Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertachtundsechzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Überraschungsbesuche von Rice und Rumsfeld in Bagdad. Blutige
Gewalt im Irak nimmt kein Ende - Zahlreiche Tote und Verletzte
Do.27.04.06 - Überraschungsbesuche in Bagdad: Sowohl US-Außenministerin
Condoleeza Rice als auch Verteidigungsminister Donald Rumsfeld trafen am
Mittwoch völlig unerwartet in der irakischen Hauptstadt ein.
Kommentatoren werteten dies als unmittelbare Reaktion auf den
jüngsten Durchbruch zur Regierungsbildung.
Rumsfeld traf in Bagdad zunächst mit dem dortigen Oberbefehlshaber
der amerikanischen Streitkräfte, General George Casey, zusammen.
Dieser hat unlängst erklärt, die Zahl der US-Soldaten vor Ort
könnte in diesem Frühling und Sommer deutlich reduziert
werden, falls sich die Sicherheitslage nicht verschlechtere und eine
Regierung der nationalen Einheit gebildet werde. Nach der Unterredung
mit Rumsfeld sagte Casey, dieser Zeitplan erscheine weiterhin
realistisch. Die jüngsten Entwicklungen seien ermutigend.
Rumsfeld sowie Rice, die einige Stunden nach dem Verteidigungsminister
in Bagdad eintraf, wollten noch am Mittwochnachmittag gemeinsam mit dem
designierten irakischen Ministerpräsidenten Dschawad al Maliki
zusammenkommen. Rice erklärte während ihres Anflugs aus der
Türkei, die USA wollten der irakischen Bevölkerung zeigen,
dass zwischen der politischen und der militärischen Ebene ihres
Engagements eine Einheit bestehe. Eben deshalb wolle sie gemeinsam mit
Rumsfeld in Bagdad auftreten.
Derweil ging die Gewalt im Lande weiter. Bei der Explosion einer Bombe
in einem Minibus wurden am Mittwoch im Zentrum von Bagdad vier Iraker
getötet und zwei verletzt. Im Südwesten der Hauptstadt
erschoss die Polizei zwei Männer, die Sprengsätze am Leibe
trugen. Die Detonation von fünf am Straßenrand versteckten
Bomben kostete insgesamt zwei Menschen das Leben, 17 wurden verletzt.
Ferner wurden in Bagdad sowie in Kerbela die Leichen von insgesamt zehn
Irakern gefunden, die teilweise von Schüssen ins Auge getötet
worden waren.
Seit der Beauftragung Al Malikis mit der Bildung einer Regierung der
nationalen Einheit am vergangenen Samstag sind schon mehr als 100 Iraker
gewaltsamen Angriffen zum Opfer gefallen.
Empörung im Irak löste eine Videobotschaft des
Al-Kaida-Terroristen Mussab al Sarkawi aus. In der am Dienstag auf einer
islamistischen Web-Site veröffentlichten Aufnahme von Al Sarkawi,
dem Führer der Gruppe Al Kaida im Irak, drohte dieser mit neuen
Anschlägen und bekräftigte seine Loyalität zu Terrorchef
Osama bin Laden. US-Geheimdienstexperten untersuchten das Video, dessen
Echtheit zunächst nicht zu bestätigen war. Al Sarkawi hat
sich bislang nur in Tonbotschaften zu Wort gemeldet, nun war offenbar
erstmals auch sein Gesicht zu sehen. Erst am Sonntag hatte Bin Laden
die Muslime zur Unterstützung seiner Organisation aufgerufen.
Das Video Al Sarkawis wurde nach dessen Angaben am vergangenen Freitag
aufgenommen. Darin warf er dem Westen vor, einen Kreuzzug gegen den
Islam zu führen. Die heiligen islamischen Krieger hielten dem aber
stand. Die jüngsten Fortschritte bei der Regierungsbildung im Irak
bezeichnete Al Sarkawi als Versuch der USA, ihre Kontrolle über das
Land zu stärken, was ihnen jedoch nicht gelingen werde. «Es
wird alles noch schlimmer kommen», drohte der
Terroristenführer. «Eure Träume werden von unserem Blut
und unseren Leichen zunichte gemacht.»
