Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertdreiundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Forderung nach Rücktritt Dschaafaris aus Iraks Schiiten-Allianz.
Irakische Führung einigt sich auf Sicherheitsausschuss. Radikale
Gruppierung bekennt sich zu Hubschrauberabschuss im Irak
So.02.04.06 - Aus den Reihen der irakischen Schiitischen Allianz ist am Samstag
erstmals öffentlich die Forderung laut geworden, der amtierende
Ministerpräsident Ibrahim al-Dschaafari solle zurücktreten.
"Ich rufe Dschaafari auf, den mutigen Schritt zu gehen und ein Beispiel
zu setzen, indem er zurücktritt", sagte Kasim Daud, Mitglied einer
unabhängigen Gruppierung innerhalb der Allianz. Damit soll in die
festgefahrenen Bemühungen um die Bildung einer Regierung der
nationalen Einheit wieder Bewegung kommen.
Andere Vertreter der Allianz bestätigen, dass vier der sieben
wichtigsten Gruppen in der Allianz diese Forderung mittragen, falls es
Dschaafari nicht in kurzer Zeit gelingen sollte, die sunnitische und die
kurdische Minderheit für eine Regierung unter seiner Führung
zu gewinnen. Das gilt inzwischen als unwahrscheinlich.
"Wir haben 50 Tage hinter ihm gestanden. Heute sind wir zu der
Schlussfolgerung gelangt, dass es einen Ministerpräsidenten
für alle Iraker und nicht nur für eine Gruppe geben sollte",
sagte Daud. Diese Forderung wird nach den Worten eines anderen
Schiiten-Vertreters von mindestens 60 Prozent der Allianz
unterstützt. Dschaafari soll den Informationen zufolge nur noch
wenige Tage Zeit gegeben werden, um Sunniten, Kurden und Vertreter
weltlicher Iraker für sich zu gewinnen.
Bislang ist allerdings nicht klar, nach welchen Regeln ein neuer
Ministerpräsident bestimmt werden soll und wer der Kandidat sein
könnte.
Dschaafari wird vor allem vorgeworfen, die Gewalt im Irak nicht unter
Kontrolle gebracht zu haben, die den Golfstaat an den Rand eines
Bürgerkriegs gebracht hat.
Irakische Spitzenpolitiker haben sich derweil nach tagelangen
Verhandlungen auf einen Sicherheitsausschuss geeinigt, den der
Regierungschef leiten soll. Dem Ministerpräsidenten soll einer
seiner Stellvertreter zur Seite stehen, wie die irakische
Präsidentschaft am Samstag mitteilte. Die irakische Führung
einigte sich damit offenbar auf einen Kompromiss, nachdem die Schiiten
zunächst darauf bestanden hatten, dass der Regierungschef in dem
Ausschuss das Sagen haben solle. Die Sunniten dagegen hatten gefordert,
dass sich einer der stellvertretenden Ministerpräsidenten,
vorzugsweise ein Sunnit, um die Sicherheitsangelegenheiten kümmern
solle.
Eine radikalislamische Gruppierung im Irak hat sich dazu bekannt, einen
Hubschrauber der US-Armee abgeschossen zu haben. Kämpfer der Armee
von El Raschidin hätten den Helikopter am Samstag im Süden
der Hauptstadt Bagdad abgeschossen, teilte die radikale Gruppe im
Internet mit. Ob die Erklärung echt ist, war zunächst unklar.
Die US-Armee hatte zuvor mitgeteilt, dass bei einem Patrouillenflug
südwestlich von Bagdad ein Hubschrauber abgestürzt sei. Ob
die Mannschaft überlebte, war zunächst nicht bekannt. Am
vergangenen Sonntag hatte die Armee von El Raschidin eine Nachricht an
US-Präsident George W. Bush gerichtet und ihm empfohlen zuzugeben,
dass er den US-geführten Krieg im Irak gerade verliere.
