Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertzweiundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Ministerpräsident Dschaafari macht Weg für neue
Regierungsbildung frei
Fr.21.04.06 - Im seit Monaten andauernden Streit über die Regierungsbildung im
Irak hat sich der umstrittene Ministerpräsident Ibrahim al
Dschaafari zum Einlenken bereit erklärt. Al Dschaafari wolle die
Nominierung des künftigen Regierungschefs seiner Dawa-Partei
überlassen, sagte Parteisprecher Dschawad al Maliki am Donnerstag.
Schiitische Politiker wollten am Samstag über einen anderen
Kandidaten beraten und forderten daher eine Verschiebung der für
Donnerstag anberaumten Sitzung des Parlaments.
Die Mehrheit der Schiitischen Allianz sei inzwischen gegen eine
Nominierung Al Dschaafaris, sagte der Abgeordnete Bassem Scharif. Der
amtierende Ministerpräsident wird von Sunniten und Kurden
abgelehnt. Noch am Mittwoch hatte Al Dschaafari betont, er werde an
seinem Amt festhalten. Parteisprecher Al Maliki betonte, der
Regierungschef werde nicht zurücktreten, aber «er klebt nicht
mehr an diesem Posten».
In Bagdad erschossen Bewaffnete zwei Kämpfer der Al-Sadr-Miliz,
wie die Polizei mitteilte. In Chalis, 80 Kilometer nördlich der
Hauptstadt, wurden bei der Explosion einer am Straßenrand
versteckten Bombe zwei Polizisten und eine Zivilperson getötet.
Sieben Menschen wurden verletzt. In Bakuba riss eine Bombenexplosion
einen Polizisten in den Tod. Im südlichen Bagdader Stadtteil
Saidija griffen Bewaffnete eine sunnitische Moschee an. Bei dem
einstündigen Feuergefecht am frühen Morgen wurde laut Polizei
niemand verletzt. Die Moschee und mehrere umliegende Häuser seien
beschädigt worden, sagte ein Polizeisprecher.
(Quelle: ap)
Gegen Irak-Krieg protestierende Großmütter vor Gericht
Fr.21.04.06 - Wegen einer Protestaktion gegen den Irak-Krieg stehen seit Donnerstag
18 Großmütter vor einem Gericht in New York. Die
protestierenden Frauen im Alter von 49 bis 90 Jahren waren im Oktober
vergangenen Jahres vor einem Rekrutierungsbüro am Time Square
wegen Störung der öffentlichen Ordnung festgenommen worden.
Die Gruppe nennt sich «Großmutter-Friedensbrigade».
Aus Protest gegen den Irak-Krieg wollten sie sich selbst als Soldaten
für den Irak melden. Die Türen des Rekrutierungsbüros
blieben für sie allerdings geschlossen. Stattdessen kam die
Polizei und nahm sie fest. Es gehe nicht um den Krieg, sondern um
Störung der öffentlichen Ordnung, sagte Staatsanwältin
Amy Miller zu Beginn des Prozesses. Die Angeklagten hätten unter
anderem Fußgänger behindert. Ihr Anwalt Norman Siegel sagte
dagegen, die Frauen hätten ein Recht darauf, vor dem
Rekrutierungsbüro zu protestieren. «Sie haben gegen kein
Gesetz verstoßen», erklärte er. Einige der Angeklagten
trugen T-Shirts mit der Aufschrift «Wir werden nicht
schweigen».
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 21.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertsiebenundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.201.03.05 - Wieder Anschläge und Attentate: 19 irakische Nationalgardisten
verschleppt und erschossen +++ Leichen von über 50 ermordeten
Geiseln am Ufer des Tigris gefunden, darunter auch Frauen und Kinder +++
US-Militär macht heimlich einen 'body count' von getöteten
Zivilisten im Irak. Die Friedensaktivistin Marla Ruzicka deckte kurz vor ihrem Tod in einem
Artikel die Existenz der geheim gehaltenen Statistiken auf...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0504210.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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USA und China nähern sich bei Iran-Frage nicht an
Fr.21.04.06 - Trotz versöhnlicher Gesten sind sich US-Präsident George W.
