Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertsiebenunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Kein Ende der Gewalt in Sicht. Mindestens 69 Menschen bei Kämpfen,
Anschlägen und Überfällen getötet. 30 zumeist
enthauptete Leichen entdeckt. US-Politiker: Geduld mit Irakern ist bald
erschöpft. Führende Republikaner und Demokraten in Bagdad.
Arabische Liga dringt auf zügige Regierungsbildung im Irak. Blair
hält britischen Abzug aus dem Irak für möglich
Mo.27.03.06 - Die Gewalt im Irak hielt am Sonntag unvermindert an. Bei Kämpfen
mit amerikanischen und irakischen Soldaten sind in einer schiitischen
Moschee in Bagdad nach Polizeiangaben 22 Menschen getötet worden.
Bewaffnete Männer hätten am Sonntag das Feuer auf eine
US-Patrouille eröffnet, sagte ein Polizeisprecher. Ein Berater des
radikalen schiitischen Predigers Muktada al Sadr erklärte dagegen,
die Soldaten hätten ohne ersichtlichen Grund zuerst auf die
Al-Mustafa-Moschee im östlichen Stadtbezirk Ur geschossen.
Insgesamt kostete die Gewalt im Irak am Sonntag mindestens 69 Menschen
das Leben.
Die amerikanischen Streitkräfte sprachen von 16 getöteten
Aufständischen bei der Razzia in Bagdad. 15 weitere seien
festgenommen, eine «nichtwestliche Geisel» sei befreit
worden. Die Moschee sei bei dem Einsatz weder betreten noch
beschädigt worden, hiess es in einer mehrere Stunden nach dem
Zwischenfall veröffentlichten Militärerklärung.
Ministerpräsident Ibrahim al Dschaafari zeigte sich besorgt und
besprach den Vorfall mit der irakischen Militärführung und
dem US-General George Casey, wie sein Sprecher Abdul Ressak al Kadhimi
sagte. Der Regierungschef habe den Familien der Getöteten eine
Entschädigung versprochen.
Bei verschiedenen Überfallen und Anschlägen wurden im Irak am
Sonntag rund 20 Menschen getötet. In der südirakischen Stadt
Basra war auch eine Schule Ziel eines Anschlags. Ein 13-jähriger
Schüler kam dabei ums Leben. In Bagdad wurde eine Frau von einer
Bombenexplosion vor ihrem Haus getötet. In der Stadt Nadschaf
schlugen am Sonntag Granaten in der Nähe der Wohnung des radikalen
schiitischen Predigers Muktada al Sadr ein. Zwei Wachleute wurden
verletzt. Der Angriff ereignete sich in unmittelbarer Nähe zum
Schrein von Imam Ali, einem der heiligsten Orte der Schiiten. Al Sadrs
Miliz steht in Verdacht, für viele Angriffe auf Sunniten
verantwortlich zu sein.
In einer Ortschaft nördlich von Bagdad entdeckten die irakischen
Streitkräfte 30 zumeist enthauptete Leichen entdeckt. Über die
Identität der Toten oder die mutmasslichen Täter machten die
Behörden zunächst keine Angaben. Militärsprecher Saman
Talabani hatte zuvor erklärt, Anwohner des Dorfes Mulla Eid in der
Nähe von Buhris, rund 60 Kilometer nördlich von Bagdad,
hätten den Leichenfund gemeldet. Seit dem Anschlag auf eine
schiitische Moschee in Samarra Ende Februar hat die Gewalt zwischen den
verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Irak zugenommen.
Führende US-Politiker haben die verschiedenen Volksgruppen im Irak
am Wochenende eindringlich dazu aufgefordert, ihre Streitigkeiten bei
der Bildung einer Regierung beizulegen und die Gewalt im Land zu
beenden. Die Geduld der US-Bürger sei bald erschöpft, lautete
die Botschaft die der US-Delegation unter Leitung von Senator John
McCain.
