Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertundachtzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Schiiten wollen erste Sitzung des irakischen Parlaments verschieben.
Mehrere Tote bei Autobomben-Anschlägen. El Dschasira strahlt Video
mit Geiseln im Irak aus
Mi.08.03.06 - Die irakische Schiiten-Allianz will Präsident Dschalal Talabani um
eine Verschiebung der konstituierenden Sitzung des neuen Parlaments
bitten.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag von einem hochrangigen
Vertreter der Schiiten-Partei Sciri erfuhr, soll eine Verschiebung "um
ein paar Tage" beantragt werden. Talabani hatte am Montag
angekündigt, dass das Parlament am Sonntag zusammenkommen solle -
rund drei Monate nach seiner Wahl. Nun sagte Rida Dschauad al-Takki
Reuters, die schiitischen Abgeordneten hätten sich für eine
Verschiebung ausgesprochen, nachdem andere Gruppen eine Kampagne gegen
eine erneute Ernennung des Schiiten Ibrahim Al-Dschaafari zum
Ministerpräsidenten initiiert hätten.
"Wir haben beschlossen, Talabani zu bitten, die Eröffnungssitzung
um ein paar Tage zu verschieben. Wir diskutieren über die
Forderungen anderer Gruppen, unsere Nominierung zu ändern", sagte
Takki. Dschaafari war kritisiert worden, die Gewalt im Land nicht unter
Kontrolle gebracht zu haben, die den Irak an den Rand eines
Bürgerkriegs gebracht habe. Im vergangenen Monat war er von der
Schiiten-Allianz mit knapper Mehrheit wiedernominiert worden. Der Streit
um das Amt des Ministerpräsidenten hat bisher auch die Bildung
einer Regierung der nationalen Einheit verzögert, die die USA als
Grundlage für eine Stabilisierung des Landes und für einen
eigenen Truppenanzug bezeichnet haben.
Bei Sprengstoffanschlägen im Irak sind am Dienstag mindestens
sechs Menschen ums Leben gekommen. In der Aufständischen-Hochburg
Bakuba starben ein Polizist und ein Zivilist, als neben einer
Polizeipatrouille ein Sprengsatz in einem Fahrzeug detonierte. In der
südlich von Bagdad gelegenen Stadt Hilla explodierten in der
Innenstadt und an einer Zufahrtstraße fast zeitgleich zwei
Autobomben. Über mögliche Opfer ist noch nichts bekannt. Drei
Polizisten starben bei einem Rebellenangriff in Baidschi.
Der arabische Fernsehsender El Dschasira hat am Dienstag ein Video mit
drei Ende November im Irak entführten Ausländern ausgestrahlt.
Die drei Mitarbeiter der Organisation Christian Peacemaker Teams, die
beiden Kanadier James Loney und Harmeet Sooden sowie ihr britischer
Mitgefangener Norman Kember, bäten in dem Video die Regierungen der
Golfsstaaten um Vermittlung, hieß es in einem Kommentar des
Nachrichtenmoderators zu dem ohne Ton gesendeten Video. Die vierte
Geisel, der US-Bürger Tom Fox, ist in der auf den 28. Februar
datierten Aufnahme nicht zu sehen. Großbritannien forderte die
sofortige Freilassung der seit mehr als 100 Tagen festgehaltenen Geiseln.
(Quellen: rtr, dpa, afp)
Abu Ghraib geht immer weiter
In einem neuen Bericht wirft amnesty international den
Koalitionstruppen im Irak und der irakischen Regierung Willkür und
Grausamkeit im Umgang mit Gefangenen vor... Mehr in der taz vom 07.03.06:
http://www.taz.de/pt/2006/03/07/a0115.1/text
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 08.03.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertdreiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.08.03.05 - Mehr als 30 Tote bei Anschlagsserie im Irak +++ Scheidender irakischer
Ministerpräsident Allawi lehnt Angebot zu Regierungsbeteiligung ab +++
Bulgarischer Soldat stirbt in 'Friendly fire' von US-Soldaten +++
US-Regierung weist Sgrenas Vorwürfe wegen Beschusses zurück...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0503080.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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US-Abgeordnetenhaus billigt Anti-Terror-Gesetzespaket
Mi.08.03.06 - Nach monatelangen Auseinandersetzungen hat das
US-Repräsentantenhaus die umstrittenen Anti-Terror-Gesetze
verlängert. Dabei wurde der Schutz der Bürgerrechte im Rahmen
des "Patriot Act" in einzelnen Punkten erhöht. Trotzdem ist die
Billigung ein politischer Erfolg für Präsident Bush. Er hatte
sich massiv dafür eingesetzt, die Regelungen zu verlängern,
die sonst Ende der Woche ausgelaufen wären. Unter dem "Patriot
Act" dürfen die amerikanischen Behörden beispielsweise
Hausdurchsuchungen ohne Wissen des Betroffenen durchführen und
Telefongespräche abhören. Außerdem können Daten
aus Bibliotheken und Krankenhäusern ausgewertet werden.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Studie: Frauen leiden in Afghanistan weiterhin unter Missbrauch
Mi.08.03.06 - Mehr als vier Jahre nach dem Sturz der radikalislamischen Taliban
leiden Frauen in Afghanistan immer noch unter Vergewaltigung, Mord und
Zwangsheirat. "Von den entlegensten Dörfern bis hin zu
Städten wie Kabul werden Frauen missbraucht", sagte Hangama Anwari
von der unabhängigen afghanischen Menschenrechtskommission (AIHRC)
bei der Vorstellung eines Berichtes am Montag in Kabul. Mehr als 38
Prozent der befragten Frauen hätte angegeben, gegen ihren Willen
verheiratet worden zu sein. Jede zweite Frau habe gesagt, dass sie mit
ihrem Eheleben unzufrieden sei. Gewalt und Enttäuschung
hätten zu zahlreichen Selbstmordversuchen geführt, sagte
Anwari. Die AIHRC hat im vergangenen Jahr 198 Selbstmordversuche bei
Frauen registriert, die in 69 Fällen zum Tod führten.
