Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertachtunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Selbstmordattentäter tötet 40 Armeefreiwillige. 16 Mitarbeiter einer
irakischen Firma entführt. Irakische Streitkräfte und US-Armee
machen sich gegenseitig für Angriff verantwortlich, bei dem am
Sonntag 16 Schiiten getötet worden waren. Leichen von neun
Erwürgten gefunden
Di.28.03.06 - Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Rekrutierungszentrum der
irakischen Armee sind in der Provinz Mossul am Montag mindestens 40
Menschen getötet und 20 weitere verletzt worden. Nach Angaben der
Sicherheitsbehörden handelt es sich bei den Toten überwiegend
um Rekruten.
Der Anschlag auf die Rekruten wurde auf dem Militärstützpunkt
Tamarat verübt, der sich 60 Kilometer westlich von Mossul bei Tall
Afar befindet. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. In
den vergangenen Monaten waren wiederholt Anschläge mit dutzenden
Toten auf Rekrutierungszentren der irakischen Sicherheitskräfte
verübt worden.
In Bagdad sind 16 Angestellte eines irakischen
Import-Export-Unternehmens entführt worden. Bewaffnete
hätten am Montagmorgen die Firma El Said im Stadtteil El Mansur
gestürmt und die 16 Angestellten verschleppt, verlautete aus dem
irakischen Innenministerium. Vor knapp drei Wochen waren 33 Mitarbeiter
eines privaten irakischen Sicherheitsdienstes von Männern in
Militäruniformen entführt worden. Bisher bekannte sich niemand
zu der Tat und über das Schicksal der Geiseln wurde nichts bekannt.
Auf einem Platz im Westen Bagdads, wo sonst Gebrauchtwagen gehandelt
werden, wurden die Leichen von neun Erwürgten gefunden. Damit
wurden innerhalb einer Woche im Irak die Leichen von mindestens 130
Menschen gefunden, die planmäßig ermordet worden waren.
Unterdessen machten sich die irakischen Streitkräfte und die
US-Armee gegenseitig für einen Angriff verantwortlich, bei dem am
Sonntag in Bagdad 16 Schiiten getötet worden waren.
Die US-Armee teilte mit, "irakische Anti-Terror-Einheiten" hätten
den Angriff auf die Schiiten im Nordwesten Bagdads am Sonntag
ausgeführt. Bei dem Angriff wurden nach US-Angaben 18 Menschen
festgenommen. Zudem sei ein Waffenlager mit 32 Schnellfeuergewehren,
neun Granaten und zwei Raketenwerfen ausgehoben worden. Darüber
hinaus sei eine irakische Geisel befreit worden. Die US-Armee habe
lediglich als Berater für den Einsatz gedient. Vertreter der
irakischen Regierung und Augenzeugen sagten jedoch, der Einsatz sei von
US-Einheiten ausgeführt worden.
Die regierende Schiitisch-Islamistische Allianz sprach am Montag von
kaltblütigem Mord und forderte die US-Armee auf, die Verantwortung
für die Sicherheit der irakischen Regierung zu übertragen.
"Zum Abendgebet am Sonntag drangen amerikanische Soldaten in Begleitung
irakischer Truppen in die Mustafa-Moschee ein und töteten 37
Menschen", sagte der Minister für nationale Sicherheit, Abd
al-Karim al-Ensi. Damit bekräftigte er die Vorwürfe des
militanten schiitischen Geistlichen Moktada al-Sadr, dessen Sprecher
zuvor von einem Massaker an Unbewaffneten gesprochen hatte. "Wir haben
schon oft gesagt, dass die amerikanischen Truppen in Sicherheitsfragen
große Fehler begangen haben", sagte Rida Jauad al-Takki von der
schiitischen Allianz. Der Einsatz in der Moschee sei von irakischen
Soldaten unter US-Kommando ausgeführt worden.
Das US-Verteidigungsministerium verwahrte sich gegen die Beschuldigung.
"Soweit ich weiß, wurden im Rahmen dieser Operation keine
Moscheen gestürmt", sagte Bryan Whitman, ein hochrangiger
Vertreter des Ministeriums, am Montag. Bei dem Einsatz am Sonntag seien
Soldaten der US-Armee beteiligt gewesen. Allerding machte der Sprecher
keine Angaben dazu, welche Funktion die US-Soldaten hatten.
Präsident Dschalai Talabani kündigte die Einsetzung eines
Ausschusses mit irakischen und US-Vertretern an, der unter seinem
Vorsitz den Vorfall klären solle.
(Quellen: afp, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 28.03.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertdreiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.28.03.05 - US-General Abizaid: Zahl ausländischer Rebellen im Irak steigt +++
Sieben Iraker bei Durchsuchungen in der Umgebung Kerbalas erschossen +++
Sieben weitere Menschen fallen Anschlägen zum Opfer +++ Hochrangiger
Kurdenpolitiker überlebt Attentat +++ Irakische Geisel ermordet +++
Anschlag auf Ölpipeline nahe Kirkuk +++ GIs misshandelten nicht nur in
Abu Ghraib Gefangene...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0503280.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Moussaoui gibt Beteiligung an 11.September-Anschlägen zu
Di.28.03.06 - Der in den USA wegen Terrorismus vor Gericht stehende Franzose Zacarias
Moussaoui hat mit neuen Bekenntnissen verblüfft: Entgegen seiner
früheren Aussagen behauptete der 37-Jährige, doch für die
Anschläge des 11. September 2001 eingeplant gewesen zu sein. Der
Chef des El-Kaida-Terrornetzwerks, Osama bin Laden, habe ihm den
Auftrag erteilt, an jenem Tag ein Flugzeug in das Weiße Haus zu
fliegen, sagte Moussaoui in seinem Prozess in Alexandria bei Washington.
