Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertsiebenundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Irakische Schiiten legen Kompromissvorschlag zu Regierungsbildung vor.
Bei neuer Gewalt mindestens zehn Iraker getötet
So.16.04.06 - Im Streit um die Besetzung des Ministerpräsidentenamtes im Irak
haben schiitische Politiker einen Kompromissvorschlag vorgelegt. Demnach
soll Amtsinhaber Ibrahim al Dschaafari zu Gunsten eines anderen
Kandidaten seiner Dawa-Partei auf seine Nominierung verzichten, wie am
Samstag aus den Reihen der schiitischen Allianz verlautete. Ob
Dschaafari sich dazu bereit erklärte, war zunächst jedoch
nicht klar.
Auch ein Ersatzkandidat wurde vorerst nicht benannt. Am Freitag hatten
sich Vertreter aller großen Parteien auf die Bildung eines
Komitees verständigt, das Kandidaten für die Ämter des
Regierungschefs, des Präsidenten sowie des Vizepräsidenten
festlegen soll. Das sechsköpfige Gremium sollte gestern erstmals
zusammentreten und voraussichtlich am heutigen Sonntag seine
Vorschläge vorlegen. Am Montag will sich dann das Parlament damit
beschäftigen.
Dschaafari hatte zuvor trotz des erbitterten Widerstandes von Sunniten
und Kurden einen Rücktritt weiter strikt abgelehnt. «Ich bin
die legitime und demokratische Wahl», sagte er am Freitagabend dem
britischen Fernsehsender Channel 4 News. «Ich hätte die
Verantwortung nicht übernommen, wenn es gegen den Willen der
Bevölkerung wäre.»
Die Verständigung auf den künftigen Ministerpräsidenten
ist das größte Hindernis bei der Bildung einer neuen
Regierung. Sunniten und Kurden werfen Dschaafari vor, den Aufstand und
die Gewalt unter den Religionsgruppen nicht entschlossen genug zu
bekämpfen. Die Schiiten stellen nach der Parlamentswahl vom
Dezember die größte Fraktion im Parlament, sind aber auf
sunnitische und kurdische Parteien als Koalitionspartner angewiesen.
Bei neuen Kämpfen und Anschlägen wurden unterdessen
mindestens zehn Iraker getötet. Im Osten Bagdads kostete am Samstag
die Explosion einer Autobombe mindestens acht Zivilpersonen das Leben.
Fast 25 weitere wurden verletzt, als der Sprengsatz in der Nähe
eines Restaurants detonierte. Mehrere Geschäfte und Autos wurden
beschädigt.
Ebenfalls in der Hauptstadt wurden drei Soldaten bei einem
Bombenanschlag getötet und drei weitere verletzt. Eine Zivilperson
kam bei einem Gefecht in Falludscha ums Leben. In der südlichen
Stadt Basra erschossen vier mutmaßliche Aufständische einen
Polizeidirektor. Bei Kämpfen in der Provinz Anbar wurden zwei
US-Soldaten getötet und 22 zum Teil schwer weitere verletzt, wie
die Streitkräfte am Samstag bekannt gaben.
Bei einem Bombenanschlag im Südirak ist am Samstag ein britischer
Soldat getötet worden, wie das Verteidigungsministerium in London
mitteilte. Drei weitere Soldaten seien bei der Explosion verletzt
worden. Bislang sind im Irak 104 Soldaten aus Großbritannien ums
Leben gekommen.
(Quelle: ap)
Bis das Öl uns scheidet - Die USA errichten permanente
Militärbasen im Irak
Entgegen aller öffentlicher U.S.-Rhetorik im Irak-Krieg, auf einen
baldigen Truppenabzug hinzuarbeiten, verdichten sich die Hinweise, dass
sich die USA auf einen unbegrenzten Aufenthalt im Irak einrichten...
Mehr bei telepolis vom 16.04.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22465/1.html
Gelder und Bilder des Krieges
Die Rolle von Wirtschaftsvertretern und Journalisten in bewaffneten
Konflikten... Mehr bei telepolis vom 16.04.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22372/1.html
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 16.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertzweiundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.16.03.05 - Sunnitischer Geistlicher fordert Amnestie für irakische Rebellen +++ Erneut
Bombenanschläge in Bagdad +++ Unruhen im größten
amerikanischen Gefangenenlager im Irak +++ Skandal um Schmiergeldzahlungen
beim Programm Öl für Lebensmittel für den Irak:
Ermittlungen auch gegen deutsche Firmen - Annan erhebt Vorwürfe
gegen USA und Großbritannien...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0504160.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
Diskussion um Rumsfelds Amtsführung hält an
So.16.04.06 - Die Diskussion um die Amtsführung von US-Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld reißt nicht ab. Präsident George W. Bush
sprach dem umstrittenen Minister demonstrativ das Vertrauen aus.
