Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertfünfundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mindestens 23 Tote bei neuer Gewalt
Do.04.05.06 - Bei neuen Anschlägen sind im Irak am Mittwoch mehr als 20 Menschen
getötet worden. Allein mindestens 15 Iraker kamen ums Leben, als
sich ein Selbstmordattenäter in einer Schlange von Polizeirekruten
in der Unruhestadt Falludscha in die Luft sprengte. Im Bagdader
Stadtteil El Dura erschossen Aufständische vier Studenten, die sie
zuvor aus einem Minibus gezerrt hatten. Zudem wurden seit Dienstagabend
insgesamt mindestens 36 Leichen gefunden. Das irakische Parlament kam zu
seiner ersten Arbeitssitzung seit der Wahl am 15. Dezember zusammen.
Der Selbstmordattentäter sprengte sich mit seinem
Sprengstoffgürtel neben den wartenden Polizeirekruten in die Luft,
wie Sicherheitskräfte mitteilten. Mindestens 30 weitere Menschen
seien bei dem Anschlag verletzt worden. Junge Iraker, die sich um eine
Anstellung bei den Sicherheitskräften bewerben, sind immer wieder
Ziel von Rebellenanschlägen, besonders häufig in der Region El
Anbar. Die Provinz westlich von Bagdad ist eine Rebellenhochburg.
In Bagdad errichteten Rebellen einen Kontrollpunkt an einer
Schnellstraße und hielten einen Minibus mit Studenten an, wie ein
Vertreter des Innenministeriums sagte. Vier von ihnen seien aus dem Bus
gezerrt und erschossen worden.
Zwei Zivilisten kamen bei einer Explosion auf einem belebten Markt im
Bagdader Viertel El Schwala ums Leben, 15 Menschen wurden dabei
verletzt. In Baakuba wurde ein Polizist getötet, als er versuchte,
eine Bombe am Straßenrand zu entschärfen. Ein anderer
Polizist wurde von Unbekannten erschossen.
Zuvor war bekannt geworden, dass in der irakischen Hauptstadt die
Leichen von mindestens 34 Menschen gefunden wurden. Wie ein Mitarbeiter
des irakischen Innenministeriums mitteilte, wurden die an den
Händen gefesselten Opfer erschossen. 14 Leichen seien im Osten
Bagdads entdeckt worden, 20 am Dienstagabend in verschiedenen Teilen der
Stadt. Zwei weitere Tote wurden in der Stadt Mussajib 80 Kilometer
südlich von Bagdad gefunden.
Ähnliche Vorfälle hatten sich landesweit gehäuft,
nachdem im Februar ein Anschlag auf ein schiitisches Heiligtum in der
sunnitischen Stadt Samarra verübt worden war. Die sunnitische
Gemeinde beschuldigt schiitische Milizen und Todesschwadronen mit
Verbindungen zu den Sicherheitskräften, nach dem Anschlag auf die
Goldene Moschee in Samarra hunderte Sunniten getötet zu haben.
Zu Beginn der Parlamentssitzung in Bagdad erschienen 154 von 275
Abgeordneten, wie der Parlamentspräsident Mahmud Matschhadani
mitteilte. Auf der Tagesordnung standen die Bildung eines Ausschusses,
der Änderungsvorschläge zur Verfassung vorlegen soll, sowie
eines zweiten Ausschusses, der die internen Regelungen zum Parlament
erarbeiten soll.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 04.05.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertundzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.04.05.05 - Neue irakische Regierung in Bagdad vereidigt +++ Heftige Gefechte in
Ramadi +++ Kämpfe auch an syrischer Grenze. Dutzende Menschen
verlieren dabei ihr Leben +++ Zwei US-Kampfflugzeuge vermisst +++
Dänische Offizierin wegen Misshandlungen im Irak vor Gericht...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0505040.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Fast 70 Journalisten im Jahr 2005 getötet
Do.04.05.06 - Im vergangenen Jahr sind mindestens 63 Journalisten und fünf ihrer
Mitarbeiter bei der Ausübung ihres Berufs ums Leben gekommen. Es
handelt sich um die höchste Todeszahl der letzten zehn Jahre, wie
die Organisation Reporter ohne Grenzen zum Internationalen Tag der
Pressefreiheit am Mittwoch in Paris mitteilte. In einem 150-seitigen
Bericht werden insbesondere China, Kuba und die meisten Länder des
Nahen Ostens wegen der Behinderung von Journalisten angeprangert. Eine
in New York ansässige Organisation legte eine ähnliche Liste
vor.
Das gefährlichste Land war laut Reporter ohne Grenzen weiterhin
der Irak, wo 2005 insgesamt 24 Journalisten ums Leben kamen. Doch auch
in Ländern wie Bangladesch, den Philippinen, Nigeria oder Mexiko
gehöre Gewalt zu den täglichen Erfahrungen der
Medienvertreter. Seit Beginn des Jahres 2006 seien weltweit bereits 16
Reporter und sechs ihrer Mitarbeiter getötet worden. Mehr als 120
Journalisten sowie 56 so genannte Cyber-Dissidenten befänden sich
in Haft.
