Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshunderteinundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Bericht zeichnet ein düsteres Bild von der Lage im Irak.
Schiiten beraten über Ausweg aus Regierungskrise.
Britische Menschenrechtsbeauftragte: 'Viele Gefangene im Irak verschwunden'.
Entführer
deutscher Geiseln stellen erneut Forderungen
Mo.10.04.06 - Die US-Regierung zeichnet in einem internen Bericht ein düsteres
Bild der Sicherheitslage im Irak sowie der politischen und
wirtschaftlichen Situation des Landes. Wie die «New York
Times» am Sonntag berichtete, wird dem Dokument vom 31. Januar zu
Folge die Stabilität in sechs der 18 Provinzen als
«ernst» und in einer siebten als «kritisch»
eingestuft.
Der irakische Vize-Innenminister Hussein Ali Kamal sprach in einem
BBC-Interview von einem «unerklärten
Bürgerkrieg». Täglich würden Schiiten, Sunniten,
Kurden und Christen ermordet, sagte Kamal. Bisher habe nur keine der
Konfliktparteien offiziell erklärt, dass es sich um einen
Bürgerkrieg handele.
Die USA haben im Irak nach Angaben der Beauftragten für
Menschenrechte des britischen Premierministers Tony Blair zugelassen,
dass Gefangene "verschwinden". Mehrere Iraker, die von
Koalitionstruppen festgenommen wurden, seien "wie vom Erdboden
verschluckt", sagte Ann Clwyd der liberalen Sonntagszeitung "The
Observer". Nach ihren Angaben gibt es kaum Hinweise darauf, wo viele
der von Koalitionstruppen in den vergangenen drei Jahren festgenommenen
Iraker geblieben sind. Wenn das Verschwinden von Gefangenen von Anfang
an ernst genommen worden wäre, hätte vielleicht die
Misshandlung von Irakern durch Amerikaner in irakischen
Gefängnissen eher unterbunden werden können, sagte Clwyd. Sie
rief die Regierung in Bagdad auf, eine Untersuchung zu Vorwürfen
einzuleiten, wonach Gefangene gefoltert werden.
In Bagdad kamen am Sonntag Politiker der Schiiten-Allianz zusammen, um
erneut einen Ausweg aus der Krise um die Regierungsbildung zu suchen.
Viele Abgeordnete lehnen den designierten Regierungschef Ibrahim
al-Dschafari von der schiitischen Dawa-Partei ab. Abgeordnete
verschiedener Parteien riefen die die Allianz dazu auf, andere
Kandidaten für das Amt vorzuschlagen.
Der demokratische US-Senator John Kerry forderte unterdessen den
Rückzug amerikanischer Soldaten aus dem Irak zum 15. Mai, falls es
in Bagdad nicht zu einer erfolgreichen Regierungsbildung kommen sollte.
In Gesprächen mit US-Fernsehsendern empfahl Kerry ein
entsprechendes Ultimatum an die irakischen Parteien.
Bei den geplanten ersten direkten Gesprächen zwischen dem Iran und
den USA seit über 27 Jahren will Teheran Washington auffordern,
seine Soldaten aus dem Irak abzuziehen. Das berichtete die
Nachrichtenagentur ISNA unter Berufung auf Außenamtssprecher
Hamid- Resa Assefi. Die beiden Länder hatten sich vergangenen
Monat zu direkten Konsultationen über eine Eindämmung der
Gewalt im Irak bereit erklärt.
Nach dem Anschlag auf eine schiitische Moschee in Bagdad mit mehr als
80 Toten am Freitag und einem weiteren Anschlag auf ein schiitisches
Heiligtum in Mussajeb am Samstag mit 6 Toten wurde in vielen irakischen
Städten eine nächtliche Ausgangssperre verhängt und die
Sicherheitsmaßnahmen verstärkt.
Vier Angreifer haben am Sonntag nach Polizeiangaben das Feuer auf
Gäste einer Hochzeitsfeier im Norden Bagdads eröffnet. Ein
Mann sei getötet worden. Der Überfall habe sich im Garten
eines Hauses im hauptsächlich von Sunniten bewohnten Stadtteil
Asamija ereignet, sagte ein Polizeisprecher. Bei dem getöteten
Gast habe es sich um einen Schiiten gehandelt. Das Motiv der Tat sei
noch unbekannt.
