Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertvierundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Irakischer Parlamentspräsident hofft auf baldige
Regierungsbildung. Mindestens 38 Tote bei Gewalt. US-Armee suspendiert
drei Offiziere von Einheit im Irak. USA machten falsche Angaben
über Waffenlabors im Irak
Do.13.04.06 - Als Signal gegen den politischen Stillstand im Irak wird das im
Dezember gewählte Parlament am Montag zu seiner zweiten Sitzung
zusammentreten. Er habe die Sitzung angesetzt, um «die
Glaubwürdigkeit der demokratischen Entwicklung» zu wahren,
teilte der amtierende Parlamentspräsident Adnan Patschatschi am
Mittwoch mit. Der sunnitische Politiker äußerte sich zugleich
zuversichtlich, dass die seit Monaten laufenden Verhandlungen über
die Regierungsbildung bis Montag entscheidende Fortschritte machen
würden.
Vertreter der schiitischen Mehrheitsfraktion Vereinigte Irakische
Allianz hätten ihm mitgeteilt, dass sie bis zu der Sitzung den
Streit über ihren Kandidaten für das Amt des
Ministerpräsidenten beizulegen hofften, sagte Patschatschi. Die
Schiiten haben Amtsinhaber Ibrahim al Dschaafari nominiert, dieser wird
von Kurden und Sunniten abgelehnt.
Bei neuer Gewalt im Irak sind mindestens 38 Menschen ums Leben
gekommen. 20 Menschen starben nach Angaben der Polizei, als nahe der
Stadt Baakuba eine Autobombe explodierte. 30 weitere wurden bei der
Explosion in dem Ort Howaider verletzt. Bei weiteren Anschlägen
und Gewaltakten im ganzen Land starben 18 Menschen.
Die Autobombe in Howaider rund 60 Kilometer nördlich von Bagdad
explodierte nahe einer schiitischen Moschee. Howaider liegt
nördlich von Baakuba, wo immer wieder Anschläge gegen
US-Besatzungstruppen und irakische Sicherheitskräfte verübt
werden. Die Gewalt gegen Schiiten im Irak hat zugenommen: Allein in der
vergangenen Woche starben hundert schiitische Iraker bei Gewaltakten.
In der Stadt Dschalawla 140 Kilometer nordöstlich von Bagdad
wurden ein ranghoher Kurdenpolitiker und drei seiner Leibwächter
erschossen. In der Nähe der Stadt Baidschi 200 Kilometer
nördlich von Bagdad, wo vor wenigen Monaten die beiden deutschen
Ingenieure entführt worden waren, wurden zwei irakische Soldaten
von unbekannten Angreifern erschossen. Vier Menschen starben im Norden
der Hauptstadt Bagdad, als eine Bombe nahe einer Polizeipatrouille
explodierte. Bei mehreren weiteren Angriffen und Anschlägen
starben acht Menschen. Wie die US-Armee mitteilte, wurden seit Sonntag
sieben US-Soldaten im Irak getötet.
Die Frau eines vor einem Jahr im Irak entführten Amerikaners
appellierte am Dienstag in einem Fernsehinterview an die Geiselnehmer,
erneut mit ihr in Kontakt zu treten. Das letzte Lebenszeichen des am 11.
April 2005 verschleppten Jeff Ake habe sie wenige Tage später
erhalten, sagte Liliane Ake dem Sender CNN. Damals hätten die
Entführer ein Lösegeld gefordert. Ake hatte nahe Bagdad an
einer Wasseraufbereitungsanlage gearbeitet.
Nach einem blutigen Vorfall im Irak sind der Befehlshaber einer
US-Einheit im Irak und zwei seiner Untergebenen vom Dienst suspendiert
worden. Die drei Marineinfanteristen hätten ihr Kommando "wegen
mangelnden Vertrauens in ihre Führungsqualitäten" abgeben
müssen, teilte die US-Armee am Dienstag (Ortszeit) mit. Die Armee
prüft derzeit den Vorwurf, Marineinfanteristen der von den
Männern geführten Einheit hätten im westirakischen
Hadhita 15 irakische Zivilisten umgebracht, nachdem ihr
Transportfahrzeug von einer Bombe getroffen und ein Soldat getötet
worden war.
Die Regierung unter US-Präsident George W. Bush hat einem
Zeitungsbericht zufolge bewusst falsche Angaben über die Existenz
zweier mobiler biologischer Labors im Irak gemacht.
Im Mai 2003 habe Bush den Fund zweier Lastwagen mit angeblichen Labors
mit den Worten gefeiert: "Wir haben die Massenvernichtungswaffen
entdeckt!", berichtete die Zeitung "The Washington Post" am Mittwoch. Zu
diesem Zeitpunkt habe allerdings schon ein Bericht einer vom
US-Verteidigungsministerium finanzierten Kommission vorgelegen, wonach
die Auflieger der Lastwagen in keinem Zusammenhang zu biologischen
Waffen gestanden hätten. Das Blatt berief sich auf
Regierungsmitarbeiter und Waffenexperten, die in der geheimen Kommission
mitgearbeitet oder direkt davon gewusst haben.
"Es gab keine Verbindung zu irgendetwas mit biologischen Waffen", sagte
ein Experte, der die Container inspiziert hatte. Dem Artikel der
"Washington Post" zufolge erklärte die US-Regierung trotzdem noch
fast ein Jahr lang, dass die Container mobile Fabriken zur Herstellung
von Massenvernichtungswaffen waren. Die Bedrohung durch
Massenvernichtungswaffen war die vorrangige Rechtfertigung der
US-Regierung für den Krieg im Irak. Solche Waffen wurden nie
gefunden.