Er gab auch zu Protokoll, dass zu seinem Kommando der Brite Richard
Reid gehören sollte, der als "Schuhbomber" bekannt geworden ist und
eine lebenslange Haftstrafe abbüßt. Moussaoui machte keinen
Hehl daraus, dass er sich über die Anschläge vom 11.
September freute.
Die neuen Geständnisse des marokkanischstämmigen Franzosen
stellen für seine Verteidiger eine erhebliche Erschwernis in ihren
Bemühungen daran, die Jury davon zu überzeugen, dass Moussaoui
nicht die Todesstrafe, sondern lediglich lebenslange Haft verdient.
Zwar hatte Moussaoui schon früher zugegeben, für einen
Angriff auf das Weiße Haus vorgesehen gewesen zu sein. Nach
dieser früheren Aussage sollte er den Anschlag aber nicht am 11.
September, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt ausführen.
Moussaoui hatte allerdings schon früher gestanden, in das
9/11-Komplott eingeweiht gewesen zu sein.
Der Franzose sagte nun aus, der Anschlag auf das Weiße Haus
sollte neben ihm und Reid noch von weiteren Attentätern
ausgeführt werden, die aber noch nicht ausgewählt gewesen
seien. Moussaoui war bereits drei Wochen vor den Anschlägen vom 11.
September festgenommen worden, weil er in einer Pilotenschule im
US-Bundesstaat Minnesota als verdächtig aufgefallen war. Reid wurde
am 22. Dezember des selben Jahres festgenommen, nachdem er in einem
Flug von Paris nach Miami Sprengstoff in seinen Schuhen eingeschmuggelt
und diesen zu entzünden verursacht hatte. Moussaoui wie Reid
hatten früher im Londoner Einwandererviertel Brixton in
islamisch-fundamentalistischen Kreisen verkehrt.
Im Kreuzverhör durch Staatsanwalt Spencer bestätigte
Moussaoui außerdem, nach seiner Festnahme im August 2001 in den
Verhören gelogen zu haben, damit die 9/11-Hijacker nicht
rechtzeitig aufgespürt würden. "Der Grund, warum Sie
Lügen erzählt haben, war, dass Sie einen Fortgang der
Operation ermöglichen wollten?", fragte Spencer. Moussaoui
entgegnete darauf: "Das ist korrekt." Der Franzose sagte auch, er habe
sich gefreut, als er im Gefängnis von dem Tod von rund 3000
Menschen bei den Anschlägen in New York und Washington erfahren
habe.
(Quelle: afp)
Skepsis in Sachen '11. September'
US-Wissenschaftler hinterfragen die offizielle Darstellung des Angriffs
auf die New Yorker Zwillingstürme... Mehr in 'junge Welt' vom
02.02.06:
http://www.jungewelt.de/2006/02-02/037.php
"Der Preis war eine nationale Tragödie"
Ein FBI-Agent kommt al-Qaida auf die Schliche - doch die Chefs
vereiteln jede Strafverfolgung
Eigentlich war Special Agent Harry Samit Zeuge der Anklage. Eigentlich
sollten seine Aussagen die Jury davon überzeugen, dass Zacarias
Mouswui den Tod verdient hat. Dass der schwärzeste Tag in der
jüngsten Geschichte Amerikas, dass die Anschläge nm 11.
September 2001 mit seinen fast 3000 Toten hätte abgewendet werden
können wenn Moussaoui nur ausgepackt hätte. Wenn er alles
Harry Samit, der ihn in Minneapolis Wochen vor dem Anschlag
festgenommen hatte, gestanden hätte. Wenn er gesagt hätte,
dass auf seinem Laptop Telefon-Nummern von AI-Qaida-Leuten gespeichert
waren Wenn er ihm die Tapetenmesser gezeigt hätte, die er gekauft
hatte, um sie in ein Flugzeug zu schmuggeln.
Doch vor dem District Court in Alexandria in Virginia, wo es für
Moussaoui um Leben oder Tod geht, kam es jetzt ganz anders. Im
Kreuzverhör musste Samit zugeben, dass keineswegs nur das
Schweigen des Angeklagten Maßnahmen gegen die Pläne der
Islamisten ver hindert hatte, wie die zentrale These der Anklage
lautet. Es waren vielmehr Samits Vorgesetzte, die seine Warnungen vor
diesem merkwürdigen, leicht durchgeknallt wirkenden
Verdächtigen in den Wind schlugen. "Sie glaubten also, dass ein
Terroranschlag bevorsteht, und Sie wurden daran gehindert, dem
nachzugehen, nicht wahr?", fragte Moussaouis Verteidiger Edward
MacMahon den Zeugen der Anklage etwas maliziös. "Yes, Sir", konnte
Harry Samit da nur antworten. Denn er hatte ja geschworen, nur die
Wahrheit zu sagen, und nichts als die Wahrheit. Und zu der gehört
es, dass Samits Warnungen vor einem drohenden Anschlag mit Flugzeugen
heruntergespielt, bewusst missverstanden oder ignoriert wurden.