Die Entführer der beiden Deutschen im Irak haben erneut
Forderungen an die deutsche Regierung sowie an die USA gestellt. In
einer Erklärung, die sie mit einer neuen Videobotschaft im
Internet veröffentlichten, forderte die Gruppe unter anderem,
dieDeutschland solle die Zusammenarbeit mit den US- und den
irakischen Behörden einstellen. Anderenfalls werde eine bald eine
"Bestrafung" folgen. Es ist die vierte Videobotschaft , seit
René Bräunlich und Thomas Nitzschke am 24. Januar im Irak
verschleppt wurden.
In ihrer Erklärung forderten die Entführer auch die
Freilassung aller Iraker aus US-Gefängnissen im Irak. Auf dem
neuen Videoband trugen Bräunlich und Nitzschke Vollbart; hinter
ihnen hing ein Banner der Gruppe "Ansar el Tawhid wal Sunna"
(Anhänger der göttlichen Einmaligkeit und der Sunna). Diese
hatte sich zu der Geiselnahme bekannt. In dem Video war das Datum vom
28. März dieses Jahres eingeblendet.
Experten des Auswärtigen Amtes in Berlin befassten sich mit dem
Video, sagte eine Ministeriumsprecherin. Es müsse "noch
ausgewertet werden". Das Auswärtige Amt kündigte eine Sitzung
des Krisenstabes am (heutigen) Montagmorgen an. Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) sagte, die Bundesregierung bemühe sich weiter
intensiv um eine Freilassung: "Ich darf ihnen versichern, dass wir
alles in unserer Macht stehende tun, um das Leben der Geiseln zu
retten", sagte sie dem ZDF.
Zuletzt hatte es am 13. Februar ein Lebenszeichen der beiden Ingenieure
gegeben. In einem Video hatten die Entführer damals mit der
Ermordung ihrer Geiseln gedroht. Es war von einer "letzten Warnung" die
Rede. Zuvor hatten die Geiselnehmer in einem zweiten Video am 31.
Januar ein 72-stündiges Ultimatum gestellt. Sie forderten die
Schließung der deutschen Botschaft in Bagdad, den Abzug aller
deutscher Firmen aus dem Irak und die Einstellung jeglicher
Zusammenarbeit der Bundesregierung mit den irakischen Behörden.
Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes hatte damals keinen Kontakt
zu den Entführern.
Bräunlich und Nitzschke arbeiten für die sächsischen
Firma Cryotec. Sie sollten sich nur wenige Tage im Irak aufhalten, um
eine Industrieanlage zu übergeben. Verschleppt wurden sie in
Baidschi rund 200 Kilometer nordwestlich von Bagdad.
(Quellen: dpa, ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 10.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertsechsundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Anschlag auf italienische NATO-Kaserne in Afghanistan
Mo.10.04.06 - Die Gewalt gegen die ausländischen Truppen in Afghanistan
reißt nicht ab: Vor einer NATO-Kaserne in Herat explodierte am
Samstag eine Autobombe. Neben dem Fahrer kamen ein afghanischer Wachmann
der Kaserne und ein Passant ums Leben, wie die Polizei mitteilte.
Sieben weitere Menschen wurden verletzt, darunter ein
Zivilbeschäftigter der in Herat stationierten italienischen
Truppen, wie ein NATO-Sprecher mitteilte. Es war der vierte Angriff auf
ausländische Soldaten in Afghanistan in drei Tagen.
Ein Anrufer, der sich als Taliban-Sprecher ausgab, sagte der
Nachrichtenagentur AP, die islamistischen Rebellen hätten den
Anschlag verübt. In Herat waren die Taliban bislang kaum aktiv. In
der westafghanischen Stadt leben vor allem Tadschiken, die Taliban
genießen unter den überwiegend im Süden Afghanistans
beheimateten Paschtunen den stärksten Rückhalt.
Bei Militäreinsätzen in der südlichen Provinz Helmand
wurden nach US-Angaben zwei Kommandeure der Taliban getötet. Einer
der beiden Männer sei am Freitag bei einem gemeinsamen Einsatz
amerikanischer und afghanischer Soldaten getötet worden, der zweite
bei einem US-Luftangriff am Samstag, teilten die US-Streitkräfte
mit.
