Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertdreiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Bush sagt weitere 'Tage mit Opfern und Kampf' im Irak voraus.
Irakischer Präsident steht in Kontakt mit Aufständischen.
Powell übt indirekt Kritik an US-Strategie im Irak
Di.02.05.06 - Die Amerikaner müssen sich nach Einschätzung von
US-Präsident George W. Bush auf weitere Opfer im Irak einstellen.
Es werde noch weitere «Tage der heftigen Kämpfe und der
Opfer» geben, sagte er in seiner wöchentlichen
Rundfunkansprache. Die Bildung einer neuen irakischen Regierung sei zwar
ein «wirklicher Rückschlag» für die Gegner im
Irak. Dieser «Meilenstein» bedeute aber kein Ende der
Gewalt.
Der irakische Präsident Dschalal Talabani steht nach eigenen
Angaben in Kontakt mit verschiedenen Widerstandsgruppen. Er sei
zuversichtlich, dass die Aufständischen zu einem Waffenstillstand
bereit seien, hieß es in einer Erklärung. «Ich glaube,
dass ein Abkommen mit den sieben bewaffneten Gruppen erreicht werden
kann, die mich besucht haben», wurde Talabani zitiert. Um welche
Gruppen es sich dabei handelt, wurde nicht bekannt.
Es ist das erste Mal, dass die irakische Führung offiziell
Gespräche mit Aufständischen eingeräumt hat. Die
Terrorgruppe Al Kaida im Irak unter Abu Mussab al Sarkawi betreibe einen
gegen das irakische Volk gerichteten Genozid, sagte Talabani der am
Sonntag veröffentlichten Erklärung zufolge bei einem Treffen
mit Vertretern der kurdischen Volksgruppe. «Aber es gibt noch
andere Gruppen außer den Saddamisten und Sarkawisten ... und wir
versuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, damit sie sich dem
politischen Prozess anschließen», erklärte der
Präsident. Talabanis Sicherheitsberater Wafik al Samaraei sagte dem
Fernsehsender Al Arabija, Ziel sei es, einen Keil zwischen die
religiösen Fanatiker und die anderen Aufständischen zu treiben.
Unterdessen hielt die Gewalt im Irak an. Drei Sprengsätze
explodierten allein am Montag in Bagdad. Zwei Iraker wurden bei den
Detonationen verletzt. Am Sonntag kamen mindestens zwölf Menschen,
darunter zwei Kinder, bei Anschlägen im ganzen Land ums Leben. In
der Hauptstadt wurden die Leichen von sieben Männern gefunden, die
nach Polizeiangaben vor ihrem Tod gefoltert wurden.
Der frühere US-Außenminister Colin Powell hat in einem
Interview des britischen Fernsehsenders ITV die Militärstrategie
der US-Regierung zu Beginn des Irak-Kriegs in Frage gestellt. Er habe
der Regierung noch vor der Invasion im März 2003 empfohlen, mehr
Truppen in den Irak zu senden. Entsprechend habe er sich in Anwesenheit
von US-Präsident George W. Bush gegenüber dem damals für
die Invasion zuständigen General Tommy Franks und
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld geäußert. Man habe
seine Argumente angehört, die Verantwortlichen hätten aber
entschieden, dass die Truppenstärke angemessen sei, erklärte
Powell in dem am Sonntag ausgestrahlten Interview.
US-Außenministerin Condoleezza Rice, damals nationale
Sicherheitsberaterin, bestätigte die Ausführungen Powells
nicht, sie dementierte sie aber auch nicht. Sie sagte dazu im
US-Fernsehen, sie erinnere sich im Einzelnen nicht an ein solches
Gespräch. Sie sei aber sicher, dass es viele Diskussionen
darüber gegeben habe, wie die Mission im Irak am besten zu
erfüllen sei. Sie habe keinen Zweifel daran, dass all dies
berücksichtigt worden sei, erklärte Rice im Sender CNN.
Letztlich sei der Präsident aber seinen militärischen Beratern
gefolgt, die den Plan ausführen mussten.
Im Januar hatten Pentagon-Vertreter eingeräumt, dass der damalige
Leiter der US-Zivilverwaltung im Irak, Paul Bremer, eine deutlich
höhere Zahl von US-Soldaten gefordert hatte. Bremer erklärte,
in einem Schreiben an Rumsfeld habe er im Mai 2004 erklärt, eine
halbe Million Soldaten würden gebraucht, um den Aufstand effektiv
zu bekämpfen - mehr als drei Mal so viele, wie damals
tatsächlich im Irak stationiert waren. Sein Rat sei aber verworfen
worden.
Powell sagte, die Militärberater des Präsidenten seien der
Ansicht gewesen, dass die Truppenstärke angemessen sei.
«Vielleicht glauben sie das immer noch. Ich nicht», sagte
Powell. Die Berater, auf die Bush gehört habe, hätten eine
andere Situation unmittelbar nach dem Fall von Bagdad vorhergesagt.
«Sie war dann nicht ganz so, wie sie das erwartet hatten.»
In New York forderten zigtausend Amerikaner bei einer
Großkundgebung am Samstag den sofortigen Abzug der US-Truppen aus
dem Irak. «Wir sind heute hier, weil der Krieg
unrechtmäßig, unmoralisch und unethisch ist», sagte der
Geistliche und Bürgerrechtler Al Sharpton. Die Organisatoren der
Demonstration sprachen von 300.000 Teilnehmern. Seit Kriegsbeginn kamen
mindestens 2.399 US-Soldaten im Irak ums Leben.
(Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 02.05.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertundachten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.02.05.05 - Gewerkschafter und Kommunisten protestieren in Bagdad zum 1. Mai +++ Bei
Anschlagswelle seit der Regierungsbildung kamen insgesamt 99 Menschen
ums Leben. Allein 25 Tote bei Bombenanschlag auf Trauergesellschaft im
Nordirak +++ Fünf Iraker gestehen Mord an CARE-Leiterin Hassan +++ Laut
Zeitungsbericht erwog Blair bereits im Sommer 2002 Teilnahme an
Irak-Krieg +++ Rom veröffentlicht eigenen Bericht zu Calipari-Tod +++
US-Soldatin Lynndie England will sich schuldig bekennen. Syrien nimmt wieder
diplomatische Beziehungen zum Irak auf...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0505020.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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USA bringen Maßnahmen gegen Iran ohne UN ins Gespräch
Di.02.05.06 - Im Konflikt um das iranische Atomprogramm haben die USA ein Vorgehen
gegen das Land auch außerhalb von Entscheidungen des
UN-Sicherheitsrats nicht ausgeschlossen.
Angesichts der ablehnenden Haltung der Vetomächte Russland und
China gegen eine härtere Gangart versuchen die USA damit offenbar,
den Druck auf die iranische Regierung zu erhöhen. Der Iran selbst
zeigte sich am Sonntag weiterhin kompromisslos und kündigte
für den Fall eines Militärschlags einen sofortigen
Gegenangriff an. Hinter den Kulissen wägen Diplomaten derweil das
Für und Wider möglicher Sanktionen gegen den
viertgrößten Ölexporteur ab.
US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte in der Fernsehsendung
"Face the Nation" des Senders CBS, wenn der Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen (UN) nicht schnell genug handele, würden die US-Regierung
und ihre Verbündeten nicht warten. Sie sagte aber auch, noch
stünden dem UN-Sicherheitsrat eine ganze Reihe diplomatischer
Möglichkeiten offen. Die Islamische Republik steht im Verdacht,
unter dem Deckmantel seines zivilen Kernkraftprogramms an Atomwaffen zu
arbeiten. Die Regierung in Teheran streitet dies ab.
Der UN-Sicherheitsrat hatte verlangt, dass der Iran bis Ende April
seine Arbeiten zur Urananreicherung stoppt. Die Internationale
Atomenergiebehörde (IAEA) stellte am Freitag aber fest, dass das
Land dieser Forderung nicht nachgekommen ist. Hoch angereichertes Uran
kann für den Bau von Atombomben benutzt werden. In dieser Woche
wollen die USA, Frankreich und Großbritannien eine verbindliche
Resolution im Sicherheitsrat durchsetzen, um den Druck auf den Iran zu
erhöhen. China und Russland sind aber gegen einen derartigen
Beschluss. Am Mittwoch empfängt US-Präsident George W. Bush
die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Dabei dürfte auch
Deutschlands Haltung in der Frage zur Sprache kommen.
In Teheran sagte Atom-Chefunterhändler Ali Laridschani vor
Studenten, der Iran werde an seinem Atomprogramm festhalten und eine
mögliche verschärfte UN-Entschließung nicht befolgen.
Die politische Führung in Teheran habe dabei auch über einen
Militärschlag gegen ihr Land diskutiert. "Wenn sie uns schaden
wollen, werden wir ihnen Schaden zufügen", sagte Laridschani.
Nach Ansicht von Diplomaten und Experten steht ein Angriff auf den Iran
derzeit aber nicht auf der Tagesordnung. Als erstes würden wohl
Reisebeschränkungen gegen ranghohe Politiker verhängt werden,
denen dann wirtschaftliche Sanktionen folgen könnten. Dabei sei die
iranische Wirtschaft besonders anfällig für
Strafmaßnahmen auf Benzineinfuhren, Bankenkredite und
Maschinenteile. Sanktionen gegen Öllieferungen halten Analysten
dagegen angesichts der hohen Weltmarktpreise für den flüssigen
Rohstoff für undenkbar. Öl bringt dem Iran etwa 80 Prozent
seiner Exporteinnahmen.
(Quelle: rtr)
Frist für Darfur-Verhandlungen verlängert
Di.02.05.06 - Die Frist der Friedensverhandlungen für die sudanesische
Krisenregion Darfur ist um 48 Stunden verlängert wurden. Am Sonntag
war um Mitternacht die Frist für die Unterzeichnung des Abkommens
verstrichen, weil die wichtigsten Rebellenorganisationen in der
Darfur-Region den Vertrag abgelehnt hatten. Das Dokument sollte den
Abschluss von fast zweijährigen, mühsamen Verhandlungen unter
AU-Ägide bilden. In den USA forderten zehntausende Menschen ein
Ende der Gewalt in Darfur, darunter auch Hollywoodstar George Clooney.
Die Sudanesische Befreiungsbewegung (SLM) und der Bewegung für
Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM) hatten das Abkommen am Sonntag
abgelehnt. Auf 86 Seiten regelt es die meisten der Streitpunkte zwischen
der islamisch-arabischen Regierung in Khartum und den
schwarzafrikanischen Rebellen in Darfur.
In Washington versammelten sich tausende Menschen vor dem US-Kongress
unter dem Motto: "Rettet Darfur, jetzt!" Der Holocaust-Überlebende
und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel rief zum gemeinsamen
Protest auf. "Das Schweigen hilft den Mördern, niemals den Opfern",
sagte er vor der Menge.
