Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertundsiebzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Iraks Parlament soll sich am Sonntag konstituieren. Mindestens sechs
Tote bei Anschlag auf Markt in Bakuba. Sunnitischer Stammesführer
und drei Schiiten in Hawidscha getötet. Britischer Truppenabzug aus
Irak bis Sommer 2008
Di.07.03.06 - Das neue irakische Parlament soll rund drei Monate nach seiner Wahl am
Sonntag zur konstituierenden Sitzung zusammenkommen.
Präsident Dschalal Talabani sagte am Montag, er werde die
Abgeordneten zum letzten Tag der von der Verfassung gesetzten Frist am
12. März einberufen. Allerdings ist es den Parteien noch nicht
gelungen, sich auf eine Regierung unter Einbeziehung aller großen
Bevölkerungsgruppen zu einigen. Eine Eskalation der Gewalt zwischen
den moslemischen Religionsgruppen hat die Regierungsbildung
zusätzlich erschwert. Auch am Montag wurden bei einem Anschlag
wieder Menschen getötet. In Bakuba starben sechs Menschen, als auf
einem Markt eine Autobombe explodierte.
Eine Einigung auf eine Regierung schien weiter in großer Ferne.
Immerhin sei es wahrscheinlich, dass sich die Parteien bei der
konstituierenden Sitzung auf einen Parlamentspräsidenten einigen
könnten, hieß es in Regierungskreisen.
Zuletzt entzündete sich der Streit vor allem am Posten des
Regierungschefs. Sunniten und Kurden haben immer wieder versucht, eine
neue Amtszeit von Übergangsministerpräsident Ibrahim
al-Dschaafari zu verhindern. Er war von der stärksten Fraktion, der
schiitischen Allianz, in einer Kampfabstimmung mit einer Stimme
Mehrheit nominiert worden. Die übrigen Parteien kritisieren vor
allem seine Sicherheits- und Wirtschaftspolitik im vergangenen Jahr. Sie
fordern als Preis für einen Eintritt in die Regierung von den
Schiiten, einen anderen Kandidaten zu benennen.
Die USA haben sich von der Parlamentswahl einen großen Schritt
hin zur Demokratisierung und zur Befriedung des Landes versprochen. Seit
dem Anschlag auf ein schiitisches Heiligtum Ende Februar
verschärfte sich die ohnehin gespannte Lage aber weiter. Hunderte
Menschen wurde bei Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten getötet.
In der von beiden Religionsgruppen bewohnten Stadt Bakuba detonierte am
Montag eine Autobombe auf einem belebten Marktplatz. Dabei wurden sechs
Menschen getötet, darunter zwei kleine Mädchen. 20 Menschen
wurden nach Polizeiangaben verletzt. Die meisten Opfer seien Kinder.
Drei Mitarbeiter eines Restaurants in Hawidscha wurden von Unbekannten
erschossen, wie die Polizei mitteilte. Bei den drei Opfern handelt es
sich den Angaben zufolge um Schiiten. Nach Mordaufrufen gegen Schiiten
seien sie zur Übernachtung anders als üblich nicht nach Kirkuk
gefahren. Die Polizei nahm einen Verdächtigen fest, der
Flugblätter mit den Mordaufrufen verteilt hatte. Der Mann
gehöre der bewaffneten Gruppe Dschaisch Mohammed an. Ebenfalls in
Hawidscha wurde ein sunnitischer Stammesführer getötet. Der
Scheich war Angehöriger der Obaid, eines der drei wichtigsten
Stämme in der Stadt. Hawidscha liegt rund 220 Kilometer
nördlich von Bagdad.
Die meisten britischen Soldaten im Irak sollen nach den Worten ihres
Kommandeurs bis Mitte 2008 abgezogen werden. Generalleutnant Nick
Houghton sagte der Londoner Zeitung "Daily Telegraph"
(Dienstagsausgabe), der stufenweise Abzug sei geplant, weil die Armee
zuversichtlich sei, dass die rund 225.000 neu ausgebildeten irakischen
Soldaten und Polizisten die Sicherheit in dem Golfstaat
gewährleisten könnten. Der erste Schritt zum Abzug könne
schon in einigen Monaten beginnen. Bei den USA gebe es ähnliche
Überlegungen, allerdings nicht unbedingt den gleichen Zeitplan.
Die US-Armee habe dem Vorschlag grundsätzlich zugestimmt.
(Quellen: rtr, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 07.03.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertzweiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.07.03.05 - Ex-Geisel Sgrena erhebt schwere Vorwürfe gegen USA +++ Suche nach
Terrorist Sarkawi in Samarra +++ Bei Angriffen im Irak wurden sieben
Menschen getötet +++ Iraks Parlament tritt erstmals am 16. März
zusammen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0503070.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Iran warnt Westen vor weiterem Druck im Atomstreit
Di.07.03.06 - Unmittelbar vor einer entscheidenden Sitzung der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) hat der Iran den Westen vor weiterem
Druck im Atomstreit gewarnt. Der Westen sollte das Recht des Iran
akzeptieren, dann könne es zu einer Zusammenarbeit kommen, zitierte
die amtliche Nachrichtenagentur Irna Präsident Mahmud
Ahmadinedschad am Montag. Wenn aber politischer Druck auf die Islamische
Republik ausgeübt werde, werde dies Konsequenzen haben. "Es gibt
für sie keinen Grund, sich selbst und uns Probleme zu bereiten."