(Quelle: afp)
Mehr als 20 Tote bei Anschlägen in Indien
Mi.08.03.06 - Bei einer Anschlagsserie in der heiligen nordindischen Pilgerstadt
Benares sind wenige Tage vor einem hohen Hindu-Fest mindestens 21
Menschen getötet und mehr als 60 weitere verletzt worden. Eine
Bombe explodierte am Hanuman-Tempel, in dem sich hunderte Gläubige
versammelt hatten. Ein weiterer Sprengsatz detonierte kurz darauf in
einem Bahnhof der Stadt, ein dritter in einem Zug. Viele Verletzte
befinden sich in kritischem Zustand. Am Ufer des Ganges fand die
Polizei zwei weitere scharfe Sprengsätze. Der indische
Premierminister Manmohan Singh rief die Nation zur Ruhe auf.
Bei der Explosion in dem Tempel wurden Behördenangaben zufolge
zehn Menschen getötet. Zum Zeitpunkt der Explosion war das
Gelände voll mit Gläubigen, die dort jeden Dienstag den
Affengott Hanuman als Gott der Stärke ehren. Es habe sich um eine
Bombe mit großer Sprengkraft gehandelt, sagte Polizeichef Navneet
Sikera. Nach der Explosion brach Panik aus, als hunderte Menschen
versuchten, sich in Sicherheit zu bringen. Das Gelände wurde von
der Polizei abgesperrt. Der im späten 16. Jahrhundert gebaute
Sankat-Mochat-Tempel gehört zu den heiligsten Stätten der
Stadt. Er darf nur von Hindus betreten werden.
Etwa zehn Minuten nach der Explosion in dem Tempel detonierte an einem
Bahnhof von Benares eine Bombe. Der dritte Sprengsatz explodierte im
voll besetzten Waggon eines Zuges, der sich auf dem Weg in die
Hauptstadt Neu Delhi befand. Bei den Detonationen am Bahnhof wurden
nach vorläufigen offiziellen Angaben elf Menschen getötet,
unter ihnen acht Frauen.
Zwei weitere scharfe Bomben wurden an einem der wichtigsten
Einäscherungsplätze am Ufer des Ganges gefunden. Die Polizei
riegelte auch dieses Gebiet sowie sämtliche Zufahrten nach Benares
ab. Die Fahndung nach den Attentätern lief auf Hochtouren. Die
Anschläge ereigneten sich kurz vor dem jährlichen Hindu-Fest
der Farben, Holi, das am 15. März gefeiert wird. Benares ist die
heiligste Stätte des Hinduismus und zieht jährlich tausende
Pilger sowie zahlreiche ausländische Touristen an.
Premierminister Singh verurteilte die Anschläge und rief die
Nation zur Ruhe auf. Nach Angaben des Innenministeriums wurden alle
indischen Bundesstaaten in Alarmbereitschaft versetzt. In den
Millionenstädten Neu Delhi und Bombay gilt höchste
Alarmbereitschaft.
(Quelle: afp)
Nahost
Fatah will Parlamentsbeschlüsse der Hamas per Gericht kippen
Mi.08.03.06 - Die bei der Palästinenserwahl unterlegene Fatah-Bewegung von
Präsident Mahmud Abbas will die am Montag von der Mehrheitsfraktion
der Hamas im Parlament getroffenen Beschlüsse gerichtlich wieder
kippen. Die Fatah werde am Dienstag vor dem obersten
palästinensischen Gericht die Annullierung der Beschlüsse
beantragen, kündigte der Abgeordnete Abdallah Abdallah am Dienstag
in Ramallah an. Das von der Hamas dominierte Parlament hatte am Montag
eine Reihe von Entscheidungen des Vorgängerparlaments außer
Kraft gesetzt. Die Abgeordneten der Fatah verließen aus Protest
die Sitzung.
(Quelle: afp)
Mofas will Tötung von Hamas-Chef nicht ausschließen
Mi.08.03.06 - Der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas will eine gezielte
Tötung des palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail
Hanija nicht ausschließen, sollte dessen Hamas-Bewegung wieder
Anschläge in Israel verüben. «Niemand ist immun, auch
nicht Ismail Hanija.»