Unter den prominenten Teilnehmern war neben zahlreichen Politikern auch
Hollywoodstar Clooney. Clooney war in der vergangenen Woche nach Darfur
gereist und hatte danach vom "ersten Völkermordes des 21.
Jahrhunderts" gesprochen. Auch in Austin, Chicago, San Franciso und
Seattle demonstrierten tausende Menschen.
Der Darfur-Konflikt dauert schon seit rund drei Jahren an.
Schätzungen zufolge kamen bisher 300.000 Menschen ums Leben, rund
2,4 Millionen Menschen wurden zu Flüchtlingen. Die US-Regierung und
Menschenrechtsorganisationen werfen der Führung in Khartum vor, im
Kampf gegen die Rebellen völkermordartige Methoden einzusetzen.
(Quelle: afp)
Wahlen im Kongo für Ende Juli angesetzt
Di.02.05.06 - Nach mehrfacher Terminverschiebung soll nun am 30. Juli im
zentralafrikanischen Kongo gewählt werden. Das berichtete der
belgische Rundfunk am Sonntag unter Berufung auf offizielle Quellen in
der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa.
Ende vergangener Woche hatte die EU formal beschlossen, den Urnengang
mit einem Militäreinsatz unter deutscher Führung abzusichern.
Deutschland und Frankreich sollen mit je etwa 400 bis 500 Soldaten den
Großteil der Kräfte von insgesamt 1500 Mann stellen. Bisher
wollen sich 16 europäische Länder an dem Einsatz beteiligen.
Wie der belgische Rundfunk berichtete, sollen am 30. Juli sowohl die
Parlaments- als auch der erste Durchgang der Präsidentenwahlen im
Kongo stattfinden. Ursprünglich war der Urnengang für den 18.
Juni geplant gewesen, dann aber mehrfach verschoben worden. Belgien ist
die frühere Kolonialmacht des Kongos.
Voraussichtlich in der kommenden Woche wollen sich die beteiligten 16
europäischen Länder in Berlin zu einer ersten Truppensteller-
Konferenz treffen. Dabei sollen die Staaten erklären, welche
Truppenteile sie konkret für die Operation in dem
zentralafrikanischen Land bereitstellen.
Die deutsche Regierung hat bereits mehrfach bekräftigt, dass
deutsche Soldaten nur im Großraum Kinshasa eingesetzt werden
sollen. Das Bundeskabinett will frühestens am 10. Mai über den
Einsatz entscheiden. Danach muss noch der Bundestag der Mission
zustimmen.
(Quelle: dpa)
Nepalesisches Parlament strebt Frieden mit Maoisten an
Di.02.05.06 - Das neue Parlament in Nepal hat sich einstimmig für eine
verfassungsgebende Versammlung und Verhandlungen mit den maoistischen
Rebellen ausgesprochen. Den Zeitplan dafür muss
Ministerpräsident Girija Prasad Koirala festlegen, der am Sonntag
von König Gyanendra vereidigt wurde. Erst vergangene Woche hatte
sich der Monarch Massenprotesten gebeugt und das Parlament wieder
eingesetzt. Eine neue Verfassung könnte seine Macht weiter
drastisch beschneiden, möglicherweise wird die Monarchie ganz
abgeschafft.
Der 84-jährige Koirala traf sich am Montag mit führenden
Politikern der sieben Parteien, die die Proteste gegen Gyanendras
Alleinherrschaft angeführt hatten. Bei den Gesprächen ging es
um die Bildung einer Regierung, deren vorrangige Aufgabe das Aushandeln
eines Friedensabkommens mit den Maoisten sein wird. «Ich bitte die
Maoisten, auf Gewalt zu verzichten und zu Friedensgesprächen zu
kommen», sagte Koirala am Sonntag im Parlament, wo er von den
Abgeordneten mit stehenden Ovationen empfangen wurde. Seine nur wenige
Minuten lange Rede hielt der gesundheitlich angeschlagene Politiker, der
bereits vier Mal Ministerpräsident war, entgegen der Tradition im
Sitzen. Zur Vereidigungszeremonie im Königspalast von Kathmandu
war er sogar von einem Arzt begleitet worden.
Eine neue Verfassung gilt als wichtigste Forderung der Maoisten. In der
vergangenen Woche verkündeten sie einen auf drei Monate befristeten
Waffenstillstand. Die Maoisten kämpfen seit 1996 gegen die
Monarchie in Nepal. Der Bürgerkrieg kostete etwa 13.000 Menschen
das Leben.
König Gyanendra hatte 2002 das Parlament aufgelöst und im
Februar vergangenen Jahres auch die Regierung abgesetzt. Er
begründete dies mit Erfolglosigkeit der Regierung im Kampf gegen
die Rebellen. Am Freitag trat das Parlament zum ersten Mal seit vier
Jahren wieder zusammen.
(Quelle: ap)
Hunderttausende fordern in Asien höhere Löhne und besseren
Schutz
Di.02.05.06 - In Südostasien haben am Montag mehrere hunderttausend Menschen
für höhere Löhne und besseren Schutz am Arbeitsplatz
demonstriert. In der indonesischen Hauptstadt Jakarta kamen zehntausende
Gewerkschaftsanhänger zusammen und forderten die Regierung auf,
eine umstrittene Reform des Arbeitsgesetzes nicht umzusetzen. In
Bangladesch verlangten tausende Arbeiter der Textilindustrie von den
USA und Europa, die Zölle auf Textilien zu senken. In der
kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh kam wegen einer nicht
genehmigten Demonstration der Verkehr zeitweise zum Erliegen.
