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Irak am sechshundertvierunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Mindestens 23 Tote bei Selbstmordanschlag in Bagdad. Drei Pazifisten nach vier Monaten Geiselhaft im Irak befreit

Fr.24.03.06 - Nach dem Selbstmordanschlag auf das Hauptquartier einer irakischen Anti-Terror-Einheit in Bagdad ist die Zahl der Toten auf 23 gestiegen. Mindestens 35 weitere Menschen wurden nach Angaben der Sicherheitskräfte verletzt, als der Attentäter am Donnerstag einen mit Sprengstoff beladenen Kleintransporter im Eingangsbereich des Gebäudes zur Explosion brachte. Unter den Toten seien zehn Polizisten. Nach Angaben eines Augenzeugen waren zum Zeitpunkt des Anschlags zahlreiche Zivilisten in dem Gebäude, um Verwaltungsangelegenheiten zu erledigen. Auch zahlreiche Frauen seien unter den Opfern.

Nach fast vier Monaten in Geiselhaft haben britische und amerikanischen Soldaten am Donnerstag drei ausländische Geiseln befreit. Dies bestätigte der britische Außenminister Jack Straw am Donnerstag in London.

Bei den drei Männern handelt es sich um drei Pazifisten, einen 74-jährigen Briten sowie einen 32 und einen 41 Jahre alten Kanadier. Sie waren am 26. November zusammen mit einem US-Amerikaner in Bagdad verschleppt worden.

Die Leiche des 54 Jahre alten Amerikaners Tom Fox war Anfang des Monats in Bagdad gefunden worden. Von den anderen drei - dem Briten Norman Kember und den Kanadiern Harmeet Singh Sooden und Jim Loney - gab es seit zwei Wochen kein Lebenszeichen. Zuletzt war ein Geiselvideo im arabischen Fernsehen ausgestrahlt worden. Die Männer gehören zu einer pazifistischen Organisation namens Christian Peacemaker Teams (CPT), die seit längerer Zeit im Irak tätig ist.

Im Irak gelten derzeit noch mehr als 70 Ausländer als entführt oder werden vermisst. Vor fast genau zwei Monaten wurden die beiden Leipziger Techniker René Bräunlich und Thomas Nitzschke verschleppt. Die deutsche Regierung soll angeblich Hinweise darauf haben, dass die beiden noch leben. Direkten Kontakt zu den Entführern hat das Auswärtige Amt in Berlin angeblich nicht. Ein Ministeriumssprecher sagte am Donnerstag, der Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemühe sich unvermindert intensiv um eine Freilassung der Männer.

Der Befreiungsaktion vom Donnerstag sei eine «wochenlange, sehr sorgfältige Arbeit von militärischem Personal und auch von vielen Zivilisten» vorangegangen», sagte Straw. Zu Einzelheiten wollte er sich nicht äußern. Offen blieb zunächst, wo die Geiseln befreit wurden, wie die Aktion ablief und was mit den Geiselnehmern geschah. Nach den Worten Straws ist der frühere Medizin-Professor Kember in einem «vernünftigen Zustand» und hält sich in Bagdad auf. Die Männer seien zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht worden.

(Quellen: afp, dpa)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Chronologie des Irak-Kriegs:

Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11. 2003 bis 24.03.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
 
 

Vor einem Jahr:
 
Irak am zweihundertneunundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Do.24.03.05 - Mehr als 90 Tote bei Gefecht im Irak +++ Schiiten-Allianz soll in der neuen irakischen Regierung  mehr als die Hälfte der Ministerposten bekommen +++ Bericht: US-Armee verhinderte Untersuchung des Autos der Italiener... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0503240.htm#news

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
 

Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248 Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.

Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine verlässlichen Angaben. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 

 


 


 

Fatah will neuer Hamas-Regierung kein Vertrauen aussprechen

Fr.24.03.06 - Die Abgeordneten der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wollen der Regierung der radikal- islamischen Hamas im Parlament nicht das Vertrauen aussprechen. Hamas habe die Bedingungen der Fatah dafür nicht erfüllt, sagte der Fatah- Fraktionsvorsitzende Asem el-Ahmad in Gaza. Das palästinensische Parlament soll sich am Montag treffen, um über die neue Regierung abstimmen. Die Hamas verfügt seit der Parlamentswahl über eine absolute Mehrheit.

(Quelle: dpa)
 


 

Mindestens elf Tote bei Kämpfen in Mogadischu

Fr.24.03.06 - Bei gewaltsamen Zusammenstößen von Anhängern zweier rivalisierender Kriegsherren sind in der somalischen Hauptstadt Mogadischu mindestens elf Menschen getötet worden. Dies teilte ein Krankenhaussprecher mit. Die Kämpfe entzündeten sich am Streit um ein Grundstück am Flughafen Aisaley nördlich von Mogadischu, auf das die beiden Warlords Baschir Raghe Schiral und Abukar Omar Adan Anspruch erheben. Die Zahl der Verletzten wurde mit 23 angegeben.

Die Zusammenstöße hatten am Mittwoch begonnen; Augenzeugen berichteten von sporadischen Gewehrsalven in dem Gebiet. Somalia verfügt seit 1991 über kein funktionierendes Staatswesen mehr. Clanchefs stürzten damals den Präsidenten Mohammed Siad Barre. Seitdem wurden bei Kämpfen bis zu 500.000 Menschen getötet.

(Quelle: afp)
 


 

30 Jahre nach dem Militärputsch öffnet Argentinien die Archive

Fr.24.03.06 - 30 Jahre nach dem Militärputsch in Argentinien am 24. März 1976 hat die Regierung in Buenos Aires die Öffnung der Armeearchive gestattet. Wie Verteidigungsministerin Nilda Garré am Mittwoch (Ortszeit) mitteilte, wird dadurch der "vollständige und uneingeschränkte Zugang" zu den Unterlagen der drei Teilstreitkräfte Heer, Marine und Luftwaffe möglich. Die Dokumente sollen dem Nationalen Gedenkarchiv übergeben werden, das Informationen über schwere Menschenrechtsverletzungen unter der bis 1983 dauernden Militärjunta sammelt. Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass mehr als 30.000 Menschen verschleppt, gefoltert und ermordet wurden, unter ihnen auch rund hundert Deutsche und Deutschstämmige.

(Quelle: afp)


 

Der lange Schatten der dreißigtausend
In der Nacht vom 23. auf den 24. März 1976 putschten in Argentinien die Militärs, 30.000 Menschen 'verschwanden'. Nach Aufhebung der Amnestiegesetze wird jetzt neu ermittelt. Das Gedenken zum Jahrestag spaltet die Menschenrechtsbewegung... Mehr in der taz vom 23.03.06:
http://www.taz.de/pt/2006/03/23/a0107.1/text


 

Arbeitsfrei am Putschtag
'Schmutziger Krieg' gegen die Bevölkerung: Erstmals erinnert Argentinien mit einem nationalen Gedenktag an den Militärumsturz vor 30 Jahren.... Mehr in der Tageszeitung 'junge Welt' vom 24.03.06:
http://www.jungewelt.de/2006/03-24/006.php
 


 

EU streitet über Energiepolitik und Dienstleistungsrichtlinie

Fr.24.03.06 - Angesichts der dramatisch gestiegen Öl- und Gaspreise, der Gefahr von mächtigen Monopolen im Energiesektor, der großen Abhängigkeit von Lieferanten wie Russland versuchten die EU-Staaten auf einer ersten Arbeitssitzung am Donnerstag vergeblich, ihre nationalen Interessen für eine gemeinsame Energiepolitik zu überwinden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte eher ablehnend auf die Vorschläge von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, mehr Verantwortung in der Energiepolitik in Brüssel zu bündeln.