Das sagte Mofas dem israelischen Armeesender. Die Politik der gezielten
Tötungen sei «richtig, und sie wird fortgesetzt», sagte
Mofas. Bei einem israelischen Raketenangriff in Gaza waren am Vorabend
zwei militante Palästinenser und drei jugendliche Passanten
getötet worden.
Hamas hat bei den Wahlen am 25. Januar eine absolute Mehrheit von 74
der 132 Sitze im Parlament gewonnen. Hanjia wurde vom
Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas zum
Ministerpräsidenten ernannt und mit der Regierungsbildung
beauftragt. Das Hamas-Führungsmitglied hatte 2003 einen
israelischen Raketenangriff überlebt. Hamas hat sich seit einem
Jahr weitgehend an eine Waffenruhe mit Israel gehalten.
(Quelle: dpa)
USA suchen nach Verbündeten für Sanktionen gegen den Iran
Mi.08.03.06 - Die USA sind offenbar auf der Suche nach Verbündeten für
Sanktionen gegen den Iran, um den Druck im Atomkonflikt mit der
Islamischen Republik zu erhöhen. In einem Fernsehinterview am
Montag sagte der Staatssekretär im US-Außenministerium,
Nicholas Burns, die Welt müsse eine "kompromisslose" Haltung
einnehmen, während der Streit vor den Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen (UN) komme. "Um also die Aufmerksamkeit der Iraner zu erregen
und sie davon zu überzeugen zurückzurudern, muss man
möglicherweise eine Koalition von Ländern aufbauen - ich
weiß nicht, ob China und Russland dazugehören werden - die
gezielte Sanktionen einsetzen."
Der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
nahm am Montag in Wien seine Beratungen über das weitere Vorgehen
in dem Konflikt mit dem Iran auf - also über die mögliche
Einschaltung des UN-Sicherheitsrats. Der Westen vermutet hinter dem
Atomprogramm der Regierung in Teheran die Absicht, Atomwaffen zu bauen.
Der Iran hat dies stets zurückgewiesen. Im Februar hatte die IAEA
den Sicherheitsrat über den Atomstreit informiert. Der Iran war
aufgefordert worden, die Urananreicherung einzustellen und Behinderungen
von IAEA-Untersuchungen zu stoppen. Der Sicherheitsrat kann Sanktionen
verhängen.
Burns räumte ein, nicht alle Länder seien zu Sanktionen
bereit. Er deutete an, die USA könnten sich außerhalb des
Sicherheitsrats nach Verbündeten umsehen. Die Veto-Mächte
Russland und China haben seit langem eine Ablehnung von UN-Sanktionen
signalisiert. Einen möglichen Kompromiss, wonach dem Iran begrenzt
an der Urananreicherung arbeiten dürfte, hatte Burns zuvor
zurückgewiesen. Die Islamische Republik sei einfach zu weit
gegangen. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Tom Casey, hatte
hinzugefügt, ein derartiger Kompromiss wäre nicht sinnvoll, da
das Land die Technologie dann trotzdem weiter entwickeln und für
seine Zwecke nutzen könne.
Der Kompromiss wurde EU-Diplomaten zufolge von Russland und IAEA-Chef
Mohamed ElBaradei ins Gespräch gebracht. Der Iran soll demnach in
einer Pilotanlage an der Urananreicherung forschen dürfen. Dem Land
würde so die Möglichkeit gegeben, das Gesicht zu wahren. Uran
kann je nach Anreicherungsgrad zur Stromgewinnung oder in Atombomben
eingesetzt werden.
(Quelle: rtr)
China verteidigt Aufrüstungspläne - Taiwan sieht Bedrohung
Mi.08.03.06 - China hat am Dienstag versucht, Befürchtungen wegen der
kürzlich beschlossenen Aufrüstung seiner Armee zu zerstreuen.
"Auch wenn sie steigen, sind die Militärausgaben Chinas deutlich
geringer als diejenigen des Landes, aus dem Sie kommen", sagte der
chinesische Außenminister Li Zhaoxing auf die Frage eines
US-Journalisten. Das chinesische Parlament hat am Wochenende die
Verteidigungsausgaben um knapp 15 Prozent auf umgerechnet rund 35
Milliarden Dollar erhöht.
Das nach Unabhängigkeit von China strebende Taiwan wertete die
Steigerung des Verteidigungsbudgets als Bedrohung. Taiwanesischen
Regierungsangaben zufolge hat China sein Arsenal an Raketen deutlich
aufgestockt. Die nunmehr 800 Flugkörper reichen nach taiwanesischen
Geheimdienstangaben aus, um die vor dem chinesischen Festland liegende
Insel zehn Stunden lang ununterbrochen zu bombardieren.
China betrachtet Taiwan - das sich nach dem chinesischen
Bürgerkrieg 1949 vom Festland losgesagt hat - als abtrünnige
Provinz. 2005 hatte das Parlament ein Anti-Abspaltungsgesetz
verabschiedet, wonach der Einsatz militärischer Mittel erlaubt ist,
sollte sich Taiwan für unabhängig erklären. Auf der
Tagung des chinesischen Parlaments am Wochenende hatte
Ministerpräsident Wen Jiabao allerdings erklärt, China strebe
nach einer friedlichen Wiedervereinigung.