(Quellen: rtr, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 02.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertachtundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.02.03.05 - Ausnahmezustand im Irak verlängert. Bei mehreren Anschlägen
kamen mindestens sechs Menschen ums Leben +++ Historisches
Minarett in Samarra bei Kämpfen schwer beschädigt +++
Pentagon-Studie kritisiert mangelnde Nachkriegsplanung für Irak +++
Keine Haftstrafe für US-Offizier nach Tötung eines Irakers...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0504020.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Innerpalästinensische Gewalt stellt Hamas-Regierung auf die Probe
So.02.04.06 - Nur drei Tage nach ihrer Amtseinführung steht die
Hamas-geführte Palästinenserregierung angesichts der Gewalt
zwischen radikalen Palästinensern vor einer Bewährungsprobe:
Regierungschef Ismail Hanija sprach von einer "gefährlichen"
Eskalation. Die Regierung werde das Chaos "mit Recht und Gesetz"
bekämpfen und die bewaffneten Zivilisten von der Straße
holen. Auch das Parlament rief zur Ruhe und Besonnenheit auf. Bei
Schießereien zwischen rivalisierenden Palästinensergruppen
waren am Freitag drei Menschen getötet und 36 verletzt worden.
Israel bombardierte erneut Ziele im Gazastreifen.
Hanija sprach von einer "Eskalation gegen das palästinensische
Volk", die sich auch gegen die neue Regierung richte. Die
internationale Gemeinschaft müsse sich angesichts der Gewalt in
die Verantwortung nehmen lassen. Die Palästinenserregierung kam am
Freitagabend zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.
Anhänger der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud
Abbas hatten sich am Freitag in Gaza bewaffnete Auseinandersetzungen
mit Mitgliedern der Komitees des Volkswiderstandes geliefert.
Vorausgegangen war der gewaltsame Tod des Anführers der
bewaffneten Gruppe Komitees des Volkswiderstandes, Abu Jussef el Guga.
Gugas Wagen war in Gaza von einer Raketen zerstört worden.
Die Komitees machten Israel, teils aber auch palästinensische
Sicherheitskräfte für den Tod Gugas verantwortlich. Die
Sicherheitskräfte werden von der Fatah dominiert. In Chan Junis im
Süden des Gazastreifens protestierten bewaffnete
Fatah-Anhänger gegen die Anschuldigungen der Komitees.
Vizeparlamentspräsident Ahmed Bahar warf Israel vor, Guga ermordet
zu haben. Israel hatte dies bereits am Freitag zurückgewiesen.
Die israelische Armee bombardierte in der Nacht und am Samstagmorgen
erneut Ziele im Norden des Gazastreifens. Die Artillerie habe auf
palästinensischen Raketenbeschuss reagiert, sagte eine
Militärsprecherin. Mutmaßliche Extremisten hätten zuvor
drei Raketen auf Israel abgefeuert. Schon in der Nacht habe die
israelische Luftwaffe Ziele im Norden des Gazastreifens attackiert.
Eine andere Sprecherin sagte, es seien unbewohnte Gebiete angegriffen
worden, um die Zivilbevölkerung zu schonen. Die Angriffe seien als
"deutliche Warnung" zu verstehen, dass Israel es nicht dulde, weiter
mit Raketen beschossen zu werden.
(Quelle: afp)
Brasilien, USA und EU verhandeln über WTO-Runde
So.02.04.06 - Unterhändler aus den USA, der Europäischen Union und
Brasilien suchen in Rio de Janeiro seit Freitag nach Möglichkeiten,
ein Scheitern der laufenden Handelsrunde der Welthandelsorganisation
(WTO) zu verhindern. An den bis gestern dauernden Verhandlungen nahmen
der brasilianische Außenminister Celso Amorim, der
EU-Handelskommissar Peter Mandelson, der US-Handelsbeauftragte Rob
Portman und WTO-Generaldirektor Pascal Lamy teil. Lamy forderte die USA,
die EU und Brasilien auf "sich zu bewegen". Falls die bis Ende April
angesetzte Frist für eine Einigung verpasst werde, entstünden
große Probleme für die 2001 im katarischen Doha begonnene
Welthandelsrunde, die bis zum 31. Dezember endgültig abgeschlossen
sein soll.
(Quelle: afp)
Globale Insel-Partnerschaft soll Biodiversität bewahren
Indonesien, Mikronesien, Palau, Grenada und Kiribati für
Naturschutz
So.02.04.06 - Erfolgreich ist die 8. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention
über biologische Vielfalt [http://www.biodiv.org] in Curitiba/Brasilien
für die Inselnationen zu Ende gegangen. Die Staats- und
Regierungschefs von Indonesien, Mikronesien, Palau, Grenada und Kiribati
haben die "Global Island Partnership" ins Leben gerufen. Diese soll
Flora und Fauna sowohl zu Land als auch zu Wasser unter Schutz stellen,
um die Bevölkerung vor Katastrophen zu schützen. 122
Umweltminister und über 4.000 Delegierte haben an der Konferenz
teilgenommen.
