Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertfünfundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Rice und Straw drängen in Bagdad vergeblich auf rasche
Regierungsbildung Bei neuen Anschlägen mindestens 27 Menschen
getötet
Di.04.04.06 - US-Außenministerin Condoleezza Rice und ihr britischer Kollege
Jack Straw haben bei ihren Gesprächen zur Regierungsbildung im
Irak keinen Durchbruch erzielt. Vor ihrer Abreise aus Bagdad
erhöhten die beiden Politiker den Druck auf die irakischen
Parteien. Rice drängte die Iraker, sich rasch auf eine "starke,
einigende Regierung" zu verständigen. Angesichts der Gewalt
könne sich das Land kein "politisches Vakuum" leisten, warnte
Straw.
Beide Politiker hatten sich nach ihrem überraschenden Eintreffen
in Bagdad am Sonntag in einer Serie von Gesprächen mit
schiitischen, sunnitischen und kurdischen Politikern bemüht, knapp
vier Monate nach der Parlamentswahl die Regierungsbildung zu
beschleunigen. Straw machte keinen Hehl aus seiner Ungeduld: "Wir
erkennen an, dass Koalitionsgespräche Zeit brauchen, aber das hier
ist einfach zuviel", sagte er. Den Vorwurf der Einmischung wies er
unter Verweis auf die mehr als 2000 im Irak getöteten Soldaten aus
den USA und Großbritannien zurück.
Straw und Rice wahrten Distanz zum derzeitigen Amtsinhaber Ibrahim el
Dschaafari. Der künftige Regierungschef müsse ein Politiker
sein, "der Stabilität durchsetzen kann und sich den
Herausforderungen für das irakische Volk stellt", sagte Rice. Sie
sehe es allerdings nicht als ihre Verantwortung an, "zu entscheiden,
wer der nächste Ministerpräsident des Irak wird".
Rice und Straw betonten ferner die Notwendigkeit, die Milizen unter
Kontrolle zu bringen. "In einer Demokratie sind bewaffnete Milizen
nicht akzeptabel", sagte Rice.
Dschaafaris Festhalten am Amt des Ministerpräsidenten ist bislang
eines der größten Hindernisse für die Bildung einer
Koalitionsregierung der unterschiedlichen Volks- und Religionsgruppen.
Vor allem kurdische und sunnitische Politiker werfen dem Schiiten vor,
im Kampf gegen die Gewalt im Land zu versagen und seine eigene
Religionsgruppe zu bevorzugen.
Bei neuen Gewalttaten im Irak kamen seit Sonntagabend mindestens 27
Menschen ums Leben. Unter den Opfern waren sechs Mitglieder einer
irakischen Familie, die am Montag in Basra im Süden Iraks von
Unbekannten auf einem Markt erschossen wurden. Bei einem Bombenanschlag
in der Nähe einer schiitischen Moschee in dem Bagdader Stadtteil
El Schaab wurden nach Angaben des Innenministeriums zehn Menschen
getötet und 30 verletzt. Der Sprengsatz explodierte, als
Gläubige nach dem Abendgebet das Gotteshaus verließen.
(Quelle: afp)
Neue Konflikte zwischen den irakischen Machtgruppen sind absehbar
(...) Monate nach der Parlamentswahl fehlt im Irak noch immer eine
"Regierung der nationalen Einheit". Der von den Schiiten nominierte
Ministerpräsident Ibrahim al-Dschaafarii beharrt auf dem Amt -
trotz des Drucks der Besatzer, trotz des Widerstands wichtiger
irakischer Kräfte und obwohl er als Ministerpräsident der
bisherigen Übergangsregierung offensichtlich versagt hat. Kurden
und Sunniten weigern sich, einem so unfähigen Politiker das Land
anzuvertrauen. Selbst die Schiiten stehen nicht mehr geschlossen hinter
ihrem Kandidaten: Al-Dschaafaris Nominierung durch die Schiiten kam mit
einer einzigen Stimme Mehrheit zustande.
Der schwache Rückhalt für den Ministerpräsidenten
spiegelt die mangelnde Geschlossenheit der schiitischen Parteien. Ihre
fortschreitende Zersplitterung birgt neue Gefahren: Sollte das
Schia-Bündnis zerfallen, würde sich das derzeit halbwegs
berechenbare Kräfteverhältnis erneut verschieben. Bestehend
aus dem Obersten Islamischen Revolutionsrat Sciri, der Dawa-Partei und
den Anhängern des Predigers Muktada al-Sadr wurde diese
mächtigste und größte Volksgruppe bisher von Ayatollah
Ali al-Sistani zusammengehalten. Der greise Geistliche tritt
öffentlich kaum in Erscheinung, verweigert Kontakt mit westlichen
Politikern, Militärs und Journalisten und leitet die Schiiten nur
durch seine theologische Autorität. Wobei bei dieser mühsam
hergestellten Harmonie eines oft übersehen wird: Die
Schiiten-Parteien stehen zwar für denselben Glauben. Ihre
politischen Interessen aber unterscheiden sich.
Sciri ist der verlängerte politische Arm der Iraner; das war schon
zu Saddams Zeiten so. Die Dawa hingegen ist eine weit stärker im
Irak verankerte Partei; sie hat im Widerstand gegen den Diktator
gelitten. Und Muktada al-Sadr ist anders als viele Sciri-Anhänger
- ein gesamtirakischer Nationalist. Er will den Zerfall des irakischen
Einheitsstaats verhindern.
Die gemeinsamen Interessen der Schiiten-Parteien sind also begrenzt;
bisher wurden sie definiert im Gegensatz zu den Zielen der Sunniten und
der Kurden. Geduldige Moderation durch Ayatollah al-Sistani hat auch
verhindert, dass die Schiiten die andauernden Terrorattacken und Morde
der Sunniten mit Gewalt beantworten. Doch die sich häufenden
Rachemorde schiitischer Milizen an Sunniten zeigen, das der Einfluss
des Ayatollahs schwindet oder dieser jetzt andere Ziele verfolgt.
Sollten die Schiiten im Streit um die Regierung ihre Geschlossenheit im
Parteienbündnis aufgeben, könnte der Irak vollends
unregierbar werden: Die Kurden als nicht-arabische Minderheit
können den Regierungschef kaum stellen. Den Sunniten als
früherer Saddam-Hausmacht werden die Schiiten und Kurden den
Posten des Ministerpräsidenten nicht zugestehen. Neue Konflikte
zwischen den irakischen Machtgruppen sind also absehbar. Es gibt nur
eine Alternative: die Bildung neuer Bündnisse für
gesamtirakische Interessen, in denen die Religions- und Volksgruppen
überlagert werden. Aber dafür gibt es bisher keine Anzeichen.