Samits Aussagen sind bereits der zweite Rückschlag für die
Anklage, die in dem bisher einzigen Verfahren in den USA im
Zusammenhang mit dem 11. September unbedingt ein Todesurteil
durchsetzen will. Vergangene Woche war der Prozess fast geplatzt, weil
eine Anwältin des Verkehrsministeriums versucht hatte, Zeugen im
Sinne der Anklagevertretung zu beeinflussen. Diese Zeugen dürfen
jetzt nicht mehr aussagen, der Anwältin droht ein Verfahren.
Moussaoui war im August 2001 festgenommen worden, nachdem er in einer
Flugschule den Verdacht seiner Lehrer erregt hatte: Er hatte nur
Flugmanöver lernen wollen, nicht aber Starts und Landungen.
Die Details von Samits Aussagen sind teilweise erschütternd. Er
musste auf Befragen des Verteidigers einräumen, dass er seinen
Vorgesetzten im Washingtoner Hauptquartier des FBI "kriminelle
Fahrlässigkeit" vorgeworfen hat. Er hatte sie bedrängt, einen
Durchsuchungsbefehl für Moussaouis Wohnung zu erwirken. Seine
Chefs aber lehnten ab, weil sie fürchteten, dass der
Terrorverdacht ihres Kollegen im Mittleren Westen sich als Hirngespinst
herausstellt und sie dann Schwierigkeiten bekommen würden. Samits
direkter Vorgesetzter schrieb zurück, dass "er nicht zulassen
wird, dass ihm so etwas passiert" . Sprich, er wolle sich nicht die
Karriere ruinieren lassen.
Samit hatte auch der damals bereits existierenden Soko bin Laden des
FBI eine Mail geschickt. Die Antwort kam erst, nach den
Anschlägen. Von FBIAgenten in Frankreich hatte Samit zuvor in
Erfahrung gebracht, dass Moussaoui für eine Islamisten-Truppe in
Tschetschenien mit Verbindungen zu Osama bin Laden rekrutiert hatte,
Den Hinweis strichen seine Vorgesetzten aus den Akten. Noch am 10.
September, dem Tag vor den Anschlägen, hatte Samit versucht, eine
Durchsuchungserlaubnis zu bekommen - vergeblich. Ans Licht kamen jetzt
auch Samits Aussagen zu einem Sonderermittler des Justizministeriums,
die bisher unter Verschluss waren. Darin hatte er seine Vorgesetzten
beschuldigt, mit ihrer Weigerung, seinem Verdacht nachzugehen, "ein
kalkuliertes Risiko" eingegangen zu sein. Samit: "Der Preis war eine
nationale Tragödie."
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 22.03.2006
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Rumsfeld äußert Selbstkritik
Di.28.03.06 - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat sich ungewohnt
selbstkritisch geäußert. In Schulnoten ausgedrückt
würden die USA im weltweiten Kampf der Ideen gegen den islamischen
Extremismus höchstens eine Vier oder eine Vier Plus verdienen,
sagte er beim Besuch eines Armee-Colleges im Bundesstaat Pennsylvania.
Das US-Schulnotensystem kennt nur die Noten eins bis fünf. Bisher
habe sein Land noch nicht das richtige Rezept gefunden, meinte Rumsfeld.
(Quelle: dpa)
Proteste in Afghanistan gegen Entscheidung zu Freilassung Rahmans
Di.28.03.06 - In Afghanistan haben am Montag hunderte Menschen gegen die Entscheidung
der Justiz protestiert, den zum Christentum übergetretenen Abdul
Rahman freizulassen. An einer Kundgebung in Masar-i-Scharif nahmen nach
Polizeiangaben rund 700 Demonstranten teil, darunter islamische
Geistliche. Sie riefen «Tod Bush» und andere antiwestliche
Parolen sowie «Tod den Christen». Die Sicherheitskräfte
griffen nicht ein, nach zwei Stunden zogen die Demonstranten wieder ab.
Rahman bat unterdessen um Asyl im Ausland, wie ein UN-Sprecher in Kabul
mitteilte. «Wir erwarten, dass dies von einem der Staaten
gewährt wird, die an einer friedlichen Lösung dieses Falls
interessiert sind», sagte UN-Sprecher Adrian Edwards. Der
stellvertretende afghanische Generalstaatsanwalt Mohammed Eshak Aloko
hatte zuvor erklärt, dass eine ärztliche Untersuchung
über den geistigen Zustand Rahmans eingeleitet worden sei. Sollte
geistige Unzurechnungsfähigkeit diagnostiziert werden, sei eine
psychologische Behandlung im Ausland möglich.
Mehrere westliche Staaten, darunter auch Deutschland, hatten das
Verfahren gegen den vom Islam zum Christentum übergetretenen Rahman
kritisiert. Ein afghanisches Gericht ordnete daraufhin nach
Justizangaben vom Sonntag an, den 41-Jährigen aus Mangel an
Beweisen bald freizulassen. Wann Rahman freikommen wird, konnte die
Regierung in Kabul am Montag aber noch nicht sagen.