Auf den 100.000 Inseln der Erde leben mehr als 600 Millionen Menschen.
Sie machen ein Drittel aller Staaten der Welt aus. 16 Prozent der
Pflanzen- und mehr als die Hälfte aller tropischen Meereslebewesen
kommen in diesen Inselnationen vor. Ein Drittel aller Korallen sind
bereits schwer geschädigt, 60 Prozent aller Korallenriffe
könnten bis 2030 verloren sein. Erschütternd ist auch die
Bilanz der bereits ausgestorbenen Arten: Die Hälfte dieser war auf
Inseln heimisch. Unter Federführung des Präsidenten Tommy
Remengesau von Palau wurde die Diskussion um die Biodiversität in
Mikronesiens eingeleitet, das weite Teile von Kiribati zu einer
Schutzregion erklärte.
Palau ist mit 510 Quadratkilometern Größe und nur knapp
20.000 Einwohnern ein selbstständiger Staat in Mikronesien. Die
Unterwasserwelt Palaus gilt als eine der artenreichsten der Erde. In
Taucherkreisen gelten die Inseln als das Unterwasserparadies
schlechthin. In den Weiten des Pazifischen Ozeans leben 58 Prozent aller
Korallenspezies. Doch auch das Leben auf den Inseln selbst zeichnet sich
durch eine Vielzahl von seltenen und außergewöhnlichen Arten
aus. Im "Micronesia Challenge" werden neben der großen
Meeresfläche auch 20 Prozent der gesamten Waldflächen der
Inselregionen geschützt.
Ähnliche Zugeständnisse im Bereich Natur- und Umweltschutz
haben auch die beiden Staaten Indonesien und Grenada gemacht. Indonesien
mit einer Fläche von 1,9 Mio. Quadratkilometer besteht aus mehr als
13.600 Inseln. Diese Region gilt unter Biologen als "Hotspot der
Biodiversität". Dichter Regenwald mit zahlreichen endemischen Tier-
und Pflanzenarten bestimmen die Landesnatur. Indonesien liegt an der
Schnittstelle zweier großer Ozeane, dem Indischen und dem
Pazifischen. Australische Meeresbiologen haben erst vor wenigen Jahren
nördlich der australischen Küste das bisher artenreichste
Riffsystem entdeckt. Die kleine Karibik-Insel Grenada, die als neues
exklusives Touristenziel gilt, hat sich dem "Global Island Partnership"
angeschlossen. Grenadas Regierung will große Teile der
Küstennahen Gewässer unter Schutz stellen.
"Die Einrichtung von Schutzgebieten am Festland hat seit der Errichtung
des Yellowstone- Nationalparks vor mehr als 100 Jahren eine lange und
erfolgreiche Geschichte hinter sich. Mehr als elf Prozent der
Landfläche sind heute unter Schutz gestellt", so Ahmed Djoghlaf,
Executive Secretary der Konvention. Die Errichtung mariner Schutzzonen
sei aus verschiedenen Gründen hintan gestellt worden. "Weltweit ist
derzeit weniger als ein Prozent der gesamten Meeresfläche als
Nationalpark ausgewiesen. Die Tsunami-Tragödie vom Dezember 2004
hat aber deutlich gezeigt, wie wichtig ein gesundes Ökosystem
für alle Menschen ist."
(Quelle: pte)
Terminator: Gefahr gebannt?
Das Moratorium für steriles Gentech-Saatgut wird auf der
internationalen Konferenz zur Biodiversität vorerst nicht
aufgeweicht... Mehr bei telepolis vom 30.03.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22354/1.html
Neue Straßenschlachten in türkischen Kurdengebieten
So.02.04.06 - Im Südosten der Türkei ist es am Samstag erneut zu
Straßenschlachten zwischen Sicherheitskräften und kurdischen
Demonstranten gekommen. In der Stadt Kiziltepe nahe der syrischen
Grenze setzten die Beamten Tränengas ein und feuerten
Warnschüsses in die Luft, um die Proteste aufzulösen, wie die
Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Spezialkräfte wurden in der
Stadt stationiert. Auch in der Stadt Silopi an der irakischen Grenze
kam es zu Zusammenstößen. In Yüksekova weiter
östlich bewarfen Demonstranten die Polizei mit Steinen. Diese
gingen mit Wasserwerfern gegen die Menge vor.