Aus der Süddeutschen Zeitung vom 04.04.2006
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 04.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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USA erwarten Anstieg der Gewalt bei ISAF-Einsatz in Süd-Afghanistan
Di.04.04.06 - Mit der Ausweitung des NATO-Einsatzes in Afghanistan in den
nächsten Wochen erwarten die USA auch einen Anstieg der Gewalt. Die
westlichen Soldaten würden nach ihrer Stationierung im Süden
des Landes vermutlich von Anhängern der Taliban und
Drogenhändlern "getestet", sagte der Staatssekretär für
süd- und mittelasiatische Angelegenheiten im
US-Außenministerium, Richard Boucher, am Montag in Kabul. Die
Ausweitung des Einsatzgebietes der NATO-geführten
Afghanistan-Schutztruppe ISAF sei dennoch notwendig, um den Einfluss der
in Kabul ansässigen Zentralregierung in alle Landesteile zu
bringen, betonte Boucher.
(Quelle: afp)
Israelische Soldaten töten radikalen Palästinenser
Di.04.04.06 - Israelische Soldaten haben im Westjordanland einen radikalen
Palästinenser erschossen. Der 32-Jährige sei ein
örtlicher Anführer der El-Aksa-Brigaden gewesen, dem
bewaffneten Arm der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident
Mahmud Abbas, hieß es in palästinensischen
Sicherheitskreisen. Die Soldaten hätten ihn in Bethlehem
erschossen. Ein Armeesprecher sagte, der Gesuchte habe sich nicht
ergeben wollen,als die Soldaten ihn gestellt hätten. In dem Haus,
in dem er sich verschanzt hatte, wurden demnach ein Sturmgewehr und eine
Pistole gefunden.
(Quelle: afp)
Größte Oppositionspartei im Kongo boykottiert Wahl
Di.04.04.06 - Die größte Oppositionspartei in der Demokratischen Republik
Kongo boykottiert die bevorstehenden Parlaments- und
Präsidentschaftswahlen. Bis zum Ablauf der Bewerbungsfrist habe die
Union für Demokratie und Sozialen Fortschritt (UDPS) des
früheren Premierministers Etienne Tshisekedi keine Kandidaten
für die Wahlen benannt, teilte die Unabhängige Wahlkommission
in Kinshasa mit. Tshisekedis UDPS hat sich bereits seit längerem
dem Übergangsprozess im Kongo verweigert.
Ein Parteisprecher sagte, der Wahlboykott sei beschlossenen Sache. Er
solle zu Wochenbeginn offiziell verkündet werden. Parteichef
Tshisekedi hat sich bislang nicht zu dem Boykott geäußert.
Nach Angaben der Wahlkommission lagen zum Ablauf der Frist 72
Bewerbungen für das Präsidentenamt und 4000 Kandidaturen
für einen der 500 Parlamentssitze vor. Präsident Joseph Kabila
tritt für eine weitere Amtszeit an.
Der genaue Termin für die Abstimmung ist noch unklar. Bislang war
sie für 18. Juni geplant, wegen organisatorischer Probleme
könnte sie aber verschoben werden. Die Wahlkommission will sich
morgen zu der Terminfrage äußern. Zur Sicherung der ersten
freien Wahlen im Kongo seit 40 Jahren soll auch eine EU-geführte
Truppe unter Beteiligung der Bundeswehr entsandt werden.
Tshisekedis UDPS wirft der Regierung vor, die bevorstehenden Wahlen
manipulieren zu wollen. Ihre Teilnahme hatte die UDPS von
Änderungen des Wahlrechts abhängig gemacht, welche die
Wahlkommission allerdings verweigerte.
(Quelle: afp)
Thai-Regierungschef erwägt nach Protestwahl Rücktritt
Di.04.04.06 - Der umstrittene thailändische Regierungschef Thaksin Shinawatra
erwägt angesichts der offenbar hohen Zahl von Proteststimmen bei
der Parlamentswahl seinen Rücktritt.
Der von der Opposition des Machtmissbrauchs bezichtigte Regierungschef
sagte am Montag nach der Wahl, er steuere einen Versöhnungskurs an
und klebe nicht an seinem Sessel. Der Milliardär hatte die Wahl
nach anhaltenden Massenprotesten zu einem Referendum über seine
Person stilisiert. Die Opposition hatte daraufhin mit einem Wahlboykott
reagiert und dazu aufgerufen, auf dem Wahlzettel demonstrativ "keine
Stimme" anzukreuzen. Auszählungsergebnissen zufolge entschied sich
in der Hauptstadt Bangkok eine hauchdünne Mehrheit der Wähler
für diese Form der Proteststimme. Thaksin hatte angekündigt
zurückzutreten, falls das Protestvotum landesweit höher als
der Stimmenanteil seiner eigenen Partei ausfallen sollte. Das
Endergebnis der Wahl wurde für Montagabend erwartet.
Bangkok war in den vergangenen Monaten das Zentrum der
Straßenproteste gegen Thaksin, dem das Oppositionsbündnis
Volksallianz für Demokratie (PAD) Vermischung wirtschaftlicher und
politischer Interessen vorwirft. Die Proteste gegen Thaksin hatten sich
Ende Januar zu Massendemonstrationen entwickelt, nachdem Angehörige
des Regierungschefs steuerfrei einen Milliarden-Anteil an dem von ihm
gegründeten Telekommunikationskonzern verkauft hatten. Der
Oppositionsboykott und das komplizierte Wahlrecht könnten nun dazu
führen, dass das neu gewählte Parlament handlungsunfähig
wird, womit eine Verfassungskrise heraufbeschworen würde.
Ein Kandidat von Thaksins Partei "Thais lieben Thais" (TRT) wurde in
letzter Minute von der Wahl ausgeschlossen. Da er nach dem Wahlboykott
der Opposition der einzige Kandidat in dem Bezirk war, trat dort niemand
zur Wahl an. Die Verfassung schreibt aber für die Wahl einer neuen
Regierung die Besetzung aller Sitze im Parlament vor.
Neben dem fehlenden Kandidaten schien zudem bereits vor der Wahl klar,
dass auch in anderen Bezirken des Landes Sitze unbesetzt bleiben. Wegen
des Boykotts der Opposition gab es für 276 der 400 Direktmandate
jeweils nur einen Kandidaten - jeweils von der TRT. Vor allem im
mehrheitlich moslemischen Süden des ansonsten überwiegend
buddhistischen Landes und in den Städten dürften aber bis zu
60 Allein-Kandidaten der TRT die notwendige Stimmenzahl verfehlen, denn
ein Allein-Kandidat muss zumindest 20 Prozent der Stimmen bekommen
haben. Dass die TRT-Kandidaten dies erreichen, galt aber in Dutzenden
Bezirken als höchst unwahrscheinlich.
"Die Wahl wird zu einer Blockade führen, die sich Monate
hinzieht", sagte der Politikwissenschaftler Somjai Phagaphasvivat.