Rumsfeld selbst schloss einen Rücktritt aus und wies die Kritik von
inzwischen sechs pensionierten Generälen an seiner
Amtsführung und Versäumnissen beim Irak-Einsatz zurück.
Die oppositionellen Demokraten forderten die Entlassung des Ministers.
Der Präsident ließ keinen Zweifel daran, dass Rumsfeld
weiter im Amt bleiben solle. "Der energische und beständige
Führungsstil von Minister Rumsfeld ist genau das, was wir in dieser
kritischen Zeit brauchen", erklärte Bush während eines
Aufenthalts auf dem Landsitz Camp David. Er wies Vorwürfe
zurück, Rumsfeld setze sich regelmäßig über den Rat
hochrangiger Militärs hinweg. "Ich weiß aus eigener
Anschauung, wie Don auf unsere Kommandanten am Einsatzort und im
Pentagon vertraut und dann entscheidet, wie diese Missionen am besten zu
erfüllen sind."
Rumsfeld sagte dem TV-Sender El Arabija, er werde dem Präsidenten
"so dienen, wie dieser das wünscht". Wenn jedes Mal der
Verteidigungsminister ausgetauscht würde, sobald "unter den
Abertausenden von Generälen und Admiralen zwei oder drei anderer
Meinung sind", dann wäre dies "wie ein Karussell", fügte
Rumsfeld hinzu. Sechs ehemalige Generäle, die alle an der Steuerung
des Irak-Kriegs beteiligt waren, haben seit März die Demission
Rumsfelds verlangt. Sie werfen ihm vor, mit Fehlplanungen das
fortdauernde Chaos im Irak mitverursacht und sich arrogant über die
Ratschläge seiner Militärs hinweggesetzt zu haben.
Rückendeckung erhielt Rumsfeld vom früheren Chef des
Vereinten Generalstabs, dem penionierten General Richard Myers. Die
öffentliche Kritik an Rumsfeld aus den Reihen ehemaliger
Militärs sei "schlecht für das Militär und sehr schlecht
für das Land", sagte Myers dem Sender CNN.
Die oppositionellen Demokraten verlangten Rumsfelds Entlassung. Ein
Verbleib des Ministers im Amt wäre "symptomatisch für die
inkompetente und verfehlte Führung dieser Regierung", sagte ein
Parteisprecherin.
(Quelle: afp)
Fast 50 Tote bei Militäroffensive in Afghanistan
So.16.04.06 - Bei einer afghanischen Militäroffensive sind nach
Behördenangaben 41 mutmaßliche Taliban-Kämpfer und sechs
Sicherheitskräfte getötet worden. Die Truppen hätten am
Freitag einen mutmaßlichen Unterschlupf der Taliban in Sangisar
südwestlich von Kandahar angegriffen, berichtete der
Provinzgouverneur Assadullah Chalid am Samstag. Es sei zu heftigen
Gefechten gekommen. Mit dem Militäreinsatz reagierten die Soldaten
den Angaben zufolge auf Geheimdienstberichte, wonach
Taliban-Kämpfer von Sangisar aus einen Angriff auf Kandahar planten.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
USA treiben Isolation der Hamas-Regierung voran
So.16.04.06 - Die USA haben ihre Isolationspolitik gegenüber der neuen
Palästinenserregierung verschärft. Die für die
Finanzbeziehungen zum Ausland zuständige Regierungsbehörde
OFAC verbot allen US-Bürgern Geschäfte mit der
Hamas-geführten Autonomiebehörde. Zuvor hatte die US-Regierung
ebenso wie die EU bereits ihre direkten Finanzhilfen an die
Palästinenserregierung ausgesetzt, um die radikalislamische Hamas
zur Anerkennung Israels zu zwingen. In klarer Abgrenzung von diesem
Kurs versprach Russland Palästinenserpräsident Mahmud Abbas
eine Soforthilfe.