Bei einer Verurteilung hätte Rahman wegen Abtrünnigkeit vom
Islam die Todesstrafe gedroht. Doch auch bei seiner Entlassung wäre
Rahman in Gefahr, da mehrere Geistliche angedroht haben, zu seiner
Ermordung aufzurufen. Wegen Todesdrohungen von Mithäftlingen war
er am Freitag aus einem überfüllten
Untersuchungsgefängnis in eine Hochsicherheitsanlage bei Kabul
verlegt worden. «Er wirkt sehr ruhig, allerdings sagt er immer
noch, er höre Stimmen», erklärte ein
Gefängnisaufseher der Hochsicherheitsanlage. Er habe eine Bibel
verlangt, die jedoch in dem Gefängnis nicht aufzutreiben gewesen
sei.
Rahman, der viele Jahre in Deutschland lebte, war vor 16 Jahren vom
Islam zum Christentum übergetreten. Das kann nach dem in
Afghanistan gültigen islamischen Recht mit dem Tode bestraft
werden. Der Fall stiess international auf scharfe Kritik, westliche
Regierungen setzten sich beim afghanischen Präsidenten Hamid Karsai
für Rahman ein.
(Quelle: ap)
Pakistan begrüsst indische Friedensinitiative
Di.28.03.06 - Pakistan hat am Montag die neue indische Friedensinitiative
begrüsst, aber zugleich die vorrangige Bedeutung einer Lösung
des Kaschmir-Konflikts betont. Eine Einigung über die Zukunft der
von beiden Ländern beanspruchten Himalaya-Region würde
«eine Ära der gutnachbarlichen Beziehungen» bringen und
zu einem Freundschaftsvertrag führen, erklärte eine
Sprecherin des Aussenministeriums in Islamabad.
Der indische Ministerpräsident Manmohan Singh hat dem Nachbarland
einen «Vertrag über Frieden, Sicherheit und
Freundschaft» angeboten. Er hat jedoch betont, dass beide Seiten
damit nicht bis zu einer Lösung des Kaschmir-Konflikts warten
sollten.
Die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan sind seit Jahrzehnten
gespannt. Seit der Unabhängigkeit 1947 führten die beiden
Nachbarländer drei Kriege gegeneinander, zwei davon um Kaschmir.
Seit Beginn der diplomatischen Annäherung im Januar 2004 hat sich
das Verhältnis der Atommächte allerdings deutlich verbessert.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hamas will Friedensgespräche mit Nahost-Quartett
Di.28.03.06 - Die radikal-islamische Hamas-Bewegung hat Friedensgespräche mit
dem Nahost-Quartett angeboten.
Der designierte palästinensische Ministerpräsident Ismail
Hanija sagte am Montag, seine Regierung werde zu Verhandlungen über
eine Lösung des Nahost-Konflikts bereit sein. Zum Nahost-Quartett
gehören Vertreter der Europäischen Union, der Vereinten
Nationen, der USA und Russlands. Hanija stellte im
palästinensischen Parlament das Regierungsprogramm der Hamas vor
und warb um das Vertrauen der Abgeordneten. Die bevorstehende Abstimmung
über die Regierung gilt als eine Formalität, denn nach ihrem
Wahlsieg im Januar verfügt die Hamas über die Mehrheit im
Parlament. Wann die Vertrauensabstimmung stattfindet, war unklar. Hanija
hat aber bereits angekündigt, sein Kabinett werde spätestens
am Mittwoch vereidigt.
Zugleich betonte Hanija laut Redetext, die Hamas werde sich
wirtschaftlichem Druck aus dem Westen nicht beugen. Mehrere westliche
Regierungen haben künftige Hilfszahlungen an die
palästinensische Autonomiebehörde in Frage gestellt, sollte
die Hamas ihre radikale Haltung nicht ändern.
(Quelle: rtr)
Unsicherheit auf beiden Seiten
Israel und die radikalislamische Hamas haben Schwierigkeiten, sich in
der neuen politischen Realität zurechtzufinden... Mehr bei
telepolis vom 27.03.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22330/1.html
Mindestens neun Tote bei Bombenanschlag auf Philippine
Di.28.03.06 - Bei einem Bombenanschlag im Süden der Philippinen sind mindestens
neun Menschen getötet worden. 20 Menschen wurden laut Polizei
verletzt, als der Sprengsatz in einem Geschäft auf der Insel Jolo
explodierte. Die Bombe war in einer Tasche deponiert. Über die
Hintergründe des Anschlages ist noch nichts bekannt. Kurz nach der
Explosion sei ein Verdächtiger festgenommen worden, sagte ein
Polizeisprecher. Jolo ist eine Hochburg der militanten Muslimgruppe Abu
Sayyaf, die mit Entführungen und Anschlägen von sich Reden
macht.
(Quelle: dpa)
Japan erwägt Weltraumnutzung für militärische Ziele
Di.28.03.06 - Japan zieht eine künftig stärkere militärische Nutzung
seiner Weltraumprogramme in Betracht. Ein Ausschuss der regierenden
Liberaldemokratischen Partei bereitet derzeit einen entsprechenden
Gesetzentwurf vor, wie ein Sprecher des Gremiums am Montag
erklärte. Vorgesehen sei, den Weltraum künftig auch zu Zwecken
der Selbstverteidigung nutzen zu können. Mit dem Entwurf wird
Mitte des Jahres gerechnet. Mit einer Parlamentsresolution hat Japan
sich 1969 zu einer Nutzung des Weltraums zu ausschliesslich friedlichen
Zwecken verpflichtet. Nach Spannungen mit Nordkorea schoss Japan 2003
aber seine ersten Spionage-Satelliten ins All.
