Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertneunundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Rund 80 Tote bei Anschlag auf schiitische Moschee in Bagdad.
US-Botschafter warnt vor Bürgerkrieg. Drei US-Soldaten bei
Anschlägen getötet. Irakischer Soldat erschießt
US-Marineinfanterist
Sa.08.04.06 - Mehrere Selbstmordattentäter haben in einer schiitischen Moschee
in Bagdad mindestens 79 Menschen in den Tod gerissen. Mehr als 160
Personen wurden verletzt, wie die Polizei mitteilte. Die
Attentäter sprengten sich kurz nach dem Freitagsgebet in der
Buratha-Moschee im Norden der irakischen Hauptstadt in die Luft.
Die Moschee ist dem Obersten Rat für die islamische Revolution im
Irak verbunden, der wichtigsten Partei der Schiiten. Die Polizei sprach
von zwei Attentätern. Einer der Täter habe Frauenkleidung
getragen. Ob es sich um eine Frau oder einen verkleideten Mann
gehandelt habe, sei nicht klar. Der Geistliche Dschalaladin al Saghir
sagte, es habe drei Angreifer gegeben.
Er warf den sunnitischen Geistlichen und Politikern vor, Lügen
verbreitet zu haben, dass es in der Moschee sunnitische Gefangene und
Massengräber gäbe. Bereits am Donnerstag war ein Anschlag
nahe einer schiitischen Moschee in Nadschaf verübt worden, dabei
kamen zehn Menschen ums Leben. Der sunnitische Politiker Adnan al
Dulaimi verurteilte die Anschläge in Bagdad. Alle religiösen
und politischen Führer müssten nun zusammenarbeiten, um die
Lage zu beruhigen, forderte er im Fernsehsender Irakija.
US-Botschafter Zalmay Khalilzad warnte in einem am Freitag
ausgestrahlten Interview, dass ein Bürgerkrieg zwischen
Anhängern der verschiedenen Glaubensrichtungen drohe, sollten die
Bemühungen zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit
ergebnislos verlaufen. Von einem solchen Konflikt könnte der
gesamte Nahe Osten betroffen sein, sagte Khalilzad der BBC.
Zwar verbesserten sich die politischen Kontakte unter den Führern
von Sunniten, Schiiten und Kurden, in der Bevölkerung schreite
jedoch die Polarisierung voran. Dafür seien bewaffnete
Gruppierungen mitverantwortlich. «Was hier passiert, hat enorme
Folgen für die Region und die Welt», sagte Khalilzad.
Die US-Streitkräfte meldeten am Freitag den Tod dreier Soldaten
bei Anschlägen in Bagdad, Beidschi und der Provinz Anbar.
Auf einem Militärstützpunkt in Nordwestirak hat offenbar ein
irakischer Soldat einen amerikanischen Marineinfanteristen erschossen.
Der Iraker wurde anschließend von einem anderen US-Soldaten
beschossen und verletzt. Die Schießerei ereignete sich auf einem
Stützpunkt bei Kaim nahe der syrischen Grenze. Die
US-Streitkräfte sprachen von einem isolierten Zwischenfall, der
das Vertrauen zwischen beiden Seiten nicht beeinträchtige. Die
genauen Umstände des Vorfalls würden noch untersucht.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 08.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertvierundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Vier deutsche Soldaten bei Anschlägen in Afghanistan verletzt
Sa.08.04.06 - Bei zwei Anschlägen im Norden Afghanistans sind vier
Bundeswehrsoldaten verletzt worden. Eine Bombe explodierte am
Donnerstagmorgen, als eine Patrouille 25 Kilometer nördlich von
Kundus passierte, wie das Verteidigungsministerium am Freitag in Berlin
bekannt gab. Dabei wurde ein Soldat etwas schwerer verletzt, so dass er
sicherheitshalber nach Deutschland zurückgeflogen werde, sagte
Ministeriumssprecher Thomas Raabe.
Die Explosion kostete einen Afghanen das Leben, drei weitere wurden
verletzt. Der Sprengsatz war den Angaben zufolge an einem Fahrrad
befestigt und wurde per Fernzündung zur Detonation gebracht.
Bereits in der Nacht zum Donnerstag kam es nahe Faisabad zu einem
Schusswechsel. Dabei kamen laut Raabe drei deutsche Soldaten mit
leichten Verletzungen davon.
Im Süden Afghanistans verübte ein Selbstmordattentäter
am Freitag einen Anschlag auf eine US-Patrouille. Dabei wurden drei
Amerikaner leicht verletzt, wie die Streitkräfte erklärten.