Die Kämpfe hatten sich am Montag nach der Beisetzung von vier
Kämpfern der kurdischen Rebellengruppe PKK entzündet.
Zehntausende kurdische Demonstranten liefern sich seitdem
Straßenschlachten mit türkischen Sicherheitskräften.
Sieben Menschen starben, darunter drei Kinder. Die kurdische
Arbeiterpartei PKK hatte von 1984 bis 1999 gegen die türkische
Armee gekämpft; in dem Krieg starben fast 40.000 Menschen. Die
türkische Armee hatte unlängst neue Militäreinsätze
gegen die PKK im Südosten des Landes begonnen.
(Quelle: afp)
Nach Chirac-Rede: Regierung berät Änderungen an Arbeitsgesetz
So.02.04.06 - In Frankreich hat die konservative Regierung am Samstag in einer
Dringlichkeitssitzung über Änderungen des umstrittenen
Arbeitsmarktgesetzes beraten.
Präsident Jacques Chirac hatte am Vorabend in einer
Fernsehansprache das Gesetz gebilligt, zugleich aber
schnellstmöglich Änderungen in den Kernpunkten versprochen.
Für die Vertreter von Gewerkschaften und Studenten geht dies nicht
weit genug; sie kündigten weitere Proteste an. In ganz Frankreich
war es unmittelbar nach Chiracs Rede wieder zu vereinzelten
Protestaktionen gegen die Reform gekommen.
Die Regierung will mit dem Gesetz den Kündigungsschutz für
Berufsanfänger unter 26 Jahren in den ersten beiden Jahren
abschaffen und hofft dadurch, die hohe Jugendarbeitslosigkeit in den
Griff zu bekommen. Gegen die Reform sind mehr als eine Million Menschen
auf die Straße gegangen.
Regierungschef Dominique de Villepin beriet mit Innenminister Nicolas
Sarkozy sowie den Präsidenten der beiden Parlamentskammern in Paris
darüber, wie die von Chirac angekündigten Änderungen so
schnell wie möglich durch das Parlament gebracht werden
können. Beobachtern zufolge hat Chirac das Gesetz faktisch
für tot erklärt, als er Villepin damit beauftragte, umgehend
die Änderungen vorzunehmen. Nun soll der Kündigungsschutz nur
für das erste Jahr der Beschäftigung ausgehebelt werden statt
für zwei Jahre. Zudem muss der Arbeitgeber bei einer
Kündigung in diesem Zeitraum einen Grund angeben. Bislang sieht
das Gesetz vor, dass Arbeitgeber Berufsanfänger unter 26 Jahren in
den ersten beiden Jahren ohne Grund fristlos entlassen können.
Bernard Thibault von der Gewerkschaft CGT sagte: "Wir bleiben bei
unserem Aufruf zu Protesten." Der Präsident der
Studentenvereinigung Unef, Bruno Julliard, äußerte sich
ebenfalls ablehnend. "Wir sind heute Abend nicht überzeugter",
sagte er am Freitag.
Chirac hatte den Gewerkschaften, Studenten und Schülern zudem
einen "konstruktiven, gesellschaftlichen Dialog" angeboten, in dem
gemeinsam über Änderungen an dem Gesetz beraten werden solle.
Diese lehnten ab. "Heute ist 1. April, der Tag der Aprilscherze. Wenn es
nicht so ernst wäre, würde ich meinen, die Rede (Chiracs) sei
von heute", sagte Jean-Claude Mailly, Chef der Gewerkschaft Force
Ouvriere, dem Sender Europe 1.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Kündigungsschutz entzweit Union
So.02.04.06 - Die geplante Änderung beim Kündigungsschutz entzweit auch die
Union. Erstmals wurde am Samstag Kritik aus der Union an den
Forderungen aus den eigenen Reihen laut, den Kündigungsschutz
weiter zu lockern.
Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di verlangte ein gesetzliches
Verbot für betriebsbedingte Kündigungen bei Unternehmen, die
Gewinne machen. Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) hat die
geplante Novellierung wegen des Konflikts in der Koalition auf Eis
gelegt und will ihn am kommenden Mittwoch im Koalitionsausschuss zur
Sprache bringen.
Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist vereinbart, bei
Neueinstellungen die Probezeit auf 24 Monate ausdehnen zu können.
