Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertzweiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mehr als 20 ausländische Aufständische getötet. Irak
beschuldigt Iran der Bombardierung von PKK-Stellungen
Mo.01.05.06 - Irakische und amerikanische Soldaten haben bei Razzien südlich von
Bagdad mehr als 20 Aufständische aus dem Ausland getötet.
Einige hätten Sprengstoffwesten getragen, teilten die
US-Streitkräfte am Sonntag mit. Die Einsätze um die Ortschaft
Jussifija, rund 20 Kilometer südlich der Hauptstadt, erstreckten
sich den Angaben zufolge über mehrere Wochen. Die Region gilt als
Rückzugsgebiet für Aufständische, die dort
Anschläge in Bagdad vorbereitet haben sollen.
Allein am vergangenen Dienstag seien zwölf Aufständische
getötet worden, darunter mindestens fünf aus dem Ausland,
hieß es in der Erklärung. Anfang April war in der Nähe
von Jussifija ein Kampfhubschrauber der US-Streitkräfte allem
Anschein nach abgeschossen worden, die beiden Insassen kamen ums Leben.
Der frühere US-Außenminister Colin Powell erklärte am
Sonntag in einem Fernsehinterview, er habe der Regierung vor Beginn des
Irak-Kriegs geraten, mehr Soldaten in das Land zu entsenden.
US-Präsident George W. Bush und Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld seien seinen Empfehlungen jedoch nicht gefolgt, sagte Powell
dem britischen Fernsehsender ITV. Kritiker werfen Bush und Rumsfeld
vor, nach der Irak-Invasion vor drei Jahren zu wenige Soldaten vor Ort
stationiert zu haben.
Powell erklärte laut ITV, er habe Rumsfeld und dem für die
damaligen Planungen zuständigen General Tommy Franks seine Ansicht
vorgetragen, Bush sei dabei anwesend gewesen. «Die
Verantwortlichen» hätten jedoch entschieden, «dass die
Truppenstärke angemessen war».
Der anhaltenden Gewalt im Irak fielen am Sonntag erneut mindestens drei
Menschen zum Opfer. In Bagdad wurden die Leichen von sieben
Männern gefunden, die nach Polizeiangaben vor ihrem Tod gefoltert
wurden.
Der irakischen Regierung zufolge sind von religiös motivierten
Anschlägen und Übergriffen schon zehntausende Menschen in die
Flucht getrieben worden. Vizepräsident Aidl Abdul Mahdi sprach am
Sonntag von 100.000 Flüchtlingen. Am Samstag war er mit
Einschätzungen zitiert worden, 100.000 Familien seien auf der
Flucht - da viele irakische Familien mehrere Kinder haben, wäre
die Zahl der Flüchtlinge insgesamt damit deutlich höher. Der
Vizepräsident sei missverstanden worden, erklärte sein
Büro. Die Schiitische Stiftung bezifferte die Zahl der
Flüchtlinge auf 90.000 beziehungsweise 13.750 Familien.
Ein Sprecher der US-Streitkräfte erklärte, die Truppen
hätten keine Hinweise auf eine solche Massenflucht. Vielmehr sei
die Zahl von Gewalttaten mit konfessionellem Hintergrund in der Gegend
um Bagdad in der vergangenen Woche um 60 Prozent zurückgegangen.
Die irakischen Behörden haben den Iran beschuldigt, Stellungen der
verbotenenen Kurdenguerilla PKK im Nordirak bombardiert zu haben.
Fünf Kilometer hinter der Grenze seien mehr als 180
Artilleriegranaten auf irakischem Territorium in der Nordprovinz Erbil
eingeschlagen, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten
Erklärung des Verteidigungsministeriums in Bagdad. Die
Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) die für eine kurdische Autonomie
kämpft, wird von der Türkei, der Europäischen Union und
den USA als Terrororganisation eingestuft. Die Kurden beschuldigen
Teheran, bei der Niederschlagung ihrer Bewegung mit Ankara
zusammenzuarbeiten.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 01.05.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertundsiebten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Afghanistan: Taliban enthaupten entführten indischen Ingenieur
Mo.01.05.06 - Die radikal-islamischen Taliban-Rebellen haben in Afghanistan einen
indischen Ingenieur entführt und enthauptet. Die Leiche des
41-jährigen Inders sei am Sonntag von der Verkehrspolizei in der
südlichen Provinz Sabul gefunden worden, sagte der Sicherheitschef
des Schah-Dschoe-Bezirks, General Amir Mohammed.
