zu machen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Reiche Bundesländer drohen mit Ende von Finanzausgleich
Sa.04.03.06 - Die finanzstarken Bundesländer Hessen und Baden-Württemberg
haben mit der Aufkündigung des Länderfinanzausgleichs gedroht.
Die Finanzminister beider Länder, Karlheinz Weimar und Gerhard
Stratthaus (beide CDU), sagten der "Berliner Zeitung", sie verfolgten
die Verfassungsklage des Landes Berlin auf zusätzliche
Unterstützung in Milliardenhöhe mit Sorge. Berlin hat in
Karlsruhe Klage eingereicht, um mehr Hilfen vom Bund und den
Ländern zu bekommen.
"Wenn dieses Beispiel Schule machen sollte, dann bleibt den
Nettozahlern nichts anderes übrig, als den Finanzausgleich
aufzukündigen", warnte der hessische Finanzminister Weimar.
"Sollten sich den Klagen weitere Länder anschließen, stellt
sich für die Zahlerländer ernsthaft die Frage, ob das
bestehende System nicht erneut vom Verfassungsgericht geprüft
werden muss", sagte Stratthaus.
Das Land Berlin macht in seiner Klage vor dem Bundesverfassungsgericht
geltend, den Schuldenberg von mittlerweile 62 Milliarden Euro nicht
allein abtragen zu können. Hessen und Baden-Württemberg
fürchten als sogenannte Zahlerländer im
Länderfinanzausgleich, dass sie stärker zur Kasse gebeten
werden, sollte Berlin Recht bekommen.
(Quelle: afp)
Sozialtarifvertrag bei AEG unterschrieben
Sa.04.03.06 - Der Sozialtarifvertrag für die Beschäftigten des AEG-Werks in
Nürnberg ist unterschrieben. Vertreter der IG Metall und des
schwedischen Mutterkonzerns Electrolux hätten das Papier am Freitag
unterzeichnet, sagte ein Gewerkschaftssprecher auf Anfrage. Nun werde
die Tarifkommission beraten und eine Empfehlung abgeben. Damit
könne die Urabstimmung am Montag oder Dienstag stattfinden. Ab
Mittwoch könnte dann in dem seit sechs Wochen bestreikten Werk die
Arbeit wieder aufgenommen werden.
(Quelle: afp)
Ex-Vorstand von Grundig erstreitet vor Gericht nachträgliche
Prämie
Sa.04.03.06 - Der ehemalige Vorstandssprecher des insolventen
Unterhaltungselektronikherstellers Grundig, Werner Saalfrank, hat vor
dem Landgericht Nürnberg-Fürth eine Prämie von 30.000
Euro für seine Verdienste um das Unternehmen erstritten. Saalfrank
hatte die Klage mit einer Tantiemenvereinbarung aus der Zeit vor der
Pleite begründet, wie das Gericht am Freitag mitteilte.
Ursprünglich hatte der Manager, der im April 2003 vom
Produktionsvorstand zum Vorsitzenden berufen wurde, fast 75.000 Euro
verlangt.
Der Vorsitzende Richter Gerd Bolik machte während der Sitzung
seinen Unmut darüber deutlich, dass sich «einige Manager mit
Hilfe der Gerichte ihre Pfründe sichern». Er verwies auf die
anstehenden Entlassungen bei AEG und betonte, die Bevölkerung werde
wenig Verständnis für solche Forderungen haben.
In der Verhandlung wurde bekannt, dass der hochbezahlte Manager als
Mitglied des Insolvenz-Teams 250 Euro pro Stunde kassiert hatte. Dies
entsprach sogar einer Erhöhung seiner monatlichen Bezüge um
mehr als 19 000 Euro. Bei der Grundig-Pleite verloren 700 von 1300
Beschäftigten in Nürnberg ihre Jobs.