Der gebürtige Jordanier hat sich zu mehreren der blutigsten
Anschläge im Irak bekannt. Irakische Politiker verurteilten Sarkawi
am Mittwoch als «Ausländer, der entschlossen ist, den Irak
zu zerstören». Das Video wurde als ernst zu nehmende Drohung
gewertet. Der designierte Ministerpräsident Maliki rief Schiiten,
Sunniten und Kurden dazu auf, eine vereinigte Front gegen den
Terrorismus zu bilden.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 27.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertunddritten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.27.04.05 - Entwurf für Kabinettsliste im Irak perfekt +++ Washington erhofft
sich von Berlin Hilfe bei Irak-Verfassung +++ Schüsse auf die im Irak
befreite italienische Journalistin Giuliana Sgrena entsprachen laut
US-Militär den Anweisungen +++ Polizei nimmt bei Bagdad 305 Menschen
unter Terrorverdacht fest +++ US-Chefinspekteur Charles Duelfer beendet
Suche nach Massenvernichtungswaffen +++ Jordanischer Extremist Abu Mussab
al Sarkawi vermutlich nur knapp entkommen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0504270.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Erneut Anschlag auf der Sinai-Halbinsel
Do.27.04.06 - Nur zwei Tage nach dem tödlichen Dreifach-Anschlag in einem
ägyptischen Badeort haben am Mittwoch auf der Sinai-Halbinsel
erneut Terroristen zugeschlagen: Zwei Selbstmordattentäter
sprengten sich vor einem Stützpunkt einer multinationalen
Friedenstruppe am Grenzübergang Rafah zum Gazastreifen in die Luft.
Vier Personen wurden verletzt, wie Sicherheitskreise und die amtliche
ägyptische Nachrichtenagentur MENA berichteten. Die
ägyptische Polizei meldete zudem eine Explosion in einer
Polizeiwache im Nildelta.
Über die Hintergründe des Anschlags bei Rafah war
zunächst nichts bekannt. Die Anschläge am Montag, bei denen 24
Menschen getötet wurden, erfolgten am Vorabend eines
ägyptischen Nationalfeiertags: Am 25. April 1986 verließen
die letzten israelischen Truppen den Sinai. Die multinationale Truppe
wurde nach dem israelisch-ägyptischen Friedensschluss geschaffen,
in dem die Rückgabe der Sinai-Halbinsel an Ägypten vereinbart
worden war.
Sicherheitskreisen zufolge deutet die Vorgehensweise der Täter in
Dahab auf eine Verbindung zum Terrornetzwerk Al Kaida hin. Seit den
Anschlägen in Dahab wurden nach ägyptischen Angaben 30
verdächtige Personen festgenommen. Unterdessen trafen die beiden
bei den Bombenanschlägen verletzten Deutschen in der Bundesrepublik
ein, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Mittwoch in Berlin
mitteilte. Beide seien nicht schwer verwundet gewesen und hätten
in ihre Heimat fliegen können. Es handelt sich um eine Frau aus
Baden-Württemberg und deren Lebensgefährten. Der
zehnjährige Sohn der Frau war als einziger Deutscher bei den
Anschlägen ums Leben gekommen. Der Sarg mit dem Leichnam
könne nach Deutschland übergeführt werden, sobald die
ägyptische Sterbeurkunde und weitere erforderliche Papiere
vorlägen, sagte der Sprecher.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte die
Terroranschläge in Ägypten in schärfster Form. Er
forderte alle Länder zur Zusammenarbeit auf, um die Täter,
ihre Hintermänner und die Geldgeber zur Rechenschaft zu ziehen. In
einer von allen 15 Mitgliedern gebilligten Erklärung hieß es,
der Terrorismus sei eine «der ernstesten Bedrohungen des
internationalen Friedens und der Sicherheit» und könne nie
gerechtfertigt werden. Alle Formen des Terrorismus müssten mit
allen Mitteln bekämpft werden.
(Quelle: ap)
EU-Bericht sieht CIA-Geheimflüge als bewiesen an
Do.27.04.06 - Der CIA-Sonderausschuss des Europäischen Parlaments sieht
rechtswidrige Gefangenenflüge des US-Geheimdienstes in Europa als
erwiesen an. Von diesen Aktivitäten müssten die Regierungen
mehrerer EU-Staaten gewusst haben, heißt es in einem in
Brüssel vorgelegten Papier.
Einige Länder hätten den CIA- Agenten sogar bei der
Auslieferung von Terrorverdächtigen in
«Folterländer» wie Ägypten, Jordanien oder Syrien
geholfen.
Deutsche Europa-Abgeordnete von SPD und CDU forderten die
Bundesregierung unterdessen zur Reaktion auf neue Informationen auf, die
der US-Anwalt Stephen Oleskey am Dienstag im Sonderausschuss zur
Sprache gebracht hatte. Danach forschten Angehörige der Bundeswehr
bereits im Jahr 2003 nach Hintergründen der Entführung von
sechs Algeriern, die von Bosnien-Herzegowina über die
rheinland-pfälzische US-Basis Ramstein ins Gefangenenlager
Guantánamo geflogen wurden.
Der Ausschussvorsitzende Claudio Coelho von der konservativen EVP-
Fraktion sagte, der «ausgezeichnete Bericht» des
federführenden Abgeordneten Giovanni Fava (SPE) werde bis zu seiner
geplanten Verabschiedung im Juni sicherlich «noch
länger» werden. In dem bereits vorgelegten Papier heißt
es, die CIA sei «eindeutig verantwortlich für die
Entführung und illegale Gefangennahme mutmaßlicher
Terroristen auf dem Gebiet der EU-Mitgliedstaaten sowie
außerordentliche Überstellungen, wobei es sich in mehreren
Fällen um europäische Staatsbürger handelt».