Ein Sprecher der Taliban hatte zuvor erklärt, der Inder habe zu
fliehen versucht und sei dabei erschossen worden.
Der 41-Jährige hatte für eine Bau- und Telekom-Firma aus
Bahrain gearbeitet und war am Freitag entführt worden. Die Taliban
hatten ultimativ verlangt, alle Inder, die die US-Präsenz in
Afghanistan unterstützten, sollten das Land verlassen.
Unterdessen starben bei verschiedenen gewaltsamen Zwischenfällen
neun Taliban und drei afghanische Polizisten. Die Rebellen wurden nach
Behördenangaben am Samstag bei einem Gefecht in der Provinz
Kandahar getötet. Die Polizisten starben am selben Tag, als eine
Rakete ihren Streifenwagen in der Südprovinz Helmand traf.
(Quelle: dpa)
Israel beschließt Änderungen am Verlauf des Grenzwalls
Mo.01.05.06 - Das israelische Kabinett hat am Sonntag einige Änderungen im
Verlauf des umstrittenen Grenzwalls zum Westjordanland beschlossen.
Demnach sollen die palästinensischen Wohnviertel im Bereich der
jüdischen Siedlung Ariel vom israelischen Territorium abgetrennt
werden. Bislang war geplant, einige dieser palästinensischen
Gegegenden auf der israelischen Seite zu belassen, was den Betroffenen
bessere Arbeitsmöglichkeiten eröffnet hätte.
Die Umzäunung der Siedlung Ariel ist besonders heftig umstritten,
da diese mitten auf palästinensischem Gebiet liegt. Der israelische
Ministerpräsident Ehud Olmert plant eine einseitige Festlegung der
Grenzen und will den Sperrwall schon bis Ende dieses Jahres vollenden.
Im Umkreis von Jerusalem erteilte er die Anweisung zur Errichtung eines
temporären Zauns in Gegenden, wo der endgültige Verlauf noch
nicht geklärt ist. Israelische Menschenrechtsgruppen kritisieren,
dass damit den anhängigen Entscheidungen beim Obersten Gerichtshof
vorgegriffen werde.
(Quelle: ap)
Rebellen lehnen Entwurf für Darfur-Friedensabkommen ab
Mo.01.05.06 - Vertreter sudanesischer Rebellen haben am Sonntag den Entwurf für
ein Abkommen zur Befriedung der Krisenregion Darfur
zurückgewiesen. Die Regierung dagegen hatte ihre Bereitschaft zur
Unterzeichnung des Dokuments erklärt, das von Vermittlern der
Afrikanischen Union (AU) vorgelegt wurde. Sie signalisierte die
Bereitschaft aber erst, nachdem abzusehen war, dass die Rebellen nicht
zustimmen werden. Die AU hatte ein Frist zur Beendigung ihrer
Gespräche in der nigerianischen Hauptstadt Abuja bis Sonntag
gesetzt.
Ein Rebellensprecher bemängelte, dass der Entwurf nicht
hinreichend die Frage beantworte, wie das Friedensabkommen umgesetzt
werden soll. Außerdem berücksichtige das Dokument nicht die
Hauptforderungen der Rebellen nach einem Vizepräsidenten für
Darfur und mehr Autonomie für die Region, sagte Hahmed Hussein von
der Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit. Er bezeichnete den
Entwurf als unausgewogen. «So werden wir ihn nicht
unterschreiben.» Ein Sprecher der zweiten großen
Rebellengruppe, der Sudanesischen Befreiungsbewegung, bat um mehr Zeit
für weitere Gespräche.
AU-Sprecher Noureddine Mezni verwies auf das am Sonntagabend
auslaufende Vermittlungsmandat. Eine Teilvereinbarung könnte aber
neue Optionen eröffnen.
(Quelle: ap)
UNO: 21.000 Menschen in Sri Lanka auf der Flucht
Mo.01.05.06 - Nach der jüngsten Gewalt in Sri Lanka sind nach UN-Angaben mehr
als zwanzigtausend Menschen auf der Flucht. 6000 Familien oder rund
21.000 Menschen hätten ihre Häuser verlassen müssen,
teilte das UN-Büro in der Hauptstadt Colombo mit. Sie seien vor den
Luftangriffen der Regierung auf die Stadt Trincomalee geflohen. Bei
Kämpfen zwischen rivalisierenden Rebellengruppen wurden im Osten
der Insel mindestens 18 Aufständische getötet und zahlreiche
weitere verletzt. Die Regierung in Colombo sagte aus Furcht vor
Anschlägen alle Kundgebungen am 1. Mai ab.