Das «größte Gefängnis der Welt» ist laut
Reporter ohne Grenzen China, wo die meisten Journalisten festgehalten
würden. Aber auch in Kuba, Eritrea, Äthiopien, dem Iran und
Birma seien Verhaftungen an der Tagesordnung. Als gefährlichste
Region mit Blick auf eine gnadenlose Zensur bezeichnet die Organisation
den Nahen Osten. In Libyen, dem Iran, Tunesien, Syrien und Saudi-Arabien
unterlägen die Medien der absoluten Kontrolle des Staates.
In Nepal wurden im vergangenen Jahr 567 Fälle von Eingriffen in
die Pressefreiheit registriert, wie es in dem Bericht weiter
heißt. Auch in Eritrea, Simbabwe und im Kongo sei die Arbeit von
Journalisten mit teilweise brutalen Mitteln zensiert worden. Die Medien
Nordkoreas wiederum zeichneten sich durch «betäubende
Propaganda» aus. Fortschritte verzeichnete Reporter ohne Grenzen
in Indien, der indonesischen Provinz Aceh und einigen
mittelamerikanischen Ländern. Dort gebe es inzwischen mehr
Freiheiten als bisher.
Das in New York ansässige Komitee zum Schutz von Journalisten
(Committee to Protect Journalists - CPG) legte zum Internationalen Tag
der Pressefreiheit eine Liste von zehn Ländern vor, in denen die
Medien am stärksten zensiert seien. An der Spitze stehen demnach
Nordkorea, Birma und Turkmenistan gefolgt von Äquatorialguinea,
Libyen, Eritrea, Kuba, Usbekistan, Syrien und Weißrussland. Die
Menschen seien dort vom Rest der Welt isoliert, beklagte die
CPJ-Exekutivdirektorin Ann Cooper.
Zur Erstellung der Liste wurden 17 Kriterien herangezogen, die
Verstöße gegen die Pressefreiheit darstellen, wie staatliche
Kontrolle der Medien, Zensurbestimmungen, Störungen
ausländischer Rundfunksender, Einschüchterungsversuche von
Journalisten sowie deren Inhaftierung. Auf die zehn Länder der
Liste hätten jeweils mindestens neun dieser negativen Kriterien
zugetroffen, erklärte Cooper. Darüber hinaus kritisierte sie
China, weil dort die meisten Verhaftungen stattfänden, und
Simbabwe, wo unabhängige Medienvertreter zur Flucht ins Ausland
gezwungen worden seien.
(Quelle: ap)
Mehr bei telepolis vom 03.05.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22594/1.html
Moussaoui in US-Terrorprozess zu lebenslanger Haft verurteilt
Do.04.05.06 - Der geständige Al-Kaida-Mitverschwörer Zacarias Moussaoui ist
von einem Geschworenengericht im US-Staat Virginia zu lebenslanger Haft
verurteilt worden. Die zwölf Geschworenen folgten damit am
Mittwoch in Alexandria nicht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die die
Todesstrafe gefordert hatte. Dem 37-Jährigen wurde zur Last
gelegt, dass er aufgrund seiner Kenntnis von den Al-Kaida-Plänen
für den 11. September 2001 die Anschläge mit einer Aussage
hätte verhindern können.
Die von der Jury getroffene Entscheidung wird am (heutigen) Donnerstag
vom Vorsitzenden Richter als Urteil verkündet. Moussaoui ist
bislang der einzige Verdächtige, der wegen der Anschläge vom
11. September in den USA angeklagt wurde. Der Franzose marokkanischer
Abstammung zeigte bei Verkündung der Geschworenenentscheidung
keine sichtbare Regung. Als er aus dem Gerichtssaal geführt wurde,
rief er aus: «Amerika, du hast verloren! Ich habe
gewonnen!» Dabei klatschte er in die Hände.
Für seine Pflichtverteidiger - mit denen er in dem
sechswöchigen Prozess nicht kooperierte - bedeutete die
Entscheidung ein Erfolg. Drei der zwölf Geschworenen kamen zu dem
Schluss, dass Moussaoui nur begrenzt in die Anschlagspläne
eingeweiht gewesen sei und bei den Angriffen auf das World Trade Center
in New York und dem Pentagon in Washington nur eine kleine, wenn
überhaupt eine Rolle gespielt habe. Die für das von der
Anklage geforderte Todesurteil erforderliche Einstimmigkeit kam deshalb
nicht zustande. Alle Geschworenen stimmten darin überein, dass
Moussaoui mit dem Ziel in die USA gekommen sei, Menschen Schaden
zuzufügen. Mit diesem Ziel habe er Flugunterricht genommen. Seine
Anwälte machten aber geltend, er sei ein Außenseiter in der
Verschwörergruppe gewesen, dem wichtige Details der
Angriffspläne für den 11. September nicht anvertraut worden
seien.
Moussaoui wurde einen Monat vor den Anschlägen in New York und
Washington festgenommen. Im April vergangenen Jahres gestand er, sich
an einer Verschwörung der Terrororganisation Al Kaida für
eine Flugzeugentführung beteiligt zu haben.
Die Entscheidung der Geschworenen sei «das Ende dieses Falls,
aber nicht des Kampfs gegen den Terror», erklärte
US-Präsident George W. Bush. «Das Böse wird nicht das
letzte Wort haben. Diese großartige Nation wird sich
durchsetzen.»