(Quelle: ap)
EU startet Internet-Forum über Zukunft Europas
Di.28.03.06 - Die EU-Kommission hat im Internet ein Diskussionsforum gestartet, in
dem sich Bürger zur Zukunft Europas äussern können. Das
Forum [http://europa.eu.int/debateeurope/]
soll zur Reflexionsphase beitragen, die sich die EU-Staaten nach dem
Nein der Franzosen und Niederländer zur europäischen
Verfassung verordnet haben, wie die zuständige Kommissarin Margot
Wallström am Montag in Brüssel mitteilte. «Wir
möchten wissen, was Sie sich für Europa erhoffen und was
Ihnen als Europäer Sorge bereitet», wandte sich
Wallström an die Bürger. Die EU-Staats- und Regierungschefs
wollen im Juni entscheiden, wie die Verfassung doch noch gerettet
werden könnte. Einfliessen soll darin eine generelle Debatte
über die Zukunft Europas und mit Blick auf die zunehmende Skepsis
der Bevölkerung vor neuen Erweiterungen auch über die Grenzen
Europas.
(Quelle: ap)
Frankreich: Innenminister Sarkozy fordert tief greifende Reform der
Sozialsysteme
Kritik an Vorgehen Villepins bei Arbeitsmarktreform
Di.28.03.06 - Einen Tag vor den geplanten Streiks gegen die Arbeitsmarktreform der
französischen Regierung hat Innenminister Sarkozy sich am Montag
für eine grundlegende Reform des Sozialsystems ausgesprochen. Bei
einer öffentlichen Veranstaltung in Douai in Nordwestfrankreich
sagte der Vorsitzende der Regierungspartei UMP, dem französischen
Sozialstaatsmodell gehe die Luft aus. Zugleich kritisierte er das
Vorgehen von Premierminister Dominique de Villepin im Streit über
die Lockerung des Kündigungsschutzes.
«Man kann standhaft sein, ohne starr zu sein, zuhören, ohne
seine Überzeugungen aufzugeben, versöhnlich sein, ohne
schwach zu sein», sagte Sarkozy offenbar in Anspielung auf
Villepins Weigerung, das umstrittene Gesetz über eine
zweijährige Probezeit für Berufseinsteiger unter 26
zurückzunehmen. «Man muss den Geist des Kompromisses
wiederfinden, wo ein jeder bereit ist, dem anderen einen Schritt weit
entgegen zu kommen, um eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen. Das
müsste der Leitfaden guten Regierungshandelns sein.»
Sarkozy und Villepin sind Rivalen, beide gelten als Anwärter auf
das Präsidentenamt. Aus Sarkozys Umfeld verlautete am Montag, sein
Auftritt in Douai sei eine Art erste Wahlkampfkundgebung. Rund 3.000
Zuhörer verfolgten Sarkozys Rede auf dem Messegelände von
Douai.
(Quelle: ap)
Deutschland
Große Koalition kündigt Reformschub an
Di.28.03.06 - Nach den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und
Sachsen-Anhalt haben Union und SPD einen Reformschub im Bund
angekündigt. Unter anderem die Themen Gesundheitsreform,
Bürokatieabbau, Energiepolitik und Familienpolitik würden
jetzt "engagiert" auf die Tagesordnung gesetzt, kündigte
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin an. In
Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt kündigten die
CDU-Wahlsieger Gespräche mit der FDP beziehungsweise der SPD an.
In Rheinland-Pfalz zeichnet sich eine SPD-Alleinregierung ab.
Die Wahlergebnisse seien auch Bestätigung der bisherigen Arbeit
der großen Koalition in Berlin und gleichzeitig eine Ermutigung
für die zukünftige Arbeit, sagte Merkel nach einer
CDU-Präsidiumssitzung. Sie kündigte an, den Stil des
"sachlichen, konsequenten Vorgehens" fortsetzen zu wollen. Es
stünden "harte Arbeitswochen bevor". Auch CSU-Chef Edmund Stoiber
bewertete in München das Ergebnis der Wahlen als Vertrauensbeweis
der Wähler in die große Koalition.
SPD-Chef Matthias Platzeck sagte, die Bundesregierung sei jetzt
gefordert, die anstehenden Aufgaben anzupacken. Als vorrangiges Thema
nannte er die Gesundheitsreform. Nach Ansicht von Grünen-Chef
Reinhard Bütikofer beginnt für Merkel jetzt "die Phase der
Wahrheit".
Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther
Oettinger (CDU) sagte in Berlin, er werde in den nächsten Wochen
mit der FDP über eine Koalition verhandeln. Die CDU hatte 44,2
Prozent der Stimmen bekommen und knapp die absolute Mehrheit verpasst.
Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) strebt nach der Wahl
in Sachsen-Anhalt eine große Koalition an. Er werde "ganz
konkret" mit der SPD Gespräche aufnehmen, sagte er in Berlin. Die
CDU war auf 36,2 Prozent gekommen. Die FDP erzielte nur noch 6,7
Prozent. Die Linkspartei, die mit 24,1 Prozent der Stimmen das
zweitstärkste Ergebnis erzielt hatte, will mit der SPD dennoch
Gespräche über eine rot-rote Koalition führen. Die SPD,
die mit 21,4 Prozent drittstärkste Kraft wurde, lehnt dies jedoch
ab.