(Quelle: ddp)
Regierung schließt Rentenerhöhung vor 2009 aus
Sa.04.03.06 - Die Bundesregierung schließt Rentenerhöhungen in den
kommenden beiden Jahren definitiv aus: "Bis einschließlich 2008
erfolgt keine Rentenerhöhung", zitierte die "Berliner Zeitung" aus
einem Begleitschreiben zum Rentenversicherungsbericht, den
Bundessozialminister Franz Müntefering (SPD) an seine
Kabinettskollegen verschickt habe. Nach den Berechnungen der
Regierungsexperten sollen die Rentenbeiträge langfristig wieder
sinken.
Bis zum Jahr 2012 bleibe der Beitragssatz bei 19,9 Prozent. Danach
solle er bis 2019 auf 19,4 Prozent sinken. Der
Rentenversicherungsbericht 2006 soll am kommenden Mittwoch im
Bundeskabinett beschlossen werden.
Müntefering beharre in dem Schreiben auf einer Sonderzahlung des
Bundes an die Rentenkasse im Jahre 2008. "Zur Stabilisierung des
Beitragssatzes bei 19,9 Prozent bis 2009 bedarf es in den
Modellrechnungen eines einmaligen zusätzlichen Beitrages des
Bundes." Über die Höhe der Finanzspritze solle im Jahr 2007
entschieden werden.
Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" hatte am Mittwoch berichtet, dass
die Renten wegen des Nachhaltigkeitsfaktors bis 2016 nicht mehr
spürbar erhöht werden sollten. Das Bundessozialministerium
hatte dies zunächst allerdings nicht bestätigt.
Grundsätzlich will die Regierung laut "Berliner Zeitung" die so
genannte Dynamisierung des Bundeszuschusses stoppen und diesen
künftig weniger stark wachsen lassen. Bundesfinanzminister Peer
Steinbrück (SPD) habe im Rentenversicherungsbericht festhalten
lassen, dass es keinen Automatismus zur Anhebung des Bundeszuschusses
gebe, berichtet das Blatt unter Berufung auf Angaben aus dem
Finanzministerium. Steinbrück wolle in der Kabinettssitzung
überdies eine Debatte über die künftige Finanzierung von
plötzlichen Engpässen in der Rentenkasse anstoßen. Der
Finanzminister hatte sich zuvor vehement gegen die Sonderzahlung des
Bundes gestemmt.
(Quelle: afp)
Karlsruhe: Keine Entschädigung für Nazi-Kriegsverbrechen
Sa.04.03.06 - Deutschland muss für Kriegsverbrechen des Naziregimes keinen
Schadenersatz an Hinterbliebene zahlen. Eine Klage von vier Griechen
wurde vom Bundesverfassungsgericht nach Angaben vom Freitag nicht zu
einer Entscheidung angenommen.
Schon der Bundesgerichtshof hatte zuvor die Forderungen wegen eines vor
fast 60 Jahren begangenen SS-Massakers in Griechenland in einem
Grundsatzurteil abgewiesen. Nach Überzeugung beider Bundesgerichte
lassen sich Ansprüche der Hinterbliebenen weder aus dem
Völkerrecht noch aus deutschem Amtshaftungsrecht ableiten (AZ: 2
BvR 1476/03).
Die Eltern eines in Zürich lebenden Griechen und seiner drei
Schwestern waren im Juni 1944 zusammen mit zahlreichen Bewohnern des
griechischen Dorfs Distomo bei Delphi von einer SS-Einheit erschossen
worden. Mit einer «Vergeltungsaktion» hatten die Soldaten
nach einem Partisanenüberfall Rache an den daran unbeteiligten
Zivilisten genommen und mindestens 217 Menschen getötet.
Nach Ansicht der Karlsruher Verfassungsrichter können allein
Staaten, nicht aber Einzelpersonen Ansprüche aus einer Verletzung
des Kriegsvölkerrechts - hier ging es um die Haager
Landkriegsordnung - ableiten. Zudem habe sich Deutschland bereits durch
Reparationen und Entschädigungen seiner völkerrechtlichen
Verantwortung gestellt. «Bei aller prinzipiellen
Unzulänglichkeit der Wiedergutmachung menschlichen Leids durch
finanzielle Mittel ist dadurch - und mittels der internationalen und
europäischen Zusammenarbeit - versucht worden, einen Zustand
näher am Völkerrecht herzustellen», heißt es in
der Begründung.