Im Gegenzug soll die Möglichkeit entfallen,
Arbeitsverhältnisse ohne sachlichen Grund auf zwei Jahre zu
befristen. Große Teile der Union dringen auf beide Optionen. Der
CDU-Wirtschaftsrat verlangt laut «Welt am Sonntag» in einem
internen Positionspapier, die Befristung von Arbeitsverträgen
sogar bis auf fünf Jahre auszudehnen. CSU- Generalsekretär
Markus Söder sagte der Berliner Zeitung «B.Z.»
(Sonntag): «Mehr Flexibilität beim Kündigungsschutz
bringt Arbeitsplätze.»
Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im
Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), und der CSU-Arbeitsmarktexperte
Stefan Müller warnten hingegen davor, die positiven Wirkungen
eines weiter gelockerten Kündigungsschutzes überzubewerten.
Dies werde keine «positive Revolution auf dem deutschen
Arbeitsmarkt auslösen», sagte Röttgen am Samstag im
RBB-Inforadio. Der Koalitionsvertrag sei «maßgeblich».
Für mehr Beschäftigung sind nach Ansicht Müllers andere
Prioritäten zu setzen. Der Obmann der Unionsfraktion im Arbeits-
und Sozialausschuss des Bundestages und Vize-Vorsitzender der CDU/CSU-
Arbeitnehmergruppe hält die hohen Lohnnebenkosten in Deutschland
für die entscheidende Beschäftigungsbremse. «Und da
sehe ich die große Koalition auf einem gutem Wege», sagte
er der dpa.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) mahnte
Müntefering, die vereinbarte Neuregelung des
Kündigungsschutzes umzusetzen. «Wir erwarten von Franz
Müntefering, dass er die Koalitionsvereinbarung einhält und
den Gesetzentwurf zur Verlängerung der Probezeit auf den Weg
bringt», sagte er der «Bild am Sonntag».
Zur ver.di-Forderung nach Ausweitung des Kündigungsschutzes in
profitablen Unternehmen sagte ver.di-Bundesvorstand Uwe Foullong der
Nachrichtenagentur dpa, es widerspreche den Prinzipien der sozialen
Marktwirtschaft, wenn Firmen «hohe Gewinne machen, gleichzeitig
Personal in großem Umfang abbauen und mit betriebsbedingten
Kündigungen drohen». Dagegen müsse die Regierung
tätig werden. CSU-Experte Müller wies die ver.di- Forderung
zurück und meldete verfassungsrechtliche Bedenken an.
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel forderte die große Koalition
auf, ihre Pläne zum Kündigungsschutz aufzugeben und die
aktuelle Regelung beizubehalten. «Es ist besser, befristet Arbeit
zu haben als unbefristet arbeitslos zu sein», sagte der
FDP-Politiker der «Berliner Zeitung» (Samstag).
(Quelle: dpa)
300 000 Vollzeitarbeiter verdienen unter ALG-II-Niveau
So.02.04.06 - In Deutschland arbeiten rund 300 000 Vollzeit-Beschäftigte unter
dem Niveau des Arbeitslosengeldes II (ALG II). Bundesarbeitsminister
Franz Müntefering (SPD) sagte der «Financial Times
Deutschland» (Online-Ausgabe vom Samstag): «Es gibt
schätzungsweise 300 000 Vollzeitjobber, die so wenig Geld bekommen,
dass sie es mit ALG II aufstocken.» Hinzu kämen mehrere
hunderttausend Menschen, die neben einem Teilzeit- oder Minijob
Arbeitslosengeld II bekommen.
In einigen Wirtschaftszweigen werden Tariflöhne von vier Euro die
Stunde und weniger gezahlt, was vor allem dann nicht reicht, wenn
mehrere Menschen in einer Familie davon leben müssen.
Müntefering sagte, er wolle das Thema in der anstehenden Diskussion
über existenzsichernde Löhne aufgreifen. Der Minister will
dazu im Herbst Vorschläge vorlegen.
(Quelle: ddp)
Öffentliche Arbeitgeber sparen laut Institut durch Streik Millionen
So.02.04.06 - Die seit Wochen andauernden Streiks im öffentlichen Dienst sind
für Länder und Kommunen finanziell ein Segen. Nach
Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln sparen
die öffentlichen Arbeitgeber jeden Monat einen zweistelligen
Millionenbetrag, weil sie die Streikenden nicht entlohnen müssen.
Bei rund 25 000 Streikenden pro Tag würden Länder und Kommunen
monatlich schätzungsweise um 70 Millionen Euro an Personalausgaben
entlastet, so das Institut.
