Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertachtundvierzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Drahtzieher der Entführung von Giuliana Sgrena festgenommen.
Regierungsbildung kommt weiter nicht voran. Zehn Tote und 42 Verletzte
bei Bombenanschlag in Nadschaf. Bush verteidigt abermals US-Vorgehen im
Irak
Fr.07.04.06 - Gut ein Jahr nach der Entführung der italienischen Journalistin
Giuliana Sgrena ist im Irak der mutmaßliche Drahtzieher
festgenommen worden. Die US-Streitkräfte erklärten am
Donnerstag, Mohammed Hila Hammad Obeidi, auch bekannt als Abu Ajman, sei
Anfang März im Südirak gefasst worden. DNA-Tests hätten
die Identität des Verdächtigen bestätigt.
Obeidi soll die Gruppe Geheimes Islamisches Heer in der Provinz Babil
südlich von Bagdad angeführt haben. Ihm werden enge Kontakte
zum jordanischen Terroristen Abu Mussab al Sarkawi nachgesagt, dem
Führer der Al Kaida im Irak. In der US-Stellungnahme hieß es,
Obeidi sei der Drahtzieher der Entführung der Journalistin im
Februar 2005. Die Geiselnehmer hatten von der italienischen Regierung
den Abzug ihrer Truppen aus dem Irak gefordert. Vier Wochen nach ihrer
Verschleppung kam Sgrena am 5. März unter dramatischen
Umständen frei. Auf dem Weg zum Bagdader Flughafen eröffneten
US-Soldaten das Feuer auf den Wagen, in dem Sgrena saß. Der
italienische Geheimdienstagent Nicola Calipari wurde getötet, die
Journalistin erlitt Verletzungen. Die US-Streitkräfte
erklärten weiter, Obeidi sei auch für Attentate auf irakische
Regierungsvertreter und andere Entführungen verantwortlich.
Die Regierungsbildung kam unterdessen weiter nicht voran. Ranghohe
schiitische Politiker lehnten eine Parlamentssitzung in der kommenden
Woche ab, in der über die politische Zukunft von
Ministerpräsident Ibrahim al Dschaafari entschieden werden sollte.
Der Schiit Chalid al Attijah sagte, zunächst sollten sich die
Parteien auf die Besetzung der anderen Ämter einigen, wie den neuen
Präsidenten und den Parlamentspräsidenten. Sunniten und
Kurden hatten die Sitzung in der kommenden Woche angeregt, um die
Regierungsbildung voranzubringen. Diese ist bislang vor allem am Streit
über den künftigen Ministerpräsidenten gescheitert.
Ein Autobombenanschlag in der den Schiiten heiligen Stadt Nadschaf
drohte die Spannungen zwischen den Volksgruppen weiter zu
verschärfen. Zehn Menschen kamen ums Leben, als der Sprengsatz rund
300 Meter von einem Heiligenschrein entfernt detonierte. Unter den
Opfern waren vier Frauen, weitere 42 Menschen wurden verletzt. Der
Schrein ist einer der bedeutendsten für die Schiiten weltweit, dort
befindet sich unter anderem das Grab des Schwiegersohns des Propheten
Mohammed, Imam Ali.
Bei einem Anschlag auf eine Polizeistreife wurde im Westen Bagdads ein
irakischer Polizist getötet. Nördlich der Hauptstadt war eine
Patrouille der irakischen Streitkräfte in Bakuba Ziel eines
Anschlags, bei dem ein Soldat ums Leben kam. In der nordirakischen Stadt
Kirkuk wurde ein Polizist in der Nähe seiner Wohnung am
Mittwochabend erschossen, wie die Behörden erklärten.
Im Prozess gegen den gestürzten Staatschef Saddam Hussein nahm die
Verteidigung unterdessen einen früheren Richter erneut ins
Kreuzverhör. Awad al Bandar sagte aus, er habe 1984 in einem
Verfahren 148 Schiiten zum Tode verurteilt, die an einem versuchten
Mordanschlag auf den damaligen Präsidenten beteiligt gewesen sein
sollen. Die Angeklagten hätten Geständnisse abgelegt und einen
fairen Prozess erhalten. Bandar räumten jedoch ein, dass für
alle Angeklagten nur ein Anwalt zur Verfügung gestanden habe, den
das Gericht bestimmt habe. Die Staatsanwaltschaft verwies darauf, dass
einige der Angeklagten damals minderjährig waren. Bandar
erklärte die Ausweise für gefälscht. Saddam Hussein war
am nicht im Gericht anwesend.
US-Präsident George W. Bush hat am Donnerstag in einer Rede im
US-Staat North Carolina abermals das US-Vorgehen im Irak und den Krieg
gegen die Taliban in Afghanistan verteidigt. Es sei wichtig gewesen,
dass er seinen Worten Taten habe folgen lassen, nachdem der damalige
Machthaber Saddam Hussein nicht auf seine, Bushs, Warnungen eingegangen
sei, sagte der Präsident. «Worte bedeuten etwas in dieser
Welt, wenn man versucht, das amerikanische Volk zu
beschützen.»
Ihm sei klar, dass die damaligen Geheimdienstinformationen falsch
gewesen seien, «und ich bin genauso enttäuscht wie jeder
andere». Doch sei Saddam Hussein in ein Land einmarschiert, habe
Massenvernichtungswaffen eingesetzt, er habe die Fähigkeit zur
Herstellung solcher Waffen gehabt, und sein Staat habe den Terror
unterstützt. «Saddam Hussein zu entfernen, war das Richtige
für den Weltfrieden und die Sicherheit unseres Landes.»
Gegen die Taliban hätten die USA Krieg führen müssen,
weil diese das Terrornetzwerk Al Kaida nicht ausgewiesen hätten.
«Wenn der Präsident etwas sagt, dann meint er es besser auch
so.» Nur so bleibe er glaubwürdig. Dennoch glaube er fest an
einen Sieg. Andernfalls würde er die US-Truppen sofort abziehen,
sagte Bush. Er wisse, dass viele Amerikaner daran zweifelten, dass die
Iraker ihr Land jemals selbst regieren könnten. «Ich bin
zuversichtlich, dass sie das können, wenn wir nicht die Nerven
verlieren.»
(Quellen: ap, afp)
Irakerinnen nicht befreit
Organization of Women's Freedom in Iraq veröffentlicht Studie zur
Situation der Frauen... Mehr in der Tageszeitung 'junge Welt' vom
07.04.06:
http://www.jungewelt.de/2006/04-07/041.php
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 07.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertdreiundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.07.03.05 - Der Irak hat erstmals in seiner Geschichte einen kurdischen
Präsidenten. Nach wochenlangem Tauziehen um die Besetzung des
höchsten Staatsamtes wählte das Parlament in Bagdad mit
großer Mehrheit den Vorsitzenden der Patriotischen Union
Kurdistans (PUK), Dschalal Talabani, zum neuen Staatschef. Talabani
versprach, sich für den Aufbau einer Demokratie einzusetzen. Er
rief zum Dialog mit den irakischen Aufständischen auf...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0504070.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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US-Präsident gerät in Geheimdienst-Affäre unter Druck
Bush genehmigte angeblich Enttarnung von CIA-Agentin
Fr.07.04.06 - US-Präsident George W. Bush soll nach Angaben eines angeklagten
Ex-Mitarbeiters von Vizepräsident Richard Cheney die gezielte
Enthüllung hoch geheimer Unterlagen genehmigt haben. Das geht aus
einer am Donnerstag bekannt gewordenen gerichtlichen Eingabe der
Staatsanwaltschaft hervor.