«Die Arbeiter des Maifeiertags lehnen eine Reform der
Arbeitsgesetze ab», sagte der indonesische Gewerkschaftssprecher
Sutarto in Jakarta. «Wir fordern die Regierung auf,
Veränderungen herbeizuführen, die den Arbeitern zugute
kommen.» Angesichts einer jährlichen Inflation von 17 Prozent
verdienten die Arbeiter nicht mehr genug, um ihre Familien zu
ernähren. Darum müsse die Regierung die Unternehmen
drängen, den Arbeitern mehr zu bezahlen. Mit dem Gesetz will die
Regierung den Unternehmen mehr Flexibilität ermöglichen. Die
Polizei rechnete mit 15.000 bis 30.000 Demonstranten allein in Jakarta.
Zehntausende weitere wurden auf den Inseln Sumatra, Kalimantan und
Sulawesi erwartet.
In Dhaka in Bangladesch forderten die 5.000 Demonstranten am 1. Mai
einen besseren Schutz am Arbeitsplatz. «Keine Toten mehr in den
Fabriken», hieß es auf Plakaten. Die Teilnehmer der
Protestaktion warfen der Welthandelsorganisation (WTO) vor,
ausschließlich die Interessen der Industriestaaten zu vertreten.
Bangladesch benötige jedoch besseren Zugang zu den
Weltmärkten, um die Wirtschaft anzukurbeln und die 1,8 Millionen
Arbeiter in der Textilindustrie besser zu schützen, sagte
Gewerkschaftsführerin Nazma Akter.
In Kambodscha verhinderte ein Großaufgebot der Polizei eine
Maikundgebung eines großen Gewerkschaftsverbandes und der
Opposition. Wie Oppositionsführer Sam Rainsy mitteilte, blockierten
tausende Polizisten in Phnom Penh den Weg und nahmen für zwei
Stunden den Führer der Freien Gewerkschaft (FTU), Chea Mony, fest.
Rainsy kritisierte, dass die von kommunistischer Volkspartei und der
royalistischen Partei FUNCINPEC gestellte Regierung nur eine
Maikundgebung genehmigt habe. Nach Verhandlungen erlaubte die Polizei
einer Gruppe von mehreren hundert Demonstranten, zum Lanka-Kloster, der
FTU-Zentrale und dem Parlament zu marschieren. Vor dem Parlament
versammelten sich 2.000 Demonstranten und forderten höhere
Löhne, die Einrichtung eines Arbeitsgerichts und verbesserte
Sicherheitsstandards am Arbeitsplatz.
In Sri Lanka, wo es in jüngster Zeit wieder zu gewaltsamen
Auseinandersetzungen zwischen Rebellen und Regierungstruppen gekommen
war, sagte die Regierung alle Demonstrationen in der Hauptstadt Colombo
ab. Auf den Philippinen wurden hunderte Aktivisten von der Polizei
abgewiesen, die vor den Präsidentenpalast in Manila ziehen wollten.
Es war jedoch eine Versammlung geplant, bei der tausende Demonstranten
den Rücktritt von Präsidenten Gloria Macapagal Arroyo fordern
wollten. Die malaysische Regierung kündigte am Montag an, die Zahl
der Streiks im Land künftig auf null zu reduzieren. Einzelheiten
nannte sie nicht. 2.000 Demonstranten forderten in Kuala Lumpur mehr
Rechte am Arbeitsplatz, eine öffentliche Verwaltung frei von
Korruption, die Einführung eines Mindestlohns und einen besseren
Schutz von Wanderarbeitern.
(Quelle: ap)
Mehr als 10 Millionen Chinesen von schwerer Dürre bedroht
Di.02.05.06 - Durch eine anhaltende Dürre leiden mehr als zehn Millionen
Chinesen unter Engpässen beim Trinkwasser. Die Provinz Hebei, rund
um die Hauptstadt Peking werde von der schwersten Trockenheit seit mehr
als 50 Jahren heimgesucht, hieß es in den amtlichen Medien. Die
Behörden mahnten zum sparsamen Umgang mit Wasser. Die
Frühjahrssaat wurde schwer beeinträchtigt. Meteorologen
warnten, mehrere Gebiete müssten sich zum Ende der Woche auf neue
Sandstürme vorbereiten.
(Quelle: dpa)
Bolivien verstaatlicht Erdgasindustrie - Soldaten besetzen Raffinerien
Di.02.05.06 - Nach der Verstaatlichung der bolivianischen Öl- und Gasindustrie
hat Präsident Evo Morales am Montag Soldaten auf die von
internationalen Konzernen betriebenen Gasfelder geschickt. Rund 100
bewaffnete Soldaten übernahmen in der Raffinerie Palmasola in der
Stadt Santa Cruz die Kontrolle. Vizepräsident Alvaro Garcia Linera
sagte, Truppen seien in landesweit 56 Anlagen entsandt worden.
«Das Plündern durch die ausländischen Unternehmen ist
beendet», erklärte der linksgerichtete Präsident
Morales.
Er erließ ein Dekret, das die Gesellschaften verpflichtet, ihre
gesamte Produktionskette innerhalb von sechs Monaten der staatlichen
Ölgesellschaft zu unterstellen. Morales drohte Unternehmen, die
nicht zu neuen Verträgen bereit sind, mit der Ausweisung. Morales
kündigte auch an, dass die in den 90er Jahren erfolgte
Privatisierung von Unternehmen der Öl- und Gasindustrie
rückgängig gemacht werde. Dabei werde der Staat die Aktien im
Besitz von ausländischen Firmen übernehmen.