Die UNO habe mit der Auslieferung von Hilfsgütern in die Region
begonnen, teilte das UN-Büro weiter mit. Seit dem Ende der Attacken
am Mittwoch sei es in Trincomalee zu keiner neuen Gewalt gekommen. Es
sei deshalb damit zu rechnen, dass die Vertriebenen in näherer
Zukunft wieder in ihren Häuser zurückkehren.
Die Armee hatte am Dienstag mehrere Luftangriffe geflogen. Sie
reagierte damit auf den Selbstmordanschlag auf ihr Hauptquartier in
Colombo. Dabei waren insgesamt elf Menschen getötet und 30 weitere
verletzt worden. Der Anschlag ging auf das Konto der
Rebellenorganisation Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE).
Nach Informationen der LTTE-nahen Internetseite Tamilnet töteten
LTTE-Elitekämpfer bei dem Angriff auf eine Splittergruppe 15 Gegner
und zerstörten Waffen. Ein Militärsprecher bestätigte,
dass in abgehörten Funksprüchen von acht Toten auf Seiten der
LTTE und zehn auf Seiten der Abtrünnigen unter V. Muralitharan
alias Oberst Karuna die Rede gewesen. Die Kämpfe fanden demnach im
LTTE-kontrollierten Gebiet von Welikanda im Osten statt.
Aus Angst vor weiteren Selbstmordanschlägen wurden Demonstrationen
zum Tag der Arbeit abgesagt. Die Regierung habe alle Parteien gebeten,
auf Kundgebungen zu verzichten, sagte Planungsminister Keheliya
Rambukwella. Es handele sich nicht um eine Anordnung, sondern um eine im
Konsens getroffene Entscheidung.
Beim jüngsten Selbstmordattentat hatte sich am Dienstag eine
Attentäterin in Colombo in die Luft gesprengt und zehn Menschen mit
in den Tod gerissen. Der Armeechef Sarath Fonseka wurde bei dem
Attentat schwer verletzt. Die LTTE kämpft seit 1972 für die
Unabhängigkeit der Tamilengebiete im Norden und Osten Sri Lankas;
60.000 Menschen wurden seitdem getötet. Inzwischen fordert die LTTE
nur noch eine umfassende Autonomie. Ihre Beteiligung an den
Friedensgesprächen mit der Regierung hatte die LTTE am 20. April
endgültig ausgesetzt.
(Quelle: afp)
22 Tote bei Überfall auf Dorf im indischen Teil Kaschmirs
Mo.01.05.06 - Mutmaßliche Islamisten haben im indischen Teil Kaschmirs ein Dorf
überfallen und 22 Hindus getötet. Fünf weitere Hindus
wurde nach Polizeiangaben vom Montag bei dem Überfall am Sonntag
in Thava verletzt. Einige der Dorfbewohner konnten fliehen und
Sicherheitskräfte in einem nahe gelegenen Militärlager
alarmieren. Bis zu deren Eintreffen seien die Angreifer aber
geflüchtet.
Zuvor hatte die Polizei in einem Dorf im Bezirk Udhampur die Leichen
von vier hinduistischen Hirten entdeckt, die gemeinsam mit fünf
weiteren am Samstag entführt worden waren. Über das Schicksal
der anderen war nichts bekannt.
Im indischen Teil Kaschmirs kämpfen mehr als ein Dutzend militante
muslimische Gruppen für die Unabhängigkeit des Gebiets von
Indien oder seinen Anschluss an Pakistan. Der Konflikt kostete seit
1989 mehr als 66.000 Menschen das Leben.
(Quelle: ap)
Großdemonstration gegen geplante Zellstofffabriken in Uruguay
Mo.01.05.06 - Rund 100.000 Menschen haben am Sonntag in Argentinien gegen zwei im
Nachbarland Uruguay geplante Zellstofffabriken demonstriert. Kritiker
des Bauprojekts befürchten schwere Umweltschäden in der
Region. Die Demonstranten zogen von der argentinischen Grenzstadt
Gualeguaychu auf der internationalen Brücke in Richtung der
uruguayischen Stadt Fray Bentos, wo die Fabriken gebaut werden. Sie
wurden aber von argentinischen Polizisten am Grenzübertritt
gehindert. Der Protest verlief friedlich.