Nach den verschärften Bestimmungen benötigen US-Bürger,
die Geschäfte mit der palästinensischen Regierung von
Ministerpräsident Ismail Hanija treiben wollen, künftig eine
Ausnahmegenehmigung. Begründet wurde das Handelsverbot damit, dass
die USA die Hamas als "terroristische Vereinigung" einstuften.
Ausgenommen von dem Verbot bleiben die palästinensische Justiz und
die Wahlkommission. Auch für Geschäftsbeziehungen mit
Parlamentsabgeordneten, die nicht der Hamas angehören, bleiben die
bisherigen Regeln gültig.
Entgegen dem harten Kurs Washingtons und Brüssels versprach der
russische Außenminister Sergej Lawrow Abbas in einem Telefonat
eine "Soforthilfe", wie das Außenministerium in Moskau
erklärte. Zur Höhe wurden keine Angaben gemacht. Lawrow und
Abbas seien sich in dem Gespräch einig gewesen, dass die
internationale Gemeinschaft weiterhin den Friedensprozess aktiv
unterstützen müsse.
Abbas hatte zuvor an die EU appelliert, aus Rücksicht auf die
leeren Kassen der Palästinenserregierung ihre Hilfe fortzusetzen.
Derzeit kann die Autonomiebehörde nicht einmal mehr die
Gehälter ihrer rund 140.000 Angestellten bezahlen. Die neue
Hamas-Regierung sah sich deswegen am Samstag erneut mit Protesten der
hauptsächlich von der konkurrierenden Fatah-Bewegung dominierten
Sicherheitsdienste konfrontiert.
Der Chef des Hamas-Politbüros, Chaled Maschaal, bekräftigte
in Teheran auf einer Konferenz zur Unterstützung der
Palästinenser den Willen seiner radikalislamischen Bewegung, dem
Druck des Westens nicht nachzugeben. Die Hamas werde das Existenzrecht
Israels nicht anerkennen, sagte Maschaal im iranischen Staatsfernsehen.
Der bisherige israelische Interimsregierungschef Ehud Olmert folgte am
Samstag offiziell Ariel Scharon ins Amt des Ministerpräsidenten.
Scharon liegt seit einem Schlaganfall am 4. Januar im Koma. Um
Mitternacht lief die gesetzlich festgelegte Frist von hundert Tagen ab,
an deren Ende ein amtsunfähiger Regierungschef formell durch einen
Nachfolger ersetzt wird.
(Quelle: afp)
Protestierende Polizisten stürmen Behördengebäude im
Gazastreifen
So.16.04.06 - Aus Protest gegen ausstehende Gehaltszahlungen haben
palästinensische Sicherheitskräfte die Hauptstraße nach
Chan Yunis im Gazastreifen blockiert und ein Behördengebäude
der Stadt gestürmt. Rund 50 vermummte Männer beteiligten sich
an der Aktion am Samstag. Eine Gruppe kletterte auf Balkone und das Dach
eines Gebäudes, in dem Büros der Stadtverwaltung und der
Handelskammer untergebracht sind, und feuerte in die Luft. Nach
Gesprächen mit Verwaltungsvertretern verließen die
Bewaffneten das Haus.
«Wir wollen unsere Gehälter. Wir fordern, dass die Regierung
ihrer Verantwortung gerecht wird», erklärte einer der
protestierenden Polizisten. Der Finanzminister der neuen
Hamas-Regierung, Omar Abdel Rasek, zeigte sich überrascht von den
gewaltsamen Protesten. Die von der Fatah geführte
Vorgängerregierung habe die Zahlung von Gehältern
regelmäßig aufgeschoben, sagte er im palästinensischen
Rundfunk.
Rasek rief zur Ruhe und Geduld auf. Die Palästinenser müssten
angesichts «des Belagerungszustands» zusammenstehen, sagte
er mit Blick auf den Stopp von Finanzhilfen aus dem Westen nach der
Übernahme der Regierungsgeschäfte seitens der militanten
Hamas-Bewegung.
Der populäre Fatah-Politiker Marwan Barghuti, der wegen
Beteiligung an Terroranschlägen eine lebenslange Haftstrafe in
Israel verbüßt, rief Hamas und Fatah zur Zusammenarbeit auf.
Die beiden Gruppierungen müssten einen umfassenden Dialog
führen, um die Krise zu lösen, forderte er in einer
Erklärung, die die palästinensischen Zeitungen am Samstag
verbreiteten.