Taiwans Präsident Chen Shui Bian hatte jüngst den Willen zur
Unabhängigkeit der Insel betont. Erst kürzlich hatte Taiwan
ein Beratungsgremium abgeschafft, das für die Beziehungen zur
Volksrepublik verantwortlich war.
(Quelle: rtr)
EU-Militäreinsatz in Kongo bleibt umstritten
Mi.08.03.06 - Der Militäreinsatz der Europäischen Union im
zentralafrikanischen Staat Kongo bleibt umstritten. Die EU-
Verteidigungsminister fanden bei ihrem Treffen in Innsbruck keine
gemeinsame Haltung, wie der Einsatz ausgestaltet werden soll.
Wie Diplomaten berichteten, war kaum ein Land bereit, konkrete Zusagen
für die Operation zu machen. EU-Soldaten sollen helfen, die
für den 18. Juni geplanten Wahlen in Kongo abzusichern.
Der deutsche Verteidigungsminister Franz-Josef Jung sagte am Rande der
Beratungen, dass EU-Chefdiplomat Javier Solana nun nach Kinshasa reisen
werde. Dort werde er mit der kongolesischen Führung die
Einzelheiten des Einsatzes abklären. Jung sagte, die Operation sei
noch nicht gescheitert. Es hätten zahlreiche Staaten signalisiert,
sich an dem Unternehmen beteiligen zu wollen.
(Quelle: dpa)
Schrittmacher des Krieges
Bei einer öffentlichen Anhörung in Brüssel lieferten
gelehrte Politikberater die argumentativen Grundlagen für
künftige EU-Angriffskriege... Mehr in der tageszeitung 'junge
Welt' vom 07.03.06:
http://www.jungewelt.de/2006/03-08/006.php
Krisenprävention statt Kampfeinsätze
Rede des Marburger Politikwissenschaftlers am 23. Februar 2006 beim
Hearing des Europaparlaments 'Die EU und Militäreinsätze.
Kriterien für eine Intervention'.
http://www.jungewelt.de/2006/03-08/008.php
Flüchtlingsdrama auf dem Atlantik
Mi.08.03.06 - Hunderte von Afrikanern sind nach spanischen Regierungsangaben in den
vergangenen Monaten beim Versuch ums Leben gekommen, von Westafrika
über den Atlantik zu den Kanarischen Inseln zu gelangen.
Die zwei Bootsunglücke am vorigen Wochenende mit 45 Toten seien
keine Einzelfälle, sagte der Präfekt der Kanaren, José
Segura, am Dienstag dem spanischen Radiosender Cadena SER. Der Zustrom
von Flüchtlingen habe in letzter Zeit stark zugenommen.
Die Hilfsorganisation Roter Halbmond in Mauretanien sprach von
über 1000 Toten in den vergangenen vier Monaten. Am vorigen
Wochenende waren vor der Küste des westafrikanischen
Wüstenstaats bei zwei Bootsunglücken 45 Afrikaner im Atlantik
ertrunken. Am Dienstag drohte vor der mauretanischen Küste ein
weiteres Boot mit 40 Flüchtlingen an Bord im Sturm zu kentern. Nach
Angaben des spanischen Rundfunks bestand nur wenig Hoffnung, die
Insassen lebend zu bergen. Der Sturm und die sechs Meter hohe Wellen
machten einen Rettungseinsatz praktisch unmöglich.
(Quelle: dpa)
Proteste in Frankreich gegen Arbeitsmarktreform
Mi.08.03.06 - Zum zweiten Mal binnen vier Wochen sind in Frankreich hunderttausende
Menschen gegen die geplante Lockerung des Kündigungsschutzes
für junge Arbeitnehmer auf die Straße gegangen. Begleitet
von kurzzeitigen Arbeitsniederlegungen forderten Gewerkschaften,
Opposition und Studenten in landesweiten Kundgebungen Premierminister
Dominique de Villepin dazu auf, das umstrittene Projekt
zurückzuziehen. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich mehr
als eine Million Menschen an den Protesten; die Polizei gab die Zahl
der Demonstranten mit 396.000 an. Villepin will an der Reform
festhalten.
Die Proteste richteten sich gegen einen neuen Anstellungsvertrag
für Jugendliche unter 26 Jahren. Er ermöglicht Unternehmen
mit über 20 Beschäftigten in den ersten beiden Jahren
grundlose Kündigungen. Schon vor einem Monat hatten
Hunderttausende gegen den so genannten Ersteinstellungsvertrag
demonstriert. Dieses Mal gingen etwa doppelt so viele Menschen auf die
Straße. Allein in Paris nahmen nach Gewerkschaftsangaben 200.000
Menschen an der Demonstration teil, die Polizei sprach von 46.000
Teilnehmern. In Toulouse nahm die Polizei drei Männer in
Gewahrsam. Zwei Menschen wurden bei Zusammenstößen zwischen
Sicherheitskräften und Demonstranten verletzt.
