Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshunderteinundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Regierungsbildung laut Al-Maliki kurz vor dem Abschluss. 17 Tote bei
Autobombenanschlag im Nordirak. Führender sunnitischer Geistlicher
in Bagdad getötet
Mi.10.05.06 - Knapp fünf Monate nach der Parlamentswahl steht die
Regierungsbildung im Irak nach den Worten des designierten
Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki kurz vor dem Abschluss. Die
Schlüsselpositionen seien vergeben und er hoffe, dem Parlament die
gesamte Kabinettsliste bis zum Wochenende zur Bestätigung vorlegen
zu können, sagte Al-Maliki am Dienstag auf einer Pressekonferenz in
Bagdad.
Die USA hoffen, dass die Bildung einer Regierung zu einem Abbau der
Spannungen zwischen den Religionsgruppen beiträgt. Die Amerikaner
dringen darauf, dass vor allem das Innenministerium, das die Polizei
kontrolliert, und das Verteidigungsressort mit Politikern besetzt
werden, die keine Verbindungen zu konfessionellen Milizen haben. Bei
gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten sind in
den vergangenen Monaten hunderte Menschen getötet worden.
Al Maliki versicherte, die beiden künftigen Minister seinen
unabhängig und gehörten keiner Partei oder Miliz an. Namen
nannte der designierte Regierungschef nicht. Noch nicht geklärt sei
die Besetzung der Ressorts Verkehr, Handel und Öl.
Die Gewalt im Irak hielt unterdessen an. Bei einem Autobombenanschlag
im Norden des Irak sind am Dienstagabend mindestens 17 Menschen ums
Leben gekommen. Weitere 35 Menschen wurden verletzt, als der Sprengsatz
in der Innenstadt von Tal Afar explodierte. "Wir wissen noch nicht, ob
es sich um einen Selbstmordanschlag handelt", teilte die örtliche
Polizei mit. Der Sprengsatz war in einem Lieferwagen versteckt, der
Mehl für einen Markt in der Innenstadt lieferte. Tal Afar liegt
rund 450 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad, in der
Nähe der syrischen Grenze.
In Bagdad ist einer der führenden sunnitischen Geistlichen der
irakischen Hauptstadt erschossen worden. Wer hinter der Bluttat steckt,
ist noch nicht bekannt. Das Opfer, Scheich Raad Mohammed al-Deleimi,
war einer der bekanntesten Imame Bagdads. Die Welle der Gewalt im Irak
hatte am Wochenende einen Höhepunkt erreicht: Insgesamt starben
beim Absturz eines britischen Hubschraubers, nachfolgenden Unruhen in
Basra und Anschlägen mindestens 45 Menschen.
Am Montagabend wurden die Leichen von drei irakischen Soldaten bei
Madain im Tigris gefunden, wie die Behörden mitteilten. Nach
Polizeiangaben wurden zwölf weitere Leichen von gefolterten
Männern gefunden, vier in Bagdad und sieben in einem Fluss
südlich der Hauptstadt. In Bagdad wurden drei Iraker aus einem
fahrenden Auto heraus erschossen und eine Bombe riss einen Polizisten in
den Tod.
(Quelle: ap, dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 10.05.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertundsechszehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Vier Tote bei US-Luftangriff an afghanisch-pakistanischer Grenze
Mi.10.05.06 - Bei einem Luftangriff der US-geführten Streitkräfte im
afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet sind nach US-Angaben vier
"feindliche Kämpfer" getötet worden. Flugzeuge der
Verbündeten hätten bei dem Angriff im Bezirk Bermel
außerdem einen Lastwagen und Grotten zerstört, hieß es
in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung. Es sei
möglich, dass "unter den Trümmern weitere Rebellen begraben"
seien. Eine Militärpatrouille habe nach dem Luftangriff vor Ort
einen weiteren Extremisten festgenommen und zwei Lastwagen
zerstört, in denen zwei Raketen gefunden worden seien.
(Quelle: afp)
Ringen um Iran-Resolution geht weiter
Mi.10.05.06 - Im Atomstreit mit dem Iran geht das Ringen um eine UN-Resolution
weiter. Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD)
sagte nach den mehr als dreistündigen Beratungen in New York, es
seien "noch fünf bis sechs Fragen offen". Er rechnete damit, dass
es noch vierzehn Tage dauern könne, bis die fünf
ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschland eine
Lösung zur Iran-Resolution finden. "Wir müssen auf jeden Fall
sicherstellen, dass kein Automatismus in Gang gesetzt wird, der nachher
nicht mehr beherrschbar ist."
Frankreich und Großbritannien haben einen Resolutionsentwurf
eingebracht, der von den USA und Deutschland unterstützt wird.
Darin wird der Iran aufgefordert, seine Aktivitäten zur
Urananreicherung zu beenden. China und Russland wollen jedoch
umfangreiche Änderungen an dem Text. Sie befürchten, dass die
Resolution der erste konkrete Schritt auf dem Weg zu
Zwangsmaßnahmen gegen den Iran sein könnte.