Bush und sein chinesischer Kollege Hu Jintao bei ihrem ersten Treffen
im Weißen Haus in wichtigen Streitfragen kaum näher
gekommen. Hu reagierte in Washington kühl auf Bushs Drängen,
Peking möge stärkeren Druck auf den Iran und Nordkorea
ausüben, um die Länder am Bau von Atomwaffen zu hindern. Nur
beim seit langem schwelenden Handelsstreit kündigte Hu an, China
werde seine Währung weiter aufwerten sowie Handelsschranken
abbauen und damit die Bedingungen für US-Importe verbessern.
Bush forderte Hu auf dem Rasen vor dem Weißen Haus auf, enger mit
den USA zusammenzuarbeiten, um den Streit um das iranische Atomprogramm
zu lösen. Die USA plädieren für scharfe UN-Sanktionen
und schließen auch eine militärische Aktion gegen das Land
nicht aus. Damit will Washington sichergehen, dass der Iran unter dem
Deckmantel der Arbeit an Atomkraftwerken nicht Kernwaffen baut. China
und Russland lehnen dagegen Zwangsmaßnahmen ab.
Bush sagte zudem, Hu solle seinen "beachtlichen Einfluss" nutzen, um
Nordkorea von seinem militärischen Atomprogramm abzubringen. Hu
entgegnete nur, sein Land sei in beiden Fragen für eine
"diplomatische" und "friedliche" Lösung.
Beide Politiker gelobten, sich künftig um eine Lösung der
Streitpunkte zu bemühen und gaben sich bei dem Treffen über
weite Strecken betont harmonisch. Zugleich sprach Bush auch das stets
brisante Thema der Menschenrechte in China an. "China ist reich
geworden, weil die Menschen die Freiheit haben, Produkte zu verkaufen
und zu kaufen", sagte Bush. "China kann seinen Erfolg
vergrößern, wenn es dem Volk auch Rede-, Versammlungs- und
Religionsfreiheit zugesteht." Hu ging auf die Äußerungen
Bushs nicht ein.
Ein Schlaglicht auf das Thema warf ein Zwischenfall während der
Pressekonferenz der beiden Politiker. Trotz der hohen
Sicherheitsvorkehrungen konnte sich eine Anhängerin der in China
verbotenen Falun-Gong-Sekte unter die anwesenden Journalisten mischen.
Sie unterbrach die Äußerungen Hus mit Rufen wie "Falun Gong
ist gut". Der sichtlich irritierte Hu versuchte, lauter zu sprechen und
die Kommentare der Demonstrantin zu übertönen. Die Frau wurde
von Sicherheitskräften abgeführt.
(Quelle: afp)
Indien will mit Deutschland offenbar Atomdeal wie mit USA
Fr.21.04.06 - Die Atommacht Indien strebt mit Deutschland offenbar einen
ähnlichen Nukleardeal wie mit den USA an. Das
«Handelsblatt» (Freitagausgabe) berichtete, Premier
Manmohan Singh, der von Sonntag bis Dienstag Deutschland besucht,
dringe auf die Unterstützung des zivilen Atomprogramm seines
Landes durch Berlin. Ein ähnliches Abkommen hatte Singh mit
US-Präsident George W. Bush Anfang März abgeschlossen. Der
Zeitpunkt war wegen des Streits über das iranische Atomprogramm in
Berlin auf massive Kritik gestoßen.
Die Zeitung zitierte Singh mit den Worten, die strategische
Partnerschaft mit Indien werde ihre volle Bedeutung erst erlangen, wenn
sie breiter werde und auch Indiens Optionen im Energiebereich anspreche.
Im Abkommen mit den USA über die zivile Nutzung von Kernenergie
wird Indien faktisch als Atommacht anerkannt. Außerdem wird dem
Land Zugang zu Nukleartechnik für die Energiegewinnung
zugesichert. So verpflichtet sich die US-Regierung, Indien moderne
Technologie für Atomkraftwerke und Kernbrennstoffe zu liefern,
obwohl Neu-Delhi einen Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag weiter
ablehnt.
Die indische Regierung will auch selbst bestimmen, welche Atomanlagen
ausländische Inspekteure zu Gesicht bekommen und welche nicht.
Acht der 22 indischen Atomreaktoren sollen für internationale
Inspektionen gesperrt bleiben. Der Deal muss noch den US-Kongress
passieren, wo sich Widerstand formiert.
