Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertsechsundzwanzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Berichte über Todesschwadronen aus den Reihen der
Sicherheitskräfte bestätigt. Elf Mitglieder einer Familie
offenbar durch US-Beschuss getötet. Erneut Kleinbus voller Leichen
entdeckt. Rumsfeld: Keine Beweise für Verwicklung Teherans in
Gewalt im Irak. Britischer Armeearzt wegen Nein zu Irak-Einsatz vor
Gericht. Straßburger Menschenrechts-Gerichtshof lehnt Saddams
Beschwerde ab
Do.16.03.06 - Das irakische Innenministerium hat erstmals Berichte der US-Armee
über Todesschwadronen aus den Reihen der Sicherheitskräfte
bestätigt. Eine Untersuchungskommission habe festgestellt, dass 22
Beamte des irakischen Innenministeriums und 3 Mitarbeiter des
Verteidigungsministeriums in den Fall verwickelt seien.
Diese hätten Zivilisten entführt und getötet, «um
Rache zu üben», sagte Generalmajor Kamal Hussein, ein
hochrangiger Ministerialbeamter, der irakischen Zeitung
«Al-Mashreq».
Nach Darstellung Husseins handelten die Angehörigen der
Todesschwadronen eigenmächtig und nicht auf Befehl des Ministers.
Arabische Sunniten hatten Innenminister Bajan Bakr Solagh, der zu
Schiiten-Partei SCIRI gehört, vorgeworfen, er benutze eine illegale
paramilitärische Einheit, die aus der Miliz seiner Partei
hervorgegangen sei, für Morde an sunnitischen Geistlichen und
politischen Gegnern. Bei mehreren Entführungen hatten Augenzeugen
berichtet, die Kidnapper hätten Polizeiuniformen getragen.
Im Nordirak sind elf Mitglieder einer Familie getötet worden,
darunter mehrere Frauen und Kinder. Ärzte in Tikrit berichten, die
US-Armee habe von einem Hubschrauber aus das Haus der Familie
beschossen. Der Hintergrund des Angriffs ist noch unklar. Das
US-Militärkommando äußerte sich noch nicht dazu.
Extremisten haben erneut einen sunnitischen Geistlichen ermordet. Der
sunnitische Rat der Religionsgelehrten berichtete am Mittwoch, Scheich
Hussein Turki sei in Makdadija nördlich von Bagdad am Dienstag nach
dem Gebet zum Sonnenuntergang erschossen worden. Sein Sohn sei bei dem
Angriff verletzt worden. Bereits gestern war die Leiche des
sunnitischen Predigers Scheich Ahmed Haschim Ahmed gefunden worden. Die
US-Armee teilte unterdessen mit, zwei ihrer Soldaten seien bereits am
Montag in der Provinz Anbar von Aufständischen getötet worden.
In Bagdad verhängte das Innenministerium ein Fahrverbot von
Mittwochabend bis Donnerstagnachmittag, um Anschläge während
der geplanten konstituierenden Sitzung des Parlaments zu verhindern. Das
Parlament soll an diesem Donnerstag, genau drei Monate nach der Wahl,
erstmals zusammentreten. Auch die Bildung einer neuen Regierung steht
noch aus.
In West-Bagdad wurde erneut ein Kleinbus voller Leichen entdeckt. Wie
die Polizei mitteilte, lagen 15 irakische Zivilisten tot in dem
Fahrzeug. Die Körper der Mordopfer wiesen Folterspuren auf. Sie
waren erwürgt worden. In der vergangenen Woche war in West-Bagdad
bereits ein Kleinbus mit 18 Mordopfern entdeckt worden, die ebenfalls
erdrosselt worden waren. Im Osten der Hauptstadt fand die Polizei zudem
die Leichen von neun weiteren Männern.
Die Journalistengewerkschaft in Bagdad teilte derweil mit, Mohsen
Chodeir, der Chefredakteur der Zeitschrift «Alif Ba», sei in
der Nacht zum Dienstag in seinem Haus getötet worden. Nach Angaben
der Gewerkschaft wurden damit seit dem Sturz des Saddam-Regimes im
April 2003 insgesamt 69 irakische Journalisten ermordet.
Die Organisation Reporter ohne Grenzen berichtete unterdessen, die zwei
mutmaßlichen Mörder des am vergangenen Samstag in Bagdad
ermordeten Chefs des staatlichen irakischen TV-Senders Al-Irakija,
Amdschat Hassan, seien in Bagdads westlichem Vorort Abu Ghoreib
festgenommen worden.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat eingeräumt, dass
seine Regierung keine Beweise für eine Verantwortung Teherans
für Anschläge und Gewalt im Irak hat. Es sei unmöglich
nachzuweisen, dass Material für den Bau von Bomben aus dem Iran
stamme - "es sei denn, man sieht mit eigenen Augen ein von Teheran
bezahltes Fahrzeug oder bezahlte Truppen damit ins Land kommen", sagte
Rumsfeld am Dienstag (Ortszeit) in Washington. Der Minister hatte
vergangene Woche Teheran zudem beschuldigt, so genannte
Revolutionswächter in das Nachbarland zu lassen. Theoretisch
könne es sich auch um einzelne "Schurken" oder Pilger handeln,
sagte Rumsfeld. Dies sei aber "wenig wahrscheinlich".