Ein ranghoher US-Diplomat vertrat in New York die Ansicht, dass mit
einem gemeinsamen Text wohl nicht mehr in dieser Woche zu rechnen sei.
Es gebe keine Einigkeit darüber, ob die Resolution einen Verweis
auf Kapitel VII der UN-Charta enthalten solle. Dieses Kapitel sieht
Zwangsmaßnahmen bis hin zu einem militärischen Vorgehen vor.
Der deutsche Staatsminister im Auswärtigen Amt in Berlin, Gernot
Erler, wertete indes den Brief des iranischen Präsidenten Mahmud
Ahmadinedschad an die US-Regierung als Chance im Atomstreit. Im
Inforadio Berlin-Brandenburg sagte Erler, das 18-seitige Schreiben an
US-Präsident Bush sei ein Zeichen, dass Ahmadinedschad
Augenhöhe mit den Vereinigten Staaten suche. Der Brief sei ein
"Beitrag zu der Diskussion, ob vielleicht eine Lösung des Problems
direkte Gespräche zwischen dem Iran und den USA wären".
Washington reagierte auf entsprechende Hinweise trotz der
festgefahrenen Situation im Atomstreit bislang sehr zurückhaltend.
Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats sagte, der Brief
Ahmadinedschads biete keine Lösungsansätze für den Streit
um das iranische Atomprogramm.
(Quelle: afp)
Hintergrund: Kapitel VII der UN-Charta
Im Streit um das iranische Atomprogramm haben die USA, Frankreich und
Großbritannien laut einem Pressebericht den Entwurf für eine
neue UN-Resolution erarbeitet. Darin soll der Iran unter Verweis auf
Kapitel VII der UN-Charta zum Stopp seiner Urananreicherung aufgefordert
werden.
In diesem betreffenden Abschnitt der UN-Charta heißt es:
«Kapitel VII. Maßnahmen bei Bedrohung oder Bruch des
Friedens und bei Angriffshandlungen
Artikel 39 (Feststellung der Friedensgefährdung) Der
Sicherheitsrat stellt fest, ob eine Bedrohung oder ein Bruch des
Friedens oder eine Angriffshandlung vorliegt; er gibt Empfehlungen ab
oder beschließt, welche Maßnahmen auf Grund der Artikel 41
und 42 zu treffen sind, um den Weltfrieden und die internationale
Sicherheit zu wahren oder wiederherzustellen.
Artikel 40 (Vorläufige Maßnahmen) Um einer Verschärfung
der Lage vorzubeugen, kann der Sicherheitsrat (...) die beteiligten
Parteien auffordern, den von ihm für notwendig oder erwünscht
erachteten Maßnahmen Folge zu leisten. (...) Wird den (...)
Maßnahmen nicht Folge geleistet, so trägt der Sicherheitsrat
diesem Versagen gebührend Rechnung.
Artikel 41 (Friedliche Sanktionsmaßnahmen) Der Sicherheitsrat
kann beschließen, welche Maßnahmen - unter Ausschluss von
Waffengewalt - zu ergreifen sind, um seinen Beschlüssen Wirksamkeit
zu verleihen (...). Sie können die vollständige oder
teilweise Unterbrechung der Wirtschaftsbeziehungen, des Eisenbahn-,
See- und Luftverkehrs, der Post-, Telegrafen- und Funkverbindungen
sowie sonstiger Verkehrsmöglichkeiten und den Abbruch der
diplomatischen Beziehungen einschließen.
Artikel 42 (Militärische Sanktionsmaßnahmen) Ist der
Sicherheitsrat der Auffassung, dass die in Artikel 41 vorgesehen
Maßnahmen unzulänglich sein würden oder sich als
unzulänglich erwiesen haben, so kann er mit Luft-, See- oder
Landstreitkräften die zur Wahrung oder Wiederherstellung des
Weltfriedens und der internationalen Sicherheit erforderlichen
Maßnahmen durchführen.»
Quelle: dpa, 09.05.06
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Ahmadinedschad erklärt Demokratie und Liberalismus für
gescheitert
Mi.10.05.06 - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat in seinem Brief
an US-Präsident George W. Bush Demokratie und Liberalismus für
gescheitert erklärt. Das Schreiben, das der Nachrichtenagentur AP
vorliegt, war der erste formelle Kontakt zwischen den Führern
beider Länder seit Jahrzehnten. Mit Blick auf den Konflikt
über das iranische Atomprogramm fragt Ahmadinedschad, warum jeder
technische und wissenschaftliche Fortschritt im Nahen Osten als
«Bedrohung des zionistischen Regimes» dargestellt werde.