In der einstigen Taliban-Hochburg Kandahar explodierten am Sonntag zwei
Bomben, elf Menschen wurden dabei verletzt. Der erste Sprengsatz
detonierte, als ein Konvoi der afghanischen Streitkräfte ins
Stadtzentrum fuhr. Als die Soldaten aus ihren Fahrzeugen stiegen und die
Umgebung absuchten, explodierte eine zweite Bombe und verwundete drei
Soldaten, drei Polizisten und fünf Zivilisten.
(Quelle: ap)
Iran zeigt sich unbeeindruckt von Forderung des UN-Sicherheitsrats
Mo.10.04.06 - Der Iran hat den Westen davor gewarnt zu glauben, dass der
UN-Sicherheitsrat das Land zu einem Verzicht auf die Uran-Anreicherung
zwingen könnte. Wenn die USA und ihre europäischen
Verbündeten dies annähmen, machten sie einen großen
Fehler, sagte der iranische Außenamtssprecher Hamid Resa Assefi am
Sonntag vor Reportern in Teheran. Der Iran habe ein Recht auf
Anreicherung für Forschungszwecke, und die
Forschungsaktivitäten dauerten an, erklärte er. Zugleich
betonte Assefi, Teheran sei für Verhandlungen offen.
Fünf Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde
(IAEA) hielten sich am Sonntag in Isfahan auf, wo sie eine Anlage zur
Umwandlung von Uran besuchen wollten. Anschließend wollten sie die
Anlage in Natans aufsuchen, wo der Iran im Februar die
Uran-Anreicherung wieder aufnahm. Die Inspekteure trafen am Freitag in
Teheran ein. Sie wollten fünf Tage bleiben, berichtete das
staatliche Fernsehen.
IAEA-Generalsekretär Mohamed ElBaradei wird in den kommenden Tagen
im Iran erwartet. Assefi erklärte, in den Gesprächen mit
ElBaradei werde eine Bandbreite von Themen zur Sprache kommen.
«Die Türen zum Dialog sind offen. Wir arbeiten ernsthaft mit
der IAEA zusammen.» Der Iran fordere nur das Recht, Uran
anzureichern und nuklearen Brennstoff zu produzieren. «Unsere rote
Linie sind unsere Atomrechte», sagte Asefi.
Der UN-Sicherheitsrat hat den Iran aufgefordert, alle Aktivitäten
zur Urananreicherung einzustellen. Der UN-Sicherheitsrat hat IAEA-Chef
ElBaradei aufgefordert, bis zum 28. April einen Bericht darüber
vorzulegen, ob Teheran den Forderungen der internationalen Gemeinschaft
nachgekommen ist. Uran kann je nach Grad der Anreicherung sowohl zur
Produktion von Brennstäben wie auch zur Herstellung von Material
für Atombombe genutzt werden. Teheran betont, das Atomprogramm
diene ausschließlich friedlichen Zwecken.
(Quelle: ap)
Weiterer Bericht über Pläne für US-Angriff auf Iran
Mo.10.04.06 - Nach dem US-Magazin "New Yorker" berichtet nun auch die "Washington
Post" von angeblichen Plänen Washingtons, den Iran anzugreifen.
Experten des Geheimdienstes CIA und des US-Verteidigungsministeriums
prüften mögliche Ziele, heißt es in dem
Zeitungsbericht. Zuvor hatte es im "New Yorker" gehießen, die
Regierung von US-Präsident George W. Bush prüfe auch den
Einsatz von mit radioaktivem Material bestückten bunkerbrechenden
Bomben gegen die unterirdische Uran-Anreicherungsanlage in Natans.
Teheran bezeichnete die Berichte als "psychologische
Kriegsführung".
Es gehe bei den Angriffpslanungen um eine Option, nicht um einen
Angriff in naher Zukunft, berichtete die "Washington Post" unter
Berufung auf CIA- und Pentagonstrategen. Zu den möglichen Zielen
gehöre neben Natans auch die Anlage zur Urankonversion in Isfahan.
Erwogen würden begrenzte Luftangriffe bis hin zu einer
umfangreichen Bombardierung militärischer und Verwaltungsziele.
Militärexperten seien jedoch skeptisch, weil mit Angriffen maximal
eine Verzögerung des iranischen Atomprogramms erreichbar sei zum
Preis für ein schlagartiges Anschwellen des Hasses auf die USA in
der moslemischen Welt.