In Rheinland-Pfalz rechnet Justizminister Herbert Mertin (FDP) nicht
mit einer Fortführung der sozialliberalen Koalition. Die SPD von
Ministerpräsident Kurt Beck erzielte mit 45,6 Prozent der Stimmen
die absolute Mehrheit. Die CDU kam auf 32,8 Prozent, die FDP auf acht
Prozent.
(Quelle: afp)
Nach Wahlen Streit über schlechte Beteiligung
Di.28.03.06 - Nach den Landtagswahlen haben sich Politiker von Koalition und
Opposition in Berlin gegenseitig für die schlechte Wahlbeteiligung
verantwortlich gemacht. Die schwarz-rote Koalition im Bund erzeuge den
Eindruck, dass die Probleme nun im Konsens gelöst würden,
sagte FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt im Deutschlandradio. Sie habe
eine Art öffentliche Wohlfühlpolitik entwickelt.
Ähnlich äußerte sich die stellvertretende Vorsitzende
der Linkspartei, Katja Kipping, in der ARD. "Die Leute sind nicht zur
Wahl gegangen, weil sie das Gefühl haben, es wird ohnehin alles
über ihre Köpfe hinweg entschieden", sagte sie.
Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im
Bundestag, Norbert Röttgen, wies diesen Vorwurf zurück. "Man
kann nicht nur sagen, dass die große Koalition zu weniger
Polarisierung führt. Wir haben auch eine schwache Opposition",
sagte er im Deutschlandradio. Sie habe es bisher nicht geschafft,
irgendeinen Akkzent zu setzen. Dies drücke sich in der
Wahlbeteiligung aus.
Die Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt hatte am Sonntag mit 44,4 Prozent
einen historischen Tiefstand erreicht. Auch in Baden-Württemberg
und Rheinland-Pfalz war die Beteiligung geringer als bei den vorherigen
Landtagswahlen.
(Quelle: afp)
SPD nennt Bedingungen für Gesundheitskompromiss
Di.28.03.06 - Vor den ersten Spitzengesprächen der Koalition zur
Gesundheitsreform hat die SPD Bedingungen für einen
Gesundheitskompromiss gestellt. Dazu zähle ein Nein zur
Kopfpauschale, sagte SPD-Chef Matthias Platzeck in Berlin. Für
Wirbel sorgen angebliche Unionspläne für einen
"Gesundheits-Soli", den alle Erwerbstätigen zusätzlich zum
Beitrag zahlen sollten. Am Abend will Merkel mit Gesundheitsministerin
Ulla Schmidt (SPD) über die Reform sprechen.
Platzeck sagte, die Gesundheitsreform werde "beherrschendes Thema der
nächsten Tage und Wochen" werden. Ziel sei "kein Flickwerk,
sondern eine grundlegende Reform" mit dem Ziel einer solidarischen
Gesundheitsversicherung. An ihrem Nein zur von der CDU/CSU angestrebten
"Kopfpauschale" halte die SPD dabei fest. Zudem werde die SPD "in dem
Prozess und beim Ergebnis keine massiven Leistungskürzungen
zulassen". Sinnvoll sei aber beispielsweise eine engere Verzahnung von
ambulanter und stationärer Versorgung, wie es sie bereits
früher in Ostdeutschland gegeben habe. "Jetzt kommt man da langsam
wieder hin."
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief zu einer "Stabilisierung" der
Lohnzusatzkosten auf. Dabei solle das solidarische Gesundheitssystem
"eher auf eine breite als auf eine geringere" Basis gestellt werden,
sagte die Kanzlerin in Berlin. Der Wettbewerb im Gesundheitswesen solle
gestärkt werden. Ess gehe jetzt darum, in diesem Jahr
Grundsatzfragen zu entscheiden, die nicht jedes Jahr neu verhandelt
werden müssen.
Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung planen CDU und CSU, dass alle
Bürger künftig ein bis zwei Prozent von ihrem Bruttoeinkommen
zusätzlich für die Gesundheit abführen sollen. Die
geplanten Einnahmen von rund 15 Milliarden Euro pro Jahr sollten zur
Finanzierung der Gesundheitskosten aller Kinder, auch von
Privatversicherten, eingesetzt werden. Im Gegenzug könnten die
Krankenkassenbeiträge von derzeit durchschnittlich 13,3 auf rund
zwölf Prozent sinken, was aber die Mehrbelastung durch den "Soli"
nicht ausgleichen würde.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte n-tv, der
"Gesundheits-Soli" sei "in den Gremien der CDU bisher nicht beraten
worden". Aufgeschlossen für ein solches Modell zeigte sich
Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger
(CDU). SPD-Fraktionschef Peter Struck äußerte sich dagegen
skeptisch.