Bush hat solche Enthüllungen mehrfach verurteilt und stets
gefordert, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Der Cheney-Mitarbeiter Lewis Libby war im vergangenen Jahr wegen
Falschaussage angeklagt worden. Sein Prozess soll im Januar kommenden
Jahres beginnen. Dabei ging es um die Untersuchung der Enttarnung einer
CIA-Agentin. Wie aus dem neuen Dokument hervorgeht, hatte Cheney Libby
nach dessen Aussage gesagt, Bush habe die Weitergabe von Informationen
aus einer ansonsten hoch geheimen Studie über Terrorbedrohungen
ausdrücklich genehmigt.
Auf dieser Grundlage sprach Libby mit einer Reporterin. Im Verlauf des
Gesprächs soll auch der Name der Agentin gefallen sein. Bei der
Untersuchung darüber, wer den Namen der Agentin als erstes an
Medienvertreter verriet, hatte Libby das Gespräch mit der
Reporterin laut Anklage verschwiegen.
(Quelle: dpa)
Israelis nehmen palästinensischen Minister fest
Israel erwägt angeblich 'eingeschränkte' Kontakte mit
der neuen palästinensischen Regierung
Fr.07.04.06 - Israelische Sicherheitskräfte haben nach palästinensischen
Angaben am Donnerstag den palästinensischen Minister für
Jerusalem-Angelegenheiten, Chalid Abu Arafa, festgenommen.
Der palästinensische Rundfunk meldete, das Mitglied der
radikal-islamischen Hamas-Bewegung sei an einem Militärposten in
Asaria am Rande Jerusalems angehalten und auf eine Polizeistation
gebracht worden. Ein Armeesprecher sagte, man prüfe den Bericht.
Israel hatte gewarnt, es werde Hamas-Mitglieder an seinen
Militärsperren festnehmen, auch wenn es sich dabei um Minister
handeln sollte.
Unterdessen erwägt Israel nach einem Zeitungsbericht
«eingeschränkte» Kontakte mit der neuen, von der
radikal-islamischen Hamas-Bewegung geführten palästinensischen
Regierung. Die israelische Zeitung «Haaretz» meldete am
Donnerstag, solche Kontakte sollten eine humanitäre Krise im
Westjordanland und im Gazastreifen verhindern. Für die Berichte
gab es keine offizielle Bestätigung. Israel lehnte bislang
jeglichen Kontakt mit der Hamas ab, die in ihrem Programm die
Zerstörung Israels anstrebt.
«Haaretz» berichtete, der amtierende israelische
Ministerpräsident Ehud Olmert habe für kommende Woche eine
Sonderberatung angesetzt. Dabei soll entschieden werden, wie Israel sich
nach der Machtübernahme der Hamas gegenüber der
Palästinensischen Autonomiebehörde verhalten soll. Es sollten
dabei auch mehrere Möglichkeiten zur Schwächung der
Hamas-Regierung erörtert werden, hieß es.
Der neue palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija,
ein führendes Hamas-Mitglied, hatte am Mittwoch bei der ersten
Kabinettssitzung vor einer schweren Finanzkrise gewarnt. Er sagte, die
Kassen der Palästinenserbehörde seien leer, man könnte
ohne Hilfe von außen die Gehälter von etwa 140 000
Sicherheitskräften nicht zahlen.
Die internationale Gemeinschaft fordert von Hamas als Bedingung
für die Fortsetzung von Finanzhilfen eine Anerkennung Israels und
eine klare Absage an die Gewalt.
(Quelle: dpa)
'Hinter den Raketen steht die Hamas'
Die islamistische Organisation hält auch nach ihrem Wahlsieg in
den palästinensischen Gebieten an ihrem Kampf gegen Israel fest.
Mehr als ein begrenzter Waffenstillstand ist mit ihr nicht möglich,
sagt Hamas-Forscher Meir Litvak... Mehr in der taz vom 06.04.06:
http://www.taz.de/pt/2006/04/06/a0259.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/04/06/a0249.1/text
Atomkonflikt mit Iran : Russland und Deutschland enger zusammenarbeiten
'Diplomatische Lösungen erwünscht'
Fr.07.04.06 - Im Atomkonflikt mit Iran wollen Russland und Deutschland enger
zusammenarbeiten. Dies bekräftigten Deutschlands
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und der russische
Außenminister Sergej Lawrow am Donnerstag nach einem Treffen in
Berlin. «Wir waren uns einig, dass wir alle Anstrengungen
unternehmen müssen, diplomatische Lösungen zu erzielen, dass
der Iran keine nukleare Bewaffnung erhält», sagte Jung.
Es gebe ein «gemeinsames Interesse» an einer politischen
Lösung im Streit um das iranische Atomprogramm, betonte Lawrow. Der
russische Außenminister lobte zudem die «hohe
Intensität» und den «vertrauensvollen Charakter»
der deutsch-russischen Beziehungen. Er kündigte eine weitere
Intensivierung der Zusammenarbeit der Außen-und
Verteidigungsministerien beider Länder an.
Nach Angaben Jungs hat Lawrow bei dem Treffen 500 Überflugrechte
zur weiteren Stabilisierung Afghanistans zugesichert. Darüber
hinaus wolle Russland die Bundeswehr bei der humanitären Hilfe in
Pakistan unterstützen.
Nach dem Treffen mit Jung kam der russische Außenminister auch
noch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammen.
(Quelle: ddp)
Regierung in Nepal lässt 300 Oppositionelle festnehmen
Fr.07.04.06 - Mit der Festnahme hunderter Oppositioneller hat die Regierung in Nepal
am Donnerstag Großkundgebungen zu Beginn eines viertägigen
Generalstreiks verhindert. Die Polizei habe Studentenführer,
Frauenrechtlerinnen und Mitglieder der sieben größten
Parteien festgesetzt, sagte der Oppositionspolitiker Khadga Prasad Oli
der Nachrichtenagentur AP in Kathmandu. Bei einem Angriff
kommunistischer Rebellen wurden unterdessen 13 Menschen getötet,
darunter zwei Zivilpersonen.
Die Rebellen griffen nach Polizeiangaben am Mittwochabend in der Stadt
Malangawa, 120 Kilometer südlich von Kathmandu, mehrere
Behördengebäude, Polizeiwachen und Kasernen an. Sechs
Polizisten, fünf Angreifer und zwei Zivilpersonen seien ums Leben
gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Die Kämpfer hätten den
örtlichen Verwaltungschef und 27 Polizisten als Geiseln genommen
und inhaftierte Gesinnungsgenossen aus dem Gefängnis befreit. Die
Kämpfe dauerten auch am Donnerstag noch an. Die Streitkräfte
schickten Verstärkung in die Region.
Die Sicherheitskräfte in Kathmandu nahmen Oppositionspolitiker Oli
zufolge etwa 300 Aktivisten fest. In der Hauptstadt habe es 16 kleinere
Protestaktionen gegeben. Das Innenministerium bestätigte mehrere
Festnahmen, nannte aber keine Zahlen. Die Aktivisten hätten Steine
auf Fahrzeuge geschleudert, sagte ein Ministeriumssprecher. Die
Regierung versetzte die Sicherheitskräfte landesweit in
erhöhte Alarmbereitschaft. Bereits am Mittwoch waren in Kathmandu
etwa 75 Menschen festgenommen worden, die Behörden verhängten
in der Nacht ein Ausgehverbot.