Während das politische Patt als sicher galt, war aber weithin
unklar, wie die prekäre Situation überwunden werden
könnte. Die Prognosen reichten von notfalls mehreren Nachwahlen,
gewaltsamen Protesten, einem Ausnahmezustand und einem
Militärputsch bis hin zum Eingreifen des Königs Bhumibol
Adulyadej oder eben auch dem Rücktritt Thaksins.
Die sich abzeichnende Protestwahl ließ auch Spekulationen ins
Kraut schießen, wonach Thaksin etwa seinen Posten für einen
Stellvertreter räumen könnte. Damit könne er die Lage
entspannen, einen politischen Reformprozess einleiten und ein
späteres Comeback vorbereiten, hieß es. Auf diese
Spekulationen angesprochen, sagte Thaksin: "Darüber habe ich noch
gar nicht nachgedacht."
(Quelle: rtr)
Mindestens 13 linke Rebellen in Kolumbien getötet
Di.04.04.06 - Mindestens 13 linke Rebellen sind bei Kämpfen mit dem
kolumbianischen Militär getötet worden. Bei den Opfern
handele es sich um Mitglieder der marxistischen
«Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens» und
anderer, kleinerer Rebellengruppen, teilte ein Militärsprecher
weiter mit. Trotz der täglichen Erfolgsmeldungen der
Streitkräfte im Kampf gegen die Guerilla ist ein Ende des seit
über 40 Jahren andauernden bürgerkriegsartigen Konflikts
nicht in Sicht. Beobachter halten den Konflikt für
militärisch nicht gewinnbar.
(Quelle: dpa)
Große Meinungsverschiedenheiten bei Runde Drei der
Kosovo-Gespräche
Di.04.04.06 - Die dritte Gesprächsrunde über die politische Zukunft des
Kosovo ist in Wien ohne konkrete Ergebnisse geblieben. Nach
stundenlangen Verhandlungen über den künftigen Status der
serbischen Minderheit im Norden der Provinz sagte der
österreichische UN- Vermittler Albert Rohan, es gebe erhebliche
Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Seiten. Während die
Kosovo-Albaner die vollständige Unabhängigkeit von Serbien
fordern, will Belgrad nur weit reichende Autonomie gewähren. Die
Gespräche sollen am 4. Mai weitergehen.
(Quelle: dpa)
Aufschwung in Industrie der Euro-Zone gewinnt Fahrt und Breite
Wachstum in Deutschland am größten
Di.04.04.06 - Der Aufschwung in der Industrie der Euro-Zone hat im März deutlich
an Fahrt gewonnen und fast alle Länder erfasst.
Der RBS/NTC Einkaufsmanagerindex für das Währungsgebiet stieg
auf 56,1 von 54,5 Punkten und damit den höchsten Stand seit
September 2000, wie das Forschungsinstitut NTC am Montag mitteilte. Die
insgesamt 3000 befragten Firmen aller untersuchten Länder mit
Ausnahme der Niederlande berichteten von einem deutlich kräftigeren
Wachstum ihrer Produktion und einem schwunghaftem Anstieg ihres
Auftragseingangs. Zum vierten Mal in Folge war das Wachstum dabei in
Deutschland am größten. Von Reuters befragte Volkswirte
hatten lediglich mit einem Anstieg des Einkaufsmanagerindex auf 55
Punkte gerechnet.
Der Teilindex für die Produktion legte um zwei auf 59 Zähler
zu, das Barometer für den Auftragseingang stieg um 2,2 auf 58,9
Punkte. Eine kräftige Nachfrage aus Europa und anderen Regionen
füllte die Auftragsbücher. Ein besonders kräftiges
Wachstum der Exporte registrierten die Forscher dabei in Deutschland.
Auch wenn die Zahl der Neueinstellungen bei einem Indexwert von 50,9
noch immer gering blieb, schufen die Firmen so viele Arbeitsplätze
wie zuletzt vor über fünf Jahren. Während deutsche Firmen
angesichts des kräftig wachsenden Auftragspolsters vergleichsweise
viele Mitarbeiter einstellten, blieben spanische und italienische
Firmen zurückhaltender. In Frankreich entließen sie sogar
per saldo Mitarbeiter.
Der vor allem von hohen Energiepreisen verursachte Kostenanstieg
verlangsamte sich etwas. Angesichts der hohen Nachfrage konnte eine
wachsende Zahl der Firmen ihre Preise erhöhen - vor allem
außerhalb Deutschlands.
(Quelle: rtr)
Löhne in Frankreich steigen doppelt so stark wie in Deutschland
Di.04.04.06 - Französische Arbeitnehmer konnten sich im vergangenen Jahr
über eine mehr als doppelt so hohe Lohnsteigerung freuen wie ihre
deutschen Kollegen.
Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die tariflichen Löhne und
Gehälter in Deutschland 2005 nur um 1,2 Prozent, in Frankreich
dagegen um 2,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag
mitteilte. Während in Deutschland die Inflation von zwei Prozent
die Tariflohnsteigerung vollständig auffraß, hatten die
französischen Arbeitnehmer bei einer Teuerung von 1,7 Prozent auch
real deutlich mehr Geld in der Tasche.
Das deutsche und französische Statistikamt veröffentlichen
seit 1997 gemeinsame Daten. Ein einziges Mal, im Jahr 1999, legten die
Stundenlöhne und -gehälter in Deutschland in dieser Zeit
stärker zu als in Frankreich. Beim Vergleich von Monatslöhnen
und -gehältern fielen die Unterschiede geringer aus: Die Bezahlung
pro Stunde in Frankreich stieg auch deshalb viel stärker, weil die
Wochenarbeitszeit bis zum Jahr 2004 kontinuierlich verkürzt wurde.
In Deutschland blieb sie dem Statistikamt zufolge dagegen weitgehend
konstant.
Mit der seit Jahren moderaten Lohnentwicklung hat Deutschland zuletzt
nach Ansicht vieler Experten an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen.
Allerdings machen einige Ökonomen die geringen Lohnanstiege auch
für den im Vergleich zu Frankreich schwachen Konsum mit
verantwortlich.
In den alle drei Monate veröffentlichten Daten zu den Löhnen
und Gehältern werden deutsche Tarifverträge mit
französischen Basislöhnen verglichen. Zulagen und Prämien
sowie Einmalzahlungen werden nicht berücksichtigt.
(Quelle: rtr)
Neuer Gesetzentwurf zu Frankreichs Kündigungschutz wohl erst im Mai
Di.04.04.06 - Die Debatte um die Lockerung des Kündigungsschutzes in Frankreich
dürfte sich noch über Wochen hinziehen. Ein Gesetzentwurf zur
Änderung des umstrittenen Erstanstellungsvertrages CPE werde
"wahrscheinlich" erst Anfang Mai im Parlament diskutiert werden
können, erklärte der Fraktionsvorsitzende der Regierungspartei
UMP in der Nationalversammlung, Bernard Accoyer, am Montag in Paris.