Der Mann hatte sich vor dem Stützpunkt eines Regionalen
Wiederaufbauteams in Laschkargah in der Provinz Helmand in die Luft
gesprengt.
Unterdessen traf Bernadette Chirac, die Frau des französischen
Staatspräsidenten Jacques Chirac, zu einem Kurzbesuch in Kabul ein.
Am Samstag werde sie dort eine Klinik eröffnen, die die
französische Regierung zusammen mit der Aga-Khan-Stiftung errichtet
habe, teilte ein afghanischer Regierungssprecher mit.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Sechs Palästinenser bei israelischem Luftangriff getötet
Sa.08.04.06 - Bei einem Luftangriff der israelischen Armee auf die Stadt Rafah im
südlichen Gazastreifen sind sechs Palästinenser getötet
worden. Das berichten Augenzeugen. Einige weitere Palästinenser
seien verletzt worden, hieß es. Nach israelischen Angaben galt
der Angriff einem Fahrzeug, in dem sich «Terroristen»
aufgehalten hatten. Nach palästinensischen Angaben gehörten
die Opfer der militanten Gruppe Volkswiderstandskomitees an.
(Quelle: dpa)
EU stoppt Finanzhilfen für Palästinenser
Sa.08.04.06 - Die Europäische Union hat alle Finanzhilfen für die
Palästinensergebiete bis auf Weiteres gestoppt. Damit reagiere die
EU darauf, dass die neue von der radikal-islamischen Hamas- Bewegung
geführte Palästinenserregierung sich bisher weder von der
Gewalt losgesagt noch das Existenzrecht Israels anerkannt habe.
Das sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Freitag in Brüssel.
«Derzeit werden keine Zahlungen mehr an die
Palästinenserbehörde geleistet», sagte eine Sprecherin
von EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner vor Journalisten.
Die Kommissarin habe die Zahlungen ausgesetzt, damit die
EU-Außenminister in Ruhe über eine neue Strategie im Umgang
mit der Hamas-Regierung beraten könnten.
Die Außenminister werden nach Angaben von EU-Diplomaten am Montag
bei einem Treffen in Luxemburg den Zahlungsstopp offiziell billigen und
zugleich über das künftige Verhältnis der EU zur
Palästinenserbehörde beraten. «Während der
politischen Entscheidungsfindung verfolgen wir eine Politik der
äußersten Vorsicht», sagte die Kommissions- Sprecherin.
«Es ist Aufgabe der Kommission, die finanziellen Interessen der
EU zu schützen. Und das tun wir.»
Von dem Zahlungsstopp sind zunächst rund 30 Millionen Euro
betroffen, die normalerweise in den kommenden Wochen an die
Palästinenserbehörde überwiesen worden wären. Die
EU-Kommission hat in diesem Jahr Zahlungen von insgesamt 250 bis 280
Millionen Euro eingeplant. Davon sind 121,5 Millionen Euro bereits vor
Amtsantritt der Hamas-Regierung freigegeben worden. 64 Millionen gingen
an das Palästinenserhilfswerk der Vereinten Nationen (UNRWA), 40
Millionen wurden für die Zahlung von Stromrechnungen vorgesehen.
17,5 Millionen flossen als Budgethilfe an die Regierung von Ahmed Kureia
und wurden noch vor Amtsantritt der Hamas ausgegeben.
Die EU und auch das Nahost-Quartett (UN, USA, EU, Russland) hatten nach
dem überwältigenden Wahlsieg der Hamas erklärt, die
Finanzhilfe könne nur fortgesetzt werden, wenn die Bewegung - die
nach wie vor auf einer EU-Liste von Terrororganisationen steht - sich
von der Gewalt lossagt, Israel anerkennt und die bisher erzielten
Abkommen nicht in Frage steht. Die humanitäre Hilfe soll nach dem
Willen der EU und des Quartetts ungeachtet der Regierung fortgesetzt
werden.
Nach Angaben von EU-Diplomaten wurde der Zahlungsstopp, dessen Dauer
noch unklar ist, von den Vertretern der EU-Mitgliedstaaten
begrüßt. An den Zahlungen der EU-Kommission ist Deutschland
mit seinen Mitgliedsbeiträgen zur Union mit etwa 60 Millionen Euro
beteiligt. Berücksichtigt man auch alle bilateralen Hilfen
einzelner Mitgliedstaaten, so bekommen die Palästinenser
jährlich insgesamt rund 500 Millionen Euro aus der EU. Die deutsche
Regierung hat für dieses Jahr etwa 46 Millionen Euro Direkthilfen
vorgesehen.