Die wichtigsten in Bolivien tätigen Gesellschaften sind die
brasilianische Petrobras, das spanisch-argentinische Unternehmen Repsol
YPF, die britischen Unternehmen British Gas und BP sowie der
französische Konzern Total. Sie sollen künftig ihre
Geschäfte nur noch über die staatliche Gesellschaft
Yacimientos Petroliferos Fiscales Bolivianos (YPFB) abwickeln
können.
Die spanische Regierung äußerte «tiefe
Besorgnis» über den Schritt. Sie hoffe, dass es innerhalb
der Sechsmonatsfrist zu echten Verhandlungen und Dialog komme,
erklärte das Außenministerium in Madrid. Dabei müssten
die Interessen der Gegenseite wechselseitig berücksichtigt werden.
Die Regierung von Ministerpräsident José Luis Rodriguez
Zapatero werde die Lage beobachten und mit anderen betroffenen Staaten
zusammenarbeiten, um zu einer für alle Seiten zufriedenstellenden
Lösung zu kommen.
Petrobras-Präsident José Sergio Gabrielli sprach von einem
«unfreundlichen Akt». Der einseitige Schritt zwinge sein
Unternehmen dazu, seine Lage in dem Land genau zu analysieren.
Gabrielli brach einen Aufenthalt im US-Staat Texas ab, um mit
Präsident Luiz Inacio Lula da Silva über das Dekret zu
beraten. Es habe keine Hinweise darauf gegeben, dass die Maßnahme
so hart ausfallen werde, sagte Gabrielli.
Der Streit um das Erdgas steht seit Jahren im Mittelpunkt der
bolivianischen Politik. Mit dem Versprechen der Verstaatlichung und der
Beteiligung der Armen an den Einnahmen gewann Morales am 18. Dezember
vergangenen Jahres die Präsidentenwahl mit 54,2 Prozent der
Stimmen. Er ist der erste bolivianische Präsident, der der
indianischen Bevölkerungsmehrheit angehört. Bolivien hat nach
Venezuela die zweitgrößten Erdgasvorkommen Lateinamerikas.
(Quelle: ap)
Ämter und Schulen in Puerto Rico wegen Haushaltskrise geschlossen
Di.02.05.06 - Wegen einer Haushaltskrise sind am Montag in Puerto Rico zahlreiche
Ämter und öffentliche Einrichtungen geschlossen geblieben.
Fast 100.000 Menschen, darunter 40.000 Lehrer, mussten ihren
Arbeitsplätzen fernbleiben, für 500.000 Schüler fiel der
Unterricht aus. Die Polizei und andere Notdienste waren nicht
betroffen. Zahlreiche Angestellte im öffentlichen Dienst
protestierten gegen das Unvermögen der Regierung, die
Schließungen zu verhindern. Dabei kam es in San Juan zu
Rangeleien mit der Polizei.
Im Etat von Puerto Rico fehlen 740 Millionen Dollar (590 Millionen
Euro), weil sich Parlament und Gouverneur seit 2004 nicht auf einen
Haushaltsplan einigen konnten. Verhandlungen über die
Einführung einer Mehrwertsteuer, die eine Rückzahlung von
Krediten und die Zahlung der Gehälter von staatlichen Bediensteten
ermöglichen würde, sind bislang gescheitert. Die Regierung
ist der größte Arbeitgeber in Puerto Rico, die Gehälter
machen rund 80 Prozent der Betriebskosten aus.
(Quelle: ap)
Boykott und Massendemos gegen schärfere US-Einwanderungsgesetze -
Mehr als eine Million Teilnehmer
Di.02.05.06 - Mehr als eine Million Menschen haben am Montag in den USA für mehr
Rechte von Einwanderern demonstriert. Allein im Geschäftsviertel
von Chicago gingen nach Schätzungen der Polizei 400.000 Menschen
auf die Straße, auch durch Los Angeles zogen nach Angaben des
Rathauses etwa 400.000 Menschen. Mehrere zehntausend marschierten in
New York, 50.000 in San Jose, 15.000 in Houston und 30.000 in
verschiedenen Städten Floridas. Kleinere Kundgebungen gab es an
zahlreichen weiteren Orten.
Der Protesttag richtete sich vor allem gegen eine geplante
Verschärfung der Einwanderungsgesetze. Fabriken, Restaurants,
Häfen und Agrarbetriebe im ganzen Land mussten ihren Betrieb
einstellen oder ihre Produktion drosseln, weil ihre Beschäftigten
nicht zur Arbeit erschienen. Auch Schüler blieben dem Unterricht
fern. Sie folgten dem Aufruf mehrerer Organisationen zum umfassenden
Wirtschaftsboykott unter dem Motto «Ein Tag ohne
Einwanderer».
«Wir sind das Rückgrat dessen, was Amerika ausmacht, legal
oder illegal», sagte Melanie Lugo, die mit ihrer Familie und rund
75.000 Gleichgesinnten an einer Demonstration in Denver teilnahm.
«Sie brauchen uns so sehr wie wir sie brauchen.»
Das Weiße Haus reagierte kühl auf die Protestaktion.
«Der Präsident ist kein Fan von Boykotten», sagte der
Pressesprecher von George W. Bush, Scott McClellan. Die Menschen
hätten ein Recht auf friedliche Meinungsäußerung,
«aber der Präsident will, dass eine umfassende Reform im
Kongress durchkommt, damit er sie mit seiner Unterschrift zum Gesetz
machen kann».
