+++ Di.21.03.06, 07:50
Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshunderteinunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Verhandlungen über Regierungsbildung ausgesetzt. Bei
Anschlägen am Jahrestag der Invasion mindestens 13 Tote.
US-Truppen setzen Irak-Offensive fort. 'Time': US-Marines töteten
aus Rache 15 irakische Zivilisten
Di.21.03.06 - Die Verhandlungen über die Bildung einer Regierung der nationalen
Einheit im Irak sind nach Angaben aus Verhandlungskreisen für eine
Woche ausgesetzt worden. Am Sonntag sei die Schaffung eines nationalen
Sicherheitsrates grundsätzlich beschlossen worden, sagte der
kurdische Verhandlungsteilnehmer Mahmud Osman am Montag in der
kurdischen Stadt Suleimanijah. Anschließend sei eine
einwöchige Verhandlungspause angesetzt worden. Grund für die
Verzögerung sind offenbar die Feierlichkeiten des kurdischen
Neujahrfestes Newros sowie das Ende der von den Schiiten begangenen
40-tägigen Trauerzeit in Erinnerung an den Märtyrertod von
Imam Hussein im Jahr 680.
Am dritten Jahrestag der Invasion hat sich der britische
Außenminister Jack Straw besorgt zur Lage im Irak
geäußert. «Die Sicherheitslage im Irak ist
ernst», sagte er am Montag am Rande eines
EU-Außenministertreffens in Brüssel.
«Niemand bezweifelt, dass ganz sicher mehr Menschen gestorben
sind als vor drei Jahren vorhergesagt wurde». Straw gehörte
vor drei Jahren zu den Befürwortern der Invasion zum Sturz von
Saddam Hussein.
Am Montag töteten in den südlich von Bagdad gelegenen
Ortschaften Dscharf al-Sachr und Latifija Aufständische insgesamt
sieben Angehörige des für die Bewachung öffentlicher
Einrichtungen zuständigen staatlichen Wachdienstes. In Riad bei
Kirkuk starben drei Iraker, als ein Sprengsatz unter ihrem Auto
explodierte. Die Polizei teilte mit, es sei unklar, ob sie Opfer eines
Anschlags geworden oder beim Anbringen einer Bombe gestorben seien.
In Falludscha wurde in der Nacht nach Polizeiangaben ein arabischer
Sunnit von Extremisten ermordet. Seine Frau wurde verwundet. Sie hatten
gerade erst in der fast ausschließlich von Sunniten bewohnten
Stadt Zuflucht gesucht, nachdem fünf ihrer Angehörigen bei
Auseinandersetzungen mit Schiiten in Bagdad getötet worden waren.
Bei Razzien der amerikanischen und irakischen Truppen in Kirkuk wurden
drei mutmaßliche Aufständische festgenommen. In Ramadi
wurden bei einem Gefecht zwischen Rebellen und US-Soldaten am Vorabend
zwei Iraker getötet und drei weitere verletzt. In Bagdad starben
bei einem Sprengstoffanschlag zwei Polizisten. Sechs Menschen wurden
verletzt.
US-Truppen setzten derweil ihre am Donnerstag begonnene Offensive
«Schwärmer» gegen Terrorgruppen fort. Nach
Armeeangaben wurden weitere Waffenverstecke ausfindig gemacht und
Verdächtige festgenommen.
US-Soldaten im Irak haben nach einem Bericht des US-Nachrichtenmagazins
"Time" vor vier Monaten in einem Racheakt 15 irakische Zivilisten
getötet. US-Marines hätten am 19. November im westirakischen
Hadhita 15 unbewaffnete Iraker, darunter sieben Frauen und drei Kinder,
umgebracht, nachdem ihr Transportfahrzeug von einer Bombe getroffen und
dabei der Obergefreite Miguel Terrazas getötet worden war,
hieß es in dem am Montag veröffentlichten Bericht. Die
US-Armee untersuche zur Zeit den Vorfall. Das "Time"-Magazin berief sich
in seinem Bericht auf Interviews mit Augenzeugen und örtlichen
Beamten. Die Darstellung widerspricht demnach einer Erklärung, die
die US-Marineinfanterie einen Tag nach dem Vorfall
veröffentlichte. Laut dieser waren Terrazas sowie 15 irakische
Zivilisten bei einem Schusswechsel zwischen Soldaten und bewaffneten
Angreifern ums Leben gekommen. Die Marines hätten dabei acht
Aufständnische getötet.
(Quellen: afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 21.03.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertsechsundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.21.03.05 - Irak-Konflikt geht mit Anschlägen ins dritte Jahr +++ Chef der
Antikorruptionsbehörde in Mossul getötet +++ Radikaler
Schiiten-Prediger Muktada al-Sadr: Amerikanische Präsenz im Land
hat Zerstörung gebracht und zur Spaltung des irakischen Volkes
geführt +++ 24 Rebellen nach Angriff auf US-Konvoi im Irak
getötet +++ USA: Rund 3.000 Veteranen und Angehörige von
Soldaten im Irak forderten den Abzug der US-Truppen +++ Irak und Jordanien
ziehen ihre Botschafter ab +++ Die Bewegung gegen den Irakkrieg wurde von
allen geliebt und hatte ein schnelles Ende...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0503210.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Israel lehnt jeden Kontakt zu Hamas-Regierung ab
Di.21.03.06 - Israel hat schon vor der offiziellen Billigung der Kabinettsliste der
neuen Palästinenserregierung durch Palästinenserpräsident
Mahmud Abbas jeden Kontakt zu dieser Regierung abgelehnt. Die von der
Hamas vorgeschlagene Liste laufe auf eine "terroristische Regierung"
hinaus, sagte ein israelischer Regierungsvertreter. Der israelische
Übergangs-Regierungschef Ehud Olmert kündigte an, im Falle
seines Sieges bei der Parlamentswahl Ende März die Grenzen Israels
einseitig festlegen zu wollen.
Israel werde jeglichen Geldtransfer an eine von der Hamas kontrollierte
Regierung einfrieren, sagte der Regierungsvertreter, der nicht
namentlich genannt werden wollte. Die Kontaktverweigerung werde so lange
gelten, wie die Hamas nicht auf Gewalt verzichte, den Staat Israel und
die getroffenen Abkommen anerkenne. Zugleich äußerte der
Regierungsvertreter die Erwartung, dass die neue
Palästinenserregierung nicht vor den israelischen Parlamentswahlen
am 28. März eingesetzt werde.
Der designierte palästinensische Ministerpräsident Ismail
Hanija von der Hamas hatte Abbas am Sonntagabend seine Kabinettsliste
zur Billigung vorgelegt, die Namen der 24 Kabinettsmitglieder jedoch
nicht veröffentlicht.
"Die dauerhaften Grenzen Israels müssen festgelegt werden", sagte
Olmert dem israelischen Militärrundkfunk. Er wolle in dieser Frage
einen Konsens über "einen inneren Dialog" erreichen. Einigkeit
bestehe in Israel bereits darüber, dass die Siedlungen Gusch
Etzion, Ariel und Maale Adumim im Westjordanland Bestandteil Israel
blieben. Das Jordantal werde die "Sicherheitsgrenze" Israels bleiben.
Die Palästinenser haben Olmerts Pläne für eine einseitige
Grenzziehung bereits scharf kritisiert. Die Hamas sprach von einer
Kriegserklärung.
Olmert rechtfertigte die jüngste Erstürmung des
palästinensischen Gefängnisses in Jericho. "Ich wollte nicht,
dass die Attentäter eines israelischen Ministers in Freiheit
herumlaufen können." Die israelische Armee hatte am Dienstag
vergangener Woche das Gefängnis in Jericho gestürmt und
mehrere hochrangige Mitglieder der radikalen
Palästinenserorganisation Volksfront für die Befreiung
Palästinas (PFLP) festgenommen, darunter ihren Führer Ahmed
Saadat. PFLP-Mitglieder hatten den israelischen Tourismusminister
Rechavam Seevi im Jahr 2001 getötet.
