Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertsiebenundachtzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Aufständische feuern mehr als 30 Granaten auf britisches Lager.
Richter erhebt formell Mordanklage gegen Saddam Hussein
Di.16.05.06 - Aufständische haben am Montag im Südirak mehr als 30 Granaten
auf ein britisches Lager abgefeuert. Vier Soldaten wurden dabei
verwundet, einer erlitt eine schwere Beinverletzung, wie das
Verteidigungsministerium in London mitteilte. Damit wurden in
vergangenen neun Tagen in dem bislang eher ruhigen Gebiet im Süden
des Iraks schon sechs britische Soldaten getötet und fünf
verletzt.
Auch die US-Streitkräfte verzeichneten wieder Verluste. So
schossen die Aufständischen südlich von Bagdad einen
US-Hubschrauber ab, was zwei Soldaten das Leben kostete. Wie die
US-Streitkräfte mitteilten, wurde der Helikopter am Sonntag bei
Gefechten in Jussifijah abgeschossen, 20 Kilometer südlich von
Bagdad.
Weitere Verluste gab es in der irakischen Hauptstadt, wo zwei
US-Soldaten bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten
Bombe getötet wurden, auch in der Provinz Anbar starben zwei
US-Marineinfanteristen. Beide Vorfälle ereigneten sich bereits am
Sonntag, wie das US-Militär mitteilte. Seit Beginn des Irak-Kriegs
im März 2003 kamen damit in dem Land nach einer Zählung der
Nachrichtenagentur AP mindestens 2.443 Angehörige der
US-Streitkräfte ums Leben.
In Bagdad verübten Aufständische am Montag wieder einen
Anschlag auf eine Polizeipatrouille, die sie aber verfehlten.
Stattdessen wurde ein unbeteiligter Zivilist getötet, ein Tankwagen
geriet in Brand. Erst am Wochenende waren bei einer Serie von
Anschlägen im Irak wieder mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen.
Allein in Bagdad wurden am Sonntag mindestens 26 Iraker getötet und
rund 70 verletzt.
Der Vorsitzende Richter im Prozess gegen Saddam Hussein hat den
gestürzten irakischen Diktator am Montag formell unter Mordanklage
gestellt. Saddam Hussein muss sich nun wegen der Tötung von neun
Menschen sowie wegen Folter von Frauen und Kindern und der
rechtswidrigen Verhaftung von 399 Personen verantworten. Die
Vorwürfe beziehen sich auf die Ereignisse nach einem Mordanschlag
auf den Diktator im Jahr 1982 in der Ortschaft Dudschail.
Auf die Frage des Richters Rauf Abdel Rahman, ob er sich für
schuldig oder unschuldig erkläre, antwortete Saddam Hussein, er
könne dies weder mit ja noch mit nein beantworten. Dann
ergänzte er: «Sie stehen vor Saddam Hussein, dem
Präsidenten des Iraks.»
Nach dem fehlgeschlagenen Attentat in Dudschail hatten
Sicherheitskräfte mehrere hundert Bewohner des Ortes festgenommen,
darunter ganze Familien. Zeugen sagten aus, sie seien im Gefängnis
gefoltert worden. 148 Schiiten wurden zum Tode verurteilt. Obwohl Saddam
Hussein die Urteile laut mehreren graphologischen Gutachten
unterzeichnet hatte, wurde er in diesem Punkt nicht angeklagt. Die
Mordanklage bezieht sich lediglich auf den Tod von neun Menschen, die in
den ersten beiden Tagen der Vergeltungsaktion ums Leben kamen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 16.05.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertzweiundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Afghanistan: Mindestens 15 Tote bei Kämpfen in Kandahar
Di.16.05.06 - Bei Kämpfen in der südafghanischen Unruheprovinz Kandahar
sind mindestens elf radikal-islamische Taliban und vier Polizisten
getötet worden. Die Polizei teilte mit, das Feuergefecht am Sonntag
habe mehrere Stunden gedauert. Die Rebellen bestätigten die
Kämpfe, sprachen jedoch von zwölf Polizisten und lediglich
einem Taliban-Kämpfer, die ums Leben gekommen seien. Kandahar war
eine Hochburg der Taliban, bis das Regime Ende 2001 gestürzt
wurde. Im Süden Afghanistans sind die Rebellen weiterhin besonders
aktiv.