«Wir brauchen so schnell wie möglich eine Regierung der
nationalen Einheit», sagte McCain nach Treffen mit dem irakischen
Präsidenten Dschalal Talabani und Ministerpräsident Ibrahim al
Dschaafari. «Wir alle wissen, dass die Umfragen eine
zurückgehende Unterstützung unter den amerikanischen
Bürgern zeigen», fügte der Senator auch mit Blick auf
die Kongresswahlen in den USA im November hinzu. Ganz ähnlich
äusserte sich auch der demokratische Senator Russell Feingold, der
aber auch offen seine Sorge ansprach, dass eine anhaltende Präsenz
der US-Truppen im Irak den Konflikt nur verlängern werde. Dadurch
könne der falsche Eindruck entstehen, dass die USA das Land besetzt
hielten, «was natürlich nicht wahr ist».
Die Verhandlungen zur Regierungsbildung im Irak kommen aber nicht
voran. Am Samstag endete die sechse Runde von Gesprächen seit der
Parlamentswahl am 15. Dezember ohne Ergebnis. Kompliziert ist die Lage
auch deshalb, weil sich Talabani, der Kurde ist, mit Sunniten und
weltlich orientierten politischen Gruppen verbündet hat, um eine
weitere Amtszeit des Schiiten al Dschaafari zu verhindern.
US-Botschafter Zalmay Khalilzad, der versucht bei der Regierungsbildung
im Irak zu vermitteln, erklärte, die vielleicht grösste
Herausforderung liege derzeit in der Gewalt durch die verschiedenen
Milizen. Ihren Kämpfen fielen inzwischen mehr Menschen zum Opfer
als den Anschlägen von Terroristen. Die Unruhen drohten «den
Irak zu zerreissen», warnte Khalilzad.
Die Arabische Liga will bei ihrem Jahresgipfel ab Dienstag in der
sudanesischen Hauptstadt Khartum auf eine zügige Regierungsbildung
im Irak dringen, um so einen schnelleren Abzug der multinationalen
Truppen zu ermöglichen. In einem der Nachrichtenagentur AFP
vorliegenden Resolutionsentwurf ist von der "Notwendigkeit" die Rede,
die Bildung einer irakischen Regierung der nationalen Einheit zu
forcieren. Eine Regierung der nationalen Einheit werde zur Sicherheit
und Stabilität im Irak beitragen, die Einheit des Landes bewahren
und den Abzug der multinationalen Truppen beschleunigen. Bleibt es bei
dem Resolutionsentwurf, wäre es das erste Mal seit der Entmachtung
der irakischen Führung im Jahr 2003, dass die arabischen
Ländern einen Abzug der ausländischen Truppen fordern.
Grossbritannien wird nach Ansicht von Premierminister Tony Blair die
Zahl seiner Soldaten im Irak reduzieren können. Die irakische
Regierung entwickele derzeit die Kapazitäten ihrer
Sicherheitskräfte weiter, sagte Blair am Montag in Australien. Im
gleichen Masse könne Grossbritannien seine Truppen abziehen. Einen
Zeitrahmen für den Abzug wollte er nicht nennen.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 27.03.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertzweiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.27.03.05 - Zwei US-Soldaten bei Selbstmordanschlag in Bagdad getötet. Seit
Beginn des Irak-Kriegs sind mindestens 1523 US-Soldaten
getötet worden +++ Irakische Soldaten nehmen 121 Verdächtige
fest +++ Massenausbruch irakischer Häftlinge verhindert...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0503270.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Olmert will Grenzen Israels nach Beratungen mit USA festlegen
Mo.27.03.06 - Zwei Tage vor der Parlamentswahl in Israel hat der
geschäftsführende Ministerpräsident Ehud Olmert
erklärt, den künftigen Grenzverlauf des Landes mit den USA und
der internationalen Gemeinschaft besprechen zu wollen.