(Quelle: afp)
Gazastreifen: Schießereien zwischen Al-Aksa-Brigaden und Polizei
Di.21.03.06 - Militante Anhänger der palästinensischen Fatah haben sich im
Gazastreifen vor einer Entscheidung über die neue Regierung der
radikal-islamischen Hamas Schießereien mit der Polizei geliefert.
Dabei habe es mindestens neun Verletzte gegeben, darunter sieben
Polizisten, wie Sicherheitskreise mitteilten.
Bewaffnete Männer der Al-Aksa-Brigaden stürmten am Montag
eine Kraftwerkanlage und ein Regierungsgebäude. Sie
eröffneten das Feuer auf die Polizeizentrale in Gaza und sperrten
die Hauptstraße zum Übergang Erez. Die Anhänger der bei
der Parlamentswahl unterlegenen Fatah forderten Anstellung im
Staatsdienst.
Unterdessen sagte ein Berater von Palästinenserpräsident
Mahmud Abbas in Ramallah, am Mittwochabend solle sich das
Exekutivkomitee der PLO mit der am Sonntag vorgelegten Kabinettsliste
der Hamas befassen. Erst danach wurde eine Entscheidung von Abbas
erwartet. In Schlüsselpositionen sollen künftig
erwartungsgemäß Führer der Hamas sitzen. Unter den 24
Kabinettsmitgliedern sind eine Frau und ein Christ.
Für die Zeit nach der Bildung einer Hamas-Regierung schlug
Frankreich vor, die EU-Hilfe für die Palästinenser
«unter der Autorität» von Abbas zu verteilen.
«Man darf auf keinen Fall das palästinensische Volk
wirtschaftlich bestrafen, denn es hat genügend
Schwierigkeiten», sagte Präsident Jacques Chirac nach einem
Gespräch mit dem jordanischen König Abdullah II. in Paris.
Die EU hilft den Palästinensern mit jährlich etwa 500
Millionen Euro.
In einem Interview der Zeitung «Le Monde» (Dienstag)
äußerte sich Abdullah beunruhigt über die Probleme bei
der Schaffung eines palästinensischen Staates. «Wenn ein
solcher Staat binnen zwei Jahren nicht das Licht der Welt erblickt hat,
dann wird es nichts mehr zu verhandeln geben», sagte er.
«Die Israelis täuschen sich, wenn sie glauben, dass sie sich
des Palästinenserproblems entledigen und sie nach Jordanien
schicken können.»
Der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas bekräftigte
unterdessen seine Warnungen. Mofas sagte, wenn Abbas weiter eine
wichtige Rolle spielen wolle, müsse er die Regierung der Hamas
ablehnen. Diese Regierung verwandele die Autonomiebehörde in eine
«Terrorbehörde». Zur Abwehr einer
Lebensmittelknappheit hat Israel am Montag zuvor blockierte Transporte
in den Gazastreifen fahren lassen.
(Quelle: dpa)
Kurs auf Kongo-Einsatz mit deutscher Beteiligung
Di.21.03.06 - Ein Militär-Einsatz der Europäischen Union im Kongo mit
deutscher Beteiligung rückt näher. In Berlin trafen sich am
Montag erstmals militärische Spitzenvertreter, um die
Zusammenstellung der EU-Truppen zu beraten. Nach Regierungsangaben
haben 15 EU-Staaten eine Beteiligung in Aussicht gestellt. Während
die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für einen Kongo-Einsatz
warb, wurden sowohl in der Unions-Fraktion als bei den Sozialdemokraten
erneut Einwände gegen die Mission laut. Die FDP kündigte an,
im Bundestag mit Nein zu stimmen.
Merkel sagte, die Stabilisierung des zentralafrikanischen Landes sei
eine «wichtige und strategische Aufgabe». Zugleich
erneuerte die Kanzlerin die Bedingungen, die aus deutscher Sicht vor
einer Beteiligung der Bundeswehr an der EU-Mission erfüllt sein
müssen. Neben der Einladung durch die kongolesische Regierung
gehört dazu ein robustes UN-Mandat, eine förmliche
Entscheidung der EU sowie eine räumliche und zeitliche Befristung
des Einsatzes.
Deutschlands Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und der
deutsche Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD),
wiesen Kritik an einem möglichen Kongo-Einsatz zurück. Jung
betonte, der EU-Außenbeauftragte Javier Solana habe vom Kongo das
Signal erhalten, «dass ein solcher Einsatz zur
Gewährleistung der Wahlen und dann auch der Regierungsbildung
erwünscht ist».
Die FDP lehnt die Entsendung der Bundeswehr in das zentralafrikanische
Land strikt ab. Parteichef Guido Westerwelle sagte, ein solcher Einsatz
sei wegen der «unübersichtlichen und gefährlichen
Lage» im Kongo nicht zu verantworten. Für deutsche Soldaten
bestünden dort reale Gefahren für Leib und Leben.
Jung hielt dem entgegen, es liege auch im Interesse Europas «zu
gewährleisten, dass sich auch im Kongo stabile und friedliche
Verhältnisse» entwickeln. In dem afrikanischen Land, das
1960 die Unabhängigkeit errang, sollen am 18. Juni erstmals
Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stattfinden. Die
Grünen deuteten Zustimmung an, wenn die Regierung
«berechtigte Bedenken» ausräumen könne.
SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte, er wolle «die Risiken nicht
klein reden». Entscheidend sei, dass Deutschland keine
Kampftruppen entsende und die beteiligten Soldaten mit dem
bestmöglichen Schutz nach Kinshasa geschickt würden. Dann
werde er trotz aller Bedenken die Mission mittragen und in seiner
Fraktion um Zustimmung für das Bundestagsmandat werben. Auch
CDU-Verteidigungsexperte Bernd Siebert, der von einem Unbehagen in der
Unions-Fraktion sprach, rechnete mit einer klaren Parlamentsmehrheit am
Schluss.
Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, kritisierte
indes, er könne den «politischen Zweck» des Einsatzes
nicht erkennen. Schließlich solle die Stationierung der etwa 1500
Soldaten auf den Raum Kinshasa beschränkt sein, während das
Land sich im Grunde selbst überlassen bleibe. «Eine
wirkliche Absicherung von freien Wahlen kann das gar nicht sein»,
argumentierte Gertz.
In Berlin kamen am Montag Spitzenmilitärs aus acht EU-Ländern
zusammen, um den politischen Gremien der EU einen
«militärischen Ratschlag» vorzulegen, wie die geplante
Battlegroup mit ihren 1500 EU-Soldaten zusammengesetzt werden
könnte. Die Entscheidung auf EU-Ebene muss im Allgemeinen Rat der
Außenminister getroffen werden.
(Quelle: ddp)
Stopp des Atomprogramms Bedingung für Gespräche der EU mit
Iran
Di.21.03.06 - Im Streit um das iranische Atomprogramm haben die Vertreter der
Europäischen Union Teheran eine Wiederaufnahme der Gespräche
angeboten. Voraussetzung sei aber ein Stopp aller nuklearen
Aktivitäten des Iran. Das sagte der politische Direktor im
Auswärtigen Amt, Michael Schäfer, in New York nach einem
Treffen des EU-Trios mit Vertretern der USA, Russlands und Chinas. Bei
dem Treffen in der britischen UN-Botschaft sollte eine gemeinsame
Haltung in dem Atomkonflikt für den UN-Sicherheitsrat erreicht
werden.