(Quelle: dpa)
EU kündigt 'großzügiges Angebot' im Streit mit Iran an
Di.16.05.06 - Die Europäische Union hat ein großzügiges Angebot an
den Iran angekündigt, um die Regierung in Teheran zum Einlenken im
Atomstreit zu bewegen.
EU-Chefdiplomat Javier Solana sagte vor Beratungen der
EU-Außenminister am Montag in Brüssel, es werde ein
umfassendes Paket geschnürt. Es werde wirtschaftliche Anreize
ebenso enthalten wie ein Angebot in der Atomfrage und vielleicht auch
Sicherheitsaspekte. Das Angebot solle dem Iran in den kommenden Wochen
vorgelegt werden und die angestrebte Resolution des UN-Sicherheitsrats
ergänzen. Die neue britische Außenministerin Margaret Beckett
sagte, wenn der Iran einlenke, werde es große Hilfen für ein
ziviles Atomprogramm geben. Die USA und die EU streben eine Resolution
an, in der die Forderungen der internationalen Gemeinschaft an den Iran
verbindlich gemacht werden. Der Iran will nach eigener Darstellung mit
seinem Atomprogramm lediglich Strom erzeugen. Europäer und
Amerikaner vermuten jedoch, dass das Land Atomwaffen herstellen will.
Neben den europäischen Vetomächten im Sicherheitsrat -
Frankreich und Großbritannien - ist Deutschland federführend
am Entwurf des Pakets beteiligt. Deutschlands Außenminister
Frank-Walter Steinmeier lehnte Angaben zum Inhalt der Verhandlungen ab.
Es werde bereits zu viel spekuliert, sagte er. Wie auch Solana wies er
aber ablehnende Äußerungen des iranischen Präsidenten
Mahmud Ahmadinedschad vom Wochenende zurück. "Ich setze darauf,
dass auch in der Iraner-Führung am Ende ein Rest von Vernunft
vorhanden ist. Ich setze darauf, dass es genügend vernünftige
Leute gibt, die darauf reagieren. Und zwar nicht so wie Ahmadinedschad
gestern", sagte Steinmeier.
Solana wies erneut die Darstellung Irans zurück, die EU wolle dem
Land die friedliche Nutzung der Kernenergie verweigern. Eine
Urananreicherung könne die EU aber nicht akzeptieren.
In einer von Diplomaten als "Zuckerbrot und Peitsche" beschriebenen
Erklärung wollen die 25 EU-Außenminister ihre
Unterstützung für eine Sanktionsdrohung des
UN-Sicherheitsrates betonen. Im Entwurf der Erklärung wird jede
Urananreicherung auch für Forschungszwecke im Iran abgelehnt. Die
EU bietet dem Iran aber Hilfe dabei an, ein sicheres und nachhaltiges
ziviles Atomprogramm zu entwickeln.
Der Iran solle zudem verbindlich durch den Sicherheitsrat aufgefordert
werden, mit der Atomenergiebehörde zusammen zu arbeiten, die
Urananreicherung und den Bau eines Schwerwasserreaktors auszusetzen.
Beim Bruch rechtsverbindlicher UN-Auflagen sind Sanktionen denkbar.
China und Russland lehnen im Sicherheitsrat eine Sanktionsdrohung aber
weiter ab.
Die USA hatten am Sonntag klar gestellt, dass sie auch nach dem Brief
des iranischen Präsidenten an seinen US-Kollegen George W. Bush
weiter direkte Kontakte ablehnen. Dazu hatte unter anderem die
Bundesregierung aufgefordert. Beckett sagte, über die Art ihrer
Kontakte müssten der Iran und die USA selbst entscheiden. Wichtig
sei die Geschlossenheit der internationalen Gemeinschaft.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Palästinenserpräsident Abbas ruft Israel zu
Friedensgesprächen auf
Di.16.05.06 - Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat Israel zur
Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgerufen. «Ich sage
unseren Nachbarn, den Israelis, dass wir einen gerechten und dauerhaften
Frieden mit euch wollen, und wir wollen eine bessere Zukunft für
unsere Kinder und eure», erklärte Abbas in einer Rede, die
am Montag im palästinensischen Rundfunk ausgestrahlt werden
sollte. Anlass war der Jahrestag der israelischen Staatsgründung,
die von den Palästinensern als «Nakba» (Katastrophe)
bezeichnet wird.