Der Iran kritisierte das Abkommen massiv, weil Indien kein
Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags sei. Der Iran aber, der
Unterzeichner sei, werde von den USA «so schlecht behandelt und
dargestellt», erklärte die Regierung in Teheran.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte den
Zeitpunkt des Vertragsabschlusses wegen des diplomatischen Gerangels um
Teherans Atomprogramm als «nicht hilfreich» kritisiert. Als
positiven Aspekt hob er in Übereinstimmung mit IAEA-Direktor
Mohamed ElBaradei jedoch die Chance hervor, Indien schrittweise in das
Regime den Atomwaffensperrvertrages einzubinden.
Singh wird am Sonntag in Hannover von der deutschen Kanzlerin Angela
Merkel mit militärischen Ehren empfangen, anschließend
nehmen beide an der Eröffnung der Hannover Messe teil. Am Montag
sucht Singh Bundespräsident Horst Köhler im Berliner Schloss
Bellevue auf.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Olmert droht Hamas-Regierung mit gezielter Tötung
Fr.21.04.06 - Nach dem Selbstmordanschlag in Tel Aviv droht eine weitere Eskalation
der Lage im Nahen Osten: Israel kündigte an, führende
Mitglieder der radikalen Palästinenserbewegungen Islamischer
Dschihad und Hamas gezielt zu töten. Auch Funktionäre der
Palästinenserregierung kämen als Ziele in Frage, sagte ein
Verantwortlicher des Büros von Regierungschef Ehud Olmert.
Während die israelische Regierung die Hamas für den Anschlag
vom Montag verantwortlich machte, gab der palästinensische
Regierungschef Ismail Hanija Israel die Schuld an der anhaltenden Gewalt.
Olmert gab laut Rundfunkberichten der Armee nach einem Treffen mit
Ministern seines Kabinetts grünes Licht für die "gezielte
Tötung" von Beteiligten an "terroristischen Taten". Dies
schließe auch Mitglieder der Hamas-Regierung ein. Außerdem
sollten die Palästinensergebiete stärker abgeriegelt werden.
Die Hamas habe "anderen Terrororganisationen erlaubt, diese
schrecklichen terroristischen Angriffe auszuführen", sagte ein
israelischer Regierungssprecher. "Wir sind im Krieg, und wir unternehmen
alle notwendigen Schritte, um uns wie die US-Truppen im Irak zu
verteidigen." Die palästinensische Führung sei zu einem
"terroristischen Staatswesen" geworden und müsse als solches
behandelt werden, sagte Infrastrukturminister Ronni Bar-On, der als
Vertrauter Olmerts gilt.
Bei Einsätzen um Dschenin und Nablus nahm die israelische Armee 38
Palästinenser fest, nach palästinensischen Angaben auch den
Vater des Selbstmordattentäters von Tel Aviv. Der junge Mann hatte
sich an einer Imbissbude in die Luft gesprengt und neun Menschen mit in
den Tod gerissen. Die Gruppierung Islamischer Dschihad bekannte sich zu
dem blutigsten Anschlag seit 20 Monaten.
Regierungschef Hanija sagte bei einer Sitzung des
palästinensischen Kabinetts, die Gewalt habe ihren Ursprung in der
Besetzung der Palästinensergebiete und in den "Aggressionen"
Israels. Frieden und Sicherheit werde es nur geben, wenn Israel die
Palästinensergebiete verlasse und seinem Volk die Rechte wiedergebe.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wurde nach dem Anschlag
von militanten Palästinensern auf bislang nicht dagewesene Weise
politisch unter Druck gesetzt. "Wir fordern Bruder Abu Masen (Mahmud
Abbas) auf, sich für den Schaden zu entschuldigen, den er dem
palästinensischen Volk zugefügt hat", sagte ein vermummter
palästinensischer Aktivist in Gaza. Abbas hatte den
Selbstmordanschlag als "verachtenswert" bezeichnet.
(Quelle: afp)
Hamas geht auf Konfrontationskurs zu Abbas
Fr.21.04.06 - Der neue palästinensische Innenminister hat am Donnerstag einen
berüchtigten Extremisten zu seinem wichtigsten Mitarbeiter ernannt
und die Bildung eines Sicherheitsdienstes aus Mitgliedern militanter
Gruppen angekündigt. Hamas-Minister Siad Sijam beförderte
Jamal Abu Samhadana, Chef des Komitees des Volkswiderstandes, zum
Generaldirektor. Sein Komitee ist verantwortlich für zahlreiche
Raketenangriffe auf Israel aus den vergangenen Wochen.