Das Strafmaß wurde nach siebentägigen Beratungen
verkündet. Während des Prozesses erklärte Moussaoui,
dass er am 11. September 2001 ein Flugzeug ins Weiße Haus
hätte steuern sollen. Der Wahrheitsgehalt dieses
Geständnisses ist jedoch umstritten.
(Quelle: ap)
Iran gibt Entdeckung großer Uran-Vorkommen im Süden bekannt
Do.04.05.06 - Der wegen seines Atomprogramms international stark unter Druck stehende
Iran hat die Entdeckung neuer Uran-Vorkommen bekannt gegeben. Im
Süden des Landes nahe der Stadt Bandar Abbas seien große
Mengen Uran gefunden worden, die im Tagebau abgebaut werden
könnten, berichtete die iranische Presse unter Berufung auf den
Chef der Atomenergiebehörde, Gholamresa Aghasadeh, am Mittwoch.
Nach ersten Schätzungen könnten dort jährlich 30 Tonnen
Uranoxid ("Yellowcake") gewonnen werden. Bislang wird Uran im Iran vor
allem in der Mine von Sagand in der südlichen Region Jasd abgebaut.
Der Abbau unter Tage in Sagand ist jedoch weitaus kostspieliger.
(Quelle: afp)
Westen bringt neue Iran-Resolution im Sicherheitsrat ein
Do.04.05.06 - Frankreich und Großbritannien haben im Weltsicherheitsrat einen
scharf formulierten Resolutionsentwurf eingebracht, mit dem Iran erneut
zum zum Stopp der Anreicherung von Uran aufgefordert wird. Die
Initiative wird von den USA als dritter Vetomacht und Deutschland
unterstützt, das allerdings derzeit keinen Sitz im höchsten
UN-Gremium hat.
Die beiden ständigen Ratsmitglieder Russland und China lehnen
Sanktionen gegen den Iran bisher ab. Der chinesische UN-Botschafter
Wang Guangya sagte nach der Sicherheitsratssitzung am Mittwoch in New
York, er glaube nicht, dass der vorliegende Entwurf gute Ergebnisse
zeitigen werde. «Ich denke, er ist härter als
erwartet», fügte er hinzu.
In dem Entwurf wird Teheran aufgefordert, die Urananreicherung zu
stoppen. Andernfalls werde der Sicherheitsrat «weitere
Maßnahmen in Erwägung ziehen, um die Befolgung sicher zu
stellen». Er wurde unter Bezug auf Kapitel 7 der UN-Charta
formuliert, unter der alle Forderungen zwingend zu befolgen sind. Falls
nicht, sind Sanktionen möglich, die allerdings mit einer weiteren
Resolution beschlossen werden müssen.
Der Iran hat am 11. April die erfolgreiche erstmalige Urananreicherung
im Rahmen seines Atomprogramms bekannt gegeben. Der Sicherheitsrat
forderte ihn auf, diese auch für die Herstellung von Atomwaffen
nutzbare Technologie bis vergangenen Freitag zu stoppen. Die
Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) teilte nach Ablauf der
Frist mit, Teheran habe die Urananreicherung nicht eingestellt.
Auch über die Umsetzung des Resolutionsentwurfs soll die IAEA
wachen. Der französische UN-Botschafter Jean-Marc de la Sabliere
sagte, er stelle sich einen IAEA-Bericht nicht vor Juni vor. Eine Frist
wurde im Entwurf allerdings nicht genannt.
Der Entwurf wurde von Großbritannien, Frankreich und Deutschland
formuliert. Die drei EU-Länder haben bislang mit Teheran im
Atomstreit verhandelt. Aus UN-Kreisen verlautete, Gespräche der
drei mit den USA, Russland und China über den Entwurf stünden
erst am Anfang-. «Am strategischen Ziel gibt es keine
Meinungsverschiedenheiten zwischen uns», sagte der britische
UN-Botschafter Emyr Jones-Perry. «Wir wollen den Iran nicht mit
einer Fähigkeit zu Atomwaffen sehen. In Detailfragen wird es
Gespräche und den Austausch von Ansichten geben.»
US-Präsident George W. Bush und die deutsche Kanzlerin Angela
Merkel setzten sich unterdessen für eine diplomatische Lösung
des Atomstreits mit dem Iran ein. «Wir sind uns einig, dass wir
diplomatische Lösungen finden müssen», sagte Merkel am
Mittwochabend nach einem Gespräch mit Bush im Weißen Haus.
«Ich sehe dafür auch eine gute Chance.» Es sei aber
auch klar, «dass die Entschlossenheit der internationalen
Gemeinschaft mit Geschlossenheit gezeigt werden muss».
(Quelle: ap)
US-Studie: Sudan ist am stärksten gefährdeter Staat der Erde
Do.04.05.06 - Der Sudan ist der am stärksten vom Zusammenbruch bedrohte Staat
der Erde. Auf dem von der renommierten US-Fachzeitschrift "Foreign
Policy" am Dienstag veröffentlichten Index "Staaten vor dem
Scheitern" landete das afrikanische Land in diesem Jahr auf dem
vordersten Platz. Die sudanesische Krisenregion Darfur ist seit Jahren
Schauplatz eines Bürgerkriegs, in dem Schätzungen zufolge bis
zu 300.000 Menschen starben und mehr als zwei Millionen zu
Flüchtlingen wurden. An zweiter Stelle der am meisten
gefährdeten Staaten nennt die Studie die vom Bürgerkrieg
zerrüttete Demokratische Republik Kongo. Allein sechs von zwanzig
als instabil bewerteten Ländern liegen in Afrika. Der Kontinent
bleibt damit weiterhin der politisch unsicherste weltweit.