Nach dem Stand der Untersuchung erscheint es den Abgeordneten
unwahrscheinlich, dass «gewisse europäische Regierungen keine
Kenntnis von den außerordentlichen Auslieferungen gehabt haben,
die sich auf ihrem Territorium, in ihrem Luftraum oder auf ihren
Flughäfen abspielten». Das gelte auch für die
Entführung des Ägypters Abu Omar in Mailand am 17. Februar
2003. Kritisch erwähnt der Bericht auch die Behörden in
Schweden und Bosnien-Herzegowina, die Menschen ohne Rücksicht auf
deren Grundrechte an CIA-Agenten übergeben hätten.
Der Fava-Bericht fordert unter anderem die Regierungen der
Mitgliedstaaten zur Zusammenarbeit auf. Bundesaußenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) habe bereits seine Bereitschaft zur
Aussage bekundet, sagte der Europa-Abgeordnete Wolfgang
Kreissl-Dörfler. Der SPE-Obmann im Ausschuss erwartet dabei von
Steinmeier Aufklärung über einen geheimen Bericht der
Bundeswehr zur illegalen Verhaftung von sechs Algeriern in
Bosnien-Herzegowina, von dem US-Anwalt Oleskey berichtet hatte.
Die Aussage von Oleskey, der die nach Guantánamo gebrachten
Algerier vertritt, habe neue Fragen aufgeworfen, sagte auch die EVP-
Abgeordnete Ewa Klamt. «Und falls es tatsächlich ein geheimes
Dossier dazu gibt, muss uns dieses das Auswärtige Amt zur
Verfügung stellen», sagte die CDU-Abgeordnete.
(Quelle: dpa)
Tausende fliehen vor Militäroffensive in Birma
Do.27.04.06 - Rund 11.000 Angehörige des Karen-Volks sind im Osten Birmas vor
der größten Militäroffensive seit zehn Jahren auf der
Flucht. Das geht aus Berichten der Hilfsorganisation Free Burma Rangers
hervor, die nach eigenen Angaben Flüchtlinge in Birma und Thailand
mit Hilfsgütern versorgt. Rund 1.500 Karen seien über die
Grenze nach Thailand geflohen, hieß es am Mittwoch. Die
Militäroffensive habe im vergangenen November begonnen und sei
kürzlich intensiviert worden.
In Thailand, wo bereits 140.000 Karen in Lagern untergebracht sind,
werde mit einem weiteren Flüchtlingszustrom gerechnet.
Der Direktor der Organisation Thailand Border Consortium, Jack Dunford,
bestätigte die Ankunft neuer Flüchtlinge in Thailand. Sie
hätten von der Zerstörung ganzer Dörfer und Ernten durch
birmanische Soldaten berichtet. Die birmanische Militärregierung
hat Berichte über eine Offensive im Gebiet der Karen dementiert. Es
gebe lediglich «Sicherheitsmaßnahmen und
Säuberungen» gegen Kämpfer der Untergrundorganisation
Nationalunion der Karen (KNU), sagte Informationsminister Kyaw Hsan
Anfang des Monats in Rangun.
(Quelle: ap)
Tausende auf der Flucht vor Luftangriffen in Sri Lanka
Do.27.04.06 - Nach Luftangriffen der srilankischen Regierungstruppen auf
Stützpunkte der tamilischen Rebellen sind im Nordosten des Landes
rund 40.000 Menschen auf der Flucht. Das teilten die Befreiungstiger
von Tamil Eelam (LTTE) am Donnerstag. Bei den Luftangriffen sollen
mindestens ein Dutzend Menschen getötet worden sein. Eine
unabhängige Bestätigung für die Angaben der Rebellen,
gab es nicht.
Die Angriffe waren eine Reaktion der Regierung auf einen Anschlag der
LTTE, bei dem am Dienstag acht Menschen in den Tod gerissen wurden. Der
höchste General des Landes und 26 weitere Menschen wurden bei der
Explosion in der Hauptstadt Colombo verletzt. Sri Lanka wird derzeit
von einer neuen Welle der Gewalt erschüttert, die seit Anfang
April rund 90 Menschen das Leben gekostet hat. Die Rebellen wollen
einen eigenen Staat für die 3,2 Millionen Tamilen in Sri Lanka
errichten, weil sie sich von der Mehrheit der Singhalesen diskriminiert
fühlen. Seit 2002 gilt ein brüchiger Waffenstillstand. Der
Friedensprozess brach 2003 zusammen, nachdem die LTTE die Verhandlungen
beendet hatte.