Samhadana war von der früheren Fatah-Regierung als Offizier
entlassen worden, weil er während der zweiten Intifada nicht zum
Dienst erschien.
Am Donnerstag wurde er zum Oberst befördert. Ministeriumssprecher
Chaled Abu Hilal erklärte ferner, Minister Sijam werde einen
eigenen Sicherheitsdienst aufbauen, um Ruhe und Ordnung auf den
Straßen der Autonomiegebiete herzustellen. Die Truppe werde aus
der «Elite der Freiheitskämpfer und Dschihadisten»
bestehen. Die Ankündigung ist ein deutlicher Affront gegen
Präsident Mahmud Abbas, der alle palästinensischen
Sicherheitskräfte unter seine Kontrolle bringen will.
Unterdessen kämpft die Hamas-Regierung weiter gegen den Bankrott.
Die Auszahlung ausstehender Gehälter für ihre 165.000
Angestellten habe höchste Priorität, sagte Finanzminister
Omar Abdel Rasek am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP. Die
März-Gehälter sind seit drei Wochen überfällig, ein
Datum für ihre Auszahlung konnte der Minister allerdings nicht
nennen.
«Es ist ein kompliziertes Problem», sagte Abdel Rasek.
«Man kann nichts tun. Man kann nur warten.» Seit dem
Wahlsieg der Hamas sei die Zahl der Angestellten der
Autonomiebehörde auf 165.000 gestiegen. In den zwei Monaten bis
zur Übernahme der Regierung durch seine Partei habe die
unterlegene Fatah 9.000 neue Mitarbeiter eingestellt. Die Zahl der
Sicherheitskräfte sei von 60.000 auf 80.000 gestiegen. Die
Regierung benötigt nach Angaben des Ministers monatlich rund 160
Millionen Dollar (130 Millionen Euro): 118 Millionen Dollar (96
Millionen Euro) für die Gehälter und 40 Millionen Dollar (32
Millionen Euro) für die Deckung der laufenden Kosten. Jeden Monat
nehme die Regierung 30 Millionen Dollar (24 Millionen Euro) ein, dieses
Geld fließe jedoch in Gesundheitsfürsorge und Sozialhilfe.
Seit der Kabinettsbildung der Hamas im vergangenen Monat haben die
Vereinigten Staaten und die Europäische Union ihre Finanzhilfe
für die Autonomiebehörde eingestellt. Auch Israel
überweist nicht länger rund 55 Millionen Dollar (45 Millionen
Euro) monatlich an Steuern, die Jerusalem im Namen der
Palästinenser eintreibt. Abdel Rasek erklärte, drei
Delegationen der Hamas reisten derzeit durch die Golf-Staaten, um sie
um Unterstützung zu bitten. Auf die Frage, was passiere, wenn kein
Geld überwiesen werde, sagte der Minister, er wolle nicht das
Schlimmste denken. Man hoffe, dass die arabischen Länder die
Palästinenser dabei unterstützten, die Krise zu
überwinden.
(Quelle: ap)
UN-Flüchtlingskommissar besorgt über Lage von
Flüchtlingen im Tschad
Fr.21.04.06 - UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres hat sich sehr besorgt
über die Sicherheit von rund 200.000 sudanesischen
Flüchtlingen im Tschad geäußert. Angesichts der
wachsenden Bedrohung durch Rebellenangriffe in der Grenzregion zum Sudan
sei es nach den Worten des tschadischen Präsidenten Idriss Deby
für die Truppen seines Landes eine heikle Aufgabe, die Sicherheit
der Flüchtlingslager und der Helfer dort zu gewährleisten,
sagte Guterres am Mittwoch in London. Guterres bezog sich damit auf
Äußerungen Debys, der mit der Ausweisung der
Flüchtlinge gedroht hatte, dies später jedoch
zurückgenommen hatte. Tschad werde das internationale Recht
respektieren, versicherte Guterres. Die Lage in der "äußerst
instabilen" Region gebe Anlass zur Sorge.
(Quelle: afp)
Spannungen zwischen Japan und Südkorea wegen Insel-Streit
verschärft
Fr.21.04.06 - Ein seit Jahrzehnten andauernder Streit um eine unbewohnte Inselgruppe
hat die Spannungen zwischen Südkorea und Japan weiter
verschärft. Die Regierung in Seoul warf Tokio am Donnerstag
Neokolonialismus vor und warnte vor dem Einsatz von Gewalt. Sie
entsandte rund 20 Kanonenboote zu den Inseln, nachdem Japan dort
Forschungsarbeiten angekündigt hat. Die Inseln, die in
Südkorea als Dokdo und in Japan als Takeshima bezeichnet werden,
werden von beiden Staaten beansprucht.
