Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertvierundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Schiitische Partei verlässt Koalitionsverhandlungen.
Zusammenstöße zwischen kurdischen und schiitischen Soldaten
Sa.13.05.06 - Trotz amerikanischer Appelle für eine rasche Regierungsbildung im
Irak kommt der designierte Ministerpräsident Nuri Al-Maliki bei
seinen Koalitionsverhandlungen kaum voran. Als erste zur Vereinigten
Irakischen Allianz gehörende schiitische Partei brach am Freitag
sogar die Fadhila die Gespräche ab und kündigte an, sie werde
in die Opposition gehen.
Fadhila-Sprecher Sabah al Saedi kritisierte, die Posten in der
künftigen Regierung würden unter amerikanischem Druck und nach
selbstsüchtigen Wünschen vergeben. «Das wird nicht zur
Bildung eines wahrhaft neuen Iraks führen», sagte er der
Nachrichtenagentur AP in Bagdad. Die Fadhila-Partei ist mit 15
Abgeordneten ins Parlament gewählt worden. Sie stellt die Regierung
in der südlichen Provinz Basra und beansprucht den Posten des
Ölministers - neben den Außen-, Innen-, Finanz- und
Verteidigungsressorts eines der so genannten fünf
Souveränitätsministerien. Die sieben in der Vereinigten
Irakischen Allianz zusammengeschlossenen Parteien verfügten mit
Fadhila über 130 der 275 Parlamentssitze.
Al Saedi warf US-Botschafter Zalmay Khalilzad vor, Druck auf die
Koalitionsverhandlungen auszuüben. Khalilzad hat dagegen
erklärt, er gebe nur Ratschläge, und die endgültige
Entscheidung liege bei den irakischen Parteien.
Al-Maliki wollte sein Kabinett eigentlich Ende dieser Woche vorstellen.
Aus schiitischen und sunnitischen Kreisen verlautet am Freitag, die
Gespräche der Politiker steckten fest. Vor kommender Woche sein
keine Kabinettsliste zu erwarten. Al-Maliki hat sich selbst eine Frist
bis zum 22. Mai für den Abschluss der Regierungsbildung gesetzt.
Nördlich von Bagdad ist es derweil zu einem Gefecht zwischen zwei
verschiedenen Einheiten der irakischen Streitkräfte gekommen. Vor
einem US-Militärkrankenhaus in der Ortschaft Balad hätten
sich eine kurdische und eine schiitische Einheit eine Schießerei
geliefert, berichtete die irakische Polizei am Freitag.
Die kurdischen Soldaten wollten den Angaben zufolge mehrere verletzte
Kameraden in das Krankenhaus bringen, die bei einem Anschlag verwundet
worden waren. Auf der Zufahrt vor dem Krankenhaus hätten sie
Schüsse abgefeuert, um den Weg freizumachen, erklärte die
Polizei. Dabei sei ein schiitischer Zivilist ums Leben gekommen. Die
kurdischen Soldaten hätten daraufhin Kehrt machen wollen, seien
aber von einer schiitischen Einheit gestoppt worden. Dabei sei eine
Schießerei entbrannt.
Die US-Streitkräfte bestätigten lediglich, vor dem
Militärkrankenhaus sei es zu einem Gefecht zwischen zwei
verschiedenen irakischen Einheiten gekommen. Dabei habe es einen Toten
gegeben.