Der Gouverneursrat der IAEA soll auf seiner Sitzung in Wien
darüber entscheiden, ob der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
(UN) in den Konflikt eingreifen soll. IAEA-Chef Mohamed ElBaradei hatte
in seinem jüngsten Bericht erklärt, auch nach
dreijähriger Kontrolle des iranischen Atomprogramms könnten
militärische Absichten nicht ausgeschlossen werden.
Die EU und die USA verdächtigen Iran, unter dem Deckmantel der
zivilen Nuklearenergie-Forschung nach der Atombombe zu streben. Der Iran
bestreitet dies. Der UN-Sicherheitsrat kann wirtschaftliche, aber auch
militärische Sanktionen beschließen. US-Vertreter hatten
zuletzt erklärt, Sanktionen stünden derzeit noch nicht zur
Debatte.
(Quelle: rtr)
Pakistanische Armee tötet 120 islamistische Kämpfer
Di.07.03.06 - Bei schweren Kämpfen zwischen Soldaten und Taliban-Anhängern
sind im Norden Pakistans etwa 120 Rebellen getötet worden. Nach
dreitägigen Gefechten rückte die Armee nach eigenen Angaben
unter dem Schutz von Kampfhubschraubern in die umkämpfte Stadt
Miranshah im Stammesgebiet an der Grenze zu Afghanistan ein und
besetzte den Marktplatz sowie mehrere Regierungsgebäude. Es sei
eine Ausgangssperre verhängt worden. Anwohner berichteten, mehr
als tausend Familien seien aus dem Gebiet geflohen, nachdem sich
Soldaten und Milizen mit Raketen und Artillerie beschossen hatten.
Die Kämpfe in der Grenzstadt Miranshah hatten am Samstag begonnen,
als Islamisten ein Regierungsgebäude besetzten. Allein am Montag
starben nach Angaben der Armee 19 Menschen, als die Armee eine besetzte
Telefonzentrale stürmte. Damit habe sich die Zahl der seit Samstag
getöteten Islamisten auf knapp 120 erhöht. Auch fünf
Soldaten seien bei den Gefechten ums Leben gekommen, sagte ein
pakistanischer Militärsprecher. Es waren die schwersten
Kämpfe in der Region seit dem Sturz der Taliban-Regierung im
Nachbarland Afghanistan Ende 2001. Die Armee setzte nach eigenen
Angaben Kampfhubschrauber ein, um den Rest des Widerstands in der
Region zu brechen.
Unterdessen kritisierte Pakistans Präsident Pervez Musharraf
seinen afghanischen Kollegen Hamid Karsai für dessen Haltung im
Kampf gegen den Terrorismus. Im US-Fernsehsender CNN sagte Musharraf am
Sonntag, dass er schwer enttäuscht vom afghanischen Geheimdienst
sei. "Präsident Karsai merkt nicht einmal, was in seinem eigenen
Land vor sich geht." Die Übermittlung von
Geheimdiensterkenntnissen aus Afghanistan sei mangelhaft. Zu einer
guten Zusammenarbeit gehöre, geheimdienstliche Informationen und
Kontakte "unverzüglich zu übermitteln und nicht monatelang
auf einen Präsidentenbesuch zu warten", um sie dann zu
übergeben.
Mehr als drei Jahre nach dem Sturz des Taliban-Regimes nehmen die
gewalttätigen Auseinandersetzungen im Süden Afghanistans
wieder zu. Seit Anfang des Jahres habe es zwölf
Selbstmordattentate gegeben, sagte der Sprecher der UN-Mission in
Afghanistan Adrian Edwards in Kabul. Es handle sich sowohl um Attacken
von Rebellen oder Terroristen als auch um organisierte Gewalt. Der
Wiederaufbau des Landes werde so immer schwieriger.
Zu den Aufständischen gehören Milizen des ehemaligen
Taliban-Regimes und anderen islamistische oder mafiöse
Gruppierungen. 1500 Menschen kamen bei den zahlreichen Kämpfen in
Afghanistan im Jahr 2005 ums Leben, mehr als 150 seit Beginn dieses
Jahres.
(Quelle: afp)
Nahost
Kadima-Partei uneins über Siedlungsauflösungen im
Westjordanland
Di.07.03.06 - In der Kadima-Partei des amtierenden israelischen
Ministerpräsidenten Ehud Olmert ist ein Streit über die
Auflösung von jüdischen Siedlungen im Westjordanland
entbrannt. Der frühere Regierungschef Schimon Peres sprach sich am
Montag im öffentlichen Rundfunk gegen "einseitige
Rückzüge aus dem Westjordanland" aus. Israel müsse
stattdessen auf Basis des Nahost-Friedensplans mit den
Palästinensern verhandeln. Auch Erziehungs- und Verkehrsminister
Meir Scheetrit betonte im Rundfunk die Bedeutung der so genannten
Roadmap. Kadima sei in der Frage der Festlegung der Grenzen Israels zu
Zugeständnissen bereit, lehne aber einseitige Rückzüge ab.
(Quelle: afp)
Eklat bei Sitzung des palästinensischen Parlaments
Di.07.03.06 - Auf der ersten Arbeitssitzung des neu gewählten
Palästinenserparlaments ist es zum Eklat zwischen der
radikalislamischen Hamas und der Fatah-Bewegung von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gekommen. Die
Hamas-Mehrheit im Parlament setzte mit großer Mehrheit eine Reihe
von Entscheidungen der vorherigen Volksversammlung außer Kraft.