«Lasst uns dieses Jahr zu einem Jahr des Friedens machen»,
sagte Abbas. Zugleich rief er palästinensische Extremisten im
Gazastreifen auf, ihre Raketenangriffe gegen Israel einzustellen. Die
Gewalt bestärke Israel darin, seine Militäreinsätze gegen
die Palästinenser zu verschärfen und Pläne für eine
einseitige Grenzziehung voranzutreiben.
Nach der Regierungsübernahme der radikalislamischen Hamas lehnt
Israel Friedensgespräche mit den Palästinensern ab. Abbas
gehört der mit der Hamas rivalisierenden Fatah-Bewegung an. Das
Argument, es gebe auf Seiten der Palästinenser keinen
Verhandlungspartner sei ein Vorwand, sagte Abbas am Montag. «Der
Partner ist da, und wir reichen euch unsere Hand zum Frieden.»
Das israelische Außenministerium wies den Vorschlag zurück,
die Hamas zu umgehen und nur mit Abbas zu verhandeln. «Niemand
kann die Realität nach der palästinensischen Wahl
ignorieren», erklärte Sprecher Mark Regev.
Abbas rief die internationale Gemeinschaft erneut auf, das
palästinensische Volk nicht für den Ausgang der Wahl zu
bestrafen. Weil die Hamas das Existenzrecht Israels nicht anerkennt, hat
der Westen seine Zahlungen an die palästinensische
Autonomiebehörde ausgesetzt. Die EU-Kommission will jetzt
alternative Finanzierungsmechanismen vorschlagen, damit das
öffentliche Leben im Gazastreifen und im Westjordanland nicht
zusammenbricht. Dies war auch Thema eines Treffens der EU-Außen-
und Verteidigungsminister am Montag in Brüssel.
(Quelle: ap)
Bush will 6.000 Nationalgardisten an Grenze zu Mexiko stationieren
Di.16.05.06 - US-Präsident George W. Bush wird mehr als 6.000 Nationalgardisten
die Grenze zu Mexiko sichern. «Wir haben nicht mehr die volle
Kontrolle über die Grenze, und deswegen muss ich das
ändern», sagte Bush in einer Fernsehansprache am
Montagabend. Das Programm soll insgesamt 1,9 Milliarden Dollar kosten.
Bush forderte den Kongress auf, die Mittel für eine «massive
Verbesserung» bei Personal und technischer Ausstattung an der
Grenze zu genehmigen.
Die Nationalgardisten sollten den regulären Grenzschutz
verstärken, während dieser seine Kapazitäten ausbaue,
hatte Regierungssprecher Tony
Snow zuvor erklärt. Die eigentliche Sicherung der 3.200 Kilometer
langen Grenze solle weiter Aufgabe des Grenzschutzes sein. Den
Nationalgardisten seien dem Vorschlag Bushs zufolge lediglich
unterstützende Aufgaben zugedacht, wozu etwa Überwachung,
Bauarbeiten und Transport zählten.
Bush erhofft sich nach Ansicht von Beobachtern von seinem
Vorstoß, Gegner einer Einwanderungsreform im Kongress umstimmen
zu können. Der Präsident setzt sich für ein Gesetz ein,
das Ausländern die Möglichkeit einer befristeten
Arbeitserlaubnis eröffnet. Die Wirtschaft verspricht sich davon
Arbeitskräfte für Niedriglohnjobs. Viele Konservative
befürworten aber einen härteren Kurs gegen illegal
Eingewanderte.
(Quelle: ap)
Mindestens 67 Tote bei Mafia-Offensive in Brasilien
Di.16.05.06 - Bei der größten Offensive der Drogenmafia in der Geschichte
Brasiliens sind am Wochenende mindestens 67 Menschen getötet worden.