(Quelle: afp)
Nepalesisches Kabinett verkündet Waffenruhe mit Maoisten
Do.04.05.06 - Die nepalesische Regierung hat am Mittwoch eine Waffenruhe mit den
maoistischen Rebellen verkündet, deren Kampf gegen die Monarchie
seit 1996 rund 13.000 Menschen das Leben gekostet hat. Die
Aufständischen würden nicht mehr als Terrororganisation
betrachtet, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Khadga
Prasad Oli in Kathmandu. Die Rebellen hatten die Proteste der
Opposition gegen die Alleinherrschaft von König Gyanendra
unterstützt und in der vergangenen Woche ebenfalls einen
Waffenstillstand erklärt.
Der stellvertretende Regierungschef Oli forderte die Maoisten zu
Friedensgesprächen auf. Alle Vorwürfe gegen sie, die im
Zusammenhang mit Terrorismus stünden, würden fallen gelassen.
Das Kabinett werde außerdem Interpol auffordern, internationale
Haftbefehle gegen Führer der Maoisten aufzuheben, sagte Oli.
Innenminister Krishna Sitaula erklärte, die Friedensverhandlungen
dürften erfolgreich verlaufen, nachdem sich die Regierung bereit
erklärt habe, eine Hauptforderung der Rebellen zu erfüllen
und die Verfassung zu ändern. Der letzte Waffenstillstand war im
Jahr 2003 zerbrochen, weil die damalige Regierung dieser Forderung
nicht nachkommen wollte. Die US-Regierung betonte indes, sie betrachte
die Maoisten weiterhin als Terrororganisation.
Die Europäische Union begrüßte den Waffenstillstand und
forderte die Rebellen auf, der Gewalt abzuschwören und ihre Waffen
abzugeben. Die EU und die internationale Gemeinschaft seien bereit, den
politischen Prozess in Nepal zu unterstützen, hieß es in
einer Erklärung der österreichischen Ratspräsidentschaft.
Nach Angaben von Finanzminister Ram Sharan Mahat erklärte das
Kabinett außerdem die Ergebnisse der Kommunalwahl vom Februar
für ungültig. Ein Termin für eine Wiederholung der
Abstimmung wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Die neue
Regierung will alle Regelungen aufheben, die König Gyanendra seit
seiner Machtergreifung im Februar vergangenen Jahres erlassen hat.
Während der dreiwöchigen Proteste gegen Gyanendra kamen
mindestens 17 Demonstranten ums Leben. Die Familien der Opfer sollten
eine Entschädigung von jeweils einer Million Rupien (rund 11.000
Euro) erhalten, kündigte Mahat an.
(Quelle: ap)
EU setzt Verhandlungen mit Serbien aus
Do.04.05.06 - Die EU hat die Verhandlungen über engere Beziehungen mit Serbien
ausgesetzt, weil das Land den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ratko
Mladic noch immer nicht an das UN-Tribunal in Den Haag ausgeliefert hat.
«Serbien muss zeigen, dass niemand über dem Gesetz steht und
dass sich jeder der Justiz stellen muss, der eines ernsthaften
Verbrechens angeklagt ist», begründete
EU-Erweiterungskommissar Ollie Rehn die Entscheidung am Mittwoch in
Brüssel.
Zuvor hatte Rehn eigenen Angaben zufolge mit UN-Chefanklägerin
Carla del Ponte gesprochen. Ihre Einschätzung über die
Zusammenarbeit der Regierung mit dem Tribunal sei negativ, sagte Rehn.
Brüssel hatte Belgrad eine Frist bis Ende April gesetzt, um den
bosnisch-serbischen General Mladic auszuliefern. Die EU und Serbien
verhandeln derzeit über ein Stabilisierungs- und
Assoziierungsabkommen, das als erster Schritt hin zu einem Beitritt
gilt. Die nächste Verhandlungsrunde war für den 11. Mai
angesetzt.
Rehn sagte, die Gespräche seien bislang positiv verlaufen und
könnten sogar noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, «aber
nur, wenn sich die Zusammenarbeit dramatisch verbessert». Der
serbische Außenminister Vuk Draskovic äußerte sich bei
einem Besuch in Griechenland enttäuscht von der Entscheidung.
«Die Chancen auf eine europäische Zukunft sind für
Serbien gesunken.»
Mladic ist zusammen mit dem früheren bosnisch-serbischen
Präsidenten Radovan Karadzic der meistgesuchte mutmaßliche
Kriegsverbrecher auf dem westlichen Balkan. Beide sollen unter anderem
für das Massaker in Srebrenica verantwortlich sein. Nach
Erkenntnissen Del Pontes hält er sich in Serbien auf und wird dort
von nationalistischen Kreisen gedeckt. Die Entscheidung der EU
könnte die Regierung von Ministerpräsident Vojislav Kostunica,
die im Parlament von den Stimmen der Nationalisten abhängt, weiter
schwächen.
(Quelle: ap)
Regierungsbildung in Italien verzögert sich
Do.04.05.06 - Die Regierungsbildung in Italien verzögert sich weiter:
Staatspräsident Azeglio Ciampi verzichtete am Mittwoch definitiv
auf eine zweite Amtszeit und überlässt die Berufung von
Romano Prodi zum neuen Ministerpräsidenten seinem Nachfolger.