Nach uruguayischen Angaben halten die beiden Fabriken internationale
Umweltstandards ein. Zugleich entstünden 600 Arbeitsplätze,
darüber hinaus seien nach der schweren Wirtschaftskrise von 2002
dringend benötigte Einnahmen in Millionenhöhe zu erwarten.
Das Projekt belastet indes die traditionell engen
argentinisch-uruguayischen Beziehungen. Der argentinische
Präsident Nestor Kirchner rief seinen uruguayischen Kollegen
Tabare Vazquez in diesem Jahr bereits zwei Mal auf, die Bauarbeiten
für 90 Tage auszusetzen und eine Umweltstudie durchzuführen.
Sollte keine Lösung in dem Streit gefunden werden, werde er das
Thema vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag bringen,
erklärte Kirchner.
(Quellen: dpa, ap)
EU-Frist für Mladic-Auslieferung abgelaufen
Mo.01.05.06 - Trotz des Ablaufs einer Frist der Europäischen Union zur
Auslieferung von Ratko Mladic gab es in Serbien auch am Sonntag
keinerlei Anzeichen für eine bevorstehende Festnahme des wegen
Kriegsverbrechens gesuchten Ex-Generals.
Die EU hatte verlangt, dass Belgrad den früheren Armeechef der
bosnischen Serben bis Ende April ausliefert. Andernfalls würden die
Gespräche über engere Verbindungen zwischen Serbien und der
EU unterbrochen.
Der serbische Außenminister Vuk Draskovic beklagte, dass Mladic
und andere angeklagte Kriegsverbrecher, die auf der Flucht sind, die
«eigentlichen Chefs» des Belgrader Verhandlungsteams mit der
EU seien. Von denen hänge es ab, ob die Verhandlungen fortgesetzt
oder jäh beendet würden, zitierte ihn der Sender B92.
Justizminister Zoran Stojkovic sagte, die Regierung werde auch im Falle
des drohenden Abbruchs der Verhandlungen mit der EU weiter mit dem
UN-Tribunal kooperieren. «Die Zusammenarbeit mit dem Tribunal ist
für uns kein Tauschgeschäft», zitierten ihn die Medien.
Die serbische Regierung hatte sich verpflichtet, Mladic bis Ende April
auszuliefern. Mladic gilt unter anderem als verantwortlich für das
Massaker in der damaligen UN-Schutzzone Srebrenica im Osten Bosniens, wo
seine Soldaten im Juli 1995 etwa 8000 bosnische Muslime töteten.
(Quelle: dpa)
EU will keine Subventionen für Firmen-Verlagerung mehr zahlen
Mo.01.05.06 - Die Europäische Union will die Verlagerung größerer
Betriebe innerhalb der EU nicht mehr subventionieren. Das solle am
Mittwoch in Brüssel beschlossen werden, bestätigte das
deutsche Wirtschaftsministerium. Firmen, die große Projekte und
damit eine hohe Zahl Arbeitsplätze innerhalb der EU verlagern,
würden dann ab 2007 keine EU-Mittel mehr erhalten. Deutschlands
Wirtschaftsminister Michael Glos hatte gefordert, dass die EU-Kommission
bei negativen Auswirkungen für ein EU-Land die Förderung
ablehnen kann.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Paul Spiegel ist tot
Mo.01.05.06 - Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul
Spiegel, ist tot. Der 68-Jährige starb nach Angaben des
Zentralrats-Generalsekretärs Stephan Kramer in der Nacht zu Sonntag
in einem Düsseldorfer Krankenhaus nach langer schwerer Krankheit.
Spiegel hatte im Februar einen Herzinfarkt. Außerdem litt er an
einer Blutkrankheit. Er verstarb im Beisein seiner Familie.
Spiegel war vor rund zwei Wochen aus einem Koma wieder erwacht. In der
vergangenen Woche war es dann aber nach Aussage von Kramer erneut zu
Komplikationen gekommen. «Sein Tod ist furchtbar tragisch. Das ist
ein großer Verlust für die jüdische
Gemeinschaft», sagte Kramer. Dieter Graumann, Mitglied im
Direktorium und Präsidium des Zentralrats, betonte: «Für
uns ist ein Licht der Wärme, Herzlichkeit und Freundlichkeit
erloschen.»
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte mit «Trauer und
tiefer Erschütterung» auf die Nachricht vom Tod von Spiegel.
Er habe sich »mit großer Leidenschaft und all seiner Kraft
für eine gute Zukunft der jüdischen Gemeinschaft in
Deutschland eingesetzt», sagte Merkel in Berlin.
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) nannte Spiegel
einen «großen Deutschen und einen großen Juden».