Nach amtlichen Angaben wurden zwischen Freitag- und Sonntagabend
(Ortszeit) in der Wirtschaftsmetropole Sao Paulo sowie in anderen
Gemeinden des gleichnamigen Bundeslandes rund 150 Anschläge auf
Sicherheitsbeamte, Polizei- und Militäranlagen sowie auf
öffentliche Einrichtungen verübt. Außerdem sei die Mafia
für noch am Sonntagabend andauernde Revolten in rund 60
Gefängnissen verantwortlich, hieß es.
Die Aktionen seien eine Antwort krimineller Banden auf die
Zwangsverlegung von rund 740 Häftlingen in den vergangenen Tagen,
teilten die Behörden mit. Dabei waren unter anderem auch mindestens
acht ranghohe Mafiabosse isoliert worden. Die Zentralregierung in
Brasilia stellte unterdessen dem Bundesland Sao Paulo die Bundespolizei
und die Streitkräfte zur Verfügung. Nach seiner Teilnahme am
EU-Lateinamerika-Gipfel in Wien und einem Staatsbesuch in
Österreich wurde Staatspräsident Luiz Inácio Lula erst
im Laufe des Montags wieder in Brasilien erwartet.
Hunderte von Gefängnis-Besuchern wurden am Sonntag von rund 30 000
revoltierenden Insassen als Geiseln festgehalten. Bei den 52 bei
verschiedenen Anschlägen getöteten Menschen handele es sich um
35 Polizisten und Gefängniswärter, 3 unbeteiligte Zivilisten
sowie 14 mutmaßliche Verbrecher, hieß es. Außerdem
seien bei den Revolten in den Gefängnissen mindestens 15 Menschen
gestorben. Es seien mindestens 60 Verletzte und 20 Festnahmen
registriert worden.
Hinter den Anschlägen wird die Mafiagruppe «Primeiro Comando
da Capital» (PCC, Erstes Hauptstadt-Kommando) vermutet. Das PCC
wird vor allem von inhaftierten Drogenbossen angeführt. Es wurden
den Angaben nach mindestens 100 Anschläge auf Polizeiwachen,
Militäranlagen und Streifenwagen sowie auch auf
Gefängniswachhäuser verübt. Dabei wurden unter anderem
Maschinenpistolen und Handgranaten benutzt. Am Sonntag wurden auch 35
Nahverkehrsbusse und eine Bankfiliale in Brand gesetzt.
Der Gouverneur des Bundeslandes Sao Paulo, Claudio Lembo,
erklärte, man werde sich dem Organisierten Verbrechen nicht beugen.
«Solche Aktionen von Verbrechern werden nie zum Erfolg
führen. Das ist eine Verzweiflungstat», versicherte der
Sicherheitsminister des Landes Sao Paulo, Saulo de Castro Abreu Filho.
Der Präsident der Abgeordnetenkammer in Brasilia, Aldo Rebelo,
zeigte sich allerdings skeptischer. «Wenn die Sicherheitssysteme
von Gemeinden, Bund und Ländern in Brasilien nicht
zusammengeführt werden, haben wir der Mafia wenig
entgegenzusetzen», sagte er.
Medien berichteten, zahlreiche Straßen der Stadt Sao Paulo seien
am Wochenende von schwer bewaffneten Polizeieinheiten abgesperrt worden.
Zudem seien wichtige Gebäude wie die Polizeizentrale unter
besonders stark bewacht worden.
(Quelle: dpa)
UN-Konferenz zum Klimawandel in Bonn sucht nach Auswegen aus der
Klimakrise
Di.16.05.06 - Unter der Leitung der UNO begann am Montag eine neue Verhandlungsrunde
zu weiteren Maßnahmen gegen den Klimawandel. Teilnehmer der
Konferenz, die in Bonn stattfindet, sind die 189 Vertragsparteien des
Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über
Klimaänderungen (UNFCCC) sowie die 163 Unterzeichner des
Kyoto-Protokolls. Am gestrigen Montag sollten die wichtigsten Eckpunkte
der Emissionshandelsregister aller Mitgliedstaaten und auch des
Zentralregisters veröffentlicht werden.