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi musste eine Schlappe einstecken, da eine von ihm vorgeschlagene Erklärung gegen nationale Hürden bei Fusionen auf dem Energiemarkt keine Unterstützung fand. Berlusconi ist verärgert über den Versuch Frankreichs, den Kauf des französischen Energieunternehmens Suez durch den italienischen Konkurrenten ENEL zu verhindern.

Auch wenn sich Deutschland nicht hinter die italienische Initiative stellte, sprach sich Merkel gegen die Abschottung der nationalen Energiemärkte in Europa aus. Sie sagte, auf dem Energiemarkt müsse es möglich sein, «europäische Champions» zu bilden. Der deutsche Konzern E.ON versucht derzeit, den spanischen Konkurrenten Endesa zu kaufen. Die spanische Regierung stellt sich dagegen. Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker wandte sich gegen einen «französischen Patriotismus», der keine Zukunft haben werde. Es müsse in Energiefragen eine europäische Außenpolitik geben. Merkel führte in der Runde mit einem Grundsatzvortrag in das Thema Energie ein.

Bei der weiter umstrittenen Dienstleistungsrichtlinie versuchten die Staats- und Regierungschefs bis zum Abschluss ihres Treffens an diesem Freitag eine Einigung wenigstens auf das weitere Vorgehen zu finden, um die Richtlinie zu geltendem Recht zu machen. Diplomaten sagten, eine «große Mehrheit» der 25 EU-Staaten sei für eine von Österreichs Kanzler Wolfgang Schüssel vorgeschlagene Passage im Schlusskommuniqué des Gipfels gewesen. Darin sollte es heißen, der Rat nehme zur Kenntnis, dass die EU-Kommission auf der Basis der Entscheidung des Europaparlaments einen neuen Entwurf für die Richtlinie erarbeiten wolle. Das Parlament hatte die Richtlinie, die den Zugang von Dienstleistern erleichtern sollte, aus Angst vor Sozial- und Lohndumping deutlich entschärft.

Polen und andere neue EU-Mitglieder aus Mitteleuropa widersetzten sich dieser Formulierung. Dadurch werde signalisiert, dass der Rat die Entscheidung des Parlaments akzeptiere. Dies sei aber nicht der Fall.

Mit großer Einmütigkeit kippte der Gipfel auch einen Vorschlag von Barroso zur Schaffung eines Europäischen Technologieinstituts (ETI). Es sei nicht vernünftig, die herausragenden wissenschaftlichen Kapazitäten in einem einzigen Institut zusammenzufassen.

An diesem Freitag sollen auch die gemeinsamen Plänen für mehr Wachstum und Beschäftigung vorangebracht werden. Nach Einschätzung von EU-Ratspräsident Schüssel können pro Jahr zwei Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden, wenn die 25 Mitgliedsländer ihren Etat für Forschung und Bildung von bisher zwei auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufstocken würden. Sollte die Gipfelrunde dem zustimmen, könnten so jährlich Mittel in Höhe von 100 Milliarden Euro frei gemacht werden, sagte er.

Die EU beschloss am Donnerstag offiziell den Einsatz von Soldaten zur Absicherung der Wahlen in Kongo. Gegen einen grundsätzlichen Beschluss der EU-Botschafter vom Vortag wurde kein schriftlicher Einspruch erhoben, sagten Diplomaten. Unter deutscher Führung sollen knapp 1500 EU-Soldaten an dem Einsatz beteiligt sein, davon etwa 500 Bundeswehrangehörige.

(Quelle: dpa)


 

 

Die Vorschläge der EU-Kommission zur Energiepolitik

Die EU-Kommission hat den 25 Regierungen der Europäischen Union in einem «Grünbuch» Vorschläge für eine neue gemeinschaftliche Energiepolitik gemacht. Bisher sind allein die einzelnen Staaten für wesentliche Energie-Entscheidungen zuständig.

Viele Staaten wollen zwar enger zusammenarbeiten, aber weiter unabhängig entscheiden.