Mit seinem Wirken habe er das Vertrauen der Juden in die deutsche
Demokratie bekräftigt. Er habe nicht geschwiegen, wenn es etwas zu
sagen, zu kritisieren oder zu mahnen gab. «Sein Wort hatte
Gewicht und wird uns fehlen. Paul Spiegels Tod ist ein großer
Verlust für uns Deutsche», betonte Rüttgers.
SPD-Landeschef Jochen Dieckmann bezeichnete Spiegel als einen
«engagierten, streitbaren, aber auch liebenswürdigen
Demokraten aus Nordrhein-Westfalen». «Sein jahrzehntelanger
Einsatz für die Aussöhnung von Christen und Juden, für
den Frieden im Nahen Osten und besonders auch gegen den
Rechtsextremismus in unserem Land bleibt unvergessen und ist uns ein
Vermächtnis, das uns verpflichtet», betonte Dieckmann.
Mit Bestürzung und Trauer reagierte auch der Vorsitzende der
FDP-Fraktion im Düsseldorfer Landtag, Gerhard Papke. Die Arbeit von
Spiegel hinterlasse tiefe Spuren, sagte Papke. Er habe die besondere
Rolle, die dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland
immer zukommen wird, mit großer Umsicht und moralischer
Autorität ausgefüllt.
Spiegel, geboren am 31. Dezember 1937 im münsterländischen
Warendorf, arbeitete nach dem Abitur zunächst als Journalist.
Später betrieb er eine Künstleragentur. Bereits in den 60er
Jahren engagierte er sich in der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf
und sowie im Zentralrat der Juden, dessen Präsident er im Januar
2000 wurde. Sein Anliegen war vor allem die Integration der
Neu-Einwanderer aus Osteuropa.
(Quelle: ddp)
Mai-Demonstrationen unter dem Motto 'Deine Würde ist unser
Maß'
Mo.01.05.06 - Die traditionellen Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum
1. Mai stehen in diesem Jahr unter dem Motto «Deine Würde ist
unser Maß». Insgesamt sind mehr als 400 größere
politische Veranstaltungen geplant, zu denen wie im Vorjahr gut eine
halbe Million Teilnehmer erwartet werden. Die zentrale
Gewerkschaftsveranstaltung findet in Wolfsburg statt. Hauptredner wird
DGB-Chef Michael Sommer sein. In Berlin wird ver.di-Chef Frank Bsirske
zu den Kundgebungsteilnehmern sprechen.
Inhaltliche Schwerpunkte sollen nach Gewerkschaftsangaben in diesem
Jahr neben der Arbeitswelt die Gesundheits- und Rentenpolitik sein. Im
Bereich Arbeitsmarkt soll die Forderung nach einem Mindestlohn sowie die
Ablehnung eines gelockerten Kündigungsschutzes bekräftigt
werden. Als weitere Themen stehen die Bildungs- und Familienpolitik auf
dem Programm.
Abseits der zentralen Veranstaltung in Wolfsburg werden weitere
Gewerkschaftschefs am 1. Mai auftreten wie IG BAU-Chef Klaus
Wiesehügel in Regensburg, IG-Metall-Chef Jürgen Peters in
München, der NGG-Vorsitzende Franz-Josef Möllenberg in
Würzburg, Transnet-Chef Norbert Hansen in Frankfurt/Main,
IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt in Osnabrück und Ibbenbüren
sowie der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne in Stuttgart.
Auseinandersetzungen befürchtet die Polizei anlässlich des 1.
Mai in Rostock. Der zentralen Kundgebung der rechtsextremistischen NPD
steht eine Gegendemonstration der Antifa gegenüber, zudem hat ein
breites Bündnis aus Gewerkschaften, Landtags- und
Bundestagsparteien sowie Bürgerbewegungen Protest gegen die NPD
angekündigt.
(Quelle: ddp)
Linkspartei und WASG nahmen weitere Fusionshürde
Mo.01.05.06 - Linkspartei und WASG haben eine weitere entscheidende Hürde auf
dem Weg zu einer neuen Partei links von der SPD genommen.