Dabei ging es vor allem um Postenbesetzungen, die die Fatah kurz vor
dem Ablauf der letzten Legislaturperiode durchgesetzt hatte. Die
Abgeordneten der Fatah verließen vor der Abstimmung aus Protest
die Sitzung.
Der vorherige so genannte Legislativrat hatte in seiner letzten Sitzung
mit den Stimmen der damaligen Fatah-Mehrheit die Besetzung mehrerer
Schlüsselposten in der Verwaltung mit Fatah-Mitgliedern
beschlossen. Auch die Schaffung eines Verfassungsgerichts wurde
abgesegnet. Dessen Richter sollen gegen den Willen der Hamas von Abbas
bestimmt werden. Nach Ansicht von Hamas-Abgeordneten sind die
Entscheidungen ungültig, weil sie nach den Wahlen im Januar
gefällt wurden. Parlamentspräsident und Hamas-Sprecher Asis
Duweik hatte sie nach seinem Amtsantritt im vergangenen Monat auf Eis
gelegt und eine Prüfung angekündigt.
Bei der Arbeitssitzung gab es teils tumulthafte Szenen.
Fatah-Fraktionschef Assam el Ahmad kündigte an, seine Partei werde
so lange den Sitzungen fernbleiben, bis die Unstimmigkeiten
geklärt seien. Ahmad und andere Fatah-Politiker bezeichneten die
Prüfung der Parlamentsentscheidungen als "illegal".
Parlamentspräsident Duweik versuchte den Streit herunterzuspielen:
"So funktioniert parlamentarische Demokratie in der ganzen Welt". In
dem neuen, am 25. Januar gewählten Parlament hat die Hamas mit 74
der 132 Sitze die absolute Mehrheit, die Fatah verfügt nur noch
über 45 Mandate.
Bei einem gezielten Luftangriff der israelischen Armee wurden in Gaza
vier Palästinenser getötet, darunter zwei Mitglieder der
radikalen Gruppe Islamischer Dschihad. Neun Menschen wurden nach
Angaben von Augenzeugen und palästinensischen
Sicherheitskräften verletzt, unter ihnen hauptsächlich
Kinder. Die israelische Armee bestätigte den Angriff.
(Quelle: afp)
Äthiopien wird mit Millionenvertrag gegen Dürre versichert
Di.07.03.06 - Äthiopien lässt sich gegen Dürre und Hungersnot
versichern. Die Welternährungsorganisation schloss einen Vertrag
mit dem Versicherungskonzern Axa Re ab, der im Fall extremer Dürre
eine Versicherungssumme von 5,8 Millionen Euro zahlt. Als Basis dienen
die Daten von 26 Wetterstationen im ganzen Land. Fällt der
Niederschlag deutlich geringer aus als erwartet, setzen die Zahlungen
ein. Es handelt sich um die erste derartige Versicherung gegen eine
mögliche Hungerkatastrophe.
(Quelle: dpa)
Erneuter Anschlag auf Öl-Pipeline von Shell in Nigeria
Di.07.03.06 - Bei einem Anschlag im Nigerdelta ist erneut eine wichtige Pipeline des
US-Ölkonzerns Shell schwer beschädigt worden. Die
Schadenshöhe sei noch nicht bekannt, sagte ein Shell-Sprecher am
Montag. Nach seinen Angaben wurde der Anschlag bereits in der Nacht zum
Samstag verübt. Die Pipeline etwa 350 Kilometer
südöstlich von Lagos sei allerdings wegen der unsicheren Lage
in Nigeria bereits außer Betrieb gewesen.
(Quelle: afp)
23 Afrika-Flüchtlinge vor Mauretanien im Atlantik ertrunken
Di.07.03.06 - Mindestens 23 afrikanische Flüchtlinge sind vor der Küste
Mauretaniens im Atlantik ertrunken. Wie der spanische Rundfunksender
berichtete, hatten die Afrikaner von der Küste des
Wüstenstaates in Westafrika mit einem Boot zu den Kanarischen
Inseln gelangen wollen. Das Boot sank unter nicht näher genannten
Umständen. Die Kanaren erleben in letzter Zeit einen Zustrom von
illegalen Einwanderern aus Afrika. Allein am vergangenen Wochenende
gelangten über 200 Afrikaner mit mehreren Booten auf die
Inselgruppe.
(Quelle: dpa)
Flüchtlingsschiff mit 300 Menschen an Bord kentert vor Sizilien
Di.07.03.06 - Vor der Küste Siziliens ist am Sonntag ein Schiff mit rund 300
Flüchtlingen an Bord gekentert. Da sich das Unglück in
unmittelbarer Nähe der Insel Linosa ereignete, überlebten
offenbar alle Passagiere: Die Hafenverwaltung von Palermo erklärte
gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, es habe lediglich einige
Verletzte gegeben. Der Hafenkommandeur der Nachbarinsel Lampedusa,
Michele Niosi, erklärte im Nachrichtensender Sky TG24 an, dass sich
die Passagiere aus eigener Kraft an Land retten konnten. Woher die
illegalen Einwanderer stammten, konnte er nicht sagen. Unter den
Flüchtlingen seien rund zehn Frauen gewesen. Zwei Boote der
italienischen Küstenwache und vier Hubschrauber waren vor Ort im
Einsatz. Starker Wind und schlechtes Wetter behinderten jedoch ihre
Arbeit.