Der Liberalismus und die Demokratie nach westlichem Muster seien nicht
in der Lage gewesen, die Ideale der Menschheit zu verwirklichen,
heißt es in dem Brief weiter. Der iranische Präsident
kritisiert darin zudem die USA wegen des Einmarsches in den Irak und die
Unterstützung Israels. Die Menschen weltweit hätten das
Vertrauen in die internationalen Institutionen verloren. Zudem wirft
Ahmadinedschad die Frage auf, ob die Bush-Regierung im Zusammenhang mit
den Terroranschlägen des 11. September Beweise vertuscht habe.
(Quelle: ap)
Post aus Teheran
Dokumentiert: Brief des Präsidenten der Islamischen Republik Iran,
Mahmud Ahmadinedschad, an George W. Bush, Präsident der Vereinigten
Staaten von Amerika... Mehr in der Tageszeitung 'junge Welt' vom
13.05.06:
http://www.jungewelt.de/2006/05-13/051.php
Ihre Widersprüche, Herr Präsident
Eine Antwort auf den Brief von Irans Präsident Ahmadinedschad an
US-Präsident Bush: Lassen Sie Ihre Studenten nicht nur Fragen
stellen, sondern auch Antworten geben!
Mitglieder des deutschen "Think Tank 30" haben auf den Brief des
iranischen Präsidenten Ahmadinedschad, in dem er von
US-Präsident Bush einen Dialog fordert, eine Antwort geschrieben.
Der Think-Tank ist ein eigenständiges Netzwerk junger Menschen in
den Zwanzigern und Dreißigern unter dem Dach der Deutschen
Gesellschaft Club of Rome. Die taz vom 31.065.06 dokumentiert
Auszüge:
http://www.taz.de/pt/2006/05/31/a0162.1/text
Nahost-Konflikt
Angeblich erstmals Kontakt zwischen Vertreter Israels und Hamas
Mi.10.05.06 - In Israel hat sich einem Zeitungsbericht zufolge erstmals ein Vertreter
der Regierung mit inhaftierten Abgeordneten der radikalen Hamas
getroffen. Offiziell boykottiert Israel die Hamas, die die
palästinensische Regierung anführt.
Der Berater für arabische Angelegenheiten im
Sicherheitsministerium, Motti Saken, habe jüngst mit inhaftierten
Hamas-Abgeordneten über deren politische Ansichten diskutiert,
berichtete die Zeitung "Jedioth Ahronoth" am Dienstag unter Berufung auf
Kreise der Hamas. Saken habe mit mehreren Insassen in zwei
Gefängnissen - darunter auch Hamas-Abgeordnete - geredet, um sich
ein Bild von ihrer Stimmung machen zu können.
Bislang hatte es in den Medien noch keine Berichte gegeben, wonach sich
ein israelischer Regierungsvertreter mit Hamas-Abgeordneten getroffen
hat. Israel hält etwa ein Dutzend von deren Abgeordneten mit
Verweis auf Sicherheitsverstöße gefangen. Die Gruppierung hat
die Parlamentswahl im Januar gewonnen und stellt nun die Regierung der
Palästinenser. Sie hat sich die Vernichtung Israels zum Ziel
gesetzt. Auch hatte die Hamas erklärt, jede Art von Gespräch
mit Israel sei Zeitverschwendung.
Ein Sprecher des israelischen Sicherheitsministeriums wollte sich auf
Nachfrage nicht eindeutig zu dem Zeitungsbericht äußern. Er
erklärte zwar, Saken habe sich vor etwa zwei Wochen im Rahmen
seiner üblichen Arbeit mit "Sicherheits-Gefangenen" getroffen.
Details dazu wollte der Sprecher aber nicht nennen.
Mehrere westliche Länder versuchen, die Hamas durch politischen
und finanziellen Druck zur Abkehr von ihren Zielen zu bewegen.
Allerdings halten einige Länder - darunter Russland - weiter
offiziell diplomatischen Kontakt zur Regierung der Palästinenser.
Zudem haben Länder wie Russland, Iran und Katar erklärt, sie
wollten die Palästinenser-Regierung finanziell unterstützen.
Die EU und die USA haben ihre Millionen-Hilfen bis auf weiteres
eingefroren. Dies hat zu Spekulationen geführt, die
Palästinenser-Behörde stehe kurz vor dem finanziellen Kollaps.
Die EU sucht aber nach Wegen, Finanzhilfen für die
Palästinenser an der Hamas vorbei über den moderaten
Präsidenten Mahmud Abbas zu leiten.
(Quelle: rtr)
Nahost-Quartett billigt neue Finanzhilfen für Palästinenser
Mi.10.05.06 - Auf Drängen der Europäischen Union hat das Nahost-Quartett
ein neues Hilfsprogramm für die Palästinenser gebilligt. Nach
Beratungen am New Yorker Sitz der Vereinten Nationen erklärten die
Vertreter von UN, EU, USA und Russland am Dienstagabend, die akute Not
des palästinensischen Volkes müsse zumindest
vorübergehend gelindert werden. Damit setzte sich die EU gegen die
USA durch. Wie viel Unterstützung konkret vorgesehen ist und
über welche Kanäle sie vor Ort gelangen soll, wurde vorerst
nicht mitgeteilt.