In den USA leben schätzungsweise elf Millionen Menschen ohne
gültige Aufenthaltserlaubnis. Der US-Kongress berät derzeit
über ein neues Einwanderungsgesetz und ist in dieser Frage
gespalten. Eine Kompromissvorlage für ein neues
Einwanderungsgesetz war Anfang April im Senat gescheitert.
(Quelle: ap)
2.000 Oppositionsanhänger demonstrieren in Minsk
Di.02.05.06 - Trotz eines Demonstrationsverbots haben sich am Montag in der
weißrussischen Hauptstadt Minsk 2.000 Oppositionsanhänger
versammelt. Die Protestaktion zum Maifeiertag begann mit einem nicht
genehmigen Marsch von der Akademie der Wissenschaften zu einem zwei
Kilometer entfernten Platz im Nordosten von Minsk. Dort hatten die
Behörden eine Kundgebung genehmigt. Die Demonstranten forderten die
Freilassung des inhaftierten Oppositionsführers Alexander
Milinkewitsch und aller politischen Gefangenen.
Milinkewitsch und drei seiner Stellvertreter waren in der vergangenen
Woche wegen der Teilnahme an einer nicht genehmigten Demonstration zu 15
Tagen Haft verurteilt worden. Die Vorwürfe bezogen sich auf eine
Großkundgebung zum Jahrestag der Reaktorkatastrophe von
Tschernobyl. Milikewitschs Ehefrau Inna Kulei sagte am Montag, sie habe
ihren Mann im Gefängnis besucht. Alle Oppositionsführer seien
in getrennten Zellen untergebracht, über den Gesundheitszustand
ihres Mannes habe sich nichts erfahren. «Man kann die Freiheit
nicht töten», erklärte sie. «Diese sinnlose
Unterdrückung durch die Behörden bringt den Tag der Freiheit
nur näher.»
(Quelle: ap)
EU weitet Strafzollpolitik gegen USA aus
Di.02.05.06 - Die Europäische Union weitet ihre Strafzollpolitik gegen die USA
aus, um die Abschaffung bestimmter Subventionen zu erreichen.
Die EU-Kommission erweiterte am Montag eine Liste von US-Importwaren,
auf die zusätzliche Zölle von 15 Prozent erhoben werden
sollen. Die Palette reicht dabei von Decken bis hin zu Fotokopierern aus
den Vereinigten Staaten. Bereits vor Jahresfrist hatte die EU mit der
Strafzollpolitik begonnen und dabei unter anderem Mais und
Maschinenprodukte mit dem 15-prozentigen Zusatzzoll belegt. Während
die Strafzölle in den abgelaufenen zwölf Monaten ein Volumen
von knapp 27,8 Millionen Dollar hatten, soll die ab heute (Montag)
geltende erweiterte Liste binnen Jahresfrist 36,9 Millionen Dollar
erbringen.
Die Welthandelsorganisation (WTO) hatte der EU die Verhängung von
Strafzöllen gegen die USA erlaubt, weil die USA ihr so genanntes
Byrd-Gesetz nicht aufgehoben hatten. Die WTO hatte diese Regelung
für illegal erklärt. Sie sieht vor, dass die US-Regierung
Einnahmen aus Anti-Dumping-Zöllen auf Einfuhren an jene US-Firmen
weitergibt, die um entsprechenden Schutz vor importierten
Niedrigpreisangeboten gebeten hatten. Im Februar hat das
US-Abgeordnetenhaus zwar eine Haushaltsvorlage gebilligt, die ein
Auslaufen des Byrd-Programms im Oktober 2007 vorsieht. Doch manche
Mittel aus dem Byrd-Fonds können demnach auch noch Jahre über
diesen Termin hinaus an US-Firmen ausgereicht werden, was die EU scharf
kritisiert.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Koalition einigt sich bei Streitthemen Elterngeld und Reichensteuer
Di.02.05.06 - Union und SPD haben sich bei den Streitthemen Elterngeld und
Reichensteuer geeinigt. Nach mehr als vierstündigen Verhandlungen
im Koalitionsausschuss erklärte der designierte SPD-Vorsitzende
Kurt Beck in der Nacht zum Dienstag in Berlin: «Wir haben alle
wichtigen Fragen, die wir uns vorgenommen haben, auch auf den Weg
gebracht.» Die genauen Einzelheiten wollen die
Generalsekretäre von SPD, CDU und CSU am (heutigen) Vormittag
bekannt geben.
Beim geplanten Elterngeld wurde nach Informationen aus
Koalitionskreisen vereinbart, allen Eltern grundsätzlich
zwölf Monate lang 67 Prozent des durch die Kindererziehung
ausfallenden Einkommens (maximal 1.800 Euro pro Monat) zu zahlen.
Weitere zwei Monate kommen hinzu, wenn beide Ehepartner vom Job
pausieren. Nach Informationen aus Koalitionskreisen sollen auch alle
Alleinerziehenden sowie getrennt lebende Eltern mit gemeinsamen
Sorgerecht Anspruch auf 14 Monate Elterngeld haben.
Weiter einigte sich die Koalitionsführung nach diesen Angaben
drauf, beim Elterngeld einen Sockelbetrag von 300 Euro nicht auf das
Arbeitslosengeld II anzurechnen. Damit habe sich die SPD durchgesetzt,
hieß es. Die Union habe erreicht, dass die beiden
«Vätermonate» als Bonus eingeführt werden.
Insgesamt solle es aber beim Finanzrahmen von 3,8 Milliarden Euro pro
Jahr für das Elterngeld bleiben.