(Quelle: ap)
Russland kündigt Finanzhilfe für Palästinenser an
So.16.04.06 - Mit einer Finanzspritze will Russland der in Zahlungsschwierigkeiten
geratenen palästinensischen Autonomiebehörde unter die Arme
greifen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sicherte dem
palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas am Freitag in
einem Telefongespräch eine entsprechende Dringlichkeitshilfe zu,
wie das Außenministerium in Moskau mitteilte. Über die
Höhe der Summe wurden keine Angaben gemacht.
Die Europäische Union und die USA haben ihre direkten Finanzhilfen
an die Autonomiebehörde wegen der neuen von der radikalislamischen
Hamas geführten Regierung eingestellt. Russland hat den Boykott
des Westens gegenüber der Hamas-Regierung kritisiert.
Außenminister Lawrow sagte am vergangenen Dienstag, die
Einstellung der Finanzhilfen werde die Region weiter destabilisieren.
Um die Hamas dazu zu bringen, die internationalen Forderungen zu
erfüllen, müsse mit ihr zusammengearbeitet werden.
(Quelle: ap)
Tschad droht mit Stopp von Ölexporten
So.16.04.06 - Der Tschad hat mit einem Stopp von Ölexporten gedroht und die
Weltbank zur Freigabe eingefrorener Gelder aufgefordert. In einer am
Samstag verbreiteten Erklärung der Regierung wurde der Weltbank
eine Frist bis Dienstag gesetzt, das entsprechende Konto in London frei
zu geben. Sonst werde die Pipeline blockiert, die Öl durch Kamerun
zum Atlantik bringt, hieß es. Die Ölexporte aus dem Tschad
belaufen sich auf nur rund 160.000 Barrel am Tag.
Der Tschad hatte ein Abkommen mit der Weltbank zur Finanzierung der
Pipeline geschlossen, in dem dem zentralafrikanischen Land zur Auflage
gemacht wurde, einen Großteil der Erlöse aus dem
Ölgeschäft in die Bekämpfung der Armut zu investieren.
Präsident Idriss Deby entschied sich Anfang des Jahres zu einer
Umleitung des Geldes auch in Militärausgaben, die Weltbank setzte
daraufhin ihre Unterstützung in Höhe von 124 Millionen Dollar
(102 Millionen Euro) aus.
Beobachter gingen davon aus, dass die Regierung in N'Djamena das
eingefrorene Geld möglicherweise zum Kampf gegen Aufständische
einsetzen will. Sie erhob die Forderung an die Weltbank nach einem
Treffen, bei dem es um die nächsten Schritte nach der
Niederschlagung des Rebellenangriffs vom Donnerstag ging. Bei dem
Angriff der Rebellen auf die Hauptstadt N'Djamena kamen nach Angaben
der tschadischen Regierung mindestens 350 Menschen ums Leben, darunter
Rebellen, Soldaten und unbeteiligte Bewohner.
(Quelle: ap)
Journalisten-Protest in Nepal mit Gewalt aufgelöst
So.16.04.06 - Rund 200 Journalisten haben am Samstag in der nepalesischen Hauptstadt
Kathmandu für die Wiederherstellung der Pressefreiheit und die
Freilassung Dutzender Kollegen demonstriert. Die Polizei stellte sich
den Demonstranten in den Weg und setzte Schlagstöcke ein, wie die
Organisatoren der Kundgebung berichteten. Sieben Journalisten seien
verwundet worden, mehr als ein Dutzend seien festgenommen worden.
Im Westen Kathmandus kamen am Samstag tausende Demonstranten zusammen.
«Demokratie, Demokratie, nieder mit der Autokratie!» riefen
sie, während sie weiß-rote Fahnen der Oppositionsbewegung
schwenkten. Hunderte Polizisten waren im Einsatz, ließen den
Protestmarsch aber passieren.
Das Oppositionsbündnis aus sieben Parteien hat angekündigt,
an den Protesten und einem Generalstreik festzuhalten, um König
Gyanendra in die Knie zu zwingen und die Wiedereinsetzung demokratischer
Institutionen zu erreichen. Der König hatte das Parlament im Mai
2002 aufgelöst, im Februar vergangenen Jahres entließ er
auch die Regierung und übernahm die Alleinherrschaft.