Erst wenn die Grenz-Frage geregelt sei, könne ein einseitiger
Abzug aus dem Westjordanland zur Debatte stehen, sagte Olmert am Sonntag
im israelischen Radio. "Wir wollen Israels Grenzen auf Dauer
festlegen." Der Verlauf werde im Falle eines Wahlsieges seiner neuen
Partei Kadima zunächst intern besprochen, danach aber auch mit den
USA und anderen Staaten. "Ich glaube, dass es in den USA und anderswo
große Offenheit gibt, diesen Punkten zuzuhören und sie zu
diskutieren", sagte er.
Die Parlamentswahl am Dienstag wird teilweise als Referendum über
Olmerts Plan gesehen, bis 2010 den Grenzverlauf festzulegen. Demnach
würde Israel einige isolierte Siedlungen im Westjordanland
auflösen, größere Siedlungsblöcke dagegen
stärken. Aus palästinensischer Sicht ist der Plan das Ende
aller Hoffnungen auf einen lebensfähigen Staat mit einer wenigstens
einigermaßen zusammenhängenden Fläche. Olmert rechnet
nicht damit, dass es mit den neu in die palästinensische Regierung
gewählten Hamas-Extremisten eine Zusammenarbeit geben kann. Die
Hamas hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben.
(Quelle: rtr)
Landraub mit Ansage
Wahlen in Israel. Kadima-Partei geht mit dem Plan einer neuen Grenze
auf Kosten palästinensischen Territoriums auf Stimmenfang... Mehr
in der Tageszeitung 'junge Welt' vom 28.03.06:
http://www.jungewelt.de/2006/03-28/067.php
Marokkanischer König bietet Autonomie für West-Sahara an
Mo.27.03.06 - Im Konflikt um die West-Sahara hat der marokkanische König
Mohammed VI. den dortigen Rebellen eine Autonomie-Regelung angeboten.
Zugleich betonte er, die 1975 annektierte Region müsse Teil
Marokkos bleiben. «Wir werden nicht einmal einen Meter unserer
geliebten Wüste aufgeben», sagte Mohammed VI. am Samstag
während seines vierten Besuchs in der West-Sahara.
Ein Team aus Politik- und Wirtschaftsexperten sowie Stammesführern
solle eine umfassende Studie zu einer möglichen Autonomie-Regelung
erarbeiten, erklärte der König. Marokkanische Diplomaten
wollen den Vereinten Nationen im April einen Plan vorlegen, wonach den
Einwohnern der West-Sahara eine eigene Verwaltung gestattet ist, sie
aber weiter unter marokkanischer Herrschaft leben. Die Rebellen der
Organisation Polisario haben ein solches Vorhaben bereits abgelehnt.
Die Polisario-Rebellen führen seit 1975 einen Wüstenkrieg um
die Unabhängigkeit der an Bodenschätzen reichen West-Sahara.
Unter Vermittlung der Vereinten Nationen wurde 1991 ein Waffenstillstand
geschlossen, die Situation ist aber weiter ungeklärt. Ein
geplantes Referendum über den Status der Region scheiterte bislang
am Streit darüber, ob auch die aus Marokko in die West-Sahara
gezogenen Siedler stimmberechtigt sein sollen.
(Quelle: ap)
Erneut protestieren Tausende in Bangkok gegen Regierung
Mo.27.03.06 - Aus Protest gegen den thailändischen Ministerpräsidenten
Thaksin Shinwatra sind am Sonntag erneut tausende Menschen in der
Hauptstadt Bangkok auf die Straße gegangen. Etwa 4000
Demonstranten zogen vom Nationalstadion zum größten
Einkaufszentrum der Hauptstadt und forderten den Rücktritt des
Ministerpräsidenten. "Thaksin ist der schlechteste
Ministerpräsident aller Zeiten", sagte der Medienmogul und einstige
Verbündete des Regierungschefs, Sondhi Limthongkul, vor der Menge.