Die Kommission begründet den Zwang zum Handeln mit dieser Ausgangslage: Ohne mehr eigene Energieerzeugung muss der Bedarf in 20 bis 30 Jahren zu 70 - statt derzeit 50 - Prozent durch Importe gedeckt werden. Die Hälfte des Erdgasverbrauchs wird
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schon jetzt von nur drei Ländern - Russland, Algerien, Norwegen - gedeckt. In 25 Jahren werden es dann 80 Prozent sein.

Die weltweite Nachfrage steigt, die Preise haben sich in den vergangenen zwei Jahren fast verdoppelt. 2004 stieg der globale Energieverbrauch um 4,3 Prozent - vor allem wegen der stark wachsenden Nachfrage durch China und Indien. Der Verbrauch fossiler Brennstoffe wächst schneller als jener der erneuerbaren, was bis 2012 zu einem Anstieg der Treibhausgase um 5 Prozent statt der angestrebten Verringerung um 8 Prozent führen könnte.

Die Kommission schlägt nun unter anderem vor:

- VOLLENDUNG DES ENERGIEBINNENMARKTES: Das bedeutet unter anderem mehr Wettbewerb und die Schaffung eines europäischen Energie- Regulieres.

- MEHR VERSORGUNGSSICHERHEIT: Eine europäische Stelle soll Energieversorgung sowie Erdöl- und Erdgasvorräte beobachten.

- NACHHALTIGERER, EFFIZIENTERER UND VIELFÄLTIGER ENERGIETRÄGERMIX: Zwar sollen die Mitgliedstaaten weiter selbst über Energieträger - beispielsweise Atomkraft - entscheiden können, doch soll die EU «Ziele für den «Gesamtenergieträgermix» vorgegeben können.

- MASSNAHMEN GEGEN GLOBALE ERWÄRMUNG: 2020 soll der tatsächliche Energieverbrauch um 20 Prozent unter dem Wert liegen, der derzeit für dieses Jahr prognostiziert wird. Fahrplan für erneuerbare Energiequellen bis 2020.

- STRATEGISCHER PLAN FÜR ENERGIETECHNOLOGIE: Die Industrie Europas soll weltweit bei neuen Energietechnologien führend sein.

- ENERGIEAUSSENPOLITIK: Gemeinsames Handeln gegenüber großen Lieferanten wie Russland, Vorbereitung für die Gründung einer europaweiten «Energiegemeinschaft», gemeinsame Beschlüsse über große Investitionen in die Infrastruktur wie Pipelines oder Hafenterminals.

Quelle: dpa, 23.03.2006

 


 


 

Schwere Krawalle in Paris nach Kundgebung gegen Lockerung des Kündigungsschutzes

Villepin bietet Gewerkschaften und Studenten Treffen an

Fr.24.03.06 - Bei den anhaltenden Protesten gegen die Lockerung des Kündigungsschutzes in Frankreich hat es erneut schwere Krawalle gegeben. Hunderte Randalierer lieferten sich nach einer friedlichen Großkundgebung in Paris zwischen 17.00 Uhr und 18.15 Uhr Straßenschlachten mit der Polizei. Autos und ein Geschäft standen vorübergehend in Flammen, Vermummte bewarfen die Feuerwehr mit Steinen. Landesweit gingen mindestens 220.000 Menschen zumeist friedlich auf die Straßen. Insgesamt nahm die Polizei 420 Menschen zumeist wegen "Gewalttätigkeit, Vandalismus und Angriffen auf Ordnungskräfte" fest.

In Paris und mehreren Pariser Vorstädten hatte es bereits mehrfach Randale am Rande von friedlichen Protesten gegeben. 3000 Polizisten und Gendarmen waren aufgeboten, um neue Ausschreitungen in der Hauptstadt zu verhindern.