In der Erklärung des Nahost-Quartetts wurde Bereitschaft bekundet,
«einen temporären internationalen Mechanismus in Gang zu
setzen, der in Ausmaß und Dauer begrenzt ist, volle Transparenz
und Rechenschaftspflichtigkeit garantiert und die Lieferung von
Hilfsmitteln direkt an das palästinensische Volk
sicherstellt». Dabei wurde klar, dass die Hamas-Regierung
umgangen werden soll. Die Unterstützung soll der Erklärung
zufolge so bald wie möglich beginnen. In drei Monaten soll dann
eine Entscheidung über ihre etwaige Fortsetzung gefällt
werden.
US-Außenministerin Condoleezza Rice erklärte, die
Europäische Union werde bei dem Programm die Federführung
übernehmen. Die EU hat vorgeschlagen, unter Umgehung der
Hamas-Regierung dem palästinensischen Präsidenten Mahmud
Abbas Geld für Krankenhäuser, Schulen und andere
humanitäre Zwecke zu überweisen. Die US-Regierung reagierte
darauf zunächst zurückhaltend. Allerdings stellte Rice ein
Programm für medizinische Hilfe im Umfang von zehn Millionen
Dollar (rund acht Millionen Euro) vor, die über
Nichtregierungsorganisationen an die Palästinenser weitergeleitet
werden soll.
Die EU und die USA haben ihre Finanzhilfen nach dem Amtsantritt der
neuen Hamas-Regierung eingestellt, weil die Organisation das
Existenzrecht Israels nicht anerkennen und der Gewalt nicht
abschwören will. Die palästinensische Autonomiebehörde
ist dadurch praktisch zahlungsunfähig. Kurz vor dem Treffen des
Nahost-Quartetts bat Abbas in einem Brief um die Wiederaufnahme der
Finanzhilfen. «Das palästinensische Volk sollte nicht mit
Entzug bestraft werden», schrieb der Präsident, der der
gemäßigteren Fatah-Bewegung angehört.
Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija rief
unterdessen Spitzenvertreter von Hamas und Fatah zu sich, um ein Ende
der Kämpfe zwischen den rivalisierenden Gruppen zu erwirken. Nach
einer viereinhalbstündigen Unterredung erklärten sich beide
Seiten in der Nacht zum Mittwoch schließlich zur Einstellung
ihrer Gefechte bereit. «Unsere Differenzen können nur mit
der Sprache des Dialogs gelöst werden», erklärte
Hanija. Diese Einsicht habe sich durchgesetzt. Bei Kämpfen
zwischen den beiden Gruppen wurden allein am Montag und Dienstag
mindestens drei Palästinenser getötet und rund ein Dutzend
verletzt.
(Quelle: ap)
Dutzende Tote bei Gefechten in Mogadischu
Mi.10.05.06 - Gefechte verfeindeter Milizen in der somalischen Hauptstadt Mogadischu
haben seit Sonntag über 80 Menschen das Leben gekostet. Allein am
Dienstag wurden 22 Personen getötet, wie Krankenhausmitarbeiter
mitteilten. Bei den meisten Opfern handele es sich um Zivilisten, die
ins Kreuzfeuer geraten seien, sagte eine Krankenschwester der
Nachrichtenagentur AP. Somalia versank 1991 nach dem Sturz des
langjährigen Machthabers Mohamed Siad Barre in Anarchie. Seither
kämpfen verschiedene Clans um die Oberherrschaft, eine mit Hilfe
der UN in der Stadt Baidoa installierte Übergangsregierung konnte
sich bislang nicht durchsetzen.
(Quelle: ap)
Deutschland erringt Sitz im Menschenrechtsrat
Mi.10.05.06 - Deutschland hat am Dienstag einen der 47 Sitze im neuen
UN-Menschenrechtsrat errungen. Es erhielt in der Gruppe der westlichen
Staaten mit 154 Stimmen die höchste Zustimmung. An zweiter Stelle
folgte Frankreich mit 150 Stimmen.
Der neue Menschenrechtsrat löst die Genfer
Menschenrechtskommission ab, die auf Grund ihrer Zusammensetzung und
ihres Abstimmungsmodus stark kritisiert worden war und sich als wenig
arbeitsfähig erwiesen hatte.
Als weitere westliche Mitglieder des Menschenrechtsrats wurden
gewählt: Großbritannien mit 148, die Schweiz mit 140, die
Niederlande mit 137, Finnland mit 133 und Kanada mit 130. Dagegen
werden Portugal (122) und Griechenland (117) nicht in dem neuen Gremium
mitarbeiten. Seine Aufgabe ist es, die Einhaltung der Menschenrechte in
aller Welt zu kontrollieren und bei Verstößen
einzuschreiten. Seine Mitglieder sind drei Jahre im Amt und können
ein Mal wiedergewählt werden, bevor sie eine Pause einlegen und
anderen Ländern den Vortritt lassen müssen.