Parteitage der umbenannten PDS und der Wahlalternative Arbeit und
Soziale Gerechtigkeit (WASG) beschlossen am Wochenende, ihren für
Sommer 2007 geplanten Zusammenschluss voranzutreiben. Während die
Linkspartei nach kurzer Diskussion in Halle dem Vorhaben zustimmte, fiel
die Entscheidung bei der WASG erst nach stundenlanger, kontroverser
Debatte. Die WASG forderte ihren Berliner Landesverband auf, auf den
umstrittenen Antritt bei der Wahl im September zu verzichten und
beschloss, ihm die politische und finanzielle Unterstützung zu
entziehen. Mehrere WASG-Vorstandsmitglieder erklärten daraufhin
ihren Rücktritt. Der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Gregor
Gysi, sicherte der kleineren WASG eine gleichberechtigte Fusion zu und
drängte ebenso wie der wiedergewählte Parteivorsitzende
Lothar Bisky auf Tempo beim Zusammenschluss.
"Am Ende dieses Prozesses soll eine neue linke gesamtdeutsche Partei
stehen", heißt es im Parteitagsbeschluss der WASG, der am
Samstagabend in Ludwigshafen mit 186 zu 107 Stimmen fiel. Die Berliner
WASG wurde aufgefordert, ihre Kandidatur zum Abgeordnetenhaus
zurückzuziehen. Geschehe dies nicht, sei der Bundesvorstand
aufgefordert, "alle Maßnahmen zu prüfen und gegebenenfalls zu
ergreifen, um dem Willen des Bundesparteitages Geltung zu verschaffen".
Parteiausschlüsse und die Auflösung des Landesverbandes
sollten aber vermieden werden. Zuvor hatte der Chef der Linksfraktion,
Oskar Lafontaine, vor Alleingängen gewarnt und war dafür von
Delegierten ausgebuht. worden. Die Vorstandsmitglieder Joachim
Bischoff, Björn Radtke und Sabine Lösing erklärten am
Sonntag, sie könnten diesen Beschluss nicht umsetzen und traten
zurück. Die Berliner WASG-Spitzenkandidatin Lucy Redler sagte
Reuters, der Parteitagsbeschluss ändere nichts an der Entscheidung
ihrer Landesorganisation. Sie gehe davon aus, dass der Landesverband an
seiner Kandidatur festhalten werde.
Der Fusionsbeauftragte der Linkspartei, Bodo Ramelow,
äußerte sich zuversichlich, dass der WASG-Bundesvorstand den
Beschluss umsetzen wird. Die von der trotzkistischen Sozialistischen
Alternative (SAV) dominierte Berliner WASG will entgegen vertraglichen
Absprachen bei der Wahl im September gegen die mit der SPD regierende
Linkspartei antreten. Die WASG in der Hauptstadt wirft der Linkspartei
eine neoliberale Politik vor. Ramelow forderte die SAV auf, zur Partei
zu werden und "das Entern von Organisationen" zu beenden.
Im Gegensatz zur WASG nahm die Linkspartei in Halle den
Fusionsbeschluss ohne große Diskussion an. Gysi warnte PDS und
WASG am Sonntag vor einem Scheitern ihres für Sommer 2007 geplanten
Zusammenschlusses. Die Bildung einer gesamtdeutschen linken Partei
biete eine "ungeheure gesellschaftliche Chance, die zu verspielen wir
nicht das geringste Recht haben", sagte er. Es werde einen
Zusammenschluss ohne Unterordnung eines unter den anderen Partner
geben. Nachdrücklich bekannte sich Gysi zum Bruch seiner Partei mit
dem Stalinismus, der Gründungskonsens der PDS gewesen sei. "Mit
uns gibt es nie wieder einen diktatorischen oder autokratischen
Sozialismus, nur noch einen demokratischen Sozialismus." Demokratischer
Sozialismus sei die Vollendung der Einheit von sozialen und
bürgerlichen Rechten. Wie Parteichef Bisky rief Gysi zur Eile auf.
Dagegen warnte Ramelow mit Blick auf schwierige organisatorische und
rechtliche Probleme vor übereilten Schritten. Der Neubildung der
Partei müssen Parteitage und die Mitglieder von Linkspartei und
WASG zustimmen.
Bisky kündigte nach seiner Wiederwahl an, sich ganz auf die Fusion
zu konzentrieren. "Wir werden eine neue, gesamtdeutsche linke Partei",
sagte der mit 88,5 Prozent im Amt bestätigte Bisky. Lafontaine
schloss nicht aus, für den Vorsitz der neuen Partei zu kandidieren.
"Ich kann mir das gut vorstellen", sagte der frühere SPD-Chef der
in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" (Montagausgabe).