Ein britischer Armeearzt wurde wegen seiner Weigerung, in den Irak
zurückzukehren, am Mittwoch vor einem Militärgericht
angehört. Die Anhörung des 37-jährigen Leutnants Malcolm
Kendall-Smith in Aldershot in der südenglischen Grafschaft
Hampshire dient der Vorbereitung des eigentlichen Prozesses. Der wegen
zwei Einsätzen in Afghanistan und dem Irak ausgezeichnete Arzt der
Royal Air Force wird beschuldigt, den Befehl zur Rückkehr in das
Gebiet um das südirakische Basra verweigert zu haben. Kendall-Smith
begründet seine Haltung damit, dass der Irak-Krieg als
völkerrechtswidrig anzusehen ist.
Der Europäische Menschenrechts-Gerichtshof in Straßburg hat
eine Beschwerde des gestürzten irakischen Staatschefs Saddam
Hussein über die angebliche Unrechtmäßigkeit seines
Prozesses zurückgewiesen. Saddam Hussein hatte im Juni 2004
beantragt, die 21 europäischen Staaten, die sich unter der
Führung der USA am Einmarsch in den Irak im März 2003
beteiligt hatten, zu verurteilen. Der irakische Ex-Machthaber habe nicht
beweisen können, dass er der Gewalt von einem der 21 Staaten
unterstanden habe, hieß es in der Begründung des Gerichtshofs.
(Quellen: dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 16.03.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihunderteinundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.16.03.05 - Italien will Truppen im Irak ab September reduzieren +++ Irakische
Nationalversammlung wird vereidigt +++ In Bagdad detonierten drei
Autobomben: Mindestens fünf Tote +++ Bericht: Irakische
Sicherheitskräfte haben schlechte Arbeitsmoral +++
Neue Hinweise auf Misshandlungen von Gefangenen im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0503160.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Mehr als 400 Intellektuelle protestieren gegen Guantánamo
Do.16.03.06 - In einer gemeinsamen Erklärung haben mehr als 400 Intellektuelle
aus aller Welt am Dienstag die sofortige Schließung des
US-Gefangenenlagers Guantánamo auf Kuba und anderer Lager
gefordert. Im Namen der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen
beklagen die Unterzeichner, darunter acht Nobelpreisträger, dass
"die USA und ihre Verbündeten der Europäischen Union"
wiederholt verhindert hätten, dass die Kommission die dort
begangenen "massiven und systematischen Menschenrechtsverletzungen im
Namen des Kampfes gegen den Terrorismus" anprangert. "Die Regierungen
der EU haben die von ihren Bürgern vorgelegten Dokumente und
Beweise für die erlittenen unterschiedlichen Folterungen auf dem
Marinestützpunkt Guantánamo nicht zur Kenntnis genommen",
heißt es in dem Text, der auch die mutmaßlichen geheimen
Gefangenenflüge des US-Geheimdienstes CIA über Europa
kritisiert.
(Quelle: afp)
UN-Menschenrechtsrat gegründet
Do.16.03.06 - Gegen den Willen der USA haben die Vereinten Nationen am Mittwoch die
Gründung eines Menschenrechtsrats beschlossen. Die
UN-Vollversammlung nahm die Resolution ihres Präsidenten Jan
Eliasson mit überwältigender Mehrheit an. 170 Länder
stimmten für das neue UN-Gremium, das die seit langem umstrittene
Menschenrechtskommission in Genf ersetzen soll.
Mit Nein votierten neben den USA Israel, die Marschall-Inseln und der
Inselstaat Palau.
Die USA hatten bis zuletzt Änderungen an dem Konzept verlangt, das
Eliasson nach fünfmonatigen Beratungen mit allen
UN-Mitgliedstaaten erstellt hatte. Washington bemängelt vor allem,
dass ein Land nur 96 von 191 Stimmen in der UN-Vollversammlung braucht,
um in den neuen Rat gewählt zu werden. Damit wird es Ländern,
die selbst die Menschenrechte verletzten, nach Meinung der USA weiter
zu leicht gemacht, in das Gremium einzuziehen.
Trotz ihrer Nein-Stimme zu dem Konzept von Eliasson will die US-
Regierung den Menschenrechtsrat unterstützen. Dies hat
Außenministerin Condoleezza Rice nach Angaben der
«Washington Post» UN-Generalsekretär Kofi Annan zuvor
telefonisch versichert.
Annan begrüßte die «historische Resolution» als
wichtigen Schritt. Das neue Gremium «gibt den Vereinten Nationen
die Chance - die längst überfällige Chance - ihren
Einsatz für die Menschenrechte in aller Welt neu zu
beginnen». Vermutlich gebe es kein Land, das allen Paragrafen der
Resolution zustimme, räumte Annan ein. Aber das sei nun einmal die
Natur internationaler Verhandlungen.
Annan hob hervor, dass die Vollversammlung ein Mitglied des
Menschenrechtsrates jederzeit abwählen könne, wenn es sich
grobe und systematische Menschenrechtsverstöße zu Schulden
kommen lasse. Deutschlands UN-Botschafter Gunter Pleuger bezeichnete
das neue Gremium ebenfalls als Kompromiss. «Es ist aber auf jeden
Fall eine Verbesserung des bisherigen Zustands».
Selbstverständlich wäre Deutschland bereit gewesen, dem
Menschenrechtsrat noch mehr Kompetenzen zu geben, sagte Pleuger.