(Quelle: ap)
Italien: Berlusconi erkennt Wahlergebnis nicht an
So.16.04.06 - Der amtierende italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi
weigert sich weiter hartnäckig, den Sieg des
Mitte-Links-Bündnisses bei den Parlamentswahlen anzuerkennen.
«Wir sind die moralischen Sieger», sagte der
Medienunternehmer jetzt dem TV-Sender Sky Italia.
In einem am Samstag veröffentlichten Brief an die Mailänder
Zeitung «Corriere della Sera» erklärte Berlusconi, die
Lage nach den Wahlen sei an einem «toten Punkt» angekommen.
Er schlage Oppositionskandidat Romano Prodi deshalb eine zeitlich
begrenzte Zusammenarbeit vor. Wahlsieger Prodi wies das Angebot
zurück und forderte Berlusconi auf, endlich mit dieser
«seltsamen Komödie» aufzuhören.
Obwohl seine Niederlage mittlerweile feststeht, will Berlusconi dennoch
auf die Bekanntgabe des offiziellen Endergebnisses warten. Wann die
Zahlen herauskommen, war noch unklar. Jedoch werden sie voraussichtlich
kurz nach Ostern veröffentlicht. «Wenn die Kontrolle der
Stimmzettel abgeschlossen ist und all dies das vorläufige Ergebnis
bestätigt, dann werden wir selbstverständlich die Ersten
sein, die den Sieg der anderen Seite anerkennen», sagte
Berlusconi.
Jedoch bestand er in seinem Brief an die Zeitung darauf, dass es bei
der Wahl «keine Sieger und keine Besiegten» gibt. So sei es
«schwierig, das Land auf positive und produktive Weise zu
regieren». Deshalb schlage er Romano Prodi ein zeitlich
begrenztes Bündnis vor: «Wir müssen gemeinsam über
neue Lösungen nachdenken», schrieb er. Das
Mitte-Links-Bündnis hatte die Wahlen am vergangenen Sonntag und
Montag mit einem hauchdünnen Vorsprung in beiden Parlamentskammern
gewonnen.
Jedoch sprach Berlusconi anschließend von Wahlbetrug und
Unregelmäßigkeiten und forderte, die offiziellen Zahlen
müssten annulliert und Stimmzettel überprüft werden.
Jedoch kann die Überprüfung von insgesamt nur rund 5000
Stimmzetteln für Abgeordnetenkammer und Senat, deren
Gültigkeit zuvor angezweifelt worden war, nichts mehr am
Endergebnis ändern. «Er muss unseren Sieg anerkennen»,
forderte Prodi.
(Quelle: dpa)
Tausende demonstrieren gegen neue Atomkraftwerke in Frankreich
So.16.04.06 - Vor dem 20. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl haben tausende
Umweltschützer am Samstag in Frankreich gegen den geplanten Bau
neuer Atomkraftwerke demonstriert. Zu Beginn der Protestaktion in der
Hafenstadt Cherbourg verharrten sie 15 Minuten lang in Schweigen,
später legten sie sich zu den Tönen einer Sirene reglos auf
den Boden. In Cherbourg soll der erste Reaktor einer neuen Generation
entstehen. Befürworter beschreiben diesen Typus als sicherer,
umweltfreundlicher und effizienter als seine Vorgänger.
Einige Demonstranten hielten Transparente mit der Aufschrift
«Nein» hoch. Vor dem Büro des Stromversorgers EDF
stapelten sie hunderte Dosen aufeinander, die atomaren Abfall
darstellen sollten. Die Polizei sprach von 10.000 Teilnehmern, nach
Angaben der Organisatoren waren es rund 30.000. Unter ihnen waren auch
Aktivisten aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden. 20 Jahre nach
Tschernobyl müsse man sich ins Gedächtnis rufen, «dass
wir nicht vor einer Katastrophe geschützt sind»,
erklärte der französische Grünen-Abgeordnete Noël
Mamere.
Frankreich ist das einzige Land in Europa, das nach dem Unfall in
Tschernobyl am 26. April 1986 noch neue Atomkraftwerke gebaut hat. Die
landesweit 59 Reaktoren decken fast 80 Prozent des französischen
Energiebedarfs. Etwa im Jahr 2020 müssen rund 30 der Reaktoren aus
Altersgründen ersetzt werden. Dann sollen die ersten Kraftwerke
der neuen Generation ans Netz gehen.