Zunächst müsse der Dialog mit den Sozialpartnern über
die Änderungen geführt werden; zudem gebe es in der zweiten
April-Hälfte zwei Wochen Osterferien im Parlament.
(Quelle: afp)
Deutschland
Grüne lehnen Lockerung des Kündigungsschutzes ab
Di.04.04.06 - Die Grünen lehnen eine Lockerung des Kündigungsschutzes ab.
Die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Thea Dückert sagte am Montag
im Deutschlandradio Kultur, internationale Untersuchungen hätten
gezeigt, dass es durch längere Probezeiten nicht zu
Neueinstellungen komme. Was verändert würde, wäre nur
«das Einstellungs- und Kündigungsverhalten insgesamt, das
heißt also hire and fire.»
Ein gelockerter Kündigungsschutz führe auch nicht zu mehr
Flexibilität. Gerade qualifizierte Arbeitnehmer, die sonst
möglicherweise auch zu einem Arbeitsplatzwechsel bereit seien,
würden dadurch abgeschreckt, argumentierte Dückert.
Die Grünen-Politikerin kritisierte die Union scharf. Dort werde
jede Gelegenheit genutzt, um den Kündigungsschutz anzugehen, weil
er eine starke Symbolik habe für die Beschäftigten.
Dückert sprach sich dafür aus, die jetzige Regelung
beizubehalten. Den ver.di-Vorschlag, Unternehmen bei Gewinnen
betriebsbedingte Kündigungen zu verbieten, bezeichnete sie als
«nicht wirklich ernst gemeint». Diese Idee sei
wahrscheinlich auch verfassungsrechtlich fraglich.
(Quelle: ddp)
Union akzeptiert Koalitionsvereinbarung zum Kündigungsschutz
Di.04.04.06 - Im Streit um die Neugestaltung des Kündigungsschutzes akzeptiert
die Unionsfraktion nun die Umsetzung des Koalitionsvertrages mit der
SPD. Ihr Chef Volker Kauder sagte im Anschluss an eine Klausurtagung der
Fraktionsspitze in Berlin, dass damit künftig die Probezeit
generell auf zwei Jahre verlängert werden solle. Er stellte
zugleich klar, dass von der Union darüber hinaus aktuell keine
Forderungen nach einer weiteren Abschwächung des
Kündigungsschutzes erhoben werden.
(Quelle: dpa)
Müntefering will Mindestlohn für einzelne Branchen
Di.04.04.06 - Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) hat sich für
Mindestlöhne in einzelnen Branchen ausgesprochen. "Beim Mindestlohn
ist das Problem, dass man sehr unterschiedliche Löhne in den
Branchen hat", sagte der Vizekanzler der "Financial Times Deutschland".
"Deshalb kann man schwer einen Durchschnitt bilden." Müntefering
schlug vor, das so genannte Entsendegesetz auf weitere Branchen
auszuweiten.
Das Gesetz sieht heute bereits einen Mindestlohn für die
Baubranche vor. "Eine Möglichkeit ist, noch mehr Bereiche mit dem
Entsendegesetz abzusichern", sagte Müntefering. "Dann ist der
Mindestlohn der Tariflohn in diesen Bereichen quasi ein differenzierter
Mindestlohn für einzelne Branchen."
Außerdem kündigte Müntefering an, bei den
undurchsichtigen Arbeitsmarktprogrammen mehr Klarheit zu schaffen. "Ich
glaube, dass es zu viele Instrumente gibt." Die große Zahl der
Arbeitsmarktprogramme wolle er "bündeln und konzentrieren", sagte
Müntefering. "Eine gewisse Klarheit und Kargheit an dieser Stelle
wäre ganz gut."
(Quelle: afp)
SPD rückt vom Mindestlohn ab
Arbeitsminister Franz Müntefering versenkt den gesetzlichen
Mindestlohn. Stattdessen soll das Entsendegesetz ausgeweitet werden. Die
Hoffnung der Niedriglöhner - viele von ihnen Frauen - auf bessere
Bezahlung sinkt. Gewerkschaften sprechen von 'Wirrwarr' und 'Pfusch'...
Mehr in der taz vom 03.04.06:
http://www.taz.de/pt/2006/04/04/a0145.1/text
Dax überspringt 6000-Punkte-Marke
Di.04.04.06 - Erstmals seit fast fünf Jahren hat der Deutsche Aktienindex (Dax)
die Marke von 6000 Punkten übersprungen. Beflügelt von den
Kursanstiegen in Tokio kletterte das wichtigste deutsche
Börsenbarometer am Montag auf bis zu 6028 Zähler und lag damit
einen Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag. Seit Jahresbeginn
legte der Index damit um gut elf Prozent zu. Im Vergleich zum
Tiefststand nach dem Platzen der New-Economy-Blase hat sich der
Punktestand sogar fast verdreifacht. Experten glauben, dass sich der
Trend fortsetzen wird, wenn auch leicht abgeschwächt.
Bislang habe die Börse trotz der hohen Kurssprünge besonnen
reagiert, sagte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für
Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz. "Die Situation ist nicht
vergleichbar mit der zur Zeit des neuen Marktes." Die Kurse seien von
den guten Unternehmenszahlen und Übernahmen getrieben. "Daher
besteht auch nicht die Gefahr eines massiven Einbruchs." Mit kleineren
Verschnaufpausen müssten die Anleger aber rechnen.
Größter Gewinner im Dax war Adidas, nachdem Firmen-Chef
Herbert Hainer in einem Zeitungsinterview gesagt hatte, der
Sportartikelhersteller verkaufe mehr WM-Produkte als geplant. Auch der
Autozulieferer Continental konnte deutlich zulegen, nachdem das
Unternehmen verkündet hatte, die Autoelektronik-Sparte von Motorola
für rund 833 Millionen Euro zu übernehmen. Die Aktie von
Volkswagen kletterte nach Berichten über eine Stabilisierung des
Marktanteils in China.
Verlierer im Dax waren neben der Deutschen Börse und Linde auch
Altana. Ein Bericht in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung"
nährte die Vermutung, es finde sich kein Partner, der an der zum
Verkauf stehenden Pharmasparte oder Teilen davon interessiert sei.
(Quelle: afp)
Das Kapital gewinnt immer
Der Höhenflug der Börse verdankt sich dem Lohndumping... Mehr
in der taz vm 03.04.06:
http://www.taz.de/pt/2006/04/04/a0161.1/text
Unions-Fraktion fordert Integrationsgipfel
Di.04.04.06 - Die CDU/CSU-Bundestagfraktion ruft die Bundesregierung und
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Einberufung eines
Integrationsgipfels auf. Ein solches Spitzentreffen solle einen
nationalen Aktionsplan «Integration» beschließen,
sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) am Montag in Berlin nach
einer Fraktionsklausur. An einem solchen Treffen sollten Vertreter von
Bund, Ländern und Kommunen, aber auch gesellschaftlicher Gruppen
teilnehmen.
