Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertachtundsiebzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Irakische Sunniten fordern Amt des Vizeregierungschefs. Drei irakische
Soldaten bei Selbstmordanschlag getötet. Sieben Iraker von
Aufständischen verschleppt. Britischer Hubschrauber im
Südirak abgeschossen
So.07.05.06 - Die irakischen Sunniten beanspruchen in der künftigen Bagdader
Regierung das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten. Die
Irakische Eintracht nominierte am Samstag den Abgeordneten Salam Sikam
Ali al Subaie für den Posten, wie ein Sprecher des sunnitischen
Parteienbündnisses mitteilte. Die Ankündigung erfolgte einen
Tag nach einem Treffen ranghoher schiitischer und kurdischer Politiker.
Anschließend hatte es geheißen, der designierte
Regierungschef Nuri al-Maliki werde sein Kabinett am kommenden Dienstag
vorstellen.
Die Sunniten waren zu diesem Treffen nicht eingeladen. Die
Verkündung ihres Anspruchs auf einen Stellvertreterposten wurde in
Bagdad als unmittelbare Reaktion darauf gewertet. Dem künftigen
schiitischen Ministerpräsidenten Al-Maliki sollen insgesamt vier
Stellvertreter zur Seite gestellt werden.
Sunnitische Politiker erklärten ferner, die Volksgruppe sei am
Außenministerium interessiert. Dieses wird zurzeit vom Kurden
Hoschjar Sebari geleitet. Die Sunniten machen jedoch geltend, dass die
Kurden mit Dschalal Talabani bereits den Präsidenten stellten und
deshalb fairerweise nicht noch ein zweites hohes Amt beanspruchen
dürften. Sebari wies dies entschieden zurück. Wegen
möglicher Streitigkeiten äußerten die Sunniten Zweifel
daran, dass die Regierung tatsächlich schon am Dienstag stehen
werde.
Bei einem Selbstmordanschlag auf einem irakischen
Militärstützpunkt sind am Samstag drei Soldaten getötet
worden. Bei den Opfern in der Stadt Tikrit handele es sich um einen
Oberst, einen Major und einen Leutnant, teilte das Innenministerium in
Bagdad mit.
Der Attentäter in Tikrit trug den Angaben zufolge eine irakische
Militäruniform, unter der er den Sprengstoff versteckt hatte. Die
Behörden erklärten, der Mann habe dem Wachpersonal gesagt, er
wolle mit einem der Offiziere sprechen. Daraufhin sei er ohne
Durchsuchung hereingelassen worden. Ziel des Anschlags waren junge
Rekruten, die gerade eine Übung beendet hatten und in einen anderen
Landesteil verlegt werden sollten. Ein Oberstleutnant wurde verletzt.
Mutmaßliche Aufständische verschleppten am Samstag
südlich von Bagdad sieben Iraker. In der Umgebung von Mahawil
hielten bewaffnete Männer ein Auto an, in dem drei Polizisten
saßen, und entführten die Beamten, wie ein Polizeisprecher
erklärte. Außerdem stoppten sie vier Minibusse auf dem Weg zu
einer Haltestelle und verschleppten die Fahrer.
Bei Anschlägen und Überfällen kamen in Bagdad wieder
zahlreiche Iraker ums Leben. Zwei Granaten trafen im Norden der
Hauptstadt ein Haus und töteten zwei Kinder. Eine Frau wurde
verletzt. Im Osten war eine irakische Polizeipatrouille Ziel eines
Bombenanschlags. Ein Beamter kam ums Leben. Sicherheitskräfte
fanden die Leichen von sieben Männern, fünf von ihnen
gehörten der sunnitischen Minderheit an. Sie waren verschleppt und
ermordet worden.