Der angesehene Enthüllungsjorunalist Seymour Hersh hatte im "New
Yorker" geschrieben, die USA hätten mit der Planung massiver
Bombenangriffe begonnen. Ein Pentagon-Berater habe berichtet, das
Weiße Haus betrachte einen Regimewechsel im Iran als "einzigen
Weg zur Lösung des Problems - und das bedeutet Krieg". Mehrere
frühere Geheimdienstmitarbeiter bezeichneten die Planungen dem
Magazin zufolge als "umfangreich" und "hektisch". Einige Militärs
hätten jedoch erhebliche Bedenken gegen den Plan
geäußert. Mehrere Offiziere hätten sogar mit ihrem
Rücktritt gedroht.
Der iranische Außenamtssprecher Hamid Resa Asefi bezeichnete die
Berichte als Ausdruck der "Wut" und der "Schwäche" der
US-Regierung. "Die Amerikaner wollen keine Regelung des iranischen
Atomdossiers und versuchen, die Krise zu verlängern", sagte Asefi.
Der britische Außenminister Jack Straw wies die Berichte als
"völligen Schwachsinn" zurück. Der Verdacht gegen den Iran
sei zwar begründet, es gebe aber "keine rauchenden Colts und
keinen casus belli (Kriegsfall)", sagte Straw dem BBC-Fernsehen.
(Quelle: afp)
Kriegspläne gegen Iran
Nach einem Bericht von Seymour Hersh gehört die auch
militärische Beendigung des iranischen Nuklearprogramms zu einer
der dringendsten außenpolitichen Prioritäten der
Bush-Regierung... Mehr bei telepolis vom 10.04.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22432/1.html
Ärztevereinigung IPPNW warnt vor Militärschlag gegen Iran
Mo.10.04.06 - Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW in Deutschland warnt vor
einem möglichen Militärschlag gegen den Iran zur Lösung
des Atomstreits. «Wir verurteilen die Kriegspläne der USA,
insbesondere den menschenverachtenden Einsatz von Atomwaffen. Wir
fordern die deutsche Regierung und Politiker aller Parteien auf, einer
deutschen Unterstützung eines Krieges gegen den Iran eine klare
Absage zu erteilen», sagte IPPNW-Vorsitzende Angelika
Claußen am Sonntag in Bonn. Zuvor hatte die Organisation auf
ihrem internationalen Kongress «Zeitbombe Atomenergie. 20 Jahre
Tschernobyl» einen Appell gegen einen Iran-Krieg verabschiedet
Mit Bestürzung reagierten die Ärzte auf einen Bericht des
US-Magazins «The New Yorker». Demnach planen die USA,
unterirdische nukleare Forschungsanlagen im Iran mit Atomwaffen
anzugreifen. Der amerikanische Journalist Seymour Hersh berichtete
unter Berufung auf Washingtoner Quellen von konkreten Plänen der
US-Militärführung, wonach die US-Regierung den Einsatz von
bunkerbrechenden Nuklearwaffen gegen die iranische Atomanlage Natans
erwäge.
Der IPPNW-Appell schlägt die Bildung einer Langzeitkonferenz
für Sicherheit und regionale Zusammenarbeit im Mittleren und Nahen
Osten vor, die unter anderem das Ziel verfolgt, dort eine
atomwaffenfreie Zone unter Einbeziehung von Israel zu erreichen.
(Quelle: ddp)
Israel will Kontakte zur palästinensischen Regierung abbrechen
15 Tote bei israelischer Angriffsserie im Gazastreifen.
Dschihad-Sprecher erklärt einwöchigen Stopp von
Raketenangriffen
Mo.10.04.06 - Israel will nach dem Wahlsieg der Hamas die Kontakte zur
palästinensischen Regierung abbrechen. Das beschloss am Sonntag
das Sicherheitskabinett in Jerusalem. Die Ministerrunde erklärte
die Autonomiebehörde zu einer «feindlichen Einheit».
Darüber hinaus schloss das Sicherheitskabinett auch
Friedensgespräche mit dem gemäßigten Präsidenten
Mahmud Abbas bis auf weiteres aus. Die Kontakte zu Abbas sollten aber
aufrechterhalten werden, sagte Regierungssprecher Asaf Schariv.
Friedensverhandlungen mit Abbas seien nach Auffassung des
Sicherheitskabinetts indes erst dann denkbar, wenn die Hamas, die nach
ihrem Wahlsieg im Januar die Regierung stellt, Israel und frühere
Vereinbarungen anerkenne sowie der Gewalt abschwöre.
