Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Wieder Tote und Verletzte bei Anschlägen in Bagdad. Seit
Kriegsbeginn 439 Ausländer im Irak entführt. Prodi für
italienischen Truppen-Abzug aus dem Irak
Fr.19.05.06 - In der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Donnerstag bei zwei
Anschlägen mindestens 13 Menschen getötet worden.
Bei einem Autobombenanschlag auf Polizisten im Norden Bagdads wurden
nach Behördenangaben sieben Menschen in den Tod gerissen und vier
weitere verletzt. Unter den Toten waren vier Polizisten und drei
Zivilisten. Im Südwesten der Stadt nahmen Aufständische einen
Kleinbus mit Arbeitern unter Beschuss. Sechs Menschen starben. Westlich
von Bagdad wurden zudem 15 Mitglieder einer Taekwondo-Kampftruppe der
irakischen Regierung verschleppt. Wie ein Vertreter des Jugend- und
Sportministeriums mitteilte, waren die Kämpfer unterwegs zu einem
Trainingsaufenthalt im benachbarten Jordanien.
Die jüngste Gewalt überschattete die Bemühungen des
designierten Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki, sein neues
Kabinett zusammenzustellen. Nach Medienberichten ist der Streit zwischen
den verschiedenen Bevölkerungsgruppen um die Besetzung des
wichtigen Innenministeriums beigelegt. Demnach soll der schiitische,
ehemalige Militäroffizier Nasser al-Ameri das Ressort leiten. Die
komplette Ministerriege solle bald bekannt gegeben werden, hieß
es.
In den drei Jahren seit Beginn des Krieges sind im Irak mindestens 439
Ausländer entführt worden. Das teilte eine Sondereinsatzgruppe
der US-Botschaft in Bagdad am Donnerstag mit. Unter den
Entführungsopfern waren demnach 165 Mitarbeiter von Privatfirmen,
63 Fahrer, 39 Journalisten, 23 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und
15 Diplomaten. Der Beruf von 93 Geiseln ist unbekannt. Der Direktor der
Arbeitsgruppe Geiseln, Erik Rye, sagte, das Problem sei sehr umfassend,
es gebe aber Fortschritte. «Es gab zahlreiche erfolgreiche
Befreiungsaktionen und die irakische Justiz beginnt, Kidnapper vor
Gericht zu stellen», sagte Rye. Unter den im Irak verschleppten
Geiseln waren auch die beiden deutschen Ingenieure René
Bräunlich und Thomas Nitzschke sowie die Orientalisten Susanne
Osthoff, die erst nach wochenlangen Verhandlungen mit den
Entführern freikamen.
Unterdessen setzte der britische Verteidigungsminister Des Browne
seinen ersten Irak-Besuch in der südlichen Hafenstadt Basra fort.
Dort kam der erst vor zwei Wochen ernannte Minister am Donnerstag wieder
mit britischen Soldaten zusammen. "Er ist hier, um so viele Menschen
vor Ort zu treffen wie möglich und sich ein Bild von der Lage zu
machen", sagte ein britischer Behördenvertreter in Basra.
Vor seiner Ankunft hatte Browne Berichte zurückgewiesen, die
britischen Truppen hätten die zweitgrößte Stadt im Irak
nicht unter Kontrolle. "Basra ist ruhig und die britischen Truppen
arbeiten Hand in Hand mit ihren irakischen sowie alliierten Partnern",
sagte Browne. "Andeutungen, die Stadt sei in irgendeiner Weise
außer Kontrolle, sind lachhaft." In den vergangenen zwei Wochen
starben sieben britische Soldaten bei Anschlägen in der Gegend.
Großbritannien hat etwa 8000 Soldaten im Irak stationiert.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld weigerte sich derweil, dem
Kongress Zusagen für einen größeren Truppenabzug aus dem
Irak noch in diesem Jahr zu machen. Er könne nicht versprechen,
dass es bis Jahresende zu einem Truppenabzug von größerem
Ausmaß kommen werde, sagte der Minister am Mittwoch vor einem
Senatsausschuss auf entsprechende Fragen von Senatoren. Der Senat hatte
im vergangenen Jahr für 2006 eine deutlich verringerte
US-Truppenpräsenz im Irak gefordert. Die USA reduzierten bisher
die Zahl ihrer Soldaten im Irak von etwa 160.000 auf 132.000.