(Quelle: afp)
FAO: Reiche Länder für Vogelgrippen-Ausbreitung
mitverantwortlich
Di.07.03.06 - Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO)
hat den Industriestaaten vorgeworfen, arme Länder bei der
Bekämpfung der Vogelgrippe im Stich gelassen zu haben. Bei den
Reichen habe es mit Blick auf die Epidemie "einen Mangel an Vorausschau
und Solidarität" gegeben, sagte FAO-Generaldirektor Jacques Diouf
der französischen Zeitung "Libération". Schließlich
habe die Krise bereits Ende 2003 in Asien angefangen. Die FAO habe
damals erfolglos versucht, die internationale Gemeinschaft zu einer
Unterstützung des Kampfes gegen die Ausbreitung zu bewegen.
"Damals hatten wir noch alle Trümpfe in der Hand", sagte Diouf.
Beispielsweise hätten Länder wie Thailand und Vietnam dringend
Unterstützung durch Veterinäre benötigt, aber nicht
erhalten. "Die entwickelten Länder haben gedacht, dass das auf
Asien beschränkt sein wird, alles sehr weit weg ist und das Risiko
einer Epidemie übertrieben wird." Sie hätten sich erst
bewegt, "als das Virus in der Türkei angekommen ist", sagte der
FAO-Chef.
Aber selbst derzeit komme die Hilfe nur zögerlich. Laut Diouf
wurden von den 1,9 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro) Hilfe, die
Mitte Januar in Peking bei der internationalen Geberkonferenz zur
Vogelgrippe versprochen wurden, bisher erst 16 Millionen Dollar an die
FAO überwiesen.
(Quelle: afp)
EU-Länder für Zerstörung des Tiefsee-Lebens
verantwortlich
Greenpeace fordert Stopp von Grundschleppnetz-Schiffen
Di.07.03.06 - Greenpeace hat auf der OECD-Konferenz einen neuen Bericht vorgestellt,
der enthüllt, dass die europäischen Länder für einen
Großteil der Tiefsee-Zerstörung verantwortlich sind. Unter
ihrer Flagge fahren 60 Prozent aller Schiffe, die
Tiefsee-Schleppnetz-Fischerei betreiben und mit dieser Methode das
Ökosystem der Ozeane zerstören. Meist bewegen sich die Schiffe
außerhalb der 200-Seemeilen-Zone und fallen damit nicht unter die
nationalen Gerichtsbarkeiten. Da die Biodiversität deshalb nicht
von einem einzelnen Staat geschützt werden kann, fordert
Greenpeace internationale Abkommen auf UN-Ebene.
Im letzten und vorletzten Jahr beobachtete Greenpeace die
Aktivitäten von Tiefsee-Schleppnetz-Flotten, die beschwerte Netze
über den Meeresboden ziehen. "Der Meeresboden wird wie ein Acker
umgepflügt", erklärt Antje Helms, Meeresbiologin bei
Greenpeace, im Gespräch mit pressetext (pte). Die
Umweltschutz-Organisation schätzt, dass bei einem
Schleppnetzeinsatz 95 bis 98 Prozent der Korallenbedeckung ruiniert
werden. Auch auf die Bestände der Tiefsee-Fische hat das Einfluss.
Da sie erst spät geschlechtsreif werden und oft nur wenige
Nachkommen haben, stehen auch bekannte Arten wie Hoki oder Rotbarsch vor
der Ausrottung.
Laut Greenpeace wurden 2001 etwa 170.000 bis 250.000 Tonnen
Tiefsee-Fisch gefangen. Allerdings entspricht das nur 0,25 Prozent des
gesamten Fischfangs. Trotzdem sei die Schleppnetz-Fischerei zusammen mit
der illegalen Fischerei die größte Bedrohung für das
marine Leben. Unter EU-Flagge fischen hauptsächlich
Tiefsee-Schiffe aus Spanien, Dänemark und Frankreich, während
Nicht-Industrieländer dabei nahezu unbeteiligt sind. Die
europäischen Regierungen haben den Schutz des Tiefsee-Lebens in der
Hand, so Greenpeace. Jetzt bringt die Umweltschutz-Organisation ein
Moratorium für die Grundschleppnetz-Fischerei auf der Hohen See ins
Rollen.
(Quelle: pte)
OECD erwartet Wachstumsbeschleunigung in Euro-Zone
Di.07.03.06 - Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) erwartet in der Euro-Zone für Anfang dieses
Jahres eine Wachstumsbeschleunigung.
Die Gruppe veröffentlichte am Montag ihre neuen Prognosen für
die wichtigsten Wirtschaftsräume der Welt. Demnach rechnet sie
für den Euro-Raum im ersten und zweiten Quartal mit einem Plus von
jeweils 0,6 Prozent. Ende 2005 war die Wirtschaft der Euro-Zone zum
Vorquartal lediglich um 0,3 Prozent gestiegen. Für die USA sagte
die OECD ein Wachstum im ersten Vierteljahr von 1,1 Prozent zum
Vorquartal voraus.