Im Kampf gegen die Rebellen stürzte am Donnerstagmorgen ein
Militärhubschrauber ab. Die kommunistischen Rebellen
erklärten, sie hätten die Maschine abgeschossen. Nach Angaben
der Streitkräfte war Absturzursache möglicherweise ein
technischer Defekt.
Die Rebellen haben erstmals ihre Unterstützung für die
Proteste der Opposition erklärt und wollen während des
Generalstreiks auf Gewalt in der Hauptstadt verzichten. Zu dem Ausstand
ab Donnerstag haben sieben politische Parteien aufgerufen. Die Rebellen
kämpfen seit 1996 gegen die Monarchie in Nepal. Dabei kamen mehr
als 13.000 Menschen ums Leben.
(Quelle: ap)
Gemeinsames Militärkorps von Chile und Argentinien für
UN-Einsätze
Fr.07.04.06 - Argentinien und Chile haben ein gemeinsames Militärkorps für
Einsätze der UNO im Ausland geschafffen. Die chilenische
Verteidigungsministerin Viviane Blanlot und ihre argentinische Kollegin
Nilda Garré nahmen am Mittwoch (Ortszeit) in Santiago de Chile an
einer Zeremonie zur offiziellen Gründung des Gemeinsamen
Kombinierten Generalstabs teil. Dessen Offiziere sollen im laufenden
Jahr sechs Mal zusammentreffen. Derzeit sind Argentinien und Chile an
UN-Einsätzen in Haiti und in Zypern beteiligt.
(Quelle: afp)
Belgrad sagt Auslieferung Mladics bis Ende April zu
Fr.07.04.06 - Die serbische Regierung will den bosnisch-serbischen General Ratko
Mladic bis Ende des Monats an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den
Haag ausliefern. Chefanklägerin Carla Del Ponte habe eine
entsprechende Zusicherung des serbischen Regierungschefs Vojislav
Kostunica erhalten, sagte ein Sprecher Del Pontes am Donnerstag in Den
Haag. Die EU hatte die Ergreifung Mladics bis Ende April gefordert.
Ansonsten würden die Assoziierungsgespräche mit der Regierung
in Belgrad ausgesetzt.
(Quelle: afp)
Türkei will trotz neuer Unruhen an demokratischen Reformen
festhalten
Vier prokurdische Politiker festgenommen
Fr.07.04.06 - Die neu entflammenden Zusammenstöße zwischen türkischen
Sicherheitskräften und kurdischen Rebellen gefährden nach
Ansicht von Außenminister Abdullah Gül nicht den EU-Beitritt
des Landes. Gül sagte am Donnerstag, die Türkei sei
entschlossen, die Rebellen zu bekämpfen, ohne demokratische
Reformen zurückzunehmen. Unterdessen wurden im Südosten des
Landes vier prokurdische Politiker festgenommen.
Das zuständige Gericht in Diyarbakir erklärte, die
Männer hätten in der vergangenen Woche an den Beerdigungen von
14 kurdischen Rebellen teilgenommen, die von türkischen Soldaten
erschossen worden waren. Sie seien Mitglieder der Partei der
Demokratischen Gesellschaft (DTP), einer legalen kurdischen Partei. Die
türkischen Behörden haben der DTP wiederholt Kontakte zur
verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vorgeworfen.
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte die DTP auf Mittwoch
aufgerufen, sich klar von der PKK zu distanzieren und sie zu einer
terroristischen Organisation zu erklären. Bei Ausschreitungen und
Bombenanschlägen, die nach den Bestattungen der Rebellen begonnen
hatten, wurden bisher 16 Menschen getötet.
(Quelle: ap)
Ein- und Durchreise durch neue EU-Staaten soll leichter werden
Fr.07.04.06 - Knapp zwei Jahre nach der EU-Osterweiterung hat sich das
Europaparlament für Erleichterungen bei der Einreise in die neuen
Mitgliedsstaaten ausgeprochen. Die Abgeordneten stimmten in
Straßburg in erster Lesung einem Vorschlag der Ministerrats zu,
der auf vereinfachte Kontrollen an den Grenzen der acht
osteuropäischen EU-Länder sowie der Inselstaaten Zypern und
Malta abzielt. Die Neuregelung sieht vor, dass die neuen EU-Staaten Ein-
und Durchreisevisa aller Länder anerkennen, die dem
Schengen-Abkommen zum Abbau der Grenzkontrollen beigetreten sind.
(Quelle: afp)
Blair und Ahern nennen Termin für Selbstverwaltung in Nordirland
Fr.07.04.06 - In Nordirland soll bis spätestens zum 24. November eine weitgehend
autonome Regionalregierung eingesetzt werden. Diesen Termin nannten der
britische Premierminister Tony Blair und sein irischer Amtskollege
Bertie Ahern nach einem Treffen in der nordirischen Stadt Armagh. Mit
den Vorbereitungen für die Wiedereinsetzung der vor mehr als drei
Jahren im Streit aufgelösten Selbstverwaltung soll das Parlament
Nordirlands am 15. Mai beginnen.
(Quelle: dpa)
Berlusconi sieht bei Wahlsieg der Linken Freiheit in Gefahr
Fr.07.04.06 - Drei Tage vor der Parlamentswahl in Italien hat Ministerpräsident
Silvio Berlusconi vehement vor einem Sieg des
Mitte-links-Bündnisses gewarnt. Dann sei «unsere Freiheit in
Gefahr», sagte Berlusconi am Donnerstag in einem Interview des
Fernsehsenders SKY TG24.
Am Tag zuvor hatte er mit einem versuchten Auftritt in einer Show
seines Senders Mediaset Empörung ausgelöst. Seine Kontrahenten
warfen ihm vor, sich zusätzliche Sendezeit für den Wahlkampf
erschleichen zu wollen. Experten rechnen bei der Wahl am Sonntag und
Montag mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Berlusconi und seinem
Herausforderer
Romano Prodi.
Innenminister Giuseppe Pisanu erklärte unterdessen laut der
Nachrichtenagentur ANSA auf einer Wahlkampfveranstaltung auf Sardinien,
die italienischen Sicherheitsbehörden hätten
Terroranschläge auf eine Kirche in Bologna und die U-Bahn in
Mailand vereitelt. Wann die Anschläge geplant waren, sagte Pisanu
nicht. Sein Büro bestätigte die Meldung, wonach sieben
Personen an der Verschwörung beteiligt gewesen seien: Drei wurden
aus Italien ausgewiesen, zwei wurden verhaftet, eine sei unter
Beobachtung und eine auf der Flucht.
Der Tageszeitung «Corriere della Sera» zufolge sollten die
Attentate vor der Parlamentswahl stattfinden. Die Ermittlungen seien auf
die Festnahme eines in Mailand lebenden Tunesiers im März erfolgt,
schrieb das Blatt am Donnerstag. Der Mann habe die
Sicherheitsbehörden über die geplanten Anschläge
informiert, und Pisanu habe vergangene Woche die drei Ausweisungen
angeordnet.
In der Basilika von Bologna befindet sich ein Fresko aus dem 15.