(Quelle: ap)
Französischer Senat billigt Ersatzgesetz zum Arbeitsrecht
So.16.04.06 - Nach dem Einlenken der Regierung im Streit über die Lockerung des
Kündigungsschutzes hat das französische Parlament im Eiltempo
eine Ersatzlösung verabschiedet. Nur einen Tag nach der
Nationalversammlung billigte am Donnerstag auch der Senat den
Gesetzentwurf der Regierungspartei UMP zur Ausweitung von beruflichen
Förderprogrammen für benachteiligte Jugendliche. Das Gesetz
muss jetzt noch von Staatspräsident Jacques Chirac unterzeichnet
werden.
Das im Senat mit 158 zu 123 Stimmen verabschiedete Förderprogramm
sieht vor, bis zu 160.000 jungen Leuten im Alter von 16 bis 25 Jahren
den Berufseinstieg zu erleichtern. Unter anderem sollen Arbeitgeber, die
niedrig qualifizierte Jugendliche einstellen, einen Lohnzuschuss
erhalten. Die Kosten des Programms dürften sich in diesem Jahr auf
150 Millionen Euro belaufen, für 2007 ist das Doppelte eingeplant.
Das Förderprogramm ersetzt den umstrittensten Teil des so
genannten Gesetzes für Chancengleichheit, den Artikel über den
Ersteinstellungsvertrag (CPE). Die linke Opposition stimmte gegen das
geänderte Gesetz, obwohl sie die Abschaffung des CPE als Erfolg
feierte. Sozialisten und Kommunisten hatten jedoch weitergehende
Änderungen am Gesetz für Chancengleichheit gefordert. Unter
anderem wollten sie eine Neuregelung abschaffen, die die Aufnahme einer
Ausbildung schon im Alter von 14 Jahren ermöglichen soll.
Auch einige Studenten fordern weitere Zugeständnisse der
Regierung: In Bordeaux stürmte eine Gruppe junger Leute am
Donnerstagabend die örtliche Redaktion des Fernsehsenders France-3
und versuchte, die Abendnachrichten zu unterbrechen. Die Studenten
scheiterten jedoch mit dem Ansinnen, ihre Forderungen über den
Sender zu verbreiten. Insgesamt flauten die Proteste weiter ab. Laut
Bildungsministerium wurde nur noch in 12 von 62 Hochschulen, die noch
nicht in Ferien waren, gestreikt.
Als Zeichen der Entspannung räumte die Polizei am Donnerstag die
Blockaden vor der Pariser Sorbonne, wo es während der zweimonatigen
Massenproteste gegen den CPE mehrfach zu schweren Ausschreitungen
gekommen war. Die Traditionsuniversität ist seit einer Besetzung
durch Studenten vor einem Monat geschlossen.
(Quelle: ap)
Abgeordneter erzwingt mit Hungerstreik Verzicht auf Firmenverlegung
So.16.04.06 - Mit einem fünfwöchigen Hungerstreik hat ein Abgeordneter der
französischen Nationalversammlung den Erhalt eines Firmenstandortes
erzwungen. Wie Innenminister Nicolas Sarkozy am Freitag in Paris
mitteilte, vereinbarte er mit dem japanischen Unternehmen Toyal, dass
die Firma ihre Aluminiumpulver-Fabrik im südwestfranzösischen
Accous ausbaut. Der Staat übernimmt einen Teil der Mehrkosten im
Vergleich zur eigentlich geplanten Verlegung in ein 65 Kilometer
entferntes Industriegebiet. Gegen das Projekt in seinem Wahlkreis hatte
der zentrumsliberale Abgeordnete Jean Lassalle seit dem 7. März
mit seinem Hungerstreik im Parlament mobil gemacht. Er wurde am Freitag
stark geschwächt in eine Intensivstation eingeliefert.
(Quelle: afp)
Deutschland
IG Metall bringt neun Monate Vertrags-Laufzeit ins Gespräch
So.16.04.06 - Im Tarifkonflikt der Metallindustrie hat die Gewerkschaft kürzere
Laufzeiten des Tarifvertrags ins Gespräch gebracht, um eine
Auflockerung der verhärteten Fronten zu erreichen.
Der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild sagte der
"Saarbrücker Zeitung" vom Samstag, man könne darüber
nachdenken, die Laufzeit des Vertrags auf neun Monate zu begrenzen. Dann
hätten Arbeitgeber und Arbeitnehmer mehr Sicherheit im Hinblick
auf die Preissteigerungen, die zum Jahreswechsel durch die
Erhöhung der Mehrwertsteuer zu erwarten seien. Schild ist für
die Metall- und Elektroindustrie in den Ländern Hessen,
Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen zuständig.