Der Generalsekretär der Gewerkschaft CGT, Bernard Thibault, sagte
im Fernsehsender RTL, es komme nicht in Frage, dass die Regierung in
Frankreich "Entlassungen per Fingerschnippen" ermögliche. "Wir
werden nicht zulassen, dass Frankreich sich in die Länder mit den
geringsten Sozialstandards einreiht." Thibault kündigte weitere
Protesttage an, sollte die Regierung nicht einlenken.
Villepin verteidigte den neuen Anstellungsvertrag. Er werde den
Jugendlichen, bei denen die Arbeitslosenquote mit 23 Prozent weit
über dem Gesamtschnitt von 9,6 Prozent liegt, mehr
Festanstellungen bringen, sagte der Premier vor der
Nationalversammlung. Er warf den oppositionellen Sozialisten vor, das
Problem der Jugendarbeitslosigkeit seit Jahrezehnten ignoriert zu haben
und trotz massiver Kritik an der Regierungspolitik keine eigenen
schlüssigen Konzepte vorzulegen. Frankreich könne hinter den
europäischen Partnern bei der Reform seines Arbeitsmarktes nun
nicht mehr zurückstehen, betonte Villepin.
(Quelle: afp)
Deutschland
Gemeinsame Föderalismus-Anhörung von Bund und Ländern
geplant
Mi.08.03.06 - Bei den Beratungen zur Föderalismusreform wollen Bund und
Länder neue Wege gehen.
Erstmals in der Geschichte der Republik sei eine gemeinsame
Expertenanhörung von Bundestag und Bundesrat geplant, sagte der
parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, Norbert
Röttgen, am Dienstag in Berlin. Die Koalition plane dies, damit
nicht in beiden Parlamenten von unterschiedlichen Ebenen und
Interessenlagen aus diskutiert werde. Das Reformwerk sei nur im Konsens
zwischen Bund und Ländern möglich. Röttgen warnte deshalb
nochmals vor einem Aufschnüren des Gesetzespakets.
Der CDU-Politiker verteidigte das am Vortag von Bundesregierung und
Ministerpräsidenten beschlossene Reformpaket gegen anhaltende
Kritik. Röttgen zeigte sich zwar offen für Korrekturen, wenn
alle Beteiligten zustimmen. "Es kann Änderungen geben, aber nur im
Konsens." Komme es erneut zu einem Gezerre zwischen Bund und
Ländern um eigene Interessen, gerate das Projekt in Gefahr. Die
Unionsfraktion erwarte, dass Bundestag und Bundesrat das Projekt zum
Erfolg führten.
Kritik an der Vereinbarung wies Röttgen zurück. Die
Darstellung, die Länder könnten im Umweltrecht "künftig
machen, was sie wollen", sei falsch. Die Länder dürften zum
Beispiel nicht beim Atom- oder Abfallrecht eigene Verfügungen
beschließen, die die Bundesbeschlüsse ignorierten. Sie
hätten nur dort Spielräume, wo der Bund einen Rahmen setze.
Die Kommunen hatten immer wieder kritisiert, sie müssten im
Vermittlungsausschuss zwischen Bund und Ländern gefundene
Kompromisse finanziell ausbaden. Röttgen räumte dies ein. "Das
(Geld) ging immer durch die klebrigen Hände der
Landesfinanzminister." Damit sei nun Schluss. Die Zahl der Gesetze, die
in den Vermittlungsausschuss müssten, sinke signifikant.
Mit der Einigung über die Föderalismusreform sieht
Röttgen die große Koalition gestärkt. Jedes andere
Bündnis könne das Projekt nicht durchsetzen, wie die
Erfahrungen der rot-grünen Regierungszeit gezeigt hätten. Die
Reform sei ein Werk, "das die große Koalition rechtfertigt und
legitimiert".
In Sondersitzungen hatten am Montag das Bundeskabinett und die
Ministerpräsidenten der Länder mit Ausnahme von
Mecklenburg-Vorpommern den ersten Teil der Reform gebilligt. Ziel der
weit reichenden Grundgesetzänderungen sind mehr Transparenz und
zügigere Gesetzgebungsverfahren. Der Bund kann künftig
wesentlich mehr Gesetze ohne Zustimmung der Länder in Kraft setzen.
Im Gegenzug erhalten die Länder die alleinige Zuständigkeit
für Bildung. Zudem dürfen sie nach einer dreijährigen
Frist in einzelnen Bereichen wie dem Umweltrecht von Bundesregeln
abweichen. Die Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern sollen
in einem zweiten Schritt reformiert werden. Kritiker aus SPD, Berliner
Opposition, Ländern und Gewerkschaften befürchten, dass das
Beamten-, Bildungs- und Umweltrecht den Ländern überlassen und
es deshalb zur Kleinstaaterei kommen werde.
(Quelle: rtr)
Keine Einigung auf Auftrag für Geheimdienst-Ausschuss
Mi.08.03.06 - Grüne, FDP und Linkspartei haben sich noch nicht auf einen
gemeinsamen Auftrag für einen möglichen
Untersuchungsausschuss zu den Geheimdienstaktivitäten im
Anti-Terror-Kampf einigen können. Bei einem Treffen am
Dienstagabend in Berlin seien "Differenzen und Gemeinsamkeiten sondiert
worden", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der
Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck. Die Gespräche
würden voraussichtlich am heutigen Mittwoch fortgesetzt.