Vier US-Soldaten kamen bei einem Unfall ums Leben. Wie die
Streitkräfte mitteilten, stürzte ihr Panzer am Donnerstag bei
Karma in der Provinz Anbar von einer Brücke in einen Kanal. Die
Marineinfanteristen ertranken. Es habe sich nicht um einen Anschlag
gehandelt, betonte das amerikanische Militär. Seit Beginn des
Kriegs im März 2003 sind damit nach einer Zählung der
Nachrichtenagentur AP mindestens 2.434 Angehörige der
US-Streitkräfte ums Leben gekommen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 13.05.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertundneunzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.13.05.05 - Die Gewalt im Irak reißt nicht ab: Mehr als 20 Tote bei neuer
Anschlagsserie +++ US-Generalstabschef Myers rechnet mit langem Aufstand im
Irak +++ UN: In den vergangenen Jahren dramatischer Verfall des
Lebensstandards in Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0505130.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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UN-Menschenrechtskommissarin warnt vor humanitärer Krise in Nahost
Sa.13.05.06 - UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour hat vor einer schweren
humanitären Krise im Nahen Osten gewarnt. Die andauernde Gewalt mit
vielen Toten auf israelischer wie palästinensischer Seite bringe
die Region zudem «an den Rand einer Menschenrechtskrise»,
sagte Arbour am Freitag in Genf.
«Die Zahl der verlorenen Menschenleben, ob nun Folge gezielter
Tötungen oder von Selbstmordanschlägen, selbst gebastelten
Raketen oder Artilleriebeschuss, ist inakzeptabel», sagte Arbour
in Genf. «Zivilpersonen, besonders die am meisten verletzlichen
wie Kinder, Frauen und Alte, sollten nicht den Preis für eine
Vernachlässigung der Menschenrechte und humanitären
Verpflichtungen zahlen müssen.»
Israel sei als Besatzungsmacht nach internationalem humanitären
Recht für das Wohlergehen der palästinensischen
Bevölkerung verantwortlich, mahnte die auch für
Flüchtlinge zuständige Hochkommissarin. Die
palästinensische Autonomiebehörde habe andererseits die
vordringliche Pflicht, Recht und Ordnung zu gewährleisten und
Angriffe auf die israelische Zivilbevölkerung zu verhindern.
Eine Gruppe in Israel inhaftierter Funktionäre der regierenden
Hamas-Bewegung handelte unterdessen mit Fatah-Vertretern einen Entwurf
aus, in dem das Existenzrecht Israels zumindest indirekt anerkannt wird.
Sie seien bereit, Israel neben einem palästinensischen Staat zu
akzeptieren, verlautete aus Hamas-Kreisen. Der Entwurf sei vom
höchsten Hamas-Mitglied in israelischer Haft, Abdel Chaled
Nattsche, und dem ebenfalls in Israel inhaftierten Fatah-Funktionär
Marwan Barghuti ausgehandelt worden. Selbst eine indirekte Anerkennung
Israels wäre ein großer Politikwechsel für die Hamas.
Es gab zunächst keine offizielle Stellungnahme der Bewegung; eine
Reaktion von Ministerpräsident Ismail Hanijeh wurde noch am
Freitag erwartet.
In Israel begann am Freitag ein Prozess gegen vier militante
Palästinenser, denen Beteiligung am Mord des israelischen
Tourismusministers Rehavam Seevi 2001 vorgeworfen wird. Die Angeklagten
wurden am 14. März in einer großen Militäraktion aus
einem palästinensischen Gefängnis in Jericho geholt.
Allerdings wurde mangels Beweisen nicht der Führer der Volksfront
für die Befreiung Palästinas (PFLP), Ahmed Saadat, angeklagt.
Saadat war ebenfalls aus dem Gefängnis in Jericho nach Israel
geholt worden. Seine Organisation hatte die Verantwortung für die
Ermordung Seevis übernommen.
Bei einer israelischen Razzia im Westjordanland ist am frühen
Freitagmorgen ein Palästinenser getötet worden. Soldaten
durchsuchten mehrere Gebäude in der Altstadt von Nablus, wie
Augenzeugen berichteten. Bei dem Toten handele es sich um ein
26-jähriges Mitglied der Al-Aksa-Märtyrerbrigaden. Die
israelischen Streitkräfte erklärten, Ziel des
Großeinsatzes sei die Festnahme eines Fatah-Aktivisten gewesen.
Die Soldaten seien sofort unter Beschuss geraten und hätten das
Feuer erwidert.