(Quelle: afp)
3000 Klinikärzte im Streik
Di.28.03.06 - Die Streiks der Klinikärzte für 30 Prozent mehr Gehalt und
bessere Arbeitsbedingungen dauern an. An elf Unikliniken in
Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und
Bayern traten nach Angaben der Ärztegewerkschaft Marburger Bund am
Montag insgesamt 3000 Mediziner in den Ausstand. Die Streiks sollen in
den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Für Mittwoch ist ein
Sondierungsgespräch zwischen Marburger Bund und Tarifgemeinschaft
deutscher Länder (TdL) anberaumt.
Gestreikt wurde unter anderem an den Unikliniken Köln, Essen und
Düsseldorf. In Mainz standen mehrere Streik-Aktionen auf dem
Programm, darunter eine symbolische Auswanderung. Die Mediziner wollten
dazu am Mittag den Rhein überqueren und nach Hessen auswandern. An
allen bestreikten Kliniken ist nach Angaben des Marburger Bundes die
Notfallversorgung der Patienten gewährleistet.
Die Ärztestreiks sollen heute fortgesetzt werden. So sollen
Ärzte an den Unikliniken Heidelberg, Freiburg, Tübingen, Ulm,
Düsseldorf, Köln, Münster, Essen, München und
Erlangen ihre Arbeit einstellen. Arbeitsniederlegungen wird es
darüber hinaus an den psychiatrischen Landeskrankenhäusern
Calw und Wiesloch sowie am Zentralinstitut für Seelische
Gesundheit in Mannheim geben.
An den Unikliniken in Aachen, Essen und Münster sollen bis
Mittwoch jeweils mehrere hundert Ärzte nach einem rotierenden
System für einen Tag ihre Arbeit niederlegen. An diesen
Streikorten werden Aktionen wie Blutspenden für Ärzte,
Kardio-Checks auf öffentlichen Plätzen oder Erste-Hilfe-Kurse
für Passanten angeboten.
Auch das nicht-ärztliche Personal hat seine Streiks in
Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bayern und im Saarland fortgesetzt.
In mehreren Bundesländern streikte zudem Personal an
Landeskrankenhäusern. In Nordrhein-Westfalen legten nach Angaben
der Gewerkschaft ver.di Teile der Mitarbeiter an den Kliniken in
Münster, Bonn, Aachen, Düsseldorf, Köln und Essen ihre
Arbeit nieder. Der Arbeitskampf dauert seit Mitte Februar an.
ver.di fordert für das nicht-ärztliche Personal die
Übernahme des Tarifvertrags, der seit Oktober vergangenen Jahres
an den kommunalen Krankenhäusern gilt. Darin ist die
38,5-Stunden-Woche abgesichert.
(Quelle: ddp)
Verhandlungen ergebnislos
Di.28.03.06 - Die Verhandlungen zwischen der Ärztegewerkschaft Marburger Bund
und den kommunalen Arbeitgebern sind am Montag in Frankfurt am Main
ergebnislos zu Ende gegangen. Der Marburger Bund bestehe auf einem
eigenständigen Tarifvertrag und lehne die im vergangenen Herbst
abgeschlossene Vereinbarung zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft
ver.di und der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA)
ab, sagte der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft, Frank Ulrich
Montgomery. Diese würde den rund 70 000 Ärzten an den zirka
700 kommunalen Krankenhäusern massive Gehaltseinbußen
bescheren. Bei der nächsten Verhandlungsrunde am 11. April in
Köln erwarte der Marburger Bund eindeutige Signale der Arbeitgeber
für einen zügigen Abschluss.
Zugleich warnte Montgomery die VKA vor einer Verzögerungstaktik
bei den Tarifverhandlungen. Diesen Fehler habe bereits die
Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) bei den Verhandlungen mit den
Universitätsärzten begangen. Die Folge seien massive
Ärztestreiks an den Universitätskliniken. Auch für die
kommunalen Krankenhäuser schließe der Marburger Bund solche
Aktionen nicht mehr aus.
Der Marburger Bund fordert unter anderem 30 Prozent mehr Gehalt
für die Ärzte.
(Quelle: ddp)
Jobverluste im Osten zehn Mal höher als im Westen
Di.28.03.06 - Ostdeutschland hat zwischen 1993 und 2001 mehr als zehn Mal so viele
Arbeitsplätze verloren wie der Westen. In den neuen Ländern
gingen in diesem Zeitraum pro Jahr durchschnittlich 2,5 Prozent
sozialversicherungspflichtige Stellen verloren.
In den alten Ländern seien es lediglich 0,2 Prozent gewesen, wie
aus einer in Nürnberg veröffentlichten Studie des Instituts
für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht. Allerdings
sei auch im Westen die Entwicklung regional höchst unterschiedlich
verlaufen, betont das zur Bundesagentur für Arbeit (BA)
gehörende Institut. So hätten Bayern und das Saarland im
Untersuchungszeitraum geringfügige Beschäftigungszuwächse
verzeichnet, während das Schlusslicht Bremen von 1993 bis 2001 pro
Jahr einen Prozent Normalarbeitsplätze mit Versicherungspflicht
verloren habe.
Auf der Ebene der Landkreise musste das ostdeutsche Bitterfeld den
bundesweit größten Jobverlust verkraften; pro Jahr seien hier
im Durchschnitt 8,15 Prozent Stellen verloren gegangen. Dagegen seien im
oberbayerischen Landkreis Freising mit der «Jobmaschine»
Münchner Flughafen pro Jahr 2,7 Prozent Arbeitsplätze
entstanden. In Westdeutschland hält Gelsenkirchen beim Jobverlust
den Rekord: Hier seien im Schnitt drei Prozent Jobs pro Jahr weg
gefallen.