Nach Angaben von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste töteten
die deutschen Besatzer in Griechenland bei
«Vergeltungsmaßnahmen» im Zweiten Weltkrieg etwa 30
000 Menschen und zerstörten 460 Ortschaften. Deutschland hat nach
einem Vertrag von 1960 bereits Reparationen in Höhe von 115
Millionen D-Mark (etwa 59 Millionen Euro) an Griechenland gezahlt und
lehnt eine Entschädigung der Hinterbliebenen ab.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Afrika trocknet aus - Wassermangel durch Klimawandel
Sa.04.03.06 - Afrika droht bei einem ungebremsten Ausstoß klimaschädlicher
Treibhausgase eine trockene Zukunft. Bis zum Ende des Jahrhunderts
dürfte ein Viertel des Kontinents laut einer Studie
südafrikanischer Forscher von schwerem Wassermangel geplagt werden.
Die vom Wissenschaftsmagazin «Science» (DOI:
10.1126/science.1119929) veröffentlichte Untersuchung geht davon
aus, dass viele Flüsse und Seen mangels ausreichender
Niederschläge austrocknen werden. Am schlimmsten betroffen
wären dicht besiedelte Gebiete im Süden und Westen des
Kontinents sowie Regionen am Oberlauf des Nils.
Für die Berechnungen verknüpften die Forscher um Maarten de
Wit und Jacek Stankiewicz von der Universität Kapstadt Daten
über Afrikas Flüsse und Seen mit verschiedenen
Klimawandel-Szenarien. Sie unterteilten den Kontinent dazu in ein Raster
von 37 Rechtecken, für die die jährlichen Niederschläge
separat untersucht wurden.
Das Südliche Afrika sowie Teile der dem Kontinent vorgelagerten
Insel Madagaskar sind nach ihren Berechnungen am meisten von Dürren
gefährdet. Wörtlich heißt es in dem
«Science»-Artikel: «Regionen in der Nähe von
Kapstadt, die mehr als die Hälfte ihres Wassernachschubs verlieren,
dürften am meisten zu leiden haben. Was bedeutet: Es wird für
diese Dürre-Region keine Erleichterung geben.» Auch Afrikas
fünftgrößter Fluss - der Orange River - könnte
betroffen sein. Zwischen 1862 und 1903 war er bereits fünf Mal
völlig ausgetrocknet.
Während Ostafrikas Zukunft von den Forschern in einem rosigeren
Licht gesehen wird, sagen sie dem Streifen zwischen Senegal und Sudan
größere Probleme durch die globale Erwärmung voraus, die
vor allem vom klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) ausgelöst
wird. Während sich die Grenzen der Sahara in den Staaten Tschad
und Niger nordwärts bewegten, dürfte sich die Wüste in
Mali und Burkina Faso weiter in Richtung Süden ausbreiten. Die
Wissenschaftler mahnen dazu, dass Politiker in Ländern mit
grenzüberschreitenden Gewässern in Zukunft mehr als bisher
den Zugang zum kostbaren Nass regeln müssen.
(Quelle: dpa)
Hormonelle Störungen durch Umweltgifte
Testverfahren zum Nachweis von endokrinen Disruptoren entwickelt
Sa.04.03.06 - Bestimmte Umweltgifte stehen im Verdacht, das Hormonsystem von Mensch
und Tier zu stören. Europäischen Wissenschaftlern ist es nun
erstmals gelungen, zwei Testsysteme zu entwickeln, die diese hormonell
wirkenden Umweltgifte nachweisen können. Seit Oktober 2002
fördert die EU vier europäische Verbundprojekte, die diese
Zusammenhänge untersuchen mit insgesamt 20 Mio. Euro. Das Projekt
COMPRENDO (Comparative Research on Endocrine Disrupters [http://www.comprendo-project.org])
steht unter Federführung der Johann Wolfgang
Goethe-Universität Frankfurt.