Mehr als 1300 Polizisten waren während der Demonstration im
Einsatz. Rund um das Einkaufszentrum kam der Verkehr zum Erliegen.
Bereits am Samstag waren in Bangkok nach Polizeiangaben rund 100.000
Menschen auf die Straße gezogen, die Proteste dauerten die ganze
Nacht an. Gleichzeitig versammelten sich rund 30.000 buddhistische
Mönche und tausende Pilger nahe des Regierungssitzes und beteten
für Frieden und die nationale Einheit.
Thaksin ist wegen seines autokratischen Führungsstils in der
Kritik. Die Protestwelle hatte begonnen, nachdem Thaksins Familie im
Januar für steuerfreie 1,9 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro)
ihre Anteile an dem Telekommunikationsriesen Shin Corp an eine Holding
der Regierung Singapurs verkauft hatte. Thaksins Gegner kritisieren,
dass die Familie durch Ausnutzung eines gesetzlichen Schlupfloches
Steuerfreiheit erlangte.
(Quelle: afp)
Venezuela: Chavez will Truppen auf 'Widerstandskrieg' gegen die USA
vorbereiten
Mo.27.03.06 - Der venezolanische Präsident Hugo Chavez will die
Streitkräfte seines Landes auf einen möglichen Krieg gegen
die Vereinigten Staaten vorbereiten. Die Soldaten müssten das
Konzept des «asymmetrischen Krieges» beherrschen, bei dem
Guerilla-Taktiken eingesetzt werden, um einen stärkeren Gegner zu
bezwingen, sagte Chavez am Sonntag. Er warnte US-Präsident George
W. Bush vor einem Angriff auf Venezuela.
«Er würde ins Gras beissen», erklärte Chavez.
«Wir sind bereit, dieses Land mit allen Mitteln zu
verteidigen.» Die neue Strategie der Streitkräfte müsse
sich an den Helden der Revolution orientieren, die das Land einst von
spanischer Herrschaft befreit hätten. Er erinnerte daran, wie der
kubanische Präsident Fidel Castro einst die US-Truppen aus der
Schweinebucht vertrieb. «Fidel Castro ist ein Meister des
Widerstandskrieges», sagte Chavez. Die USA haben Anschuldigen des
venezolanischen Präsidenten, sie planten einen Angriff auf das
Land, wiederholt zurückgewiesen.
(Quelle: ap)
Ukraine: Wahlnachfrage sieht Ex-Präsident Janukowitschs Partei vorn
Mo.27.03.06 - Bei der Parlamentswahl in der Ukraine ist die oppositionelle Partei der
Regionen offenbar stärkste Kraft geworden. Die russlandfreundliche
Partei von Ex-Ministerpräsidenten Viktor Janukowitsch komme auf
33,3 Prozent der Stimmen. Das teilte das renommierte Rasumkow-Zentrum
nach Schließung der Wahllokale in Kiew mit. Zweitstärkste
Partei wurde der Block Julia Timoschenko der Ex-
Ministerpräsidentin mit 22,7 Prozent. Unsere Ukraine von
Präsident Viktor Juschtschenko kam demnach mit 13,5 Prozent nur
auf Rang drei.
Die zerstrittenen Führer der orangen Revolution,
Staatspräsident Juschtschenko und die ehemalige
Ministerpräsidentin Timoschenko, vereinbarten wieder eine
gemeinsame Regierung.
(Quellen: dpa, br-Radionachrichten)
Spanien: Zapatero hat nach eigenen Worten Friedensplan für
Baskenland
Mo.27.03.06 - Der spanische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero will
die unbefristete Waffenruhe der baskischen Untergrundorganisation ETA in
einen dauerhaften Frieden weiter entwickeln. Dafür habe er einen
Dreipunkteplan, für dessen Umsetzung er die Unterstützung
aller spanischen Parteien benötige, sagte der sozialistische
Politiker am Sonntag in einem Interview der Zeitung «El
País». Mehrere tausend Menschen beteiligten sich am
Wochenende in Pamplona an einer Kundgebung «für eine
demokratische Lösung» des jahrzehntelangen Konflikts um das
Baskenland.