Die britische Hilfsorganisation Oxfam hat die Entscheidung der
EU-Kommission zur Aussetzung ihrer Direkthilfen an die
palästinensische Regierung bedauert. "Dies ist der schlechteste
Augenblick, um die Hilfe zu stoppen", erklärte Oxfam-Direktor
Jeremy Hobbs am Freitag in Brüssel. Schon jetzt kämpften die
Palästinenser ums Überleben. Ihr Schicksal werde sich
verschlimmern, wenn die Geberländer die Autonomiebehörde
nicht mehr unterstützten, hieß es in der Erklärung
weiter.
(Quellen: dpa, afp)
Elf Millionen Euro aus Berlin für Wahl im Kongo
Sa.08.04.06 - Den Prozess zur Abhaltung der ersten freien Wahlen in der
Demokratischen Republik Kongo seit 40 Jahren unterstützt
Deutschland mit rund elf Millionen Euro. Zehn Millionen Euro für
Wahlvorbereitungen fließen in den Fonds des
UN-Entwicklungsprogramms UNDP, wie die deutsche Entwicklungsministerin
Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) in Berlin mitteilte. Mit einer weiteren
Million Euro werden Aktivitäten der Gesellschaft für
Technische Zusammenarbeit (GTZ) und der Konrad-Adenauer-Stiftung
gefördert, die die Bevölkerung für die Wahlen
sensibilisieren und die kongolesische Wahlkommission unterstützen.
Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen seien ein
Schlüsselereignis für die Entwicklung des einstigen
Bürgerkriegslandes und der gesamten Region der Großen Seen,
sagte Wieczorek-Zeul. 95 Prozent der Bevölkerung hätten noch
nie die Gelegenheit zu wählen gehabt, es gebe große
Erwartungen an den Wahlprozess.
Neben den Hilfen für den Wahlprozess setzt das
Bundesentwicklungsministerium (BMZ) unter anderem Schwerpunkte beim
Zugang zu sauberem Trinkwasser, dem Schutz natürlicher Ressourcen
und der Bekämpfung der Immunschwächekrankheit Aids. Nach dem
Friedensabkommen von Pretoria 2002 wurde die Entwicklungszusammenarbeit
Ende 2004 offiziell wieder aufgenommen. Damals wurden die
zwischenzeitlich eingefrorenen 65 Millionen Euro Hilfen aus der Zeit vor
dem Bürgerkrieg wieder freigegeben.
(Quelle: afp)
UN: 75 Prozent der Bevölkerung Westafrikas sind unter 30 Jahre alt
Sa.08.04.06 - 75 Prozent der Bevölkerung Westafrikas sind nach Angaben der
Vereinten Nationen noch keine 30 Jahre alt. Zugleich liege die
Arbeitslosigkeit in einigen Staaten der Region bei 80 Prozent, sagte der
UN-Sondergesandte für Westafrika, Ahmedou Ould-Abdallah, am
Donnerstag in New York. Besonders Staaten wie Liberia oder Sierra Leone,
in denen jahrelang Bürgerkriege herrschten, steckten in einem
Teufelskreis: «Arbeitslosigkeit nährt Gewalt, und Gewalt
nährt Arbeitslosigkeit», sagte Ould-Abdallah. Wie
verzweifelt die Lage in Westafrika sei, sei im vergangenen Herbst an dem
Massenansturm von Flüchtlingen aus dieser Region auf die
spanischen Exklaven in Marokko, Ceuta und Melilla, deutlich geworden.
Insgesamt leben in den 16 westafrikanischen Staaten rund 300 Millionen
Menschen, die Hälfte davon ist Abdallah zufolge unter 20, drei
Viertel sind noch keine 30 Jahre alt.
(Quelle: ap)
Weltweit fehlen Millionen Ärzte und Schwestern
Sa.08.04.06 - Um erfolgreich gegen Krankheiten und Seuchen vorgehen zu können,
werden weltweit vier Millionen zusätzliche Ärzte und
Krankenschwestern benötigt. 2,3 Millionen davon fehlen in
Entwicklungsländern, wie aus dem Jahresbericht der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervorgeht. In 57 Ländern gebe es
einen "schweren Engpass beim Gesundheitspersonal". Kinder könnten
dort nicht geimpft werden, Aids, Tuberkulose oder Malaria könnten
nicht behandelt werden.