(Quelle: ap)
Bis zu 200 Tote bei Pipeline-Explosion in Nigeria
Sa.13.05.06 - Bei einer verheerenden Explosion an einer Ölpipeline sind in
Nigeria bis zu 200 Menschen getötet worden. Bei dem Unglück
in dem nahe der Wirtschaftsmetropole Lagos gelegenen Dorf Ilado seien
"zwischen 150 und 200" Menschen ums Leben gekommen, sagte ein
Polizeivertreter. Helfer des nigerianischen Roten Kreuzes fanden nur
bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leichen vor. Als Ursache der
Explosion wurde ein illegales Anzapfen der Leitungen vermutet, das in
dem armen afrikanischen Staat an der Tagesordnung ist.
In dem Küstenort trieben verbrannte und verstümmelte
Körper im Wasser, von manchen Opfern waren nur noch Knochen
übrig. Ein Boot wurde bei dem durch die Explosion verursachten
Großbrand völlig zerstört. Das Feuer wurde nach Angaben
des Roten Kreuzes bis zum Nachmittag unter Kontrolle gebracht. Ilado
liegt in der Nähe des Hafens von Apapa, wo sich zahlreiche Anlagen
der Ölindustrie befinden.
Nach Angaben des Roten Kreuzes war die Pipeline an mehreren Stellen
angebohrt, vermutlich um Öl zu stehlen. An der Unglücksstelle
hätten rund 500 Benzinkanister gelegen, berichtete
Rot-Kreuz-Generalsekretär Abiodun Orebiyi. Er empfahl den
Nigerianern nachdrücklich, künftig auf solche
"gefährlichen Handlungen" zu verzichten. Von den Behörden kam
zunächst keine Stellungnahme.
In Deutschland äußerten sich die Grünen betroffen
über die Katastrophe. Das Unglück zeige, dass es ein
"gravierender Fehler" gewesen sei, in einem Staat wie Nigeria
überhaupt Ölpipelines zu bauen, sagte die
entwicklungspolitische Sprecherin der Partei, Ute Koczy. Gerade
instabilen Staaten gelinge es nie, eine Pipeline "vor Sabotage zu
schützen". Die Verlockung zum Anzapfen der Leitungen sei umso
größer, je weiter die Einkommensunterschiede im Land
auseinanderklafften. Mehr als 1500 Menschen starben laut Koczy in den
vergangenen zwei Jahren in dem Land in Konflikten um Öl und
Öleinkünfte.
Durch Nigeria führen tausende Kilometer Ölleitungen. Immer
wieder kommt es zu schweren Unglücken, wenn verarmte Bewohner oder
Schmuggler Leitungen anzapfen, um Öl zu stehlen. Beim bislang
schwersten Pipeline-Unglück im Oktober 1998 wurden knapp 1100
Bewohner des südnigerianischen Orts Jesse getötet. Im Juli
2000 starben unweit von Jesse mehr als 250 Dorfbewohner ebenfalls beim
Versuch, eine Ölleitung anzuzapfen. Im September 2004 kamen bei
der Explosion einer Ölleitung außerhalb von Lagos 60
Menschen ums Leben, im Dezember desselben Jahres starben ebenfalls in
der Nähe von Ilado 27 Menschen.
(Quelle: afp)
Sri Lanka am Rande eines Bürgerkriegs
Sa.13.05.06 - Nach einem Feuergefecht vor der Küste Sri Lankas mit Dutzenden
Toten sind die internationalen Bemühungen zur Rettung des
Waffenstillstands zwischen den Tamilen-Rebellen der LTTE und der
Regierung in Colombo verstärkt worden.
Der Chef der Beobachtermission zur Überwachung des
Waffenstillstands (SLMM), der schwedische Generalmajor Ulf Henricsson,
reiste am Freitag von der Hauptstadt aus zu Gesprächen ins
Rebellengebiet im Norden der Insel. Henricsson wollte in Kilinochchi den
Anführer des politischen Flügels der Befreiungstiger von
Tamil Eelam (LTTE), S.P. Thamilselvan, treffen.
