Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertdreiundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Saddam-Prozess fortgesetzt - Gewalt im Irak hält an: Mehr als 40
Tote bei Bombenanschlägen in Bagdad. Britischer SAS-Soldat
verweigert nach Irak-Einsatz Dienst aus moralischen Gründen
Mo.13.03.06 - Inmitten anhaltender Gewalt ist im Irak am Sonntag der Prozess gegen
den früheren Machthaber Saddam Hussein und sieben Mitangeklagte
fortgesetzt worden.
Gerichtsvertretern zufolge sollte die Sitzung mit der Aussage des
früheren Politikers von Saddams Baath-Partei, Mishir Abdullah
Kathim Raued, beginnen. Saddam selbst war im Gerichtssaal in Bagdad
zunächst nicht anwesend. Derweil riss die Gewaltwelle in dem
Golfstaat auch am Wochenende nicht ab: Allein im Bagdader
Schiitenviertel Sadr City sind bei einer Serie von
Bombenanschlägen mehr als 50 Menschen getötet worden.
Mindestens 200 Menschen seien verletzt worden, berichteten US-Medien
unter Berufung auf Angaben des Innenministeriums in Bagdad. Kurz
hintereinander waren mehrere Autobomben explodiert. Bereits am Morgen
waren bei einem Attentat auf eine US- Militärpatrouille sechs
Iraker getötet worden. Die US-Soldaten blieben unverletzt. In den
vergangenen Wochen hatten sich die Zusammenstöße zwischen
Sunniten und Schiiten im Irak verstärkt.
Beobachter hatten sich von der Bildung einer neuen Regierung nach den
Wahlen Mitte Dezember eigentlich eine Befriedung des Landes erhofft.
Allerdings zogen sich die Gespräche zwischen den Parteien zuletzt
hin. Am Wochenende kamen die politischen Spitzen der Schiiten und
Sunniten erstmals nach dem Anschlag auf eine wichtige Schiiten-Moschee
vor fast drei Wochen wieder zu Gesprächen über eine Regierung
zusammen.
US-Präsident George W. Bush zeigte sich derweil optimistisch, dass
ein Bürgerkrieg im Irak verhindert werden kann - und zwar mit Hilfe
der einheimischen Truppen, die nach und nach mehr Territorium
kontrollieren sollten, wie er bei seiner wöchentlichen
Radioansprache am Samstag betonte. Vor dem Hintergrund einer sinkenden
Zustimmung der US-Bevölkerung zum Irak-Krieg will Bush in den
kommenden Tagen eine Kampagne mit mehreren Reden starten, mit der die
Irak-Politik näher vermittelt werden soll.
In dem Prozess gegen Saddam Hussein geht es um ein Massaker an Schiiten
im Dorf Dudschail 1982. Saddam hatte jüngst vor Gericht
überraschend eingeräumt, nach einem vereitelten Anschlag auf
ihn einen Prozess gegen Schiiten befohlen zu haben. Knapp 150 Bewohner
des Dorfes waren damals wegen einer Beteiligung an dem Attentat zum
Tode verurteilt worden. Das Tribunal hat den Fall für die erste
Anklage gegen Saddam ausgewählt, weil es die Beweislage für
einigermaßen klar hielt. Sollte Saddam wegen Verbrechen gegen die
Menschlichkeit verurteilt werden, droht ihm die Todesstrafe.
Die Staatsanwaltschaft hatte zahlreiche Dokumente vorgelegt, die eine
direkte Verantwortung Saddams für die Verfolgung der Bewohner von
Dudschail belegen sollen. Bei der jüngsten Sitzung sollte nun die
Verteidigung zum Zuge kommen. Alle Verteidiger waren zugegen, darunter
auch der frühere US-Justizminister Ramsey Clark.
Nach einem Einsatz im Irak hat ein Mitglied der britischen
Spezialeinheit SAS den Dienst an der Waffe quittiert. Der
28-jährige Ben Griffin schied laut «Sunday Telegraph»
aus moralischen Gründen aus der Armee aus. Er habe im Irak in
Dutzenden Fällen «illegale» Methoden beobachtet. Die
Iraker würden von US-Kampftruppen als «Untermenschen»
behandelt. Nach dem Bericht ist Griffin der erste Soldat überhaupt,
der die SAS aus moralischen Gründen verlässt. Die Elitetruppe
war im Zweiten Weltkrieg gegründet worden.
(Quellen: rtr, dpa, afp)
Der Konflikt im Irak könnte auf die Nachbarländer
übergreifen
(...) Seit der US-Invasion droht der Irak entlang ethnischer oder
religiöser Grenzen zu zerbrechen. Die Kurden im Norden hoffen auf
einen eigenen Staat, die Schiiten wollen den ölreichen Süden
kontrollieren. Allein die Sunniten haben Interesse am Erhalt des
Einheitsstaats: Für sie bliebe im Falle der Teilung nichts
übrig. Sollte der Irak wie einst der Libanon oder Afghanistan in
von Milizen kontrollierte Zonen zerfallen, müssten sich die
Nachbarstaaten fast zwangsläufig einmischen: Weder der schiitische
Iran noch die Sunnitenstaaten Jordanien, Saudi-Arabien oder Syrien
könnten ihre Klientel im Stich lassen. Auch die Türkei - ein
Natostaat - im Nordwesten hegt Interessen: Ankara will einen irakischen
Kurdenstaat verhindern, damit die türkischen Kurden ihn nicht zum
Vorbild nehmen. Zur Kurdenproblematik kommen nun also neue Risiken
hinzu: Im Irak stehen sich die Muslim-Religionsgruppen verfeindet
gegenüber. Die Schiiten sind stärkste Fraktion in der
Bagdader Regierung und bekämpfen den sunnitisch getragenen
Widerstand. Hinter den Schiiten steht das Mullah-Regime in Iran. Der
Irakkrieg hat eine schiitische Wiedererweckung bewirkt: Die Schia
fühlt sich in fast allen arabischen Staaten von den Sunniten
unterdrückt, und der schiitische, nichtarabische Iran
unterstützt das Aufbegehren der Glaubensbrüder. Teheran will
so seine Hegemonie am Persischen Golf stärken. Die Schia, in der
islamischen Geschichte meist Minderheit, würde somit entlang eines
"schiitischen Bogens" gestärkt, der vom Libanon und dem Irak quer
über die arabische Halbinsel bis nach Afghanistan reicht.