Am schlimmsten betroffen sind Indonesien, Indien, die Demokratische
Republik Kongo, Kenia, Tansania und Peru, wie es in dem WHO-Bericht
heißt, der zum Weltgesundheitstag veröffentlicht wurde.
Derzeit arbeiten laut WHO-Schätzung knapp 60 Millionen Menschen
weltweit vollzeit in Gesundheitsberufen. Der Großteil von ihnen
sei in reichen Ländern und in Städten angesiedelt. Die armen
Länder litten oft unter dem Weggang von Ärzten und Pflegern.
Einige Länder wie die Philippinen oder Ghana verstärkten das
Problem selbst noch, indem sie speziell für den Einsatz im Ausland
ausbildeten.
Am schlimmsten betroffen ist demnach das südliche Afrika. Dort
kommen dem Bericht zufolge auf 1000 Menschen nur 2,3 Angestellte im
Gesundheitsbereich. In Europa liegt der Wert bei 18,9 und in Nord- und
Südamerika bei 24. Heute haben demnach 1,3 Milliarden Menschen
keinen Zugang zu medizinischer Grundversorgung. Die Situation drohte
sich in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren weiter zu
verschlechtern. Bisher seien nur sehr wenige Gegenmaßnahmen zur
Rekrutierung von zusätzlichem Personal ergriffen worden.
(Quelle: afp)
Straßenkämpfe mit Regimegegnern in Nepal
Sa.08.04.06 - Am zweiten Tag des Generalstreiks der Opposition in Nepal ist es zu
schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der
Polizei gekommen. Hunderte Studenten brannten am Freitag eine
Postfiliale in der Hauptstadt Kathmandu nieder und bewarfen Polizisten
mit Steinen. Die Beamten setzten Tränengas ein. Mindestens 150
Menschen wurden nach Angaben der Opposition festgenommen.
Im Stadtteil Patan von Kathmandu griffen die Studenten die Polizei in
kleinen Gruppen an und blockierten eine Hauptstraße. Auch in
anderen Vierteln kam es zu Zusammenstößen. König
Gyanendra rief die Regimegegner zu einem Ende der Proteste auf. In einer
landesweit übertragenen Radio- und Fernsehansprache forderte er
«Zeit für die Errichtung eines dauerhaften Friedens».
Das Leben in der Hauptstadt war durch den Generalstreik weitgehend lahm
gelegt. Der öffentliche Nahverkehr stand still, hunderte Menschen
mussten zu Fuß zur Arbeit gehen. Viele blieben Zuhause,
Geschäfte und Schulen blieben geschlossen. Lediglich Rettungswagen
und Polizeifahrzeuge waren auf den Straßen zu sehen.
Die Sicherheitskräfte hätten mehr als 150 Aktivisten dreier
politischer Parteien festgenommen, erklärte die Opposition. Bereits
am Donnerstag wurden ihren Angaben zufolge 300 Menschen festgesetzt.
Das Innenministerium sprach von 177 Festnahmen.
Die US-Regierung forderte ihre Freilassung und zeigte sich besorgt
wegen einer Aushöhlung der Bürger- und Menschenrechte in
Nepal, wie Außenamtssprecher Sean McCormack am Donnerstag
erklärte. Ach Japan und Indien forderten die sofortige Freilassung
der Festgenommenen, die EU kritisierte das von der Regierung erlassene
Versammlungsverbot.
(Quelle: ap)
Greenpeace wirft McDonald's Schädigung des Regenwalds vor
Sa.08.04.06 - Greenpeace hat der Schnellimbisskette McDonald's vorgeworfen, mit der
Nachfrage nach Sojabohnen für Geflügelnahrung den
brasilianischen Regenwald zu schädigen. In einem jetzt
veröffentlichten Bericht mit dem Titel «Eating up the
Amazon» (Das Amazonas-Becken verfüttern) wird eine direkte
Verbindung hergestellt zwischen dem Sojabohnen-Anbau auf illegal
gerodeten Flächen und den Chicken-Burgern im Fast-Food-Restaurant
her.