Außerdem will Israel ausländische Diplomaten boykottieren,
die mit Hamas-Vertretern sprechen. Das gesamte Kabinett will am
kommenden Sonntag über diese Empfehlungen beraten, wie Schariv
weiter erklärte.
Bereits zuvor hatte der amtierende israelische Ministerpräsident
Ehud Olmert Friedensgespräche mit Präsident Abbas als nicht
sinnvoll eingeschätzt. Abbas habe seit dem Wahlsieg der Hamas in
den Autonomiegebieten an Autorität eingebüßt, sagte
Olmert in einem am Samstag veröffentlichten Interview der
«Washington Post». Es war das erste Mal, dass Olmert derart
deutlich erklärte, nicht mit Abbas verhandeln zu wollen, so lange
die Hamas die von Israel und der internationalen Gemeinschaft
gestellten Bedingungen nicht erfüllt.
Die israelischen Streitkräfte setzten unterdessen am Sonntag ihre
Militäreinsätze gegen Ziele im Gazastreifen fort, um
Raketenangriffe palästinensischer Extremisten zu unterbinden. Seit
Freitag wurden 15 Palästinenser getötet, darunter ein Kind.
Bei einem israelischen Angriff im nördlichen Gazastreifen wurde am
Sonntag ein palästinensischer Polizist getötet, mindestens 16
Menschen wurden verletzt. Im Westjordanland erschossen israelische
Soldaten nach Angaben der Streitkräfte einen
palästinensischen Extremisten. Es soll sich um ein führendes
Mitglied der Al-Aksa-Märtyrerbrigaden gehandelt haben.
Die radikalislamische Hamas und der Islamische Dschihad kündigten
Vergeltung an. Die Hamas erklärte auf ihrer Web-Site, Israel
beschwöre mit seinen Angriffen noch mehr Zerstörung herauf.
Der Sprecher der palästinensischen Autonomiebehörde, Nabil
Abu Rdeneh, sprach von einer neuen Eskalation. Die Palästinenser
würden den UN-Sicherheitsrat anrufen, um eine Verurteilung der
Angriffe zu erreichen.
Nach massiven israelischen Angriffen im Gazastreifen hat die radikale
Palästinenser-Gruppe Islamischer Dschihad einen einwöchigen
Stopp von Raketenangriffen erklärt. Ein Sprecher der Gruppe sagte
in Gaza, auf diese Weise sollten weitere Todesopfer vermieden werden.
Ministerpräsident Ismail Hanija erklärte am Samstag, seine
Regierung werde ihre Haltung gegenüber Israel auch nach der
Einstellung von Hilfszahlungen der EU und der USA nicht ändern.
Das Kabinett werde sich einer solchen «Erpressung» nicht
beugen. Brüssel und Washington hatten am Freitag ihre Finanzhilfen
in Höhe von hunderten Millionen Euro gestoppt, weil sich die Hamas
weigert, auf Gewalt zu verzichten und Israel anzuerkennen.
Die Hamas hat eingeräumt, dass die Autonomiebehörde ohne
Unterstützung aus dem Ausland vor einem finanziellen Kollaps
steht. Finanzminister Omar Abdel Razek sagte in am Sonntag
veröffentlichten Interviews, die Situation sei noch schlimmer als
gedacht.
(Quellen: ap, dpa)
Proteste in Nepal gegen König Gyanendra eskalieren
Mo.10.04.06 - Die Proteste der Opposition in Nepal gegen die Alleinherrschaft von
König Gyanendra sind am Wochenende eskaliert: Die Polizei schoss
in mehreren Städten auf Demonstranten und tötete drei
Menschen. Die Regimegegner setzten ihre Kundgebungen trotz eines
Ausgehverbots und Drohungen der Behörden am Sonntag fort. Tausende
versammelten sich in der Hauptstadt Kathmandu und anderen Städten.
Vertreter der Opposition kündigten eine Fortsetzung der Proteste
auf unbestimmte Zeit an.
Der Generalstreik und die Protestaktionen, die am Donnerstag begannen,
waren zunächst auf vier Tage befristet. In Banepa, rund 30
Kilometer östlich der Hauptstadt, erschossen Polizisten am Sonntag
einen Demonstranten, wie die Behörden mitteilten. Den Angaben
zufolge hatten Demonstranten die Sicherheitskräfte mit Steinen
beworfen.