(Quelle: ap)
Maoisten verkünden dreimonatige Waffenruhe in Nepal
Do.27.04.06 - Die maoistische Rebellen in Nepal haben am Donnerstag eine dreimonatige
Waffenruhe verkündet. In einer Erklärung ihres Führers
Prachanda hieß es, seine Kämpfer würde ihre Angriffe in
dieser Zeit einstellen. Tags zuvor hatten die Rebellen eine wochenlange
Blockade der wichtigsten Verkehrswege des Landes aufgehoben. Zugleich
setzten sie den Parteien eine Frist von zwei Tagen, um mit der
Überarbeitung der Verfassung zu beginnen.
Die Rebellen kämpfen für den Sturz der Monarchie. König
Gyanendra hatte sich am Montag nach wochenlangen Protesten der
Opposition bereit erklärt, das Parlament wieder einzusetzen, und
damit eine Hauptforderung der Demokratiebewegung erfüllt. Die
maoistischen Rebellen sprachen zunächst von einer
Verschwörung zum Machterhalt Gyanendras. Später lenkten sie
aber dahingehend ein, die umgehende Einberufung einer
verfassungsgebenden Versammlung zu fordern. Dies wird auch von den
Oppositionsparteien angestrebt. In der neuen Verfassung könnte die
Macht des Königs deutlich beschränkt oder sogar die Monarchie
abgeschafft werden.
(Quelle: ap)
Bosnisches Parlament lehnt Verfassungsänderungen ab
Do.27.04.06 - Das bosnische Parlament hat am Mittwoch Verfassungsänderungen
abgelehnt. Diese hätten unter anderem das nach dem Krieg von 1992
bis 1995 in Bosnien-Herzegowina eingerichtete dreiköpfige
Staatspräsidium durch einen einzigen Staatspräsidenten
ersetzt und die Befugnisse der Zentralregierung gestärkt. Die
Macht liegt derzeit weitgehend bei den beiden Teilstaaten. Die
notwendige Zweidrittelmehrheit für die Änderungen kam aber
nicht zu Stande.
Der bosnische Außenminister Mladen Ivanic zeigte sich
enttäuscht. Die internationale Position Bosniens sei
geschwächt. Einen neuen Anlauf zur Änderung der Verfassung
werde es wohl so schnell nicht geben. Dem Vorschlag waren zehnmonatige
Verhandlungen der Parteien vorausgegangen. Einige Abgeordnete waren der
Ansicht, dass die vorgeschlagenen Änderungen noch nicht den
Anforderungen der Europäischen Union entsprechen.
Schon vor der Abstimmung hatte aber der internationale Verwalter in
Bosnien-Herzegowina, Christian Schwarz-Schilling, erklärt, die
internationale Gemeinschaft werde wenig Verständnis dafür
haben, wenn die Verfassungsänderung abgelehnt werde. Und
US-Botschafter Douglas McElhaney sagte nach der Abstimmung, er sei
«sehr enttäuscht». Die EU hatte erklärt, dass es
ohne Änderungen praktisch keine Aussichten auf eine Mitgliedschaft
Bosnien-Herzegowinas in der EU gebe.
(Quelle: ap)
Frankreich für langsameres Tempo bei Welthandelsgesprächen
Do.27.04.06 - Der Zeitrahmen für die Welthandelsgespräche sollte nach den
Vorstellungen Frankreichs deutlich weiter gefasst werden, als es 2001
geplant war.
"Fünf Jahre danach haben sich die Faktoren massiv geändert,
sowohl in Europa als auch global", sagte Handelsministerin Christine
Lagarde in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der
"International Herald Tribune" "Das ist ein guter Anlass, etwas Tempo
rauszunehmen", fügte sie hinzu.
Die Mitglieder der Welthandelsorganisation (WTO) wollten sich
ursprünglich bis Ende April auf eine Reduzierung der Zölle auf
Agrarprodukte und Industriegüter einigen, haben dieses Ziel aber
nicht erreicht. Eine Vereinbarung über diese beiden Bereiche, die
politisch als besonders problematisch gelten, soll den Weg für
weitergehende Vereinbarungen zum freien Welthandel öffnen. Lagarde
sagte, die Verhandlungen hätten bislang so geringe Fortschritte
gemacht, dass ein Durchbruch nicht absehbar und eine Vereinbarung vor
Mitte 2007 kaum realistisch sei.
Hauptstreitpunkte sind momentan die Öffnung des europäischen
Binnenmarktes für Agrarprodukte aus dem Ausland und der bessere
Zugang für Industriegüter auf die Märkte der
Entwicklungsländer.