Jahrhundert, das von Muslimen als Beleidigung des Islams interpretiert
wird. Es zeigt den Propheten Mohammed in der Hölle, wie er von
Dämonen verschlungen wird.
(Quelle: ap)
Frankreichs Premierminister Villepin fordert Ende der Proteste
gegen Ersteinstellungsvertrag
Fr.07.04.06 - Der französische Premierminister Dominique de Villepin hat am
Donnerstag Spekulationen über einen Rücktritt wegen der
anhaltenden Proteste gegen seine Arbeitsmarktreform zurückgewiesen.
Er werde die Schlacht gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit «bis
zum Ende» führen, sagte Villepin auf einer Pressekonferenz
in Paris. Fragen, ob er den umstrittenen Ersteinstellungsvertrag
zurücknehme, wich der Regierungschef aus.
Das Gesetz sei «ein Hilfsmittel» im Kampf gegen die
Jugendarbeitslosigkeit, sagte Villepin. Die Quote von über 20
Prozent in Frankreich sei skandalös. Er sehe die Sache jedoch
«pragmatisch»: Angesichts der laufenden Gespräche
über den Ersteinstellungsvertrag sei Offenheit wichtig. «Ich
höre zu», erklärte der Premierminister.
Staatspräsident Jacques Chirac hat das Gesetz zwar unterzeichnet,
die Regierung aber zugleich aufgefordert, es in zwei wichtigen Punkten
zu ändern.
Villepin forderte die Studenten auf, ihre Demonstrationen zu beenden.
Sie sollten wieder zur Uni gehen statt auf die Straße. Das oberste
Ziel müsse sein, wieder Ruhe und Einigkeit im Land herzustellen,
erklärte Villepin. An landesweiten Demonstrationen gegen den
Ersteinstellungsvertrag haben sich zwei Mal mehr als eine Million
Menschen beteiligt, an etlichen Universitäten wurde der
Lehrbetrieb ganz oder teilweise eingestellt.
In der Nähe von Toulouse blockierten am Donnerstag rund 100
Studenten den Transport von Bauteilen für den Riesen-Airbus A380.
Sie versammelten sich nach Polizeiangaben auf einer Straße in der
Nähe des dortigen Montagewerks. Die Blockadeaktion sei friedlich
verlaufen und nach etwa zweieinhalb Stunden beendet worden.
Gewerkschaften haben der Regierung am Mittwoch eine Frist von zehn Tagen
für die Rücknahme des Ersteinstellungsvertrags gesetzt. Die
Regelung erleichtert Unternehmen die Kündigung von
Berufsanfängern.
(Quelle: ap)
Deutschland
Tarifstreit auf Länderebene - Möllring lehnt Stuttgarter
Modell ab
Fr.07.04.06 - Die Einführung der 39-Stunden-Woche für Beschäftigte der
Kommunen in Baden-Württemberg ist im Tarifstreit auf
Länderebene offenbar kein Vorbild für die Arbeitgeber. Der
niedersächsische Finanzminister und Verhandlungsführer der
Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hartmut Möllring
(CDU), bezeichnete den Stuttgarter Abschluss zwar "als Schritt in die
richtige Richtung". Er gehe "aber nicht weit genug".
Ob in die festgefahrenen Verhandlungen nun Bewegung kommt, scheint
weiterhin fraglich. Möllring wies die Kritik der Gewerkschaften
zurück, er verzögere eine Einigung zusätzlich, weil er
sich für eine Woche in den Urlaub nach Österreich
verabschiedet habe: "Ich kann jederzeit da sein. Aber es ist im Moment
nicht ersichtlich, dass wir einer Einigung näher kommen. Und
deshalb ist es eigentlich auch egal, ob ich außerhalb
Deutschlands bin oder innerhalb Deutschlands", sagte Möllring in
N24.
Unterdessen sprachen sich der TdL-Vizevorsitzende und
schleswig-holsteinische Innenminister Ralf Stegner (SPD) sowie
Gewerkschaftsvertreter für eine baldige Wiederaufnahme der
Tarifgespräche aus.
Gewerkschaftsvertreter forderten die Länder mit Blick auf den
Stuttgarter Abschluss auf, sich nun endlich zu bewegen. Es wäre zu
wünschen, dass die Stuttgarter Einigung auch auf die TdL
ausstrahlt, sagte der rheinland-pfälzische Verdi-Sprecher
Jürgen Dehnert im SWR. Ähnlich äußerten sich der
bayerische Verdi-Chef Josef Falbisoner und der Verhandlungsführer
der dbb tarifunion, Willi Russ. Laut Dehnert sagte der
rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) Verdi
zu, dass er "alles in seiner Macht mögliche tun" werde, um in dem
seit Februar andauernden Tarifstreit eine Einigung zu erzielen.
In der TdL gebe es allerdings einen "harten Kern von Leuten", die eine
Wochenarbeitszeit für die Landesbeschäftigten von bis zu 42
Stunden wollten, sagte Dehnert. Wenn in der TdL diejenigen stärker
würden, die keinen Tarifvertrag wollten, dürften
Abschlüsse mit einzelnen Bundesländern "kein Tabu" mehr sein.
Beck hatte bereits im März wegen der harten Haltung Möllrings
offen mit einem Austritt sozialdemokratisch geführter Länder
aus der TdL gedroht.
(Quelle: afp)
Richtungsdebatte in der SPD
Fr.07.04.06 - Die SPD-Spitze sieht sich mit Forderungen des Arbeitnehmerflügels
nach einem schärferen sozialen Profil der Partei konfrontiert. Der
Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA),
Ottmar Schreiner, warnte am Donnerstag vor dem Verlust an Zustimmung in
der Bevölkerung. Auch innerhalb der großen Koalition
müsse deutlich werden, «dass im Zentrum der
sozialdemokratischen Bemühungen die Verbesserungen für
abhängig Beschäftigte stehen».
Der Sprecher der im «Seeheimer Kreis» vereinten
SPD-Rechten, Johannes Kahrs, wandte sich gegen eine einseitige
Ausrichtung der Sozialdemokraten. Er betonte: «Arbeitnehmer und
Gewerkschaften sind natürlich bei uns Kernklientel. Aber genauso
richtig ist es, dass man eine gute Wirtschaftspolitik machen
muss.»
Am Freitag beginnt in Kassel ein AfA-Bundeskongress unter dem Motto
«Menschenwürdig leben und arbeiten». Als Gäste
wurden zu den dreitägigen Beratungen auch DGB-Chef Michael Sommer
und der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters eingeladen.
Außerdem werden SPD-Generalsekretär Hubertus Heil und
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) erwartet.
Schreiner rechnet mit kontroversen Diskussionen. Er betonte mit Blick
auf die Gewerkschaften: «Die SPD-Erfolge stehen und fallen damit,
inwieweit es gelingt, auch Unterstützung aus dem Bereich der
organisierten Arbeitnehmerschaft zu erfahren. Und das war in den
letzten Jahren jedenfalls nicht so optimal, wie man sich das vorstellen
könnte.»
Schreiner verwies darauf, dass die Beschäftigungsfrage im
Mittelpunkt des AfA-Kongresses stehen wird. Ein wesentlicher Grund
für die hohe Arbeitslosigkeit sei «die in den letzten Jahren
unzureichende Lohnentwicklung in Deutschland». Er mahnte:
«Wir brauchen wieder eine angemessene Beteiligung der
Arbeitnehmerschaft am gesellschaftlichen Einkommen."