«Jedes Mal, wenn Sie ein Chicken McNugget kaufen könnten Sie
ein Stück vom Amazonas-Regenwald wegnehmen», sagte
Greenpeace-Koordinator Gavin Edwards. Wegen der hohen internationalen
Nachfrage ist die Sojabohnen-Produktion im Amazonas-Becken in den
vergangenen Jahren in die Höhe geschnellt. Dazu trug auch die von
der brasilianischen Regierung geförderte Entwicklung einer
Sojabohnenpflanze bei, die an die klimatischen Bedingungen und die
Bodenverhältnisse der Region angepasst ist. Nach Darstellung der
Naturschutzorganisation wird ein großer Teil der Sojabohnen auf
illegal gerodetem Land angebaut. Der größte Teil der
Sojabohnen-Produktion von Brasilien geht nach Europa und China, da die
USA ihre Nachfrage nach dem Eiweiß-Träger weitgehend selbst
decken können. Die Vorwürfe richten sich denn auch nicht nur
gegen McDonald's, sondern auch gegen andere Restaurantbetriebe und
Supermärkte.
Keith Kenny von McDonald's Europe erklärte in einer E-Mail, sein
Unternehmen werde den Bericht prüfen und eine eigene Untersuchung
einleiten. McDonald's nehme die Sorgen sehr ernst und habe bereits in
der Vergangenheit mit Greenpeace zusammengearbeitet.
Der brasilianische Regenwald bedeckt 60 Prozent der Landesfläche
und ist etwa so groß wie Westeuropa. Nach Schätzungen von
Experten sind aber bereits bis zu 20 Prozent der Regenwaldfläche
von 4,1 Millionen Quadratkilometern durch Rodungen, Ackerbau und
Infrastruktur-Maßnahmen zerstört worden.
(Quelle: ap)
Kompromiss zu Einwanderungsrecht im US-Senat gescheitert
Sa.08.04.06 - Eine Kompromissvorlage für ein neues Einwanderungsrecht ist am
Freitag im US-Senat gescheitert. Nachdem eine Einigung zunächst in
greifbare Nähe gerückt schien, erhielt die Vorlage in einer
Abstimmung lediglich 38 der 60 für eine direkte Annahme
nötigen Stimmen. Ob das Gesetz, das Millionen illegal
Eingewanderten die Aussicht auf ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht
eröffnen würde, den Senat noch passiert, ist damit
zweifelhaft.
Das Gesetz kann nun durch Änderungsanträge abgeschwächt
werden. Demokraten und Republikaner wiesen sich gegenseitig die Schuld
an der verfahrenen Situation zu. US-Präsident George W. Bush hatte
den zunächst von allen Seiten erwarteten Kompromiss
begrüßt. Er rief den Senat noch am Donnerstag dazu auf, das
Gesetz bis zum Wochenende zu verabschieden.
Der Plan sah vor, dass alle schon vor mehr als fünf Jahren illegal
eingewanderten Personen ihren Status legalisieren können, wenn sie
eine Strafe von 2.000 Dollar (1.624 Euro) zahlen und ihre Steuerschuld
begleichen. In sechs Jahren könnten sie dann ein dauerhaftes
Aufenthaltsrecht erlangen und nach weiteren fünf Jahren die
Staatsbürgerschaft beantragen. Das Gesetz sah auch vor, dass die
Zahl befristeter Arbeitserlaubnisse auf 325.000 begrenzt wird. In
ersten Fassungen der Gesetzesvorlage waren noch 400.000 Genehmigungen
geplant gewesen.
(Quelle: ap)
Neuer Entwurf zum Kündigungsschutz in Frankreich
Sa.08.04.06 - In den Streit um den Kündigungsschutz in Frankreich kommt
Bewegung: Der mit den Sondierungen bei den Reformkritikern betraute
Fraktionsvorsitzende der Regierungspartei UMP in der
Nationalversammlung, Bernard Accoyer, kündigte an, er werde alle
vorgetragenen Bedenken nun zusammenfassen. Auf dieser Basis solle dann
in Absprache mit der Regierung der von Staatspräsident Jacques
Chirac geforderte Gesetzentwurf für einen veränderten
Erstanstellungsvertrag (CPE) ausgearbeitet werden.
Aus Accoyers Umfeld verlautete, dieser sei entschlossen, einen Entwurf
möglichst bereits am Montag vorzulegen. Premierminister Dominique
de Villepin traf im Elysée-Palast ein, um mit Chirac über
die Lage zu beraten.
Der Staatschef hatte Villepins umstrittenen Erstanstellungsvertrag am
Sonntag zwar in Kraft gesetzt, gleichzeitig aber "umgehend"
Änderungen in Auftrag gegeben: Die zweijährige Probezeit
für junge Arbeitnehmer soll auf ein Jahr verkürzt werden,
Kündigungen sollen anders als vorgesehen nicht ohne
"Erläuterung" erfolgen dürfen.