Gewählt wird das neue Staatsoberhaupt am kommenden Montag. Prodi
hatte sich ebenso wie der bei der Parlamentswahl Anfang April
unterlegene Regierungschef Silvio Berlusconi für einen Verbleib
Ciampis an der Spitze des Staates ausgesprochen.
Der 85-Jährige begründete seinen Verzicht am Mittwoch mit
seinem hohen Alter. Darüber hinaus sei noch kein italienischer
Präsident nach sieben Jahren wiedergewählt worden. Diese
Tradition solle «besser nicht gebrochen werden»,
erklärte Ciampi, dessen Amtszeit am 18. Mai endet. Zuvor hatte er
noch angedeutet, er könne doch weiterhin zur Verfügung
stehen. «Wir werden sehen», hatte er bei einem Besuch in
seiner norditalienischen Heimatstadt Livorno gesagt.
Prodi bedauerte Ciampis Entscheidung. Er danke dem
Staatspräsidenten für die vergangenen sieben Jahre und
bedaure, dass es nicht sieben weitere gebe. In Italien wird der
Staatspräsident von den Abgeordneten beider Parlamentskammern und
Vertretern der 20 Regionen gewählt. Am Dienstag zog das Parlament
den Termin für die Abstimmung auf den 8. Mai vor.
Prodi bemühte sich, die Verzögerung bei der Regierungsbildung
herunterzuspielen. Es handele sich lediglich um ein paar Tage, sagte er
nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA. Die Aufstellung der
Kabinettsliste hat bereits zu Spannungen zwischen den Parteien von
Prodis Mitte-links-Bündnis geführt. Berlusconi hatte am
Dienstag, gut drei Wochen nach seiner knappen Wahlniederlage, seinen
Rücktritt eingereicht, bleibt aber geschäftsführend im
Amt.
(Quelle: ap)
Deutschland
Hartz IV laut Bericht nicht Schuld an Kostenexplosion
Do.04.05.06 - Die Arbeitsmarkreform Hartz IV ist laut einem Bericht des
Bundesarbeitsministeriums nicht verantwortlich für den anhaltenden
Anstieg der Ausgaben für Arbeitslose. In einem Bericht des
Parlamentarischen Staatssekretärs Gerd Andres (SPD), der der
«Neuen Presse»(Hannover) vorliegt, heißt es:
«Bei einem Vergleich der Ausgaben für erwerbsfähige
Hilfebedürftige des Jahres 2004 mit den Ausgaben des Jahres 2005
muss berücksichtigt werden, dass auch in den alten Systemen auf
Grund der ungünstigen Entwicklung des Arbeitsmarktes die
Ausgabenbelastung im Jahr 2005 zugenommen hätte.»
Nach einer Simulation des Arbeitsministeriums wären die Kosten
ohne die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe etwa genauso
stark angewachsen, berichtet die Zeitung. «Es wird
geschätzt, dass die Ausgaben in den alten Systemen im Jahr 2005
auf ca. 43,5 Milliarden Euro angestiegen wären», heißt
es demnach in dem vierseitigen Bericht. Tatsächlich lagen sie 2005
bei 44,4 Milliarden.
(Quelle: ap)
Kabinett verschärft Regeln für Arbeitslosengeld II
Do.04.05.06 - Die Bundesregierung will die Regeln für den Bezug des
Arbeitslosengeldes II verschärfen. Das Kabinett verabschiedete am
Mittwoch in Berlin das so genannte «Hartz
IV»-Optimierungsgesetz. Es soll in der zweiten Jahreshälfte
in Kraft treten und im laufenden Jahr Einsparungen von rund 400
Millionen Euro für den Bund und etwa 100 Millionen Euro für
die Gemeinden erbringen. Ab 2007 werden für den Bund jährliche
Einsparungen von insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro und für die
Gemeinden von rund 300 Millionen Euro erwartet.
Der Entwurf mit seinen mehr als 50 Einzelmaßnahmen sieht unter
anderem eine Beweislastumkehr bei eheähnlichen Gemeinschaften vor.
Die Arbeitsgemeinschaften gehen künftig von einer eheähnlichen
Gemeinschaft aus, wenn etwa die beiden Erwachsenen länger als ein
Jahr zusammenwohnen oder gemeinsame Kinder haben. Der Gesetzgeber
vermutet, dass eheähnliche Gemeinschaften derzeit meist
verschwiegen werden, um sich den vollen Regelsatz zu sichern.
Um Leistungsmissbrauch besser aufzudecken, will die Regierung zudem den
Datenabgleich zwischen den Behörden verstärken. Auch sollen
Außendienstmitarbeiter die Haushalte stärker
überprüfen. Ein solcher Außendienst wird den
Behörden gesetzlich vorgeschrieben. Wenn jemand Arbeitslosengeld II
beantragt, ohne vorher Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe erhalten zu
haben, sollen für diese Person sofortige Hilfen eingeleitet werden,
damit es gar nicht erst zum Bezug der Sozialleistung kommt.