(Quelle: rtr)
Besonders in Südeuropa ist Erwerbslosigkeit weiblich
Di.07.03.06 - In Europa haben es Frauen auf dem Arbeitsmarkt immer noch schwerer als
Männer. Im Schnitt waren in den 25 EU-Staaten im vergangenen Jahr
9,8 Prozent der aktiv Arbeit suchenden Frauen erwerbslos, dagegen nur
7,9 Prozent der Männer, wie ein Vergleich ergab, den das
Statistische Bundesamt in Deutschland am Montag mit Blick auf den
Internationalen Frauentag am Mittwoch veröffentlichte. Vor allem in
Südeuropa ist Arbeitslosigkeit demnach ein Problem von Frauen: In
Griechenland etwa waren mit 15,5 Prozent mehr als doppelt so viele
Frauen erwerbslos wie Männer (6,2 Prozent). In Deutschland ist die
Quote von Männern und Frauen stärker angeglichen: 9,5 Prozent
erwerbslosen Frauen standen 8,8 Prozent Männer gegenüber.
(Quelle: afp)
Streit um Arbeitsmarktpolitik
Di.07.03.06 - Die Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung sorgt weiter für
Diskussionen. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff
(CDU) trat Forderungen aus der SPD nach einer staatlich festgelegten
Lohnuntergrenze entgegen. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte dagegen,
er rechne mit einem Mindestlohn «irgendwo zwischen vier Euro und
7,50 Euro pro Stunde». In der Union regte sich zudem Widerstand
gegen die Vorschläge von Bundessozialminister Franz
Müntefering (SPD) zur Verbesserung der Beschäftigungschancen
älterer Arbeitnehmer. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel warf der
Bundesregierung vor, mit den falschen Rezepten zu arbeiten.
Wulff sagte: «Ich habe große Bedenken gegen
zusätzliche Reglementierungen auf dem Arbeitsmarkt.» Bei
einem gesetzlichen Mindestlohn von 7,50 Euro befürchte er den
Verlust von Hundertausenden Billiglohnstellen.
CDU-Rentenexperte Peter Weiß warnte vor den Auswirkungen der von
Müntefering vorgeschlagenen Förderung der Einstellung
älterer Arbeitsloser durch Lohnzuschüsse. Es habe in der
Vergangenheit schon ähnliche staatliche Instrumente gegeben, die
wenig Erfolg gehabt hätten. »Finanzielle Anreize entfalten
häufig Mitnahmeeffekte», sagte Weiß. Die Tarifparteien
könnten in dieser Frage viel mehr bewirken, etwa indem die
Weiterbildungsmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmer
verbessert, ihre Arbeitszeiten flexibler gestaltet oder
Gehaltsstrukturen neu ausgerichtet würden.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigte sich verwundert über
die «Initiative 50 plus» von Bundesarbeitsminister Franz
Müntefering (SPD). «Viele Instrumente, die dort genannt
werden, gibt es schon lange», sagte die BA-Sprecherin Ilona
Mirtschien. Sie seien erst zu Jahresbeginn verlängert worden.
«Die Instrumente sind jedoch wenig erfolgreich», sagte
Mirtschien. Bundesweit nähmen Betriebe derzeit nur für 8200
ältere Arbeitslose Lohnkostenzuschüsse in Anspruch. Zudem
unterstützen die Agenturen nur 4000 Ältere, die eine
schlechter bezahlte Stelle angenommen haben.
Struck sagte, er sympathisiere eher mit 7,50 Euro pro Stunde, betonte
aber zugleich: «Wenn wir einen niedrigeren Wert bekommen, damit
aber den Einstieg - auch gut». Insgesamt rechne er für den
Herbst mit einer «Kombination aus Mindestlohn, Kombilohn und
anderen gesetzlichen Elementen».
Niebel lehnte Mindestlöhne als falsches Rezept ab.
«Mindestlöhne, die zu niedrig angesetzt sind, werden nicht
wirken. Wenn sie zu hoch angesetzt sind, sorgen sie für eine
Abwanderung von Arbeitsplätzen aus dem legalen Arbeitsmarkt in die
Schwarzarbeit», sagte er. Auch Kombilöhne wären eher
kontraproduktiv und würden zu Mitnahmeeffekten und
Wettbewerbsverzerrungen führen.
Die Vorschläge Münteferings nannte Niebel ein Sammelsurium
bekannter Maßnahmen, die auch in der Vergangenheit nicht zu mehr
Beschäftigung älterer Menschen geführt hätten.
Niebel forderte, zunächst die so genannten
Senioritätsprinzipien zu überprüfen. Der Grundsatz: Je
älter, desto teurer und desto mehr Kündigungsschutz führe
dazu, dass ältere Arbeitnehmer nicht mehr eingestellt würden
oder man sich frühzeitig von ihnen trenne. Außerdem
müsse den Arbeitgebern stärker als bisher klar gemacht
werden, dass sie in einer alternden Gesellschaft auf die Kompetenzen
älterer Arbeitnehmer stärker angewiesen seien. Darüber
hinaus müssten endlich alle Frühverrentungsprogramme
gestrichen werden.
(Quelle: ddp)
Streiks im öffentlichen Dienst fortgesetzt
Di.07.03.06 - Die Streiks im öffentlichen Dienst sind auch in der fünften
Woche unvermindert weitergegangen. In Stuttgart beteiligten sich nach
Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi 25.000 Menschen an einer
Großkundgebung, um gegen längere Arbeitszeiten zu
protestieren. Bundesweit legten der Gewerkschaft zufolge 28.000
Beschäftigte in neun Bundesländern die Arbeit nieder.