Der ehemalige französische Sozialminister François Fillon,
der dem Lager des Villepin-Rivalen und Innenministers Nicolas Sarkozy
zurechnet wird, sagte dagegen, ein neuer Typ von
Unterstützungsvertrag solle "sofort" den CPE ersetzen. Dies sei
von der mitgliederstärksten französischen Gewerkschaft CFDT
gefordert und nun bei Sozialminister Jean-Louis Borloo in Auftrag
gegeben worden.
Fillon bezog sich dabei auf einen Unterstützungsvertrag, der unter
seiner Amtszeit im Jahr 2003 ins Leben gerufen wurde. Dieser diente
dazu, 16- bis 25-Jährigen mit schlechten Schulabschlüssen den
Weg in die Arbeitswelt zu erleichtern. Laut Fillon, der an den
Verhandlungen über den neuen CPE nicht direkt beteiligt ist,
sollten die Sozialpartner zudem eingeladen werden, die bessere
Eingliederung von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt "im Allgemeinen" zu
diskutieren.
(Quelle: afp)
Hungerstreik gegen Betriebsverlegung geht in zweiten Monat
Sa.08.04.06 - Der Hungerstreik eines französischen Abgeordneten gegen die
Verlegung eines Betriebs in seinem Wahlkreis ist in den zweiten Monat
gegangen. Der 50-jährige Jean Lassalle von der bürgerlichen
Partei UDF hat seit Beginn seiner Aktion in der Pariser
Nationalversammlung am 7. März 17 Kilogramm an Gewicht verloren.
Er will das japanische Unternehmen Toyal dazu bringen, sein Werk in der
Ortschaft Accous im Département
Pyrénées-Atlantiques zu halten. Das Unternehmen will
hingegen 60 Kilometer entfernt einen neuen Betrieb errichten. Die
Fabrik, die ein Ausgangsprodukt für Autolacke herstellt, ist der
größte Arbeitgeber im Aspe-Tal.
(Quelle: ap)
Deutschland
Exportboom setzt sich mit überraschend viel Schwung fort
Sa.08.04.06 - Der deutsche Exportboom hat sich im Februar mit überraschend viel
Schwung fortgesetzt.
Mit einem Wert von 70,3 Milliarden Euro lagen die Ausfuhren um 17,7
Prozent über dem Niveau des Vorjahres und stiegen im Vergleich zum
Januar saison- und kalenderbereinigt um 4,6 Prozent an, wie das
Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.
"Wir haben eine gute Entwicklung im Welthandel, und die Verbesserung
der preislichen Wettbewerbsfähigkeit spiegelt sich sehr positiv
wider", kommentierte Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim die
Daten. Die Importe lagen mit 57,2 Milliarden Euro bereinigt 4,8 Prozent
über dem Stand von Januar und 24,0 Prozent über dem
Vorjahresniveau. Ob der Importzuwachs schon als Beleg einer
stärkeren Nachfrage deutscher Konsumenten und Firmen zu werten ist,
bleibt unter Experten aber umstritten.
Der Anstieg der Importe wie auch der Exporte übertraf selbst die
optimistischste Vorhersage der von Reuters befragten Volkswirte.
Bereinigt um Saisoneffekte führten die deutschen Unternehmen so
viele Waren aus wie nie zuvor in einem einzelnen Monat. Im
Jahresvergleich legten die Ausfuhren zuletzt Anfang 2001 stärker
zu. Der Überschuss der Handelsbilanz betrug 13,1 Milliarden Euro
nach 12,6 Milliarden im Januar, die Leistungsbilanz schloss mit einem
Plus von elf Milliarden Euro.
Weit überdurchschnittlich wuchsen auch im Februar die Ausfuhren in
die Länder außerhalb der Europäischen Union mit einem
Zuwachs von gut 25 Prozent im Jahresvergleich. Nach Ansicht von Kastens
profitiert Deutschland in besonderem Maße davon, dass die
Ölförderländer ihre wegen des hohen Ölpreises
üppigen Einnahmen für Waren aus anderen Ländern ausgeben.
Matthias Rubisch von der Commerzbank verwies zudem darauf, dass die
Weltwirtschaft kräftig wächst und der Euro-Kurs die
Exportgeschäfte der deutschen Unternehmen nicht behindert. Die
Firmen verzeichneten aber auch im Handel mit den anderen EU-Ländern
Zuwächse von rund 14 Prozent.