Die Autoren des Erfahrungsberichts sowie eines mehr als 100 Seiten
umfassenden Abschlussberichts seien Mitarbeiter des
Verteidigungs-Geheimdienstes DIA gewesen, berichtete die Zeitung weiter.
Ein DIA-Sprecher sagte, die Erkenntnisse der Gruppe seien nicht
ignoriert worden. Sie seien in die Arbeit des Teams eingegangen, das die
offizielle Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak leitete. Die
Arbeit der Gruppe ist unter Verschluss.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 13.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertneunundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.13.03.05 - US-Verteidigungsminister Rumsfeld warnt Iraks neue Regierung vor
'Säuberung' +++ Bei Anschlägen im Irak sechs Menschen
getötet +++ Mindestens neun Menschen kommen bei Gefechten zwischen
Sicherheitskräften und Aufständischen ums Leben +++ Vier
Anführer von Islamistengruppen im Irak gefasst...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0504130.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Scharfe internationale Kritik an Irans Atom-Erklärungen
Experten: Iran noch weit von industrieller Nutzung entfernt
Do.13.04.06 - Irans Erfolgsmeldungen in der Atompolitik sind international auf
scharfe Kritik gestoßen.
Auch der enge Iran-Verbündete Russland schloss sich am Mittwoch in
fast wortgleichen Formulierungen den Warnungen aus den USA und Europa
an: Die Islamische Republik widersetze sich damit den Forderungen der
internationalen Gemeinschaft. Die USA kündigten Gespräche
über Strafmaßnahmen gegen das Land an. Präsident Mahmud
Ahmadinedschad hatte am Vorabend erklärt, sein Land habe
erfolgreich Uran angereichert und gehöre damit zur Gruppe der
Länder mit Atomtechnologie. Dies sei das Ergebnis des nationalen
Widerstandes gegen den Westen. Der Iran steht im Verdacht, Uran auch zum
Bau von Atomwaffen anreichern zu wollen.
Die Mitteilung des Irans sei "ein Schritt in die falsche Richtung",
erklärte das russische Außenministerium laut einer Meldung
der Nachrichtenagentur Itar-Tass. "Dies widerspricht den Entscheidungen
der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und der
Erklärung des UN-Sicherheitsrats." Auch bekräftigt Russland
wie die USA die Forderung, dass der Iran alle Arbeiten an der
Urananreicherung stoppen müsse, "einschließlich der
Forschung".
Dies hat der UN-Sicherheitsrat vor kurzem in seiner Erklärung
verlangt, die einstimmig verabschiedet worden ist. Bis Ende April hat
der Iran Zeit, die Vereinten Nationen (UN) in dem Konflikt von seiner
Kooperationsbereitschaft zu überzeugen. Es ist allerdings offen,
auf welches weitere Vorgehen sich der Sicherheitsrat zu
verständigen vermag. Bislang verlässt sich die
erz-konservative Regierung in Teheran darauf, dass Russland gegen
Sanktionen sein Veto einlegen wird.
Ein hochrangiger Vertreter des Irans wies die russischen Forderungen
umgehend zurück und erklärte, das iranische Atomprogramm sei
wie ein Wasserfall, der - einmal in Gang gekommen - nicht mehr gestoppt
werden könne. Das Land hat sein Atomprogramm fast zwei Jahrzehnte
vor der Welt verheimlicht, betont aber, dass es die Kernkraft nur
für zivile Zwecke nutzen will.
Trotz der Ankündigung der USA, im Sicherheitsrat über
weitergehende Schritte und damit mögliche Strafmaßnahmen
diskutieren zu wollen, ging Russland in seinen Reaktionen nicht auf
diesen Punkt ein. Außenminister Sergej Lawrow lehnte
ausdrücklich den Einsatz von Gewalt in dem Konflikt ab. "Wenn
solche Pläne existieren, dann werden sie dieses Problem nicht
lösen können", sagte er mehreren russischen
Nachrichtenagenturen zufolge. Nach Medienberichten erwägen die USA,
das iranische Atomprogramm mit gezielten Angriffen zu stoppen oder
zumindest folgenschwer zu schädigen. US-Präsident George W.
Bush hat diese Berichte jedoch als Spekulation zurückgewiesen.
China als zweiter wichtiger Verbündeter des Irans im
Sicherheitsrat betonte in der Nacht erneut, Verhandlungen und eine
diplomatisch Vorgehensweise seien der beste Weg aus dem Konflikt. Es war
indes unklar, ob die von der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua
verbreitete Erklärung des chinesischen UN-Botschafters Wang Guangya
vor oder nach der Rede Ahmadinedschads veröffentlicht worden war.
Die USA erklärten, Ahmadinedschads Äußerungen
erhöhten den Druck auf die internationale Gemeinschaft, gemeinsam
vorzugehen. "Wenn das Regime sich weiter in diese Richtung bewegt, dann
werden wir über das künftige Vorgehen mit den anderen
Mitgliedern des Sicherheitsrats und Deutschland reden", kündigte
der Sprecher von US-Präsident Bush an.
Auch Deutschland, das an jahrelangen Vermittlungsbemühungen der
Europäischen Union (EU) beteiligt war, verurteilte die iranische
Erklärung. Die Regierung äußerte große Sorge
darüber, dass diese in einer "sehr schwierigen Phase der
Auseinandersetzung mit dem Iran" abgegeben worden sei. Die EU nannte die
iranische Entscheidung bedauerlich.
Israel, als dessen Erzfeind sich der Iran versteht und das in
Reichweite iranischer Raketen liegt, äußerte sich
zurückhaltend. Solange die USA das Thema zuoberst auf ihrer
politischen Agenda hätten, sollte sich das Land heraushalten, sagte
Friedensnobelpreisträger Schimon Peres, der voraussichtlich in der
künftigen Kadima-Regierung sitzt.