Zapatero sagte, seine drei Kernpunkte seien: «Erstens sicher zu
stellen, dass dies das Ende jeglicher Gewalt ist. Zweitens, Politik wird
einzig nach demokratischen Regeln gemacht und schliesslich die
langwierigste Aufgabe: die Wiederherstellung der sozialen Koexistenz in
der baskischen Region.»
Zapatero versicherte, er wolle aus dem Waffenstillstand der ETA kein
politisches Kapital mit einer vorgezogenen Parlamentswahl schlagen.
«Es wäre ein Akt völliger Verantwortungslosigkeit, einen
Wahlvorgang inmitten dieser, sagen wir mal, historischen Situation
einzuführen» sagte er. In den vergangenen Monaten habe er
sich mit dem britischen Premierminister Tony Blair und dem irischen
Ministerpräsident Bertie Ahern über deren Erfahrungen bei der
Lösung des Nordirland-Konflikts ausgetauscht. «Es gibt drei
entscheidende Schlussfolgerungen aus der irischen Erfahrung»,
erklärte Zapatero. «Erstens: diskret arbeiten,
verlässliche Verbindungen herstellen und nicht versuchen, alles
mit einem Schlag zu lösen.»
Ein Führer der verbotenen baskischen Partei Batasuna, Pernando
Barrena, erklärte auf der Kundgebung in Pamplona, der
Friedensprozess sei nicht mehr aufzuhalten. Die Demonstranten schwenkten
rot-grün-weisse baskische Flaggen, zu Zusammenstössen kam es
im Gegensatz zu früheren Demonstrationen nicht. Auch
Bereitschaftspolizei war nicht zu sehen.
«Wir stehen vor einem wichtigen historischen Moment, einem nicht
mehr aufzuhaltenden Prozess, der zur Lösung des Konflikt
führen wird», sagte Barrena der Nachrichtenagentur AP. Den
Menschen auf der Kundgebung erklärte er am Samstag, die baskischen
Nationalisten stünden nun vor der Aufgabe, die ETA mit einer
politischen Offensive für Frieden und das Recht auf
Selbstbestimmung zu unterstützen.
Die ETA hatte am Mittwoch eine unbefristete Waffenruhe ausgerufen, die
am Freitag in Kraft trat. Zapatero sagte danach, sollte die ETA die
Bedingung der völligen Gewaltlosigkeit erfüllen, werde er im
Parlament die Aufnahme von Friedensgesprächen noch vor der
Sommerpause beantragen.
(Quelle: ap)
Frankreich: Kampf um Arbeitsreform - Villepin macht Zugeständnisse
Mo.27.03.06 - Im Konflikt um die Arbeitsrechtsreform in Frankreich ist
Premierminister Dominique de Villepin am Samstag erstmals spürbar
auf die Reformgegner zugegangen. Er wünsche «eine schnelle
Lösung im Dialog» über die am meisten kritisierte
zweijährige Probezeit für Berufsanfänger und die
Möglichkeit zur Entlassung ohne Begründung, sagte Villepin
Studentenvertretern.
Wer nach dem neuen Recht entlassen werde, solle drei Monate Ausbildung
vom Staat finanziert bekommen. Außerdem solle nachgeprüft
werden, ob das neue Gesetz wie gewünscht Fristverträge und
Praktika ersetze oder Dauerarbeitsverträge.