In einem zuvor verbreiteten offenen Brief an Henricsson hatte
Thamilselvan die internationalen Beobachter scharf kritisiert. In dem
Schreiben hieß es unter anderem: «Wir sind schockiert und
enttäuscht über die Parteilichkeit, die die SLMM zeigt.»
Die SLMM hatte der LTTE wegen den schweren Kämpfen vor der
Nordküste grobe Verstöße gegen das
Waffenstillstandsabkommen vorgeworfen. Nach Darstallung der LTTE wurden
die Kämpfe durch einen Angriff der Marine ausgelöst. Armee und
SLMM teilten dagegen mit, Rebellen hätten Marineschiffe
angegriffen.
Die LTTE warf den Beobachtern vor, Luft- und Artillerieangriffe der
Armee auf das Rebellengebiet nach dem Gefecht auf See nicht als
Verstöße gegen das Waffenstillstandsabkommen verurteilt zu
haben. Bei dem Gefecht waren nach Armeeangaben mehr als 30 Rebellen und
mindestens 15 Soldaten getötet worden. Die LTTE teilte dagegen mit,
vier ihrer Kämpfer seien ums Leben gekommen.
Mindestens ein Patrouillenboot der Marine wurde versenkt, ein weiteres
beschädigt. Vier Boote der Rebellen sanken ebenfalls. Die
Patrouillenboote begleiteten ein Truppentransportschiff mit mehr als 500
Soldaten. Auf dem Marinekonvoi waren mindestens drei Beobachter der
SLMM, die unverletzt blieben. Die LTTE gilt als weltweit einzige
Rebellenorganisation, die mit den «Sea Tigers» über
eine marine- ähnliche Untergruppierung verfügt.
(Quelle: dpa)
Rebellen-Führer will Friedensgespräche mit Regierung in Nepal
führen
Sa.13.05.06 - Der Führer der maoistischen Rebellen in Nepal wird persönlich
an Friedensverhandlungen mit der Regierung teilnehmen, wie ein
Vertrauter am Freitag mitteilte. Der stellvertretende
Ministerpräsident Khadga Prasad Oli hatte zuvor erklärt, die
Gespräche seien sinnlos, wenn Rebellenführer Prachanda nicht
mit am Tisch sitze. Oli sagte weiter, er rechne damit, dass bis November
kommenden Jahres eine neue Verfassung ausgearbeitet sei.
Prachanda werde direkt mit Ministerpräsident Girija Prasad Koirala
verhandeln, sagte Rebellensprecher Matrika Yadav in der Hauptstadt
Kathmandu. Prachanda hatte zuvor drei Unterhändler benannt. Oli
sagte, die Regierung werde für die Sicherheit des
Rebellenführers garantieren. Sollte er an den Friedensverhandlungen
nicht teilnehmen, werde sich ein Ende des Bürgerkriegs weiter
hinauszögern, dem seit 1996 mehr als 13.000 Menschen zum Opfer
gefallen sind, betonte Oli. Ein Termin für die Gespräche
steht noch nicht fest.
Binnen zwölf Monaten werde ein Verfassung gebende Versammlung
ernannt, kündigte Oli weiter an. Bis November 2007 könnte dann
eine neue Verfassung vorliegen. Das ist eine der Hauptforderungen der
Rebellen, die die politischen Parteien in ihrem Kampf gegen die
Alleinherrschaft von König Gyanendra unterstützt haben. Sie
fordern allerdings zusätzlich eine sofortige
Übergangsverfassung.
(Quelle: ap)
Slumbewohner in Kambodscha aufs Feld getrieben
Sa.13.05.06 - Aufgebrachte Slumbewohner haben sich in Kambodscha mit Steinen und
Stöcken gegen die Zwangsräumung ihres Elendsviertels zur Wehr
gesetzt. "Alles, was ich will, ist ein Stück Land, dann gehe ich",
sagte eine 41-jährige Frau in der Hüttensiedlung Tonle Bassac
in der Hauptstadt Phnom Penh. "Wenn sie es mir nicht geben, bleibe ich
hier." Die Polizei hatte zuvor hunderte Menschen auf ein Feld getrieben,
wo sie ohne Wasser in der Sonne ausharren mussten.