Wie US-Experten wiesen auch israelische Militärexperten darauf
hin, dass der Iran trotz eines möglicherweise ersten Erfolgs bei
der Urananreicherung noch weit von einer industriellen Anwendung der
Technik entfernt sei. Zudem reiche der Anreicherungsgrad noch lange
nicht für Atomwaffen aus. "Es dauert noch, bis sie die
Nuklearfähigkeit haben, und damit ist Zeit für einen Dialog,
um das Programm zu stoppen", sagte der israelische Generalstabschef Dan
Haluz im Armeerundfunk. Der US-Experte für die
Nicht-Weiterverbreitung von Atomwaffen, Robert Einhorn, sagte, wenn der
Iran tatsächlich wie behauptet die Urananreicherung beherrsche,
"dann hat er das viel früher geschafft, als wir erwartet haben".
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Olmert sucht internationale Hilfe für Trennungsplan
Do.13.04.06 - Der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sucht
internationale Unterstützung für seinen Plan zur
räumlichen Trennung von den Palästinensern. Er suche
internationale Hilfe einschließlich finanzieller
Unterstützung seines Vorhabens, sagte Olmert dem "Wall Street
Journal" vom Mittwoch. Den Anfang in seinem Werben um Hilfe solle sein
Besuch im Weißen Haus im kommenden Monat machen. Olmert will
seinen Plan zur räumlichen Trennung von den Palästinensern
nach eigenen Angaben nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen in
Israel in etwa zwei Wochen konkretisieren und ihn binnen 18 Monaten
abschließen. Ein Referendum über sein Vorhaben sei nicht
geplant. Das Ergebnis der Parlamentswahl Ende März zeige, dass eine
Mehrheit der Israelis seine Vision unterstützten.
(Quelle: afp)
Mindestens acht Tote bei Gefechten im Osten des Sudans
Do.13.04.06 - Bei Gefechten zwischen Regierungstruppen und Milizen von
Oppositionsgruppen sind im Osten des Sudans mindestens acht Menschen
getötet worden, wie die Streitkräfte mitteilten. Die Bewegung
für Gerechtigkeit und Gleichheit aus Darfur habe sich mit dem
Beja-Kongress aus dem Osten zusammengetan, um Stützpunkte der
Regierungstruppen zu attackieren, hieß es in der Erklärung
vom Mittwoch. Unter den Opfern seien sechs Zivilpersonen sowie zwei
Angreifer.
Es ist das erste Mal, dass die Streitkräfte einen Zusammenschluss
von Oppositionsgruppen im Kampf gegen die Regierung vermelden. Die
Angreifer hätten zeitgleich Stützpunkte in Wagar und Tinay
attackiert, einen Lastwagen sowie eine Polizeistation zerstört und
die Telefonleitungen gekappt. Mit Hilfe der Luftwaffe seien die
Oppositionskräfte schließlich in die Flucht getrieben
worden, hieß es weiter.
(Quelle: ap)
Britannien und USA wollen Verantwortliche der Darfur-Krise bestrafen
Do.13.04.06 - Großbritannien und die USA haben dem Weltsicherheitsrat eine
Liste mit den Namen von vier Sudanesen vorgelegt, gegen die wegen ihrer
Rolle im Darfur-Konflikt Sanktionen verhängt werden sollen. Wenn
kein Mitglied des Sicherheitsrates bis Montag Einspruch erhebt,
können die Sanktionen, darunter das Einfrieren der Konten der
betreffenden Personen sowie Einreiseverbote, in Kraft treten. Bis dahin
sollen die Namen auf der Liste nicht öffentlich gemacht werden,
wie der britische UN-Botschafter Emyr Jones Parry am Mittwochabend
mitteilte.
Es wären die ersten Sanktionen des Sicherheitsrates gegen
Verantwortliche für die Darfur-Krise, der in den vergangenen drei
Jahren 180.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Zwei Millionen
Menschen wurden zu Flüchtlingen, als von der Regierung
unterstützte Milizen einen Aufstand in Darfur niederschlugen.
Eine UN-Kommission forderte im vergangenen Jahr, dass 51 Personen wegen
Kriegsverbrechen angeklagt werden sollten, darunter ranghohe
Regierungsmitglieder aus Khartum. Bis zum Mittwoch konnte sich der
Weltsicherheitsrat jedoch nicht auf eine Liste einigen. Russland
erklärte, die vier Namen studieren zu wollen und
möglicherweise Einwände zu erheben, weil die Liste den
brüchigen Friedensprozess gefährden könnte.
(Quelle: ap)
Dutzende Journalisten bei Protesten in Nepal festgenommen
Do.13.04.06 - In Nepal hat die Polizei am Mittwoch 29 Journalisten festgenommen, die
gegen die Unterdrückung der Medien durch die Regierung
protestierten. Rund 100 Medienvertreter waren dem Aufruf des
nepalesischen Journalistenverbandes zu einer Kundgebung in der
Hauptstadt Kathmandu gefolgt. Die Polizei erklärte zur
Begründung der Festnahmen, die Demonstration finde in einem
Stadtviertel statt, in dem keine Protestkundgebungen erlaubt seien.
In Nepal gibt es seit Tagen Massenproteste gegen die Alleinherrschaft
von König Gyanendra. Seit dem 5. April wurden mehr als 100
Journalisten festgenommen, die mittlerweile wieder auf freiem Fuß
sind. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der
Polizei wurden am Dienstag nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation
in Kathmandu Dutzende Menschen verletzt.
(Quelle: ap)
Google verteidigt Selbstzensur in China
Do.13.04.06 - Das Internetunternehmen Google hat seine Selbstzensur in China
verteidigt.