Die USA hatten sich nicht um einen Platz in dem Gremium bemüht. In
diplomatischen Kreisen hieß es, dass die US-Regierung wegen der
Kritik an seinen Gefangenenlagern Guantánamo und Abu Ghoreib
eine Niederlage vorausgesehen und deshalb von vornherein auf einen Sitz
verzichtet habe. Im März hatten die USA in der UN-Vollversammlung
gegen die Gründung des neuen UN-Organs gestimmt. Sie
begründeten die Ablehnung damit, dass die Regeln nicht strikt
genug seien, um Staaten, in denen die Menschenrechte verletzt
würden, einen Sitz zu verweigern. China, das ebenso wie die USA
häufig von Menschenrechtsorganisationen getadelt wird, vereinte
146 Stimmen auf sich, und Saudi-Arabien 126.
An die Spitze der asiatischen Staaten setzte sich Indien (173), gefolgt
von Indonesien (165), Bangladesch (160), Japan (158) und Malaysia (158)
sowie Pakistan (149) und Südkorea (148). Thailand und der Libanon
führen die Gruppe der Verlierer an. Der Irak unterlag mit 52 von
191 möglichen Stimmen. Auch der Iran schaffte die erforderliche
Zustimmung von wenigstens 96 Ländern nicht, sondern konnte nur 58
Länder von sich überzeugen.
Dagegen brachte es Kuba in der Gruppe der lateinamerikanischen und
karibischen Staaten auf den Zuspruch von 135 Ländern. Brasilien
(165) kam auf das beste Stimmenergebnis der Region, gefolgt von
Argentinien (158) und Mexiko (154). Kolumbien musste sich mit einer
Stimme begnügen. Russland zieht mit 137 Stimmen in den
Menschenrechtsrat ein, der bereits im Juni das erste Mal in Genf tagen
wird. Polen (108) und Tschechien (105) waren die einzigen anderen
Länder in der Gruppe der Osteuropäer, die im ersten Wahlgang
auf die nötige Stimmenzahl kamen.
(Quelle: dpa)
EU-Kommission für neuen Anlauf für Reform der Union
Mi.10.05.06 - Angesichts des drohenden Scheiterns der EU-Verfassung wirbt die
EU-Kommission für einen neuen Anlauf zur Reform der Gemeinschaft im
kommenden Jahr.
Die Kommission strebt in ihrem für den heutigen Mittwoch
angekündigten Strategiepapier nicht mehr ausdrücklich die
Annahme der Verfassung an. In dem der Nachrichrichtenagentur Reuters
vorliegenden Entwurf heißt es lediglich, sie unterstütze
weiterhin deren Prinzipien. Doch auch wenn die Verfassung mit der
Zustimmung Estlands vom Dienstag inzwischen von 15 EU-Staaten
ratifiziert ist, gebe es noch keinen Konsens über die nächsten
Schritte. Es gelte jetzt, die bestehenden Verträge besser zu
nutzen, ohne der Verfassung vorzugreifen. Die Kommission schlägt
unter anderem eine engere Abstimmung mit nationalen Parlamenten und die
von Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso bereits geforderten
größeren EU-Befugnisse in der Innenpolitik vor.
Die 2004 von den EU-Regierungschefs unterzeichnete Verfassung liegt auf
Eis, seit sie von den Franzosen und Niederländern in
Volksabstimmungen abgelehnt wurde. Andere Länder haben aber dennoch
die Ratifizierung fortgesetzt. Um in Kraft zu treten, müsste die
Verfassung von allen 25 EU-Staaten angenommen werden. Die Verfassung
sollte auch die Entscheidungsstrukturen der Union reformieren und sie
so auch nach der Aufnahme neuer Mitglieder handlungsfähig halten.
Barroso will mit seinem Papier zum Juni-Gipfel der EU-Staaten gehen.
Die Kommission hofft dann auf einen Beschluss der Staats- und
Regierungschefs über den Fahrplan für die Debatte über
die künftigen EU-Institutionen. Im März 2007 sollten die
EU-Staaten mit einer feierlichen Erklärung zum 50-jährigen
Bestehen der Gründerverträge der Gemeinschaft einen neuen
Prozess zur Reform der Institutionen beginnen. Diplomaten verweisen
darauf, dass vor den Wahlen in Frankreich und den Niederlanden im Mai
2007 kaum neue Beschlüsse fallen können.
In der Zwischenzeit setzt die Kommission darauf, die EU-Bürger mit
praktischer Politik stärker vom Nutzen der Gemeinschaft zu
überzeugen. "Jetzt ist es Zeit voran zu schreiten - vom Nachdenken
zu Ergebnissen", heißt es in dem Papier. Um Vertrauen zu schaffen,
müsse die EU die Nöte und Hoffnungen der Menschen aufgreifen.