Das südkoreanische Außenministerium bestellte die japanische
Botschaft ein, und Präsident Roh Moo Hyun warf Tokio
imperialistische Ambitionen vor. Der japanische Kabinettssekretär
Shinzo Abe wies Medienberichte zurück, wonach Tokio seine Forschung
einstellen wolle, wenn Seoul im Gegenzug auf mehrere geplante
Namensänderungen in der Region verzichte. Die japanische
Küstenwache werde ihre Untersuchungen «auf der Grundlage
internationalen Rechts» durchführen, betonte Abe. Zwischen
beiden Seiten gebe es jedoch «inoffizielle Kontakte», um den
Konflikt beizulegen. Japan hatte die beiden Schiffe am Mittwoch zu der
Inselgruppe entsandt.
EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner forderte beide Seiten
während eines Besuchs in Seoul zu einer friedlichen Lösung
auf. Vor der japanischen Botschaft in der südkoreanischen
Hauptstadt versammelten sich zahlreiche Demonstranten. Rund ein Dutzend
Fischereiarbeiter versuchten das Botschaftsgelände zu stürmen.
Die Inseln sind von reichen Fischgründen umgeben. Ein koreanisches
Unternehmen vermutet dort außerdem große Vorräte an
Methanhydrat, die den Gasverbrauch Südkoreas 30 Jahre lang decken
könnten.
(Quelle: ap)
Nepalesische Polizei erschießt drei Demonstranten
Fr.21.04.06 - Bei einem Protestmarsch gegen die Alleinherrschaft von König
Gyanendra hat die Polizei in Nepal das Feuer auf die Demonstranten
eröffnet. Drei Menschen wurden getötet, Dutzende weitere
erlitten Verletzungen, wie Ärzte in der Hauptstadt Kathmandu am
Donnerstag erklärten. Die meisten Opfer hätten
Kopfverletzungen erlitten, nachdem die Sicherheitskräfte
Gummigeschosse und scharfe Munition eingesetzt hätten.
Von den umliegenden Dörfern machten sich am Donnerstag rund 30.000
Menschen auf den Weg nach Kathmandu. Auf einer Hauptstraße
blockierten nach Angaben von Augenzeugen Polizisten den Weg. Sie
feuerten zunächst Tränengas ab, später auch
Gummigeschosse und scharfe Munition. Aus Kreisen der Behörden
verlautete, die Demonstranten hätten versucht, gegen ein
Ausgehverbot in der Hauptstadt zu verstoßen. Das Verbot galt von
02.00 Uhr bis 20.00 Uhr und sollte die geplanten Massenkundgebungen
gegen den König verhindern.
Auch Diplomaten, Journalisten und Beobachter von
Menschenrechtsorganisationen erhielten keine Sondererlaubnis wie in
früheren Fällen. Die Polizei bemühte sich, Journalisten
von den Protestaktionen fern zu halten und eskortierte einigen von ihnen
zurück in die Hotels. In Kathmandu stiegen Bewohner auf die
Dächer ihrer Häuser und schlugen Töpfe und Pfannen
gegeneinander.
Mit ihren Protesten und einem am 6. April begonnenen Generalstreik will
die Opposition die Alleinherrschaft des Königs zu Fall bringen und
die Wiedereinsetzung demokratischer Institutionen erzwingen. Gyanendra
hatte im Mai 2002 das Parlament aufgelöst, im Februar vergangenen
Jahres entließ er die Regierung.
(Quelle: ap)
Tamilische Rebellen sagen Teilnahme an Friedensgesprächen ab
Fr.21.04.06 - Die tamilischen Rebellen in Sri Lanka haben ihre Teilnahme an geplanten
Friedensgesprächen in der Schweiz abgesagt. Grund sei die
zunehmende Gewalt gegen ihre Mitglieder, erklärte ein Sprecher der
Befreiungsbewegung von Tamil Eelam (LTTE) am Donnerstag. Die Regierung
in Colombo kritisierte die Entscheidung. Bei Anschlägen seien mehr
Soldaten ums Leben gekommen als Rebellen getötet worden seien,
sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AP.