An einem Tor gingen mehrere Slumbewohner auf Polizisten los, die sie
verdächtigten, das Viertel absperren zu wollen. Bei der
Auseinandersetzung wurde niemand verletzt; die Polizei rief zur Ruhe auf.
Seit Anfang des Monats wollen die Behörden mehr als tausend
Familien aus Tonle Bassac ins Hinterland umsiedeln, die verbliebenen
Slumbewohner haben nach eigenen Angaben kein sauberes Wasser und keinen
Strom mehr. Berichten zufolge soll auf dem Gelände ein
Einkaufszentrum gebaut werden. Im Jahr 2001 waren mehrere Elendsviertel
auf rätselhafte Weise abgebrannt; dies hatte Spekulationen
ausgelöst, dass die Feuer absichtlich gelegt wurden, um Bauland zu
gewinnen.
(Quelle: afp)
China baut zensierte Wikipedia-Alternative auf
Sa.13.05.06 - Chinas größte Suchmaschine Baidu hat eine zensierte
Online-Enzyklopädie nach dem Vorbild von Wikipedia aufgebaut. Das
von Internetnutzern geschriebene offene Nachschlagewerk Wikipedia ist
von der chinesischen Zensur wegen ihrer politischen Inhalte gesperrt.
Das Baidu-Nachschlagewerk verbietet jetzt «bösartige
Beurteilungen des gegenwärtigen nationalen Systems» oder
«Angriffe auf Regierungsinstitutionen und Funktionäre»
in China, wie am Freitag aus den Bestimmungen des Baidu Baike,
übersetzt Baidu Enzyklopädie, genannten Dienstes hervorging.
Untersagt sind Beiträge, die «die gesellschaftliche und
öfffentliche Ordnung schädigen» oder «Streit im
Zusammenhang mit Minderheiten, Rassismus, Religion und Regionen
anzetteln». Die englisch «Baidupedia» genannte
Enzyklopädie soll laut Baidu bereits mehr Beiträge haben als
die chinesische Version der internationalen Wikipedia, die heute auf 67
000 Artikel kommt.
Kritiker werfen Baidu Baike aber vor, Inhalte von Wikipedia kopiert zu
haben. Das 2001 gegründete und heute gesperrte Wikipedia auf
Chinesisch hatte zunächst wissenschaftliche und geschichtliche
Themen aufgegriffen, so dass sich Chinas Staatsmedien Anfang 2004 lobend
äußerten. Die erste Zensurblockade wurde aber 2004 um den
Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4.
Juni 1989 dokumentiert. Als heikle Themen kamen der Streit um Taiwan,
das Peking nur als Provinz betrachtet, die Ein-Kind-Politik sowie die
Herrschaft der Kommunistischen Partei hinzu, so dass der Zugang zu
Wikipedia im Oktober 2005 endgültig gesperrt wurde.
In einem Interview der «Financial Times» gab Baidu-Chef
Robin Li vor, nicht einmal zu wissen, dass Wikipedia in China gesperrt
sei. Anders als bei Wikipedia, deren Texte wie freie Software
veröffentlicht werden, sichert sich Baidu alle Urheberrechte.
Autoren, deren Beiträge erfolgreich die Zensur passieren,
können Titel erwerben und aufsteigen.
(Quelle: dpa)
EU strebt Handelsabkommen mit Lateinamerika an
Sa.13.05.06 - Trotz protektionistischer Tendenzen in Lateinamerika strebt die EU eine
engere Zusammenarbeit mit dem Kontinent an und will ihre
Handelsbeziehungen zu regionalen Bündnissen vertiefen. Dies ist
das Ergebnis des zweitägigen EU-Lateinamerika-Gipfels, der am
Freitag in Wien zu Ende ging. Mit den Staaten Mittelamerikas wird die
EU schon in kürze Gespräche über ein Freihandelsabkommen
aufnehmen, wie es in der Abschlusserklärung hieß.