Darüber hinaus wollen Union und SPD an der im Koalitionsvertrag
vereinbarten Reichensteuer festhalten. Um verfassungsrechtlichen
Bedenken zu begegnen, will das Bundeskabinett aber schon im Juli die
Eckpunkte für die Unternehmensteuerreform beschließen, die
am 1. Januar 2008 in Kraft treten soll. Sollte gegen die Reichensteuer
geklagt werden, hätten die Gerichte damit schon eine breitere
Grundlage zur Beurteilung der Verfassungsmäßigkeit,
hieß es. Der Aufschlag auf die Einkommensteuer für
Topverdiener soll für Einkommen über 250.00 Euro (Singles)
und 500.000 Euro (Ehepaare) gelten.
Bei der geplanten Kürzung der Bezugsdauer von Kindergeld wird es
Übergangsfristen geben. Nach Angaben aus Koalitionskreisen
bekommen junge Leute, die am 1. Januar 2007 zwischen 25 und 27 Jahre
alt sind, weiterhin bis zum Ende des 27. Lebensjahres Kindergeld.
Im Koalitionsvertrag hatten sich die Regierungspartner darauf
verständigt, dass das Kindergeld ab 2007 nicht mehr bis zum 27.,
sondern nur noch bis zum 25. Lebensjahr gezahlt wird. Nach der
Vereinbarung vom Montagabend greift die neue Altersgrenze von 25 Jahren
erst bei Jugendlichen, die Anfang kommenden Jahres 24 Jahre oder
jünger sind.
Außerdem verständigten sich die Spitzen von Union und SPD
darauf, die Vorsteuerpauschale für die Forst- und Landwirtschaft
im Zuge der Mehrwertsteuererhöhung anzuheben. Das bedeutet den
Angaben zufolge, dass die Pauschale Anfang nächsten Jahres
für die Forstwirtschaft von 5,0 auf 5,5 Prozent steigt und
für die Landwirtschaft von 9,0 auf 10,7 Prozent.
Im Kampf gegen den Rechtsextremismus will die große Koalition ein
Signal setzen. Die Mittel von 19 Millionen Euro im Bundeshaushalt
blieben ungekürzt, hieß es.
Die Entfernungspauschale soll wie geplant gekürzt werden. Die seit
Januar 2004 geltende Regelung der Pendlerpauschale sieht bisher vor,
dass unabhängig vom Verkehrsmittel je Kilometer Entfernung
zwischen Wohnung und Arbeitsstätte 30 Cent geltend gemacht werden
können. Laut Koalitionsvertrag soll dies 2007 abgeschafft werden:
Künftig sollen nur noch die Kosten für mehr als 20 Kilometer
einfache Strecke absetzbar sein.
Die Änderung des Kündigungsschutzes war den Angaben zufolge
im Koalitionsausschuss kein Thema. Das Gremium will sich noch einmal im
Mai und dann wieder im Juni treffen.
(Quelle: ap)
Windelgeld für Reiche
Union und SPD bejubeln ihre Einigung über das Elterngeld. Dabei
nehmen sie mit ihm eine Umverteilung von unten nach oben vor, denn nur
die Mittelschicht soll fürs Kinderkriegen belohnt werden... Mehr in
der taz vom 03.05.06:
http://www.taz.de/pt/2006/05/03/a0137.1/text
Gewerkschaften warnen am 1. Mai vor Sozialabbau
Di.02.05.06 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die große Koalition
davor gewarnt, das Gesundheitssystem zu Lasten der Arbeitnehmer zu
reformieren. "Wir werden nicht widerstandslos zusehen, wie das System
der solidarischen Krankenversicherung Stück für Stück
kaputt gemacht wird", sagte DGB-Chef Michael Sommer bei der zentralen
Mai-Kundgebung des Gewerkschaftsbundes in Wolfsburg. Der
IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters rief die Gewerkschaften auf
einer Kundgebung in München auf, sich gemeinsam gegen eine "soziale
Roll-Back-Politik" zu wehren.
Sommer sagte weiter: "Kopfpauschalen, höhere Zuzahlungen und die
Flucht der Arbeitgeber aus ihrer Verantwortung für die Finanzierung
der Krankenversicherung sind der falsche Weg." Er wandte sich zudem
dagegen, "in der Steuerpolitik weiter die Hoch- und
Höchsteinkommen zu schonen. Die so genannte Reichensteuer ist nur
gerecht." Die geplante Mehrwertsteuererhöhung sei hingegen unsozial
und volkswirtschaftlich falsch.
Mit Blick auf die Beratungen von Union und SPD zur Gesundheits- und
Steuerpolitik sagte der DGB-Chef: "Eigentlich kann man nur hoffen, dass
der Geist des Tags der Arbeit die große Koalition positiv
beflügelt."
Peters warf der Politik vor, viel zu lange "den neoliberalen
Meinungsmachern auf den Leim gegangen" zu sein. "Marktgläubigkeit
hat lange genug den Zeitgeist in Deutschland bestimmt". Als "schlechten
Witz" kritisierte er die geplante Anhebung des Renteneintrittsalters auf
67. Es gebe bereits fünf Millionen Arbeitslose. "Und die, die noch
Arbeit haben, sollen länger arbeiten, damit die, die keine haben,
überhaupt keine Chance mehr bekommen".
Die diesjährigen Mai-Kundgebungen des DGB stehen unter dem Motto
"Deine Würde ist unser Maß". In dem Aufruf heißt es,
ein Leben in Würde ist für viele Menschen keine
Selbstverständlichkeit. In Unternehmen komme es trotz
Rekordgewinnen zu Massenentlassungen. Zunehmende Unsicherheit präge
die Arbeits- und Lebensbedingungen vieler, immer mehr Menschen
würden von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgegrenzt.