(Quelle: rtr)
'Marktöffnung garantiert keine Entwicklung'
Für die Entwicklungsländer bringen die aktuellen
Verhandlungen bei der Welthandelsorganisation WTO nichts. Sie bleiben
der Lieferant billiger Rohstoffe. Das kann aber nicht das Interesse der
EU sein, sagt der Agrarexperte Lorenzen... Mehr in der taz vom 27.04.06:
http://www.taz.de/pt/2006/04/27/a0170.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/04/27/a0168.1/text
Deutschland
Zahl rechtsextremer Gewalttaten steigt bundesweit um ein Viertel
Do.27.04.06 - Die Zahl rechtsextremer Gewalttaten in Deutschland ist im vergangenem
Jahr um knapp ein Viertel gestiegen. Wie der niedersächsische
Innenminister Uwe Schünemann (CDU) am Mittwoch in Hannover bekannt
gab, registrierte die Polizei 2005 bundesweit 958 von Rechtsradikalen
begangene Gewalttaten. Im Jahr davor lag die Zahl bei 776. Daraus ergibt
sich ein Anstieg von 23 Prozent. Die Zahl der Körperverletzungen
mit rechtsextremen Hintergrund erhöhte sich sogar von 640 auf 816
- das entspricht 27 Prozent.
Die Zahlen des Bundeskriminalamtes gab Schünemann bei der
Vorstellung des niedersächsischen Verfassungsschutzberichtes
bekannt. Danach stieg die Zahl der Straftaten mit rechtsradikalem
Hintergrund insgesamt von 12.051 im Jahr 2004 auf 15.361 im vergangenen
Jahr (plus 27 Prozent). Dieser Anstieg geht vor allem auf die Zunahme
von Propagandadelikten (von 8.337 auf 10.881) und der Verfahren wegen
Volksverhetzung (von 2.578 auf 2.957) zurück.
Auch die Zahl der Neonazis erhöhte sich bundesweit von 3.800 auf
4.100; die Zahl gewaltbereiter rechter Skinheads und anderer
unorganisierter gewaltbereiter Rechtsextremisten stieg den Angaben
zufolge von 10.000 auf 10.400.
Der niedersächsische Verfassungsschutzbericht verzeichnet
allerdings zugleich einen leichten Rückgang des gesamten
rechtsextremen Potenzials in Deutschland, der auf Mitgliederverluste bei
DVU und Republikanern zurückgeht. Die Gesamtzahl der
Rechtsextremisten sank deshalb im vergangenen Jahr, verglichen mit 2004,
von 40.700 auf 39.000.
Schünemann betonte bei der Vorstellung des
Verfassungsschutzberichtes, dass in Niedersachsen anders als im gesamten
Bundesgebiet auch bei den gewaltbereiten rechten Skinheads ein
Rückgang von 980 auf 930 beobachtet worden sei. Er lobte
ausdrücklich das Vorgehen der niedersächsischen
Sicherheitsbehörden bei Konzerten von Rechtsradikalen. So
hätten im vergangenen Jahr landesweit lediglich fünf
rechtsextremistische Konzerte (Vorjahr: sieben) stattgefunden.
Bundesweit sei die Zahl solcher Veranstaltungen dagegen um 58 auf 195
angestiegen.
Allerdings nahm Schünemann zufolge auch in Niedersachsen die Zahl
der Gewalttaten mit rechtsextremen Hintergrund um 16 Prozent auf 119 zu.
Zudem registrierte die Polizei weitere 14 Gewalttaten, denen lediglich
einen rechter und kein rechtsextremer politischer Hintergrund
zugeordnet wurde.
Der niedersächsische Verfassungsschutzpräsident Volker Homuth
erklärte, dass man die Präventionsanstrengungen verstärkt
habe und bei Skinhead-Konzerten frühzeitig einschreite. Ein Teil
der Rechtsextremisten mache deswegen «jetzt einen Bogen um
Niedersachsen». Diese Anstrengungen müssten
«überall gleichermaßen stattfinden». Allerdings
sei eine konsequente Bekämpfung des Rechtsextremismus in den
ostdeutschen Bundesländern auch schwieriger. Dort gebe es ein
wesentlich größeres und virulenteres rechtsextremes Potenzial.
(Quelle: ap)
Brutaler Überfall auf Afrikaner in Wismar
Do.27.04.06 - Erneut ist ein Afrikaner Opfer eines brutalen Überfalls geworden:
Drei Männer haben in Wismar einen 39 Jahre alten Mann aus Togo mit
Schlägen und Tritten zu Boden geprügelt. Das Opfer wurde
wegen einer Kopfverletzung im Krankenhaus behandelt, teilte die Polizei
am Mittwoch mit. Lebensgefahr bestand nicht. Drei Männer im Alter
von 19, 23 und 24 wurden laut dem Schweriner Oberstaatsanwalt Christian
Pick festgenommen; das Schweriner Amtsgericht erließ am Abend
Haftbefehle gegen die beiden Älteren von ihnen.
Ein rechtsextremistisches Motiv konnte laut Pick nicht ausgeschlossen
werden; weitere Angaben machte der Staatsanwalt zunächst nicht.