Die Andengemeinschaft will zudem schon am Samstag einen Prozess
einleiten, der zur Aufnahme von Verhandlungen mit der EU führen
soll, wie der peruanische Präsident Alejandro Toledo mitteilte.
Neben Peru gehören dem Verbund Bolivien, Ecuador und Kolumbien an,
Venezuela will die Gemeinschaft verlassen. Diesen Schritt hat der
linkspopulistische Präsident Hugo Chavez aus Protest dagegen
angekündigt, dass Kolumbien und Peru ein Freihandelsabkommen mit
den USA geschlossen haben.
Auch der bolivianische Präsident Evo Morales hat dies kritisiert.
Nach Aussage Toledos will sich Bolivien aber an dem Prozess zur
Aufnahme von Verhandlungen mit der EU beteiligen. Toledo
äußerte die Hoffnung, dass ein Freihandelsabkommen schon auf
dem nächsten EU-Lateinamerika-Gipfel 2008 in Lima unterzeichnet
werden könnte. Der deutsche Außenminister Frank-Walter
Steinmeier hatte die Hoffnungen zuvor allerdings mit den Worten
gedämpft, dass es am inneren Zustand der Andengemeinschaft Zweifel
gebe.
Toledo betonte indes: «Die Andengemeinschaft lebt.» Er
hoffe sehr, «dass Venezuela den Weg zurückfinden
wird.» Morales - der erste bolivianischer Präsident, der der
indianischen Bevölkerungsmehrheit angehört - und Chavez haben
mit ihrem Kurs einer Verstaatlichung der Gas- und Ölförderung
im übrigen Südamerika, aber auch in Europa Besorgnis
ausgelöst. Scharfe Kritik daran übte der britische
Premierminister Tony Blair. Morales und Chavez müssten im Umgang
mit der Energiegewinnung verantwortlich handeln, sagte Blair in Wien.
Eine Wiederaufnahme der EU-Verhandlungen mit der
Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur, der Brasilien, Argentinien, Uruguay
und Paraguay angehören, steht unmittelbar nicht bevor. Dies
hänge von Fortschritten bei der WTO ab, sagte Steinmeier. Er sei
aber zuversichtlich, dass die Gespräche schon bald wieder
aufgenommen und noch bis Jahresende abgeschlossen werden könnten.
Der brasilianische Außenminister Celso Amorim äußerte
die Hoffnung, dass es auf dem G-8-Gipfel Mitte Juli in St. Petersburg
einen Durchbruch gibt.
Die beiden amtierenden Vorsitzenden der Regionalblöcke,
Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und der
mexikanische Präsident Vicente Fox, hoben die Bedeutung der
bilateralen Beziehungen hervor. Fox sagte mit Blick auf Chavez und
Morales, Populismus sei «der falsche Weg, um Armut zu
bekämpfen. Wir brauchen eine soziale Entwicklung, die echt
ist». Die EU sieht Fox für Lateinamerika als Vorbild.
Schüssel wies auf die engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen
Europa und Lateinamerika hin. Der gegenseitige Handel habe ein Volumen
von 110 Milliarden Euro. Die Direktinvestitionen Europas in den
Kontinent lägen derzeit bei 240 Milliarden Euro. Zudem sei Europa
mit rund 31 Milliarden Euro größter Geldgeber
Lateinamerikas. Die USA zahlten nur die Hälfte dieser Summe und
Japan lediglich ein Viertel.
(Quelle: ap)
Entsetzen über rassistische Morde in Antwerpen
Sa.13.05.06 - Mit Entsetzen haben Bürger und Politiker in Belgien auf die
tödlichen Schüsse eines rassistischen Gewalttäters in
Antwerpen reagiert. «Ich bin zutiefst schockiert», sagte
Premierminister Guy Verhofstadt nach dem Verbrechen, bei dem am
Donnerstag eine Frau afrikanischer Abstammung und ein zweijähriges
Mädchen getötet und eine Türkin schwer verletzt wurden.