Schreiner forderte ferner einen Verzicht auf die Erhöhung der
Mehrwertsteuer. Sonst könne der erhoffte Wirtschaftsaufschwung im
nächsten Jahr «abrupt sein Ende finden». Der AfA-Chef
fügte hinzu: «Dann stehen wir beschäftigungspolitisch
wieder da, wo wir in den vergangenen Jahren waren - nämlich bei
rund fünf Millionen Arbeitslosen.» Die große Koalition
werde aber «im Wesentlichen daran gemessen werden, inwieweit es
ihr gelingt, die Massenarbeitslosigkeit zurückzuführen».
Kahrs forderte ein klares Auftreten der SPD innerhalb der großen
Koalition. So müsse für die Bürger erkennbar sein, dass
für umstrittene Entscheidungen wie die geplante Erhöhung der
Mehrwertsteuer die Union verantwortlich sei. Dagegen stehe die SPD zum
Beispiel für einen Verzicht auf weitere Änderungen beim
Kündigungsschutz und für das Festhalten am Atomausstieg.
(Quelle: ddp)
Innenminister Schäuble - Nicht integrationswillige Familien
ausweisen
Fr.07.04.06 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich für die
Ausweisung nicht integrationswilliger Familien ausgesprochen. "Wer
nachhaltig seinen Integrationsverpflichtungen nicht gerecht wird und
nicht will, dass seine Kinder wie Deutsche leben, hat einen Fehler
gemacht, als er nach Deutschland kam", sagte Schäuble der "Berliner
Zeitung". Der grüne Europaabgeordnete Cem Özdemir wies darauf
hin, dass es auch bei deutschen Kindern Sprachschwierigkeiten gebe. "Es
handelt sich ganz offensichtlich um ein Scheitern des deutschen
Schulsystems", sagte er im RBB Inforadio.
An dem von der Bundesregierung geplanten Integrationsgipfel sollen
Schäuble zufolge alle von dem Thema betroffenen Gruppen teilnehmen.
Neben Bund, Ländern und Gemeinden sollen auch Vereine,
Verbände und kirchliche Organisationen Vertreter schicken.
Darüber hinaus sollten auch die Vertreter der ausländischen
Gemeinden teilnehmen, sagte Schäuble. "Sie müssen dafür
sorgen, dass unter den Migranten die Einsicht wächst, dass sie sich
integrieren müssen." Der Bund allein könne die Integration
nicht bewältigen.
Nach Ansicht von Schäuble sind bei der Integration die Eltern in
der Pflicht. "Wir werden die Integration nicht schaffen, wenn die Eltern
der hier geborenen Kinder nicht begreifen, dass sie in der Pflicht sind
und die Verantwortung für die Erziehung und Integration ihrer
Kinder in die deutsche Gesellschaft tragen."
Ähnlich äußerte sich die ehemalige
Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU), die sich für
verbindliche Elternkurse auch für Deutsche aussprach. In sozialen
Brennpunkten mit hoher Arbeitslosigkeit gebe es "einen wachsenden Anteil
von Eltern, die nicht mehr erziehungsfähig sind", sagte sie dem
"Tagesspiegel".
Özdemir forderte, die Schulklassen länger zusammen zu lassen.
"Wer Kinder schon nach der vierten Klasse trennt, der selektiert sie
nach sozialen Kriterien", sagte er. Das jetzige Schulsystem sei für
Kinder aus Mittelschichtsfamilien gemacht. "Dazu brauchen wir andere
Kindergärten mit Erziehern, die Deutsch als Zweitsprache
unterrichten können", forderte Özdemir.
Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) begrüßte
den geplanten Integrationsgipfel. "Es ist notwendig, dass der Staat und
die zivilgesellschaftlichen Kräfte gemeinsam einen neuen Weg
gehen", sagte der TGD-Bundesvorsitzende Kenan Kolat. Die TGD sei bereit,
eigene Vorschläge zu unterbreiten. "Eine Politik, die die
Zuwanderer nicht einbezieht, ist zum Scheitern verurteilt."
(Quelle: afp)
Nur wenige Eltern sehen Gewalt an der Schule ihrer Kinder
Fr.07.04.06 - Drei Viertel der Deutschen werfen der Politik Versäumnisse beim
Thema Gewalt an Schulen vor. Nur eine kleine Mehrheit der Eltern glaubt
aber, dass ihre eigenen Kinder von dem Problem betroffen sind. Das geht
aus einer forsa-Umfrage für n-tv hervor, von der der
Nachrichtensender am Donnerstag berichtete. Danach verlangt die
große Mehrheit außerdem, dass Ausländer sich an
deutsche Werte anpassen sollen.
75 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder und 77 Prozent aller
Deutschen glauben der Umfrage zufolge, dass die Politik das
Gewaltproblem an den Schulen zu sehr vernachlässigt hat. Nur 20
Prozent (Eltern schulpflichtiger Kinder: 22 Prozent) sind nicht dieser
Meinung. In Ostdeutschland werfen sogar 84 Prozent der Befragten der
Politik schwere Versäumnisse vor.
Dennoch finden lediglich elf Prozent der Eltern, dass an der Schule
ihres Kindes Gewalt «eher» ein Problem (acht Prozent) oder
sogar ein «sehr» großes Problem sei. Mit 89 Prozent
hält dagegen die überwiegende Mehrheit Gewalt an der Schule
ihrer Kinder für ein «weniger großes» (39
Prozent) beziehungsweise «gar kein» (50 Prozent) Problem.
In der Diskussion über eine bessere Integration von
Ausländern fordern 83 Prozent der Befragten von den Einwanderern
eine Anpassung an deutsche Werte und deutsche Kultur. Diese Einstellung
ist den Angaben zufolge besonders unter älteren Bürgern (93
Prozent der über 60-Jährigen) sowie den Anhängern von
Union (90 Prozent), FDP (90 Prozent) und Linkspartei (94 Prozent)
verbreitet, während die Anhänger der SPD (81 Prozent) und der
Grünen (54 Prozent) dies weniger oft fordern. Gleichzeitig halten
aber zwei Drittel der Deutschen (65 Prozent) den Begriff der
«deutschen Leitkultur» im Zusammenhang mit der
Integrationsdiskussion für «unangemessen und wenig
hilfreich».
Die Umfrage fand den Angaben zufolge am 3./4. April statt, befragt
wurden 1.003 Personen.
(Quelle: ap)
Streit um Emmissionszertifikate
Fr.07.04.06 - Ausländische Stromkonzerne drohen angeblich damit, ihre
Kraftwerkprojekte in Deutschland stillzulegen, falls sie vom
Bundesumweltministerium nicht ausreichend mit Emissionszertifikaten
für Kohlendioxid ausgestattet werden. Das berichtet die in Berlin
erscheinende Tageszeitung «Die Welt» in ihrer
Donnerstagsausgabe. Nur wenige Tage nach dem Energiegipfel im
Bundeskanzleramt und der Ankündigung eines
Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission drohe dem Wettbewerb auf
dem deutschen Strommarkt damit ein herber Rückschlag. Nach
Informationen des Blattes geht es um einen drohenden Baustop bei bis zu
zehn hocheffizienten Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerken (GuD).