(Quelle: ddp)
Deutsche Bank startet mit Rekordquartal ins neue Jahr
Do.04.05.06 - Dank boomender Kapitalmärkte sowie Zuwächse in anderen
Konzernbereichen hat die Deutsche Bank im Auftaktquartal einen
Rekordgewinn erzielt.
Deutschlands größtes Kreditinstitut übertraf die
Erwartungen des Marktes deutlich. Vorstandschef Josef Ackermann ist mit
den vorgelegten Zahlen auf gutem Weg, die angestrebte Rendite von
dauerhaft 25 Prozent zu schaffen.
Nach Steuern sei von Januar bis März ein Gewinn von 1,7 Milliarden
Euro verbucht worden, dies entspreche einem Anstieg von 55 Prozent im
Vorjahresvergleich, teilte die Deutsche Bank am Mittwoch in Frankfurt
mit. "Dies war das erfolgreichste Quartal in der Geschichte der
Deutschen Bank", erklärte Ackermann. Von Reuters befragte Analysten
hatten im Schnitt nur mit 1,34 Milliarden Euro gerechnet. Die
bereinigte Eigenkapitalrendite vor Steuern kletterte um sieben
Prozentpunkte auf 40 Prozent.
Einen Geschäftsausblick gab der Vorstand nicht und
äußerte sich zunächst auch nicht zu den bisherigen
Prognosen. Der Schweizer Ackermann hatte vor drei Monaten in Aussicht
gestellt, nachhaltig eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25 Prozent
sowie zweistellige Zuwachsraten beim Ergebnis je Aktie erzielen zu
wollen. Als Grund für das gute Abschneiden zum Jahresbeginn 2006
nannte Ackermann die weltweit starken Kapitalmärkte, zahlreiche
Übernahmen vor allem in Europa sowie eine hohe Nachfrage im
Vermögensanlagebereich. "Wir profitierten in vollem Umfang von
unserer starken Marktstellung", resümierte er.
Insgesamt verbuchte die Deutsche Bank im Auftaktquartal einen
Ertragsanstieg von 21 Prozent auf acht Milliarden Euro. Haupttreiber
hierfür war einmal mehr das Investmentbanking, aber auch die
anderen Sparten der Bank konnten - auf niedrigerem Niveau - deutliche
Zuwächse verbuchen. Die Erträge im Verkauf und Handel von
Rententiteln verbesserte die Bank trotz steigender Zinsen um 19 Prozent
auf 2,8 Milliarden Euro. Im Aktienbereich kletterten die Erlöse gar
um 90 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Auch das Emissions- und
Beratungsgeschäft legte zu, während das Kreditgeschäft
ein Minus verzeichnete. Insgesamt sorgte die Konzernsäule
Firmenkunden und Investmentbanking (CIB) für einen um Sondereffekte
bereinigten Vorsteuergewinn von 2,1 (Vorjahr: 1,6) Milliarden Euro.
Die zweite Konzernsparte, das Privatkundengeschäft und die
Vermögensverwaltung (PCAM), verbuchte einen Anstieg des bereinigten
Vorsteuergewinns um 37 Prozent auf 558 Millionen Euro. Hierzu steuerte
das Privatkundengeschäft alleine 321 Millionen Euro bei und legte
damit um 31 Prozent zu.
Anders als im vergangenen Jahr verzeichnete die Bank kaum
Sondereffekte. So schlugen lediglich 42 Millionen Euro an
Restrukturierungskosten zu Buche, während zugleich Gewinne aus
Beteiligungsverkäufen von 126 Millionen Euro realisiert wurden. Die
Trennung von der Immobilienbank Eurohypo war darin mit 85 Millionen
Euro enthalten.
Die Kosten im Auftaktquartal bezifferte die Bank auf 5,4 Milliarden
Euro - ein Anstieg von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wegen der
Auflösung bereits gebildeter Rückstellungen fiel die
Risikovorsorge mit vier (2005: 81) Millionen Euro marginal aus.
(Quelle: rtr)
Finanzminister Steinbrück will Firmensteuern offenbar massiv senken
Do.04.05.06 - Die Bundesregierung will die Steuersätze für Unternehmen
offenbar deutlich senken. Wie die «Süddeutsche
Zeitung» (Donnerstagausgabe) meldete, sollen Konzerne statt 39
Prozent künftig nur noch knapp 30 Prozent zahlen. Auch
Mittelständler sollten von der Steuerreform profitieren.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) stellte seine
Pläne laut «SZ» im Koalitionsausschuss vor. Er habe
dafür geworben, die Reform um ein Jahr auf 2007 vorzuziehen. Die
Union habe dies jedoch kategorisch abgelehnt. Die Steuersenkung kostet
anfangs fünf bis zehn Milliarden Euro pro Jahr, später soll
sie den Etat nicht mehr belasten. Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hatte
sich noch vor kurzem dafür ausgesprochen, die Steuerquote
mittelfristig anzuheben.
(Quelle: ap)
Goethe-Institut plant Schließungen in Westeuropa
Limbach: Aufrechterhaltung des gesamten Institutsnetzes ohne mehr Geld
nicht möglich
Do.04.05.06 - Das für die Präsentation deutscher Kultur im Ausland
zuständige Goethe-Institut wird einige seiner derzeit 128
Institute in 79 Ländern schließen müssen, wenn die
Bundesregierung nicht mehr Geld zur Verfügung stellt. Das hat
Präsidentin Jutta Limbach am Mittwoch in Berlin angekündigt.