Zumindest die Regierungen am Golf könnten destabilisiert werden.
Sunniten-Regime wie SaudiArabien oder Jordanien würden das kaum
zulassen.
So droht ein irakischer Bürgerkrieg zum Flächenbrand in der
arabischen Welt zu werden. Die US-Besatzer, die die Lage schon jetzt
nicht kontrollieren, stünden zwischen den sich beschießenden
Milizen. Vorsorglich hat USVerteidigungsminister Donald Rumsfeld
gesagt, man werde sich in einen irakischen Bürgerkrieg nicht
einmischen. Dazu passt, was US-StarKommentator Thomas Friedman
schreibt: "Die Amerikaner sind bereit, den Geburtshelfer für die
irakische Demokratie zu spielen, aber den Babysitter in einem
Bürgerkrieg werden sie nicht geben". Das klingt, als ob die
erfolglosen, selbst ernannten Demokratie-Geburtshelfer nur auf eine
Gelegenheit warten, sich aus dem Wüstenstaub zu machen.
Aus der Süddeutschen Zeitung vom 14.03.2006
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 13.03.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertachtundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.13.03.05 - Bei Trauerprozession für Anschlagsopfer in Mossul wurden drei
Polizisten erschossen +++ Ukraine beginnt Abzug ihrer Truppen aus dem Irak +++
In Bulgarien wächst die Kritik am Irak-Einsatz +++ Chef der
entführten 'Liberation'-Reporterin setzt sich in Bagdad für
ihre Freilassung ein +++ Die aus irakischer Geiselhaft freigelassene
italienische Journalistin Sgrena wendet sich in Appell an die
Entführer ihrer französischen Kollegin +++ Presse:
Sgrena-Freilassung sollte ohne Wissen von USA ablaufen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0503130.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
Vietnamkriegsdeserteur nach 38 Jahren in den USA festgenommen
Mo.13.03.06 - Mehrere Jahrzehnte nach seiner Desertierung aus der US-Armee ist ein
56-jähriger Kanadier an der Grenze zwischen Kanada und den USA
festgenommen worden. Der aus den USA stammende Allen Abney war nach
Angaben der "Hilfskampagne für Kriegsdienstverweigerer" 1968 in die
US-Marine eingetreten, hatte am Vietnam-Krieg teilgenommen und war
einige Monate später desertiert. "Wir sind sehr besorgt und tun
alles, um ihm zu helfen wieder frei zu kommen", sagte
Kampagnen-Koordinator Lee Zaslofsky am Samstag.
(Quelle: afp)
Selbstmordanschlag auf afghanischen Senatspräsidenten
Mo.13.03.06 - Bei einem Selbstmordanschlag sind in der afghanischen Hauptstadt Kabul
vier Menschen ums Leben gekommen. Das Attentat habe offenbar dem
Präsidenten des Senats, Segbatullah Modschadeddi, gegolten, teilte
ein Sprecher des Innenministeriums mit. Der Politiker habe aber
unverletzt überlebt. Nach Angaben eines Leibwächters sprengten
sich zwei Selbstmordattentäter mit ihrem Fahrzeug neben dem Wagen
des Senatspräsidenten in die Luft und rissen dabei zwei Passanten
mit in den Tod. Mindestens drei weitere Menschen wurden verletzt.
Modschadeddi war in den 80er Jahren einer der Anführer der
afghanischen Mudschahedin im Kampf gegen die sowjetischen Besatzer. Nach
dem Sturz der Kommunisten 1992 übernahm er für nur zwei
Monate das Amt des Präsidenten. Nach dem Sturz des
radikalislamischen Talibanregimes Ende 2001 wurde er mit der Leitung der
Versöhnungskommission betraut, die sich um die Wiedereingliederung
ehemaliger Taliban kümmert. Im Dezember wurde er an die Spitze der
Meschrano Jirga, der oberen Parlamentskammer, gewählt. Wer hinter
dem Anschlag stand, war zunächst nicht bekannt.
In Afghanistan nimmt die Gewalt seit einigen Monaten wieder zu. Vor
allem in den ehemaligen Taliban-Hochburgen im Süden des Landes gab
es in den vergangenen Wochen wiederholt Anschläge auf afghanische
Lokalpolitiker, Sicherheitskräfte sowie auf Mitglieder der
internationalen Schutztruppe. Dort wurden am Samstag in der
Unruheprovinz Helmand zwei Polizisten bei der Explosion einer Bombe
getötet und die enthaupteten Leichen zweier entführter
Polizisten gefunden.