Das Gericht erklärte, über einen Haftbefehl gegen den
19-Jährigen Tatverdächtigen werde am (heutigen) Donnerstag
entschieden. Zeugen hatten die Tat beobachtet und schilderten im NDR,
wie der Afrikaner traktiert worden sei. Die Täter seien
zunächst geflohen, später aber zurückgekehrt, «um
die Blutlache zu begutachten», die ihr Opfer hinterlassen habe,
berichteten sie.
Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Gottfried Timm lobte die Polizei
für die schnelle Ergreifung der mutmaßlichen Täter und
bedankte sich für das couragierte Eingreifen von Zeugen, die der
Polizei wichtige Hinweise gaben. Zu möglichen Hintergründen
und Tatmotiven gab es seinen Angaben zufolge zunächst keine
näheren Erkenntnisse. «Es wird in alle Richtungen ermittelt
und alles daran gesetzt, um so schnell wie möglich Ergebnisse zu
haben», sagte Timm.
Am Ostersonntag war ein 37-jähriger Deutsch-Äthiopier in
Potsdam überfallen und lebensgefährlich verletzt worden. Zwei
Tatverdächtige sitzen seit Freitag in Brandenburger
Gefängnissen in Untersuchungshaft. Auf einem Telefonmitschnitt des
Angriffes war zu hören, wie die Täter ihr Opfer als
«Scheiß Nigger» beschimpft hatten. Die
Bundesanwaltschaft, die die Ermittlungen übernommen hat, geht
deshalb von einem fremdenfeindlichen Motiv aus.
(Quelle: ap)
Gewerkschaften starten Kampagne für Mindestlohn
Do.27.04.06 - Mit einer neuen Mindestlohnkampagne wollen die
Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Gewerkschaft
Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Druck auf die Politik machen.
Ver.di-Chef Frank Bsirske bekräftigte am Mittwoch in Berlin die
Forderung nach einer unteren Einkommensgrenze von 7,50 Euro pro Stunde.
«Arbeit darf nicht arm machen. Das ist der Sinn von
Mindestlöhnen», fügte er hinzu.
Die Gewerkschaften verwiesen darauf, dass alle europäischen
Nachbarländer einen gesetzlich festgelegten Mindestlohn haben. Mit
einem Stundenlohn von 7,50 Euro liege Deutschland im europäischen
Vergleich im «unteren Mittelfeld», betonte Bsirske. In
Frankreich und Luxemberg liegt der Mindestlohn deutlich über 8,00
Euro.
Deutschland sei als Exportweltmeister und hochproduktive
Volkswirtschaft mit einem Mindestlohn nicht überfordert, meinte
Bsirske. Ebenso wie NGG-Chef Franz-Josef Möllenberg geht Bsirske
von einem «deutlichen Beschluss» für einen Mindestlohn
auf dem DGB-Bundeskongress im Mai aus.
Möllenberg sagte, Ziel der Kampagne sei auch der Nachweis, dass
ein Mindestlohn nicht zu Jobverlusten führe, sondern die Konjunktur
belebe. Die Gewerkschaften wollten die große Koalition zwingen,
eine Grundforderung wie existenzsichernde Löhne «nicht auf
die lange Bank zu schieben». Auch innerhalb der CDU gebe es
«stärkere Signale» für einen Mindestlohn.
«Ich bin da zuversichtlich, dass die Politiker sich
bewegen», sagte Möllenberg. Nach den Vorstellungen von ver.di
und der NGG soll der Mindestlohn bei 7,50 Euro anfangen und
schrittweise auf 9,00 Euro steigen. Arbeitsminister Franz
Müntefering (SPD) will im Herbst seine Vorschläge für
Mindestlöhne vorlegen.
Die Gewerkschaftschefs verwiesen darauf, dass es auch von
osteuropäischen Kollegen «viel Verständnis»
für die Mindestlohn-Kampagne gebe. Es gehe nicht um eine
größtmögliche Abschottung des deutschen Arbeitsmarktes,
sondern auch darum, dass die Notlage osteuropäischer
Arbeitskräfte nicht ausgenutzt werde, erklärten sie.
(Quelle: ap)
Mehr Information über die Mindestlohn-Kampagne der Gewerkschaften
unter:
http://www.mindestlohn.de/
Erwerbstätigkeit verliert für Lebensunterhalt an Bedeutung
Do.27.04.06 - Immer weniger Bundesbürger leben von ihrer Hände Arbeit: Die
eigene Erwerbstätigkeit verliert für den Lebensunterhalt an
Bedeutung, wie aus am Mittwoch veröffentlichten Zahlen des
Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hervorgeht. Danach gaben im
März 2004 nur 39 Prozent (32,5 Millionen) der Bevölkerung an,
ihre wichtigste Unterhaltsquelle sei ihre Berufstätigkeit. 1991
hatte dieser Anteil noch bei gut 44 Prozent gelegen. Zur Begründung
verweisen die Statistiker auf die zunehmende Arbeitslosigkeit und den
steigenden Anteil an Rentnern.