(Quelle: dpa)
Tarnfirmen in Deutschland betreiben Rüstungsexporte in den Iran
Di.21.03.06 - In Deutschland sind bis zu hundert Tarnfirmen aktiv, die sich mit
illegalen Rüstungsexporten für den Iran befassen. Dies
berichtet das ARD-Magazin "Report Mainz" unter Berufung auf den
baden-württembergischen Verfassungsschutz-Präsidenten
Johannes Schmalz. "Wenn ich gesagt habe, hundert Tarnfirmen, dann
können Sie sich vorstellen, wenn wir eine aufdecken und der
Generalbundesanwalt klagt an, dann sind wir froh und klopfen uns auf
die Schulter, aber 99 andere gehen weiterhin ihrem Geschäft nach",
sagte Schmalz dem Sender.
Der Präsident des Zollkriminalamts, Karl-Heinz Matthias,
bestätigte "Report Mainz", dass derzeit zehn Ermittlungsverfahren
wegen Rüstungsexporten anhängig seien. "In vier Fällen
geht es dabei um konventionelle Rüstungsgüter und in den
anderen Fällen um Teile für Raketen- und Nukleartechnologie.
Wie das Magazin weiter berichtete, ging es bei einer auf Anweisung von
Generalbundesanwalt Kay Nehm vor vier Wochen vorgenommenen
Durchsuchungsaktion um die illegale Beschaffung von Raketen- und
Flugzeugteilen für den Iran. Aus Unterlagen, die "Report Mainz"
vorlägen, gehe dabei eindeutig hervor, dass das iranische
Verteidigungsministerium, eine Organisation für militärische
Raketentechnologie und der iranische Geheimdienst in Verdacht
stünden, diverse Aufträge erteilt zu haben.
(Quelle: afp)
Weißrussland: Opposition erkennt Wahlsieg Lukaschenkos nicht an
Di.21.03.06 - Der weißrussische Oppositionskandidat Alexander Milinkewitsch hat
sich am Tag nach der von Fälschungsvorwürfen
überschatteten Präsidentenwahl geweigert, den Sieg von
Amtsinhaber Alexander Lukaschenko anzuerkennen.
Der von Moskau unterstützte Lukaschenko habe jegliche Legitimation
verloren, sich Präsident Weißrusslands zu nennen, sagte
Milinkewitsch am Montag in Minsk. Die Wahlleitung hatte zuvor
erklärt, Lukaschenko habe sich mit einer Zustimmung von 82,6
Prozent eine dritte Amtszeit gesichert.
Der Westen dürfe Lukaschenko ebenfalls nicht mehr als
Präsident von Weißrussland anerkennen, forderte
Milinkewitsch. Während die Opposition massive
Wahlrechtsverstöße beklagte, sprachen Wahlleitung sowie
Wahlbeobachter aus Russland von einer «demokratischen,
transparenten Wahl» und einem «überzeugenden
Sieg» Lukaschenkos.
Unterdessen bereitet die Europäische Union Sanktionen gegen die
autoritäre Regierung von Alexander Lukaschenko vor. «Es ist
sehr wahrscheinlich, dass wir entschlossen handeln werden», sagte
EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner am Rande des
EU-Außenministertreffens in Brüssel vor Journalisten.
«Wir sind darauf vorbereitet, die Zwangsmaßnahmen
auszuweiten.»
Dabei geht es vor allem um eine Ausdehnung des Einreiseverbots für
führende Politiker der weißrussischen Regierung, das bisher
lediglich für sechs Personen gilt. Wirtschaftliche Sanktionen
stünden nicht zur Debatte, weil diese das Volk träfen.
Deswegen plane die EU «gezielte Maßnahmen» gegen die
Verantwortlichen des Regimes.
(Quelle: dpa)
EU setzt sich für Biodiversität ein
Achte Vertragsstaatenkonferenz über die Biologische Vielfalt hat
begonnen
Di.21.03.06 - Am Montag hat in Curitiba/Brasilien die achte Vertragsstaatenkonferenz
COP8 zum Übereinkommen über die Biologische Vielfalt begonnen.
Zu den zentralen EU-Forderungen bei der COP8, die bis 31. März
dauert, gehören die Errichtung von Schutzgebieten auf hoher See,
verstärkte nationale Maßnahmen zur Erhaltung der
Biodiversität sowie ein fairer Ausgleich der Vorteile der Nutzung
genetischer Ressourcen. der österreichische Umweltminister Josef
Pröll vertritt als Ratspräsident die EU.
Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt wurde 1992
bei der Konferenz über Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de
Janeiro ins Leben gerufen. Wesentliches Ziel ist es, bis 2010 den
Verlust der globalen Biodiversität signifikant zu reduzieren. Die
EU wird sich mit Nachdruck für die rasche Errichtung von
Meeresschutzgebieten einsetzen. Die biologische Vielfalt der Meere ist
durch immer intensivere menschliche Einflussnahme akut gefährdet.
Nur 0,5 Prozent der Meeresflächen sind unter Schutz gestellt.
Experten haben bereits mehrmals festgehalten, dass die Errichtung
solcher Schutzzonen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt der
Meere von essentieller Bedeutung sei. Schon bei der vergangenen
Vertragsstaatenkonferenz (2004) haben sich die Vertragsparteien
verpflichtet, bis zum Jahr 2012 ein effizientes Netzwerk an marinen
Schutzgebieten, einschließlich in Gebieten außerhalb der
nationalen Hoheitsrechte, einzurichten. Die direkte Umsetzung wäre
im Rahmen des Seerechtsübereinkommens der UNO zu gewährleisten.
Bereits 2002 haben sich die Vertragsparteien dazu verpflichtet, bis
2010 die weltweiten Verluste der biologischen Vielfalt drastisch zu
reduzieren. Nach jüngsten Studienergebnissen, die von mehr als
1.500 Wissenschaftern durchgeführt wurden, sind allerdings immer
noch mehr als 50 Prozent der weltweiten Naturräume massiv bedroht.
25 Prozent der Säugetiere und über 30 Prozent der Amphibien
stehen vor dem Aussterben. Die EU wird daher bei der
Vertragsstaatenkonferenz konkrete Beschlüsse zur Verbesserung und
Forcierung der nationalen Umsetzung der Konvention durch konkrete
Aktionen einfordern. Dazu gehört insbesondere die Errichtung und
Umsetzung nationaler Strategien zum Artenschutz. Durch Errichtung eines
Monitoring-Systems sollen die Fortschritte in der Umsetzung der
Konvention überprüft werden.
Zu einem kontroversen Thema zählt auch der faire Ausgleich aus der
Nutzung der genetischen Ressourcen. Die größte biologische
Vielfalt ist in den tropischen und subtropischen Regionen der Erde zu
finden. Viele der Staaten sind allerdings arm. Den größten
wirtschaftlichen Profit aus der Nutzung dieser genetischen Ressourcen
ziehen vor allem die Industrieländer im Norden. Die EU setzt sich
für einen fairen Ausgleich der Vorteile aus der Nutzung der
genetischen Ressourcen ein. Dabei sollen auch die lokale
Bevölkerung und die indigenen Gruppen in diesen Ländern
eingebunden werden. Die bereits 2002 eingeleiteten Verhandlungen dazu
sollen rasch fortgeführt werden. Ein internationaler Prozess soll
eingeleitet werden, der die Verhandlung von sowohl rechtlich
verbindlicher, als auch rechtlich unverbindliche Teile eines
Ausgleichregimes umfasst und bestehende internationale Regelwerke dazu,
wie insbesondere im Bereich der Welthandelsorganisation,
berücksichtigt und komplementiert.