(Quelle: dpa)
Koalition will alle Bürger in die Krankenversicherung bringen
So.02.04.06 - Menschen ohne Krankenversicherung sollen nach dem Willen der
großen Koalition wieder eine Absicherung im Gesundheitssystem
erhalten. Das kündigte Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) am
Samstag in der Online-Ausgabe der «Financial Times
Deutschland» an. «Jeder muss versichert sein. Nicht jeder
muss sich versichern können, sondern jeder muss versichert sein.
Das ist, glaube ich, nicht strittig», betonte der Sozialminister.
Bisher gibt es nach unterschiedlichen Schätzungen 150 000 bis 300
000 Menschen in Deutschland, die nicht krankenversichert sind. Dabei
handelt es sich unter anderem um frühere Privatversicherte, die
nach einer Pleite ihre Versicherung kündigen mussten.
Müntefering bewertete das jüngste Spitzentreffen der
Koalition zur Gesundheitsreform positiv. "Der Abend war ein guter erster
Aufschlag, weil alle Bedingungen des Gesundheitsmarktes besprochen
wurden, ohne dass sich jemand auf das eine oder andere Konzept
festgelegt hat«. Entscheidend sei, zunächst einmal Ziele zu
formulieren. Dann könne man »das mit den Instrumenten schon
etwas entspannter sehen«.
Die Runde sei sich auch einig gewesen, dass es ein qualitativ
erstklassiges und für alle Menschen erreichbares Gesundheitssystem
geben müsse. Zur künftigen Finanzierung des Systems, dem
größten Streitpunkt zwischen den Koalitionsparteien, habe es
noch keinerlei Festlegungen gegeben. Die Koalition wolle eine Reform,
die langfristig tragfähig sei.
Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Focus» wurde
bei der Spitzenrunde ein Kompromissmodell zwischen der von der SPD
vertretenen Bürgerversicherung und der Gesundheitsprämie der
Union erörtert. Das Modell sehe vor, die Beiträge von
Arbeitgebern und Arbeitgebern bei 6,0 oder 6,5 Prozent des
beitragspflichtigen Bruttolohns einzufrieren. Gleichzeitig könnte
der Sonderbeitrag von 0,9 Prozent, den die Arbeitnehmer heute für
Zahnersatz und Krankengeld bezahlen, in eine Prämie von rund 40
Euro umgewandelt werden. Für Geringverdiener sehe das Modell einen
Zuschuss aus Steuermitteln vor.
(Quelle: ddp)
Wirbel um Bürgschaft für Gasprom unter Schröder
So.02.04.06 - Eine noch von der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard
Schröder (SPD) eingefädelte Milliardenbürgschaft
für den russischen Energieriesen Gasprom sorgt für Wirbel:
Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte, dass der Staat die
Bürgschaft für einen Kredit in Höhe von einer Milliarde
Euro zum Bau der Ostsee-Pipeline durch Gasprom übernommen habe.
Politiker von CDU und FDP forderten eine umfassende Aufklärung.
Schröder selbst sagte im ZDF, er sei in die
Bürgschaftsentscheidung nicht eingebunden gewesen. Im übrigen
wolle Gasprom gar keinen Kredit.
Ein interministerieller Ausschuss unter Federführung des
Wirtschaftsministeriums und mit Beteiligung des Finanzministeriums, des
Auswärtigen Amts und des Entwicklungshilfeministeriums habe die
Garantie für den Kredit zum Bau der Ostsee-Pipeline am 24. Oktober
2005 gebilligt, bestätigte ein Sprecher des
Wirtschaftsministeriums. Damit verpflichtet sich der Staat
einzuspringen, wenn Gasprom den Kredit nicht zurückzahlen kann.
Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, anders als sonst üblich
hafte der Bund "sowohl für das politische als auch für das
wirtschaftliche Risiko".
Er habe von der Bürgschaftsentscheidung keine Kenntnis gehabt,
sagte Schröder dem ZDF. "Im Übrigen habe ich erfahren, dass
Gasprom einen Kredit gar nicht will und ein Angebot gar nicht
akzeptieren wird. Und wenn es keinen Kredit gibt, gibt es
natürlich auch keine Bürgschaft."
Dem Magazin "Focus" zufolge hat die staatliche Kreditanstalt für
Wiederaufbau (KfW) erst am Freitagabend aber die Auflage des Kredits
beschlossen, den sie für das erste Teilstück der
Ostsee-Pipeline gemeinsam mit der Deutschen Bank vergeben will.