Der neue italienische Ministerpräsident Romano Prodi hat sich
für den Rückzug der Truppen seines Landes aus dem Irak
ausgesprochen.
Er werde dem Parlament vorschlagen, in Konsultation mit den Alliierten
die Soldaten zurückzuholen, sagte Prodi am Donnerstag vor dem
Senat. Einen konkreten Termin nannte er nicht. Mit allen Seiten
müsse ein "technischer Zeitplan" vereinbart werden. Der Krieg im
Irak sei ein "schwerer Irrtum" gewesen. Von Politikern der
Mitte-rechts-Opposition wurde Prodi bei seiner Ankündigung
niedergeschrien.
Die Regierung des früheren Ministerpräsidenten Silvio
Berlusconi hatte angekündigt, die rund 3000 italienischen Soldaten
bis Ende 2006 aus dem Irak abzuziehen.
(Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 19.05.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertfünfundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.19.05.05 - Wieder gezielte Anschläge auf Regierungsmitarbeiter:
Brigadegeneral erschossen - Weitere Leichen gefunden. Seit Amtsantritt
der neuen irakischen Regierung Ende April sind fast 500 Menschen Opfer
von Mordanschlägen geworden. Sarkawi erklärt Tötung von
Moslems bei Angriffen für rechtens. Sunnitenführer werfen
irakischen Sicherheitskräften 14 Morde vor +++ Al Dschaafari reist in
die Türkei +++ Kapitän des Greenpeace-Schiffes 'Rainbow Warrior'
wegen Blockade eines nach Irak auslaufenden spanischen
Kriegschiffes zu sechs Monaten Haft verurteilt +++ US-Soldatin mit sechs
Monaten Haft wegen Folter in Abu Ghraib bestraft +++ Irakischer
Industrieminister kündigt Privatisierung großer Teile der
bisher staatlichen Wirtschaft an...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0505190.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Mehr als 70 Tote bei Gefechten in Afghanistan
Fr.19.05.06 - Bei schweren Kämpfen im Süden Afghanistans sind mehr als 70
Menschen getötet worden. Wie die Regierung in Kabul mitteilte,
kamen bei einem Vorstoß der Sicherheitskräfte gegen
Aufständische der radikalislamischen Taliban im Bezirk Musa Kala in
der Provinz Helmand am späten Mittwochabend mindestens 13
Polizisten und mutmaßlich auch etwa 40 Rebellen ums Leben. Nach
den stundenlangen Gefechten würden zwei Polizeikräfte
vermisst. Bei einem Selbstmordanschlag in der westafghanischen Stadt
Herat wurde ein Mitarbeiter des US-Außenministeriums getötet.
Bei Gefechten in der Nachbarprovinz Kandahar, an denen auch kanadische
Soldaten beteiligt waren, wurden nach Angaben eines kanadischen
Armeesprechers 18 Taliban getötet. 35 Aufständische seien
festgenommen worden. Das Gefecht zwischen afghanischen und kanadischen
Soldaten auf der einen und Taliban auf der anderen Seite hatte am
Mittwoch begonnen und zog sich bis in die Morgenstunden des Donnerstags
hinein. Bei den Kämpfen war am Mittwoch auch eine kanadische
Soldatin getötet worden.
Ein Übersetzer wurde nach Angaben des afghanischen
Innenministeriums bei dem Attentat am Morgen verletzt. Augenzeugen
zufolge waren die Opfer in einem Geländewagen unterwegs, die Bombe
befand sich demnach in einem weiteren Fahrzeug, das bei der Detonation
völlig zerstört wurde.
(Quelle: afp)
US-Gericht weist Klage El Masris gegen CIA ab
Fr.19.05.06 - Ein US-Bundesrichter hat die Klage des Deutsch-Libanesen Khaled el
Masri gegen den Geheimdienst CIA abgewiesen. In einem Prozess
würden Staatsgeheimnisse öffentlich gemacht, entschied
Richter T.S. Ellis am Donnerstag. Er entschied damit nicht in der Sache.