Europäischen Beobachtern zufolge sind in erster Linie die
LTTE-Rebellen für die jüngste Gewaltwelle verantwortlich, die
seit Anfang April mindestens 55 Menschen das Leben gekostet hat. Nach
Angaben der Streitkräfte wurden 33 Sicherheitskräfte
getötet, die meisten bei Minenexplosionen.
Die zweite Runde der Gespräche zum brüchigen Waffenstillstand
von 2002 sollte am 24. und 25. April in Genf stattfinden. Bei einer
ersten Verhandlungsrunde im Februar hatten beide Seiten ein weiteres
Treffen vereinbart. Einen möglichen anderen Termin, an dem die
LTTE teilnehmen wollte, nannte der Sprecher am Donnerstag nicht.
Der Friedensprozess in Sri Lanka war 2003 zusammengebrochen, nachdem
die LTTE die Verhandlungen beendet hatte. Die Rebellen wollen einen
eigenen Staat für die 3,2 Millionen Tamilen in Sri Lanka
errichten, weil sie sich von der Mehrheit der Singhalesen diskriminiert
fühlen. Ihren bewaffneten Kampf nahmen sie 1983 auf, seitdem
fielen dem Konflikt rund 65.000 Menschen zum Opfer.
(Quelle: ap)
Deutschland
Kritik an Erziehungsbündnis hält an
Fr.21.04.06 - Die Kritik an dem von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU)
geplanten «Bündnis für Erziehung» hält an.
«Religiöse Werte sind nicht auf die katholische und
evangelische Kirche beschränkt», sagte die
familienpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Christel
Humme, der «Financial Times Deutschland» (Freitagausgabe).
Mit Blick auf die laufende Integrationsdebatte warnte sie davor, andere
Religionsgemeinschaften auszugrenzen: «Das können wir uns
zurzeit nicht erlauben.»
Die Vorsitzende des Bundestagsfamilienausschusses, Kerstin Griese
(SPD), unterstützte in derselben Zeitung von der Leyens Forderung
nach mehr wertegebundener Erziehung zwar grundsätzlich. «Es
wäre diesem Ziel aber mehr gedient, wenn das Bündnis in
größerer Breite geschmiedet worden wäre», sagte
Griese. Die SPD-Politikerin vermisst in dem Zusammenschluss zudem
Wohlfahrtsverbände wie die Arbeiterwohlfahrt.
Als für Ostdeutschland untauglich kritisierte die Thüringer
Union das neue Bündnis. CDU-Landtagsfraktionschefin Christine
Lieberknecht erklärte, dass «mit einem Exklusivbündnis
keinem gedient» sei. «Die neuen Länder sind anders
strukturiert, das sollte man auch in Berlin zur Kenntnis nehmen»,
sagte sie der in Erfurt erscheinenden «Thüringer
Allgemeinen» (Freitagausgabe). Das Bündnis, das von der
Leyern mit den Kirchen geschlossen habe, gehe «an der
Lebenswirklichkeit im Osten vorbei», sagte auch Thüringens
CDU-Generalsekretär Mike Mohring. «Das ist ein rein
westdeutsches Projekt.»
Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau sagte der Chemnitzer
«Freien Presse», in der gegenwärtigen Zusammensetzung
gerenze das Bündnis eher aus. Die christlichen Kirchen
dürften nicht die einzigen Partner in dem Bündnis sein. Wenn
die Bundesregierung möglichst viele Menschen erreichen wolle,
«muss sie sich noch andere Botschafter suchen», sagte die
PDS-Politikerin. In derselben Zeitung sagte auch die stellvertretende
FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper, das Bündnis müsse
verbreitert werden, um Andersgläubige und Nichtgläubige mit
einzubeziehen.
Von der Leyen will gemeinsam mit der katholischen und der evangelischen
Kirche Kindern schon von klein auf Werte vermitteln und auch den Eltern
Orientierung und Unterstützung bieten. Das Bündnis mit den
Kirchen sei erst der Anfang. Andere Religionsgemeinschaften sowie
Verbände und möglichst auch die Wirtschaft seien eingeladen,
sich im Herbst anzuschließen. «Die Tür ist weit
offen», betonte von der Leyen bei der Vorstellung ihres Konzepts
am Donnerstag.