Die Grünen-Politiker Volker Beck und Jürgen Trittin
begrüßten den Beschluss. «Auch wenn der Beschluss
nicht das Maximum dessen enthält, was an Verbesserungen der alten
Kommission denkbar gewesen wäre, stellt er dennoch ein
tragfähiges Konzept für einen neuen, effektiveren
Menschenrechtsrat dar.»
Die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey hieß die
Entscheidung am Mittwochabend in Bern willkommen. Nach ihren Angaben
werden die Mitglieder des Menschenrechtsrates bereits am 9. Mai
gewählt. Am 19. Juni soll in Genf die erste Sitzung stattfinden,
mit der die bisherige UN-Menschenrechtskommission abgelöst werde.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nannte die Schaffung
des neuen Rates einen «entscheidenden Fortschritt für den
Schutz von Opfern weltweit». Sie rief die UN-Vollversammlung auf,
die besten Kandidaten aus allen Regionen der Erde auszuwählen und
strenge Regularien einzuführen, um das neue UN-Gremium so effektiv
wie möglich zu machen. Auch Amnesty International sprach von einem
«Sieg für die Achtung der Menschenrechte». Die
Organisation fordert, die Kandidaten für den neuen Rat
spätestens bis zum 8. April aufzustellen, damit genügend Zeit
bis zur Wahl im Mai bleibe.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Tausende Palästinenser protestieren gegen Festnahme Saadats
Do.16.03.06 - Tausende Palästinenser haben gegen die Festnahme des Chefs der
Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), Ahmed Saadat,
und fünf seiner Mitgefangenen im Gefängnis von Jericho
protesiert. In Ramallah, Nablus und Herbon im Westjordanland zogen am
Mittwoch Demonstranten mit Fotos von Saadat durch die Straßen. Ein
Aufruf zum Generalstreik in den Palästinensergebieten wurde
weitgehend befolgt; vor allem im Gazastreifen blieben viele
Geschäfte geschlossen.
Die Palästinenser hatten für Mittwoch weitere Protestaktionen
gegen die Erstürmung des Gefängnisses von Jericho im
Westjordanland durch israelische Soldaten angekündigt.
Israel hat in einer Militäraktion von dort den Chef der Volksfront
zur Befreiung Palästinas (PFLP), Ahmed Saadat, verschleppt. Es
wirft ihm vor, für den Anschlag auf Israels Tourismusminister
Rehawam Siwi vor fünf Jahren verantwortlich zu sein. "Die PFLP wird
nicht mit gefesselten Händen die Verschleppung des Genossen Saadat
hinnehmen", sagte Kajed al-Ghul, ein PFLP-Anführer im
Gazastreifen.
Der Sturm auf das Gefängnis hat eine neue Welle der Gewalt in den
Palästinenser-Gebieten ausgelöst, bei der am Dienstag
mindestens neun Ausländer zeitweise als Geiseln genommen wurden.
Gebäude der EU und anderer Organisationen wurden angegriffen,
einige in Brand gesetzt.
(Quellen: afp, rtr)
Massive Kritik im Europaparlament am Vorgehen Israels
Do.16.03.06 - Im Europaparlament ist die israelische Razzia im Gefängnis von
Jericho auf massive Kritik gestoßen. Diese Militäroperation
sei "unnütz und illegal" gewesen, sagte Parlamentspräsident
Josep Borrell am Mittwoch in Straßburg. Eine solche Aktion und die
"demütigenden Bilder" der Häftlinge seien nicht geeignet, die
Sicherheit Israels zu verbessern. Auch die Sprecher der
maßgeblichen Fraktionen äußerten sich besorgt über
die Eskalation der Gewalt nach der Stürmung des Gefängnisses.
(Quelle: afp)
UN-Sicherheitsrat in Iran-Krise weiter uneinig
Do.16.03.06 - Nach informellen Beratungen mit allen Mitgliedern des
UN-Sicherheitsrats sind die fünf Veto-Mächte am Mittwoch
geteilter Meinung über das weitere Vorgehen im Atomkonflikt mit dem
Iran geblieben.
Die USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China wollten
sich im Verlauf des Mittwochs zum fünften Mal treffen, um einen
gemeinsamen Weg zu finden. Angesichts der Widerstände Russlands und
Chinas sollte eine Erklärung formuliert werden, die den atomaren
Ambitionen des Irans Einhalt gebietet, ohne dass Sanktionen oder
Strafmaßnahmen angedroht werden. Der Iran erklärte, auch bei
einem entsprechenden Aufruf des Sicherheitsrats nicht auf seine
Atomforschung zu verzichten.
Frankreich und Großbritannien verteilten bei dem informellen
Treffen aller Mitglieder am Dienstag Elemente, die aus ihrer Sicht
Bestandteile einer gemeinsamen Erklärung sein sollten. Demnach
würde der Iran aufgerufen, alle Arbeiten an der Urananreicherung
auf längere Sicht auszusetzen. Der Iran steht im Verdacht, mit
dieser Technik auch die Fähigkeit zum Bau von Atomwaffen entwickeln
zu wollen.
Russland und China wehrten sich aber gegen die Formulierung, der
Sicherheitsrat äußere "ernsthafte Bedenken" gegen das
iranische Atomprogramm und verlange von der Islamischen Republik,
bisherige Forderungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
zu erfüllen. Solche Sätze könnten den Weg für
weitergehende Maßnahmen des mächtigsten Gremiums der UN
ebnen. Der chinesische UN-Botschafter Wang Guangya erklärte
umgehend: "Wir haben einige Schwierigkeiten mit den Elementen."