Ein britischer Hubschrauber ist in der südirakischen Stadt Basra
von einer Rakete abgeschossen worden. Nach irakischen Polizeiangaben
wurde der Helikopter über einem Wohngebiet abgeschossen. Ein
Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums bestätigte den
Absturz, bei dem es "Opfer" gegeben habe. Angaben über einen
Raketenbeschuss machte er zunächst nicht. In Basra, wo mehrheitlich
Schiiten leben, haben die Briten gut 8000 Mann stationiert. Dort
befindet sich das Hauptquartier ihres Irak-Einsatzes.
Bei der Detonation einer Bombe in der Hauptstadt Bagdad wurde ein
US-Soldat getötet. Er kam am Freitag ums Leben, als ein Sprengsatz
sein Fahrzeug traf, das in einem Konvoi unterwegs war. Damit stieg die
Zahl der seit Kriegsbeginn im März 2003 getöteten US-Soldaten
nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP auf 2.417.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 07.05.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertunddreizehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Zehn US-Soldaten bei Hubschrauber-Absturz in Afghanistan getötet
So.07.05.06 - Ein Hubschrauber-Absturz im Osten Afghanistans hat am Samstag zehn
amerikanische Soldaten das Leben gekostet. An der Absturzstelle seien
die Leichen der Soldaten gefunden worden, sagte
US-Militärsprecherin Tamara Lawrence. Überlebende habe es
nicht gegeben. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Maschine von
Aufständischen angegriffen worden sei. Der Hubschrauber vom Typ
CH-47 Chinook hatte am Freitagabend die Operation «Puma» in
der Provinz Kunar unterstützt.
Der Helikopter sei an einer Operation in der Nähe von Asadabad
beteiligt gewesen, erklärten die US-Streitkräfte in einer
Stellungnahme.
Andere Soldaten hätten bestätigt, dass der Hubschrauber nicht
beschossen worden sei. Die Absturzstelle liege etwa 249 Kilometer
östlich der Hauptstadt Kabul. Bei Tagesanbruch seien
Rettungskräfte in das Gebiet aufgebrochen. Die Operation
«Puma» ist mit rund 2.500 beteiligten afghanischen und
amerikanischen Soldaten die größte seit dem Sturz der Taliban
2001. Sie richtet sich gegen Kämpfer der Taliban und der Al Kaida
im Grenzgebiet zu Pakistan.
(Quelle: ap)
Russland fordert Änderungen an Iran-Resolution
So.07.05.06 - Die russische Regierung will dem Entwurf für eine Iran-Resolution
im UN-Sicherheitsrat in der derzeitigen Fassung offenbar nicht
zustimmen. Der von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den
USA erarbeitete Textentwurf benötige "größere
Änderungen", sagte Vizeaußenminister Sergej Kisljak laut
Nachrichtenagenturen. Es sei derzeit allerdings noch "zu früh, um
zu sagen, welche Änderungen an dem Resolutionsprojekt die russische
Seite zufriedenstellen" würden, zitierten die Agenturen den
Vizeminister weiter.
Der UN-Sicherheitrat berät derzeit über eine mögliche
Resolution, mit der der Iran aufgefordert werden soll, seine
Aktivitäten bei der Urananreicherung zu beenden. Der Entwurf
bezieht sich zwar auf Kapitel VII der UN-Charta, sieht aber noch nicht
ausdrücklich die nach dem Kapitel mögliche Androhung von
politischen und wirtschaftlichen Sanktionen oder gar militärischen
Maßnahmen vor.
Dennoch gibt es gegen den Entwurf Bedenken der beiden Vetomächte
China und Russland. Sie befürchten, dass damit doch schon der erste
konkrete Schritt auf dem Weg zu Zwangsmaßnahmen gegen den Iran
getan werden könnte. Unter Verweis auf Kapitel VII hatten die USA
im Frühjahr 2003 ihren Einmarsch in den Irak gerechtfertigt,
nachdem sich abzeichnete, dass sie nicht mit einem UN-Mandat rechnen
konnten.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Hunderte Palästinenser fordern Vergeltung für Luftangriff
So.07.05.06 - Hunderte militante Palästinenser haben sich am Samstag im
Gazastreifen an einem Trauermarsch für die fünf Opfer eines
israelischen Luftangriffs beteiligt und Vergeltung gefordert. Die
Männer schossen in die Luft und riefen «Rache, Rache».