Bei der feierlichen Vorstellung des neuen chinesischen Namens der
größten Suchmaschine der Welt sagte der Vorsitzende Eric
Schmidt am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Peking, für die
Expansion in China habe sich das Unternehmen «der Regierung
gegenüber verpflichtet, dass wir strikt den chinesischen Gesetzen
folgen werden». «Wir haben keine Alternative», sagte
Schmidt. «Es war die richtige Entscheidung für Google.»
Google nennt sich auf Chinesisch künftig «Gu Ge», was
als «Lied der reichen Ernte» übersetzt werden kann.
Google hinkt mit einem Marktanteil in China von 32 Prozent hinter der
chinesischen Suchmaschine Baidu her, die auf 56 Prozent kommt. In der
chinesischen Version google.cn filtert das Unternehmen eigenhändig
Ergebnisse heraus, die Chinas kommunistische Regierung als politisch
heikel oder als Bedrohung ihrer Ein-Parteien-Herrschaft empfindet. So
tauchen Informationen über Menschenrechtsverletzungen, das Massaker
vom 4. Juni 1989 oder Kritik an Chinas Herrschaft in Tibet nicht mehr
auf.
(Quelle: dpa)
Sarkophag in Tschernobyl droht der Einsturz
Do.13.04.06 - 20 Jahre nach dem Unfall im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl ist
der seinerzeit errichtete Sarkophag um die Reaktorruine vom Einsturz
bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt die Umweltschutzorganisation Geenpeace
in einem Bericht. Von acht Projekten, mit denen die Schutzhülle
aus Stahl und Beton stabilisiert werden sollte, seien nur drei
umgesetzt worden. Ursprünglich sollten die Maßnahmen bis
2006 abgeschlossen sein. Bis heute gebe es jedoch kein Gesamtkonzept
zur langfristigen Absicherung der Ruine.
Das Unglück von Tschernobyl jährt sich am 26. April zum 20.
Mal. "In den letzten 20 Jahren ist viel zu wenig geschehen, um die
Region vor dem explodierten Reaktor zu sichern", erklärte Thomas
Breuer, Atomexperte von Greenpeace. Auch die Atomindustrie und der
Einsatz von Milliarden an Steuergeldern aus den Industrieländern
hätten keine Lösung gebracht. Die Schutzhülle sei im
ersten halben Jahr nach der Reaktorkatastrophe hastig und unter
schwierigsten Bedingungen errichtet worden. Die Konstruktion sei
instabil. "In der Außenwand klaffen Löcher, durch die der
Wind radioaktiven Staub herausbläst und Regenwasser eindringt."
Würde der Reaktor einstürzen, würde eine radioaktive
Staubwolke die Menschen in der Region erneut bedrohen und
zusätzlichen Strahlenbelastungen aussetzen. Dieser Gefahr wolle das
Konsortium aus 28 Geberländern und der ukrainischen Regierung mit
der Stabilisierung des Sarkophags und der Errichtung einer neuen
Schutzhülle begegnen. Dieses Projekt weise aber schwere Mängel
auf. Es biete keine Lösung für das Hauptproblem, die
hochgradig radioaktive Masse, zu der die Brennstäbe mit dem
Baumaterial des Reaktors verschmolzen sei.
(Quelle: afp)
Türkische Streitkräfte töten zwölf kurdische
Rebellen
Do.13.04.06 - Türkische Streitkräfte haben bei Gefechten nahe der
irakischen Grenze zwölf kurdische Rebellen getötet, wie die
Behörden am Mittwoch mitteilten. Zudem kamen am Dienstag in dem
Gebiet nördlich der Stadt Sirnak zwei Soldaten ums Leben. Der
Fernsehsender NTV berichtete, die Streitkräfte suchten in den
Bergen nach weiteren Rebellen, die von Stützpunkten im Nordirak aus
in die Türkei eindringen. Die Streitkräfte haben nach dem Tod
von fünf Soldaten Anfang April eine Offensive gegen die Rebellen
begonnen, in deren Verlauf mindestens 18 Kurden und sieben Soldaten
getötet wurden.
(Quelle: ap)
Europarat warnt vor bedrohlichem Anstieg der Nazi-Ideologie
Do.13.04.06 - Angesichts einer wachsenden Verbreitung rechtsextremer Ideologien in
Europa plant der Europarat eine internationale Konferenz zu diesem
Thema. Dazu sollen Parlamentarier, Regierungsvertreter und
Wissenschaftler eingeladen werden. Ein Termin steht noch nicht fest.
Die Parlamentarische Versammlung des Europarats verurteilte am Mittwoch
die Zunahme rassistisch motivierter Übergriffe, die Schändung
jüdischer Friedhöfe und Anschläge auf religiöse
Stätten. Es gebe derzeit hunderte Nazi-Websites im Internet,
hieß es in einer Resolution. Extremistische und
ausländerfeindliche Gruppen verzeichneten in mehreren
europäischen Ländern großen Zulauf, darunter
Deutschland, Österreich, Spanien, Russland und die Tschechische
Republik. Die Parlamentarische Versammlung des Europarats tritt vier
Mal im Jahr zusammen, um über die Lage der Menschenrechte und
soziale und politische Trends in Europa zu beraten.