«Die Beibehaltung des gesamten Institutsnetzes ist ohne
Bewilligung weiterer Gelder nicht möglich», sagte sie.
Limbach kündigte an, Außenminister Walter Steinmeier, aus
dessen Etat der staatliche Zuschuss von derzeit 109 Millionen Euro
stammt, um ein Gespräch über die Zukunft der Arbeit des
Instituts zu bitten. Nach ihren Angaben konnte im Präsidium keine
Einigung über die Konsequenzen aus der strukturellen
Unterfinanzierung erzielt werden. Dem Gremium habe auch keine Liste von
zu schließenden Instituten vorgelegen.
Generalsekretär Hans-Georg Knopp hatte dem Präsidium unter
anderem vorgeschlagen, in Westeuropa die Ausgaben für die
Infrastruktur zu verringern, was die Schließung einiger der rund
40 Institute bedeuten würde. Dadurch frei werdende Mittel sollten
in Projekte und Informationsarbeit investiert werden. Ein Teil
könnte auch in den Ausbau der Präsenz in China, Indien und
den islamischen Ländern umgeleitet werden. Als Beispiel
führte er Italien an, wo es derzeit 13 Institute, davon vier
Zentralinstitute, gibt. Die Arbeit könnte auch von einem einzigen
Zentralinstitut etwa in Rom oder Mailand aus organisiert werden.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Dieselpartikelfilter ungeeignet zur Feinstaubfilterung
Do.04.05.06 - Der Kärntner Forscher Gerhard Fleischhacker, Leiter der
akkreditierten Prüfstelle für Umwelttechnik CEF-Austria
International, hat eine innovative Methode gefunden, die geeignet ist,
auch Feinstpartikel aus dem Abgas und der Abluft zu filtern. Der
Schadstoffminimierungsreaktor nach dem System CEF (kurz SMRÄ-CEF
genannt) ist in der Lage diese Feinststaubpartikel PM2 hochwirksam zu
reduzieren. In einem Interview mit pressetext (pte) kritisiert der
Wissenschaftler den herkömmlichen Dieselpartikelfilter als
ungeeignetes Mittel zur Abscheidung von Nanopartikel. "Gerade in urbanen
Ballungsräumen hat die Immissionsbelastung durch Feinststaub ein
gesundheitlich nicht mehr tolerierbares Ausmaß erreicht. Daran
ist nicht nur der Hausbrand, sondern auch die industriellen Emittenten
und nicht zuletzt die Abgase aus Motoren - Benzin und Diesel- schuld",
so der Wissenschaftler.
"Bei jeder Verbrennung entstehen Emissionen - insbesondere
Feinstpartikel", erklärt Fleischhacker. Es stelle sich nicht die
Frage, ob die Emissionen durch den Hausbrand, durch eine industrielle
Verbrennung oder im besonderen im Diesel- bzw. im Benzinmotor entstehen.
"Auch ist es unerheblich ob fossile oder erneuerbare Energieträger
bzw. Brennstoffe verbrannt werden. Die Frage ist vielmehr, wie diese
beträchtliche Emissionsfrachten aller Emittenten, insbesondere
hinsichtlich Feinststaub reduziert oder überhaupt vermieden werden
können." Dass die Nanopartikelemissionen aus Benzinmotoren (obwohl
diese wesentlich geringer sind als beim Dieselmotor) die gleichen
gesundheitsbeeinträchtigenden Auswirkungen haben wie
Dieselmotoremissionen ist mittlerweile schon hinlänglich bekannt.
Mit den herkömmlichen Methoden, wie Elektrofilter oder
Gewebefilter und sonstigen Abscheideanlagen ist eine wirksame
Feinststaubreduzierung allerdings nicht erreichbar. "Die von der
Industrie angebotenen Partikelfilter sind nur ein kleiner Schritt in
diese Richtung, da diese eigentlich nur eine Nachverbrennung sind und
damit das durch die Emissionen verursachte Gesundheitsrisiko nur
verlagern", meint Fleischhacker. Die kanzerogenen Nanopartikel sind
größtenteils kleiner als 50nm und der Partikelfiltertechnik
überhaupt nicht zugänglich, meint der Forscher. "Das Problem
der lungengängigen Feinstpartikelemissionen wird mit dieser
Technologie vom sichtbaren Bereich in den für das menschliche Auge
unsichtbaren Bereich verlagert. Die äußerst subtile und
irreführende Bezeichnung Partikelfilter gaukelt etwas vor, was
letztendlich nicht stimmt."
Die herkömmlichen Partikelfilter sind zudem im Einsatz
äußerst problematisch, da aufgrund der geringen und nach
unten begrenzten Durchströmquerschnitte der
Strömungswiderstand im Filter überproportional erhöht
wird. Die Folge ist ein enormer Leistungsverlust. "Außerdem muss
für die Nachverbrennung zusätzliche Energie aufgewendet
werden, was einige Anbieter durch das Beifügen von Additiven dem zu
behandelnden Abgas aufbereiten." Dadurch wird die Abluft mit weiteren
Schadstoffen angereichert. Als Beschichtungen im Keramik- oder
Sintermetallfilter müssen Edelmetalle eingesetzt werden, die nicht
nur teuer und begrenzt verfügbar sind, sondern durch die korrosive
Abnützung als Emissionen die Umwelt zusätzlich belasten. "Da
die für die Umwelt und den Menschen besonders gefährlichen
Nanopartikel (kleiner 50 nm) mit dem Partikelfilter nicht
zurückgehalten werden können, wird das eigentliche Ziel,
nämlich die Abscheidung von kanzerogenen Partikeln, überhaupt
nicht erfüllt", erklärt Fleischhacker. "Der einzige positive
Schritt der Dieselpartikelpartikelfilter-Technologie war die
'Initialzündung' zur Verbesserung der Messtechnik."