Zuvor hatte Villepins politischer Rivale Innenminister Nicolas Sarkozy
im Namen der Regierungspartei UMP zum Kompromiss aufgerufen. Ein
Kompromiss wäre «mutig und nützlich» für
Frankreich, sagte der UMP-Chef. «Niemand geht als Sieger aus
dieser Lage ohne Diskussion und Kompromiss hervor.» Die
Gewerkschaften wollten nach einem gescheiterten Gespräch mit
Villepin erst wieder mit dem Regierungschef reden, wenn er das Gesetz
zurückzieht. So weit ging Villepin am Samstag nicht.
Die Reform erlaubt Arbeitgebern, Berufsanfänger unter 26 Jahren in
den ersten zwei Jahren jederzeit ohne Begründung zu entlassen.
Sarkozy kritisierte dies mit den Worten: «Man löst
gesellschaftliche Blockaden nicht mit einer Politik, die auf diese oder
jene Kategorie der Franzosen zielt, die sich dann stigmatisiert
fühlt und sich widersetzt.» Der Unternehmerverband MEDEF
warnte Villepin vor einem Bruch mit der jungen Generation und
erklärte, der Konflikt gefährde die Wirtschaft und das
Sozialgefüge Frankreichs.
Für Dienstag planen die Gewerkschaften Streiks in den Verkehrs-,
Versorgungs- und Medienbetrieben. Bei 135 Kundgebungen wollen sie dabei
mehr Ordner einsetzen, weil sich zunehmend gewalttätige Banden aus
den Vorstädten unter die Demonstranten mischen. Am Donnerstag
hatten 1000 solcher Schläger in Paris Polizisten wie Demonstranten
attackiert, Schüler ausgeraubt und Autos demoliert. Ein Demonstrant
liegt seitdem auf der Intensivstation. Ein Gewerkschafter, der am 18.
März bei einer Kundgebung offenbar von Polizisten niedergeschlagen
worden war, lag am Samstag weiter im Koma.
In Saint-Denis bei Paris wurden bei einer Schülerkundgebung am
Freitag sechs Geschäfte geplündert. Festnahmen gab es nicht;
die linksliberale Partei PRG forderte, das Verhalten der Polizei im
Parlament zu untersuchen. Sarkozy versprach ein härteres
Durchgreifen. Er sei «als Innenminister beunruhigt»
über die Gefährdung der Schüler und Studenten durch
Gewalttäter.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Ministerpräsidenten durch Landtagswahlen gestärkt
Mo.27.03.06 - Aus den gestrigen Landtagswahlen in drei Bundesländern sind
jeweils die Parteien der Ministerpräsidenten gestärkt
hervorgegangen.
In Rheinland-Pfalz erreichten die Sozialdemokraten unter
Ministerpräsident Beck 45,6 Prozent, ihr bestes Landesergebnis
seit dem Zweiten Weltkrieg. Die SPD könnte nun allein regieren,
doch hat Beck bereits gestern angekündigt, er werde mit dem
bisherigen Koalitionspartner FDP Gespräche über eine weitere
Zusammenarbeit führen. Die CDU rutschte auf 32,8 Prozent ab,
Spitzenkandidat Böhr trat als Landes- und Fraktionschef
zurück. Die FDP verbesserte sich leicht auf acht Prozent. Die
Grünen verpassten mit 4,6 Prozent den Wiedereinzug in den Landtag.
In Sachsen-Anhalt konnte sich die CDU als stärkste Kraft
behaupten. Wegen der deutlichen Verluste der FDP muss sich aber einen
neuen Koalitionspartner suchen. In Magdeburg scheint nun alles auf eine
große Koalition zuzulaufen, obwohl es rein rechnerisch auch
für eine Koalition zwischen SPD und der Linkspartei.PDS reichen
würde. Das vorläufige amtliche Endergebnis in Magdeburg: CDU
36,2 Prozent, Linkspartei.PDS 24,1 Prozent, SPD 21,4 Prozent, FDP 6,7
Prozent - die Liberalen büßten in Sachsen-Anhalt fast die
Hälfte aller Wählerstimmen ein, Grüne 3,6 Prozent. Die
rechtsextreme DVU verpasste den Einzug ins Parlament.