Premierminister Dominique de Villepin lud die Gewerkschaften für heute Nachmittag zum Gespräch über die umstrittene Reform. Frankreich Gewerkschaftsführer und der Chef der größten Studentenorganisation Unef, Bruno Julliard, zeigten sich grundsätzlich bereit, auf Villepins Einladung einzugehen. Die gemäßigte Gewerkschaft CFDT forderte die Rücknahme der Maßnahme, um Ruhe einkehren zu lassen und Verhandlungen aufnehmen zu können. CFDT-Chef François Chérèque sagte, er könne sich angesichts der um sich greifenden Gewalt und der Angst der Jugendlichen und ihrer Familien um ihre Zukunft nicht vorstellen, dass Villepin keine "Geste" machen werde.

Villepin lehnt eine Rücknahme seines Gesetzes bisher ab. Der Premier sagte beim französischen Bauerntag in Metz, er wolle die Sozialpartner "schnell" treffen. Ziel sei es, "gemeinsam Antworten auf die Sorgen der Jugend in unserem Land" zu finden.

Wegen der Blockaden und Proteste an den Universitäten prüft die Regierung eine Verschiebung der Prüfungstermine an den Hochschulen. Bildungsminister Gilles de Robien sagte im Radiosender RMC, zunächst werde versucht, die ausgefallenen Kurse nach den Protesten nachzuholen. Der Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz, Yannick Vallée, sagte dem "Parisien", wenn die Proteste noch einen halben oder ganzen Monat weiter gingen, sei praktisch das halbe Semester verloren. "Das wäre ein Problem, das wir nicht mehr lösen können", sagte Vallée, der von einer einmaligen Situation seit dem Mai 1968 sprach.

(Quelle: afp)
 


 

Deutschland

Ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle bei Sozialhilfequoten

Fr.24.03.06 - Bei der Sozialhilfequote gibt es in Deutschland ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle. Dagegen ist anders als bei der Arbeitslosigkeit beim Anteil der Sozialhilfe-Empfänger an der Bevölkerung kein großer Unterschied zwischen Osten und Westen festzustellen. Die höchsten Quoten wurden Ende 2004 sogar fast ausnahmslos in kreisfreien Städten in den alten Bundesländern verzeichnet, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die höchste Empfängerquote unter den 439 kreisfreien Städten und Landkreisen hatte Bremerhaven mit 12,1 Prozent, die niedrigste der Kreis Unterallgäu mit 0,4 Prozent.

Die Sozialhilfequote lag den Angaben zufolge im Bundesdurchschnitt bei 3,5 Prozent. Auf Landes- und auch auf Kreisebene gab es dabei ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Die höchsten Quoten gab es Ende 2004 in den drei Stadtstaaten Bremen (neun Prozent), Berlin (acht Prozent) und Hamburg (7,1 Prozent). Bei den Flächenländern wiesen das Saarland (4,3 Prozent) sowie Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein mit jeweils 4,1 Prozent die höchsten Quoten auf. Die niedrigsten Empfängerquoten verzeichneten Bayern (1,9 Prozent) und Baden-Württemberg (2,2 Prozent).

Für die vergleichsweise niedrigen Quoten in den neuen Bundesländern gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zwei Gründe: Zum einen gab es dort eine höhere Erwerbstätigkeit von Frauen, weshalb diese beim Verlust ihres Jobs auch Arbeitslosengeld bekommen. Zum anderen ist die Zahl der Sozialhilfe-Empfänger unter Ausländern deutlich höher. Im Osten leben aber deutlich weniger Ausländer als im Westen.

Die geringsten Sozialhilfequoten gibt es in Süddeutschland. Die zehn Regionen mit den niedrigsten Quoten liegen mit Ausnahme des Enzkreises in Baden-Württemberg in Bayern. Hinter dem Kreis Unterallgäu mit 0,4 Prozent lagen die Kreise Freising, Aichach-Friedberg und Erlangen-Höchstadt mit jeweils 0,5 Prozent. Die höchsten Sozialhilfequoten hatten nach Bremerhaven (12,1 Prozent) Kassel (9,7 Prozent) und Offenbach am Main (9,4 Prozent).