El Masri hatte vor Gericht den Vorwurf bekräftigt, er sei von
CIA-Agenten verschleppt und misshandelt worden. Er sagte vor dem
Bundesgericht aus, er sei am 31. Dezember 2003 in Mazedonien
festgenommen und drei Wochen später von der CIA nach Afghanistan
verschleppt worden. Dort sei er geschlagen und monatelang in einem
CIA-Gefängnis festgehalten worden.
El Masri hatte in den USA im vergangenen Dezember Klage gegen den
früheren CIA-Chef George Tenet und zehn namentlich nicht
identifizierte Mitarbeiter des Geheimdiensts eingereicht. Er forderte
eine Entschuldigung der amerikanischen Regierung sowie eine finanzielle
Entschädigung.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Feuergefecht zwischen Sicherheitskräften der Hamas und der Fatah
Fr.19.05.06 - Die neuen Sicherheitskräfte der von der radikalislamischen Hamas
gestellten palästinensischen Regierung und Einheiten der Fatah von
Präsident Mahmud Abbas haben sich am frühen Freitagmorgen in
der Stadt Gaza ein Feuergefecht geliefert. Dabei wurden nach
Polizeiangaben zwei Polizisten sowie ein Milizionär der Hamas
verletzt.
Die Schießerei trug sich in der Nähe des
Parlamentsgebäudes und der Polizeizentrale zu. Die Polizei, die
weitgehend loyal zu Präsident Abbas steht, wurde über
Rundfunk aufgerufen, Angriffe der Hamas mit Gewalt zu beantworten.
Milizionäre der Hamas hätten die Zufahrtsstraßen zum
Polizeihauptquartier abgeriegelt, wie ein AP-Reporter vor Ort
berichtete. Eine halbe Stunde nach Beginn der Auseinandersetzungen
seien alle paar Minuten sporadisch Schüsse zu hören gewesen.
Unbekannte hätten von einem fahrenden Auto heraus auf das
Polizeihauptquartier geschossen, sagte Chaled Abul Hilal, der Sprecher
des von der Hamas kontrollierten Innenministeriums. Die Polizei habe
offenbar angenommen, Sicherheitskräfte der Hamas, die sich in der
Nähe aufhielten, seien dafür verantwortlich gewesen und
hätten auf sie geschossen. Alle Beteiligten seien bemüht, die
Lage zu beruhigen, sagte Hilal. Auch ägyptische Diplomaten
hätten sich eingeschaltet.
Mit dem Feuergefecht hat der Konflikt zwischen Präsident Abbas und
der Hamas-Regierung über die Kontrolle der Sicherheitskräfte
weiter an Schärfe zugenommen. Wenige Stunden zuvor hatte Abbas die
Regierung aufgefordert, ihre am Mittwoch im Gazastreifen stationierten
neuen Sicherheitskräfte wieder zurückzuziehen. «Es ist
eine sehr Besorgnis erregende Situation», sagte der
Abbas-Vertraute Sajeb Erakat.
Abbas habe den Einsatz «regulärer»
palästinensischer Sicherheitskräfte befohlen und die 3.000
Mitglieder der von der Hamas-Regierung berufenen neuen Truppe
aufgefordert, sich aus den Straßen zurückzuziehen, sagte
Erakat. «Ich hoffe, dass sie gehen». «Wenn nicht,
steuern wir auf eine schwere Krise zu.» Ministerpräsident
Ismail Hanija betonte jedoch, die neue Einheit sei legal.
Auch US-Außenministerin Condoleezza Rice sprach von einer
«sehr gefährlichen Lage». Die palästinensische
Führung sei verpflichtet, die Situation unter Kontrolle zu
bringen, sagte Rice am Donnerstag nach einer Unterredung mit dem
saudiarabischen Außenminister Prinz Saud al Faisal in Washington.