Die informellen Beratungen mit allen Ratsmitgliedern kamen zu Stande,
nachdem sich im Kreis der fünf Veto-Mächte tagelang kein
Kompromiss abgezeichnet hatte. Am heutigen Donnerstag oder am Freitag
würden die Gespräche in der großen Runde fortgesetzt,
sagte der US-Botschafter bei den UN, John Bolton.
Der Iran pochte auf sein Recht zu Forschungen an einem atomaren
Brennstoffkreislauf. Es könne nicht sein, dass die internationale
Gemeinschaft eine Aufgabe dieser Arbeiten verlange, sagte Hamid Resa
Assefi, Sprecher des iranischen Außenministeriums, in Teheran.
"Das ist unumkehrbar."
Angereichertes Uran kann in Reaktoren zur Stromgewinnung oder zum Bau
von Atomwaffen eingesetzt werden. Der Iran hat den Vorwurf,
militärische Ziele zu verfolgen, wiederholt zurückgewiesen.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien hat den
Konflikt vor kurzem an den Sicherheitsrat weitergeleitet.
(Quelle: rtr)
Eine Million Liter Öl in Alaska ausgelaufen
Do.16.03.06 - Bei einer schweren Umweltkatastrophe im Norden Alaskas sind seit Anfang
März bis zu eine Million Liter Öl aus einer Leitung geflossen.
Offenbar auf Grund von Korrosion habe sich an einer Ölleitung vom
Ölfeld Prudhoe Bay etwa 1000 Kilometer nördlich der Stadt
Anchorage ein Leck gebildet, wie das Umweltministerium des
US-Bundesstaaates Alaska mitteilte. Erstmals sei das Leck am 2.
März aufgefallen. Seitdem seien zwischen 760.000 Liter und 1,01
Millionen Liter Öl in das Polareis gelangt.
Trotz widriger Wetterbedingungen und Temperaturen von minus 50 Grad
liefen die Arbeiten zur Eindämmung des Ölteppichs sehr gut,
sagte eine Ministeriumssprecherin. Ziel sei, den verschmutzten Schnee
einzusammeln, damit die Tundra nicht kontaminiert werde. Noch habe das
Öl nicht den Ozean erreicht.
Die bisher schwerste Katastrophe im Norden Alaskas ereignete sich 1989,
als 127.000 Liter Öl die Umwelt verpesteten. Im selben Jahr
ereignete sich eine der schlimmsten Umweltkatastrophen überhaupt:
Der Tanker Exxon Valdez verlor 41,8 Millionen Liter Öl an der
Südküste Alaskas.
(Quelle: afp)
Experten und Politiker sprechen in Mexiko über Zukunft des Wassers
Do.16.03.06 - 13.000 Politiker und Fachleute aus 120 Ländern diskutieren in
Mexiko von heute an eine Woche lang über die Zukunft der
Wasservorräte in der Welt. Angesichts des zunehmenden Mangels an
Trinkwasser geht es auch um die Frage, ob das Wassermanagement
künftig mehr der Privatwirtschaft überlassen werden oder in
staatlichen Händen bleiben sollte.
Die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben,
hat sich nach Schätzungen der Vereinten Nationen in den
zurückliegenden Jahren auf rund 1,5 Milliarden erhöht.
Täglich sterben rund 35 000 Menschen an den Folgen des
Wassermangels. Nach Angaben des Weltwasserrates, der die Wasserforen
seit 1997 alle drei Jahre organisiert, sind von dem katastrophalen
Mangel hauptsächlich die Entwicklungsländer in Asien,
Lateinamerika und Afrika betroffen.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Brasilien dringt auf internationale Genfood-Kennzeichnung
Do.16.03.06 - Brasilien dringt auf eine internationale Kennzeichnung von Genfood zum
Schutz der Verbraucher. Der südamerikanische Staat, einer der
größten Produzenten von gentechnisch veränderten
Pflanzen und Lebensmitteln, will in Zukunft solche Produkte verbindlich
auf der Verpackung kennzeichnen. Das sieht ein von Präsident Luiz
Inacio "Lula" da Silva unterstützter Vorschlag vor, den das Land am
Dienstag vorlegte. Andere große Genfood-Produzenten wie die USA,
Argentinien und Kanada lehnen dies ab. Die Pläne werden bis
Freitag von den Vertretern von 132 Staaten beraten, die sich im Rahmen
des UN-Cartagena-Protokolls zum Schutz vor gentechnisch veränderten
Organismen auf einer Konferenz in Curitiba treffen.
(Quelle: afp)
Wahlkampf in Italien: Prodi gewinnt erstes TV-Duell gegen Berlusconi
Do.16.03.06 - Der italienische Oppositionsführer Romano Prodi hat das erste
TV-Duell mit Ministerpräsident Silvio Berlusconi für sich
entschieden. Dies erklärten politische Beobachter und Kommentatoren
am Tag nach der Debatte fast einstimmig.
Auch eine Blitzumfrage am späten Dienstagabend unter 600
Zuschauern ergab, dass 46,5 Prozent der Befragten Prodi als Sieger
sehen, während nur 34,7 Prozent Berlusconi begünstigen,
berichtete die Zeitung «Corriere della Sera» am Mittwoch.