Österreich wird im Rahmen von COP 8 seine kritische Haltung in
Bezug auf die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen in
der Landwirtschaft einbringen. Der Schutz der Biodiversität darf
durch den Einsatz genetisch veränderter Organismen nicht
gefährdet werden. Dies betrifft insbesondere auch die Manipulation
von Saatgut durch den Einsatz von Terminator-Genen. Bei dieser
Technologie wird mit Hilfe von Gentechnik erreicht, dass aus dem Saatgut
eine sterile Ernte hervorgeht. Damit können die Körner des
Erntegutes nicht mehr ohne weiteres als Saatgut verwendet werden und
nur durch spezielle Chemikalien wieder fruchtbar gemacht werden
können. Damit wird eine neue Abhängigkeit der Bauern zum
Saatguthersteller aufgebaut. Die Terminatortechnologie kann aber durch
eine Auskreuzung von Sterilitätsgenen zum Aussterben von seltenen
und bedrohten Arten führen.
(Quelle: pte)
Zähes Ringen in Brasilien
Biologische Vielfalt, Gentechnik-Kennzeichnungspflicht und
Terminator-Technologie stehen im Rahmen der internationalen Konferenz
der Konvention zur Biologischen Vielfalt zur Debatte... Mehr bei
telepolis vom 24.03.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22323/1.html
Weiterer Protesttag in Frankreich gegen Arbeitsreform beschlossen
Di.21.03.06 - Im Kampf gegen die Lockerung des Kündigungsschutzes wollen
Gewerkschaften und Studenten in Frankreich den Druck auf die Regierung
mit einem weiteren Protesttag verstärken. Bei einem Treffen in
Paris beschlossen sie am Montagabend, am 28. März auch zu
Arbeitsniederlegungen aufzurufen. Ein Generalstreik wurde nicht
angekündigt. Ein Gewerkschafter wurde bei den Protesten vom
Wochenende so schwer verletzt, dass er ins Koma fiel.
Der landesweite Protesttag in der kommenden Woche ist der vierte seit
dem 7. Februar. Am Samstag waren in Frankreich eine halbe bis 1,5
Millionen Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die
Regierungspläne zum Kündigungsschutz zu protestieren.
Gewerkschaften, Schüler und Studenten hatten die Regierung
daraufhin zur Rücknahme der Reform aufgefordert. Mehrere
Gewerkschaftsvertreter hatten von einem "Ultimatum" gesprochen. Der
Chef der gemäßigten Gewerkschaft CFDT, François
Chérèque, warnte aber, "leichtfertig" einen Generalstreik
zu beschließen.
Premierminister Dominique de Villepin verstärkte seine
Bemühungen, ohne eine Rücknahme des umstrittenen Gesetzes die
Krise zu lösen. Er hatte schon mehrfach darauf verwiesen, dass
Arbeitgeber und Gewerkschaften Änderungen unter sich aushandeln
könnten. Dazu bekam er nun bei einem Treffen mit Topmanagern
Rückendeckung. Sie zeigten sich bereit, auf die laut Gesetz
möglichen Kündigungen ohne Grund zu verzichten. Die
Gewerkschaften lehnen Verhandlungen jedoch bisher ab.
Nach Gesprächen auch mit Studentenvertretern sah Villepin einen
"Ansatzpunkt" für weitere Treffen. Präsident Jacques Chirac
stärkte ihm erneut den Rücken und forderte einen
"konstruktiven und vertrauensvollen Dialog", um den
Erstanstellungsvertrag CPE "zu verbessern".
Nach einer Umfrage im Auftrag der Zeitung "La Dépêche du
Midi" sind 60 Prozent der Franzosen dafür, dass Villepin seine
Reform zurückzieht. Landesweit war der Lehrbetrieb an
Universitäten und Schulen weiter stark beeinträchtigt. Etwa
300 Schüler blockierten eine Autobahnauffahrt auf der A86 bei
Paris.
Der schwer verletzte Gewerkschafter war laut der Gewerkschaft SUD-PTT
am Samstag in Paris von einer Polizeieinheit niedergetrampelt worden
und erlitt laut dem behandelnden Krankenhaus schwerste
Schädelverletzungen.
(Quelle: afp)
Frankreichs Arbeitgeber für kürzere Probezeit
Di.21.03.06 - Im Streit um den Kündigungsschutz in Frankreich sind Chefs von
Großkonzernen zu wesentlichen Änderungen bei der Anwendung
des umstrittenen Reformgesetzes bereit. Wie die Nachrichtenagentur AFP
von Teilnehmern eines Treffens mit Premierminister Dominique de Villepin
am Montag in Paris erfuhr, willigten die meisten Firmenchefs ein, die
Probezeit für junge Jobeinsteiger auf ein Jahr zu verkürzen.
Gesetzlich vorgesehen sind zwei Jahre. Zudem soll es nach dem Willen
der Arbeitgeber keine Kündigungen ohne Angabe von Gründen
geben.
(Quelle: afp)
Deutschland
Uni-Ärzte weiten Streik aus
Di.21.03.06 - Die Ärzte an Universitätskliniken wollen den Druck weiter
erhöhen. Für heute hat der Klinikärzteverband Marburger
Bund eine Ausweitung des Arbeitskampfes auf 20 Standorte
angekündigt. Schwerpunkte sind erneut Bayern,
Baden-Württemberg und Nordrhein- Westfalen. Die Mediziner fordern
kürzere Arbeitszeiten und Einkommensverbesserungen um rund 30
Prozent.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) kritisierte die
Gehaltsforderung und appellierte an Marburger Bund und Arbeitgeber,
rasch die Verhandlungen wieder aufzunehmen.
Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery
Montgomery rechnet damit, dass der Ausstand noch mindestens bis zu den
Landtagswahlen am kommenden Wochenende dauert. Die Ärzte an den
Uni-Kliniken in NRW weiteten ihren Streik neben Bonn und Essen auch auf
Köln aus. Rund 1000 Ärzte sollen sich bis zu drei Tage an dem
Ausstand beteiligen. Die Notfallversorgung sei gewährleistet, sagte
ein Landessprecher des Marburger Bundes.
In Baden-Württemberg sind die Krankenhäuser in Heidelberg,
Freiburg, Ulm und Tübingen vom Streik betroffen. Die Versorgung der
Patienten ist nach Angaben des Marburger Bundes gesichert. Planbare
Operationen wurden allerdings verschoben. Auch die psychiatrischen
Landeskrankenhäuser in Zwiefalten, Reichenau, Ravensburg, Mannheim
und Bad Schussenried beteiligen sich an den Streiks. Für den
Vormittag sind Aktionen in den Innenstädten geplant. Auch in Bayern
wollen die Ärzte ihren Streik fortsetzen. Betroffen sind die
Unikliniken in München, Würzburg, Regensburg und Erlangen.
Ministerin Schmidt sagte im ARD-Morgenmagazin: «Das was derzeit
gefordert wird von der deutschen Ärzteschaft, das summiert sich ja
auf zehn Milliarden, das sind mehr als 1 Prozent
Beitragssatzpunkte.» Und diese Steigerung des Beitrags zur
Gesetzlichen Krankenkasse müssten dann Menschen zahlen, die in den
vergangenen Jahren keine Einkommensentwicklung nach oben gehabt
hätten.
Schmidt betonte: «Wir haben schwierige Probleme in unserem Land,
überall bangen Arbeitnehmer um ihren Arbeitsplatz. Bei Rentnerinnen
und Rentner hat es seit Jahren kaum Zuwächse gegeben, (...) da
kann man doch nicht so tun, als könne man die Entlohnung von
Ärztinnen und Ärzten des öffentlichen Dienstes davon
völlig abkoppeln.»