Nachdem der Außenhandel das Wachstum Ende 2005 gebremst hatte und
die Wirtschaft insgesamt nicht vom Fleck gekommen war, dürfte der
Handel zum Beginn des laufenden Jahres wieder Wachstumsimpulse geliefert
haben. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass auch die lange
Zeit flaue heimische Nachfrage anzieht und die Wirtschaft 2006
insgesamt mit etwa zwei Prozent so stark wie seit dem Boomjahr 2000
nicht mehr wachsen wird. Bernd Weidensteiner von der DZ Bank wertete
den zuletzt rasanten Importanstieg als Zeichen wachsender
Kaufbereitschaft der Verbraucher und Firmen: "Es läuft mal wieder
in Deutschland."
Commerzbank-Analyst Rubisch bezweifelte dagegen, dass die Importe auf
viel mehr heimische Nachfrage zurückgehen. "Für einen Teil
gilt das, aber der Importanteil an der Binnennachfrage und an den
Exporten ist wohl insgesamt größer geworden", erläuterte
der Volkswirt.
(Quelle: rtr)
Zahl der Firmenpleiten sinkt - Privatinsolvenzen nehmen stark zu
Sa.08.04.06 - Der Rückgang der Unternehmensinsolvenzen hat sich zum
Jahresauftakt fortgesetzt.
Im Januar meldeten die Gerichte nur noch 2588 Firmeninsolvenzen - 8,4
Prozent weniger als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt am
Freitag mitteilte.
Ebenfalls zurückgegangen sei die absolute Höhe der
Forderungen von Gläubigern. Inzwischen gingen eher kleinere
Betriebe Pleite, die mit einer geringeren wirtschaftlichen Bedeutung in
der Regel auch weniger Schulden hätten, erklärten die
Statistiker.
Weiter rasant nimmt dagegen die Zahl der Verbraucherinsolvenzen zu.
Ihre Zahl wuchs im Vergleich zum Januar 2005 um 55,5 Prozent auf 7028.
Grund sind nach Angaben der Statistiker die Gesetzesänderungen der
letzten Jahre. Seitdem 2002 die Stundung von Verfahrenskosten
möglich ist, sei die Zahl der privaten Insolvenzen sprunghaft
angestiegen. Diese Kosten hätten den Schuldnern vorher den Gang vor
ein Insolvenzgericht erschwert.
Um bei den Verbraucherinsolvenzen eine Trendwende einzuläuten,
hält die Wirtschaftsauskunftei Creditreform ein Wirtschaftswachstum
vom mehr als zwei Prozent für nötig.
(Quelle: rtr)
Bundestag beschließt BND-Untersuchungsausschuss
Sa.08.04.06 - Der Bundestag hat am Freitag mit breiter Mehrheit einen
Untersuchungsausschusses zur BND-Affäre eingesetzt. Neben den 163
Antragstellern von FDP, Linksfraktion und Grünen stimmten auch
zahlreiche Abgeordnete der großen Koalition für das Gremium.
Laut Parlamentspräsident Norbert Lammert gab es nur wenige
Gegenstimmen und Enthaltungen. Das Gremium soll Klarheit schaffen
über Geheimdienstaktivitäten vor und während des
Irakkriegs 2003 und im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.
Der Untersuchungsauftrag listet mehrere Themenkomplexe auf. So soll der
Ausschuss zum Beispiel Aufschluss darüber bringen, ob in
Geheimflügen des US-Geheimdiensts CIA Terrorverdächtige
über deutsches Staatsgebiet transportiert wurden und ob die
Bundesregierung etwas über CIA-Geheimgefängnisse in Europa
weiß.
Weiter will das Gremium klären, was die Regierung über die
Verschleppung des deutschen Staatsbürgers Khaled El-Masri durch die
USA wusste und ob deutsche Sicherheitsbehörden an dessen
Vernehmung in Kabul beteiligt waren. Auch sollen die Vernehmungen und
Befragungen von Gefangenen im Ausland durch deutsche
Sicherheitsbehörden beleuchtet werden. Auch soll die Rolle zweier
BND-Agenten während des Kriegs in Bagdad aufgeklärt werden.
Der Ausschuss soll elf Mitglieder haben und wollte sich noch am
Freitagmittag unter Leitung von Bundestagsvizepräsidentin Gerda
Hasselfeldt öffentlich konstituieren.