(Quelle: afp)
Russisches Kompromissangebot für Iran vom Tisch
Mo.13.03.06 - Kurz vor der Erörterung des Atomstreits im UN-Sicherheitsrat hat
sich für den Iran Moskaus Kompromissangebot zur Urananreicherung in
Russland erledigt. Der russische Vorschlag stehe nicht mehr "auf der
Tagesordnung der Islamischen Republik", sagte der iranische
Außenamtssprecher Hamid Resa Assefi. Außerdem drohte der
erneut mit dem Ausstieg aus dem Atomwaffensperrvertrag, sollte ihm das
Recht auf Nutzung der Atomenergie verwehrt werden.
Nach der Überweisung des Atomdossiers an den UN-Sicherheitsrat
hätten sich die Bedingungen verändert, sagte der iranische
Außenamtssprecher in Teheran. Der Iran werde abwarten, wie die
Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York verlaufen werde und
anschließend entsprechend reagieren. Die 15 Mitglieder des
Gremiums diskutieren in den kommenden Tagen erstmals über weitere
Schritte, um die Führung in Teheran zum Verzicht auf die
Urananreicherung zu bewegen.
Der russische Außenamtssprecher Michail Kamynin sagte laut der
Nachrichtenagentur RIA Nowosti, Moskau werde die iranische
Zurückweisung des Kompromissangebots "studieren". Russland setze
weiterhin auf eine "friedliche, diplomatische Beilegung" des
Atomstreits. Die Nachrichtenagentur ITAR-TASS meldete unter Berufung auf
einen russischen Diplomaten, die Diskussionen mit Teheran seien "nicht
beendet", der Verhandlungsprozess werde "fortgesetzt.
Moskau hatte Teheran angeboten, Uran für das iranische
Atomprogramm auf russischem Territorium anzureichern. Der Iran wollte
jedoch nicht vollständig auf eine Urananreicherung im eigenen Land
verzichten. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), die das
mit der Begründung forderte, angereichertes Uran könne auch
auch zur Herstellung von Atomwaffen dienen kann, hatte den Streit am
Mittwoch an den UN-Sicherheitsrat überwiesen.
Der Iran schloss unterdessen einen Ausstieg aus dem
Atomwaffensperrvertrag nicht aus, sollte ihm das Recht auf Nutzung der
Atomenergie verwehrt werden. In diesem Fall müsse seine Regierung
ihre bisherige Politik überdenken, sagte Außenminister
Manuschehr Mottaki.
(Quelle: afp)
Nahost
Hamas hält in Regierungsprogramm an Kampf gegen Israel fest
Mo.13.03.06 - Die radikalislamische Hamas hält in ihrem Regierungsprogramm am
bewaffneten Kampf gegen Israel fest. Aus Palästinenserkreisen
verlautete, die Leitlinien für die neue Regierung forderten eine
Beendigung der israelischen Besatzung und die Einrichtung eines
palästinensischen Staates mit Jerusalem als Hauptstadt.
Der neu ernannte palästinensische Ministerpräsident Ismail
Hanija habe Palästinenserpräsident Mahmud Abbas das Programm
bereits am Freitag übergeben, hieß es weiter. Verhandlungen
mit Israel seien darin nur vorgesehen, sollte Israel die
«nationalen Rechte der Palästinenser anerkennen» und
sich aus allen Palästinensergebieten einschließlich
Ostjerusalem zurückziehen. Hamas besteht danach zudem auf das
«Recht auf Rückkehr» der palästinensischen
Flüchtlinge nach Israel sowie die Freilassung aller
palästinensischen Häftlinge.
Hinsichtlich der Friedensabkommen zwischen Israel und den
Palästinensern hieß es in dem Text, das neue Kabinett unter
Führung von Hamas werde «sich mit der Realität
auseinander setzen, die aus den früheren Abkommen entstanden
ist». Es sei das Recht einer neuen Regierung, diese Vereinbarungen
neu zu erwägen. Der Fatah- Fraktionsvorsitzende Asem el-Ahmad
kritisierte, Hamas verpflichte sich in dem Regierungsprogramm nicht
ausdrücklich dazu, die Friedensabkommen mit Israel anzuerkennen.
Hamas hatte die anderen palästinensischen Parteien am Samstag dazu
aufgerufen, binnen zwei Tagen über die Beteiligung an einer neuen
Regierung zu entscheiden. Die Hamas hatte bei der Parlamentswahl am 25.
Januar eine absolute Mehrheit der Stimmen erhalten und danach den
Auftrag zur Bildung der Regierung erhalten. Sie strebt die Einrichtung
einer möglichst breiten Koalition an, an der auch die bisher
führende Fatah-Organisation beteiligt sein soll.
(Quelle: dpa)
Laut Hamas saudiarabische Finanzhilfen für Palästinenser
gesichert
Mo.13.03.06 - Saudi-Arabien wird der Hamas zufolge die Palästinenser auch nach
dem Wahlsieg der radikal-islamischen Gruppe finanziell unterstützen.
"Wir haben nicht über Zahlen geredet, aber sie haben uns
hervorragende Hilfen versprochen", sagte ein Hamas-Mitglied der
Nachrichtenagentur Reuters am Samstag nach einem Gespräch mit dem
saudiarabischen Außenministerium. Die USA und die Europäische
Union (EU) haben gedroht, ihre Gelder für die
Palästinenserbehörde zu kürzen, sollte die Hamas ihren
bewaffneten Kampf gegen Israel nicht aufgeben. Außerdem müsse
die Gruppe den Staat Israel anerkennen.
Der Hamas-Vertreter wollte sich nicht dazu äußern, ob
Saudi-Arabien die Hilfen aufstocken würde, um Kürzungen von
westlichen Ländern auszugleichen. Vertreter des Königreichs
konnten zunächst nicht für eine Stellungnahme erreicht werden.