"Wir wollen eine schnelle Einsetzung und eine schnelle Arbeit des
Ausschusses, damit die Arbeit unserer Sicherheitsorgane nicht
unnötig beeinträchtigt wird", betonte Beck.
Zu den inhaltlichen Zielsetzungen für den Untersuchungsausschuss
sagte der Grünen-Politiker, "unnötige Doppelarbeit" solle
vermieden werden. Das Parlamentarische Kontrollgremium habe bereits
einiges an Aufklärungsarbeit geleistet; "nur da, wo Zweifel oder
offene Fragen bestehen, soll der Ausschuss diese klären", forderte
er.
Die Linkspartei kündigte unterdessen den Gang vor das
Bundesverfassungsgericht an, falls die Bundesregierung die Arbeit des
möglichen Untersuchungsausschusses nicht unterstützen sollte.
"Wenn wir den Eindruck haben, dass der parlamentarische Kontrollauftrag
massiv behindert wird, dann werden wir das Bundesverfassungsgericht
bemühen", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der
Linkspartei im Bundestag, Ulrich Maurer, der in Potsdam erscheinenden
"Märkischen Allgemeinen".
(Quelle: afp)
Regierung senkt Prognose für Eckrenten und Entgelte
Mi.08.03.06 - Die knapp 20 Millionen Rentner müssen angesichts der flauen
Lohnentwicklung in den nächsten Jahren mit deutlich weniger Geld
auskommen als noch 1995 erwartet.
Die Bundesregierung korrigierte frühere Rentenprognosen weiter
nach unten. In ihrer aktuellen Langfristeinschätzung geht sie
davon aus, dass die so genannte Standardrente von 2006 bis 2009 zwar um
vier Euro auf 1180 Euro steigt. Das sind allerdings 330 Euro oder fast
22 Prozent weniger als der damalige Rentenminister Norbert Blüm
(CDU) vor zehn Jahren für 2009 vorausgesagt hatte (1510 Euro).
Bundessozialminister Franz Müntefering (SPD) wird den neuen
Rentenversicherungsbericht über die Entwicklung in den
nächsten 15 Jahre an diesem Mittwoch dem Kabinett zusammen mit dem
Alterssicherungsbericht vorlegen.
Die Standard- oder «Eckrente» erhält ein
Durchschnittsverdiener nach 45 Beitragsjahren. Erhöhungen sind an
die Entwicklung der Bruttolöhne gekoppelt. Bei der
Rentenberechnung kommen aber dämpfende Faktoren unter anderem
wegen der alternden Gesellschaft hinzu. Bis zum Jahr 2019 geht die
Prognose von wieder steigenden Löhnen und Gehältern aus. Die
Eckrente soll laut Rentenbericht bis dahin auf 1414 Euro steigen.
Die Mehrheit der Deutschen fürchtet erhebliche Einbußen der
Lebensqualität im Rentenalter. Nur 41 Prozent meinen, mit ihren
Alterseinkünften gut leben zu können, ergab eine
Emnid-Umfrage im Auftrag des Nachrichtensenders N24. Dagegen glauben 51
Prozent der Befragten, mit Rente oder Pension allein nur schlecht
auszukommen. 60 Prozent setzen deshalb auf eine zusätzliche
private Altersvorsorge. 28 Prozent verlassen sich ausschließlich
auf die Rente, lediglich 7 Prozent haben private Vorsorge betrieben.
Aus dem Alterssicherungsbericht wurde bekannt, dass die Regierung die
Riester-Rente als zusätzliche Altersvorsorge vorerst nicht zur
Pflicht machen will. Bislang haben 5,6 Millionen Bundesbürger eine
Riester-Rente abgeschlossen. Offen bleibt auch, ob die Förderung
der Entgeltumwandlung, bei der Beschäftigte einen Teil ihres
Gehaltes nicht nur steuerbegünstigt, sondern auch
sozialabgabenfrei für die Altersvorsorge ansparen können,
über 2008 fortgesetzt wird.
Das Bundessozialministerium kritisierte einen Bericht der
«Bild»- Zeitung über «Schrumpfrenten» auf
Basis der beiden Prognosen als «Verunsicherungskampagne».
Der von dem Blatt vorgenommene Vergleich der Rentenprognosen in den
vergangenen zehn Jahren sei «unsinnig», sagte Sprecher
Stefan Giffeler.
Die Rentenversicherer wiesen darauf hin, dass in den vergangenen zehn
Jahren die Prognosen für die Entwicklung der Bruttolöhne
ebenso wie die der Rentenerhöhungen um insgesamt etwa 22 Prozent
nach unten korrigiert worden seien. «Der
Rentenversicherungsbericht 1995 hat für 2009 ein Bruttoentgelt in
Höhe von rund 39 336 Euro vorausgesagt, heute werden für 2009
30 787 Euro erwartet», erklärte die Deutsche
Rentenversicherung Bund.