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Sozialhilfequote der Kinder unter 15 Jahren. Während diese Quote im Kreis Unterallgäu bei lediglich 0,7 Prozent liegt und damit nicht einmal jedes hundertste Kind von Sozialhilfe lebt, ist in Bremerhaven mehr als jedes vierte Kind (28,7 Prozent) darauf angewiesen. Im Bundesdurchschnitt liegt die Sozialhilfequote für Kinder unter 15 Jahren bei 8,1 Prozent.

(Quelle: afp)
 


 

Debatte über Finanzierung von Kindergärten

Fr.24.03.06 - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat eine Debatte darüber ausgelöst, ob das Kindergeld zur Finanzierung kostenloser Kindergartenplätze gekürzt werden sollte. In der großen Koalition aus Union und SPD sowie in der Opposition stieß ein entsprechender Vorstoß Steinbrücks auf breite Ablehnung. Auch SPD-Chef Matthias Platzeck wandte sich strikt gegen eine Kürzung beim Kindergeld. Dies wäre "das völlig falsche Signal", zumal es Eltern mit geringeren Einkommen härter träfe als Familien mit hohen Einkommen, sagte er.

Steinbrück hatte eine Kindergeld-Kürzung um vier bis sechs Euro vorgeschlagen, um damit kostenlose Kindergartenplätze zu finanzieren. Ein Sprecher des Finanzministers relativierte diese Angaben allerdings und sagte, es gehe nicht um eine Kürzung der derzeitigen Leistungen von 154 Euro für jedes der ersten drei Kinder und 179 Euro ab dem vierten Kind pro Monat.

Steinbrück wolle eine Diskussion, ob nicht bei einer zukünftigen möglichen Kindergelderhöhung stattdessen das Geld zur Kindergarten-Finanzierung genommen werden sollte. Der Minister wolle eine Grundsatzdebatte über Zielvorstellungen der Politik. Die vom Finanzminister aufgeworfene Frage laute: "Ist es besser, Bildungsangebote zu machen, die auch genutzt werden können, oder sollen Mittel zum freien Konsum für die neue Home-Videoanlage verwandt werden können?"

Platzeck sagte der "Süddeutschen Zeitung" zu einer Kürzung der Kindergelds: "Das wäre nicht sozialdemokratisch." Die SPD wolle sich verstärkt um die Bereiche Kinder, Familie und Bildung kümmern. Er begrüße eine Diskussion darüber, wie künftig weitere Finanzmittel eingesetzt werden sollten. "Wir brauchen eine Diskussion, ob es Sinn macht, das Geld zu streuen oder gezielt in Betreuungseinrichtungen zu stecken." Darin sei er sich mit Steinbrück einig.

Die stellvertretende Unionsfraktionschefin Ilse Falk (CDU) sagte, Steinbrück müsse bei seiner Berechnung bedenken, dass eine Kürzung des Kindergeldes nicht nur für die drei Kindergartenjahre, sondern für 18 oder mehr Jahre gelten würde. Zudem seien bereits jetzt die Kindergartenbeiträge nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt.

(Quelle: afp)
 


 

Wissenschaft

Forscherteam entdeckt ungewöhnliches Doppelsternpaar

Fr.24.03.06 - Ein internationales Forscherteam unter Tübinger Leitung hat ein ungewöhnliches Doppelsternpaar entdeckt. Es besteht aus einem sehr heißen so genannten Weißen Zwerg und einem kleinen, vergleichsweise kühlen Begleitstern.

Beide umkreisen einander in nur sieben Stunden so eng, dass das gesamte System knapp in unserer Sonne Platz hätte, wie die Universität Tübingen am Donnerstag mitteilte. Das System mit der Bezeichnung SDSSJ212531.92-010745.9 präsentieren die Tübinger Astronomen gemeinsam mit Kollegen aus Göttingen, Großbritannien und Chile im Fachjournal «Astronomy & Astrophysics» (Bd. 448, S. L25).