«Prodi greift an, Berlusconi muss sich verteidigen», titelte
die Zeitung «Il Messaggero».
«Ich bin sehr zufrieden, es ist wirklich gut gelaufen»,
sagte Prodi nach dem «Match». «Wenn man mit gleichen
Waffen kämpft und präzise Regeln hat, kann man klare Konzepte
herüberbringen und es den Italienern erlauben, sich eine
Vorstellung von den Programmen zu machen.» Die beiden Kontrahenten
hatten sich am vergangenen Wochenende auf das «amerikanische
Muster» für die Fernsehdebatte geeinigt, bei dem jedes
Detail der Sendung vorher genau festgelegt war. «Ich bin von
dieser Methode enttäuscht, aber ich werde auch das zweite TV-Duell
angehen», erklärte Berlusconi. Die nächste Runde
zwischen Regierungschef und Herausforderer ist für den 3. April
geplant.
Beobachter bezeichneten die Debatte, bei der jeder Redner 150 Sekunden
Zeit für die jeweilige Antwort hatte, als
«unterkühlt» und «steril». Die strengen
Regeln mit genau festgelegten Redezeiten hätten zu wenig Spielraum
für eine interessante Debatte gelassen: «Ich habe mich
tödlich gelangweilt», meinte der bekannte Journalist Vittorio
Feltri. Insgesamt sahen sich 16 Millionen Italiener das mit Spannung
erwartete, 90-minütige TV-Duell an.
Thematisch wurden etwa die künftige Steuer- und
Einwanderungspolitik, die enormen Preiserhöhungen in Italien seit
der Einführung des Euro, der Interessenkonflikt Berlusconis als
Regierungschef und Medienunternehmer sowie das iranische Atomprogramm
angesprochen. Dabei kritzelte Berlusconi fast ununterbrochen mit
gesenkten Augen auf einem Schreibblock herum, während Prodi
souverän und selbstsicher in die Kamera blickte.
Als der Ministerpräsident immer wieder das desaströse
finanzielle Erbe der Mitte-Links-Vorgängerregierung ansprach,
entgegnete sein Herausforderer trocken: «Sie waren fünf Jahre
an der Regierung und reden wie ein Oppositionspolitiker. Was haben Sie
denn in den vergangenen fünf Jahren getan? Nur Ihre eigenen
Interessen verfolgt?» Er werde dem Land zu einem neuen Aufbruch
verhelfen, falls er im April zum Regierungschef gewählt werde,
versprach Prodi. Berlusconi bezeichnete seinen Kontrahenten unterdessen
wiederholt als «Frontmann, als reine Fassade einer in sich
zersplitterten Koalition».
Prodi hatte sich lange gegen die Debatte im RAI-Fernsehen gewehrt, weil
er befürchtet hatte, dass sie unfair verlaufen könnte.
Umfragen zufolge liegt der frühere EU-Kommissionspräsident
seit Wochen in der Wählergunst vorn. Prodi war bereits von 1996 bis
1998 Regierungschef in Italien.
(Quelle: dpa)
Frankreich: Weitere Proteste gegen Pariser Reform angekündigt
Do.16.03.06 - Frankreichs Gewerkschaften wollen im Kampf gegen eine Lockerung des
Kündigungsschutzes für Berufseinsteiger hart bleiben. Einzige
Möglichkeit sei die Rücknahme des umstrittenen Gesetzes, das
Unternehmen in den ersten beiden Jahren nach der Anstellung junger
Arbeitnehmer Kündigungen ohne Grund ermöglicht, sagte der
Generalsekretär der Gewerkschaft CGT, Bernard Thibault. Beim
Protesttag am Samstag würden noch mehr Menschen auf die
Straße gehen als am Dienstag vergangener Woche. Damals hatten laut
Gewerkschaften landesweit 1,1 Million Menschen an Kundgebungen
teilgenommen; laut Polizei waren es knapp 400.000.
Präsident Jacques Chirac regte bei einer Kabinettssitzung einen
Dialog mit Arbeitgebern und Gewerkschaften über den umstrittenen
Erstanstellungsvertrag an. Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres
sagte, das Staatsoberhaupt habe sich erneut voll hinter Premierminister
Dominique de Villepin gestellt und betont, "dass die Regierung in ihrer
Gesamtheit für den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit mobilisiert
sein muss". Die Regierung wolle gezielt gegen "Desinformation" zu dem
Projekt vorgehen, das vor allem Jugendlichen mit wenig Chancen am
Arbeitsmarkt Jobs bringen solle.
Gestern beorderte Villepin das gesamte Kabinett zur Klausur in seinen
Amtssitz Matignon. Dabei sollte offenbar die Strategie für die
nächsten Tage abgesteckt werden. Am Donnerstag wollen Studenten und
Schüler mit einem eigenen Protesttag den Druck auf die Regierung
erhöhen, bevor am Samstag dann die landesweiten Proteste mit
Unterstützung der Gewerkschaften folgen.
An zahlreichen Universitäten des Landes war der Lehrbetrieb
derweil weiter gestört. Die Sorbonne, die am Wochenende nach einer
Besetzung gewaltsam geräumt worden war, blieb geschlossen. An acht
Universitätsstandorten im Innenstadtbereich von Paris lief der
Betrieb laut Verwaltung aber inzwischen weitgehend normal.