In Baden-Württemberg verfehlten die Christdemokraten von
Ministerpräsident Oettinger mit 44,2 Prozent der Stimmen nur knapp
die absolute Mehrheit. Sie wollen das Bündnis mit der FDP
fortsetzen, die sich auf 10,7 verbesserte. Die Sozialdemokraten mit
ihrer Spitzenkandidatin Vogt musste deutliche Verluste hinnehmen: Sie
verloren acht Prozentpunkte und erreichten nur noch 25,2 Prozent. Die
Grünen verbesserten sich auf 11,7 Prozent. Die WASG scheiterte
ebenso wie in Rheinland-Pfalz an der Fünf-Prozent-Hürde.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Merkel und CSU streiten über EU-Beitritt von Rumänien und
Bulgarien
Mo.27.03.06 - Der bevorstehende EU-Beitritt von Rumänien und Bulgarien sorgt
für Streit zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der
CSU-Spitze. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer lehnt das Vorhaben der
Kanzlerin ab, den Gesetzesentwurf zur Ratifizierung des Beitritts der
beiden Länder schon am 5. April im Bundeskabinett zu
beschließen, berichtet das Nachrichtenmagazin «Der
Spiegel».
Dieser Termin läge noch vor der Präsentation des
Fortschrittsberichts der EU-Kommission Mitte Mai. «Ich halte einen
Kabinettsbeschluss über die Ratifizierung vor dem Vorliegen des
Fortschrittsberichts für falsch», sagte Ramsauer dem
«Spiegel». Auch der CSU-Europapolitiker Thomas Silberhorn
warnte vor einer schnellen Entscheidung im Kabinett. «Wir
müssen wenigstens abwarten, ob die von uns selbst aufgestellten
Beitrittskriterien eingehalten werden. Wir können nicht einfach
beide Augen zudrücken», sagte er.
(Quelle: ddp)
Umweltminister Gabriel sieht Chancen für grüne Gentechnik
Mo.27.03.06 - Die schwarz-rote Bundesregierung will die grüne Gentechnik
vorantreiben. «Chancen für die Landwirtschaft, den
Umweltschutz und die Verbraucher sollen genutzt und die weitere
Erforschung gefördert werden», sagte Bundesumweltminister
Sigmar Gabriel (SPD) dem Nachrichtenmagazin «Focus». Gabriel
knüpft daran jedoch Bedingungen. «Es muss eine klare
Kennzeichnung vor allem der Nahrungsmittel geben, damit der Verbraucher
selbst entscheiden kann, ob er gentechnisch veränderte Lebensmittel
konsumieren will oder nicht», betonte der Minister.
Außerdem dürften Landwirte, die nicht mit Gentechnik arbeiten
wollen, weder behindert noch beeinträchtigt werden.
Unterstützung bekommt der Umweltminister vom Koalitionspartner.
Die Beauftragte für Verbraucherpolitik der Unions-Fraktion, Julia
Klöckner (CDU), will die «grüne Gentechnik nicht mit
aller Gewalt, aber mit Vernunft» vorantreiben. Sie sagte dem
Magazin, Forschung und Anwendung seien auch ethisch geboten, da die
künftige Ernährung der Weltbevölkerung eine große
Rolle spiele.
Die SPD-Bundestagsfraktion will den neuen Kurs allerdings noch nicht
mitgehen. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber warnte vor den Risiken:
«Wenn wir auf Gentechnik setzen, nehmen wir für relativ
geringe Erfolge eine große Gefährdung in Kauf. Wir haben im
Koalitionsvertrag einer Erleichterung bei der Gentechnik zugestimmt,
aber das heißt nicht, wir machen jetzt jedes Halligalli
mit», sagte er dem «Focus».
(Quelle: ddp)