Saudi-Arabien gilt als größter Geldgeber für die
Palästinensergebiete. Zwar ist das Land ein enger Verbündeter
der USA, doch gilt es als äußerst unwahrscheinlich, dass es
seine Finanzhilfen für die Palästinenser kürzen wird. Zu
populär ist die Unterstützung im Land - nicht zuletzt nun, da
mit der Hamas eine islamische Gruppe an die Macht gekommen ist.
(Quelle: rtr)
Netanjahu schließt Regierungsbündnis mit Olmert aus
Mo.13.03.06 - Der Chef der israelischen Likud-Partei, Benjamin Netanjahu, hat den
Eintritt in eine vom amtierenden Ministerpräsidenten Ehud Olmert
geführte Regierung ausgeschlossen.
Die Rechtskonservativen lehnen Pläne Olmerts ab, sich einseitig
aus Teilen des besetzten Westjordanlands zurückzuziehen. Netanjahu
bezeichnet das Vorhaben als Kapitulation vor der Gewalt extremistischer
Palästinenser. "Sicherlich werden wir nicht in einer Regierung
sitzen können, die sich an diesen Leitlinien ausrichtet", sagte
Netanjahu am Sonntag der israelischen Zeitung "Maariw".
Die Palästinenser fordern den Gaza-Streifen und das gesamte
Westjordanland für einen eigenen Staat. Beide Gebiete hat Israel im
Nahost-Krieg 1967 besetzt. Erzkonservative Israelis betrachten das Land
als Erbe, das den Juden in der Bibel zugesagt wurde. Netanjahu war
wegen des einseitigen Rückzugs aus dem Gaza-Streifen im vergangenen
Jahr als Finanzminister unter Ariel Scharon zurückgetreten.
Scharon hat sich im Dezember von den Gegnern seiner Politik und damit
dem Likud abgespalten und hat eine neue Partei, Kadima, gegründet.
Olmert ging mit ihm und führt seit dem schweren Schlaganfall
Scharons Anfang Januar die Regierungsgeschäfte.
Die Äußerungen Netanjahus verstärkten Spekulationen,
dass Olmert und die Kadima, die als wahrscheinliche Gewinnerin der
Parlamentswahl am 28. März gelten, mit der linken Arbeitspartei
eine Regierung bilden werden. Einer vom israelischen
Militär-Rundfunk in Auftrag gegebenen Umfrage zufolge käme
Kadima zurzeit auf 37 der 120 Sitze im Parlament. An zweiter Stelle
läge die Arbeitspartei mit 18 Abgeordneten, gefolgt vom Likud mit
16 Sitzen. Experten zufolge könnten die Rechtskonservativen aber
Boden gutmachen, sollte der 2000 ausgebrochene
Palästinenser-Aufstand fortgesetzt werden. Sprecher von Kadima und
Arbeitspartei signalisierten Bereitschaft zur Bildung einer Koalition.
Ein solches Bündnis wird als stabil genug betrachtet, besetztes
Land gegen den Widerstand ultranationalistischer Juden abzugeben. Olmert
hat vergangene Woche angekündigt, er wolle einseitig bis 2010 die
Grenzen Israels festlegen, sollte die radikal-islamische Hamas - die
überraschende Gewinnerin der palästinensischen Parlamentswahl
im Januar - nicht einen Gewaltverzicht erklären und das
Existenzrecht Israels anerkennen. Die Hamas hat dies bislang abgelehnt.
Olmert zufolge soll Israel auch bei einem Abkommen die großen
jüdischen Siedlungsblöcke im Westjordanland behalten. Diese
Haltung unterstützen auch die Arbeitspartei und der Likud. Die
Palästinenser sagen, dies würde das Ende der
Friedensbemühungen bedeuten.
Unter Berufung auf Regierungskreise berichtete die Zeitung "Haaretz",
Olmert habe seine Pläne mit den USA besprochen, bevor er sie an die
Öffentlichkeit getragen habe. Eine Zustimmung der Regierung in
Washington ist ausschlaggebend für einen solchen Schritt.
(Quelle: rtr)
Bachelet ruft Chilenen zur nationalen Aussöhnung auf
Mo.13.03.06 - Mit einem Aufruf zur nationalen Versöhnung hat die Sozialistin
Michelle Bachelet ihr Amt als Präsidentin von Chile angetreten: Das
Land werde die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, sagte sie
vor tausenden Anhängern vor dem Präsidentenpalast in
Santiago. Die schmerzhafte Erinnerung an die Militärdiktatur (1973
bis 1990) dürfe aber nicht verdrängt werden. Vor dem Parlament
in Valparaiso hatte Bachelet zuvor ihren Amtseid abgelegt und war damit
erste Präsidentin Chiles geworden.
In ihrer Rede drückte Bachelet ihre Distanz zu Chiles ehemaligem
Militärmachthaber Augusto Pinochet (1973 bis 1990) aus, unter
dessen Herrschaft sie zeitweise im Exil in der DDR und anderswo lebte.
Die Präsidentin zitierte aus der letzten Rede, die Pinochets
Vorgänger Salvador Allende vor seinem Selbstmord während
Pinochets Militärputsch 1973 gehalten hatte. Unter dem Applaus der
Anwesenden verlas sie die Namen aller chilenischen Präsidenten der
letzten 50 Jahre, nur den Namen Pinochets überging sie. Die
ehemalige Verteidigungsministerin löste den populären
Präsidenten Ricardo Lagos ab.