(Quelle: ap)
Brüssel senkt Konjunkturprognosen für die Eurozone
Do.13.04.06 - Die Europäische Kommission hat ihre Konjunkturprognosen für
die Eurozone gesenkt. Im ersten Quartal des laufenden Jahres werde die
Wirtschaft in den zwölf Ländern der Währungsunion
voraussichtlich um 0,4 bis 0,8 Prozent wachsen, teilte die Behörde
am Mittwoch in Brüssel mit. Anfang März war die Kommission von
bis zu 0,9 Prozent Wirtschaftswachstum in den ersten drei Monaten 2006
ausgegangen. Kräftiger fiel die Korrektur nach unten für die
beiden folgenden Quartale aus: Im zweiten Quartal soll das
Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone demnach nur noch um 0,3 bis 0,8
Prozent und im dritten Quartal um 0,2 bis 0,8 Prozent zulegen. Zuvor war
die EU-Kommission noch für beide Quartale von 0,4 bis 0,9 Prozent
Wirtschaftswachstum ausgegangen.
(Quelle: afp)
Streit um Wahlergebnis in Italien dauert an
Do.13.04.06 - Der Streit um den Wahlausgang in Italien hält an: Der siegreiche
Anführer des Mitte-links-Bündnisses, Romano Prodi, forderte
Regierungschef Silvio Berlusconi auf, seinen Posten zu räumen.
Berlusconi versuche, trotz seiner Niederlage Zweifel an seinem Sieg zu
streuen, sagte Prodi vor Anhängern in seiner Heimatstadt Bologna.
Kurz zuvor hatte Berlusconi noch einmal Unregelmäßigkeiten
bei der Parlamentswahl beklagt. Die Wahlkommission wies Vorwürfe
zu der Auszählung von Stimmen von im Ausland lebenden Italienern
zurück.
"Berlusconi muss nach Hause gehen", forderte der frühere
EU-Kommissionspräsident Prodi. Der Ministerpräsident versuche
Unruhe zu streuen. Berlusconi beklagte sich erneut über angebliche
Unregelmäßigkeiten: "Solche Mauscheleien, ich bin
zuversichtlich, dass sich das Resultat ändern wird", sagte er in
Rom. "Wir müssen die Protokolle von 60.000 Wahlbüros
nachprüfen, eins nach dem anderen." Bereits am Dienstag hatte
Berlusconi wegen "zahlreicher Unregelmäßigkeiten" die
juristische Überprüfung des Wahlergebnisses gefordert.
Dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge hat Prodis
Bündnis L'Unione (Die Einheit) im Abgeordnetenhaus künftig
342 von 630 Sitzen und damit die absolute Mehrheit. Im Senat erhielt
das Mitte-links-Bündnis 158 von 315 Mandaten. Das Endergebnis ist
erst nach der Prüfung durch den Kassationsgerichtshof gültig.
Auf Verlangen Berlusconis lief die nochmalige Auszählung von rund
80.000 umstrittenen Stimmzetteln an. Dabei handelt es sich um Stimmen,
die bei der ersten Auszählung nicht klar zugeordnet werden
konnten, aber auch nicht für ungültig erklärt wurden.
Es seien ebenso viele Stimmen bei seiner Behörde angekommen, wie
von den italienischen Botschaften im Ausland abgeschickt worden seinen,
sagte Claudio Fancelli, Chef der Abteilung für die Auszählung
der Auslandsstimmen bei der Wahlkommission, der Nachrichtenagentur
Ansa. Alle Sicherheitsmaßnahmen seien befolgt worden. Ein
Vertreter der Forza-Italia-Partei von Regierungschef Silvio Berlusconi
hatte zuvor beklagt, die italienische Botschaft in der Schweiz habe
nach eigenen Angaben 188.500 Stimmzettel von in der Schweiz lebenden
Itienern nach Rom geschickt. Dort seien aber nur 150.000 davon
angekommen.
(Quelle: afp)
Französische Nationalversammlung verabschiedet Ersatz-Reformgesetz
Do.13.04.06 - Nach der Rücknahme der Kündigungsschutzreform hat Frankreichs
Nationalversammlung im Blitzverfahren ein Ersatz-Gesetz verabschiedet.
Die erst am Montag vorgestellte Vorlage wurde am Mittwoch mit den
Stimmen der bürgerlichen Mehrheit angenommen. Das Paket sieht
zusätzliche Finanzhilfen in dreistelliger Millionenhöhe zur
Eingliederung von Jugendlichen auf den Arbeitsmarkt vor. Dadurch wird
der gescheiterte Erstanstellungsvertrag (CPE) von Premierminister
Dominique de Villepin ersetzt. Gegen den CPE und die damit verbundene
Lockerung des Kündigungsschutzes für Berufseinsteiger waren
Millionen Franzosen auf die Straßen gegangen.
(Quelle: afp)
Deutschland
Pläne für Gesundheitsreform stoßen auf Kritik
Do.13.04.06 - Die von Unionsfraktionschef Volker Kauder vorgestellten Pläne
für die Gesundheitsreform sind auf breite Kritik gestoßen.
Vor allem die Gewerkschaften und die SPD-Linke nannten sie am Mittwoch
unannehmbar. Vor diesem Hintergrund hielt sich die Regierung bedeckt,
wie viel davon umgesetzt werden soll. Es gebe in der Koalition ein
hohes Maß an Übereinstimmung, aber noch keine
Vereinbarungen, sagte Regierungssprecher Thomas Steg.
Kauder hatte am Vortag in einem Interview erstmals Details einer
möglichen Reform genannt. Kernpunkt ist die Gründung eines
Gesundheitsfonds und die Erhebung zusätzlicher Einkommensteuern,
um die Kinderversicherung zu finanzieren. Aus dem Fonds, in den auch
die normalen Kassenbeiträge fließen würden, sollen
einheitliche Pauschalen für jeden Versicherten an die Kassen
ausgezahlt werden. Falls diese damit nicht auskommen, müssten die
Versicherten selbst noch etwas draufzahlen.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, die Kauders Äußerungen
bereits grundsätzlich begrüßt hatte, will sich weiter
zu Details nicht äußern. Dies betonte ihr Sprecher Klaus
Vater. Regierungssprecher Steg sagte, Kauder habe seine
Ausführungen weder mit Wissen noch im Auftrag von Bundeskanzlerin
Angela Merkel gemacht. Es gebe auch keine
«Geheimabsprachen» zwischen Merkel und Vizekanzler Franz
Müntefering.