Die fünf Palästinenser waren am Freitag bei einem israelischen
Angriff auf ein Ausbildungslager militanter Gruppen in Gaza ums Leben
gekommen.
Der Angriff galt einem Lager militanter Palästinenser, das von den
Volkswiderstandskomitees genutzt wurde. Diese Organisation ist für
zahlreiche Raketenangriffe auf Israel verantwortlich. Unter den Opfern
sollen vier Angehörige eines Kommandeurs der
Volkswiderstandskomitees sein, wie Mitarbeiter eines Krankenhauses
mitteilten. Der Kommandeur, Mumtas Durghmusch, hielt sich zum Zeitpunkt
des Angriffs nicht in dem Lager auf.
Die regierende Hamas erklärte am Samstag, der umstrittene neue
Sicherheitsdienst unter Führung des Extremisten Dschamal Abu
Samhadana werde Mitte Mai die Arbeit aufnehmen. Die Einheit werde die
bereits bestehenden Sicherheitskräfte entlang der Küste des
Gazastreifens verstärken, die gegen illegale Bauprojekte vorgehen,
sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Samhadana, der Chef der
Volkswiderstandskomitees, steht in Israel auf Platz zwei der meist
gesuchten palästinensischen Extremisten. Der palästinensische
Präsident Mahmud Abbas hatte seine Ernennung abgelehnt.
Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija wollte
sich im Verlauf des (gestrigen) Samstags mit Abbas treffen. In dem
Gespräch sollte es um die wachsenden Spannungen zwischen beiden
Seiten und die Beziehungen zur internationalen Gemeinschaft gehen, wie
Regierungssprecher Ghasi Hamad erklärte. Hanija beklagt, Abbas habe
die Befugnisse der Regierung in vielen Punkten beschnitten. Abbas rief
dagegen die Hamas auf, ihre Haltung gegenüber Israel zu
überdenken.
In Hebron im Westjordanland forderten unterdessen zahlreiche Lehrer die
Auszahlung ihrer Gehälter und traten in den Streik. Hunderte
Schüler wurden nach Hause geschickt. Ein Vertreter des
Bildungsministeriums in Hebron verwies darauf, dass in zwei Wochen die
Abschlussprüfungen anstehen. Er forderte die Lehrer auf, aus
Rücksicht auf ihre Schüler die Arbeit wieder aufzunehmen. Die
palästinensische Autonomiebehörde ist praktisch
zahlungsunfähig und kann seit zwei Monaten die Gehälter
für ihre 165.000 Mitarbeiter nicht bezahlen.
(Quelle: ap)
Verhaltene Reaktionen auf Abkommen für Darfur
So.07.05.06 - Die Unterzeichnung eines Friedensabkommens für die sudanesische
Krisenregion Darfur ist von der internationalen Gemeinschaft verhalten
optimistisch aufgenommen worden. UN-Generalsekretär Kofi Annan
begrüßte es, dass die Regierung in Khartum und die
größte Rebellenorganisation das Dokument unterschrieben. Auch
die USA und Großbritannien sprachen von einem "ersten Schritt"
zur Beendigung des Konflikts, bei dem in den vergangenen drei Jahren
bis zu 300.000 Menschen ums Leben kamen. Rund 2,4 Millionen wurden in
die Flucht getrieben.
Nur wenn alle Gruppen das Abkommen unterzeichneten, könne "dieses
tragische Kapitel in der Geschichte des Sudans zu Ende gebracht werden",
sagte Annan in New York. Das Dokument wurde am Freitag im
nigerianischen Abuja lediglich von der größeren Fraktion der
Sudanesischen Befreiungsbewegung (SLM) unter Minna Minawi sowie dem
Chefunterhändler der sudanesischen Regierung, Magsub el Chalifa,
unterzeichnet. Die Rebellengruppe Bewegung für Gerechtigkeit und
Gleichheit (JEM) und die SLM-Abspaltung unter Abdel Wahid Mohammed el
Nur wollten das Dokument zunächst nicht unterzeichnen. Nach Angaben
eines Mitglieds der US-Delegation kündigten später aber "mehr
als die Hälfte" der Anhänger el Nurs an, sich an das Abkommen
zu halten.