«Die Regierung verurteilt die rassistischen Morde in Antwerpen
scharf», betonte Verhofstadt und rief zur Besonnenheit auf.
Die Bluttat zeige, «welch schleichendes Gift Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft geworden sind», sagte
der Vorsitzende der flämischen Liberalen, Bart Somers. Der
flämische Sozialistenchef Johan Vande Lanotte rief dazu auf, die
Gesetze über den Verkauf von Schusswaffen zu überprüfen.
Der 18-jährige Täter hatte das Gewehr am Morgen des Tattages
gekauft. Aufforderungen der Polizei, die Waffe niederzulegen, kam er
nicht nach. Ein Polizist streckte den Täter dann mit einem
Bauchschuss nieder.
Der 18-Jährige stammt aus einer Familie mit rechtsradikalem
Hintergrund, eine Tante sitzt für die offen
ausländerfeindliche flämische Partei Vlaams Belang (VB) im
belgischen Parlament. «Dass der Täter VB-Aufkleber in der
Tasche gehabt haben soll, darf nicht dazu führen, dass unsere
Partei stigmatisiert wird», sagte der VB- Vorsitzende Frank
Vanhecke nach Angaben der Zeitung «De Morgen».
(Quelle: dpa)
Deutschland
Merkels SPD-Kritik sorgt weiter für Wirbel
Sa.13.05.06 - Die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel an der
Entscheidungsfreudigkeit des Koalitionspartners SPD sorgt weiter
für Wirbel. Regierungssprecher Thomas Steg trat am Freitag in
Berlin dem Eindruck entgegen, zwischen Union und SPD gebe es über
das Reformtempo Spannungen. Die Aussage von Merkel sei
«überinterpretiert und aufgebauscht» worden,
versicherte Steg. Er gab aber zu, dass es einige
«Nebengeräusche» gegeben haben mag.
Zuvor hatte der designierte SPD-Chef Kurt Beck den Vorwurf der
Kanzlerin entschieden zurückgewiesen. Merkel hatte auf einer
Regionalkonferenz in Karlsruhe gesagt: «Wir müssen ziemlich
schmerzhafte Entscheidungen treffen mit einem Koalitionspartner, der
nicht sehr entscheidungsfreudig ist.» Diese Aussage hatte in der
SPD für erheblichen Unmut gesorgt.
Nach Einschätzung von Steg hat die Koalition in der Vergangenheit
bewiesen, dass sie «zielstrebig und konsequent» das Programm
aus dem Koalitionsvertrag abarbeite. «Klima und
Arbeitsatmosphäre» seien in keinster Weise getrübt,
beteuerte Steg.
Beck hatte sich verwundert gezeigt, dass Merkel ausgerechnet bei der
SPD «mangelnde Entscheidungsfreude» ausmache. In Wahrheit
seien es die Sozialdemokraten gewesen, die die Entscheidungen bei der
Rente, beim Elterngeld, der Reichensteuer und beim Abbau von
Steuerschlupflöchern vorangetrieben hätten, betonte er.
(Quelle: ap)
IG Metall kritisiert Politik der SPD
Sa.13.05.06 - Kurz vor der Wahl Kurt Becks zum neuen SPD-Vorsitzenden hat
IG-Metall-Chef Jürgen Peters die Sozialdemokraten heftig
kritisiert. Die Partei mache derzeit keine Politik gegen
Arbeitslosigkeit, sondern gegen Arbeitslose, sagte Peters der
«Neuen Presse» aus Hannover laut einer Vorabmeldung.
«Ich hoffe, dass es mit dem neuen SPD-Chef Kurt Beck zu einer
neuen Aufbruchstimmung kommt, dass die Partei zu den Tugenden
zurückkehrt, die die Sozialdemokratie stark gemacht haben.»
Peters sagte, die gemeinsame Basis mit der SPD sei in den vergangenen
Jahren zunehmend verloren gegangen. Die Gewerkschaften würden auch
mit Kirchen oder anderen Organisationen zusammenarbeiten, um Druck
für einen Kurswechsel zu machen.