Beim ersten Teil der UN-Klimatagung nehmen die Vertragsstaaten der
Klimarahmenkonvention teil. Thema dieses Tagungsteils ist der "Dialog
über die langfristige Zusammenarbeit zur weiteren Umsetzung der
Klimarahmenkonvention". Dabei sollen Themenfelder wie der Zusammenhang
zwischen nachhaltiger Entwicklung und Klimawandel, die Anpassung an den
Klimawandel sowie das Potenzial der Technologie und die Nutzung von
marktbasierten Möglichkeiten zum Kampf gegen den Klimawandel
diskutiert werden. Das Ziel ist es, einen Konsens darüber zu
finden, wie Länder besser zusammen arbeiten können, um den
Ausstoß von Treibhausgasen zu vermindern und um auf die
Auswirkungen des Klimawandels zu reagieren.
Als zweiter Teil der Tagung folgt vom 17. bis 25. Mai eine
Arbeitssitzung der 163 Vertragspartner des Kyoto-Protokolls. Dabei
handelt es sich um die erste Runde formeller Verhandlungen in der "Ad
Hoc-Arbeitsgruppe zu weiteren Verpflichtungen für Anhang
I-Vertragspartner des Kyoto-Protokolls". Der Schwerpunkt dieses Organs
liegt auf den weiteren Maßnahmen, die von den
Industrieländern bis zum Jahr 2012 getroffen werden müssen,
wenn die erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls endet.
"Die Verhandlungen über die Zukunft haben sich aus dem
theoretischen Bereich der Forschung in die Hallen der Vereinten Nationen
bewegt", erklärte Richard Kinley, Exekutivdirektor des
UN-Sekretariats der Klimarahmenkonvention. "Die wissenschaftlichen
Beweise über die dramatischen Auswirkungen des vom Menschen
verursachten Klimawandels werden immer stärker." Die Regierungen
müssten sich nun darüber einigen, wie die Welt den
Abgasausstoß innerhalb von zwei bis drei Jahren verringern soll.
Außerdem müssten sie darüber Sicherheit schaffen, dass
der hochinteressante neue internationale CO2-Handel auch nach 2012
weiter Ergebnisse bringen könne, so Kinley.
Die Gespräche werden in Verbindung mit den Sitzungen des
Subsidiary Body for Scientific and Technical Advice (SBSTA - Nebenorgan
für wissenschaftliche und technische Beratung) und des Subsidiary
Body for Implementation (SBI - Nebenorgan für die Umsetzung) der
Klimarahmenkonvention abgehalten. In diesem Rahmen werden auch Fragen
wie die Rolle der Rodung von Wäldern in Entwicklungsländern,
die Rolle der Bindung und Einlagerung von Kohlendioxid zur Abmilderung
des Klimawandels, Maßnahmen zur Anpassung an die Auswirkungen des
Klimawandels und den Fortschritt der Kyoto-Parteien bei der
Erfüllung der vereinbarten Ziele diskutiert.
(Quelle: pte)
Deutsche Regierung verteidigt Besteuerung von Biokraftstoffen
Kritiker in SPD und Union wollen Vorhaben offenbar kippen
Di.16.05.06 - Trotz massiver Kritik aus den Koalitionsparteien hält die
Bundesregierung an ihren Plänen zur Besteuerung von Biokraftstoffen
fest. Das Finanzministerium bekräftigte am Montag in Berlin, die
deutschen Vorgaben müssten an EU-Recht angepasst werden.
Andererseits sollen laut Koalitionsvertrag die Steuersubventionen in
diesem Bereich durch den Zwang zur Beimischung von Biokraftstoffen zu
Benzin und Diesel ersetzt werden.
Diese Mischungen sollen dann laut Koalitionsbeschluss voll besteuert
werden. Die Steuerbegünstigung für reine Biokraftstoffe soll
bereits 2009 und damit wesentlich früher auslaufen als von
Rot-Grün angekündigt. Wenn die bisherigen steuerlichen
Förderungen blieben, bedeutet dies laut Finanzministeriums für
den Staat auf Jahre hinaus ein Einnahmeverlust von jährlich 1,5
bis zwei Milliarden Euro, der an anderer Stelle ausgeglichen werden
müsste.
Zahlreiche Abgeordnete beider Koalitionsfraktionen planen für
diese Woche einen gemeinsamen Antrag, um die Neuregelung zu kippen. Nach
Medienberichten rechnet die SPD-Fraktion damit, dass 122 Abgeordnete
dem Antrag folgen könnten. In der Unionsfraktion sollen Umwelt-,
Agrar- und Wirtschaftspolitiker hinter dem Antrag stehen. Die Kritiker
befürchten die Vernichtung eines gesamten Wirtschaftszweiges.