Die Kommission strebt dabei eine stärkere Rolle der EU in der
Zuwanderungs- und Innenpolitik an. Dies war auch in der Verfassung
vorgesehen. Sie bekräftigt zudem bereits bekannte Pläne
für einen Ausbau des Binnenmarktes. So hat die Kampfansage der
Kommission an Roaminggebühren der Mobiltelefongesellschaften
bereits zur Ankündigung sinkender Preise geführt. Die
Kommission geht zudem gegen hohe Gebühren für
Kreditkartenzahlungen vor und bekräftigt ihr Ziel, für
grenzüberschreitenden Wettbewerb der Versicherer zu sorgen.
(Quelle: rtr)
Deutschland
FDP sucht strategische Umorientierung auf Umweltpolitik
Mi.10.05.06 - Die FDP sucht eine strategische Umorientierung auf die Umweltpolitik.
Vor ihrem Bundesparteitag am Wochenende in Rostock legte der
Bundesvorstand am Dienstag in Berlin einen entsprechenden Leitantrag
vor. Generalsekretär Dirk Niebel nannte als Ziel des
Delegiertentreffens unter dem Motto «Deutschland kann mehr»
die inhaltliche Profilierung der größten Oppositionspartei
auf Gebieten, die bisher stiefmütterlich behandelt wurden. Die
FDP-Paradethemen wie Innovation und Wirtschaft sollten dabei nicht zu
kurz kommen.
Die bisherige Umweltpolitik der Liberalen erschöpfte sich nach
einer selbstkritischen Einschätzung des umweltpolitischen Sprechers
der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Kauch, in der Gegnerschaft zum
früheren Umweltminister Jürgen Trittin. Die Liberalen
hätten es versäumt, Alternativen zu den von dem
Grünen-Politiker Trittin gewählten Mitteln aufzuzeigen, um
bestimmte Ziele zu erreichen. So sei der Eindruck entstanden, dass die
FDP am Ziel eines aktiven Umweltschutzes kein Interesse habe.
«Diesen Eindruck gilt es zu korrigieren,» erklärte
Kauch. Er räumte ein, dass dazu mehr als nur ein Bundesparteitag
erforderlich sein werde.
In dem Leitantrag setzten sich die Liberalen unter anderem für
verlängerte Laufzeiten von Atomkraftwerken als
Übergangslösung ein, um bei der Stromproduktion sowohl
Versorgungssicherheit durch alternative Energien aufbauen und
Klimaschutzziele einhalten zu können. Der «staatlich
verfügte Ausstieg» aus der Kernenergienutzung widerspreche
den energiepolitischen Zielen der Versorgungssicherheit,
Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit.
Außerdem kritisierten sie eine ihrer Ansicht nach zu einseitige
Klimaschutzpolitik auf der Basis der Kyoto-Protokolls. Damit werde
technikorientierter Klimaschutz zu wenig beachtet.
In der Frage alternativer Treibstoffe für den Verkehr setzen die
Liberalen mehr als die Grünen auf Wasserstofftechnologie und
Brennstoffzellen und weniger auf nachwachsende Biokraftstoffe. Eine
«einseitige Fixierung auf Biomasse» müsse vermieden
werden, beispielsweise um die Zerstörung von Regenwäldern zu
Gunsten des Anbaus von Palmöl zu vermeiden.
Ohne Kontroversen wird es laut Kauch auf dem Parteitag bei der
Umweltpolitik nicht abgehen. So werde das Thema Ausbaustufen von
Flüssen voraussichtlich «hochstrittig» behandelt. Eine
Richtungsentscheidung ist laut Niebel auch auf einem ganz anderen Gebiet
zu erwarten: Beim Thema «Reform des Kammerwesens» muss sich
der Konvent entscheiden, ob er die Pflichtmitgliedschaft in einer
Industrie- und Handels- oder eine Handwerkskammer aufrechterhalten will
oder nicht.
Der Rostocker Bundesparteitag am Samstag und Sonntag ist der zweite der
FDP in der ostdeutschen Hansestadt seit 1994. Zu den 662 Delegierten
werden 400 Gäste sowie 600 Journalisten erwartet.
Am Sonntag konkurriert der bereits im vergangenen Jahr angesetzte
FDP-Parteitag terminlich mit dem der SPD, der in Berlin stattfindet.
Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik kollidieren damit
Bundesparteitage zweier Parteien am selben Tag. Nach Angaben Niebels hat
sich der designierte SPD-Vorsitzende Kurt Beck bei den Liberalen
für die Überlagerung auf denselben Termin entschuldigt. Einen
anderen Termin habe die SPD aber nicht mehr finden können.
(Quelle: ap)
Reichensteuer bleibt innenpolitischer Zankapfel
Mi.10.05.06 - Die von der Bundesregierung geplante Reichensteuer bleibt ein
innenpolitischer Zankapfel. Die SPD-Linke hat mit scharfer Kritik auf
die von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) vorgesehenen
weit reichenden Ausnahmen reagiert.