(Quelle: afp)
Deutschland
Angeblich droht erneut Milliardenloch bei Arbeitslosengeld II
Do.16.03.06 - Die Kosten beim Arbeitslosengeld II laufen nach einem Medienbericht
weiter aus dem Ruder. Im Januar und Februar dieses Jahres stiegen die
Ausgaben für das Arbeitslosengeld II auf rund 4,7 Milliarden Euro,
wie der Südwestrundfunk (SWR) am Mittwoch berichtete. Das sind 900
Millionen Euro mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres.
Aufs Jahr hochgerechnet drohten die Kosten damit 2006 weiter zu
explodieren, weil Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD)
für 2006 lediglich 24,4 Milliarden Euro eingestellt habe,
berichtete der Sender weiter. Im vergangenen Jahr hätten die
Ausgaben bei 25 Milliarden Euro gelegen, im Haushalt seien
ursprünglich lediglich 14,6 Milliarden Euro eingestellt worden.
Eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums bestätigte dem SWR
die Zahlen, wies aber darauf hin, dass es im Laufe des Jahres eine
gewisse Schwankungsbreite gebe und in den 4,7 Milliarden Euro für
Januar und Februar 2006 bereits Mittel für den Monat März
enthalten seien. Auch bei den Unterkunftskosten und den
Gesetzesänderungen für junge Erwachsene könnten bis zu
600 Millionen eingespart werden.
Arbeitsmarktexperte Markus Keller vom deutschen Landkreistag rechnete
dagegen mit höheren Ausgaben beim Arbeitslosengeld II. Die Zahl der
Bedarfsgemeinschaften nehme immer noch zu, sagte er dem Sender zur
Begründung. Ende Februar stieg die Zahl der Bedarfsgemeinschaften
dem Bericht zufolge auf 3,85 Millionen - das sind 400 000
Bedarfsgemeinschaften mehr als vor einem Jahr.
(Quelle: ddp)
Sorge um 850 Arbeitsplätze bei VW in Baunatal
Do.16.03.06 - Der Betriebsrat des Volkswagen-Werkes in Baunatal bei Kassel bangt um
die dort angesiedelte Abgasanlagen-Fertigung. Rund 850
Arbeitsplätze - das ist die gesamte Abgasanlagen-Fertigung
inklusive Entwicklungsbereich mit 30 Ingenieuren - stünden derzeit
«auf dem Prüfstand», sagte Betriebsratsvorsitzender
Jürgen Stumpf am Mittwoch in Baunatal. Unklar sei aber noch, ob es
«ums Ganze geht oder um einen Teil». Hier müsse der
Vorstand «sich entscheiden und die Katze aus dem Sack
lassen», forderte der Betriebsratschef die VW-Führung auf.
Stumpf berichtete aus 44 dezentralen Betriebsversammlungen in den
Früh-, Spät- und Nachtschichten, die im Baunataler Werk seit
Montag und noch bis Donnerstag laufen. Dabei werden die rund 15 000
Mitarbeiter über die aktuelle Unternehmenssituation informiert.
(Quelle: ddp)
Ärzte streiken an Unikliniken für mehr Lohn
Do.16.03.06 - Wegen Ärztestreiks an deutschen Universitätskliniken und
Landeskrankenhäusern müssen Patienten ab heute mit
Einschränkungen rechnen. In einer Urabstimmung sprachen sich 98,4
Prozent der rund 22.000 Klinikärzte für unbefristete Streiks
aus, wie die Ärztegewerkschaft Marburger Bund in Berlin mitteilte.
Die Streiks beginnen am heutigen Donnerstag zunächst an acht
Unikliniken und werden systematisch ausgeweitet. Während
Ärzteverbände den Streik unterstützen, warnte die
Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) vor einem Zusammenbruch der
Patientenversorgung.
Schwerpunkte der Arbeitsniederlegungen sind am Donnerstag zunächst
die Unikliniken in Freiburg, Heidelberg, München, Würzburg,
Essen, Bonn, Mainz und Halle. In Mainz findet zugleich die zentrale
Auftaktkundgebung statt. Am Freitag arbeiteten die Ärzte als
Zeichen "des guten Willens" wieder, bevor der Streik ab Montag
weitergehe, betonte der Hauptgeschäftsführer des Marburger
Bundes, Armin Ehl.
Flächendeckende Arbeitsniederlegungen sind nicht geplant. In
Hamburg, Berlin und Schleswig-Holstein wird unter anderem wegen
laufender Tarifgespräche nicht gestreikt. Während der
Proteste wird für die Patienten eine Notfallversorgung
eingerichtet. Planbare Operationen und medizinische Behandlungen sollen
hingegen verschoben werden.
Die Klinikärzte fordern 30 Prozent mehr Gehalt sowie geregeltere
Arbeitszeiten und eine vollständige Vergütung der
Überstunden. Der Marburger Bund und die Tarifgemeinschaft
deutscher Länder (TdL) hatten in neun Tarifrunden seit Oktober
keine Einigung erzielt.
Die Ärzte begründen ihre Gehaltsforderung mit massiven
Einkommenseinbußen durch Kürzungen des Weihnachtsgeldes,
Streichung des Urlaubsgeldes, Erhöhung der Wochenarbeitszeit ohne
Lohnausgleich und Nichtvergütung von Überstunden. Zur
Gegenfinanzierung der Gehaltsforderungen brachte der Marburger Bund
eine Erhöhung der Kassenbeiträge ins Gespräch. 30
Prozent mehr Einkommen würden eine Erhöhung der
Beitragssätze der gesetzlichen Krankenversicherung um 0,3
Prozentpunkte bedeuten, dies wären rund drei Milliarden Euro,
sagte Ehl.