(Quelle: ap)
Pau zu Bundestagsvizepräsidentin gewählt
Sa.08.04.06 - Die Linkspartei-Politikerin Petra Pau ist neue Vizepräsidentin des
Bundestages. Die 42-jährige Abgeordnete wurde vom Parlament im
ersten Wahlgang mit 385 von 581 Stimmen in ihr Amt gewählt. 138
Abgeordnete stimmten gegen sie; 58 enthielten sich. Notwendig waren 308
Stimmen. Pau war angetreten, nachdem der Linksparteichef Lothar Bisky
mit seiner Kandidatur für das Vizepräsidentenamt im
vergangenen Jahr viermal gescheitert war. Danach hatte die Linksfraktion
zunächst darauf verzichtet, einen neuen Kandidaten zu nominieren.
Pau, die bisher Vizechefin der Linksfraktion ist, gehört seit 1998
dem Bundestag an. Sie hatte die PDS von 2002 bis 2005 zusammen mit
Gesine Lötzsch als eine von zwei direkt gewählten Abgeordneten
allein im Bundestag vertreten. Die Partei war damals an der
Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Im Vorfeld ihrer Wahl hatte
Pau angekündigt, sie wolle "keine unpolitische
Vizepräsidentin" sein. Vielmehr wolle sie auch in die eigene Partei
hineinwirken, um die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit
anzuregen, sagte sie im RBB.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Angst vor Bestrafung als Schlüsselpunkt der Kooperation
Sa.08.04.06 - Menschen kooperieren in allen verschiedenen Varianten und Formen.
Allerdings scheint das in einer gemeinsamen freien Welt nicht zu
funktionieren, wie Forscher der Universität von Erfurt jetzt
entdeckt haben. Denn es scheint so, dass erst die Angst vor Bestrafung
der Schlüsselpunkt für Kooperationen ist. Ein Versuch mit 84
Studenten hat erstaunliche Ergebnisse geliefert, berichtet Bettina
Rockenbach in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins
Science .
Die Studenten konnten sich in jeder der 30 Runden entscheiden, ob sie
in der Gruppe sein wollten, in der bestraft werden durfte oder in jener,
in der es keine Sanktionen gab. In jeder der 30 Runden konnten die
Probanden auch wählen, wie viel Geld sie als Allgemeingut zur
Verfügung stellten. In der ersten Gruppe wurde das Geld auf alle
gemeinsam verteilt, egal, ob sie dafür etwas taten oder nicht. In
der zweiten Gruppe gab es nur dann Geld aus dem allgemeinen Topf, wenn
jemand etwas Positives dazu beitrug. Im Falle des Nichthandelns gab es
eine Bestrafung. "Jede Sanktion kostete den Spieler allerdings sein
eigenes Geld", wie Rockenbach berichtet. Am Ende jeder Runde konnten die
Probanden die Summe der "anonymen" Gewinne sehen.
Das Ergebnis war erstaunlich: Zunächst entschieden sich zwei
Drittel der Studenten für die Gruppe, in der nicht bestraft wurde.
Sie zahlten einen gewissen Teil in den Allgemeintopf ein. Das zweite
Drittel entschied sich für das System der Belohnung und Bestrafung
zur Kooperation. Interessanterweise änderte sich diese
Präferenz unter den Probanden relativ schnell. In der
"sanktionslosen Gruppe" schienen sich die Trittbrettfahrer schnell
durchzusetzen. Da die Studienleiter jedes Mal alle Probanden von den
Ergebnissen informierten, änderte sich sehr schnell die
Präferenz. Am Ende war das "System der Belohnung und Bestrafung"
eindeutiger Sieger. In der 20. Runde entschieden sich 100 Prozent der
Probanden für die sanktionierende Gruppe.
Es schien den Probanden egal zu sein, dass das Bestrafen Geld kostete,
denn schon am Beginn des Eintritts in die neue Gruppe begannen die
Studenten mit der Bestrafung derjenigen, die dem Gemeinwohl zuwider
handelte. "Den plötzlichen Wechsel der Wahl kann man nicht derartig
einfach damit erklären, dass man nur auf den Gewinn blickt. Die
Menschen folgten eher der kooperativen Norm", so Rockenbach. Nach der
wissenschaftlichen Analyse konnten die Forscher feststellen, dass es
Probanden gab, die sich aufopferungsvoll für das Gemeinwohl
einsetzten. Diese bestraften auch dann, wenn sie selbst dafür
bezahlen mussten. Die Forscher gehen davon aus, dass dieses Verhalten
der Schlüssel für soziale Ordnung und Kooperation ist.
(Quelle: pte)