Im Detail kritisierte der Gewerkschafter das Spar- und Steuerpaket der
Bundesregierung: «Ich halte von dieser Art der Umverteilung
überhaupt nichts. Wir haben schon in der Vergangenheit erlebt,
dass die Entlastung der Unternehmen und die Belastung der Arbeitnehmer
keineswegs zu mehr Arbeitsplätzen geführt hat.» Man
wolle den Arbeitnehmern die Finanzierung der Staatsdefizite
aufbürden. Was jetzt passiere, sei der Anfang einer neuen
«Belastungsorgie», sagte Peters.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck soll am
Sonntag auf einem Parteitag offiziell zum neuen SPD-Chef gewählt
werden. Er tritt die Nachfolge von Matthias Platzeck an, der wegen
seiner angeschlagenen Gesundheit auf das Amt verzichtet.
(Quelle: ap)
BA bestätigt: Erwarten 2006 Überschuss von 4,5 Milliarden Euro
Sa.13.05.06 - Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat bestätigt, dass sie in
diesem Jahr mit einem überraschend hohen Überschuss von etwa
4,5 Milliarden Euro rechnet.
"Damit verbunden ist das Signal, einen ganzen Prozentpunkt der
vorgesehenen Beitragssatzsenkung aus eigener Kraft zu finanzieren",
teilte BA-Finanzvorstand Raimund Becker am Freitag mit. Dafür
würden 2007 7,3 Milliarden Euro benötigt. Die BA
bestätigte damit vorherige Äußerungen des
stellvertretenden BA-Verwaltungsratsvorsitzenden Peter Clever
gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
(Quelle: rtr)
WASG stellt abtrünnigen Landesverbänden Ultimaten
Sa.13.05.06 - Mit Ultimaten hat die WASG-Bundesspitze den Druck auf die zwei
abtrünnigen Landesverbände Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
erhöht.
Der Linksfraktionschef im Bundestag, Oskar Lafontaine, sagte der
«Saarbrücker Zeitung», der WASG-Bundesvorstand werde
die Wahlantritte der Landesverbände in Berlin und
Mecklenburg-Vorpommern gegen die Linkspartei durch Sanktionen
verhindern. «Klar ist, die Wahlanmeldung muss zurückgezogen
werden.» Die Wahlantritte gelten als Stolperstein für die
geplante Fusion von Linkspartei und WASG.
Der WASG-Bundesvorstand verlangte vom Landesverband Mecklenburg-
Vorpommern ultimativ den Verzicht auf ein Antreten bei der Landtagswahl
am 17. September. Man sei aufgefordert worden, bis zu diesem Freitag
dazu Stellung zu nehmen, sagte Landesvorstands- Sprecher Karsten
Dörre der dpa in Schwerin. Andernfalls werde der Bundesvorstand
«Maßnahmen» gegen den Landesverband einleiten.
In Berlin rechnet der ebenfalls widerspenstige WASG- Landesvorstand
sogar mit einer Absetzung durch die Bundesspitze. «Das ist eine
denkbare Maßnahme», sagte WASG-Spitzenkandidatin Lucy
Redler der dpa. Der Bundesvorstand habe auch den Berliner Verband in
einem Brief aufgefordert, die Wahlanzeige bis spätestens Freitag
zurückzuziehen. Dies habe man jedoch abgelehnt.
Wenn der derzeitige Landesvorstand die Wahlanmeldungen nicht
zurückziehe, «können es der Satzung entsprechend andere
in Berlin oder auf Bundesebene tun», sagte Lafontaine.
Lafontaine, der sowohl der WASG als auch der Linkspartei angehört,
erinnerte an den jüngsten WASG-Bundesparteitag, der sich gegen
konkurrierende Wahlantritte beider Parteien ausgesprochen hatte.
«Die Satzung der WASG eröffnet genügend
Möglichkeiten, dem Willen des Parteitages Geltung zu
verschaffen.» Die Parteispitze will am Wochenende über
Maßnahmen gegen die beiden Landesverbände entscheiden.
(Quelle: dpa)