Ein Schwerpunkt müsse dabei in der Bildungspolitik liegen, sagte
Kauder. Eine Absage erteilte der CDU-Politiker allerdings Forderungen
nach der Auflösung der Hauptschule. Nicht die Hauptschule sei das
Problem, sondern die mangelnde Integration.
(Quelle: ddp)
Bayern: Keine Einschulung ohne Deutschkenntnisse
Di.04.04.06 - In der Debatte um Gewalt an Schulen wird der Ruf nach einem
härteren Durchgreifen immer lauter. Bildungsministerin Annette
Schavan (CDU) will aggressive Schüler notfalls in Internaten
unterbringen.
In Bayern sollen Kinder mit mangelhaften Deutschkenntnissen vom
nächsten Schuljahr an nicht mehr regulär eingeschult werden.
Die Union verlangt zudem einen Integrationsgipfel bei Bundeskanzlerin
Angela Merkel (CDU). Kritik kam von SPD und Grünen.
Der Integrationspolitik müsse ein weit höherer Stellenwert
eingeräumt werden, forderten Fraktion und Partei am Montag in
Berlin. Die CDU setzte eine Kommission «Bildungschancen und
Erziehung» ein. «Für besonders schwierige Fälle
muss überlegt werden, Internatsplätze zu schaffen»,
sagte Schavan der «Financial Times Deutschland». Dies sei
aber nur ein zusätzliches Angebot.
Brandbriefe von Berliner Lehrern wegen der Gewalt an ihren Schulen
hatten bundesweit eine heftige Debatte über die Integration von
Zuwandererkindern und den Umgang mit Gewalttätern ausgelöst.
Für die Gewalt an der Rütli-Schule im Berliner Problem-Bezirk
Neukölln sind nach Ansicht ihrer langjährigen Leiterin
Brigitte Pick in erster Linie soziale Probleme verantwortlich. Ein
Protestbrief der Lehrer dieser Schule hatte für erste Schlagzeilen
gesorgt.
Das eigentliche Problem liege weder in der arabischen, türkischen
oder serbischen, sondern in der sozialen Herkunft der Schüler und
ihren mangelnden Perspektiven, schrieb Pick im Berliner
«Tagesspiegel». «So hat im letzten Ausbildungsjahr
kein Schüler einen Ausbildungsplatz erhalten.»
Pick arbeitete 33 Jahre lang an der Rütli-Hauptschule. Seit neun
Monaten ist sie krankgeschrieben, in Kürze geht sie in Pension.
Sie warf der Berliner Politik vor, einer Gettoisierung von Schulen
tatenlos zugesehen zu haben. Auch nach Ansicht des Berliner
Integrationsbeauftragten Günter Piening konzentrieren sich in der
Hauptschule 20-jährige Versäumnisse der Politik.
Das Kabinett in Bayern will am Dienstag beschließen, dass Kinder
mit mangelhaften Deutschkenntnissen nicht mehr in die Regelschule gehen
dürfen. Ein Deutsch-Vorkurs im Kindergarten soll verpflichtend
werden. Wer danach noch Defizite hat, komme in eine Sprachklasse oder
in die Sonderschule.
SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler wies das Ansinnen des bayerischen
Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) scharf zurück.
«Der Stoiber-Vorschlag ist ein typischer Schnellschuss und heraus
kommt Dünnpfiff», sagte er der «Netzeitung».
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wandte sich
strikt gegen die in Bayern laut gewordene Forderung nach einer
Kürzung von Sozialleistungen für integrationsunwillige
Ausländer. «Dann verhungern die Kinder, das ist doch
Schwachsinn», sagte er dem Nachrichtensender N24.
Grünen-Vorsitzende Claudia Roth und der Bundesvorsitzender der
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne,
erneuerten die Forderung nach Abschaffung der Hauptschule. Sie sei
«eine Sackgasse für Kinder: Da werden sie abgeschoben und
aufs Abstellgleis gestellt, ohne eine Zukunftsperspektive zu
haben», sagte Roth dem Sender. Vollkommen absurd seien
Forderungen, gewalttätige Berliner Schüler mit
Migrationshintergrund abzuschieben.
(Quelle: dpa)
Verbraucherschützer lehnen längere Laufzeiten für
Kernkraftwerke ab
Di.04.04.06 - Der Bundesverband der Verbraucherzentralen lehnt Forderung aus der
Union nach einer Verlängerung der Atomkraftwerk-Laufzeiten ab.
Verbandspräsidentin Edda Müller sagte der «Berliner
Zeitung» (Montagausgabe) laut Vorabbericht, längere
Laufzeiten wären eine Einladung, bei erneuerbaren Energien oder
effizienten Kraftwerken nur wenig zu tun. «Der Atomausstieg ist
richtig. Kernkraft ist teuer», sagte Müller. Die Entsorgung
und Endlagerung der Abfälle kosteten Milliarden.
Zugleich warf Müller den Energieunternehmen vor, die Strompreise
künstlich hochzutreiben. Die Höhe der Tarife habe viel mit
«Abzocke» zu tun. Vier große Energiekonzerne
dominierten achtzig Prozent des Strommarktes und diktierten so die
Preise. Sie hätten beim Emissionshandel die Zertifikate, die sie
vom Staat umsonst bekommen haben, mit Milliardensummen veranschlagt und
diese fiktiven Kosten an die Kunden weiter gegeben. «Das ist
unanständig», sagte Müller.
Die Bundesregierung forderten die Verbraucherschützer auf, die
Konzerne zum Verkauf ihrer Stromleitungen zu zwingen. Die Macht der
Konzerne müsse gebrochen werden. «Die Politik sollte
über wirksame Entflechtung nachdenken und die Konzerne zwingen,
ihre Leitungen zu verkaufen. Das würde zu mehr Wettbewerb
führen», sagte Müller.
Die Regierung hatte Spitzenvertreter der Wirtschaft gestern zu einem
Energiegipfel ins Kanzleramt geladen.
(Quelle: ddp)
Hintergrund: Rezepte gegen den Energiehunger
Deutschland deckt seinen Energiebedarf noch zu fast 90 Prozent aus
fossilen Quellen wie Kohle und Öl. Erneuerbare Energien wie Wasser
und Windkraft haben nur einen Anteil von etwa einem Prozent am
Energiemix.