Das Sozialministerium verwies darauf, dass es 1995 eine Reihe von
Rentenreformen noch gar nicht gegeben habe, diese also in der damaligen
und manchen folgenden Prognosen noch nicht berücksichtigt werden
konnten. So sei zum Beispiel die Riester-Rente als zusätzliche
Privatvorsorge erst 2001 beschlossen worden. Diese soll künftige
Einbußen bei der gesetzlichen Rente ausgleichen.
Die Linkspartei forderte die schwarz-rote Bundesregierung auf, in einem
weiteren Bericht über nötige neue Rentenreformen Aufschluss
zu geben. Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Sozialexperte Karl
Lauterbach forderte, die bisher freiwillige Riester-Rente zur
Pflichtversicherung zu machen.
(Quelle: dpa)
Gewerkschaften wollen langfristig neun Euro Mindestlohn
Mi.08.03.06 - Die Gewerkschaften ver.di und Nahrung-Genuss- Gaststätten (NGG)
wollen bis zum Jahr 2010 einen gesetzlichen Mindestlohn von neun Euro
pro Stunde durchsetzen.
Zunächst werde ein Bruttolohn von mindestens 7,50 Euro angestrebt,
der dann schrittweise erhöht werden solle, heißt es in einem
Positionspapier der Kampagne «Initiative Mindestlohn», die
die beiden Gewerkschaften am Dienstag in Berlin vorstellten. Für
die Umsetzung eines Mindestlohns von neun Euro müsse ein
«Zeitraum bis 2010» ausreichend sein, sagte die
stellvertretende ver.di-Chefin Margret Mönig-Raane. In dem Papier
heißt es aber auch, die Wirtschaft dürfe nicht
überfordert werden. In einzelnen Branchen müssten
«Anpassungsprozesse» möglich sein.
Die beiden Gewerkschaften sprachen sich für einen nationalen
«Mindestlohn-Rat» aus, der die Einführung gesetzlicher
Mindestlöhne regeln und der Bundesregierung in den kommenden
Jahren Vorschläge für deren schrittweise Erhöhung machen
soll. Dem Gremium sollten jeweils zwei Vertreter von Gewerkschaften und
Arbeitgebern sowie vier Wissenschaftler angehören, erklärte
der NGG-Vorsitzende Franz-Josef Möllenberg. «Wir wollen ein
existenzsicherndes Einkommen garantiert wissen», betonte er. Es
gehe darum, eine «Sicherung nach unten» zu bekommen.
«Wir müssen Schluss machen mit dieser Geiz-ist-geil-
Mentalität bei Löhnen und Gehältern», sagte
Möllenberg.
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) will bis zum Herbst
konkrete Vorschläge zum Thema Mindestlohn machen. Koalitionsintern
herrscht aber - wie auch unter Gewerkschaften - Uneinigkeit über
die Einführung und die mögliche Höhe eines Mindestlohns.
SPD- Fraktionschef Peter Struck hatte vor kurzem Sympathien für
einen Mindestlohn in Höhe von sieben Euro erkennen lassen. In der
Unionsspitze werden 4,50 Euro diskutiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) hatte am Wochenende eine sorgfältige Prüfung von
Mindestlohn-Modellen angekündigt.
Mönig-Raane räumte ein, dass es in der Mindestlohn-Frage noch
keine einheitliche Position aller Gewerkschaften gebe. Es sei aber
«Bewegung und Diskussion im Gange», betonte sie. Die
«Initiative Mindestlohn» soll ihren Angaben zufolge Schub
in die derzeitige öffentliche Diskussion bringen und dafür
sorgen, dass es noch in diesem Jahr ein Gesetz zur Einführung von
Mindestlöhnen gibt. «Wir erhöhen den Druck»,
erklärte Möllenberg. Die Kampagne solle aber kein Angriff auf
die Tarifautonomie sein.
(Quelle: dpa)
Frauen holen bei Verdienst etwas auf - Abstand bleibt aber groß
Mi.08.03.06 - Die deutschen Arbeitnehmerinnen haben im vergangenen Jahr den
Verdienstrückstand im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen
etwas verringern können.
Der durchschnittliche Bruttoverdienst vollzeitbeschäftigter Frauen
stieg um 2,3 Prozent, der der Männer nur um 1,8 Prozent, wie das
Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. "Ein Grund für den
etwas stärkeren Anstieg könnte sein, dass der Anteil der
Frauen in besser bezahlten Positionen weiter zugenommen hat." Allerdings
betonte das Amt, dass Frauen noch immer viel seltener als Männer
führende Positionen erreichten und die Verdienstunterschiede damit
erheblich blieben: So verdienten die Frauen im Produzierendem Gewerbe
und Handel sowie bei Banken und Versicherungen im Schnitt 2539 Euro im
Monat brutto und damit rund 20 Prozent weniger als die Männer mit
3182 Euro. In den neuen Ländern war der Verdienstabstand dabei
merklich geringer.
(Quelle: rtr)
Zuwanderungspolitik unter Beschuss
Mi.08.03.06 - Die Zuwanderungspolitik der Bundesregierung stößt in der
katholischen Kirche auf Kritik. Der Vorsitzende der Deutschen
Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sprach am Dienstag von einer
«zunehmend restriktiven Tendenz» bei der Auslegung des
Zuwanderungsgesetzes. Deutschland müsse endlich anerkennen, dass
es seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland sei.