Der Marburger Bund und die Tarifgemeinschaft der Länder sollten zu
«einem vernünftigen Dialog» zurückkehren. Der
Ärzteverband und die Arbeitgeber hatten sich am Wochenende
gegenseitig die Verbreitung von Falschinformationen vorgeworfen.
Haus- und Fachärzte in Sachsen-Anhalt wollen ebenfalls am Montag
mit Kundgebungen und der Schließung von Praxen gegen die nach
ihrer Ansicht schlechten Arbeitsbedingungen protestieren. Zu einer
Kundgebung in Magdeburg werden mehr als 2000 Ärzte und
Arzthelferinnen erwartet.
Der Ärzteverband Hartmannbund rechnet wenige Tage vor dem zweiten
nationalen Protesttag der niedergelassenen Ärzte für bessere
Arbeitsbedingungen am Freitag in Berlin mit einer Rekordteilnahme.
«An der nächsten Protestwelle werden sich weit über 20
000 Mediziner beteiligen», sagte Hartmannbund-Chef Kuno Winn der
«Berliner Zeitung».
(Quelle: dpa)
Ärztestreiks geraten in die Kritik
Di.21.03.06 - Der Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Kösters,
hat der Ärztegewerkschaft Marburger Bund unverantwortliches
Handeln vorgeworfen.
Nach Kösters Worten ist die Forderung nach 30 Prozent mehr Gehalt
für Klinikärzte maßlos überzogen. Das Einkommen
von Krankenhausärzten liege mit durchschnittlich 3093 Euro Netto
sehr deutlich über dem anderer Akademiker im öffentlichen
Dienst. Behauptungen seitens der Ärztegewerkschaft,
Krankenhausärzte würden grottenschlecht bezahlt, ließen
jeglichen Bezug zur Realität vermissen.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Migrationsforscher kritisiert Einbürgerungstests als untauglich
Di.21.03.06 - Der Migrationsforscher Dieter Oberndörfer hat die von der Union
angestrebten bundeseinheitlichen Einbürgerungstests als untauglich
kritisiert. Den jetzt von Hessen vorgelegten Fragenkatalog wertete der
stellvertretende Vorsitzende des Rates für Migration als
zufällig und spitzfindig.
«Das Wissensquiz hat mit Bildung wenig zu tun, viel aber mit
angesäuerter bürgerlicher Bildungshuberei. Es eignet sich
nicht einmal als Vorbereitung für die beliebte Fernsehsendung "Wer
wird Millionär?"», sagte Oberndörfer in einem
dpa-Gespräch. In der Jauch-Sendung würden auch Kenntnisse der
deutschen Alltagskultur abgefragt. Der Fragebogen könne aber so
programmiert werden, «dass die Zurückweisung der
Einbürgerungswilligen gesichert wird».
In dem hessischen Test wird unter anderem nach der Reformation, der
Erfindung Johannes Gutenbergs und dem Ereignis des 20. Juli 1944
gefragt. Die Prüflinge sollen drei deutsche Mittelgebirge nennen,
sagen, was dem deutschen Wissenschaftler Otto Hahn 1938 gelungen sei und
welches Motiv ein Rügen-Bild Caspar David Friedrichs zeige.
Oberndörfer qualifizierte die Fragen als nicht nachvollziehbar.
«Kenntnisse der Geschichte und Kultur Deutschlands verbürgen
keine positive Identifikation mit Deutschland. Hervorragende Kenner der
deutschen Geschichte und Kultur waren dennoch erbitterte Feinde
Deutschlands.» Millionen deutscher Bürger, wenn nicht sogar
deren Mehrheit, würden zudem bei der Beantwortung der meisten
Fragen des Katalogs scheitern. «Sie können dennoch gute
Bürger sein, Recht und Gesetz achten und sich Verdienste um die
Gemeinschaft erwerben.»
Die Integration von Zuwandern erfolge, «wenn sie Deutschland
schätzen lernen und sich mit ihm identifizieren und wenn wir ihre
Leistungen anerkennen.» Integration werde gerade durch
Einbürgerung gefördert, da sie Gleichberechtigung und
Mitwirkung ermögliche. Die Fragen taugten nicht als Kriterium, ob
jemand ein guter deutscher Bürger werde. «Nachdem zuletzt die
konkrete inhaltliche Definition einer für alle Deutschen
verbindlichen Leitkultur gescheitert ist, kehrt sie jetzt durch die
Hintertür des Fragenkatalogs zurück.»
Einbürgerungswilligen Ausländern werde signalisiert, sie
müssten erst einmal Germanistik, Geschichte und Verfassungsrecht
studieren.
Als legitim bezeichnete Oberndörfer eine Überprüfung
durch den Verfassungsschutz. Auch ein bei der Einbürgerung zu
leistender Eid auf die Verfassung sei zu begrüßen.
(Quelle: dpa)
Deutscher werden nach 100 Fragen
Wie viel muss man wissen, um Deutscher zu werden? Der geplante
Einbürgerungstest in Hessen hat bundesweit einen Streit
darüber ausgelöst, welche Hürden ein Ausländer
überwinden muss, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu
bekommen.
In Baden-Württemberg gibt es bereits seit Jahresbeginn einen
«Gesinnungstest» mit 30 Fragen. Im hessischen Fragebogen
sind 100 Fragen vorgesehen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
(CDU) hält ihn für sinnvoll: «Einbürgerung kann
kein Geschenk sein», sagt er. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU)
findet, dass der Staat fragen darf, ob es eine bewusste Entscheidung
ist, Deutscher zu werden.
Der Test ist bereits zum beliebten Fragespiel avanciert. Selbst
Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki, der 1958 aus Polen nach Deutschland
kam, scheint damit so seine Schwierigkeiten zu haben. «Hätte
ich diesen Test bestanden? Ganz sicher bin ich mir nicht», sagt
er der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». «Wenn man
bedenkt - und das muss man bedenken -, dass diese Fragen ja auch von
Putzfrauen und Pförtnern beantwortet werden sollen, dann sind sie
freilich falsch ausgewählt, dann ist der Anspruch zu hoch.»
Im Gegensatz zu Günther Jauchs Quiz «Wer wird
Millionär?» geht es im hessischen Test kaum um Alltagskultur.
Vielmehr um Deutschland und die Deutschen, um Grundlinien deutscher
Geschichte, das Grundgesetz, den Aufbau des Staates, um Europa und um
die Kultur. Die ersten Fragen muten noch leicht an, wenn es um drei
Flüsse geht oder drei deutsche Mittelgebirge. Kniffliger wird es
schon bei Frage 9: «Was verstehen Sie unter dem Begriff
Reformation, und wer hat sie eingeleitet?» Wer den deutschen Pass
haben will, muss auch vier Grundrechte aufzählen, das
Mehrparteienprinzip erläutern, die Fünf- Prozent-Klausel
kennen und den Rechtsstaat definieren.
Im Jahr der WM in Deutschland darf auch König Fußball nicht
fehlen. Also geht es im Test auch um die WM, allerdings um die von 1954.
«Das Wunder von Bern.» Frage Nr. 90: Auf welches sportliche
Ereignis nimmt der gleichnamige Film von 2004 Bezug? Reich-Ranicki:
«Damals wusste ich es nicht.» Wer Deutscher werden will,
muss auch Goethe, Schiller, Beethoven und Caspar David Friedrichs Bild
der Kreidefelsen auf Rügen kennen. «Ein schönes Bild,
ja. Aber muss man das wissen?», fragt Reich-Ranicki.