Ihr Potenzial ist jedoch deutlich größer. Weltweit stehen
zahlreiche Alternativen zur Verfügung, um den wachsenden
Energiehunger der Menschheit zu stillen:
- Die weltweiten ÖLRESERVEN sind nach wissenschaftlichen Analysen
noch längst nicht erschöpft und belaufen sich auf etwa drei
Billionen Barrel. Bei dem derzeitigen Verbrauch von rund 30 Milliarden
Barrel im Jahr würde dies noch für rund 100 Jahre reichen
(«Science», Bd. 304, S. 1114). Die Hauptlagerstätten
liegen im Nahen Osten. Deutschland hat keine relevanten eigenen
Vorräte.
- Die förderbaren ERDGASVORRÄTE schätzt das
Bundeswirtschaftsministerium auf etwa 175 000 Milliarden Kubikmeter
weltweit, was bei gegenwärtiger Förderung für mehr als
100 Jahre reichen würde. 41 Prozent der Vorräte lagern im
Nahen Osten, 27 Prozent in Russland. Deutschland verfügt nach
dieser Aufstellung nur über 0,2 Prozent der weltweiten
Erdgasreserven.
- Etwa ein Viertel des Weltenergiebedarfs wird heute durch KOHLE
gedeckt. Mehr als 630 Milliarden Tonnen abbaubare Reserven lagern
weltweit in der Erde, vor allem in den USA (30 Prozent), Russland (20
Prozent), China (12 Prozent), Indien (10 Prozent) und Australien (9
Prozent). Die deutschen Kohlereserven machen 2 Prozent des
Weltvorrats aus. Bei gegenwärtiger Förderung reicht die Kohle
nach Ministeriumsschätzung in Deutschland und weltweit noch etwa
160 Jahre. Wie andere fossile Brennstoffe produziert Kohle viel
klimaschädliches Kohlendioxid beim Verbrennen. Mit modernen
Kraftwerken lässt sich der Kohlendioxidausstoß reduzieren.
Alternative Konzepte sehen vor, das Treibhausgas abzuscheiden und unter
die Erde oder ins Meer zu pressen. Ob sich diese Techniken
tatsächlich einsetzen lassen, ist allerdings noch nicht
geklärt.
- Für Atomkraftwerke ist der Brennstoff Uran begrenzt: Im
Kernkraft freundlichen Frankreich rechnet das Kommissariat für
Atomenergie, dass die nachgewiesenen weltweiten Reserven, die sich zu
wirtschaftlich tragbaren Kosten gewinnen lassen, noch für knapp 70
Jahre reichen. Unter Einsatz aller technischen Mittel lässt sich
demnach die Reichweite um 50 weitere Jahre verlängern. In
Deutschland deckt die Kernkraft gegenwärtig etwa ein Achtel des
Primärenergieverbrauchs, die Bundesrepublik hat sich aus von diesem
Energieträger verabschiedet.
- Von den erneuerbaren Energien hat derzeit die WASSERKRAFT die
größte Bedeutung. Weltweit kommen bereits 20 Prozent des
Stroms aus Wasserkraft, wobei die Ressourcen sehr ungleich verteilt
sind. Während etwa Brasilien rund 80 Prozent des Stroms aus
Wasserkraft gewinnt und Norwegen nahezu seine gesamte Elektrizität,
stammt in Deutschland nur jede 20. Kilowattstunde (5 Prozent) aus einem
Wasserkraftwerk. Die Hauptkritik an der Wasserkraft richtet sich gegen
die Stauseen, die viel Platz benötigen, aber die Technik
berechenbarer machen als andere erneuerbare Energieformen wie Wind und
Sonne.
- Die WINDKRAFT deckt weltweit erst etwa ein Prozent des Strombedarfs,
hat aber nach Branchenschätzungen für das Jahr 2020 ein
Potenzial von 12 Prozent. In Deutschland stammen derzeit knapp 6 Prozent
der Elektrizität aus Windenergie, in Dänemark bereits bis zu
30 Prozent. Besonderes Potenzial wird Offshore-Windparks zugeschrieben:
Windkraftwerke auf 3 Prozent der europäischen Seefläche
könnten der Umweltorganisation Greenpeace zufolge 30 Prozent des
Strombedarfs in Europa decken.
- Das größte Angebot bietet die SONNENENERGIE: Täglich
liefert die Sonne der Erde den Energiebedarf von acht Jahren frei Haus.
Mit der heutigen Technik ließe sich nach Angaben des
Forschungsverbunds Sonnenenergie der Weltenergiebedarf immerhin fast
vier Mal decken. Am größten ist das Potenzial in
Äquatornähe. In Deutschland spielt Sonnenenergie bislang keine
nennenswerte Rolle - so stammen nur Prozentbruchteile des
bundesdeutschen Stroms aus der Photovoltaik.
- Nahezu unerschöpflich und weltweit verfügbar ist die
ERDWÄRME. Nach einer Untersuchung des Geoforschungszentrums Potsdam
ließe sich mehr als die Hälfte des deutschen
Wärmebedarfs mit Geothermie decken. Und das Erdwärme-Angebot
übersteigt den Strombedarf in Deutschland um das 600fache, wie die
Geothermische Vereinigung unter Berufung auf eine Untersuchung des
Bundestagsbüros für Technikfolgenabschätzung berichtet.
Während Island fast seinen gesamten Energiebedarf mit Erdwärme
deckt, spielt Geothermie in Deutschland noch keine wesentliche Rolle.
- BIOMASSE wird als Alternative zu fossilen Brennstoffen gehandelt. Das
breite Spektrum reicht von schnell wachsenden
«Energiepflanzen» mit hohem Brennwert über
Raps-Biodiesel bis hin zu Biogas-Anlagen, die aus Gülle brennbares
Methan gewinnen. Die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe
hält etwa 10 000 Biogas-Anlagen in Deutschland in den nächsten
10 bis 20 Jahren für realistisch - allerdings würden diese
zusammen nur etwa die Leistung eines Kernkraftwerks erreichen.
Quelle: dpa, 03.04.2006
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Gasmarkt: Nachfrage ohne Angebot
Di.04.04.06 - Zwar können Gaskunden seit Samstag ihren Anbieter frei
wählen, doch fehlen bislang die Angebote für einen Wechsel.
Stattdessen müssen sich viele Haushalte, die mit Gas heizen, sogar
auf höhere Preise einstellen. Zum 1. April erhöhten mehr als
dreißig regionale Gasversorger die Tarife, teilt der
Verbraucherdienst Verivox mit.
Angesichts dessen forderte Kartellamtschef Ulf Böge die Versorger
auf, einen echten freien Wettbewerb zuzulassen. "Wir müssen heute
nach wie vor sagen, dass wir mit dem Wettbewerb weder im Gas- noch im
Strombereich zufrieden sein können, er funktioniert einfach nicht."
Auf dem Gasmarkt gebe es "einfach einen zu hohen Konzentrationsgrad".
Sein Amt könne weder Gas verkaufen noch einkaufen, sondern nur
Möglichkeiten eröffnen, damit Strukturen sich
veränderten.