(Quelle: ap)
Experten unterstützen Föderalismusreform
Di.16.05.06 - Rechts- und Staatswissenschaftler haben die geplante
Föderalismusreform begrüßt, aber Änderungen an
Einzelpunkten gefordert. Zu Beginn einer siebentägigen gemeinsamen
Anhörung von Bundestag und Bundesrat am Montag forderte der
Rechtswissenschaftler Hans Meyer von der Humboldt-Universität
Berlin: «Die Vorlage darf auf keinen Fall ohne Korrekturen
durchgehen.» Ein zentraler Kritikpunkt war das neue
Abweichungsrecht der Länder bei Bundesgesetzen.
An der Anhörung im Reichstag nahmen auch Bundeskanzlerin Angela
Merkel sowie zahlreiche Bundesminister und Ministerpräsidenten
teil. Im Vorfeld war immer wieder davor gewarnt worden, das in
jahrelangen Verhandlungen zwischen Bund und Ländern gefundene
Kompromisspaket wieder aufzuschnüren.
Der Rechtsexperte Hans Meyer nannte die Warnungen
«Getöse» und erklärte: «Die Leute, die das
Paket nicht aufschnüren wollen, wollen gar nicht wissen, was darin
ist.» Beispielsweise seien die künftigen Regelungen über
Bundeshilfen zu eng gefasst. Falls die erwartete
«Studentenlawine» komme, könne der Bund nicht helfen.
«Unmöglich» nannte Meyer die so genannte
Sechsmonatsregelung. In Bereichen, in denen bisher die Länder das
Recht zur Gesetzgebung hatten und der Bund nur Rahmenregelungen erlassen
konnte, bekommt künftig der Bund die Kompetenz. Einer dieser
Bereiche ist die Umwelt.
Die Länder dürfen aber vom Bundesrecht abweichende Regelungen
treffen. Das schließt den Bund trotzdem nicht von weiteren
Novellen aus. Zur Verhinderung eines «Ping-Pong-Effekts»
wird künftig das neue Bundesrecht erst sechs Monate nach
Verkündung in Kraft treten, so dass die Länder vorher
über eine erneute Abweichung entscheiden können.
Der bayerische Landtagspräsident Alois Glück - einer der
zwölf Sachverständigen am ersten Anhörungstag - lobte das
Reformprojekt. Der Bürger gewinne durch schnelle Entscheidungen
und klare Verantwortlichkeiten. Auch könne regional
situationsgerechter entschieden werden.
Auch Peter Huber (Universität München) nannte die Reform
einen «großen Schritt in die richtige Richtung». Die
Abweichungsbefugnis der Länder mache erstmals ein Umweltgesetzbuch
möglich. Huber schlug vor, die Länder sollten ihre
Abweichungen aber auch notifizieren lassen, damit die Rechtsanwender mit
der neuen Rechtslage zurecht kämen.
Der Rechtswissenschaftler Ferdinand Kirchhof (Universität
Tübingen) nannte die Reform «angemessen und gelungen als
erster Schritt». Folgen müsse jetzt eine Regelung der
«Finanzen, wo die große klare Linie nicht so ganz
durchkommt». Auch Kirchhof meldete Benken beim Abweichungsrecht
(»Rechtszerklüftung») an und schlug vor, die
Länder sollten das letzte Wort haben.
Christoph Möllers (Universität Göttingen) sagte, die
Reform der föderalen Ordnung gehe «im Kern in die richtige
Richtung». Vor der Erhebung des wissenschaftlichen Dienstes des
Bundestags könne er aber nur «warnen», erklärte
der Experte. Danach würde die Föderalismusreform den
Prozentsatz der zustimmungspflichtigen Gesetze auf rund 25 Prozent mehr
als halbieren. Nähme man nur zwischen Bundestag und Bundesrat
strittige Themen, sähe das Ergebnis ganz anders aus, meinte
Möllers.
Auch die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch (Universität
der Bundeswehr München) kritisierte die Sechsmonatsregelung. Der
Rechtswissenschaftler Christian Pestalozzi (FU Berlin) nannte den
Grundsatz «Späteres Recht bricht früheres Recht»
eine «monströse Regelung».