Sie verstehe sich als "Hüterin dieser Geschichte, die düstere
und bittere Momente kannte, die aber auch zur Erholung fähig war",
sagte Bachelet. Ihre Regierung sei die Fürsprecherin aller Chilenen
"von den Vernachlässigten bis hin zu den Erfolgreichsten".
Bachelet kündigte an, dass sie Chile auf Reformkurs halten wolle.
"Wir sind schon einen weiten Weg gegangen, aber wir stehen noch vor
großen Herausforderungen." Bachelets politische Karriere ist in
dem konservativen, katholisch geprägten Chile ohne Beispiel. Sie
ist allein erziehende Mutter und steht der Kirche fern. Ihr Kabinett
besetzte sie je zur Hälfte mit Männern und Frauen. Im Januar
war sie mit 53,3 Prozent ins höchste Staatsamt gewählt worden.
Zu der Vereidigungszeremonie waren etwa 30 Staats- und Regierungschefs
angereist. Auch viele Politikerinnen kamen nach Chile, unter ihnen
US-Außenministerin Condoleezza Rice, die neuseeländische
Ministerpräsidentin Helen Clark und Bundesentwicklungsministerin
Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). Außenministerin Rice sagte: "Dies
ist ein fabelhafter Tag für die Frauen in der ganzen Welt."
Linksgerichtete Staatschefs aus Lateinamerika zeigten sich in Valparaiso
erfreut über Bachelets Amtsantritt.
(Quelle: afp)
Pipelinebruch in Alaska: 800 000 Liter Rohöl ausgetreten
Mo.13.03.06 - Ein kleines Loch in einer Pipeline im US- Staat Alaska ist die Ursache
für eine schwere Öl-Katastrophe in der «North
Slope», dem öl- und erdgasreichen Gebiet im Norden Alaskas.
Mindestens 800 000 Liter Rohöl sind nach Angaben der Behörden
über viele Tage hinweg ausgetreten.
Wie die «Anchorage Daily News» am Samstag berichtete, ist
es die größte Verschmutzung seit Beginn der
Ölförderung vor 29 Jahren in dieser Region. Die
Säuberungsarbeiten bei extremen Minustemperaturen würden
mehrere Wochen dauern, hieß es. Betroffen ist ein etwa ein Hektar
großes Gebiet der schneebedeckten Tundra.
Die neuen Schätzungen über das Ausmaß der Verschmutzung
seien zehn Mal höher als die ersten Angaben der
Ölgesellschaften in der vergangenen Woche, sagte Natalie Brandon
von der Umweltschutzgruppe «Alaska Wilderness League» am
Freitag. Die Verschmutzung bedrohe den Lebensraum der großen
Karibu- Herden nahe der Prudhoe Bay. Arbeiter hatten das Loch in der
Pipeline Anfang März durch Zufall entdeckt.
Aufsichtsbeamte prüfen nun die Funktionstüchtigkeit eines
Warnsystems, das bei derartigen Vorfällen die Betreiber alarmieren
sollte. Korrosion wird als Ursache für das Leck in der Pipeline
vermutet. «Veraltete Infrastrukturen, korrodierte Rohre und
defekte Warnanlagen werden für weitere Katastrophen sorgen»,
warnte Brandon.
Bei dem bisher schwersten Öl-Unglück vor Alaska war 1989 der
Tanker «Exxon Valdez» im Prince-William-Sund auf Grund
gelaufen. Damals waren rund 40 Millionen Liter Öl ausgetreten, die
einen 2000 Kilometer langen Küstenstreifen verseuchten.
(Quelle: ddp)
Milosevic starb an Herzversagen
Mo.13.03.06 - Der jugoslawische Ex-Präsident Slobodan Milosevic ist an
Herzversagen gestorben. Milosevic habe einen Herzstillstand erlitten,
verlautete aus dem Umfeld des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag.
Zuvor hatten Ärzte eine Autopsie von Milosevics Leiche
vorgenommen, um die Todesursache zu ermitteln. Der wegen
Kriegsverbrechen angeklagte Milosevic war am Samstagmorgen tot in
seiner Zelle im UN-Gefängnis von Scheveningen gefunden worden.
Seine Anhänger spekulierten, er sei ermordet worden. Das
UN-Kriegsverbrechertribunal wies dies zurück. Milosevic hatte
in der Vergangenheit wiederholt über Herzprobleme geklagt.
Spekulationen seiner Anhänger, er sei vergiftet worden, hatte
Chefanklägerin Carla Del Ponte zuvor als Gerüchte
zurückgewiesen. Sie sagte, die Todesnachricht habe sie schwer
getroffen: Für sie als Vertreterin der Opfer, die Gerechtigkeit
verlangten, sei dies "eine komplette Niederlage". Umso "dringlicher"
sei es, dass nun der immer noch flüchtige ehemalige bosnische
Serbenführer Radovan Karadzic und sein Militärchef Ratko
Mladic festgenommen würden. Der EU-Außenbeauftragte Javier
Solana sprach von der Hoffnung, Milosevics Tod werde "Serbien dabei
helfen, in die Zukunft zu schauen."
Indes sah es nicht so aus, als würden sich die Hoffnungen
erfüllen: Mit heftigen Angriffen auf das Tribunal reagierte die
serbische Presse auf die Nachricht von Milosevics Tod. In mehreren
Interviews sagte der serbische Arzt Vukasin Andric, der Milosevic im
November untersucht hatte, der Angeklagte sei "ein Alptraum für
das Gericht gewesen". "Sie wollten ihn um jeden Preis töten, weil
sie so verhindern konnten, dass die Wahrheit ans Licht kommt", sagte er
der größten Zeitung "Novosti".