Verdi-Chef Frank Bsirske kündigte eine weitere Ausweitung der
Streiks an. In Bayern wurden wegen des Schneechaos die
Arbeitsniederlegungen im Winterdienst zum Teil ausgesetzt.
An der Großkundgebung in Stuttgart beteiligten sich auch die IG
Metall, die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sowie der Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW). An dem von Verdi organisierten Streik
im öffentlichen Dienst nahmen in Baden-Württemberg rund
17.000 Beschäftigte teil. Verdi-Chef Frank Bsirske sagte mit Blick
auf die Arbeitsniederlegungen bei der Müllabfuhr: "Besser es
stehen Müllsäcke auf der Straße als noch mehr
Arbeitslose." Die Gewerkschaft will die Anhebung der wöchentlichen
Arbeitszeit von derzeit 38,5 Stunden ohne Lohnausgleich verhindern,
weil sie den Verlust tausender Arbeitsplätze fürchtet.
Der Hauptgeschäftsführer des kommunalen Arbeitgeberverbandes
Baden-Württemberg, Hermann Gebert, forderte die Gewerkschaft auf,
an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Nach seinen Worten gibt
es bislang keinen neuen Gesprächstermin. Die Tarifverhandlungen
für die kommunalen Beschäftigten des Bundeslandes waren am
vergangenen Mittwoch geplatzt. Die Arbeitgeber hatten zuletzt eine
Wochenarbeitszeit von 39,7 Stunden gefordert und im Gegenzug weitere
Ausbildungsplätze sowie eine Übernahmegarantie für
Azubis angeboten.
In Niederbayern wurden laut Verdi wegen des Schneechaos
Straßenbahnmeistereien aus dem Arbeitskampf herausgenommen. Bei
anderen Autobahn- oder Straßenmeistereien in Bayern wurde aber
weiter gestreikt.
Bsirske kündigte eine Verschärfung des Arbeitskampfs an. "Wir
gehen noch stärker in die Fläche und beziehen neue Bereiche
in den Streik ein", sagte Bsirske im Fernsehsender N24. Als Beispiele
nannte er Kindertagesstätten im Raum Hannover und in Bremen. Zur
Forderung von Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus
(CDU), die Wochenarbeitszeit für Angestellte im öffentlichen
Dienst auf 42 Stunden zu erhöhen, sagte Bsirske: Diese
Vorschläge bedrohten 400.000 Arbeitsplätze. Bei einer
Erhöhung der Arbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche sieht Verdi
250.000 Arbeitsplätze in Gefahr.
(Quelle: afp)
Im Nürnberger AEG-Werk laufen die Bänder wieder an
Di.07.03.06 - Nach sechseinhalb Wochen Streik sollen im AEG-Hausgerätewerk
Nürnberg mit Beginn der Frühschicht die Bänder wieder
anlaufen. Die Belegschaft hatte zuvor den Sozialtarifvertrag
angenommen, den die Gewerkschaft IG Metall mit dem schwedischen
Mutterkonzern Electrolux ausgehandelt hat. Bei der Urabstimmung
sprachen sich rund 81 Prozent der Mitarbeiter für den Kompromiss
aus. Electrolux wird das Nürnberger Werk Ende nächsten Jahres
schließen und die Produktion nach Polen verlegen. Der
Sozialtarifvertrag sieht vor, dass die 1.700 Mitarbeiter Abfindungen in
Höhe von 1,8 Monatsgehältern für jedes
Beschäftigungsjahr bekommen. Außerdem wird ihnen die
Übernahme in eine Auffanggesellschaft angeboten.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Renten sinken offenbar stärker als vorausgesagt
Di.07.03.06 - Durch die Reformen der vergangenen Jahre sinken die Renten offenbar
stärker als bisher bekannt. Das geht aus dem
Rentenversicherungsbericht 2005 von Sozialminister Müntefering
hervor, den die "Bild"-Zeitung zitiert. Demnach wird die
Durchschnittsrente im Jahr 2009 um über 300 Euro niedriger sein
als noch vor zehn Jahren prognostiziert. Wie es heißt, rechnet
die Bundesregierung für diesen Zeitpunkt mit einer monatlichen
Standardrente von 1.180 Euro nach 45 Jahren Durchschnittsverdienst. Im
Rentenversicherungsbericht 1995 hatte die Bundesregierung für 2009
noch umgerechnet 1.510 Euro vorhergesagt.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Kabinett und Länder billigen Föderalismusreform
Di.07.03.06 - Bund und Länder haben trotz der Warnungen vor mehr
«Kleinstaaterei» die Föderalismusreform nun
endgültig auf den parlamentarischen Weg gebracht.
Nach mehreren vergeblichen Reform-Anläufen stimmten das
Bundeskabinett, Ministerpräsidenten und die Bundestagsfraktionen
der großen Koalition von Union und SPD am Montag den
Gesetzentwürfen für die größte
Verfassungsänderung seit 1949 zu. Die Grundgesetzreform, die 2007
in Kraft treten soll, wird die Zuständigkeiten von Bund und
Ländern grundlegend neu ordnen. Während es bei den anderen
Sondersitzungen sehr große Mehrheiten für die Reform gab,
stimmten in der SPD-Fraktion auch einige Parlamentarier dagegen.
Weitere enthielten sich bei der Abstimmung per Handzeichen.