Bei der Neuwahl des Vorstandes der Linkspartei setzte sich Bisky mit
seinen Personalvorschlägen durch. Seine Stellvertreter Katja
Kipping und Wolfgang Methling wurden wiedergewählt. Neu im Kreis
der Vizevorsitzenden ist Katina Schubert. Auch
Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch wurde wiedergewählt.
(Quelle: rtr)
Dokumentation: Beschlüsse des WASG-Sonderparteitages
Der Sonderparteitag der linken Wahlalternative Arbeit und Soziale
Gerechtigkeit (WASG) hat sich für ein Festhalten an der geplanten
Fusion mit der Linkspartei ausgesprochen. Außerdem beschloss der
Parteitag, konkurrierende Wahlantritte zu verhindern. Nachfolgend die
wichtigsten Auszüge aus den Beschlüssen:
- FUSION:
«Die Urabstimmung der Mitglieder der WASG im März 2006 hat
mit großer Mehrheit beschlossen, "den Parteibildungsprozess
zwischen WASG und Linkspartei unter Einbeziehung der sozialen Bewegungen
fortzusetzen. Am Ende dieses Prozesses soll eine neue linke
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gesamtdeutsche Partei stehen". Der Bundesvorstand ist aufgefordert,
"bis Herbst 2006 den Mitgliedern Vorschläge für ein Programm,
eine Satzung und den zeitlichen und organisatorischen Ablauf der
Neubildung einer linken Partei zur Diskussion vorzulegen". Auf Basis des
Votums der Urabstimmung beauftragt der 3. Parteitag den Bundesvorstand
(...) mit folgenden weiteren Schritten:
(...)
Dabei tritt die WASG für einen Zusammenschluss auf gleicher
Augenhöhe ein, die mit Neuwahlen auf allen hierarchischen Ebenen
verbunden ist.
(...)
Eine generelle Festlegung, ob und wie und wann eine linke Partei sich
an Regierungen beteiligen sollte, ist nicht sinnvoll. An einer Regierung
in Land oder Bund werden wir uns nur dann beteiligen, wenn dies zu
einem grundlegenden Politikwechsel in Richtung unserer Forderungen
führt.»
- WIDERSPENSTIGE LANDESVERBÄNDE:
«Der Bundesparteitag erwartet von der Berliner
Landesorganisation, die Wahlanzeige und die eingereichten Listen sofort
zurückzuziehen. (...) Der Bundesvorstand wird aufgefordert, falls
die Wahlanzeige nicht zurückgezogen wird, alle Maßnahmen zu
prüfen und gegebenenfalls zu ergreifen, um dem Willen des
Bundesparteitages Geltung zu verschaffen. Parteiausschlüsse und die
Auflösung des Berliner Landesverbandes sollen dabei vermieden
werden. (...) Der Beschluss gilt sinngemäß für andere
eigenständige Wahlantritte.»
Quelle: dpa, 30.04.2006
|
Grafiker Klaus Staeck neuer Präsident der Akademie der Künste
Mo.01.05.06 - Der Polit-Grafiker Klaus Staeck will als neu gewählter
Präsident der Berliner Akademie der Künste mit
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und allen Künstlern eine
«große Koalition der Kultur» bilden.
«Das wird umso wichtiger werden, wenn die Kultur am
Kabinettstisch oder in den Medien das letzte Rad am Wagen ist»,
sagte der 68-jährige Plakatkünstler, Sozialdemokrat und
studierte Jurist aus Heidelberg. «Da spielt die
Parteizugehörigkeit keine Rolle», betonte Staeck. «Ich
bin aber auch keine Girlande der Politik, die weggeschoben werden kann,
wenn es mal schweren Regen gibt.»
Vor seiner Wahl hatte Staeck in einem Interview gesagt, er habe leider
bisher fast überhaupt keinen Politiker getroffen, «der
beraten werden möchte und den Rat dann auch annimmt». Die
Akademie wird vom Bund jährlich mit 18 Millionen Euro finanziert
und hat den satzungsgemäßen Auftrag, die Bundesrepublik in
Fragen der Kunst und Kultur «zu beraten».
«Was sind das für Zeiten, in denen ein Satiriker zum
Präsidenten gewählt wird», sagte Staeck bei der Annahme
der Wahl. Jetzt soll er die renommierte, über 300 Jahre alte
Berliner Akademie der Künste mit ihrem problematischen Neubau am
Brandenburger Tor aus einer ihrer schwersten Krisen führen.