"Die Kenntnis der Wirkungsmechanismen der Nanopartikel hat die
Weiterentwicklung von passiven und aktiven Abgasbehandlungssystemen
wesentlich beeinflusst", so der Experte. Die mikroskopisch kleinen
Kohlenstoffteilchen, an welchen sich die aus Kraft- und Schmierstoffe
stammenden Kohlenwasserstoffe anlagern, können sich infolge
Clusterbildung um ein Vielfaches vergrößern und sind als
Folge davon, der im Filtermedium herrschenden Adhäsionskräfte
einer Ablagerung zugänglich. Eine wirksame Reinigung des
Partikelfilters ist nur durch Abbrennen der "gesammelten" Feinstpartikel
möglich. "Die beim Abbrand entstehenden kanzerogenen Nanopartikel
(Dioxine und PAK's) werden anschließend mit dem Abgas in die
freie Atmosphäre ausgetragen und können damit unmittelbar
über die Atemluft vom Menschen inhaliert werden", schildert
Fleischhacker die Situation.
Die ersten Lösungsansätze liegen in der Verbesserung der
Einspritztechnik wie etwa die Commonrail- und die Piezzotechnik. Im
Verbrennungsraum wurde damit mit Erfolg die Optimierung der Verbrennung
erreicht. "Übrig bleiben aber immer noch die ultrafeinen
Nanopartikel, die durch geeignete oxydative Prozesse im Abgasstrom
reduziert werden können", schildert der Experte. "Die oxidierbaren
Feinstpartikel werden beim Durchströmen des Reaktors energetisch so
angereichert, dass die Reaktionsenergie der einzelnen Teilchen gerade
so viel angehoben wird, dass eine oxydative Reduktion der
Feinstpartikel in unschädliche Bestandteile, das sind im
günstigsten Falle CO2 und H2O-Teilchen, stattfindet", erklärt
Fleischhacker abschließend. Der SMRÄ-CEF ist darüber
hinaus um etwa 15 Prozent günstiger als ein einfacher
Partikelfilter. Ein nachträglicher Einbau ist ohne wesentlichen
Aufwand möglich.
(Quelle: pte)
Greenpeace: Alltagschemikalien beeinträchtigen Fruchtbarkeit
Do.04.05.06 - Im Alltag verwendete Chemikalien sind nach einem Bericht der
Umweltorganisation Greenpeace mit verantwortlich für den Anstieg
von Unfruchtbarkeit und genitalen Missbildungen bei Neugeborenen in den
Industriestaaten. Für die am Dienstag vorgestellte Studie sammelten
die Greenpeace-Experten Forschungsergebnisse aus Arbeiten der letzten
Jahre. Daraus lasse sich unter anderem entnehmen, dass die Zahl der
aktiven Spermien sich in Analysen aus den letzten fünf Jahrzehnten
um die Hälfte verringert habe. Seit Anfang der 60er Jahre habe
sich die Zahl der unfruchtbaren Paare in den Industriestaaten auf bis
zu 20 Prozent verdoppelt. Besonders deutlich sei der Anstieg in
ländlichen Gebieten Deutschlands, der USA, Kanadas, Skandinaviens
und Japans, heißt es in der Studie.
Wie die Autoren der Studie weiter berichteten, sind auch Erkrankungen
wie Hodenkrebs auf dem Vormarsch. In den USA litten immer mehr Frauen an
Wucherungen im Gebärmutterraum; vor allem bei Frauen in der
Toscana und bei Immigranten aus Asien und Lateinamerika sei ein
zunehmend früheres Eintreten der Pubertät zu beobachten. "Die
Gründe für den Anstieg solcher Probleme sind noch unbekannt",
schreiben die Autoren. Zeitgleich mit dem Anstieg der
Geschlechtsanomalien sei jedoch eine zunehmende Verwendung bestimmter
chemischer Substanzen festzustellen.
Laut Greenpeace werden weltweit mehr als 100.000 verschiedene chemische
Moleküle synthetisch hergestellt und eingesetzt. Schon im
Mutterleib sei der Fötus einer Fülle von Substanzen
ausgesetzt, "die den menschlichen Körper vergiften". In
Tierversuchen sei nachgewiesen worden, dass der Einsatz bestimmter
Chemikalien die Fruchtbarkeit verringere. Die große Mehrheit der
Chemikalien, die in modernen Reinigungsmitteln,
Körperpflegeprodukten und Lösungsmitteln enthalten seien,
seien noch nie auf ihre Nebenwirkungen für die Gesundheit und die
Umwelt getestet worden, kritisierte Greenpeace. Im Rahmen der
EU-Richtlinie REACH müsse eine strengere Kontrolle von
Alltagschemikalien und gefährlicher Substanzen erfolgen, forderte
die Umweltorganisation.
(Quelle: afp)