«Ausgerechnet die umweltfreundlichste Kraftwerkstechnologie
läuft Gefahr, bei der Zuteilung von CO2-Zertifikaten unter die
Räder zu kommen», sagte Helge Beil, Geschäftsführer
von Statkraft Markets GmbH. Die Tochterfirma des größten
norwegischen Energiekonzerns plant in Deutschland den Bau zweier
GuD-Kraftwerke. Weil das Umweltministerium die Anlagen jedoch offenbar
schlechter mit Verschmutzungsrechten ausstatten will als konkurrierende
Kohlekraftwerke, seien die Projekte akut gefährdet, sagte Beil:
«Wenn die Ministerien bei diesen Zuteilungsplänen bleiben,
ist der deutsche Markt für uns tot.» Das Umweltministerium
wollte den Sachverhalt nicht bestätigen. Bevor der so genannte
Nationale Allokationsplan (NAP 2) öffentlich vorgestellt wird,
werde «von interessierten Kreisen das eine oder andere
unterstellt», hieß es. Gemeinsam mit dem
Bundeswirtschaftsministerium arbeite das Umweltressort an einer fairen
Lösung für alle Beteiligten.
(Quelle: ddp)
Umweltamt-Chef sieht bei Hochwasser 'neue Qualität'
Fr.07.04.06 - Der Präsident des Bundesumweltamts, Andreas Troge, hat vor einer
steigenden Hochwasser-Gefahr wegen des Klimawandels gewarnt. "Hochwasser
ist im Frühling an sich nicht ungewöhnlich. Es gehört
zur Natur der Flüsse", sagte Troge den Dortmunder "Ruhr
Nachrichten". "Eine neue Qualität gewinnt das Ganze aber mit dem
zu beobachtenden Klimawandel." Schon jetzt gebe es häufiger als
früher "kurzzeitige, extrem hohe Niederschläge". Daher
müsse man sich künftig auf mehr Hochwasser einstellen.
Der Mensch habe im letzten Jahrhundert zu sehr in den natürlichen
Lauf der Flüsse eingegriffen, sagte Troge weiter: "Die Flutwellen
rauschen ungebremst und mit höheren Pegeln die Flüsse
abwärts." Mehr extreme Niederschläge durch den Klimawandel
könnten dies in Zukunft verstärken.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Milben sichern auf einzigartige Weise ihren Weiterbestand
Fr.07.04.06 - Ernst Ebermann von der Arbeitsgruppe Acarologie am Institut für
Zoologie der Universität Graz hat herausgefunden, dass die drei
Milbenarten "Imparipes apicola", "I. breganti" und "I. haeseleri"
richtige Feinschmecker sind und ein ganz erstaunliches Verhalten an den
Tag legen, um nicht auf ihre Lieblingsspeise verzichten zu müssen.
Jede der drei Spezies fressen jeweils nur einen bestimmten Pilz. Um
ihren Weiterbestand zu sichern nehmen sie Sporen von diesem Pilz in
ihren Genitaltrakt auf und tragen ihn dorthin, wo sie sich niederlassen.
"Diese Art des Sporentransports ist ein Unikum unter den über
45.000 bekannten Milbenarten", erklärt Ernst Ebermann im
Gespräch mit pressetext.
Das Phänomen ist jedoch nicht neu. "Es gibt
Verwandtschaftsgruppen, die einfach alle Pilzarten essen, die sich
anbieten. Sie transportieren verschiedene Typen von Pilzsporen in
größeren Mengen. Es gibt jedoch auch Spezies mit einem hohen
Grad an Spezialisierung", so Ebermann. "Bei der von uns untersuchten
Milbengruppe war die Erkenntnis aber neu".
Wichtig ist, dass sich die Milben ein Reiseziel aussuchen, wo der Pilz
optimal gedeihen kann. "Nester von Wildbienen oder Bauten von Wespen
bilden einen guten Nahrungsboden, da Holz und Pflanzenmaterial die
Entwicklung des Pilzes fördert", so Ebermann gegenüber
pressetext. Um ihr Ziel zu erreichen, nutzen die Milben Bienen und
Wespen als Transportmittel. Die Milben haben eine vergrößerte
Kralle am vorderen Beinpaar, mit der sie sich an die Insekten
befestigen können. Aufmerksamkeit bei der Insektenauswahl ist
jedoch angebracht: Nur weibliche Bienen und Wespen schaffen sich ein
Zuhause, Männchen besuchen selten ein Nest.
(Quelle: pte)
Großteil der Europäer lehnt Gentechnik ab
Fr.07.04.06 - Es hätte eigentlich eine Debatte über die Sicht der
Konsumentenseite von gentechnisch veränderten Lebensmitteln sein
sollen. Herausgekommen ist eine wilde Diskussion um Fakten wie etwa die
Akzeptanz durch die Konsumenten in Europa. So geschehen bei der
Konferenz "Koexistenz von gentechnisch veränderten, konventionellen
und biologischen Nutzpflanzen - Die Freiheit der Wahl", die von der
EU-Kommssion und dem österreichischen Lebensministerium
veranstaltet wird.
Offensichtlich sind die "harten Fakten" über das Kaufverhalten der
europäischen Konsumenten doch nicht außer Streit. Insgesamt
wurden 25.000 Interviews seitens der Europäischen
Lebensmittelbehörde EFSA durchgeführt, berichtete Barbara
Galliani von der European Consumers Organisation BEUC. 62 Prozent der
Befragten haben demnach bedenken. "In Österreich stehen nach dem
Eurobarometer 69 Prozent der Befragten gentechnisch veränderten
Produkten am Teller kritisch gegenüber", wie Österreichs
Umweltminister Josef Pröll schon zur Eröffnung der Konferenz
betonte. Immer wieder wird in der Diskussion laut, dass es dringend
einheitliche EU-Rahmenbedingungen im Landbau geben müsste, die etwa
die Haftung oder den Mindestabstand der Pflanzen regeln, wie Galliani
betont.
In die gleiche Kerbe schlägt auch Birgit Hofer von EuroCommerce:
"Europäische Konsumenten sind von den GVO-Produkten einfach nicht
überzeugt", so Hofer. Gentech in der Medizin sei offensichtlich
kein Thema mehr, aber auf dem Teller bevorzugen die Europäer
gentechfrei. "Bisher haben die GVO-Lebensmittel den Kampf um
Regalplätze nicht für sich entscheiden können", so die
Expertin. Die Transparenz der GVO-Produkte decke aber derzeit nicht alle
Bereiche mit ein. Für Fleisch, Milch und Eier scheine das nicht zu
gelten, kritisiert Hofer. Sie forderte bessere Informationen für
den Konsumenten. "Die Konsumenten können zwischen drei
Produktlinien wählen: ökologisch, konventionell und
gentechnisch verändert." Die Expertin setzt sich dafür ein,
eine Koexistenz der Güter zu schaffen. Ausgangspunkt dafür
müsse aber eine konsequente Produktlinie sein. "Diese gibt es
derzeit aber nur bei Bioprodukten", so Hofer. Sie plädiere daher
für niedrige Grenzwerte, die unbedingt einzuhalten sind. Hofer
kritisierte zudem, dass biologische und konventionelle Produkte derzeit
die Kosten für GVO mittragen.
Heftige Kontroversen gab es auch bei der Frage der höheren
Erträge durch GVO. "Bisher wirken die GVO-Pflanzen als Herbizide.