Am Samstag war Staeck überraschend und mit großer Mehrheit
zum Nachfolger des zurückgetretenen Präsidenten Adolf Muschg
gewählt worden, obwohl er zunächst abgewinkt hatte. Von den
etwa 370 in- und ausländischen Mitgliedern waren knapp über
100 zur Frühjahrs- Mitgliederversammlung erschienen. Nach
dpa-Informationen hatten auch der Komponist Udo Zimmermann und Muschgs
Vorgänger György Konrad kandidiert. Nachfolger Peter
Härtlings als Direktor der Sektion Literatur wurde Volker Braun.
Die Darstellende Kunst leitet der Regisseur Thomas Langhoff.
Staeck kündigte eine «kämpferische Akademie» an,
die den Streit nach innen und nach außen «ohne faule
Kompromisse» suchen werde. Themen gebe es genug, zum Beispiel die
Föderalismusreform, das Urheberrecht, Wissenschafts- und
Umweltfragen oder die zurückgehenden Kultursendungen im
öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen.
Sein Vorgänger Muschg wünschte Staeck viel Glück und
sagte der Nachrichtenagentur dpa ergänzend: «Ich bin froh,
dass die Akademie einen Mann von Format gewählt hat, der mit viel
Realismus und gesundem Menschenverstand die Polarisierung in der
Akademie abbauen kann.» Staeck war von dem Dramatiker Rolf
Hochhuth öffentlich für das Amt vorgeschlagen worden.
«Klaus Staeck ist ein großer Künstler, in dessen Werk
die Politik im Zentrum steht», sagte Hochhuth der dpa. Er
gehöre an die Spitze der Akademie, weil er mit seinen Plakaten
jahrzehntelang Mut demonstriert habe.
Der Grafiker gehört seit mehr als drei Jahrzehnten zu den
profiliertesten und gefragtesten politischen Plakatkünstlern
Deutschlands. In den letzten Bundestagswahlkämpfen engagierte sich
Staeck mit seiner Bürgerinitiative «Aktion für mehr
Demokratie», die allerdings auch kritische Töne
gegenüber der rot-grünen Bundesregierung anschlug.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
US-Ökonom und Kapitalismuskritiker John Kenneth Galbraith ist tot
Mo.01.05.06 - Der US-Ökonom und Kapitalismuskritiker John Kenneth Galbraith ist
tot: Galbraith starb am Samstag im Alter von 97 Jahren in einem
Krankenhaus in Cambridge im US-Bundeststaat Massachusetts, wie die "New
York Times" berichtete. Der Sozialkritiker und Präsidentenberater,
der auch als Romancier und Diplomat reüssierte, war einer der
meistgelesenen Wirtschaftsautoren.
Mit seiner Kritik an der Konsumgesellschaft wurde Galbraith auch einem
größeren Publikum bekannt. In seinem Hauptwerk "Gesellschaft
im Überfluss" ("The affluent society") thematisiert er den
Überfluss an privaten Gütern. Bereits 1958 warnte er vor den
Wachstumsfolgen für die Umwelt.
Galbraith wurde am 15. Oktober 1908 in Iona Station in der kanadischen
Provinz Ontario geboren. Nach Aufnahme seines
wirtschaftswissenschaftlichen Studiums am Ontario Agricultural College
im Jahr 1931 wechselte er in die USA nach Kalifornien, wo er 1934 an der
renommierten Universität in Berkeley promovierte. 1937 nahm er die
US-Staatsbürgerschaft an und lehrte später an der
Eliteuniversität Havard.
In den 50er Jahren entwickelte er seine Theorie zur Preiskontrolle. In
seinem Buch "American Capitalism" kritisierte er, dass der
Nachkriegsboom in den USA nicht auf richtiger sondern falscher Preis-
und Lohnpolitik beruhe. Die Armen hätten nun einmal keine Lobby,
befand Galbraith.
Galbraith gehörte dem Beraterstab der Präsidenten Franklin D.
Roosevelt und John F. Kennedy an. Unter Roosevelt war er mit
Inflationskontrolle betraut. Nach dem Zweiten Weltkrieg beriet er die
Verwaltungen in den besetzten Ländern Deutschland und Japan.
Kennedy ernannte den Querdenker später zum Botschafter in Indien,
wo Galbraith von 1961 bis 1963 US-Interessen vertrat. Mehrere von
Galbraith geprägte Begriffe, wie etwa Überflussgesellschaft
und Gegenmacht hielten Einzug in die Alltagssprache. Er
veröffentlichte 33 Bücher.
(Quelle: afp)
Mehr in der taz vom 02.05.06:
http://www.taz.de/pt/2006/05/02/a0145.1/text