(Quelle: ap)
Umweltbundesamt für Steuerbonus für Spritsparer
Fr.21.04.06 - Das Umweltbundesamt hat sich für eine steuerliche Förderung
verbrauchsarmer Fahrzeuge ausgesprochen. «Wir müssen zu einer
Fahrzeug-Besteuerung kommen, die sich an der Höhe der
Kohlendioxid-Emissionen orientiert», sagte der Verkehrsexperte des
Umweltbundesamtes, Axel Friedrich, der «Berliner Zeitung».
«Nur so lassen sich Schäden an der Umwelt und Nachteile
für unsere Volkswirtschaft vermeiden.» Die europäischen
Autohersteller hatten sich Ende der neunziger Jahre verpflichtet, den
Kohlendioxid-Ausstoß der Neuwagen im europäischen
Durchschnitt bis 2008 auf 140 Gramm pro Kilometer zu senken.
Laut Umweltbundesamt liegt der Durchschnittswert heute bei etwa 163
Gramm - in Deutschland wegen der vergleichsweise großen Motoren
sogar bei 175 bis 180 Gramm pro Kilometer.
«Das Umschwenken auf eine emissionsabhängige Besteuerung
kann viel bewirken», sagte Friedrich und verwies auf
Großbritannien. Dort seien die Emissionen nach Einführung
einer Besteuerung der Dienstwagen nach Höhe des
Kohlendioxid-Ausstoßes drastisch gesunken. Die Firmen seien sehr
schnell auf verbrauchsarme Autos umgestiegen. Ein gleicher Effekt sei
auch in Deutschland zu erwarten. Hier sei das Steuersystem aber heute
immer noch so gestaltet, dass man umso mehr Geld beim Finanzamt absetzen
könne, je größer der Dienstwagen und seine
Motorisierung sei, sagte Friedrich.
(Quelle: dpa)
BUND und Greenpeace: Gen-Mais-Anbau wieder verbieten
Fr.21.04.06 - Im Streit über die Gentechnik in der Landwirtschaft haben
Umweltschützer Bundesernährungsminister Horst Seehofer (CSU)
aufgefordert, den kürzlich erlaubten Gen-Mais-Anbau in Deutschland
wieder zu verbieten.
Eine solche unverzügliche Maßnahme sei nach EU-Recht
möglich, soweit «neue Erkenntnisse über eine
mögliche Gefährdung von Mensch und Umwelt vorliegen»,
erläuterte Heike Moldenhauer, Gentechnikexpertin des Bundes
für Umwelt und Naturschutz (BUND), am Donnerstag in Berlin. Die
EU-Kommission habe in einem internen Bericht festgestellt, dass die
Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen wie dem Gen-Mais
MON180 auf Mensch, Tier und Umwelt nur unzureichend untersucht worden
seien, berichten BUND und Greenpeace. Auch Langzeitschäden
für Menschen seien nicht ausgeschlossen.
Diesen von der EU bisher nur für Import und Verarbeitung
zugelassenen Mais des US-Agrarkonzerns Monsanto hatte Seehofer kurz nach
Amtsantritt im Herbst 2005 zum Anbau in Deutschland genehmigt. Beide
Umweltorganisationen wollten ihre Forderungen am Donnerstagnachmittag
im Ministerium bei einer Anhörung von Umweltverbänden und
Kirchenorganisationen zum Gentechnikgesetz vortragen. Seehofer will das
Gesetz im Mai vorlegen. Umstritten sind dabei nach wie vor die
Haftungsfragen und die Schaffung eines Ausgleichsfonds, wenn durch den
Anbau gentechnisch manipulierter Pflanzen umliegende Felder
verunreinigt werden.
Kritik übten die beiden Umweltorganisationen auch an der EU-
Kommission. Ihr Gentechnikbericht sei bereits im Januar 2005 fertig
gestellt und erst später von BUND und Greenpeace
veröffentlicht worden. Die Kommission wisse damit seit mehr als
einem Jahr, dass die Sicherheit von Gen-Saaten nicht garantiert werden
könne, sagte Greenpeace-Experte Christoph Then. «Statt die
Bürger vor möglichen Schäden zu schützen, hat sie
seitdem fünf weitere Gen-Pflanzen zugelassen. Das ist ein Skandal,
denn die Kommission ist nach EU- Recht zur Vorsorge verpflichtet.»
Sie solle sofort alle Zulassungsverfahren stoppen und erteilte Zusagen
überprüfen lassen.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Natürliche Flüsse unter der Antarktis entdeckt
Fr.21.04.06 - Unter der massiven Eisdecke der Antarktis existiert ein Flusssystem.