Verbraucherschützer hatten bereits vor dem Stichtag 1. April von
einem "Trauertag" gesprochen. Dabei hatten im Februar sieben
führende überregionale Gasanbieter, darunter Eon, sich auf
Druck des Bundeskartellamts verpflichtet, den Kunden in ihren
Versorgungsgebieten bereits ab dem 1. April - sechs Monate früher
als geplant - den Wechsel zu anderen Gaslieferanten zu ermöglichen.
Im Gegenzug stellte die Behörde Missbrauchsverfahren wegen
überhöhter Preise ein.
Derweil bleibt Gasverbrauchern nur die Hoffnung auf den Herbst. Denn am
1.Oktober 2006 soll nach dem Willen der Bundesnetzagentur der Wettbewerb
auf dem deutschen Gasmarkt wirklich beginnen - mit einer einfachen
Durchleitungsregelung für alle Gasnetze. Noch sind die
Verhandlungen mit den großen Netzbetreibern aber nicht
abgeschlossen.<
(Quelle: ap/taz)
Merkel lobt Klima des Energiegipfels
Energiebranche will 30 Milliarden Euro investieren
Di.04.04.06 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für Mitte 2007 ein
Energiekonzept angekündigt. Alle Teilnehmer des Energiegipfels
seien sich einig gewesen, die Abhängigkeit von Energieimporten
tendenziell zu verringern, steigende Energiepreise zu verhindern und
dabei den Klimawandel im Blick zu haben, sagte Merkel am Montagabend
nach dem Treffen im Bundeskanzleramt in Berlin. Sie lobte
ausdrücklich das konstruktive Klima. Die Wirtschaft habe bis 2012
Investitionen in die Modernisierung und Erneuerung der Kraftwerke im
Umfang von 30 Milliarden Euro in Aussicht gestellt, sagte die Kanzlerin.
Der Bereich Erneuerbare Energien habe ein Investitionsvolumen von 33
bis 40 Milliarden Euro genannt. Die Bundesregierung wolle bis 2009 zwei
Milliarden Euro in die Energieforschung stecken, das sei eine
Aufstockung um 30 Prozent. Die Frage des Atomausstiegs sei angesprochen
worden und werde auch in der Zukunft - «ich vermute auch
kontrovers» - diskutiert, sagte Merkel.
Auf dem Gipfel seien drei Arbeitsgruppen gebildet worden, die sich mit
internationalen und nationalen Aspekten sowie Innovation
beschäftigen sollen. Die Gruppen sollen dem nächsten Treffen
im September zuarbeiten, betonte die CDU-Chefin.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte, auf dem Treffen sei
«guter Wille für gemeinsame Ziele» erkennbar gewesen.
Es gebe aber unterschiedliche Auffassungen über die
Geschwindigkeit. Er sei froh über die vielen Investitionszusagen.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach von einem
«ausgesprochen gelungenen Start». Die Themen
Versorgungssicherheit, Preisstabilität und Umwelt seien akzeptiert
und nicht gegeneinander aufgewogen worden. Es habe auch keinen Streit
über die Rolle der unterschiedlichen Energiebeteiliger gegeben.
Die Energieversorger hätten gesagt, dass sie den vereinbarten
Atomausstieg selber nicht für sinnvoll hielten. Wenn er aber von
der Politik so gewollt sei, werde man sich vertragstreu verhalten. Glos
und Gabriel betonten übereinstimmend, es sei wichtig, dass man
nicht zu noch höheren Strompreisen komme.
(Quelle: ddp)
Koalition stimmt auf steigende Gesundheitskosten ein
Di.04.04.06 - Die Gesundheitsreform wird teuer: Dies stellten Spitzenpolitiker von
Union und SPD klar. Zur Begründung verwiesen sie auf steigende
Kosten für den medizinischen Fortschritt und wegen der
demografischen Entwicklung. Offen blieb vor dem nächsten
Spitzengespräch der Koalition am Mittwoch, wie die Mehrkosten
verteilt werden. Konsens besteht dagegen in zwei weiteren Punkten:
"Alle müssen einen Versicherungschutz haben", sagte
Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU). Auch dürfe es keine
Ausgrenzung von medizinischen Leistungen geben, teilten er und
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil mit.
Medizinischer Fortschritt müsse für alle zur Verfügung
stehen, "unabhängig vom Geldbeutel", sagte Heil nach Beratungen
des SPD-Präsidiums. Dies bedeute aber auch: "Wir werden
langfristig nicht umhinkommen, mehr Geld für Gesundheit zu
mobilisieren." Bevor allerdings zusätzlich Geld ins System
gesteckt werde, müsse dafür gesorgt werden, "mit dem
vorhandenen Geld effizienter umzugehen".
"Die Versorgung wird insgesamt teurer, weil die Menschen älter
werden", sagte Kauder in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". Daher
müssten die Kosten "auf breite Schultern" gelegt werden. "Es ist
sehr wichtig, herauszustellen, dass die Kostendynamik im
Gesundheitswesen auf Dauer nicht billiger wird", stimmte auch
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer die Öffentlichkeit auf
Mehrbelastungen ein.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla deutete an, dass deswegen eine
Senkung der Lohnnebenkosten im Gesundheitsbereich möglicherweise
nicht erreicht werde. Ziel der Koalition bleibe es aber, die
Sozialbeiträge insgesamt unter die 40-Prozent-Marke zu senken.
An dem Spitzengespräch der Koalition zur Gesundheit am Mittwoch
sollten wie schon in der vergangenen Woche Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) und Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) teilnehmen,
außerdem CSU-Chef Edmund Stoiber, SPD-Fraktionschef Peter Struck,
Kauder und Ramsauer. Der erkrankte SPD-Chef Matthias Platzeck wird
erneut durch Heil vertreten. Neu dazu kommen Gesundheitsministerin Ulla
Schmidt (SPD), Unionsfraktionsvize Wolfgang Zöller (CSU) und
SPD-Partei- und Fraktionsvize Elke Ferner. Zuvor findet in anderer
Zusammensetzung eine Koalitionsrunde statt, die sich auch mit weiteren
Themen befassen dürfte.
(Quelle: afp)
Streit um Heroin auf Krankenschein
Di.04.04.06 - In der Regierungskoalition bahnt sich ein Konflikt über die
kontrollierte Abgabe von Heroin an Abhängige an. Die
Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD) sagte
dem Magazin «Focus» laut Vorabbericht: «Auf Basis der
positiven Studienergebnisse würde ich eine begrenzte
Einführung der heroingestützten Behandlung für sinnvoll
halten.» Dem Argument, dass die Abgabe von Heroin an Süchtige
teurer sei als deren Versorgung mit Ersatzstoffen wie Methadon,
begegnete Bätzing mit den Worten: «Es sinken die
Aufwendungen für Kriminalitätsbekämpfung und
gesundheitliche Folgekosten.»