Vor allem Männer leben immer seltener von ihrem Lohn oder Gehalt:
Waren es 1991 noch 56 Prozent, verringerte sich dies bis 2004 auf
weniger als 47 Prozent. Bei den Frauen sank der Anteil im gleichen
Zeitraum von 34 Prozent auf knapp 33 Prozent.
Als Grund dafür, dass Erwerbstätigkeit für den
Lebensunterhalt immer unwichtiger wird, gilt neben der Arbeitslosigkeit
vor allem der steigende Anteil von Ruheständlern. So lebten knapp
fünf Prozent der Bevölkerung im März 2004
überwiegend von Arbeitslosengeld oder -hilfe - 1991 waren es nur
zwei Prozent. Und während in Westdeutschland gut drei Prozent auf
diese Einnahmequelle angewiesen waren, traf dies für jeden zehnten
Ostdeutschen zu. Der Anteil derjeniger, der überwiegend von Rente
oder Pension lebte, vergrößerte sich seit 1991 (19 Prozent)
bundesweit um vier Prozentpunkte auf 23 Prozent.
Von Angehörigen unterstützt wurden 2004 in Westdeutschland
knapp 32 Prozent, in Ostdeutschland dagegen nur 18 Prozent
(Bundesdurchschnitt 29 Prozent). Darunter ist der Anteil von Frauen
wesentlich größer als der der Männer: 36 Prozent der
Frauen wurden 2004 von Angehörigen unterstützt, aber nur gut
25 Prozent der Männer.
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die anlässlich des Tages
der Arbeit veröffentlicht wurden, basieren auf den Ergebnissen des
Mikrozensus 2004, der größten amtlichen Haushaltsbefragung in
Europa.
(Quelle: ap)
Industrie läuft Sturm gegen die Reichensteuer
Do.27.04.06 - Die deutsche Wirtschaft läuft Sturm gegen die Ausdehnung der
Reichensteuer auf mittelständische Unternehmen. «Wer eine
Unternehmensteuerreform mit der Einführung einer so genannten
Reichensteuer auf gewerbliche Einkünfte beginnt, der sendet ein
denkbar schlechtes Signal an den Mittelstand: Es wird
Steuererhöhungen statt -entlastungen geben. Das ist Gift für
Wachstum und Beschäftigung», sagte der
Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und
Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, der «Berliner
Zeitung».
Der «unselige Plan» solle aufgeben werden. «Es ist
gut, dass die Union dies offenbar erkannt hat und die Notbremse ziehen
will», wird Wansleben zitiert. Die SPD will den dreiprozentigen
Aufschlag auf die Einkommensteuer nicht nur von Privatleuten, sondern
auch von Personenunternehmen kassieren. Unionspolitiker lehnten dies am
Mittwoch ab.
Vertreter der SPD-Linken bestehen indes auf Einführung der
Reichensteuer und wollen notfalls auch den Mittelstand belasten:
«Die Konsolidierungsbemühungen der Koalition sind ein
Gesamtpaket, das die Lasten gerecht verteilen muss. Es darf nicht sein,
dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer den Löwenanteil
alleine stemmen müssen», sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete
Florian Pronold der Zeitung. «Deshalb muss die Reichensteuer in
jedem Fall ab 2007 kommen. Die Einbeziehung der gewerblichen
Einkünfte wird dabei niemanden überfordern.»
Wie in der CDU gibt es aber auch in der SPD Warnungen vor einer
Überlastung der Unternehmen: «Ich möchte gerne dabei
bleiben, dass die mittelständischen Unternehmen durch uns nicht
zusätzlich belastet werden», sagt der wirtschaftspolitische
Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend, der Zeitung.
(Quelle: ap)
Deutsche wollen 'soziale Leistungsgesellschaft'
Do.27.04.06 - Die Deutschen wollen einerseits eine stärker an Leistung
orientierte Gesellschaft, andererseits aber nicht auf die
schützende Hand des Staats verzichten. Dies ist das Ergebnis der
von Altbundespräsident Richard von Weizsäcker vorgestellten
repräsentativen Umfrage "Perspektive-Deutschland". Für die
derzeit mit Programmdiskussionen beschäftigten Parteien ergibt
sich nach Ansicht von Weizsäckers aus der Umfrage eine klare
Vorgabe: "Der deutliche Auftrag an die Politik lautet, die sozialen
Ziele nicht aufzugeben, aber Anreize zu schaffen, die das private
Angebot zur Leistung fördern."
Insgesamt streben die Bundesbürger nach mehr Leistung: 83 Prozent
wollen eine bessere Belohnung von Leistung, und 72 Prozent halten
Fleiß und Ehrgeiz für die wichtigsten Werte der Deutschen.
Dabei sind die Menschen durchaus zu Opfern bereit, um dem
Leistungsgedanken gerecht zu werden. So gibt eine
überwältigende Mehrheit an, zu lebenslangem Lernen bereit zu
sein. 29 Prozent können sich "auf jeden Fall" und 50 Prozent
"unter Umständen" vorstellen, in einem anderen Beruf zu arbeiten.