Im Test werden auch Gesinnungsfragen gestellt: «Einer Frau soll
es nicht erlaubt sein, sich ohne Begleitung eines nahen männlichen
Verwandten allein in der Öffentlichkeit aufzuhalten oder auf Reisen
gehen zu dürfen: Wie ist Ihre Meinung dazu?» Der
Migrationsforscher Dieter Oberndörfer hält den Fragebogen
insgesamt für spitzfindig. «Hervorragende Kenner der
deutschen Geschichte und Kultur waren dennoch erbitterte Feinde
Deutschlands.» Millionen deutscher Bürger könnten bei
der Beantwortung der meisten Fragen scheitern, aber dennoch gute
Bürger sein.
Der Streit über den Fragebogen belastet nicht nur die Beziehung
von Union und SPD in der großen Koalition in Berlin, sondern auch
so manches Bündnis in den Ländern. Schleswig-Holsteins
SPD-Innenminister Ralf Stegner ist dagegen und will niemals die Hand
dafür im Bundesrat heben, wo Einstimmigkeit gilt.
Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) widerspricht ihm
jedoch. Ein bundeseinheitliches Vorgehen soll im Mai bei der
Innenministerkonferenz von Bund und Ländern abgestimmt werden.
Die Fragen im hessischen Test hält Schäuble jedenfalls nicht
für zu schwer. «Jeder kann sie beantworten, wenn er sich
vorbereitet.» Wer den Test nicht ohne Vorbereitung bestehen kann,
muss nach den Plänen Hessens auf eigene Kosten einen
Integrationskurs absolvieren. Reich-Ranicki vergleicht das mit dem
Führerscheintest: «Niemand beherrscht alle Verkehrsregeln,
aber die meisten Menschen bestehen die Prüfung, weil sie vom
Fahrlehrer entsprechend vorbereitet wurden.» Deshalb könne
der Fragebogen sogar für neue Arbeitsplätze sorgen.
Reich-Ranicki: «Da müsste man wohl einen neuen Beruf
schaffen.»
Quelle: dpa, 20.03.2006
Hintergrund: Einbürgerungstests in der EU
In den europäischen Nachbarländern gibt sehr unterschiedliche
Regelungen für den Erwerb der Staatsbürgerschaft. Dabei werden
- wie derzeit in Deutschland diskutiert - auch regelrechte Wissenstests
verlangt.
So hat ÖSTERREICH erst vor wenigen Monaten sein
Einbürgerungsgesetz verschärft. Danach muss ein Ausländer
mindestens zehn Jahre im Land gelebt haben, einen gesicherten
Lebensunterhalt und Kenntnisse der deutschen/österreichischen
Sprache nachweisen sowie einen «Landeskundetest» bestehen.
Darin werden z.B. Fragen über die Nationalfarben, zum politischen
System oder dem Text der Nationalhymne gestellt. Die Test variieren
dabei von Bundesland zu Bundesland. In Oberösterreich sollte der
Bewerber zum Beispiel auch wissen, welcher Fluss durch Linz
fließt, und wie viele Bezirke das Bundesland hat.
In den NIEDERLANDEN ist in diesem Monat folgende umstrittene Regelung
in Kraft getreten: Nicht-EU-Bürger, die in die Niederlande
einreisen wollen, um die Staatsbürgerschaft zu erwerben,
müssen in der niederländischen Botschaft ihres Heimatlandes
einen Test machen. Dabei werden mit einem Sprachcomputer sowohl die
Sprachkenntnisse des Bewerbers überprüft als auch sein
Grundwissen über das Land: Er muss z.B. wissen, welche Religion der
spanische König hatte, gegen den die Niederlande um
Unabhängigkeit kämpften. Er muss den Staatsgründer Willem
van Oranje auf einem mittelalterlichen Bild identifizieren oder
Auskunft geben, was ein Deich ist. Viele der Fragen, bemängeln
Kritiker, könnten die meisten Niederländer selbst nicht
beantworten.
In DÄNEMARK werden seit Dezember dänische Sprachkenntnisse
auf dem Niveau der neunten Hauptschulklasse verlangt und per Test
abgefragt. Bei dem Test müssen Bewerber außerdem Kenntnis der
dänischen Gesellschaft unter Einschluss von Geschichte und Kultur
nachweisen. Auch in Dänemark meinen Kritiker, dass ein erheblicher
Teil der seit vielen Generationen in Dänemark lebenden Bürger
Tests mit so hohen Anforderungen nicht bestehen würden.
In GROSSBRITANNIEN gibt es Fragebogen zur Einbürgerung. Es geht
dabei um Fragen zur Geschichte des Landes, zur Geographie und auch zu
typisch englischen Sportarten wie z.B. Cricket.
In der SCHWEIZ prüft eine Dienststelle, ob der Bewerber «in
die schweizerischen Verhältnisse eingegliedert und mit ihnen
vertraut ist, die schweizerische Rechtsordnung beachtet und die innere
oder äußere Sicherheit der Schweiz nicht
gefährdet». Anschließend kommen Gemeinden und Kantone
ins Spiel, die noch zusätzliche, eigene Wohnsitz- und
Eignungsvoraussetzungen haben. Dort werden die Bewerber auch anhand von
Fragebögen befragt. Hauptsächlich werden aber die bisherigen
Lebens- und Anpassungsumstände untersucht.
In SPANIEN gibt es zwar keinen extra Fragebogen, aber der Anwärter
muss einen Brief an das Justizministerium verfassen und erläutern,
warum er die Staatsbürgerschaft beantragt. Außerdem muss er
nachweisen, dass er straffrei ist und hier integriert ist (Arbeit,
Sozialversicherung etc.).
In LITAUEN werden neben Sprachkenntnissen auch Wissen über die
Verfassung geprüft. LETTLAND fordert den Nachweis von
Sprachkenntnissen und einen erfolgreichen Test zur lettischen
Geschichte. In ESTLAND werden Bewerber auf Sprache und Wissen über
die Verfassung sowie das Einbürgerungsgesetz geprüft.
Quelle: dpa, 20.03.2006
Der Deutschmacher-Test
Bert Brecht, ohne den zu kennen man heute nicht Deutscher werden
können soll, hat sich schon vor Jahrzehnten mit
Einbürgerungstests beschäftigt, wie sie derzeit in
Deutschland und Österreich heftig diskutiert werden. Brecht
schildert in einem schlichten Gedicht das Schicksal eines italienischen
Gastwirts vordem Einbürgerungsrichter in Los Angeles; Brecht wirbt
für eine humane Einbürgerungspraxis, die den potenziellen
Neubürger dem Wort entsprechend behandelt: als Bürger, nicht
als Gegner.
"Nach ernsthafter Vorbereitung, leider behindert durch seine Unkenntnis
der neuen Sprache", so Brecht, sagt der Italiener auf die Testfrage,
was denn das "8. Amendment" bedeute, zögernd: " 1492 ". Die
richtige Antwort wäre gewesen: Es handelt sich um den achten
Zusatz zur ÜS-Verfassung, der grausame Behandlung verbietet. Da
das Gesetz dem Bewerber die Kenntnis der Landessprache vorschreibt,
wird er abgewiesen. So auch beim nächsten Versuch, drei Monate
später, als er auf eine neue Frage wieder, laut und freundlich
1492" erwidert. Als der dritte Versuch genauso verläuft, erkundigt
sich der Richter, dem der Mann gefällt, danach, wie der lebe, und
erfährt: "schwer arbeitend" - und legt ihm deshalb die Frage vor:
Wann wurde Amerika entdeckt? Auf Grund der richtigen Antwort "1492"
erhält der Mann die Bürgerschaft. Er konnte zwar nur schlecht
Englisch und kannte die USGeschichte kaum, aber er hatte halt andere
Vorzüge: Er arbeitete bis zum Umfallen und war ordentlicher
Familienvater.