In mehreren Städten Bosnien-Herzegowinas versammelten sich derweil
Anhänger Milosevics, um ihres Idols zu gedenken. In Banja Luka
legten die Menschen auf dem zentralen Platz der Stadt Kerzen und Blumen
nieder. Im Zentrum der Stadt Bijeljina entzündeten
Milosevic-Anhänger Kerzen und stellten Transparente mit
Aufschriften wie "Helden sterben nicht" oder "Wir lieben dich" auf.
Milosevic war Schlüsselfigur der Balkankriege und der erste
frühere Staatschef, der im UN-Kriegsverbrechertribunal unter
Anklage gestellt wurde. Ihm drohte lebenslängliche Haft; das
Urteil wurde für Sommer erwartet.
(Quelle: afp)
Großbritannien arbeitet angeblich an neuer Atomwaffe
Mo.13.03.06 - Die britischen Streitkräfte arbeiten angeblich seit mehreren
Monaten an der Entwicklung einer neuen Atomwaffe. Die Arbeiten
hätten nach dem Sieg von Premierminister Tony Blair bei der
Parlamentswahl im vergangenen Mai begonnen und würden gemeinsam mit
den USA vorangetrieben, berichtete die "Sunday Times" unter Berufung
auf einen ranghohen Beamten. Blairs Regierung unterstütze das
Projekt, obwohl sie bislang öffentlich behauptete, es sei noch
keine Entscheidung über ein mögliches Nachfolgemodell für
die britischen Nuklearwaffen vom Typ Trident gefallen.
Die Entwickler am südenglischen Atomwaffenzentrum Aldermaston
bemühen sich den Angaben zufolge, die neue Waffe aus bislang schon
bekannten und erprobten Komponenten zusammenzubauen. Die Regierung wolle
nicht gegen den Bann von Atomwaffentests verstoßen. Die "Sunday
Times" zitierte den Beamten mit den Worten: "Wir müssen etwas
konstruieren, das wir nie testen können, und müssen dennoch
absolut sicher sein, dass es funktioniert, wenn man es einsetzt."
Sollten sich die Informationen bewahrheiten, muss sich Blair
wahrscheinlich auf kritische Fragen aus den Reihen seiner eigenen
Labour-Partei einstellen.
(Quelle: afp)
Londoner WTO-Gespräche bringen noch keinen Durchbruch
Mo.13.03.06 - Der Versuch von sechs Mitgliedern der Welthandelsorganisation (WTO),
bei einem Treffen in London die sogenannte Doha-Handelsrunde
weiterzubringen, hat nach den Worten von EU-Handelskommissar Peter
Mandelson bislang "keinen Durchbruch" erzielt. Jedoch seien bei den
zweitägigen Gesprächen "in einigen Bereichen Fortschritte
erzielt worden", sagte Mandelson am Samstagabend in London, Stunden vor
dem geplanten Ende des Treffens. Die Diskussionen bezeichnete er als
bislang "konstruktiv und nützlich": Sie hätten die
Möglichkeiten und Grenzen von Verhandlungen über eine
Liberalisierung des Welthandels ausgelotet.
(Quelle: afp)
Frankreich: De Villepin will nach Protesten
Arbeitsmarktreformpläne verteidigen
Mo.13.03.06 - Angesichts der anhaltenden Studentenproteste in Frankreich wollte
Ministerpräsident Dominique de Villepin am Sonntag die geplanten
Arbeitsmarktreformen öffentlich verteidigen.
Vorgesehen war ein längeres Fernsehinterview mit dem Minister,
einen Tag nachdem Polizisten die historische Universität Sorbonne
in Paris gestürmt hatten. Die Sicherheitskräfte lösten
damit die am Mittwoch begonnene Protestaktion von rund 200 Studenten auf.
Bei ihrem Einsatz setzte die Polizei Tränengas ein. Einige
Studierende bewarfen Polizisten daraufhin mit Flaschen, Stühlen und
Feuerlöschern. Zwei Menschen wurden leicht verletzt, darunter auch
ein Fotograf, der von Wurfgeschossen der Studenten getroffen wurden. Es
waren die größten Unruhen in Frankreich seit den
Vorortkrawallen im November. Die Studenten kündigten für den
Abend neue Demonstrationen im Zentrum von Paris an.
Vor der Erstürmung hatten sie auch einen Platz vor der Sorbonne
und den Boulevard Saint Michel im Herzen des Quartier Latin blockiert.
Tausende Menschen protestierten im Verlauf der Woche gegen die
Regierungspläne, an zahlreichen französischen Hochschulen
organisierten Studenten Demonstrationen. Innenminister Nicolas Sarkozy
brach wegen der Krawalle eine Kurzreise in die Karibik ab.
Die Regierung will eine neue Form von Arbeitsvertrag zulassen, den so
genannten CPE. Mit dem CPE könnten Unternehmen junge Menschen unter
26 Jahren mit einer zweijährigen Probezeit einstellen, bevor sie
unbefristet beschäftigt werden. Nach Einschätzung von de
Villepin würden dadurch Firmen ermutigt, junge Menschen
einzustellen. Kritiker sehen hinter den geplanten Maßnahmen eine
Erleichterung für Unternehmen, junge Beschäftigte zu
entlassen. Dies könne auch das Gefühl der Unsicherheit
erhöhen, das als eine der Ursachen für die Krawalle in
französischen Vororten 2005 gilt.