(Quelle: afp)
Studie: Rückgang der Bevölkerung in Deutschland beschleunigt
Do.16.03.06 - Der Rückgang der Bevölkerung in Deutschland beschleunigt sich.
In den vergangenen zwei Jahren habe der negative Trend endgültig
eingesetzt, hieß es in einer am Mittwoch in Berlin vorgestellten
Studie zur demographischen Entwicklung. Die ohnehin schon niedrige
Geburtenrate sei weiter gesunken. Derzeit bringe jede Frau in der
Bundesrepublik durchschnittlich noch 1,36 Kinder zur Welt. "Damit ist
Deutschland Spitzenreiter im negativen Sinn", sagte der Direktor des
Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner
Klingholz. Sein Kollege Hans Fleisch ergänzte: "Die negative
demographische Entwicklung Deutschlands nimmt an Geschwindigkeit noch
zu."
Die Zahl der in Deutschland geborenen Kinder wird nach den Erwartungen
des privaten Instituts bis 2050 immer weiter abnehmen. Dann würden
in der Bundesrepublik nur noch etwa halb so viele Kinder geboren wie
heute. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen vergangenes Jahr
etwa 680.000 Kinder zur Welt, was der niedrigste Wert seit 1945 ist.
Die neuen Länder werden nach den Erwartungen des Instituts vom
Bevölkerungsrückgang besonders betroffen sein. Hier gebe es
die verstärkte Tendenz, dass junge und gut ausgebildete Frauen in
den Westen abwanderten, sagte Klingholz. Zurück blieben arbeitslose
und schlecht qualifizierte Männer, die als Familiengründer
weitgehend ausfielen. Spätestens im Jahr 2015 werde der Osten den
"zweiten demographischen Wendeschock" erleben, weil dann eine wegen des
Geburtenrückgangs nach 1990 halb ausgefallene Generation als
Eltern fehlen werde. Nach der Wiedervereinigung war die Geburtenrate in
den neuen Ländern auf durchschnittlich 0,77 Kinder pro Frau
zurückgegangen. "Das war weltweit die niedrigste Geburtenrate mit
Ausnahme des Vatikan", sagte Klingholz.
(Quelle: rtr)
Diskussion um Rentenkürzung für Kinderlose
Do.16.03.06 - Sinkende Geburtenraten in Deutschland haben eine Diskussion um
Rentenkürzungen für Kinderlose ausgelöst. Diese sollten
nach Ansicht des Instituts für Wirtschaftspolitik nur noch die
Hälfte der regulären Rente erhalten.
Institutsdirektor Eekhoff sagte, Kinderlose hätten nie in das
Rentensystem aufgenommen werden dürfen. Der
CSU-Bundestagsabgeordnete Geis brachte als Alternative höhere
Rentenbeiträge für Kinderlose ins Spiel. Angesichts des
Kindermangels plädierte der Chef des Münchner
Forschungsinstituts ifo Sinn dafür, dass alle Arbeitnehmer acht
Prozent ihres Brutto-Einkommens für die Altersvorsorge ansparen.
Eltern sollten dabei in den Genuss eines Rabatts kommen.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Wissenschaft
Forscher richten Blutzellen auf Tumore ab
Do.16.03.06 - Mit dem Ziel, T-Zellen des körpereigenen Abwehrsystems genetisch
so zu verändern, dass sie Tumore erkennen und zerstören, hat
sich jetzt ein internationaler Forschungsverbund gebildet, der von der
Europäischen Union mit zwölf Mio. Euro gefördert wird.
"Wir wollen Blutzellen auf die Reise durch den Körper schicken, die
Tumore gezielt aufspüren und bekämpfen", umreißt
Hinrich Abken von der Klinik für Innere Medizin der
Universität zu Köln gegenüber pressetext (pte) die Vision
des Verbunds.
Jetzt forscht ein internationales Wissenschaftler-Team an dieser
T-Zellen basierenden Immuntherapie, die gegen ein breites Spektrum von
Krebsarten gerichtet sein soll. Dazu werden T-Zellen mit einem Rezeptor
ausgestattet, dessen passendes Gegenstück typischerweise auf
Tumorzellen sitzt. Das verrät der T-Zelle mit Hilfe des
Schlüssel-Schloss-Prinzips ihr Angriffsziel. Nach einer Bindung an
die Krebszelle beginnen die T-Zellen sich zu vermehren und fangen an,
Zytokine auszuschütten, welche die kranke Zelle zerstören.
Zu Therapiezwecken sollen T-Zellen aus dem Blut des Patienten isoliert
werden und nach genetischer Veränderung und Vermehrung Tumore
aufspüren, die nicht operiert werden können, wie
beispielsweise diffus metastasierender Krebs. "Diese T-Zellen
können jedoch auch mit gesunden Körperzellen reagieren und sie
zerstören", erklärt Abken im pressetext-Interview, da gesunde
Zellen die gleichen Bindungsstellen wie auch Krebszellen besitzen. Im
Vergleich mit Tumorzellen befinden sich auf gesunden Körperzellen
jedoch nur wenige solcher Bindungsstellen.