In Bharatpur, 140 Kilometer südlich von Kathmandu, gingen am
Sonntag mehr als 2.000 Menschen auf die Straße. Am Vortag hatten
rund 25.000 Demonstranten mehrere Regierungsgebäude in Brand
gesetzt, die Polizei eröffnete das Feuer. Einer der getroffenen
Teilnehmer erlag am Sonntag seinen Verletzungen. Ein drittes Todesopfer
gab es in Pokhara, 200 Kilometer westlich der Hauptstadt. Einige der
Demonstranten dort hätten Steine auf Soldaten geworfen, daraufhin
hätten die Truppen das Feuer eröffnet, sagte der Zeuge
Gangadhar Baral der Nachrichtenagentur AP. Er und eine weitere Person
seien verletzt worden.
In Kathmandu kam es Medien zufolge am Sonntag zu
Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Jugendliche
warfen mit Steinen, die Polizei setzte Gummigeschosse und
Tränengas ein, wie der private Fernsehsender Kantipur berichtete.
Die Behörden verlängerten eine Ausgangssperre in der
Hauptstadt bis zum Sonntagabend und verhinderten eine geplante
Großkundgebung der Opposition. Die Polizei werde bei
Verstößen gegen das Ausgehverbot schießen,
erklärten sie. Die Regierung begründete die Maßnahme im
staatlichen Radio damit, dass das Land von Terroristen und Anarchisten
bedroht sei. Um die Kommunikation der Oppositionellen zu stören,
wurde außerdem das Mobilfunknetz abgeschaltet. Innenminister
Kamal Thapa sagte, bei einer weiteren Zuspitzung der Lage werde die
Regierung den Notstand erklären.
Auch die maoistischen Rebellen Nepals unterstützen die
Protestbewegung, die von sieben Oppositionsparteien getragen wird. Die
Rebellen haben zugesichert, während des Generalstreiks auf
Angriffe in Kathmandu zu verzichten. Nach Angaben von Innenminister
Kamal Thapa schlossen sich dennoch Rebellen den Protestaktionen in der
Hauptstadt an und schossen auf Sicherheitskräfte. Außerdem
verstärkten sie ihre Angriffe in anderen Landesteilen. Bei
Gefechten zwischen Regierungstruppen und Rebellen im Südwesten des
Landes kamen seit Freitagabend zwölf Menschen ums Leben, wie das
Verteidigungsministerium mitteilte.
König Gyanendra löste im Februar vergangenen Jahres das
Parlament auf und begründete dies mit dem Aufstand der
kommunistischen Rebellen. In dem Bürgerkrieg kamen seit 1996 etwa
13.000 Menschen ums Leben.
(Quelle: ap)
Linksnationalist Humala bei Präsidentschaftswahl in Peru vorn
Mo.10.04.06 - Der Linksnationalist und Exoffizier Ollanta Humala hat nach
vorläufigen Ergebnissen bei der Präsidentschaftswahl in Peru
die meisten Stimmen erhalten. Er blieb indes deutlich unter der
50-Prozent-Hürde, so dass die Entscheidung über die
Nachfolger von Präsident Alejandro Toledo in einer Stichwahl
fallen muss. Nach Auszählung von 30 Prozent der Wahllokale
entfielen auf Humala, ein New Comer auf der politischen Bühne,
27,6 Prozent der Stimmen. Die wirtschaftsfreundliche frühere
Kongressabgeordnete Lourdes Flores erhielt 27,6 Prozent, der
Mitte-links-Bewerber und Expräsident Alan Garcia erhielt 25,7
Prozent.
Der 43 Jahre alte Humala ist ein Verbündeter des venezolanischen
Präsidenten Hugo Chavez und hat seine Bewunderung für General
Juan Velasco geäußert, der von 1968 bis 1975 ein
linksgerichtetes Militärregime in Peru führte. Sein Aufstieg
in den Meinungsumfragen hatte die Finanzmärkte in Lima beunruhigt.
Flores gilt hingegen als Kandidatin der Wirtschaft.
Insgesamt bewarben sich 20 Kandidaten um die Nachfolge von Toledo, der
nicht mehr für eine weitere Amtszeit in Folge kandidieren durfte.
Die etwa 16 Millionen Wähler entschieden am Sonntag auch über
die Zusammensetzung den neuen Kongresses. Ergebnisse wurden bis zum
Montagmorgen nicht veröffentlicht.