(Quelle: ap)
Schlechte Chancen für Migrantenkinder in Deutschland
Di.16.05.06 - Die Bildungschancen für Migrantenkinder sind an Deutschlands
Schulen schlechter als in anderen Ländern. Nach einer
Sonderauswertung der internationalen PISA-Studie gehört Deutschland
zu den Staaten, in denen die Leistungsunterschiede zwischen
Schülern mit Migrationshintergrund und den einheimischen
Schülern am stärksten ausgeprägt sind. Die
OECD-Bildungsforscher sehen aber keinen grundsätzlichen
Zusammenhang zwischen der Anzahl der Zuwanderer und den
Leistungsunterschieden zwischen ausländischen und einheimischen
Schülern.
Über 25 Prozent der Schüler der ersten Generation, die nicht
in Deutschland geboren sind und deren Eltern aus dem Ausland stammen,
erreichen der Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche
Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) zufolge in Mathematik nicht das
Basisniveau. Unter den Jugendlichen der zweiten Generation, die also
hier geboren sind, liegt der Anteil sogar bei mehr als 40 Prozent.
Die Ergebnisse widerlegten jedoch die Annahme, wonach sich ein hohes
Zuwanderungsniveau im Allgemeinen negativ auf die Integration auswirke,
hieß es weiter. So waren etwa in den klassischen
Einwanderungsländern Australien, Kanada und Neuseeland die
Leistungen der Schüler mit Migrationshintergrund mit denen der
einheimischen Schüler vergleichbar. Für die Sonderauswertung
der bereits vorliegenden PISA-Studie wurden die Erfolgschancen von
Migrantenkindern in 17 Ländern verglichen.
(Quelle: afp)
Abgesetzter Berliner WASG-Landesvorstand hält an Wahlantritt fest
Di.16.05.06 - Der von der Bundespartei abgesetzte Landesvorstand der Berliner
Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) will an einem
eigenständigen Antritt bei der Abgeordnetenhauswahl im Herbst
festhalten. Das kündigte die bisherige Berliner
WASG-Spitzenkandidatin Lucy Redler am Montag an. Die Absetzung des
Berliner Landesvorstandes sei der Versuch der Bundesspitze, Mitglieder
mit «unliebsamen politischen Positionen durch Sanktionen aus der
Partei zu drängen». Der bisherige Berliner Landesvorstand
werde weiter juristisch gegen den Beschluss des Bundesvorstandes
vorgehen.
Nach den Worten von Rouzbeh Taheri, der dem erweiterten Landesvorstand
angehört, will das abgesetzte Gremium am Dienstag auf einem
Sonderpartei in Berlin um das Vertrauen der Delegierten werben.
Gleichzeitig strebe die bisherige Landesspitze an, dem vom
Bundesvorstand für Berlin eingesetzten Beauftragten Hüseyin
Aydin das Misstrauen auszusprechen. Der Anwalt des Berliner
WASG-Landesvorstandes, Hans-Joachim Ehrig, kündigte an, noch am
Montag das Bundesschiedsgericht der Partei anzurufen.
Die WASG-Parteispitze hatte am Sonntag die Vorstände der beiden
abweichlerischen Landesverbände in Berlin und
Mecklenburg-Vorpommern ihrer Ämter enthoben. Sie wurden durch
Beauftragte ersetzt, die die bereits eingereichten Wahlanzeigen für
die kommenden Landtagswahlen zurückziehen sollen. Damit soll ein
Wahlantritt in Konkurrenz zur Linkspartei.PDS auf Landesebene
verhindert werden. Die Landesverbände werfen der Linkspartei wegen
deren Regierungsbeteiligung in den beiden Bundesländern
«neoliberale Politik» vor. Die Frist für die
Rücknahme der Wahlanzeige in Berlin läuft am Mittwoch aus.