Zu den versprochenen Mehrerträgen ist es bis jetzt nicht gekommen",
argumentierte Helen Holder von der Umweltorganisation Friends of the
Earth. Auch das Argument, dass GVO in der Landwirtschaft der globalen
Erwärmung vorbeuge sei nicht bestätigt. Dass der
Pestizideinsatz in Argentinien nur während der ersten Jahre
geringer war, und seither um ein Vielfaches gestiegen ist, wird von den
Befürwortern der "grünen Gentechnik" wie Simon Barber von der
European Association for Bioindustries EUROPABIO, vehement verneint.
Probleme mit den GVOs gebe es keine, so Barber. In der Zusammenfassung
der Session kritisierte George Gaskall von der London School of
Economics and Political Science die fehlende Debatte zum Thema
"Koexistenz". "Es war eine Debatte, die in erster Linie um die Frage
Gentechnik Ja oder Nein ging", so der Wissenschaftler. Das mache wieder
deutlich, dass das eigentliche Thema der Koexistenz einen langen und
steinigen Weg vor sich habe. "Das Thema Gentechnologie schafft es immer
noch, die Emotionen zu bewegen", so Gaskell.
(Quelle: pte)
Gentech-Mais verunreinigt Pflanzen
Greenpeace-Studie zeigt, dass Gentech-Mais und organische Pflanzen
nicht nebeneinander existieren können... Mehr in der taz vom
07.04.06:
http://www.taz.de/pt/2006/04/07/a0114.1/text
Für Kühe, nicht für Menschen
Genveränderte Lebensmittel bleiben hinter Erwartungen zurück
Für Freunde der grünen Gentechnik war 2005 ein Erfolgsjahr:
Die Anbauflächen von gentechnisch veränderten (GV-) Pflanzen
auf der ganzen Welt wuchsen um neun Millionen auf knapp 90 Millionen
Hektar - das ist eine Fläche so groß wie Frankreich und
Deutschland zusammen. Doch von diesem Zuwachs profitieren - wenn
überhaupt jemand vor allem die Bauern. Denn was da geerntet wird,
sind vor allem Futtermittel, transgene Gewächse, die einen Schutz
vor Fressfeinden liefern oder immun gegen Herbizide sind, etwa gegen
das prominente "Round-Up" aus dem Hause Monsanto.
Überraschend wenig Fortschritt ist bei GV-Pflanzen zu erkennen,
die einen direkten Nutzen für den Menschen haben könnten. Was
den Esstisch betrifft, lässt die"grüne Revolution" auf sich
warten. Die Tomate, die sich besonders lang lagern lässt, ohne
matschig zu werden, war eines der ersten, viel zitierten Versprechen
der Genindustrie. Obst sollte Stoffe gegen Krebs enthalten, Bananen
diverse Impfstoffe liefern und VitaminReis arme Kinder vor dem
Erblinden bewahren - Forschung inklusive Entwicklungshilfe. Auch neue
Medikamente wurden angekündigt, die man praktisch nur noch aus der
Milch genveränderter Ziegen herausfiltern müsse.
1999, im Vorwort einer Sonderausgabe der Fachzeitschrift science waren
die leitenden Redakteure Philip Abelson und Pamela Hines
überzeugt: "Schon bald wird es dank Biotechnologie gesündere
Lebensmittel geben." Da die Gentechnik auf dem Feld große
Hoffnungen weckte, hat man Unsummen in die Erforschung gepumpt. Allein
in den Jahren 1992 bis 2000 hat beispielsweise die Entwicklung des
Provitamin-A-reichen "Golden Rice" drei Millionen USDollar gekostet.
Und auch die EU fördert zahlreiche Projekte finanziell.
Doch bisher ist davon kaum etwas beim Verbraucher angekommen, und das
liegt nicht daran, dass die Gentechnik besonders kritisch gesehen wird.
Nach einem aktuellen Bericht des Büros für
Technikfolgenabschätzung im Deutschen Bundestag (TAB) sind von 74
seit Jahren zugelassenen GV-Pflanzen weltweit bislang nur elf in der
Kategorie "Nutzen für den Verbraucher" zu finden: die
Anti-Matsch-Tomate, Raps- und Sojasorten mit verändertem
Fettgehalt, langsam welkende und blaufarbige Nelken sowie nikotinarmer
Tabak. Diese Produkte kommen beim Konsumenten jedoch nicht an. Das Gros
landet im Futtertrog von Tieren oder in der verarbeitenden Industrie:
Aus Soja und Raps mit verändertem Fettsäuremuster wird
beispielsweise Schmiermittel.
Schockstarre im Labor
Die Forschung hält zwar allerlei parat, wie koffeinfreien Kaffee
oder cholesterinsenkende Sojabohnen. Allerdings liegt bislang nur ein
Antrag bei der EU vor, und das seit 1997: eine Kartoffelsorte, die
ebenfalls in der Industrie verarbeitet wird. "Die große Zahl
potenzieller GV-Pflanzen findet sich in einem so frühen
Forschungs- und Entwicklungsstadium, dass seriöserweise nicht
prognostiziert werden kann, ob jemals Praxisreife erreicht wird,"
resümiert das TAB.
Nicht ganz so düster sieht es bei den Pharma-Pflanzen aus. Die
Forschung und Freisetzung von Pflanzen, die Arzneien in ihren Zellen
bilden, sind zwar seit etwa vier Jahren massiv zurückgegangen.
"Trotzdem haben wir über ein Dutzend entsprechender Medikamente in
klinischen Studien verortet,"
Reine Sisyphusarbeit ist auch das Herstellen von Impfstoff-Pflanzen.
Der Traum vom essbaren Vakzin platzt oft deswegen, weil Pflanzen die
gewünschten Antigene nicht in allen Teilen gleichmäßig
produzieren oder schlicht nicht genug davon bilden. Das macht die
Impfung schwierig, denn zu geringe Mengen führen zu "oraler
Toleranz", sprich sie wirkt nicht. "Von der Impfbanane wollen die
Forscher gar nichts mehr hören", sagt Sauter. Realistischer, weil
besser zu dosieren, seien Pflanzen, die einen Impfstoff produzieren,
der schließlich extrahiert wird.
Ein Rückschlag für die Branche kam vor zwei Wochen auch von
rechtlicher Seite: Der Gerinnungshemmer"Athryn" aus der Milch
gentechnisch veränderter Ziegen sollte das erste
"Pharming"-Präparat werden. Pharming ist eine Wortschöpfung
aus Pharma und Parming. Doch auch daraus wird vorerst nichts. Die
europäische Arzneinlittelbehörde EMEA hat Atryn abgelehnt,
weil zu wenig Teilnehmer für die klinische Studie rekrutiert
worden waren (SZ, 24.2.2006).
Für das Image der grünen Gentechnik wäre ein gutes
Pharming-Präparat oder ein gesundheitsförderndes Lebensmittel
nun wichtig. Forscher vermuten, dass Verbraucher eine solche Innovation
akzeptieren würden. Die Protagonisten gentechnisch
veränderter Pflanzen verweisen unverdrossen auf die Zukunft: Die
Freiburger " GoldenRice " -Arbeitsgruppe um Jorge Mayer sagt voraus:
"Der Vitamin-Reis wird 2012 im Handel sein." Und die AgrarMultis
Monsanto und DuPont kündigten Mitte Februar in der New York Times
an, die nächste Generation Genfood werde bald kommen. Zum Beispiel
Sojabohnen mit Omega-3-Fettsäuren, die gesund für Hirn und
Herz sind. Das entsprechende Gen soll aus Algen stammen.