Auch der Islamrat für die Bundesrepublik mahnte neue Initiativen
in der Integrationspolitik an. Seit dem Beginn der großen
Koalition habe es lediglich »einige Ankündigungen«
gegeben, aber keine konkreten Schritte. Der Ratsvorsitzende Ali
Kizilkaya erneuerte sein Angebot an Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble (CDU), im Rahmen eines »Runden Tisches«
Erfahrungen auszutauschen und über mögliche neue Ansätze
zu sprechen.
Kardinal Lehmann warnte, die Herausforderungen einer
Migrationsgesellschaft werde Deutschland nicht bestehen, wenn
«wir aus einer Angststarre heraus und mit Abwehrreflexen darauf
reagieren». Er kritisierte auch, Abschiebehaft werde «zu
schnell, zu häufig und zu lange verhängt». Zudem
würden in Fällen von illegaler Einwanderung humanitäre
Standards oft nicht sichergestellt.
Der Vorsitzende der Migrationskommission der Bischofskonferenz, Josef
Voß, rügte, vor allem Familien seien von der restriktiven
deutschen Einwanderungspolitik betroffen. Er fügte hinzu:
«Abgeschoben werden auch Familien, deren Kinder in Deutschland
aufgewachsen und teilweise sehr gut integriert sind.»
Kizilkaya betonte: »Integration ist eine gemeinsame
Herausforderung - und deshalb sollte man ins Gespräch miteinander
kommen.» Bislang habe es jedoch weder von Schäuble noch von
der neuen Integrationsbeauftragten Maria Böhmer (CDU) den Versuch
einer direkten Kontaktaufnahme gegeben.
Der Vorsitzende des Islamrats forderte die Bundesregierung auf, sich
für einen Verzicht auf den umstrittenen
Einbürgerungs-Fragebogen der baden-württembergischen
Landesregierung einzusetzen. Dies wäre nach seinen Worten
«ein konkreter Schritt, um Vorurteile abzubauen». Dagegen
zeuge eine Unterstützung dieses «Gesinnungstests»
nicht von einer ernsthaften Integrationspolitik.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Viele menschliche Gene haben sich erst kürzlich entwickelt
Mi.08.03.06 - Menschliche Gene, die mit dem Stoffwechsel, der Hautpigmentation, der
Gehirnfunktion und der Fortpflanzung in Zusammenhang stehen haben sich
als Reaktion auf Umweltveränderungen der letzten Zeit entwickelt.
Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der University of Chicago gekommen,
die sich mit der natürlichen Auslese im menschlichen Genom
beschäftigt hat. Die Wissenschafter entwickelten einen
statistischen Test zur Ermittlung von Bereichen des menschlichen Genoms,
die die Evolution in den letzten 15.000 Jahren bevorzugt hat. In diesem
Zeitraum überlebten die Menschen das Ende der letzten Eiszeit,
begann die Landwirtschaft und erhöhte sich die
Bevölkerungsdichte.
Die Ergebnisse der Studie wurden in der Public Library of Science
Biology veröffentlicht.
http://biology.plosjournals.org/perlserv/?
request=index-html&issn=1545-7885
Viele der 700 identifizierten Gene, vor allem jene, die mit dem
Riechen, der Fruchtbarkeit und der Fortpflanzung verbunden waren, sollen
auch vor Millionen Jahren bei der natürlichen Auslese um Rahmen der
Trennung von Menschen und Schimpansen eine Veränderung
durchgemacht haben. Einige der jetzt identifizierten Gene gehören
jedoch laut New Scientist zu Kategorien, die bisher nicht als
Selektionsziele der menschlichen Entwicklung bekannt waren. Dazu
gehören jene, die mit dem Stoffwechsel von Kohlenhydraten und
Fettsäuren in Zusammenhang stehen. Der Wissenschafter Jonathan
Pritchard erklärte, dass es durchaus denkbar sei, dass viele dieser
Anpassungen als Reaktion auf neue Formen der Ernährung und der
Landwirtschaft stattgefunden haben.
Zum Beispiel wurden Genvarianten, die die Verarbeitung von Laktose
verbessern, seit der Domestizierung des Rindes häufiger. Bei
manchen Europäern haben jene Gene zugenommen, die für eine
hellere Hautfarbe verantwortlich sind. Dafür verantwortlich sind
Wanderbewegungen Richtung Norden in Regionen, wo weniger Sonnenlicht zur
Verfügung steht. Die Wissenschafter analysierten das Genom von 209
Personen aus Nigeria, Ostasien und Europa. Es konnten weit verbreitete
Signale erst kürzlich erfolgter Veränderungen in allen drei
Gruppierungen nachgewiesen werden. Nur ein Fünftel der 700
identifizierten genetischen Regionen wurden zumindest von zwei der
Gruppen geteilt. Der Rest war für die jeweilige Gruppierung
charakteristisch. Dieser Umstand stützt laut Pritchard die Theorie,
dass diese Adaptionen neueren Ursprungs sind.
(Quelle: pte)