Positiv auf den Arbeitsmarkt einer Region wirken sich nach
IAB-Erkenntnissen gute Standortbedingungen, eine günstige
Branchenzusammensetzung, mittlere Betriebsgrößen und eine
gute Ausbildung der Beschäftigten aus. Wachstumsimpulse kämen
in der Regel vom Dienstleistungssektor, wie dem Gesundheits- und
Sozialwesen, dem Freizeitbereich, der Softwareentwicklung,
Ingenieurbüros, der Forschung, Unternehmensberatung, Markt- und
Meinungsforschung sowie Werbung. Regionen mit den größten
Jobverlusten zeichneten sich durch eine hohe Anzahl von
Großbetrieben und ein hohes Lohnniveau aus.
(Quelle: dpa)
Linkspartei schlägt Pau als Bundestagsvize vor
Di.28.03.06 - Fünf Monate nach der dramatischen Niederlage ihres Parteichefs
Lothar Bisky bei der Wahl zum Bundestagsvizepräsidenten hat die
Linksfraktion mit ihrer stellvertretenden Vorsitzenden Petra Pau doch
wieder eine Kandidatur für das Amt angemeldet. Bisky selbst habe
die 42-Jährige vorgeschlagen.
Das sagte Fraktionschef Oskar Lafontaine am Montag in Berlin. Pau wurde
einstimmig nominiert. «Die Linke» hatte den ihr zustehenden
Posten aus Protest gegen das in der Geschichte des Bundestags
beispiellose Scheitern Biskys zunächst unbesetzt gelassen. Paus
Nominierung ist überraschend, da sie der Fraktion nach Ansicht von
Abgeordneten als profilierte innenpolitische Expertin fehlen werde.
Der 64-jährige Bisky war im November auch im vierten Anlauf
gescheitert - nachdem die Linksfraktion die Kandidaten der anderen
Fraktionen mitgewählt hatte. Zur Begründung hatten Kritiker
mitunter angegeben, ein Parteivorsitzender solle nicht zugleich
Bundestags- Vizepräsident sein. Linksfraktionschef Gregor Gysi
hatte dagegen gesagt, offensichtlich sei es nicht gewünscht, dass
eine Biografie wie die von Bisky, der der DDR kritisch, aber auch loyal
gegenüber gestanden habe, Deutschland repräsentiere.
Pau sagte am Montag, es gebe gute Gründe, nach diesem
«Affront» das Amt nicht mehr zu besetzen. Wenn der
Bundestag aber bereit dazu sei, wolle sie auf diesem Posten besonders
die Themen Demokratie und Bürgerrechte in den Vordergrund stellen.
Bereits für kommende Woche will die Linkspartei die Wahl
beantragen. Lafontaine appellierte an den «guten Willen»
der übrigen Bundestagsfraktionen, damit Pau nicht wie Bisky
durchfalle.
Ursprünglich wollte die Fraktion erst im Sommer eine Entscheidung
über die Kandidatur treffen. Schon früh war aber klar, dass
eine Frau aus Ostdeutschland kandidieren solle, die zudem deutlich
jünger als Bisky ist. Gysi hatte stets betont, das Vorschlagsrecht
habe allein Bisky. Die Vorläufer-Partei PDS hatte schon einmal
eine Frau im Bundestagspräsidium. 1998 war die damals
34-jährige Petra Bläss in das Amt gewählt worden.
Allerdings, so erinnert Gysi, habe auch diese Kandidatur damals bei
andern Fraktionen Widerspruch ausgelöst.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Röntgenfilm enträtselt Vogelgesang - Tiere singen wie Menschen
Di.28.03.06 - Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam hat Singvögel während
ihres Gesangs geröngt und damit das Geheimnis des Vogelgesangs
enträtselt: Die Tiere formen ihre Töne demnach ähnlich
wie Menschen in der Kehle und nicht wie bisher angenommen durch
unterschiedliche Öffnung des Schnabels.
Das berichten die Forscher um den deutschen Biologen Tobias Riede von
der Berliner Humboldt-Universität im US-Fachblatt
«Proceedings of the National Academy of Sciences». Der
Stimmapparat der kleinen Sänger zeichnet sich demnach - ebenso wie
der des Menschen - durch große Flexibilität aus. Die
Forscher machten Röntgenaufnahmen von Roten Kardinälen
(Cardinalis cardinalis). In den Röntgenfilmen ist zu sehen, dass
die Vögel ihre Stimmbänder beim Singen zyklisch dehnen. Diese
Bewegung pflanzt sich in den Rachen fort, drückt ihn leicht
zusammen und schafft dabei freien Raum, der die tieferen Töne
hergibt.
Dagegen waren Biologen bisher davon ausgegangen, dass der Stimmtrakt
von Vögeln starr ist und die kleinen Sänger ihre
Tonalität ausschließlich durch Veränderung ihrer
Schnabelöffnung erlangen. «Singvögel, die ihre Laute
genau wie Menschen erlernen, zeigen damit eine weitere Analogie zum
Menschen - die präzise Bewegungssteuerung, um in der Kehle
komplexe Laute zu erzeugen», merkte Riede dazu an.
(Quelle: dpa)