Kathrin Burger in der Süddeutschen Zeitung vom 31.03.2006
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Zahlenspiele mit den Opfern der Tschernobyl-Katastrophe
Fr.07.04.06 - Zum Zeitpunkt der Tschernobyl-Katastrophe lebte die heute
50-jährige Valentina in Gomel im Südosten
Weißrusslands. Schon ein Jahr nach dem Super-GAU vom 26. April
1986 wurde bei ihr eine Schilddrüsenvergrößerung
festgestellt. Später entwickelte sich daraus ein bösartiger
Tumor. Im März 2006 wurde Valentina im Onkologischen Zentrum
für Schilddrüsenpathologie der Universität Minsk
operiert.
Der Chefarzt des Zentrums, Jurij Demidtschik, ist überzeugt, dass
Valentinas Krebserkrankung von einer überhöhten Strahlendosis
ausgelöst wurde. Der Bezirk Gomel nahe der ukrainischen Grenze hat
damals das Gros der nuklearen Verseuchung abbekommen. Es gilt als
erwiesen, dass die Strahlenbelastung nach dem Atomunfall
Schilddrüsenkrebs verursacht hat, insbesondere bei Kindern und
Jugendlichen. Dies lag auch daran, dass die Betroffenen nicht
rechtzeitig auf die Gefahren hingewiesen wurden und noch tagelang
verseuchte Milch tranken. Ferner mangelte es an der notwendigen
Jodversorgung.
Andere mögliche Gesundheitsprobleme infolge der Katastrophe sind
indessen heftig umstritten. Ebenso kontrovers wird über die
Opferzahlen diskutiert, insbesondere über die Gesamtzahl der zu
erwartenden Toten. In Fachkreisen werden Zahlen zwischen 4.000 und
100.000 genannt. Die enorme Diskrepanz der Schätzungen ergibt sich
aus unterschiedlichen Berechnungen der Strahlendosis und der Bewertung
ihrer Auswirkungen. Eindeutig lässt sich eben kaum nachweisen, ob
eine Krebserkrankung tatsächlich von der Strahlung ausgelöst
wurde oder von der ungesunden Lebensweise des Patienten. Dass
politische Interessen die Interpretation beeinflussen können,
liegt auf der Hand.
Konsens herrscht darüber, dass etwa 4.000 Menschen infolge des
Atomunfalls an Schilddrüsenkrebs erkrankt sind. Allein in Gomel
wurde ein zehn Mal so hoher Anstieg der Erkrankungen wie in nicht
verseuchten Gebieten registriert. Die Vereinten Nationen rechnen
für die kommenden Jahrzehnte mit einem Zuwachs solcher
Krebsfälle bis auf 8.000, der Münchner Strahlenbiologe Edmund
Lengfelder erwartet dagegen mehr als 50.000 Fälle. Gestorben sind
aus dieser Personengruppe bislang etwa zehn Jugendliche.
Konsens herrscht ferner, dass die so genannten Liquidatoren, die
unmittelbar nach der Katastrophe auf dem Kraftwerksgelände
eingesetzt waren, schwere gesundheitliche Schäden erlitten haben.
Demnach starben gut 30 von ihnen schon in den ersten Wochen nach der
Havarie an den akuten Folgen der Strahlenexposition. Bei späteren
Todesfällen gilt dieser Zusammenhang nicht mehr als so eindeutig.
Viele Liquidatoren erkrankten auch infolge der hohen psychischen
Belastung ihres Einsatzes, so dass sie einen Herzinfarkt erlitten oder
Selbstmord begingen.
Mit dem Super-GAU befasste Mediziner untersuchen die Entwicklung von
Krankheiten in den verstrahlten Gebieten und vergleichen sie mit den
Daten für unbelastete Gegenden. Überprüft werden dabei
die Liquidatoren, die Evakuierten aus dem unmittelbaren Umkreis des
Atomkraftwerks, die später Umgesiedelten aus weniger belasteten
Gebieten und diejenigen, die dort geblieben sind, sowie die Kinder
aller Opfergruppen - insgesamt rund fünf Millionen Menschen. Auf
dieser Basis wurden in Weißrussland und der Ukraine
aussagekräftige Krebsregister sowie Datenbanken für andere
potenziell relevante Krankheiten erstellt.
Renommierte Institute in Minsk, Gomel und Kiew stimmen darin
überein, dass die Krebserkrankungen in den nuklear verseuchten
Regionen zugenommen haben. Neben Schilddrüsenkrebs sind vor allem
die Fälle von Brustkrebs deutlich gestiegen. Des weiteren wurden
mehr Fälle von Leukämie, Lungen- und Hautkrebs sowie von
Herz-Kreislauf-Erkrankungen registriert. Ferner hat die
Kindersterblichkeit zugenommen, und es wurden mehr Kinder mit
Missbildungen geboren.
Eine Verbindung zur Tschernobyl-Katastrophe scheint auf der Hand zu
liegen, dennoch geben sich die Wissenschaftler vorsichtig. Immerhin
habe sich nach dem Zerfall der Sowjetunion der Gesundheitszustand in
den alten Teilrepubliken generell verschlechtert, heißt es. So
sei die Lebenserwartung in Weißrussland und der Ukraine sowie im
benachbarten Russland seit 1990 um rund fünf Jahre gesunken.
Je nachdem, welche Krebsfälle dem Super-GAU zugeschrieben werden,
variieren die Zahlen der Todesopfer. Das Tschernobyl-Forum - bestehend
aus acht UN-Organisationen einschließlich der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) und der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) sowie aus den Regierungen Russlands, Weißrusslands und der
Ukraine - hat auf seiner Wiener Konferenz 2005 eine Studie
präsentiert, wonach letztlich vermutlich rund 4.000 Menschen an
den Folgen des Reaktorunglücks sterben. Der akuten
Strahlenbelastung seien bislang weniger als 50 Personen zum Opfer
gefallen.
Alexej Okjanow, Statistiker an der Sacharow-Universität in Minsk,
hält die vom Tschernobyl-Forum angesetzte Strahlenbelastung
für viel zu niedrig. Ferner seien nicht alle betroffenen
Personengruppen berücksichtigt worden, und schließlich seien
die Gefahren infolge von nuklearem Staub ausgeklammert worden. Nach
seinen Berechnungen sind allein in Weißrussland schon jetzt mehr
als 4.000 Menschen an den Folgen der Tschernobyl-Katastrophe gestorben,
und letztlich, so betont Okjanow, werden es rund 100.000 sein.
Nur wenige Wissenschaftler stimmen dieser Prognose zu. Die Wahrheit
dürfte irgendwo dazwischen liegen, heißt es. Bei einer
Spanne zwischen 4.000 und 100.000 trägt eine solche Aussage
allerdings kaum zur Klärung bei.
(Quelle: ap)
Tschernobyl: Nur 50 Tote?
Wie die UN-Atombürokratie den Super-GAU schönredet. Studie
von IPPNW und Gesellschaft für Strahlenschutz widerlegt absurde
Zahlen der IAEO... Mehr in der Tageszeitung 'junge Welt' vom 07.04.06:
http://www.jungewelt.de/2006/04-07/035.php