(Quelle: ap)
Entwicklungsländer wollen mehr Mitsprache bei Annan-Nachfolge
Fr.19.05.06 - Die Entwicklungsländer fordern mehr Mitsprache bei der anstehenden
Suche nach einem Nachfolger für UN-Generalsekretär Kofi
Annan. Ansonsten könnten sie bei der Abstimmung in der
Vollversammlung den vom Sicherheitsrat vorgeschlagenen Kandidaten
ablehnen, sagte der ägyptische UN-Botschafter Maged Abdelasis am
Donnerstag. Annans Amtszeit endet zum Jahresende.
Der Generalsekretär wird laut UN-Charta auf Vorschlag des
Sicherheitsrats von der Vollversammlung ernannt. Die fünf
ständigen Sicherheitsratmitglieder USA, Russland, China,
Großbritannien und Frankreich haben wegen ihrer Veto-Macht jedoch
praktisch das entscheidende Wort bei der Nominierung, über die in
der Vollversammlung nicht debattiert wird.
«Wir fühlen uns isoliert», sagte Abdelasis. «Wir
fühlen uns nicht ausreichend konsultiert, wir dürfen nur das
absegnen, was die (fünf ständigen) Mitglieder im
Sicherheitsrat entscheiden.» Der Botschafter kündigte an,
dass die in der Gruppe der 77 zusammengefassten Entwicklungsländer
einen Entschließungsantrag in der Vollversammlung einbringen
werden, in dem mehr Konsultationen zwischen Sicherheitsrat und
Vollversammlung bei der Suche nach einem neuen Generalsekretär
gefordert werden.
Die meisten der mittlerweile 191 UN-Mitgliedstaaten räumen seit
Jahren ein, dass das Verfahren zur Suche eines neuen
Generalsekretärs nicht transparent ist und eine Entscheidung
oftmals erst in letzter Minute getroffen wird.
Nach den Vorstellungen des amerikanischen UN-Botschafters John Bolton
sollen die formellen Diskussion über einen Nachfolger Annans im
Juni oder Juli beginnen. Eine Entscheidung soll dann im September oder
Oktober fallen.
(Quelle: ap)
Japan und China erörtern Streit um Nutzung von Gasvorkommen
Fr.19.05.06 - Japan und China haben am Donnerstag in Tokio Gespräche über
die Nutzung von Gas in einem von beiden Staaten beanspruchten Gebiet im
Ostchinesischen Meer aufgenommen. Beide Seiten bekundeten ihre
Bereitschaft zu einer Beilegung des Streits. China hatte jedoch zuvor
noch davor gewarnt, bei den Gesprächen einen Durchbruch zu
erwarten. Der Streit über die Gasvorkommen belastet die Beziehungen
zwischen Tokio und Peking. China beansprucht die Förderung des
Gases für sich, während Japan eine gemeinsame Ausbeutung
anstrebt. Gespräche in der Vergangenheit blieben ergebnislos.
(Quelle: ap)
Nepalesisches Parlament beschneidet Macht des Königs
Fr.19.05.06 - Das nepalesische Parlament hat am Donnerstag für eine weitgehende
Entmachtung des Königs gestimmt. Demnach soll der Monarch nur noch
eine symbolische Position als Staatsoberhaupt haben. Darüber
hinaus sollen ihm die Immunität vor Strafverfolgung, der
Oberbefehl über das Heer und das Privileg der Steuerfreiheit
entzogen werden. Die Proklamation entspreche den Gefühlen aller
Nepalesen, sagte Ministerpräsident Girija Prasad Koirala bei der
Vorlage der Resolution in Kathmandu.
Damit die Vorlage in Kraft treten kann, muss sie noch in Gesetzestexten
formuliert werden. Mit der Abstimmung über diese Gesetze wird in
den kommenden Tagen gerechnet. Die Resolution wurde einstimmig
angenommen, auch traditionell königstreue Abgeordnete votierten
gegen König Gyanendra. «Das wird politische Stabilität
bringen», sagte Surya Bahadur Thapa von der royalistischen Partei
Rastriya Janshakti.