Der Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen, Detlef Wetzel,
wies die Forderung, den 1. Mai als Feiertag abzuschaffen, harsch
zurück. "Das ist eine unkulturelle Herangehensweise. Dann
können wir auch Weihnachten oder Christi Himmelfahrt als Feiertage
abschaffen", sagte er der "Rheinischen Post". Der Unternehmerverband
mittelständische Wirtschaft (UMW) hatte zuvor kritisiert, der Tag
hieße zwar Tag der Arbeit, sei aber für viele nur ein
Ausflug- und Thekentag.
(Quelle: afp)
Demos in Leipzig und Rostock gegen Rechtsextreme
Di.02.05.06 - Tausende Menschen haben in Leipzig und Rostock gegen Aufmärsche
von Rechtsextremen in beiden Städten demonstriert. In Leipzig
blockierten nach Polizeiangaben insgesamt 5000 Demonstranten zwei
Neonazi-Demos, die in den linksalternativ geprägten Stadtteil
Connewitz führen sollten. In Rostock demonstrierten rund 2000
Menschen gegen einen Aufmarsch der rechtsextremen NPD mit über
1000 Teilnehmern. An der dortigen Gegenkundgebung beteiligte sich auch
der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Harald
Ringstorff (SPD).
Die beiden Aufmärsche in Leipzig, die von den Neonaziführern
Christian Worch und Steffen Huppka angemeldet worden waren, hatten 320
beziehungsweise 220 Teilnehmer. Wegen der Blockaden der
Gegendemonstranten gerieten die Aufmärsche mehrfach ins Stocken.
In beiden Städten kam es zu Ausschreitungen. In Leipzig brannten
ein Container und ein Auto.
In Rostock flogen Steine und Flaschen. Es kam in der Hansestadt
außerdem zu Rangeleien mit der Polizei, die mit einem
Großaufgebot von 4000 Beamten im Einsatz war. In Leipzig wurden
nach vorläufigen Angaben etwa 20 Menschen festgenommen, in Rostock
gab es nach Angaben des "Antifaschistischen Aktionsbündnisses 1.
Mai" über 40 Festnahmen. Die Polizei habe Schlagstöcke
eingesetzt und "planlos" agiert, kritisierte die Initiative in einer
Erklärung.
Ringstorff sagte in Rostock, den Rechtsextremen müsse die rote
Karte gezeigt werden. An den Gegenprotesten, die unter dem Motto
"Rostock bleibt bunt" standen, beteiligte sich auch der Liedermacher
Konstantin Wecker.
(Quelle: afp)
Innenminister uneins über Einbürgerungs-Test
Di.02.05.06 - Die Innenminister der Länder haben sich nach Informationen der
"Süddeutschen Zeitung" nicht auf die Einführung eines
bundesweiten Wissenstests für die Einbürgerung von
Ausländern einigen können. Einen solchen Test, wie ihn unter
anderem Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gefordert
hatte, werde es dabei nicht geben, berichtete das Blatt unter Berufung
auf den bayerischen Innenminister Günther Beckstein (CSU).
Einheitliche Anforderungen werde es nur bei den Sprachkenntnissen geben.
Vor allem der Berliner Innensenator Ehrhart Körting, aber auch der
schleswig-holsteinische Innenminister Ralf Stegner (beide SPD)
hätten sich gegen einen einheitlichen Wissenstest gewandt,
berichtete die Zeitung.
Vor ihrer Konferenz am Donnerstag in Garmisch-Partenkirchen einigten
sich die Innenminister laut "SZ" auf einen Kompromiss: So würden
alle Länder aufgefordert, in Zukunft Einbürgerungskurse
anzubieten. Bei den einen gelte der Kurs allerdings schon als
bestanden, wenn ihn der Ausländer ordentlich absolviert hat, in
anderen Ländern gebe es dazu eine eigene Abschlussprüfung.
Auch mit dem von ihnen geforderten Eid auf die Verfassung hätten
sich die unionsregierten Länder nicht durchsetzen können. Die
Einbürgerung solle in Zukunft lediglich in feierlichem Rahmen
stattfinden.
Geeinigt hätten sich die Innenminister jedoch darauf, dass nur
Deutscher werden darf, wer nicht zu mehr als 90 Tagessätzen
Geldstrafe verurteilt worden ist. Bisher galt eine Grenze von 180
Tagessätzen. Der Kompromiss bedeutet eine Entschärfung der
Wünsche der Union, die auf einer Prüfung sowohl des
staatsbürgerlichen Grundwissens als auch der Anerkennung der
Verfassung in einem Test bestanden hatte.
Beckstein, der derzeit den Vorsitz der Innenministerkonferenz innehat,
sagte der "Süddeutschen Zeitung", dass die Inhalte der neu
einzurichtenden Einbürgerungskurse nun von Volkshochschulen und
der Bundeszentrale für Politische Bildung erarbeitet werden
sollen. Die Anforderungen an die Kenntnisse in Geschichte und
Allgemeinwissen sollten aber nicht in höchste Höhen
geschraubt werden.
Bundesweit einheitlich solle demnächst die Sprachprüfung
sein, berichtete die "SZ". Der Einbürgerungswillige müsse
künftig überall in Deutschland nachweisen, dass er sich im
Alltag in Wort und Schrift ausreichend verständigen kann.
Ausnahmen solle es nur für sehr alte Menschen geben. Zur
Einbürgerung gehört zudem eine Regelanfrage beim
Verfassungsschutz.
(Quelle: afp)