Die Hauptbedenken der Kritiker gelten der Verlagerung von weiteren
Bildungs- und Umweltkompetenzen an die Länder. Sie wollen wie
zahlreiche Verbände in den kommenden Beratungen Nachbesserungen
erreichen, stellen aber die Reform nicht grundsätzlich in Frage.
Die ersten Lesungen für die 25 Verfassungsänderungen und 21
Begleitgesetze, die vor drei Wochen von den Koalitionsspitzen
ausgehandelt worden waren, sollen schon am Freitag im Bundestag und im
Bundesrat stattfinden.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hob bereits die historische Bedeutung der
angestrebten Verfassungsreform hervor. «Dies ist ein großer
und wichtiger Tag für die bundesstaatliche Ordnung», sagte
sie nach der Kabinettssitzung. Die Gesetzgebung werde künftig
bürgerfreundlicher sein, Entscheidungen könnten rascher
getroffen werden, sagte Merkel. Nur eine große Koalition habe die
Kraft aufbringen können, diese Reform zu vereinbaren.
Bei der Sitzung der Ministerpräsidenten enthielt sich nur
Mecklenburg-Vorpommern der Stimme. Nordrhein-Westfalens Regierungschef
Jürgen Rüttgers (CDU) und Berlins Regierender
Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagten danach
übereinstimmend, das Kompromisspaket dürfe in den kommenden
Beratungen nicht mehr aufgeschnürt werden. Wer dies wolle,
«gefährdet die gesamte Reform».
Die Unions-Bundestagsfraktion billigte die Föderalismus-
Gesetzentwürfe mit großer Mehrheit. Es gab nur zwei
Enthaltungen. Deutliche Kritik an der Reform kam aus den Reihen der
SPD. Das Netzwerk jüngerer SPD-Bundestagsabgeordneter hatte
angekündigt, dass die etwa 50 Anhänger dieser Gruppierung den
vorliegenden Gesetzentwürfen «so nicht zustimmen»
werden.
SPD-Fraktionschef Peter Struck kündigte am Abend vor Beginn der
Sitzung der sozialdemokratischen Abgeordneten umfassende
Ausschussberatungen an. Dies könnte eine rasche Verabschiedung
noch vor der Sommerpause in Frage stellen.
Die Grundgesetzänderungen müssen mit Zwei-Drittel-Mehrheiten
verabschiedet werden. Dazu benötigt die große Koalition im
Bundestag 410 ihrer 448 Stimmen. Im Bundesrat sind auch die Stimmen der
FDP erforderlich. Die FDP-Fraktion billigte bei ihrer Sitzung in
Magdeburg das Reform-Konzept. Die Liberalen verlangen aber von den
Koalitionsfraktionen verbindliche Zusagen für eine
anschließende Reform der Finanzbeziehungen zwischen Bund und
Ländern noch in der laufenden Legislaturperiode.
Die Grünen und die Linke kritisierten das Reformprojekt und
verlangten Änderungen. Die Kritik richtet sich auch hier vor allem
gegen die künftige, nahezu alleinige Zuständigkeit der
Länder in der Bildungspolitik. Auch die Möglichkeiten
für die Länder, in der Umweltpolitik von Bundesvorgaben
abzuweichen, ist umstritten. Die neue Zuständigkeit der
Länder für die Beamtenbesoldung und den Strafvollzug wird von
Kritikern - darunter am Montag wieder von DGB und Beamtenbund -
ebenfalls als Weg in die «Kleinstaaterei» gesehen.
Ziel der Reform ist es, die Zuordnung der staatlichen
Zuständigkeiten klarer zu regeln. Der Bundesrat soll
Zustimmungsrechte verlieren, damit die Gesetzgebung des Bundes
beschleunigt werden kann. Als Kompensation erhalten die Länder
eine Reihe neuer eigenständiger Zuständigkeiten.
(Quelle: dpa)
BND-Ausschuss in greifbarer Nähe
Di.07.03.06 - Ein Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der BND-Affäre und
der Geheimdienst-Aktivitäten im Anti-Terror-Kampf ist in greifbare
Nähe gerückt. Am Montag stimmte auch die
FDP-Bundestagsfraktion bei vier Gegenstimmen für die Einsetzung
eines solchen Gremiums.
«Uns geht es um das Führungsverhalten von Rot-Grün und
die Konsequenz daraus für die Zukunft», gab Fraktionschef
Wolfgang Gerhardt als Devise aus. Nun müssen die Fraktionen einen
gemeinsamen Untersuchungsauftrag formulieren, was als schwierig gilt.
Bereits im Januar hatten sich die drei Fraktionen von FDP, Linkspartei
und Grünen im Grundsatz auf einen Untersuchungsausschuss
verständigt. Die Einrichtung war aber dann an den Grünen
gescheitert, die der Bundesregierung mehr Zeit zur Aufklärung
geben wollten. Der im Februar vorgelegte Bericht der Regierung
lässt nach Worten Gerhardts kein ausreichendes Bemühen um
Aufklärung erkennen.
Nach dem Willen der FDP soll sich der Ausschuss nicht nur mit dem
BND-Einsatz in Bagdad befassen. Geklärt werden müssten auch
die Entführung des Deutsch-Libanesen Khaled el Masri, die CIA-
Gefangenenflüge und Berichte über Verhörgefängnisse
in Europa sowie die Vernehmung Terrorverdächtiger durch deutsche
Beamte im Ausland.