Gasprom will demnach mit dem Geld den ersten Teil der Pipeline
finanzieren, der von Sibirien bis nach Sankt Petersburg verläuft;
von dort soll die Leitung unter der Ostsee weiter bis nach Greifswald
führen. Die Kosten dieser Zubringer-Pipeline werden laut "SZ" in
dem Papier mit vier bis fünf Milliarden Dollar (rund 3,4 bis 4,2
Milliarden Euro) beziffert.
Der frühere Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) wies Kritik
an der Bürgschaft zurück: "Die nachfolgenden Generationen
werden über diese Pipeline froh sein."
Die Grünen-Chefs Claudia Roth und Reinhard Bütikofer
forderten Schröder auf, seinen Posten als Aufsichtsratschef beim
Betreiberkonsortium für die Ostseepipline abzugeben. Der
niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU)
forderte: "Alle Umstände, die dazu geführt haben, müssen
restlos aufgeklärt werden." FDP-Chef Guido Westerwelle sagte:
"Diese Affäre stinkt zum Himmel."
(Quelle: afp)
Stichwort: Staatsbürgschaft
Die Staatsbürgschaft ist eine besondere Form der
Wirtschaftsförderung durch die öffentliche Hand: Der Staat
übernimmt die Garantie, dass ein Unternehmen oder dessen
Vertragspartner das erfüllt, was er unterschrieben hat: eine
Lieferung, die Bezahlung einer Rechnung oder die Rückzahlung eines
Kredits.
Falls der Kunde dann die Rechnung nicht begleicht oder der Schuldner
den Kredit nicht zurückzahlt, muss der Staat einspringen - und
damit der Steuerzahler.
Im Einzelnen gibt es Bundesbürgschaften, Bundesgarantien und die
Exportkredit-Versicherung. In der Außenwirtschaft tritt der Bund
in der Regel dann als Bürge auf, wenn es um die eine Absicherung
geht für wirtschaftliche und politischer Risiken deutscher
Exporteure oder Auslands-Investoren, die keine kommerzielle Versicherung
abdeckt.
Quelle: dpa, 02.04.2006
|
Unionsfraktion nennt Kernkraft 'unverzichtbar'
So.02.04.06 - Vor dem Energiegipfel am Montag im Kanzleramt fordert die
Unionsfraktion im Bundestag einen breiten Energiemix unter Einschluss
der Atomenergie. "Die Kernenergie bleibt als wettbewerbsfähiger
und CO2-freier Energieträger auf absehbare Zukunft unverzichtbar",
zitiert die "Welt am Sonntag" aus einem Papier, das auf der
Klausurtagung des Fraktionsvorstandes am Sonntag und Montag in Berlin
von Fraktionschef Volker Kauder (CDU) vorgestellt werden soll. Die
Kernenergie soll demnach noch so lange genutzt werden, bis andere
Energieträger Marktreife erlangt haben.
Kauder wehrte sich gegen die Darstellung, damit rücke die Fraktion
von ihrer gemeinsamen Linie mit der SPD ab. "Der im Koalitionsvertrag
vereinbarte Ausstiegsplan gilt", erklärte Kauder am Samstag.
"Dennoch gibt es kein Denkverbot, um Wege zu finden, wie man
Energiesicherheit und Energieversorgung in einem vernünftigen
Energiemix langfristig gewährleisten kann." SPD und Union hatten
im Koalitionsvertrag ein Festhalten an dem von rot-grün
beschlossenen Atomausstieg vereinbart.
Auch die Konzernchefs von RWE und BASF drängten vor dem Treffen im
Kanzleramt zu längeren Laufzeiten für die deutschen
Atomkraftwerke. Der Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers RWE,
Harry Roels, forderte in der "WamS" einen "breitgefächerten
Energiemix", zu dem neben Kohle, Gas und erneuerbaren Energien auch die
Atomkraft gehören sollten. Auch BASF-Chef Jürgen Hambrecht
sprach sich für längere Laufzeiten für die Atommeiler
aus.
(Quelle: afp)
Präsident des Bundesumweltamtes Troge gegen Ausstieg aus
Atomausstieg
So.02.04.06 - Der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, hat
Forderungen aus Industrie und Politik nach längeren Laufzeiten
für Kernkraftwerke eine klare Absage erteilt. Stattdessen machte
er sich für erneuerbare Energie sowie eine verstärkte Nutzung
der Kraft-Wärme-Kopplung stark. «Die Argumente für die
Atomenergie stechen nicht», sagte Troge am Samstag im SWR. Der
Ausstieg aus der Kernkraft sollte daher so stehen bleiben, wie er von
Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart worden sei.