Andererseits wächst aber auch der Wunsch nach sozialer
Ausgewogenheit: Eine deutliche Mehrheit von 76 Prozent der Deutschen
wünscht sich geringere soziale Unterschiede in der Gesellschaft.
Vor einem Jahr waren dies nur 56 Prozent. 38 Prozent wollen auch wieder
mehr staatliche Verantwortung in der sozialen Sicherung, vor einem Jahr
waren dies 32 Prozent.
"Die Ergebnisse von Perspektive-Deutschland sind eine anspruchsvolle
Mischung scheinbar widersprüchlicher Elemente", erklärte von
Weizsäcker. Es gebe ein "Sowohl-als-auch statt des polarisierenden
Entweder-oder". Dies kennzeichne eine neue Entwicklung: "Die soziale
Leistungsgesellschaft." Um diese zu erreichen, müsse die Politik
den Reformkurs mutig fortführen. Gleichzeitig dürfe aber das
Ziel des sozialen Ausgleichs nicht aus den Augen verloren werden.
Zu Beginn der Debatte um das neue SPD-Grundsatzprogramm hatte sich der
designierte SPD-Chef Kurz Beck grundsätzlich zum solidarischen
Staat, aber auch zur Eigenverantwortung der Bürger bekannt.
CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zu Beginn der
Programmdebatte ihrer Partei angekündigt, wieder näher an die
Menschen rankommen zu wollen.
An der Studie der Unternehmensberatung McKinsey nahmen 620.0000
Menschen teil. Nach Angaben der Auftraggeber, darunter auch der
"Stern", das ZDF und das Internetportal Web.de, ist es damit die
größte gesellschaftspolitische Online-Befragung der Welt.
(Quelle: afp)
Heftige Turbulenzen bei der WASG
Do.27.04.06 - Bei der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) gibt es
kurz vor ihrem Bundesparteitag einen handfesten Führungsstreit.
Drei Vorstandsmitglieder kritisierten am Mittwoch in einer gemeinsamen
Erklärung prominente Parteivertreter wie Links-Fraktionschef Oskar
Lafontaine wegen ihres Vorgehens in der Debatte um einen
Zusammenschluss mit der Linkspartei.PDS. Sie forderten die Delegierten
auf, bei den Beratungen am Wochenende in Ludwigshafen «eine
Spaltung der Partei zu verhindern».
Grund für den Krach sind die Pläne des Berliner
WASG-Landesverbandes für ein eigenständiges Antreten bei der
Abgeordnetenhauswahl im Herbst. Lafontaine hatte Anfang der Woche
ebenso wie WASG-Vorstandsmitglied Klaus Ernst die Entscheidung der
Mehrheit des Führungsgremiums kritisiert, nicht juristisch gegen
die Berliner Wahlbeteiligungsanzeige vorzugehen.
Die WASG-Vorstandsmitglieder Sabine Lösing, Thies Gleiss und
Rainer Spilker sowie die stellvertretende Links-Fraktionschefin Inge
Höger warfen Lafontaine und Ernst ein «unakzeptables»
Verhalten vor. Wer mit «billigen
Verschwörungstheorien» von linker Unterwanderung der WASG
«Spaltungsszenarien» entwerfe, beweise völlige
«Unkenntnis der Wirklichkeit». Die Mehrheit des Vorstands
sei nur nicht bereit gewesen, «den politischen Konflikt in der
Partei mit formalen Maßnahmen oder Gerichtsprozessen zu
lösen».
Lafontaine mahnte, der WASG-Bundesvorstand könne es nicht
zulassen, dass ein Landesverband gegen die Linkspartei antritt:
«Das haben wir in unserem Kooperationsabkommen ausgeschlossen.
Vertragsbrüchig dürfen wir nicht werden.» Der
Ludwigshafener Parteitag müsse deshalb nun klarstellen,
«dass die WASG nicht gegen die Linkspartei kandidiert - und den
Bundesvorstand auffordern, entsprechende rechtliche Schritte
einzuleiten.»
Auch Lafontains Co-Fraktionschef Gregor Gysi betonte, die zwischen der
Linkspartei.PDS und WASG geschlossenen Verträge seien einzuhalten.
Er äußerte sich zugleich zuversichtlich, dass es trotz des
«quälenden Prozesses" bis zum Sommer 2007 zu einer
gemeinsamen Partei kommt. Gysi fügte hinzu: «Davon kann uns
niemand abhalten - auch nicht Wichtigtuer, die sich jetzt
hervortun.»
Zusätzlichen Ärger brachte am Mittwoch die Nachricht, dass
das WASG-Vorstandsmitglied Andreas Wagner künftig als Mitarbeiter
der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag arbeiten will. Ihm droht
nun der Parteiausschluss.
(Quelle: ddp)