Der Ausschuss sei aus rechtsstaatlichen Gründen und wegen des
Informationsbedürfnisses der Öffentlichkeit geboten, sagte
Gerhardt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warf er vor, den
Koalitionspartner SPD zu schonen und eine gründliche
Aufklärung zu behindern. Dabei werde als Vorwand das Argument
genutzt, die Arbeit der Nachrichtendienste dürfe nicht
beeinträchtigt werden. Mit anderen Fraktionen werde die FDP nun
den Untersuchungsauftrag abstimmen. Die Grünen luden bereits
für die kommenden Tagen zu Gesprächen ein.
Die drei Oppositionsfraktionen können nur gemeinsam einen
Untersuchungsausschuss durchsetzen. Für die Einsetzung ist ein
Viertel aller Bundestagsabgeordneten notwendig. Das wären 154
Stimmen. FDP, Grünen und Linkspartei verfügen insgesamt
über 165 Mandate.
SPD-Fraktionschef Peter Struck erklärte, man werde die
Entscheidung der Oppositionsfraktionen zum Untersuchungsausschuss
akzeptieren und ernst nehmen. «Es wird sich aber bald
herausstellen, dass es nichts Neues gibt. Jetzt kommt es darauf an, den
Auftrag zu formulieren.» Die Union kündigte für den
Fall eines BND-Ausschusses eine konstruktive Mitarbeit an.
Das Bundestagsgremium für die Kontrolle der Geheimdienste (PKG)
beschäftigte sich auf Antrag der FDP am Montag in einer
Sondersitzung mit den Berichten der US-Tageszeitung «New York
Times». Danach soll der BND wenige Wochen vor Beginn des
Irak-Krieges im März 2003 den Verteidigungsplan an US-Stellen
weiter geleitet haben. Nach der Sitzung erklärten Vertreter von
SPD, Union und FDP, der Bericht sei nicht zutreffend. «Der
Artikel in der Zeitung ist widerlegt», sagte der CDU-Abgeordnete
Bernd Schmidbauer.
SPD-Parlamentsgeschäftsführer Olaf Scholz hält einen
Ausschuss für überflüssig. Er verwies auf die bisherigen
Fortschritte bei der Aufklärung. «Ein Untersuchungsausschuss
bringt nichts, klärt nicht weiter auf und führt nicht zu
weiteren Erkenntnissen.»
(Quelle: dpa)
Lafontaine sieht Fusionsprozess der Linken nicht gefährdet
Di.07.03.06 - Der Vorsitzende der Links-Fraktion im Bundestag, Oskar Lafontaine,
sieht trotz des abtrünnigen Berliner Landesverbandes der
Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) keine Probleme
für den Fusionsprozess der neuen linken Partei. Es gebe lediglich
«einen Sonderfall» in Berlin, wo die WASG in Opposition zum
Berliner Senat gegründet worden sei, sagte Lafontaine am Montag
nach einer Sitzung des Fraktionsvorstands in Mannheim.
Wenn die Mehrheit der Mitglieder der Berliner WASG die Entscheidung
treffe, bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus im Herbst
«eigenständig» und «eigenmächtig»
anzutreten, «werden wir das respektieren», sagte
Lafontaine. Diese würde aber bedeuten, dass «eine Trennung
von diesen Mitgliedern» eingeleitet werde, weil sie dann das
Kooperationsabkommen der Linkspartei.PDS und der WASG nicht mehr
erfüllen und «den gemeinsamen Weg verlassen»
würden, fügte Lafontaine hinzu.
«Wir werden die neue Linke in einem Jahr zustande gebracht haben,
weil uns 4,1 Millionen Wähler den Auftrag gegeben haben, diese
neue Partei zu bilden», bekräftigte Lafontaine. Die Mehrheit
der Mitglieder beider Parteien sähen dies genauso.
(Quelle: ddp)
Rostocker Bündnis sammelt Unterschriften gegen NPD-Aufmarsch
Di.07.03.06 - Ein Rostocker Bündnis hat zum Protest gegen einen geplanten
bundesweiten NPD-Aufmarsch am 1. Mai in Rostock aufgerufen. Der
Arbeitskreis Mahnruf will zunächst Unterschriften gegen die
Kundgebung sammeln. Außerdem werde auf juristischem Weg versucht,
das Treffen von bis zu 3000 NPD-Mitgliedern in Rostock zu verhindern,
kündigte Jan Menschenski von den Organisatoren am Montag an. Eine
Beteiligung der Landesregierung an den Protesten sicherte Umweltminister
Wolfgang Methling (Linkspartei.PDS) zu, der auch zu den
Erstunterzeichnern des Aufrufs «Für einen 1. Mai ohne
Nazis» gehört.
Das ganze Land stehe in der Verantwortung, einen Aufmarsch von Rechten
zu verhindern, betonte Methling. Er halte es für eine gute Idee,
mit vielen bunten Mai-Veranstaltungen die Innenstadt als
«besetzt» zu erklären, damit eine rechte Kundgebung
nicht im Stadtzentrum stattfinde. Noch wichtiger sei aber die
inhaltliche Abgrenzung von dem Gedankengut der Neonazis. So beobachte er
mit großer Sorge, dass Rechte sich in Umweltinitiativen
einbringen und für ihre Ziele missbrauchen.
(Quelle: ddp)