Der Tarifkonflikt geht nach Ostern in die entscheidende Phase. Die IG
Metall, die fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt durchsetzen will, hat
die Arbeitgeber am Mittwoch ultimativ aufgefordert, ihr bisheriges
Angebot von 1,2 Prozent nachzubessern. Andernfalls werde der
Hauptvorstand der Gewerkschaft am 24. und 25. April Urabstimmungen
über einen unbefristeten Streik beschließen. In den beiden
entscheidenden Bezirken Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen
gehen die Verhandlungen nächste Woche in die sechste Runde.
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser lehnte kurze Laufzeiten
von Tarifverträgen ab und ergänzte, die Arbeitgeber scheuten
den Streik nicht. "Aus unserer Sicht ist nicht ableitbar, dass sich die
Verbrauchspreise im nächsten Jahr stark nach oben entwickeln
werden", warb Kannegiesser in der "Stuttgarter Zeitung" für eine
Laufzeit von 24 Monaten. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer werde die
Arbeitgeber nicht betreffen, weil sie durch eine Senkung der
Sozialbeiträge entlastet würden. Zudem werde der
überwiegende Teil der Güter in den typischen Warenkörben
nicht von der höheren Mehrwertsteuer erfasst. "So können wir
den Faktor Mehrwertsteuer ausklammern", sagte Kannegiesser. Er sagte,
die Metallarbeitgeber wollten einen Streik vermeiden. Wenn ihnen ein
Arbeitskampf aufgezwungen werde, würden sie ihm nicht ausweichen.
(Quelle: rtr)
Ostermärsche für den Frieden
So.16.04.06 - Warnungen vor einem möglichen Krieg gegen den Iran haben am
Samstag im Mittelpunkt der traditionellen Ostermärsche der
Friedensbewegung gestanden. Wie das Koordinierungsbüro in
Frankfurt am Main weiter mitteilte, fanden zahlreiche Kundgebungen
statt. Neben einer zentralen baden-württembergischen Veranstaltung
in Ulm gab es insgesamt 40 Aktionen in weiteren 33 Städten, unter
anderem in München, Rostock, Saarbrücken, Würzburg und
Zwickau.
Die seit Karfreitag laufenden Osteraktionen 2006 stehen nach den Worten
eines Sprechers für den Mehrheitswillen der Bürger, wonach
Krieg kein Mittel der Politik mehr sein dürfe. Zentrales Thema sei
die Zurückweisung der militärischen Angriffspläne gegen
den Iran. Ein völkerrechtswidriger Krieg gegen den Irak dürfe
nicht zum Präzedenzfall für weitere Kriege der USA oder
anderer Staaten werden.
Eindringlich warnte die Friedensbewegung vor einer weiteren
Eskalationspolitik, bei der auch Deutschland und die EU eine
unheilvolle Rolle spielen würden. Alternativ wurden
ergebnisorientierte Verhandlungen gefordert, die eine atomwaffenfreie
Zone im Nahen Osten und eine Nichtangriffsgarantie für den Iran
einschließen. Keine Regierung habe das Recht, zur Durchsetzung
wirtschaftlicher, geostrategischer und machtpolitischer Interessen
überall dort vorbeugend Krieg zu führen, wo es ihr angebracht
erscheine. Das gelte auch für den Fall der Gewaltanwendung unter
dem Deckmantel der weltweiten Terrorbekämpfung.
Auch «die zunehmende Bereitschaft der politisch Verantwortlichen,
den Krieg als Mittel der Politik anzusehen», wurde von der
Friedensbewegung heftig kritisiert.
Der großen Koalition in Berlin warfen die Ostermarschierer vor,
im Sozialbereich zu kürzen, gleichzeitig aber die Bundeswehr mit
Milliardensummen für Auslandseinsätze umzurüsten.
«Wir brauchen keine neuen Marschflugkörper, Korvetten,
Laser- und Streubomben. Abrüstung statt Sozialabbau»,
heißt es in dem Aufruf.
(Quelle: ap)
'Keinen Krieg gegen den Iran - für eine politische Lösung'
Aufruf der Friedensbewegung:
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Iran/aufruf.html