Die erste Auswertung der seit 2002 in sieben deutschen Städten
laufenden Heroinstudie zeigt dem Magazin zufolge, dass es jenen der 1032
Probanden, die bis zu dreimal am Tag ihre Ration in Empfang nehmen und
sich die Droge spritzen durften, besser ging. 57 Prozent der mit Heroin
Versorgten erfüllten die «Hauptzielkriterien» der
gesundheitlichen Besserung und des verringerten zusätzlichen
Drogenkonsums. In der Methadongruppe waren es nur 45 Prozent.
Die Fachbereichssprecherin der Unions-Fraktion, Maria Eichhorn (CSU),
stellte das Projekt in Frage. «Für uns steht noch nicht fest,
ob der Erfolg der Studie den Aufwand und die gesellschaftlichen
Konsequenzen dieser Therapie rechtfertigt», sagte sie. Nach
Informationen des Blattes fühlen sich CDU und CSU zudem
überrumpelt, weil bereits ein Antrag auf Zulassung von Heroin
gestellt worden ist.
(Quelle: ddp)
Kinderärzte: Masern breiten sich zur Epidemie aus
Di.04.04.06 - Nach dem Ausbruch einer Masern-Epidemie an Rhein und Ruhr mit bislang
gut 350 erkranken Kindern und Jugendlichen wollen Experten die
Ausbreitung der Krankheit näher untersuchen. Epidemiologen des
Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) und des Landesinstituts für
den Öffentlichen Gesundheitsdienst (LÖGD) werden dazu am
Dienstag Schüler und Lehrer einer Duisburger Gesamtschule befragen.
«Dabei geht es unter anderem um den Impfstatus und die Wege zur
Schule», erläuterte RKI-Epidemiologin Anette Siedler am
Montag. Mit den gewonnenen Daten wollen die Experten die
Übertragungswege des Virus erforschen. Dies sei Grundlage für
Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie, sagte Siedler. Nach
Angaben des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)
stammt das Virus aus der Ukraine. «Wie es hierher kam, ist
völlig unklar», meinte Verbandssprecher Sean Monks. Nach den
Erkenntnissen des RKI stehen die Masernfälle in Nordrhein-Westfalen
untereinander in Zusammenhang.
Laut Siedler ist es die erste große Maser-Epidemie in Deutschland
seit 2001/2002. «Insgesamt sind uns seit Anfang des Jahres in
Deutschland bereits mehr als 500 Erkrankungen gemeldet worden. Das
bereitet uns große Sorgen», erklärte die Epidemiologin.
Masern sind nach Angaben der Ärzte keine harmlose Kinderkrankheit.
Mit zunehmendem Alter nehmen auch die mit der Erkrankung verbunden
Komplikationen zu. «Das kann von einer schweren
Mittelohrentzündung bis hin zu einer Masernenzephalitis reichen -
einer Entzündung des Gehirns, die auch tödlich enden
kann», warnt Gabriele Ahlemeyer vom LÖGD. Die Ständige
Impfkommission des RKI empfiehlt zwei Impfungen gegen Masern, Mumps und
Röteln für alle Kinder bis zum zweiten Lebensjahr.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Insekten leisten gratis Milliardenservice für Umwelt
Di.04.04.06 - US-Wissenschaftler haben errechnet wie hoch der Dienstleistungswert von
Hummeln und anderen Insekten in den USA ist. Demnach leisten die
Insekten Bestäubungsdienste, die etwa 57 Mrd. Dollar wert sind.
Traurige Bilanz am Rand: Von den fünf Hummelspezies, die in den USA
heimisch sind, nehmen die Populationen von zwei Arten rapide ab und
eine ist vom Aussterben bedroht. Hummeln sind in Amerika heimisch,
Honigbienen nicht. Das berichten Forscher der Cornell University
in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Scientific
American .
Ein komplettes Verschwinden der Hummeln hätte für das
Ökosystem verheerende Folgen. Zusätzlich würde es eine
finanzielle Katastrophe bedeuten. "Die meisten Insekten erfüllen
Funktionen in der Natur, die wesentlich sind. Erst jetzt beginnen
Wissenschaftler langsam zu verstehen wie wesentlich diese sind",
erklärt der Entomologe John Losey von der Cornell University.
Oberflächlich betrachtet mögen die Dienste der Insekten
vielleicht lächerlich wirken, das sei aber keineswegs der Fall.
Losey und sein Kollege Mace Vaughan von der Xerces Society for
Invertebrate Conservation haben die Wertschöpfung der Insekten
hochgerechnet und sind zu dieser Summe gelangt. Insgesamt sind es vier
Aspekte, die die Wissenschaftler mitberechnet haben: Bestäubung von
Pflanzen, Aufbereitung von Dung, Schädlingskontrolle sowie Nahrung
von zahlreichen Lebewesen.
Ohne Insekten würde beispielsweise die gesamte amerikanische
Fischerei kollabieren. Insbesondere die Süßwasserfische
ernähren sich zum Großteil von Insekten. Das bedeutet, dass
die mit 28 Mrd. Dollar bewertete Fischerei in den USA im Prinzip auf
Insekten basiert. Einen ähnlich wertvollen Dienst erweisen die
dungfressenden Insekten in den Weideregionen der USA. Sie sorgen
dafür, dass die Zahl der Schädlinge gering bleibt.
Mit den Berechnungen wollen die Wissenschaftler das Interesse zum
Schutz der Insekten heben. Diese "Dienstleistungen im Ökosystem"
sollten eine wesentliche Komponente in der gesamten Landwirtschaft
darstellen, meinen die Forscher. "Unsere biologische Infrastruktur ist
sehr empfindlich gegen Degradationen", so Losey. "Wenn wir nicht sorgsam
damit umgehen, könnte es zu einem Zusammenbruch kommen und dieser
hätte verheerende Folgen für die Wirtschaft." Vaughan
berichtet in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins
BioScience über bereits vorhandene Schäden in der
Infrastruktur.
Erst im März 2005 haben Forscher im Wissenschaftsmagazin Nature
davon berichtet, dass der kommerzielle Anbau von genetisch
veränderten Pflanzen große Wirkungen auf die umliegenden
Gewächse und damit auch auf die Schmetterlinge und Bienen haben
könnte. Nach den Ergebnissen der Forscher, die ein Rapsfeld mit
genetisch verändertem Canola-Raps untersuchten, der einem
bestimmten Herbizid widersteht, nahm die Zahl der Schmetterlinge und
Bienen drastisch ab.
(Quelle: pte)
Spuren von Leben auf Exoplanet X
Hubble-Teleskop entdeckt erdnahen Exoplaneten und findet in dessen
Atmosphäre Hinweise auf biologische Aktivität... Mehr bei
telepolis vom 01.04.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22366/1.html