Das Dokument sieht ein Referendum über die Zukunft der Region im
Westsudan vor. Zudem soll es sicherstellen, dass Vertreter der Rebellen
an der sudanesischen Regierung beteiligt werden und ein
Wiederaufbaufonds für die Regierung eingerichtet wird. Die Aussicht
auf eine weitgehende Autonomie Darfurs, eine größere
Teilhabe der Region an der Macht und dem Reichtum des Landes sollen den
Konflikt beenden.
Das Weiße Haus nannte die Unterzeichnung des Abkommens einen
"bedeutenden Schritt", es müsse aber mehr getan werden, um die
Kämpfe zu beenden. Dies werde jedoch nicht von heute auf morgen
geschehen, gab US-Vizeaußenminister Robert Zoellick zu bedenken.
Ebenso wie Annan forderten auch die USA die übrigen Parteien auf,
das Abkommen zu unterschreiben. Der britische Entwicklungsminister
Hilary Benn sprach in London von einem "ersten Schritt" auf dem Weg zur
Beendigung des "furchtbaren Leidens" der Menschen.
Ursprünglich hätte schon am vergangenen Wochenende ein
Abkommen unterzeichnet werden sollen. An der Unterzeichnungszeremonie
nahmen der nigerianische Staatschef Olusegun Obasanjo, AU-Präsident
Denis Sassou N'Guesso sowie der AU-Vermittler Salim Ahmed Salim teil.
(Quelle: afp)
Brasilien nimmt Anlage zur Urananreicherung in Betrieb
So.07.05.06 - Auf einer ehemaligen Kaffeeplantage hat Brasilien eine Anlage zur
Urananreicherung in Betrieb genommen. Bei der feierlichen
Eröffnung des Zentrums bekräftigte Wissenschaftsminister
Sergio Rezende am Freitag das Bekenntnis der Regierung zur
ausschließlich wirtschaftlichen Nutzung der Atomkraft. Mit der
Anlage in Resende, 150 Kilometer westlich von Rio de Janeiro,
könne Brasilien umgerechnet mehrere Millionen Euro sparen, sagte
der Minister am Samstag der amtlichen Nachrichtenagentur Agencia Brasil.
Bislang erfolgt die Urananreicherung zur Produktion von
Kernbrennstäben für die Atomreaktoren Angra 1 und Angra 2 bei
dem europäischen Konsortium Urenco. Zurzeit wird in Angra ein
dritter Reaktorblock gebaut, der 2013 in Betrieb gehen soll.
Die staatliche Gesellschaft Industrias Nucleares do Brasil gibt den
Anreicherungsgrad in der Anlage mit weniger als fünf Prozent
Uran-235 an. Für die Herstellung von Atomsprengsätzen ist ein
Anreicherungsgrad von 95 Prozent erforderlich. Brasilien verfügt
über die sechstgrößten Uran-Reserven der Welt.
Anders als bei der Urananreicherung im Iran hat die Internationale
Atomenergiebehörde (IAEA) nach einer Überprüfung der
Anlage erklärt, dass sie keine Bedenken wegen einer möglichen
militärischen Nutzung der Technik habe. Das brasilianische
Atomprogramm reicht in die Zeit der Militärherrschaft von 1964 bis
1985 zurück. Die damals regierenden Generäle entwickelten
einen Geheimplan für die unterirdische Testzündung eines
Atomsprengsatzes im Amazonas-Regenwald. Diese Pläne wurden 1990
offiziell für beendet erklärt.