Der Weiße Zwerg ist ein ausgebrannter Stern, der etwa 60 Prozent der Masse unserer Sonne hat und rund 90 000 Grad Celsius heiß ist. Sein Begleiter, der 40 Prozent der Sonnenmasse besitzt, ist für einen Stern mit nur 3 000 Grad relativ kühl. Durch die intensive Strahlung des nahen Weißen Zwergs wird seine Oberfläche allerdings auf mehr als 8 000 Grad aufgeheizt.

Der Weiße Zwerg gehört zur Klasse der so genannten PG1159-Sterne. Das bedeutet, dass er - in kosmischen Maßstäben - kürzlich noch ein roter Riesenstern gewesen ist. Wie dabei genau das enge Doppelsternsystem entstehen konnte, ist noch rätselhaft, da die enge Umlaufbahn vermutlich im Inneren des Riesensterns gelegen haben müsste. Unter den PG1159-Sternen, von denen überhaupt nur 40 bekannt sind, ist es das erste bekannte derartige Doppelsternsystem.

Die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre der PG1159-Sterne ist eher ungewöhnlich. Im Gegensatz zu den meisten Sternen ist diese nahezu frei von Wasserstoff und wird stattdessen von Helium, Kohlenstoff und Sauerstoff dominiert.

(Quelle: dpa)
 


 

Eine Uhr für eine neue Zeit

Fr.24.03.06 - In einem Gewölbe sechs Meter unter dem Observatorium von Paris werden Atome von Lasern eingefangen und in einen Zustand der Erstarrung versetzt. Das Ziel: die genaueste Uhr der Welt. Mit neuen Methoden versuchen Forscher, die Zeitmessung auf eine neue Stufe der Präzision zu heben. Dies könnte irgendwann zu einer kleinen Revolution führen: der Neudefinition der Sekunde.

Die besten Uhren im Pariser Observatorium funktionieren bisher mit einer Abweichung von einer Sekunde alle 52 Millionen Jahre. Ein Wissenschaftsteam des Instituts will den Fehler nun auf eine Sekunde alle 32 Milliarden Jahre verringern. Zum Vergleich: das Alter des Universums wird lediglich auf 15 Milliarden Jahre geschätzt.

Braucht die Welt das oder geht es hier nur um Spielereien der Wissenschaft? Tatsächlich wird Präzisionszeitmessung in vielen Bereichen immer wichtiger. So ist die Raumfahrt auf die genauest mögliche Zeitmessung angewiesen, denn kleine Abweichungen bei der Berechnung von Flugbahnen können große Auswirkungen haben. So wird die Suche nach Leben auf Planeten außerhalb des Sonnensystems künftig auf Weltraum-Observatorien basieren, die sich in Formation auf Millimeter genau berechneten Flugbahnen bewegen.

"Die wichtigste Anwendung unserer Forschungen wird wie seit hunderten von Jahren die Navigation bleiben", sagt der Direktor der Abteilung für Zeit-Raum-Referenzsysteme der Pariser Forschungsstätte, Philip Tuckey. "Der Unterschied ist, dass diese Navigation im Weltraum und nicht mehr auf dem Meer erfolgen wird."

In der Geschichte der Zeitmessung hat eine Erhöhung der Taktfrequenz von Uhren immer zu einer höheren Präzision geführt. Mechanische Uhren basierten dabei auf einer Schwingung pro Sekunde (ein Hertz). Seit Beginn des 20. Jahrhunderts kamen Uhren hinzu, die auf den Vibrationen von Kristallen basierten. Damit lag die Basis der Zeitmessung bereits bei 1000 bis mehreren Millionen Schwingungen pro Sekunde (ein Kilo bis mehrere Mega-Hertz). Seit den 50er Jahren gibt es Atomuhren, die im Gigahertz-Bereich schwingen, also mit mehreren Milliarden Schwingungen pro Sekunde. Heutige Cäsium-Atomuhren schaffen 9,192 Gigahertz.