Das Brecht-Gedicht heißt "Der demokratische Richter", und der
Mann der Justiz ist die Verkörperung des guten Geistes einer
Einwanderungsgesellschaft, von diesem guten Geist würde man gern
ein wenig mehr haben wollen in der deutschen Debatte über
Einbürgerung und Integration. Der Stuttgarter
Gesprächsleitfaden, mit dem Einbürgerungs-Bewerber getestet
werden, ist tendenziell missgünstig und vorurteilsbeladen; und der
hessische Fragebogen ist eher etwas für Siebengescheite als
für Neubürger.
Beide Fragebögen zeigen eine gewisse Freude daran, den Bewerber zu
zwiebeln, beide sind ein neues Exempel dafür, für wen
hierzulande Ausländerpolitik gemacht wird: Nicht für die
Einwanderer, sondern für die deutschen Wählerinnen und
Wähler. Die Altbürger waren und sind die Adressaten der
Ausländerpolitik - und die Art und Weise, wie in den letzten
Wochen vor drei wichtigen Landtagswahlen die Probleme der
Einbürgerung zum heißen Wahlkampfthema gemacht wurden, ist
ein neuer Beweis dafür. Der Ausländer als Objekt
polarisierender Politik ist in der Bundesrepublik seit jeher wichtiger
als der Ausländer als Subjekt der Integration. Deutsche
Ausländerpolitik ist eine Politik, in der sich über
Gebühr viel um innere Sicherheit dreht. Aber nicht einmal
dafür taugen die bisherigen Fragebögen: Fundamentalistische
Islamisten, die niemand als Staatsbürger haben will, sind meist
gut ausgebildet; es wird ihnen nicht schwer fallen, den Test zu
absolvieren. Aber die Ayse und der Abdelhamid, die einen Sprachtest
gerade nach bestehen, werden Mühe haben zu lernen, mit wem Paul
Celan Briefwechsel pflegte.
Kurz: Man kann von einem Einbürgerungsbewerber nicht mehr
verlangen als von einem durchschnittlichen deutschen
Hauptschulabgänger. Dem iranischen Kaufmann, dessen Englisch und
Deutsch für sein Geschäft ausreicht, der sich um seinen Laden
kümmert und um seine Familie und sonst um nichts, wird es bei den
Tests ergehen wie dem Gastwirt bei Brecht: Er wird keine Zeit für
den Integrationskurs haben, weil er hart arbeitet.
Staatsbürgerschaftspolitik sollte auf die Einladung hinauslaufen,
Deutscher zu werden und sich dafür anzustrengen; tatsächlich
aber funktioniert sie wie eine Ausladung. Man hält sich die Leute
mit ausgestrecktem Arm vom deutschen Leib. Man grenzt vor allem Muslime
aus unter dem Vorwand, sie müssten erstens wissen, wie der
Bundesrat funktioniert und sie müssten zweitens knutschende
Männer als Ausdruck deutscher Toleranzkultur achten. Es ist schon
bemerkenswert: Wenn es darum geht, Ausländer auszugrenzen, dann
gibt es auf einmal bisher unerkannte Verteidiger von Schwulen und
Lesben, von Emanzipation und Frauenrechten.
Die deutsche Einbürgerungsdebatte ist vor allem eine
Selbstfindungsdebatte. Zur Integration der Ausländer findet man so
nicht. Eine gute Integrationspolitik sollte alle Energie auf das
Erlernen der deutschen Sprache richten. Sprache ist das A und 0 der
Integration; sie öffnet den Zugang zur neuen Heimat. Die Mittel
für die (schlecht funktionierenden) Integrationskurse (derzeit 208
Millionen Euro, davon wegen großer Probleme nur 89 Millionen
ausgegeben) sollten primär für die Sprachförderung zumal
von Kindern ausgegeben werden. Integration ist Sprache plus Phantasie.
Aus Wien gibt es ein wunderbares Beispiel dafür: Als dort
Deutschkurse für türkische Frauen angeboten wurden, haben die
Männer ihre Frauen nicht hingehen lassen (weil Deutschkenntnisse
die Frauen unabhängiger gemacht hätten). Was hat man in Wien
gemacht? Nähkurse für türkische Frauen angeboten. Da
durften sie hin. Aus dem Nähkurs wurde der beste Deutschkurs, den
es gibt.
Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung vom 21.03.2006
Bert Brecht
DER DEMOKRATISCHE RICHTER
In Los Angeles vor dem Richter, der die Leute examiniert
Die sich bemühen, Bürger der Vereinigten Staaten zu werden
Kam auch ein italienischer Gastwirt. Nach ernsthafter
Vorbereitung
Leider behindert durch seine Unkenntnis der neuen Sprache
Antwortete er im Examen auf die Frage:
Was bedeutet das 8.Amendment? zögernd:
1492. Da das Gesetz die Kenntnis der Landessprache dem
Bewerber vorschreibt
Wurde er abgewiesen. Wiederkommend
Nach drei Monaten, verbracht mit weiteren Studien
Freilich immer noch behindert durch die Unkenntnis der
neuen Sprache
Bekam er diesmal die Frage vorgelegt: Wer
War der General , der im Bürgerkrieg siegte? Seine Anttwort
war:
1492. (Laut und freundlich erteilt.) Wieder weggeschickt
Und ein drittes Mal wiederkommend, beantwortete er
Eine dritte Frage: Für wieviel Jahre wird der Präsident
gewählt?
Wieder mit 1492. Nun
Erkannte der Richter, dem der Mann gefiel, daß er die neue
Sprache
Nicht lernen konnte, erkundigte sich.
Wie er lebte, und erfuhr: schwer arbeitend. Uns so
Legte ihm der Richter beim vierten Erscheinen die Frage
vor:
Wann
Wurde Amerika entdeckt? Und auf Grund seiner richtigen
Antwort
1492, erhielt er die Bürderschaft.
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Versicherungsrecht: Zu viele Stolpersteine bemängelt
Di.21.03.06 - Trotz zahlreicher Verbesserungen ist das geplante neue
Versicherungsrecht nach Ansicht von Verbraucherschützern nicht
ausreichend. Der Gesetzentwurf von Bundesjustizministerin Brigitte
Zypries (SPD) enthalte noch zu viele Stolpersteine für Verbraucher,
kritisierte die Chefin des Bundes der Versicherten (BdV), Lilo Blunck,
in Henstedt-Ulzburg. So erlaube der Reformentwurf weiter einseitige
Vertragsänderungen durch die Assekuranzen.
Blunck kritisierte auch, dass die Beratung an die Höhe der
Prämie gekoppelt bleiben soll: In der Praxis werde daher über
die Hausratsversicherung besser informiert als über die wichtigere
Haftpflicht. Die Verbraucherschützer bemängelten zudem, die
Gesellschaften hätten durch eine Hintertür weiter die
Möglichkeit, das Kleingedruckte erst mit der Police zuzuschicken.
Dabei sollten nach Ansicht des BdV alle Vertragsbestimmungen vorher
bekannt sein.
Zudem behandele Zypries erneut die Lebensversicherung als Mittel zur
Vorsorge im Alter. "Dabei ist die Altersvorsorge kein
Versicherungsproblem, sondern ein Geldanlageproblem", sagte Blunck.
Lediglich die Absicherung der Hinterbliebenen sei über eine
Risikolebensversicherung sinnvoll. Auch liefere der Gesetzesentwurf
keine Lösung, wie die Altersrückstellungen beim Wechsel der
privaten Krankenversicherung mitgenommen werden könnten. Doch
gerade hier dürfe sich der Gesetzgeber nicht drücken, mahnte
der BdV.