Villepins Eintreten für diesen Plan hat ihm als möglichen
konservativen Kandidaten bei der Präsidentenwahl 2007 zuletzt
deutlich an Zuspruch in der Bevölkerung gekostet. Einer Umfrage vom
Montag zufolge sank seine Popularität auf den niedrigsten Stand
seit seiner Ernennung zum Ministerpräsidenten im Mai vergangenen
Jahres.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Grüne warnen vor übertriebenem Geheimschutz bei BND-Ausschuss
Mo.13.03.06 - Die Grünen haben die Koalition davor gewarnt, die Arbeit des
BND-Untersuchungsausschusses durch einen aus ihrer Sicht
übertriebenen Geheimschutz zu belasten.
"Der Geheimschutz darf nicht dazu missbraucht werden, Missstände
bei den Geheimdiensten vor der Öffentlichkeit zu verbergen",
erklärte der Parlamentarische Geschäftsführer der
Grünen, Volker Beck, am Sonntag. Wenn der Quellenschutz oder die
Zusammenarbeit mit ausländischen Nachrichtendiensten dies
verlangten, würden die Grünen die Geheimhaltung respektieren.
Das Bedürfnis nach Geheimhaltung müsse nachvollziehbar
begründet sein. Wenn nicht, würden die Grünen notfalls
vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.
Kanzleramtsminister Thomas de Maiziere und SPD-Fraktionschef Peter
Struck hatten zuvor erklärt, der BND-Untersuchungsausschuss habe
dort seine Grenzen, wo es um den Kernbereich staatlichen Handelns gehe.
Dieser Kernbereich sei die innere und äußere Sicherheit
Deutschlands, sagte de Maiziere der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"
vom Samstag. FDP, Linkspartei und Grünen fordern die Einsetzung
eines BND-Untersuchungsausschusses. Das Gremium soll unter anderem der
Frage nachgehen, ob der Bundesnachrichtendienst während des
Irakkriegs die Kriegsführung der USA gegen den erklärten
Willen der rot-grünen Bundesregierung unterstützt hat.
(Quelle: rtr)
Experte beklagt schleichenden Verlust an Datenschutz
Mo.13.03.06 - Den Datenschützern weht unter den Schlagwörtern
«Terrorbekämpfung» und «Innere Sicherheit»
nach Angaben eines Experten ein scharfer Wind ins Gesicht.
«Sicherheit wird seit dem 11. September 2001 vielerorts wichtiger
genommen als der Datenschutz.»
Das sagte der Vorsitzende des Bundesverbands der Datenschützer
(BvD), Hannes Federrath, in einem dpa-Gespräch. Bürgerrechte
würden mehr und mehr zu Gunsten der vermeintlichen Sicherheit des
Staates abgebaut und beschnitten.
«Letztlich wird jeder Mensch wie ein potenzieller Terrorist
behandelt», sagt der Regensburger Professor für IT-
Sicherheitsmanagement. So könne jemand allein dadurch Nachteile
erleiden, weil er den falschen Nachnamen habe. Ein Problem sieht der
Datenschützer auch in der Speicherung biometrischer Daten, die etwa
für die Erstellung eines Reisepasses aufgenommen wurden.
«Es besteht die Gefahr, dass die eh schon vorhandenen Daten
Begehrlichkeiten wecken, sie auch für andere Zwecke - etwa die
Suche nach Kriminellen - zu nutzen», warnt Federrath. Schleichend
entstünde so ein Verlust von Datenschutz und Freiheit. Im Laufe der
Zeit würde dadurch genau das entstehen, was eigentlich vermieden
werden sollte: «Der Bürger fühlt sich unfrei und nicht
mehr geborgen in seinem Staat.» Wenn schon Daten gespeichert
werden müssen, dann sollten laut Federrath die Daten
unbescholtener Bürger wenigstens nicht missbraucht werden
können.
Auf einem Datenschutz-Kongress am 16. und 17. März in Ulm wollen
sich rund 80 Experten unter anderem mit der Frage befassen, wie eine
Balance zwischen der Sicherheit des Staates und den Bürgerrechten
gefunden werden kann.
(Quelle: dpa)
CDU-Spendenaffäre: Waffenhändler Schreiber droht mit
brisanten Enthüllungen
Mo.13.03.06 - Der Waffenhändler Karlheinz Schreiber, Schlüsselfigur der
CDU-Spendenaffäre, hat seinen früheren Freunden aus der
Politik mit brisanten Enthüllungen gedroht. «Ich werde denen
noch 'ne Schlacht liefern, da können die sich drauf
verlassen.»
Das sagte der 71- Jährige am Samstag in einem Gespräch mit
der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Toronto. So könne er
nachweisen, dass der heutige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
(CDU) «der größte Lügenbold» sei, der
«je ein politisches Amt bekleidet» habe. Im Jahr 2000 war
der damalige CDU-Partei- und Fraktionschef durch Details zu einer
umstrittenen 100 000-Mark-Spende Schreibers so unter Druck geraten, dass
er zurückgetreten war.
Auch der CSU drohen nach einem Bericht des «Spiegel»
womöglich neue Anschuldigungen. Nach Informationen des Hamburger
Magazins will Schreibers Münchner Anwalt Jan Olaf Leisner den
Finanzbehörden einen Schriftsatz einreichen, in dem es um bisher
unbekannte Geldflüsse für ein Airbus-Geschäft mit Kanada
gehe. Darin solle angeblich eine hohe Zahlung für ein Geheimkonto
der CSU - eine Art «Kriegskasse» des früheren CSU-
Chefs Franz Josef Strauß - mit Bankdokumenten belegt werden. Nach
Angaben aus dem Umfeld von Schreiber sei dieser bisher «aus alter
Nibelungentreue zu Vertrauten des verstorbenen CSU-Chefs» bislang
nicht bereit gewesen, diese Zahlung offen zu legen, schreibt der
«Spiegel» in seiner neuen Ausgabe. Sowohl die CSU als auch
die Familie Strauß haben stets bestritten, von Schreiber Geld
erhalten zu haben.