(Quelle: ap)
Deutschland
Terrorangriffe sollen als Verteidigungsfall gelten
So.07.05.06 - Über den Einsatz der Bundeswehr im Inneren soll am Montag eine
Ministerrunde unter Leitung von Verteidigungsminister Franz Josef Jung
beraten. Nach Informationen des «Spiegels» vom Samstag geht
es um die Neufassung des Bundeswehr-Weißbuchs. Von der Union
nähmen Innenminister Wolfgang Schäuble, Wirtschaftsminister
Michael Glos und Kanzleramtsminister Thomas de Maizière teil. Von
den Sozialdemokraten seien Außenminister Frank-Walter Steinmeier,
Justizministerin Brigitte Zypries, Arbeitsminister Franz
Müntefering und Finanzminister Peer Steinbrück dabei.
Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte, dass die Absicht
bestehe, sich über das Weißbuch und den Einsatz der
Bundeswehr im Inneren abzustimmen. Wie das Nachrichtenmagazin vorab
berichtete, ist die Frage einer neuen Definition des Verteidigungsfalles
umstritten. Jung und Schäuble wollten diese um terroristische
Angriffe im Innern erweitern und im zuletzt 1994 überarbeiteten
Weißbuch verankern.
Das Bundesverfassungsgericht hatte vor kurzem bekräftigt, dass der
Einsatz militärischer Mittel im Innern etwa bei einem Angriff von
Terroristen mit Passagierflugzeugen mit dem Grundgesetz nicht vereinbar
ist. Schäuble und Jung wollten nun auf eine Änderung der
Verfassung hinwirken, schrieb der «Spiegel».
Widerstand dagegen komme vom Koalitionspartner. Justizministerin
Zypries, unterstützt von Steinmeier und SPD-Fraktionschef Peter
Struck, sehe in dem Verfassungsurteil keinen Anlass, die bewährte
Aufgabenverteilung zwischen Polizei und Militär in Frage zu
stellen. Eine Verfassungsänderung würde Zweidrittelmehrheiten
in Bundestag und Bundesrat erfordern
(Quelle: ap)
DGB-Chef Sommer kritisiert SPD wegen Unternehmenssteuern
So.07.05.06 - DGB-Chef Michael Sommer hat den designierten SPD-Vorsitzenden Kurt Beck
wegen seiner Äußerungen zur Unternehmenssteuerreform
kritisiert. Es sei ein fatales Signal, zur Entlastung der Wirtschaft
auf Einnahmen des Staates zu verzichten, sagte Sommer der
«Frankfurter Rundschau» (Montagausgabe). «Diese
Politik machen die Gewerkschaften nicht mit.»
Er warne die Koalition davor, Mindereinnahmen in Kauf zu nehmen und zu
hoffen, dass sich die Einnahmen später wieder erhöhten, sagte
Sommer laut Vorabmeldung. «Grundsätzlich muss man
feststellen, dass eine Senkung von Unternehmensteuern noch nie zu mehr
Arbeitsplätzen geführt hat.»
Beck hatte wiederholt gesagt, dass deutsche Unternehmen weniger Steuern
bezahlen sollen. Mit der Schließung von Schlupflöchern werde
dies jedoch nicht zu Einbußen führen. Sommers Kritik bezog
sich auf Äußerungen des rheinland-pfälzischen
Ministerpräsidenten vom Freitag. Beck hatte gesagt, dass das
Ergebnis einer Reform «unter dem Strich möglichst nah am
jetzigen Steueraufkommen liegen soll».
(Quelle: ap)
Berliner WASG will sich gegen Entmachtung ihres Vorstandes wehren
So.07.05.06 - Die Berliner WASG zieht juristische Schritte gegen eine Entmachtung
ihres Vorstandes in Erwägung. Wenn der WASG-Bundesvorstand
tatsächlich zu dieser Maßnahme greifen sollte, «werden
wir uns mit allen Mitteln wehren», sagte die Spitzenkandidatin
für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus, Lucy Redler. Die
Wahlalternative will am Montag über Maßnahmen gegen ihren
rebellischen Berliner Landesverband entscheiden.