Innerhalb von 16 Monaten seien in einer untersuchten Region insgesamt
1,8 Kubikkilometer Wasser über 290 Kilometer weit transportiert
worden.
Das berichten Forscher um Martin Siegert von der Universität
Bristol im britischen Fachjournal «Nature» (Bd. 440, S.
1033) vom Donnerstag. Der schnelle Wasseraustausch zwischen Seen unter
dem Eis der Antarktis verringere die Wahrscheinlichkeit, dass auch nur
ein See unter den Eismassen ein isoliertes Ökosystem enthalte.
Zudem könne eine Probenentnahme in einem See zu einer Kontamination
mit Mikro-Organismen des ganzen Systems führen.
«Es ist nicht leicht herauszufinden, was sich unter der etwa vier
Kilometer dicken Eisschicht befindet», schreibt Garry Clarke in
einem «Nature»-Kommentar. Es sei mittlerweile zwar bekannt,
dass es unter der Antarktis Seen gibt, aber, dass sich auch Flüsse
ihren Weg unter den Eismassen bahnen, sei neu.
(Quelle: dpa)
Internet
Keine Online-Werbung mit Operas neuem Browser
Fr.21.04.06 - Die norwegischen Softwarespezialisten von Opera haben am Donnerstag die
erste Beta-Version des neuen Browsers 9.0 freigegeben. Die bereits in
der früheren Alpha-Version präsentierten neuen Features wie
Widget- und BitTorrent-Unterstützung sind im Wesentlichen
beibehalten worden. Laut Opera wurden für die erste Beta-Ausgabe
die Stabilität sowie die Funktionstüchtigkeit der integrierten
Neuerungen soweit verbessert, dass sich die Vorab-Version für eine
größere Anwendergemeinde zum Testen eignet. Als
kontroversielles Tool findet sich in der neuen Version ein neu
entwickelter Content-Blocker, der das Blockieren von Werbeeinschaltungen
und unerwünschten Webinhalten ermöglicht.
"Einige Seiten, die sich zum Teil über Werbeeinschaltungen
finanzieren, werden den Blocker wohl nicht mögen", gibt der
Communications Director von Opera Software, Tor Odland, im Gespräch
mit pressetext (pte) zu. "Natürlich wird die Funktion nicht von
allen Anwendern genutzt werden. Gerade Technologie-affine User setzen
sich allerdings immer mehr mit Seiteninhalten auseinander", so Odland
weiter. Mit einem rechten Mausklick auf die entsprechende Seite
können nicht erwünschte Grafik- und Video-Elemente einfach
ausgeschaltet werden.
Neben der integrierten BitTorrent-Funktion, die den Download von
großen Torrent-Dateien ohne die bisher notwendige Zusatzsoftware
ermöglicht, will Opera vor allem mit seinem Widget-Konzept punkten.
Die bisher für das Mac-Betriebssystem vorbehaltenen Miniprogramme,
die unabhängig vom Browser auf dem Desktop laufen, werden durch
Opera nun auch auf Linux- und Windows-Betriebssystemen einsetzbar -
eine Funktion, die Microsoft im Übrigen auch für Vista plant.
Auch beim Design folgt man ganz dem Trend, der sich auch in den
Vorabversionen des Internet-Explorer-7 zeigt. Während die
Menüleisten bewusst schlicht und aufgeräumt gehalten sind,
laden eine Reihe von individuell konfigurierbaren Zusatz-Icons und
Eingabefelder zum schnellen Zugriff auf diverse Internetdienste ein.
"Wir nehmen die Entwicklung des Desktop-Browsers sehr ernst",
erklärt Odland angesichts der starken Opera-Präsenz im mobilen
Sektor. Natürlich spiele man von der globalen Anwenderschaft her
nicht in der gleichen Liga wie beispielsweise Firefox, in manchen
Regionen wie Russland, Südafrika oder Polen erreiche man aber
ebenfalls bis zu zehn Prozent Marktanteil, so Odland. Eigenen Angaben
zufolge erwirtschaft das Unternehmen derzeit etwa zwei Drittel seines
Umsatzes über seine mobilen Dienste wie Opera Mini und Opera
Mobile. Gut ein Drittel steuern Einnahmen durch die
Desktop-Browser-Version bei, beispielsweise durch integrierbare
Suchleisten von Amazon oder eBay.
(Quelle: pte)