«Eine Reichensteuer darf nicht nur ein Alibi sein, sondern sie
muss Substanz haben», forderte ihr Sprecher Ernst Dieter Rossmann
in der «Netzeitung». «Wenn von mehr als einer
Milliarde nur wenige hundert Millionen übrig bleiben, ist das Ziel
der sozialen Balance nicht erreicht.» Allein die Kürzungen
der Pendlerpauschale seien deutlich höher.
Steinbrück will alle Gewinneinkünfte aus der Reichensteuer
ausnehmen, weil er fürchtet, dass das Gesetz sonst
verfassungswidrig wäre. Bisher sollten nur gewerbliche
Einkünfte verschont bleiben. «Es wird sehr dringliche
Nachfragen der SPD-Linken und auch der gesamten SPD geben»,
kündigte Rossmann an.
Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten
Schneider, sagte der «Thüringer Allgemeinen», es gebe
noch Spielraum bei der Ausgestaltung der Reichensteuer: «Da ist
noch nichts beschlossen.» Schneider beteuerte: «Wir werden
in jedem Fall eine verfassungsgemäße Lösung
finden.» Seiner Fraktion sei es wichtig, dass die Steuer auch das
nötige Geld einbringe. Spätestens 2008 müssten es die
geplanten 1,3 Milliarden Euro sein.
Der Kölner Steuerrechtler Prof. Joachim Lang sagte der
«Thüringer Allgemeinen», schon die Ausnahme von
Gewerbeeinnahmen wäre verfassungswidrig. «Jede weitere
Ausnahme verschärft das noch», sagte Lang. «So
marschiert der Finanzminister sehenden Auges in die
Verfassungswidrigkeit.»
(Quelle: dpa)
Umweltschützer für neue Maßstäbe bei Besteuerung
von Biokraftstoffen
Mi.10.05.06 - Angesichts der geplanten Neuregelungen beim Biokraftstoffgesetz hat der
Naturschutzbund gefordert, die Besteuerung alternativer Kraftstoffe
stärker an ökologischen Kriterien auszurichten. Es gelte nun
ein Anreizsystem für den naturverträglichen Anbau von Biomasse
zur Kraftstoffproduktion zu schaffen, erklärte der Verband am
Dienstag in Berlin. Der verstärkte Einsatz von Biokraftstoffen
müsse von einer Analyse der ökologischen Auswirkungen
begleitet werden.
Die Koalitionsrunde hatte am 1. Mai unter anderem beschlossen, dass ab
Januar dem Diesel- und Ottokraftstoff auch Biokraftstoff beigemischt
werden muss. Bioreinkraftstoffe, die nicht beigemischt werden, sollen
bis zum Jahr 2009 weiter steuerlich gefördert werden. Ihre
Verwendung in der Landwirtschaft bleibt bis 2009 steuerfrei.
Die Bundesregierung müsse ein Modell entwickeln, dass eine
nachhaltige Produktion und Nutzung von Biokraftstoffen sicherstelle,
teilte der NABU mit. Biokraftstoffe mit hoher Nachhaltigkeit sollten
steuerfrei bleiben, solche mit mäßiger Ökobilanz mit
einer höheren Mineralölsteuer belegt werden. Jedenfalls sei
der ökologische Vorteil der Biokraftstoffe dahin, wenn in Brasilien
oder Borneo vermehrt Zuckerrohr-Monokulturen auf intakten
Ökosystemen wie tropischen Regenwäldern errichtet würden,
um die weltweit ansteigende Nachfrage nach alternativen Kraftstoffen zu
stillen.
Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft kritisierte,
durch den vorgesehenen Abbau der steuerlichen Förderung von
Biokraftstoffen werde sich deren Marktfähigkeit verschlechtern.
Daher müsse die Bundesregierung die Beimischungsquoten in Benzin-
und Dieselkraftstoffen so hoch wie möglich ansetzen.
(Quelle: ap)
Arbeitgeber wollen stärkere Kürzungen für Arbeitslose
Mi.10.05.06 - Vor der Beratung des so genannten Optimierungsgesetzes zur
Arbeitsmarktreform im Bundestag fordern die Arbeitgeber weitergehende
Leistungskürzungen für Langzeitarbeitslose. Es sei nicht
einzusehen, dass unabhängig von der Bedürftigkeit bis in das
vierte Jahr der Erwerbslosigkeit rund 50-prozentige Zuschläge auf
das Arbeitslosengeld II gezahlt würden, sagte der
Arbeitgebervertreter im Verwaltungsrat der Bundesagentur für
Arbeit (BA), Peter Clever, der Chemnitzer «Freien Presse».
Die Betroffenen erhielten deutlich mehr finanzielle Unterstützung,
als es ihrer Bedürftigkeit entspreche.
Damit werde das Lohnabstandsgebot unterlaufen, warnte das Mitglied der
Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände (BDA). Auch könne es nicht sein, dass
sich Erwerbslose über 58 Jahren der Arbeitsvermittlung völlig
entziehen könnten, aber trotzdem finanziell voll unterstützt
würden. «Das muss abgeschafft werden», forderte
Clever. Es passe nicht zum Bemühen, wieder mehr Ältere in den
Arbeitsprozess zu integrieren.