Die Kanzlerin sei sich aber mit Kauder einig, dass sie beide ihren
Beitrag leisten wollten, damit bei der Gesundheitsreform eine
vernünftigen Lösung zu Stande komme. Die eingesetzte
Arbeitsgruppe habe den Auftrag, bis zum 1. Mai für die
Koalitionsspitzen bestimmte Dinge und Modelle durchzurechnen.
«Ich bin sicher, dass alle Beteiligten zu der Einsicht
kommen», dass man die vereinbarte Vertraulichkeit einhalte, sagte
Steg.
Trotz der Bemühungen der Regierung, die Einzelheiten offen zu
halten, kündigte vor allem die Linke bereits Widerstand an. Die
SPD-Linke Andrea Nahles kritisierte: «Es handelt sich hierbei um
eine doppelte Kopfpauschale, die Herr Kauder vorschlägt.» Da
frage man sich «als Sozialdemokrat, wie das kompromissfähig
sein soll». Ähnlich äußerten sich der Deutsche
Gewerkschaftsbund und ver.di. DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer
forderte die SPD zum Widerstand auf.
Aus der SPD wurde die Forderung laut, dass der designierte Parteichef
Kurt Beck als neuer SPD-Verhandlungsführer die
«sozialdemokratische Handschrift» der Reform wahren solle.
Es dürfe keinerlei Kopfpauschale geben, verlangte auch
Parteiratschef Claus Möller. SPD-Gesundheitsexperte Karl
Lauterbach, der die Reform mit entwerfen soll, zeigte sich
überrascht, «wie detailliert Herr Kauder hier schon
vorschlägt. Dieses Modell wird die Verhandlungen aus Perspektive
der SPD nicht erleichtern». Auch in der Unionsfraktion herrscht
nach einem Bericht des «Kölner Stadt-Anzeigers»
Verärgerung über Kauders überraschenden Vorstoß.
Daneben meldeten sich weitere Interessenvertreter aus anderen
Gründen mit Kritik zu Wort. Der Bundesverband der Deutschen
Industrie wandte sich vor allem gegen Steuererhöhungen zur
Finanzierung der Krankenversicherung für Kinder. Auch die AOK
Bayern warnte vor Belastungen für Familien durch einen
«Gesundheits-Soli», die durch die Entlastung bei den
Beiträgen nicht kompensiert werde. Die Private Krankenversicherung
zeigte sich ebenfalls unzufrieden. Viele Fragen seien offen geblieben.
(Quelle: ap)
Begeisterung für Merkel in der Wirtschaft schwindet
Do.13.04.06 - Viele Führungskräfte der deutschen Wirtschaft haben ihren
Enthusiasmus für Bundeskanzlerin Angela Merkel verloren. Das ergab
eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage des
«Handelsblatts». Demnach waren im März nur noch 55
Prozent der Top-Manager mit Merkel zufrieden. Im Januar hingegen
hätten noch 78 Prozent der Befragten die Kanzlerin mit den Noten
«gut» oder «sehr gut» bewertet.
Im Durchschnitt hat Merkel laut «Handelsblatt» auf einer
Skala von 1 (»sehr gut») bis 5 (»sehr schlecht»)
im März die Note 2,5 erhalten - zwei Zehntelpunkte schlechter als
im Februar und vier weniger im Vergleich zum Januar. Dem Bericht
zufolge steht Merkel in der Gunst der Top-Manager aber immer noch
deutlich besser da als ihr Vorgänger Gerhard Schröder (SPD)
während seiner gesamten Amtszeit.
Der Bundesregierung insgesamt gaben die Führungskräfte die
Note 2,9. Während die Bewertung der SPD-Minister gegenüber
Februar mit 3,2 stabil geblieben sei, sei die der Unionsminister von 2,7
auf 2,8 gefallen. Kritisch werde vor allem Bundeswirtschaftsminister
Michael Glos (CSU) gesehen, der eine Durchschnittsnote von 3,4
erreichte.
(Quelle: ap)
Daimler-Chef Zetsche verdient in diesem Jahr 3,75 Millionen Euro
Do.13.04.06 - Dieter Zetsche hat als erster DaimlerChrysler-Chef am Mittwoch sein
Gehalt offengelegt. Der neue Vorstandsvorsitzende des Autokonzerns
bekommt in diesem Jahr maximal 3,75 Millionen Euro, wie
Aufsichtsratschef Hilmar Kopper den rund 9000 Aktionären auf der
Hauptversammlung in Berlin mitteilte. Zetsches Gehalt setze sich aus
einer Grundvergütung von 1,5 Millionen Euro und einem Bonus von
maximal 150 Prozent dieses Basisgehalts zusammen. Hinzu kämen noch
59.563 virtuelle Aktien, die der Daimler-Chef ab 2010 einlösen
könne. Nach aktuellem Kurs wären die Aktienoptionen 2,8
Millionen Euro wert. Insgesamt könnte Zetsche damit über 6,55
Millionen Euro verfügen.