Schreiber sieht sich unterdessen trotz einer gerichtlichen Niederlage
in Kanada noch lange nicht in Deutschland. «Ich würde allen
empfehlen, erst mal abzuwarten», sagte der 71-Jährige in dem
dpa-Gespräch. Das höchste Berufungsgericht der kanadischen
Provinz Ontario hatte seine Berufung gegen seine geplante Auslieferung
nach Deutschland kürzlich abgelehnt. Dagegen legte der
71-Jährige wiederum Berufung beim Obersten Gerichtshof von Kanada
ein. «Das Urteil in Ontario hatte ich genauso erwartet»,
sagte Schreiber. Er sei aber optimistisch, dass der Oberste Gerichtshof
anders urteilen werde. Im übrigen sei in diesem Jahr nicht mehr mit
einer Entscheidung zu rechnen.
Auf die Frage, warum er sich der deutschen Justiz zu entziehen
versuche, obwohl er seine Unschuld beteuere, sagte Schreiber:
«Wenn ich mich stellen würde, käme ich sofort acht bis
zehn Jahre in Untersuchungshaft. Ich brauche nur ins Flugzeug zu
steigen, da bin ich schon verurteilt. Dazu habe ich meinen Freund
(Bayerns Ministerpräsident Edmund) Stoiber zu sehr verärgert.
Da würde massiv Einfluss genommen auf das Gericht.»
Schreiber wird von den Justizbehörden in Augsburg wegen
Steuerhinterziehung, Bestechung und Untreue gesucht. Bei internationalen
Geschäften mit Panzern, Hubschraubern und Flugzeugen soll er
Millionen an Schmiergeldern erhalten und über ein Geflecht von
Tarnfirmen an Politiker und Manager weitergereicht haben.
Schreiber kritisierte, weder die deutschen Medien noch die deutschen
Staatsanwälte seien offenbar willens, der Korruptionsaffäre
wirklich auf den Grund zu gehen und die Schuldigen aus der Politik
anzuprangern. Zu den Vorwürfen, die der Augsburger Oberstaatsanwalt
Reinhard Nemetz gegen ihn erhebt, sagte Schreiber: «Wenn Dummheit
wehtäte, wäre der schon lange tot.»
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Vierbeiner liefen vor 400 Millionen Jahren wie heutige Tiere
Mo.13.03.06 - Schon die ersten Landlebewesen mit vier Füßen vor 400
Millionen Jahren sind wie moderne Tiere gegangen und gelaufen. Zu diesem
Ergebnis kamen amerikanische Biologen in einer Bewegungsanalyse mit
Salamandern und Echsen, den nächsten lebenden Verwandten der
frühen Vierfüßer. Über ihre Ergebnisse berichten
die Wissenschaftler um Stephen Reilly in der Fachzeitschrift
«Proceedings of the Royal Society: B»
(Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2006.3489).
Bei vielen Vierbeinern wie Katze oder Hund gehorcht die Fortbewegung
den gleichen physikalischen Merkmalen: Geht das Tier, so bewegt sich
sein Körperschwerpunkt während des Schrittes erst nach oben
und erreicht in der Mitte eines Schrittes die größte
Höhe. Zu diesem Zeitpunkt ist das Tier am langsamsten. Im zweiten
Teil des Schrittes geht der Schwerpunkt nach unten, und das Tier wird
schneller. Anders beim Laufen: Hier sind die Vierbeiner genau in der
Mitte eines Schrittes beziehungsweise Sprunges am schnellsten.
Stephen Reilly und seine Kollegen untersuchten nun die Fortbewegung von
drei Brückenechsen und sechs Tigersalamandern. Die Echsen gelten
als lebende Fossilien, da sie sich in den vergangenen 225 Millionen
Jahren nur wenig verändert haben. Auch die Salamander sind eine
ähnlich alte Spezies. Daher dienten die Tiere den Wissenschaftlern
als Modell für die frühesten Landvierbeiner. Für die
Studie mussten alle Tiere über eine Plattform tapsen, an der
Drucksensoren angebracht waren. Gleichzeitig filmten die Wissenschaftler
den Schaulauf.
Anschließend analysierten die Forscher die Daten und berechneten
dazu, wie schnell sich ihre Probanden bewegten, wie stark sie
beschleunigten und wie ihr Körperschwerpunkt sich während
eines Schrittes verhielt. Dabei fanden sie heraus, dass bei beiden
Spezies die typischen Geh- und Laufmerkmale vorhanden sind. Schon bei
den ersten Landtieren mit vier Füßen vor etwa 400 Millionen
Jahren seien die gleichen Bewegungsmuster vorhanden gewesen,
schließen Reilly und sein Team.
Allerdings spielte es für die Geschwindigkeit der Versuchstiere
keine Rolle, ob sie gingen oder in den Laufmodus wechselten - sie waren
immer äußerst langsam. Vierbeiner wie Hund oder Pferd dagegen
werden deutlich schneller, wenn sie zu rennen beginnen. Der Grund
für die fehlende Beschleunigung der Amphibien liege in ihrem
tapsigen Gang, vermuten die Wissenschaftler: Die Tiere bewegten sich
sehr stark auf und ab und verlören damit Energie für die
Vorwärtsbewegung.
(Quelle: ddp)