(Quelle: ap)
Regierende Sozialisten bei Parlamentswahl in Ungarn knapp vorn
Mo.10.04.06 - Die sozialistische Regierungskoalition ist mit knappen Vorsprung aus
der ersten Runde der Parlamentswahl in Ungarn hervorgegangen.
Allerdings wird über 170 der 386 Sitze in einer zweiten Runde in
zwei Wochen entschieden. Nach Auszählung von 98,6 Prozent der
Stimmen vom Sonntag kam die Sozialistische Partei von Ferenc Gyurcsany
auf 43,3 Prozent (105 Sitze), wie die Wahlkommission mitteilte. Die
oppositionelle Bürgerunion Fidesz des früheren
Regierungschefs Victor Orban erreichte 42,1 Prozent (97 Sitze).
Die möglichen Koalitionspartner der beiden großen Parteien
schafften jeweils den Sprung über die
Fünf-Prozent-Hürde. Die Allianz der Freien Demokraten, die
bislang mit den Sozialisten regierte, landete in der ersten Runde bei
6,4 Prozent, so dass eine Neuauflage des Bündnisses möglich
scheint. Der potenzielle Partner von Fidesz, das konservative
Ungarische Demokratische Forum, schaffte den Wiedereinzug ins Parlament
denkbar knapp mit 5,04 Prozent. In rund 170 Wahlbezirken kam keiner der
Kandidaten auf mehr als 50 Prozent der Stimmen, die Entscheidung
über die künftige Regierung muss daher am 23. April fallen.
Der 44-jährige Gyurcsany ist seit 2004 Ministerpräsident. Der
42-jährige Orban hatte das Amt des Regierungschefs von 1998 bis
2002 inne. Die Wahlbeteiligung am Sonntag lag bei 67,7 Prozent.
(Quelle: ap)
Deutschland
Bundesregierung erwartet Gesundheitsdefizit von 3,5 Milliarden Euro
Mo.10.04.06 - Die Finanzlage im Gesundheitswesen verschlechtert sich: Die
Bundesregierung rechnet für 2007 mit einem zusätzlichen
Bedarf von 3,5 Milliarden Euro. Zur Begründung verwies
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt am Wochenende auf den teilweisen
Wegfall des Bundeszuschusses: «Das sind 2,7 Milliarden
weniger.» Außerdem schlage die geplante
Mehrwertsteuererhöhung mit 800 Millionen Euro zu Buche.
Nach Einschätzung der Krankenkassen ist die Lage noch schlechter.
Das «Handelsblatt» berichtete unter Berufung auf Daten des
Schätzerkreises der Kassen, dass ihnen dieses Jahr ein Defizit von
einer Milliarde Euro droht. 2008 würde der Fehlbetrag demnach ohne
neue Gesetze auf gut 15 Milliarden Euro steigen. Der Vorstandschef der
Barmer Ersatzkasse, Eckart Fiedler, warf Schmidt deshalb vor, die Lage
zu verharmlosen. Arbeitsminister Franz Müntefering sprach sich
dennoch gegen Kürzungen im Leistungskatalog aus.
Schmidt erwartet im Gegenzug durch das Gesetz zur Dämpfung der
Arzneimittelausgaben eine Ersparnis von 1,3 Milliarden Euro. Wie die
verbleibende Lücke von 2,2 Milliarden Euro geschlossen werden
könne, sei in den kommenden Wochen zu erörtern. Die
SPD-Politikerin geht außerdem davon aus, dass die
Gesundheitsreform über die Legislaturperiode hinaus Bestand haben
kann. «Wenn uns eine große Reform gelingt, habe ich keinen
Zweifel, dass ihre Wirkung über 2009 hinausreicht», sagte
die Ministerin.
Müntefering betonte: «Das Gesundheitswesen ist gut und jeder
hat Anspruch darauf, die Möglichkeiten des Gesundheitswesens
wahrzunehmen, wenn er darauf angewiesen ist - unabhängig davon,
wie dick sein Portemonnaie ist». Wie das 2007 drohende Defizit zu
finanzieren sei, «wird zu klären sein», erklärte
er. Man könne durchaus im System sparen, man müsse sich aber
auch darüber im Klaren sein, dass das System dynamisch sei.
«Wir haben immer wieder neue Techniken und neue Medikamente, und
die wollen wir den Menschen auch zu gute kommen lassen», sagte
Müntefering. Er glaube nicht, dass das Gesundheitssystem insgesamt
billiger werde. Das System müsse aber finanziert werden.