Daher hat der Forschungsverbund einen Schwerpunkt auf
Sicherheitsaspekte gesetzt. Unter der Leitung von Hinrich Abken wird ein
Wissenschaftler-Team prüfen, ob die so hergestellten T-Zellen
unbeabsichtigte Nebenwirkungen wie Auto-Immunität,
Entzündungsreaktionen oder unbegrenztes Zellwachstum haben. Man
könne T-Zellen ohne Zweifel dazu bringen, Tumore abzutöten,
doch sie hundertprozentig zu kontrollieren, sei eine andere Frage, so
Abken abschließend.
(Quelle: pte)
Sechs Männer bei Medikamententest in London schwer erkrankt
Do.16.03.06 - Bei der klinischen Erprobung eines neuen Medikaments sind in
Großbritannien sechs Männer dramatisch erkrankt. Alle sechs
lagen am Mittwoch in London auf der Intensivstation, wie eine Sprecherin
des Northwick-Park-Krankenhauses sagte. Zwei von ihnen seien in
"kritischem Zustand", der Zustand der übrigen vier sei "ernst,
aber stabil". Laut BBC erlitten sie ein multiples Organversagen. Die
britische Arzneimittelaufsicht MHRA löste internationalen Alarm aus
und warnte die Zulassungsbehörden der übrigen EU-Staaten. Das
betroffene Medikament gegen chronische Entzündungen und
Leukämie werde offenbar in einem weiteren EU-Staat getestet,
berichtete die britische Nachrichtenagentur PA, ohne den Namen des
Landes zu nennen.
An dem von der US-Spezialfirma Parexel International vorgenommenen
bezahlten Medikamententest in einer Forschungseinrichtung hatten sich
insgesamt acht Freiwillige im Alter zwischen 18 und 40 Jahren beteiligt.
Zwei von ihnen erhielten Placebos. Laut MHRA waren sie alle vorher
kerngesund. Nachdem die sechs Test-Patienten am Dienstagabend ins
Krankenhaus eingeliefert wurden, verfügte die MHRA einen
sofortigen Stopp des Medikamententests und nahm Ermittlungen auf.
Parexel unterhält ähnliche Test-Einrichtungen in Deutschland,
Frankreich, den USA und Südafrika.
Eine derart negative Reaktion auf einen Medikamentest sei "extrem
selten", sagte Parexel-Vertreter Herman Scholtz. Es handele sich um
einen "unglücklichen und ungewöhnlichen" Zwischenfall. Parexel
habe sich bei der Studie an sämtliche Vorschriften gehalten. Wenn
Medikamente erstmals an Menschen getestet würden, gebe es ein
feststehendes Standardverfahren, das von Ethikausschüssen und
Aufsichtsbehörden genehmigt sei, betonte das Unternehmen. Der Name
des Medikamentenherstellers, in dessen Auftrag Parexel den Test
durchführte, wurde nicht genannt.
(Quelle: afp)
Astronomen finden 'Super-Erde' in 9000 Lichtjahren Entfernung
Do.16.03.06 - Ein internationales Team von Astronomen hat eine neue
«Super-Erde» in einer Entfernung von 9000 Lichtjahren
gefunden. Dieser so genannte Exoplanet - ein Planet außerhalb
unseres Sonnensystems - sei rund 13 Mal schwerer als die Erde und
bestehe aus Eis und Gestein, teilte das Harvard-Smithsonian Center for
Astrophysics in Cambridge (Massachusetts) mit.
In der weiten Entfernung herrschten eisige Temperaturen von minus 203
Grad. Damit sei es zu kalt, um auf Leben oder flüssiges Wasser zu
stoßen.
Der Eisbrocken bewegt sich den Angaben zufolge um einen
sonnenähnlichen Stern. Die Entfernung zwischen diesen beiden
Himmelskörpern gleicht der zwischen dem Planeten Jupiter und
unserer Sonne. Der Planet hat den Namen OGLE-2005-BLG-169Lb erhalten.
«Wir haben nie zuvor ein solches System beobachtet, weil uns die
Möglichkeiten dazu fehlten», sagte Andrew Gould,
Astronomieprofessor an der Ohio State University.
Die Astronomen haben die «Super-Erde» mit Hilfe des
technischen Verfahrens Gravitational-microlensing-Methode (Mikro-
Gravitationslinseneffekt) gefunden. Danach verstärkt ein
Himmelskörper - beispielsweise ein Stern - im Vordergrund durch
seine Schwerkraft das Licht eines hinter ihm liegenden Planeten. Die
Verstärkung nimmt zu und wieder ab, während sich der Stern an
dem Hintergrundobjekt vorbeibewegt.
Die Forscher hatten den Stern bereits im April vergangenen Jahres im
Rahmen eines so genannten Optical Gravitational Lensing Experiments
(Ogle) entdeckt. Gould und Andrzej Udalski vom Observatorium der
Universität Warschau beobachteten dann am 1. Mai, dass sich der
Stern sehr schnell vergrößerte. «Ich war sehr aufgeregt
und außer mir und wollte, dass andere den Stern
beobachten», sagte Gould. Daraufhin sei bei mehr als 1000
Messungen im MDM-Observatorium in Arizona der Planet entdeckt worden.
(Quelle: dpa)
Gigantische DNA-Struktur im Herzen der Milchstraße
US-Astronomen entdecken im Kern der Galaxis 'Doppelhelix-Nebel', der
dem stärksten Magnetfeld der Milchstraße folgt... Mehr bei
telepolis vom 16.03.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22259/1.html