In Paris wird nun an einer Uhr auf Basis von Strontium-Atomen gebaut. Damit würde die Frequenz auf 400 Terahertz steigen (400 Billionen Schwingungen pro Sekunde). "Das wäre eine Verbesserung um den Faktor 40.000", sagt Pierre Lemonde, Leiter des Projektes. Sein Team glaubt, jetzt die Machbarkeit des Projektes bewiesen zu haben und will "sehr schnell" die Genauigkeit der bisherigen Cäsium-Atomuhren übertreffen. Letztlich könnte das irgendwann zu einer neuen Festlegung der Sekunde führen, meinen die Forscher in Paris. Denn die ist seit 1967 als 9.192.631.770 Schwingungen bei Cäsium 133 definiert.

(Quelle: afp)
 


 

Kultur

Geburt der Videokunst in der Kunsthalle Bremen

Fr.24.03.06 - Die Kunsthalle Bremen ermöglicht eine Begegnung mit den Anfängen der Medienkunst. In der Ausstellung «Videokunst der 60er Jahre in Deutschland» sind ab 25. März Werke von sieben Künstlern zu sehen.

Unter den Exponaten befinden sich die Monitorskulpturen des Koreaners Nam June Paik und ein mit Filz verklebter Fernseher von Joseph Beuys. Zeitgleich stellen vier weitere Museen in Düsseldorf, Karlsruhe, München und Leipzig «40jahrevideokunst.de» aus.

Nach Angaben von Initiator Wulf Herzogenrath ist das bis 21. Mai gezeigte Gemeinschaftsprojekt deutschlandweit einmalig. Im Zentrum aller fünf Ausstellungen steht ein digitales Archiv. An Computerstationen können Besucher die Arbeiten von 59 ausgewählten Künstlern abrufen. Wer alle Videos ansehen will, braucht viel Zeit: alles in allem 27 Stunden.

Herzogenrath hat das von der Bundeskulturstiftung unterstützte Ausstellungsprojekt in den fünf Museen angeschoben. «Videokunst ist das ganzheitlichste Medium, weil es mit Bild, Ton und Bewegung arbeitet. Es kommt unserer visuellen Gesellschaft entgegen», sagte der Kunsthistoriker. Ziel seines Ausstellungsprojektes sei es, dieses digitale Erbe wissenschaftlich aufzuarbeiten, zu restaurieren und vor allem über DVDs einer großen Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

In den abgedunkelten Räumen der Kunsthalle Bremen kommt die bewegte elektronische Kunst eindrucksvoll zur Geltung. Sie reicht von verkanteten Fernsehapparaten bis zu verfremdeten TV-Bildern. Die Monitore von Paiks «Videosynthesizer» zeigen über einem meterhohen Techniksockel manipulierte Farben und Formen. Für Paik war diese Art der Malerei auf der Bildschirm-Leinwand vergleichbar mit Leonardo, Picasso und Renoir.

Der am 29. Januar in Miami verstorbene Videokünstler wird am 25.März in der Kunsthalle Bremen geehrt. Zu der Hommage werden die Witwe und der Neffe des Künstlers erwartet. Paik gilt als Vater der Videokunst.

Die Ausstellung zeigt, wie kritisch viele Künstler in den 60er Jahren die TV-Welt gesehen haben. Wolf Vostell hatte ein Damastlaken mit dem Foto des damaligen «Tagesschau»-Chefsprechers Karl-Heinz Köpke versehen. Der Betrachter sollte es jeden Abend zur Nachrichtenzeit über den Fernseher legen und den Ton abstellen: das Ende der Nachrichtenflut. In Beuys' TV-Gerät versinkt die visuelle Botschaft hinter einer Filzplatte. Karl Gerstner hat vor dem bewegten Fernsehbild Plexiglasscheiben befestigt, mal quadratisch, mal spiralförmig - die perfekte Verwandlung ein und desselben Bildes. «In Bremen zeigen wir die sieben Heroen der 60er Jahre. Hier atmet man die Aufbruchszeit», sagte Kunsthallen-Direktor Herzogenrath.

(Quelle: dpa)

Mehr unter:
http://www.40jahrevideokunst.de
 
 
 
 

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