Unionsfraktionschef Volker Kauder erhofft sich eine Lösung, bei
der jeder am medizinischen Fortschritt beteiligt werden kann und bei
der die Kosten solidarisch und gerecht finanziert werden. «Wenn
wir durch Senkung der Lohnzusatzkosten auch noch etwas gegen die
Arbeitslosigkeit tun können, dann denke ich überhaupt nicht
daran, einen solchen Kompromiss im Wahlkampf zur Disposition zu
stellen», sagte Kauder.
Nach einem Vorschlag des SPD-Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach
sollte das Gesundheitssystem künftig weitgehend aus dem
allgemeinen Steueraufkommen bezahlt werden. Er halte langfristig einen
Steueranteil von einem Drittel für denkbar, erklärte der
Gesundheitsexperte: «Das würde die Finanzierung der
Krankenkassen auf eine nachhaltige Basis stellen, ohne den Arbeitsmarkt
zu belasten.» Im Gegenzug will Lauterbach darauf verzichten, die
private Krankenversicherung unmittelbar zur Mitfinanzierung des
gesetzlichen Systems heranzuziehen.
(Quelle: ap)
Weiter Ärztestreiks an Uni-Kliniken
Mo.10.04.06 - Im Ärztestreik an Universitäts-Kliniken und psychiatrischen
Landeskrankenhäusern ist auch nach mehr als drei Wochen kein Ende
in Sicht. Heute sind laut Marburger Bund die Universitäts-Kliniken
Leipzig, München, Heidelberg, Freiburg, Tübingen, Ulm und
Düsseldorf betroffen. Die Universitäts-Ärzte sind seit
dem 16. März für bessere Arbeitsbedingungen und 30 Prozent
mehr Geld im Ausstand. Für die 2200 Mediziner am Berliner
Universitäts- Klinikum Charité gehen heute die
Tarifverhandlungen weiter.
(Quelle: dpa)
IG Metall setzt Warnstreiks fort
Mo.10.04.06 - Begleitet von bundesweiten Warnstreiks werden in mehreren
Bundesländern die Tarifverhandlungen für die Metall- und
Elektrobranche fortgesetzt. Beide Seiten rechnen allerdings nicht mit
einer Einigung vor Ostern. IG Metall-Chef Peters lehnte das
Arbeitgeber-Angebot von zwei Mal 1,2 Prozent und Einmalzahlungen am
Wochenende noch einmal kategorisch ab. Schwerpunkte der Warnstreiks
sollen heute Bayern und Baden-Württemberg sein.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Wissenschaft
Hirnforscher warnen vor übertriebener Frühförderung
Mo.10.04.06 - Hirnforscher haben vor einer übertriebenen Frühförderung
von Kleinkindern gewarnt. «Eltern müssen wieder lernen,
darauf zu reagieren, was ihr Kind möchte», sagte Elsbeth
Stern vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung der
Zeitschrift «Geo Wissen». Sie sollten nicht ständig
neue Angebote machen, zumal wenn deren Nutzen bislang gar nicht
erforscht sei. Schon Kleinstkinder mit Fremdsprachenkursen zu
traktieren, lehnte Stern ab: «Ich bin ziemlich sicher, dass solche
Kinder niemals ordentlich sprechen lernen würden.»
Nach Angaben des Göttinger Hirnforschers Gerald Hüther leidet
durch übertriebene Förderung auch die Eltern-Kind-Bindung. Mit
Sorge sehe er die «Instrumentalisierung der Kinder zur
Erhöhung des eigenen Selbstwertes». Der Erwartungsdruck
führe zur Angst des Kindes, es den Eltern nicht recht zu machen.
Das sei eine negative Lernerfahrung, die das Hirn speichere, sagte
Hüther.
Als «Outsourcing von Erziehung» kritisierte der Innsbrucker
Psychologe Heinz Zangerle die zunehmende Kommerzialisierung der
Kindheit. Eine Baby-Massage beim Fachmann vermittle den Eltern die
Botschaft, dass selbst «das einfache Berühren eines Kindes
... eine höchst komplexe Fertigkeit ist, die nur durch Erlernen
einer Technik adäquat zu beherrschen ist». Das schade der
intuitiven Erziehung. Gerade diese sei aber entscheidend für die
frühkindliche Förderung.
(Quelle: ap)