Redler betonte, dass es in Berlin mit der WASG «eine Kandidatur
gegen Privatisierung, Sozialabbau und die Armutsverwaltung geben
wird». Eine gemeinsame Kandidatur mit der Berliner Linkspartei.PDS
lehnte Redler erneut ab. «Eine Einheit gibt es nur bei linker
Politik», betonte sie. Die von der Linkspartei mitgetragene
Regierungspolitik sei jedoch unsozial und gegen die Interessen der
Menschen gerichtet.
Der Bundesvorsitzende der Wahlalternative Arbeit und Soziale
Gerechtigkeit, Klaus Ernst, nannte als Ziel für Maßnahmen
gegen den Berliner Vorstand, den Wahlantritt der WASG gegen die
Linkspartei.PDS in der Hauptstadt zu verhindern. «Ich gehe davon
aus, dass wir auch die rechtlichen Möglichkeiten dazu haben»,
sagte Ernst. Es sei unerträglich und undemokratisch, wenn sich
eine Minderheit gegen den erklärten Willen der Mehrheit stelle.
«Es kann doch nicht sein, dass in einer Partei zwei
gegensätzliche Grundsätze existieren», unterstrich er.
Der Landesparteichef der Linkspartei.PDS, Klaus Lederer, sprach sich
unterdessen für eine Fortsetzung der rot-roten Koalition in Berlin
nach der Abgeordnetenhauswahl im September aus. Dem Inforadio vom rbb
sagte Lederer: «Wir nehmen uns auch die nächsten fünf
Jahre vor, hier in dieser Stadt Politik zu machen.» Gleichzeitig
äußerte er Verständnis dafür, dass der
Koalitionspartner SPD auch die Möglichkeit von Rot-Grün nach
der Wahl in Betracht ziehe.
(Quelle: ap)
Wissenschaft und Technik
Toxikologische Warnung in der Nanotechnologie - Langfristige Folgen
können Auswirkungen wie Asbest aufweisen
So.07.05.06 - Vom 02. bis 03. Mai wurden auf der Konferenz "Nanoparticles for
European Industry" in London Fragen zur Herstellung, Charakter und
toxikologische Folgen von Produkten der Nanotechnologie erörtert.
Bislang steht die Forschung am Anfang, Schäden für die
Gesundheit sind noch unbekannt. Experten warnen aber vor
gesundheitlichen Folgen ungeahnten Ausmaßes, ähnlich wie bei
Asbest. Es bestehe erheblicher Forschungsbedarf, so die Forscher.
"Es gibt keine vollständige Marktübersicht mit
nanotechnologisch veränderten Produkten" so Thorsten Wiegers,
Pressesprecher des Bundesinstitut für Risikobewertung, im
Gespräch mit pressetext (pte). Derzeit sei laut Wiegers noch nicht
klar, ob Produkte, bei denen Nanotechnologie eingesetzt werden, der
Gesundheit schaden. Der Einsatz von Nanomaterialien in
Verbraucherprodukten ist nicht speziell gesetzlich geregelt, so Wiegers
weiter. Produkte mit Nanopartikeln müssen momentan nicht
gekennzeichnet werden.
Angewendet wird diese Technologie bereits in vielen Produkten des
Alltags, beispielsweise als Schutzschicht für Haushaltsgeräte,
Brillenoberflächen und Automobillackierungen. Nanotechnologie
bezeichnet die kontrollierte Veränderung von Atomen und
Molekülen. Dadurch entstehen Materialien mit verbesserten
Eigenschaften wie etwa Kratzfestigkeit, Transparenz, Leitfähigkeit
und Festigkeit. Anwendung findet diese Technologie in der Produktion
von Wandfarben, Fenstersprays, Sonnencremes, Kaugummis und Tabletten.
2005 betrug die Förderung der Nanotechnologie in Deutschland mit
Bundesmittel 298 Mio. Euro. In nahezu allen High-Tech-Branchen wird ein
Innovationsschub erwartet.
(Quelle: pte)