"Die als endokrine Disruptoren bekannten Umweltgifte verweiblichen die
männlichen und vermännlichen die weiblichen Tiere", so die
Projektleiterin Ulrike Schulte-Oehlmann im pressetext-Interview. Diese
Umweltgifte vermindern die Fruchtbarkeit und stehen sogar im Verdacht,
Hoden-, Prostata- und Brustkrebs zu verursachen. "Tatsächlich
handelt es sich um eine Vielzahl an Substanzen", erklärt die
Zoologin. In einer groß angelegten Studie an Fischen in englischen
Gewässern fanden Wissenschaftler Besorgnis erregende
Veränderungen: In durchschnittlich 13 Prozent der männlichen
Tiere fand man Oozyten, das sind Zellen, die zur Bildung von Eiern
bestimmt sind. Weibliche Meeresmollusken entwickelten hingegen
zusätzlich zu ihren Geschlechtsorganen einen Penis und Samenleiter.
"Inzwischen weiß man, dass dafür die in Schiffsfarben
verwendeten Tributylzinn-Verbindungen verantwortlich sind", so die
Expertin. Diese Substanzen sind seit Januar 2003 verboten. Früher
waren sie ein Bestandteil der Antifoulingfarben, mit denen
Schiffsrümpfe vor dem Bewuchs mit Algen, Muscheln und andere Tieren
geschützt wurden. Ein anderer Auslöser für die
Diskussion über endokrine Disruptoren war eine Studie über die
Spermiendichte in menschlichen Samenproben. Im Zeitraum zwischen 1938
und 1988 hatte sich die Spermiendichte bei den später geborenen
Männern nahezu halbiert.
Bisher wurden in erster Linie Substanzen mit einer
östrogenähnlichen Wirkung untersucht. COMPRENDO konzentriert
sich nun auch auf Substanzen mit androgenen und antiandrogenen
Eigenschaften, die also eine ähnliche Wirkung wie männliche
Geschlechtshormone haben oder deren Wirkung aufheben. "Ziel des Projekts
ist es, die Exposition des Menschen gegenüber endokrinen
Disruptoren aufzuklären. Dies geschieht anhand von Blut- und
Gewebeproben sowie der Analyse von Nahrungsmitteln aus verschiedenen
europäischen Ländern", so die Wissenschaftlerin. Die
Wissenschaftler sind zudem auf der Suche nach so genannten
natürlichen "Wächterarten", die anzeigen, welchen Grad der
Verschmutzung ein bestimmtes Ökosystem erreicht hat. "Wirbellose
Tiere wie Krebse und Schnecken sind ideale Testsysteme, weil sie in
großer Zahl in den gefährdeten Gewässern auftreten",
führt Schulte-Oehlmann aus.
Eins zu eins lassen sich die Testergebnisse der niederen Tiere
allerdings nicht auf Säugetiere und den Menschen umlegen. Den
Studien vorangegangen waren auch Experimente mit Seeigeln, Seesternen,
Krebsen und Amphibien. "Untersucht wurden dabei nicht nur die
Veränderungen im Reproduktionssystem, sondern auch in der
Entwicklung", erklärt die Wissenschaftlerin. Außerdem gebe es
Hinweise, dass bestimmte Eigenschaften im Hormonsystem sehr konservativ
gestaltet sind, so dass eine Ableitung von Kaltblütlern auf
höhere Tiere möglich sei.
Im Rahmen von COMPRENDO wurden zwei Tests entwickelt, die für eine
Anwendung auf der OECD-Ebene reif sind. "Das ist ein großer
Fortschritt, denn bisher gibt es noch keine standardisierten und
international anerkannten Testsysteme für endokrine Disruptoren",
erklärt die Expertin abschließend.
(Quelle: pte)