Zypries hatte die Eckpunkte der Reform des fast hundert Jahre alten
Versicherungsvertragsgesetzes Anfang Feburar vorgelegt. Ziel des nun
ausgearbeitenen 124-seitigen Entwurfs soll sein, mehr Transparenz zu
schaffen und die Rechte der Versicherten zu stärken. Die
Lebensversicherer hatten ihrerseits inzwischen freiwillige
Änderungsvorschläge vorgelegt. Der BdV hatte Zypries' Entwurf
im März grundsätzlich gelobt, aber Nachbesserungswünsche
in Einzelfragen angemeldet. Das neue Gesetz soll nach Vorstellungen der
Ministerin Anfang 2008 in Kraft treten.
(Quelle: afp)
Linkspartei und WASG eröffnen gemeinsame Koordinierungsstelle
Di.21.03.06 - Die Landesverbände von Linkspartei.PDS und Wahlalternative Arbeit
und soziale Gerechtigkeit (WASG) haben eine gemeinsame
Koordinierungsstelle eröffnet. Das Büro soll den
Fusionsprozess der Parteien organisatorisch unterstützen, sagte
der amtierende WASG-Landeschef Steffen Hultsch. Der
Linkspartei-Landesvorsitzende Thomas Nord betonte, es handele sich um
die erste Koordinierungsstelle in einem Bundesland. Das Büro werde
helfen, die Kooperationsvereinbarungen zwischen den Parteien
umzusetzen. Beide Landeschefs fügten hinzu, mit der Einrichtung
der Koordinierungsstelle werde ein Zeichen für eine noch engere
Zusammenarbeit der Parteien gesetzt.
Wie eine Sprecherin der Linkspartei mitteilte, haben inzwischen neun
Kreisverbände von WASG und Linkspartei.PDS regionale
Kooperationsvereinbarungen unterzeichnet. Dazu gehören die
Kreisverbände Potsdam, Prignitz, Frankfurt (Oder), Barnim und
Oder-Spree.
Auf Landesebene wollen die Parteien ein Kooperationsabkommen
schließen. Die Linkspartei hat das Papier bereits im Januar
unterzeichnet. Bei der WASG war Mitte Februar eine Abstimmung bei einem
Parteitag gescheitert, weil das Gremium nicht beschlussfähig war.
An diesem Tag trat auch der Landesvorsitzende Herbert Driebe aufgrund
anhaltender persönlicher Querelen zurück. Laut Hultsch wurde
das Abkommen aber inzwischen in allen Kreisverbänden positiv
aufgenommen. Im Mai werde erneut ein Parteitag zusammenkommen, um das
Papier zu beschließen. Der neue Landesvorstand wird erst im
Frühjahr 2007 neu gewählt.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft und Technik
Sonne und Erde driften immer mehr auseinander
Di.21.03.06 - Der Abstand zwischen Sonne und Erde nimmt pro 100 Jahre um zehn Meter
zu. Darauf hat der Bremer Forscher Claus Lämmerzahl am Montag in
München bei der 70. Jahrestagung der Deutschen Physikalischen
Gesellschaft (DPG) hingewiesen.
Dies hätten neuere Berechnungen mehrerer Forschergruppen ergeben,
bei denen die Daten zur Beobachtung der Himmelskörper aus den
vergangenen 120 Jahren noch einmal systematisch ausgewertet worden
seien. Die Ursache für das Auseinanderdriften von Sonne und Erde
könne mit den herkömmlichen Kenntnissen und Methoden der
Gravitationsphysik nicht erklärt werden.
(Quelle: dpa)
Japanischer Roboter übernimmt Altenpflege - Künstlicher
Humanoid kann sehen und riechen
Di.21.03.06 - Das japanische Forschungsinstitut Riken hat einen neuen humanoiden
Roboter entwickelt, der in der Altenpflege eingesetzt werden soll. Der
100 Kilogramm schwere, künstliche Altenpfleger, den die
Wissenschaftler auf den Namen RI-MAN getauft haben, misst 158 Zentimeter
und soll schon bald in der Lage sein, bis zu 70 Kilogramm schwere
Personen aufzuheben oder auch herumzutragen. Darüber hinaus kann
RI-MAN sowohl sehen als auch hören und soll den Forschern zufolge
zwischen acht unterschiedlichen Gerüchen unterscheiden
können. Unterstützung erhalten die japanischen Forscher von
der eigenen Regierung, die angesichts der alternden japanischen
Gesellschaft um Zukunftsperspektiven in der Altenbetreuung bemüht
ist.
"Anders als in Europa werden Maschinen in Japan nicht als Bedrohung
sondern als Hilfe empfunden, die für mehr Autonomie im
täglichen Leben sorgen können", erklärt Roboterexperte
Frank Kirchner von der Universität Bremen die ausgeprägte
Faszination der Japaner mit humanoiden Robotern. Wenngleich die
kulturgesellschaftlichen Bedingungen den Einsatz derartiger Roboter in
Europa beinahe unmöglich machen würden, stelle deren
Entwicklung aber auch hierzulande ein äußerst spannendes
Forschungsthema dar, so Kirchner. Bei der Weiterentwicklung von
künstlicher Intelligenz würde der sozialen
Interaktionsfähigkeit jener Maschinen untereinander und mit
Menschen nämlich eine entscheidende Rolle zukommen.
Der derzeitige RI-MAN-Prototyp ist in der Lage, bis zu zwölf
Kilogramm schwere Testdummies zu orten, deren Gewicht zu bestimmen sowie
diese aufzuheben und durch den Raum zu tragen. Innerhalb der kommenden
fünf Jahre wollen die Entwickler die Tragkapazität allerdings
auf 70 Kilogramm erhöhen, um die Roboter in der Alten- und
Krankenpflege tatsächlich einsatzfähig zu machen. Eine
Vielzahl an Sensoren, die unter einer fünf Millimeter dünnen
Silikonschicht angebracht sind, sorgt darüber hinaus dafür,
dass der Roboter menschlichen Bewegungen mit seinen Augen nachfolgen
kann. Weiters kann der künstliche Humanoid auch die Richtung
bestimmen, aus der eine Stimme im Raum kommt und diverse Gerüche
wahrnehmen und verarbeiten.
(Quelle: pte)
Weltrekord - Mit 2,56 Terabit pro Sekunde durchs Netz
Di.21.03.06 - Mit einer Datenmenge von 2,56 Terabit pro Sekunde haben Forscher des
Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik einen neuen Weltrekord
in Sachen Datenübertragung aufgestellt. Das entspricht einer
Versendung von 60 randvollen DVDs auf einen Schlag. Das Datensignal
wurde auf einer Strecke von 160 Kilometern Länge durch ein
Glasfasernetz gejagt. Den bisherigen Weltrekord hielten japanische
Forscher fünf Jahre lang mit der halben Datenübertragungsrate
von 1,28 Terabit pro Sekunde. Auf den derzeit leistungsfähigsten
Highspeed-Strecken werden maximal 40 Gigabit pro Sekunde erreicht - etwa
50 Mal weniger.
In Glasfasernetzen werden Daten durch ultrakurze Lichtblitze
beziehungsweise Pulse übertragen. Das geschieht auf mehreren
Wellenlängen gleichzeitig, um einem Datensignal eine möglichst
hohe Datenrate geben zu können. Die Informationen werden dabei
durch Ein- und Ausschalten des Lasers codiert: ein Puls entspricht der
1 des binären Codes, das Ausschalten der 0. Weil die Zahl der
Internetnutzer weltweit stetig ansteigt - 840 Millionen in 2005 - gehen
die Forscher davon aus, dass auf den großen Verkehrsverbindungen
zwischen den Kontinenten in zehn bis 20 Jahren Übertragungsraten
von 50 bis 100 Terabit pro Sekunde möglich sein müssen, um
den enormen Datenverkehr überhaupt bewältigen zu können.
(Quelle: cid)