(Quelle: ddp)
Zwischen Trotzki und Lafontaine
Über den Sinn einer Alleinkandidatur der WASG in Berlin und die
Perspektiven des Klassenkampfes zwischen Hellersdorf und Havanna. Ein
Streitgespräch zwischen Christine Buchholz und Lucy Redler... Mehr
in der Tageszeitung 'junge Welt' vom 16.05.06:
http://www.jungewelt.de/2006/05-16/002.php
BND darf Journalisten zur Eigensicherung nicht mehr bespitzeln
Di.16.05.06 - Der Bundesnachrichtendienst darf keine Journalisten mehr bespitzeln, um
undichte Stellen in den eigenen Reihen zu stopfen. Das Kanzleramt
erteilte dem Auslandsgeheimdienst am Montag eine entsprechende
Anweisung, wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin mitteilte.
Auch die Anwerbung von Journalisten «zur Eigensicherung» sei
künftig verboten.
Die Bundesregierung zieht damit eine erste Konsequenz aus einem noch
geheimen Bericht des Sonderermittlers Gerhard Schäfer für das
Parlamentarische Kontrollgremium (PKG). Darin ist die Rede davon, dass
es weitaus mehr Fälle der Bespitzelung von Journalisten durch den
Bundesnachrichtendienst seit 1996 bis in die jüngste Zeit gegeben
hat als bisher bekannt.
Wilhelm begründete die Anweisung damit, dass die Pressefreiheit
ein so hohes Gut sei, dass ihr die Interessen der Eigensicherung des BND
unterzuordnen seien. Bis Montag habe es lediglich die Regelung gegeben,
dass operative Maßnahmen, die Journalisten betreffen, von der
Amtsleitung hätten genehmigt werden müssen.
Ob die neue Regelung auch für den Verfassungsschutz und den
Militärischen Abschirmdienst gilt, ließ Wilhelm zunächst
offen. Er sagte aber, die Anweisung sei «ein erster
Schritt». Vorstellbar sei, dass es Gespräche mit
Journalistenverbänden über die offenen Fragen gebe. Dazu
gehöre die Frage, wie zu verfahren sei, wenn etwa Terroristen unter
dem Deckmantel journalistischer Tätigkeit gegen die Bundesrepublik
aktiv würden.
Der Bundesnachrichtendienst wird normalerweise nur im Ausland
tätig. Ausnahme sind nach Wilhelms Angaben Maßnahmen
«zur Eigensicherung», also zum Schutz vor ungewolltem
Durchsickern von Erkenntnissen an die Öffentlichkeit. «Die
Bundesregierung bedauert die Vorfälle», die im Bericht des
Sonderermittlers Schäfer erwähnt wurden, sagte Wilhelm. Er
berief sich stets auf die Veröffentlichungen in den Medien, da der
Bericht nach wie vor als geheim eingestuft sei. Die Änderung dieser
Einstufung sei Sache des Parlaments beziehungsweise des
Kontrollgremiums.
Zuvor hatte der frühere Koordinator der Geheimdienste, Bernd
Schmidbauer (CDU), dem früheren BND-Präsidenten Hansjörg
Geiger vorgeworfen, bei der Bespitzelung hinter seinem Rücken
agiert zu haben. Insgesamt seien die Beschattungen von Journalisten aus
heutiger Sicht «nicht verhältnismäßig»
gewesen.
Geiger selbst bestritt das. «Zu meinem Amtsantritt habe ich
ausdrücklich verfügt, dass der BND keine Journalisten als
Quelle führen darf», sagte er. Schon gar nicht sei dies zum
Zweck geschehen, andere Journalisten auszuforschen. Der frühere
BND-Chef kritisierte, dass er von dem Sonderermittler nicht befragt
worden sei. Nun fühle er sich zu Unrecht als Verantwortlicher an
den Pranger gestellt.
Politiker von Regierung und Opposition forderten unterdessen eine volle
Aufklärung der BND-Affäre. «Auch Nachrichtendienste
dürfen nur im Rahmen ihrer Befugnisse agieren, diese Befugnisse
sind hier offenbar deutlich überschritten worden», sagte der
stellvertretende Unionsfraktionschef Wolfgang Bosbach. Er erwarte auch
personelle Konsequenzen beim BND, da er davon ausgehe, dass Vorgesetzte
von den Geschehnissen gewusst hätten.
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte, es müsse geprüft
werden, ob die neuen Vorwürfe im BND-Untersuchungsausschuss
behandelt werden müssten.
(Quelle: ap)