(Quelle: ap)
DGB fordert Generalrevision von Hartz IV
Mi.10.05.06 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat die beschlossenen Korrekturen bei
der staatlichen Unterstützung für Langzeitarbeitslose scharf
kritisiert und stattdessen eine Generalrevision von Hartz IV gefordert.
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer erklärte
am Dienstag in Berlin, durch das vom Kabinett beschlossene so genannte
Optimierungsgesetz werde Hartz IV «keinen Deut besser».
Die Bundesregierung setze auf verschärfte Kontrollen und
Kürzungen, ohne die Arbeitsförderung zu verbessern,
kritisierte Engelen-Kefer. Damit werde das Prinzip «Fördern
und Fordern» immer mehr zu einer Blaupause für Sozialabbau.
Das bisherige Ergebnis sei nicht die Reduzierung der
Langzeitarbeitslosigkeit, sondern die Verdrängung regulärer
Arbeitsplätze und die Ausweitung des Niedriglohnsektors.
Für eine nachhaltige Trendwende bei Hartz IV forderte die
DGB-Vizechefin unter anderem eine klare Arbeitsteilung zwischen
Arbeitsagenturen und Kommunen. Die Agenturen sollten mit der
Arbeitsförderung und Vermittlung aller Arbeitslosen betraut werden.
Die Kommunen sollten die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche
Arbeitsvermittlung verbessern.
Engelen-Kefer forderte zudem, die Ein-Euro-Jobs auf ein
Mindestmaß zu reduzieren. Dazu sei unabdingbar, dass Beiräte
aus Gewerkschaften und der lokalen Wirtschaft mit einem Vetorecht
sicherstellen können, dass reguläre Arbeitsplätze nicht
durch Ein-Euro-Jobs verdrängt werden.
(Quelle: ap)
AEG-Werk Nürnberg schließt schon kommendes Frühjahr
Mi.10.05.06 - Das AEG-Haushaltsgerätewerk in Nürnberg wird bereits
kommendes Frühjahr geschlossen, weil sich immer mehr Mitarbeiter
"krank" melden. Seit dem Ende des sechswöchigen Streiks im
März und der Vereinbarung über Abfindungen sei der
Krankenstand auf 25 bis 27 Prozent gestiegen; normal seien vier Prozent,
begründete Firmensprecher Michael Eichel das vorgezogene Aus
für den Standort.
Der schwedische Mutterkonzern Electrolux wollte das AEG-Werk wegen
mangelnder Produktivität eigentlich schrittweise bis Mitte 2007
schließen. Die Produktion soll nach Polen und Italien verlagert
werden. Bislang haben Eichel zufolge 850 der etwa 1650 Mitarbeiter ihre
Kündigung erhalten.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Auch Delfine benutzen Namen
Mi.10.05.06 - Auch Delfine sprechen sich mit Namen an. Diese sind Pfeiftöne, die
sich aus einer bestimmten Modulation von Frequenzen ergeben.
Das berichtet der britische Zoologe Vincent Janik von der
Universität St. Andrews in der Online-Ausgabe der amerikanischen
«Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS) vom
Dienstag. Janik und Kollegen nahmen die Laute einer weit verbreiteten
Delfin-Art, den «Großen Tümmlern» (Tursiops
truncatus), in Floridas Sarasota Bay mit Unterwassermikrofonen auf.
Dabei entdeckten sie, dass Tümmler schon in den
«Kindertagen» einen individuellen Pfeifton entwickeln und
diesen als «Namen» bis ins hohe Alter beibehalten. Um
sicherzustellen, dass sich die Tiere an ihrem Pfeifton selbst und nicht
an ihrer Stimme zu erkennen geben, bereinigten die Forscher die
Aufnahmen im Labor von persönlichen Klangeigenarten.
Anschließend spielten sie sie den Tümmlern über
Lautsprecher vor.
Tatsächlich reagierten neun von 14 Tieren auf die synthetischen
Pfeiftöne und wandten ihren Kopf zu dem Lautsprecher, wenn dieser
den Pfeifton eines nahen Verwandten wiedergab. Das heißt, dass
«Große Tümmler» die Identität von anderen am
«Namen» erkennen können und nicht an der Stimme,
heißt es in den «PNAS». Demnach sind Delfine die
einzigen bisher bekannten Tiere, die ebenso wie Menschen unter einander
Informationen über ihre Identität austauschen, folgern die
Autoren.
(Quelle: dpa)
Vive la (R)evolution
Weder Art noch Anzahl unserer Gene sind möglicherweise primär
verantwortlich für die evolutionäre Komplexität des
Lebens, sondern vielmehr ein "Ein- und Ausknipsen" derselben nach dem
Lichtschalter-Prinzip... Mehr bei telepolis vom 10.05.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22590/1.html