Troge verwies auf das «besondere Risiko» der Kernkraft, das
auch langfristig gesehen werden müsse. Außerdem könnten
Atomreaktoren beim Klimaschutz nur deshalb als vergleichsweise sauber
gelten, weil Kohlekraftwerke zurzeit fast ausschließlich Strom
produzierten, ohne die gleichzeitig anfallende Wärme zu nutzen.
Troge plädierte für eine stärkere Nutzung der
Kraft-Wärme-Kopplung vor allem auf der Basis nachwachsender
Rohstoffe. Dann hätte Deutschland ein Energieversorgungssystem
ohne Strahlungsrisiken, das dem der Kernenergie in puncto
CO2-Intensität gleichwertig sei.
Mit Blick auf den Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine sagte
Troge, Deutschland könne daraus lernen, dass die Abhängigkeit
von ausländischen Importen sinke, wenn die Energie-Effizienz
verbessert sowie mehr auf heimische Rohstoffe gesetzt werde -
«und das sind praktisch ausschließlich regenerative
Energieträger».
Beim Energiegipfel am Montag bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
dürfe es nicht um einen neuen Energiemix gehen, sondern auch
darum, den Energieverbrauch zu reduzieren und Energie effizienter
einzusetzen. Außerdem forderte Troge die Politik auf, mehr
Wettbewerb auf den Energiemärkten zu ermöglichen. «Wir
werden dort, wo die Märkte offen sind, eher Preissenkungstendenzen
haben», sagte der Präsident des Umweltbundesamtes.
(Quelle: ddp)
Anti-Atomkraft-Initiativen fordern Ausstieg aus Kernenergie
So.02.04.06 - Kurz vor Beginn des Energiegipfels am Montag in Berlin fordern die
Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem Münsterland und dem Wendland
einen Ausstieg aus der Kernenergie. In einer am Samstag in Ahaus
verbreiteten Mitteilung der Initiativen heißt es, dem Ausbau der
erneuerbaren Energien müsse künftig «absolute
Priorität» eingeräumt werden. Nur so könnten
sowohl das Klima geschützt als auch ein Super-GAU im Atombereich
vermieden werden.
«Atomkraft ist eine gefährliche Energie von gestern. Sie ist
nicht beherrschbar, und die Entsorgung des Atommülls ist
völlig ungelöst», betonte Francis Althoff von der
Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg. «20 Jahre nach
Tschernobyl ist die Uhr für die Atomkraft endgültig
abgelaufen», ergänzte Felix Ruwe von der BI «Kein
Atommüll in Ahaus.»
Die Initiativen wandten sich entschieden gegen die Atomkraft und
verwiesen darauf, dass ebenso wie Kohle und Gas die Uranvorräte
nur begrenzt seien. Dafür seien die Gefahren der Atomenergie
«immens groß». Schon im Normalbetrieb strahlten
Atomkraftwerke und könnten Gesundheitsschäden verursachen.
Die Atomkraft könne deshalb keine Alternative zu den
klimaschädlichen fossilen Energieträgern darstellen.
(Quelle: ddp)
WASG-Mitglieder stimmen für Vereinigung mit Linkspartei
So.02.04.06 - Die Mitglieder der Partei "Wahlalternative Arbeit und Soziale
Gerechtigkeit" haben sich in einer Urabstimmung mit großer
Mehrheit für den Zusammenschluss mit der Linkspartei
ausgesprochen. 78,3 Prozent befürworteten demnach die Fusion, 19,4
waren dagegen. Zudem gab es einige Enthaltungen und ungültige
Stimmen. Die Beteiligung an der Urabstimmung war nicht sehr hoch. Nur
57 Prozent der rund 11.800 Mitglieder gaben ihre Stimmen ab. Die
Gründung einer neuen linken Partei ist nicht unmstritten. Die WASG
in Mecklenburg-Vorpommern hat bereits angekündigt, das Ergebnis
der Urabstimmung nicht anzuerkennen. Auch in Berlin will die WASG ohne
die Linkspartei bei der Wahl des Abgeordnetenhauses im Herbst antreten.
(Quelle: br-Radionachrichten)