(Quelle: afp)
Bund will Industrie künftig bei Abgashandel entlasten
Do.13.04.06 - Die Bundesregierung wird die Energieversorger über den
milliardenschweren Handel mit Abgasrechten ab 2008 zu mehr Klimaschutz
zwingen. Die Industrie, die unter hohen Strompreisen leidet, wird
hingegen künftig entlastet.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel bezeichnete am Dienstagabend eine
entsprechende Verständigung mit Wirtschaftsminister Michael Glos
(CSU) auch als wichtigen Beitrag für mehr Klimaschutz. Deutschland
bleibe damit bei dem Ziel, bis 2012 den Ausstoß von Treibhausgasen
um 21 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Deutschland sei damit
weiter Vorreiter. Das System des Emissionshandels solle zwischen 2008
und 2012 effizienter laufen als in der ersten Periode zwischen 2005 und
2007. Mit der Verteilung der Abgasrechten würden Anreize für
mehr Modernisierungen geschaffen.
Ziel ist es, den Ausstoß des klimaschädlichen Gases
Kohlendioxid (C02) über den Handel bis 2012 auf 495 Millionen von
derzeit etwas über 500 Millionen Tonnen jährlich zu
reduzieren. "Das ist ein anspruchsvolles Ziel", sagte Gabriel. Trotz
mehrfacher Versuche, die Bundesregierung von diesem Plan abzuhalten,
lasse sie sich in diesem Punkt nicht beirren. "Wir wollen dort nicht
nachlassen", betonte der SPD-Politiker mit Verweis auf den
Koalitionsvertrag.
Die Versorger erhalten dem Plan zufolge für ihre Kraftwerke
künftig nur noch 85 Prozent der nötigen Abgas-Berechtigungen.
Die Strom verbrauchende Industrie wird im Gegenzug deutlich besser
gestellt; sie bekommt 98,75 Prozent der nötigen Berechtigungen. In
der ersten Handelsperiode wurde dieser Unterschied nicht gemacht. Gleich
gut ausgestattet wie die Industrie werden erstmals auch die
umweltfreundlichen Kraftwerke, die sowohl Wärme als auch Strom
liefern. Bei besonders alten Braun- und Steinkohle-Kraftwerken werde
dagegen die Zuteilung von Berechtigungen noch einmal deutlich um 15
Prozent gekürzt, sagte der Minister. Dies setze einen Anreiz zur
Investition in klimafreundliche Kraftwerke.
Über den Handel mit Abgasrechten sollen Industrie und
Energieerzeuger zu Einsparungen beim Ausstoß des
klimaschädlichen Kohlendioxids gezwungen werden. Die nationalen
Regierungen in Europa entscheiden, wie viele Abgasrechte in der
Handelsperiode die einzelnen Anlagen von Versorgern und Industrie
zugeteilt bekommen. Fehlende Berechtigungen müssen an der
Börse gekauft oder der C02-Ausstoß muss über
Modernisierungen entsprechend reduziert werden. Wer viel Treibhausgas
etwa durch Modernisierungen einspart, kann seine Zertifikate an andere
verkaufen. Die großen Energiekonzerne wie E.ON, RWE, EnBW und
Vattenfall Europe sind für einen Großteil des
C02-Ausstoßes in Deutschland verantwortlich.
Gabriel unterstrich, die Strom verbrauchende Industrie, deren Absatz
durch hohe Energiepreise in Gefahr geraten könne, werde
künftig besser geschützt. Sie müsse weniger C02 einsparen
oder weniger Rechte kaufen. Deutschland wolle seinen Plan für die
Zuteilung der Rechte an die einzelnen Anlagen zum 30. Juni an die EU
abgeben. Wichtiges Ziel sei es, dass die Unternehmen den
Emissionshandel nicht als Vorwand für Strompreisanhebungen
nähmen.
Der Handel hat auch für die Verbraucher große Bedeutung, da
der Börsenpreis für die Zertifikate in den Strompreis
eingerechnet werden. Dies hatte für Verärgerung in der Politik
gesorgt, da die Erstausstattung mit Zertifikaten kostenlos war. Im
Koalitionsvertrag war vereinbart worden, dass diese Mitnahmeeffekte
beschnitten werden sollten.
Eine für die neue Periode erwogene Versteigerung eines Teils der
Rechte wurde allerdings verworfen, da dies die Preise weiter nach oben
getrieben hätte. Derzeit wird eine Tonne C02-Ausstoß an der
Börse für über 28 Euro gehandelt. Zu Diskussionen
zwischen Umwelt-und Wirtschaftsministerium hatte den Angaben zufolge die
Ausstattung von Ersatzanlagen für die zahlreichen alten Kraftwerke
geführt: Diese sollen nun nur noch maximal 14 Jahre lang bevorzugt
mit Verschmutzungsrechten ausgestattet werden, bisher waren 18 Jahre
vorgesehen.
Nicht aufgenommen in den Emissionshandel die Fluglinien. Dagegen sollen
aber erstmals Crack-Anlagen, die aus Rohöl chemische Vorprodukte
herstellen, am Handel teilnehmen. Sie stehen für insgesamt zehn
Millionen Tonnen C02. BASF betreibt in Deutschland solche Anlagen.
(Quelle: rtr)
Deutscher Klimaschutz bleibt ineffizient
Bundesregierung einigt sich, wie viel klimaschädliches
Kohlendioxid die Wirtschaft ausstoßen darf. Geringe Reduzierung
bis 2012. Energiekonzerne werden beim Emissionshandel stärker
belastet als die Industrie. Kritik von Umweltverbänden... mehr in
der taz vom 12.04.06:
http://www.taz.de/pt/2006/04/12/a0136.1/text
Umweltverbände werfen Regierung Blockade bei
Feinstaub-Bekämpfung vor
Do.13.04.06 - Umweltverbände werfen der Regierung Untätigkeit im Kampf
gegen gesundheitsschädlichen Feinstaub vor. Während in den
deutschen Städten die Grenzwerte immer häufiger
überschritten würden, gebe es immer noch keine politische
Entscheidung über eine wirksame Förderung rußfreier
Diesel-Fahrzeuge, erklärte die Allianz «Kein Diesel ohne
Filter» am Mittwoch in Berlin. Die Verbände kritisierten
auch, dass ein Kennzeichnungssystem für Fahrzeugen mit
Rußfiltern nicht vorankomme. So könnten betroffene
Städte keine Zonen einrichten, in denen nur gefilterte Autos fahren
dürften.
Die Filterförderung werde auch in der großen Koalition
weiter verschleppt, sagte Jürgen Resch von der Deutschen
Umwelthilfe. Das «Schwarze-Peter-Spiel» zwischen Bund und
Ländern gehe weiter. Resch forderte einen wirksamen steuerlichen
Anreiz für die Nachrüstung der Diesel-Fahrzeuge mit
Partikelfiltern. Zur Gegenfinanzierung sollten Diesel-Pkw, die eine
bestimmte Abgasnorm nicht erfüllten, mit einer Steuer belastet
werden.
Im Bundesrat sei die gesonderte Kennzeichnung von sauberen
Diesel-Fahrzeugen mit Rußfilter verhindert worden, sagte Gerd
Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland. Auf Initiative Bayern sein die
Plakettenverordnung verändert worden.
Die Politik habe noch kein einziges Instrument auf den Weg gebracht, um
die Feinstaubbelastung in den Städten zu verringern, kritisierte
Dietmar Oeliger vom Naturschutzbund Deutschland. Dabei sei die Belastung
keinesfalls geringer geworden.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Pharmaunternehmen erfinden Krankheiten
Do.13.04.06 - Wissenschaftler der Newcastle University in Australien haben in der
jüngsten Ausgabe des Public Library of Science Medicine vor den
Praktiken der Pharmaunternehmen gewarnt, wonach Krankheiten erfunden
werden, um mehr Produkte zu verkaufen. Konkret kritisieren die Experten
etwa den Umgang der Pharmahersteller mit der Menopause als
gefährlich. Sie warnen davor, dass gesunde Menschen durch
Medikamente in ihrer Gesundheit geschädigt werden, in dem
Zustände als Krankheiten beschrieben werden, die gar keine sind.
Dieser Umstand wird als Disease mongering bezeichnet. Die
Pharmaindustrie hingegen winkt ab und bestreitet diese Tatsachen.
Ein typisches Beispiel sei etwa die Behauptung der Pharmahersteller in
den USA, wonach 43 Prozent aller Frauen an sexueller Dysfunktion leiden,
berichten David Henry und Ray Moynihan. "Disease mongering macht aus
gesunden Menschen Patienten, verschwendet Ressourcen und führt zu
iatrogenen Schäden", schreiben die Forscher in der Einleitung des
Artikels. Zu den Erkrankungen, die keine sind, zählen etwa hohe
Cholesterin-Spiegel und Osteoporose, aber auch seltene Erkrankungen wie
das Restless-Leg-Syndrom und leichte Irritationen im Darm.
"Disease-mongering ist das Verkaufen eines Leidens, das die Grenzen des
Krankseins ausdehnt und Märkte für diejenigen schafft, die
Medikamente herstellen, vertreiben und verkaufen", so die beiden
Experten. "Das Schlimme daran ist, dass diese Leiden von den
Herstellern in bezahlten Kampagnen so veranschaulicht werden, um
Präparate dagegen zu verkaufen." Dabei stehe nicht eine Heilung im
Vordergrund, sondern der Absatz eines Produkts.
Die Forscher richten ihren Appell auch an Mediziner, Patienten und
unterstützenden Gruppen sich den Marketingstrategien der
Pharmakonzerne bewusst zu werden. "Das Motiv von
Gesundheitsprofessionisten wäre es eigentlich für das Wohl der
Patienten zu sorgen und nicht für die eigenen finanziellen
Vorteile", so die beiden Forscher. Eine Entzerrung der verschiedenen
Motive der teilnehmenden Akteure sollte ein Schritt zu einem besseren
Verständnis des Phänomens sein, zeigen sich die Forscher
überzeugt.
Richard Ley von der Association of the British Pharmaceutical Industry
meint, dass solche Forschungsergebnisse in erster Linie auf den US-Markt
abzielen. "Dort hat die Pharmaindustrie bei der Bewerbung und beim
Vertrieb einen wesentlich größeren Handlungsspielraum", so
der Experte. "Für Österreich ist das völlig
unvorstellbar", meint Christiane Körner, Vizepräsidentin der
Österreichischen Apothekerkammer http://www.apotheker.or.at im
pressetext-Interview. "Da die meisten Präparate nur auf
Verschreibung durch den Arzt ausgehändigt werden dürfen, sind
solche Fälle ausgeschlossen." Eine Produktbewerbung von
verschreibungspflichtigen Präparaten sei darüber hinaus
gesetzlich verboten. Die Apothekerkammer wehre sich gegen andere
Vertriebswege als jene der Apotheken. "Selbst einfache Schmerzmittel
können unter Umständen schwere Nebenwirkungen haben, daher ist
eine andere Vertriebsschiene völlig unsinnig", so Körner. Die
Ausbildung zum Apotheker dauere länger als jene eines Mediziners.
Daher sei das Wissen um Inhaltsstoffe und die Aufklärung über
Nebenwirkungen extrem wichtig, so die Expertin abschließend.
(Quelle: pte)
Mehr Licht!
Forscher kombinieren Phosphoreszenz und Fluoreszenz, um weiße
Leuchtdioden mit besonders niedrigem Stromverbrauch zu erzeugen... Mehr
bei telepolis vom 13.04.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22458/1.html