Unter dem Druck wochenlanger Streiks und Demonstrationen hatte
König Gyanendra am 24. März seine Alleinherrschaft beendet
und das Parlament wieder eingesetzt, das er vor vier Jahren
aufgelöst hatte. Während der Proteste gegen den Monarchen
kamen mindestens 17 Demonstranten ums Leben.
(Quelle: ap)
EU friert Konten von Lukaschenko ein
Fr.19.05.06 -Die Europäische Union hat die Konten des weißrussischen
Präsidenten Alexander Lukaschenko und von 35 weiteren ranghohen
Behördenvertretern eingefroren. Grund sei das Vorgehen der
Führung in Minsk gegen Oppositionelle sowie
Unregelmäßigkeiten bei der Wiederwahl Lukaschenkos im
März, teilte die EU in Brüssel mit.
Die Aktion wendet sich gegen diejenigen Vertreter der
weißrussischen Führung, für die schon seit März
ein Einreiseverbot in die EU besteht. Dazu gehören die Minister
für Justiz, Information und Bildung sowie der Generalstaatsanwalt
und mehrere Vorsitzende von Wahlkommissionen. Das Einfrieren der
weißrussischen Vermögen war Presseberichten zufolge bereits
seit einigen Wochen geplant. Es habe aber nicht gleichzeitig mit dem
Einreiseverbot beschlossen werden können, da es juristisch sehr
viel schwieriger umzusetzen sei.
(Quelle: afp)
Massenprotest gegen Richter-Mord in der Türkei
Fr.19.05.06 - Mehr als 25.000 Menschen haben am Mausoleum des türkischen
Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk in Ankara gegen den
tödlichen Angriff auf einen Richter am Vortag protestiert. "Die
Türkei ist laizistisch und wird es bleiben", skandierte die Menge,
die türkische Fahnen und Bilder Atatürks trug. Ein islamischer
Extremist hatte den Richter des Obersten Verwaltungsgerichts am
Mittwoch aus Wut über das Kopftuchverbot erschossen und vier
weitere Juristen verletzt.
Zu den Demonstranten gehörten die Vorsitzenden der obersten
Gerichtsinstanzen des Landes sowie zahlreiche Richter und Anwälte
in Roben. Ursprünglich hatten die Juristen lediglich einen Besuch
des Mausoleums geplant. Spontan schlossen sich ihnen aber tausende
Menschen an. Vor dem Mausoleum Atatürks legten die Teilnehmer der
Kundgebung eine Schweigeminute ein. Atatürk formte die
türkische Republik nach dem ersten Weltkrieg in scharfer Abgrenzung
zum Islam.
Im Polizeiverhör begründete der Attentäter seinen
Angriff Medienberichten zufolge mit einem Urteil der Gerichtskammer im
Kopftuchstreit. Die Kammer hatte mit der Entscheidung das in der
Türkei geltende Kopftuchverbot in staatlichen Institutionen
verschärft.
(Quelle: afp)
Mehr als 600 Afrikaner auf dem Weg zu den Kanaren aufgegriffen
Fr.19.05.06 - Der Zustrom afrikanischer Flüchtlinge auf die Kanarischen Inseln
hält unvermindert an. Allein in den vergangenen zwei Tagen wurden
mehr als 600 Menschen auf überfüllten Booten abgefangen, wie
die spanischen Behörden am Donnerstagabend mitteilten.
Außenminister Miguel Angel Moratinos kündigte für die
Dauer von bis zu sechs Monaten die Entsendung von zehn Diplomaten in
mehrere afrikanische Staaten an. Sie sollen die örtlichen
Behörden dazu bewegen, den Flüchtlingsstrom einzudämmen.
Erst am vergangenen Wochenende wurden rund 1.000 Flüchtlinge
aufgegriffen. In diesem Jahr gelangten schon fast 7.000 Afrikaner auf
die Kanaren, 2005 waren es etwa 4.750. Eine Sprecherin des
Rettungsdienstes auf der Inselgruppe sagte, bei den am Mittwoch und
Donnerstag Aufgegriffenen handele es sich um Schwarzafrikaner. Einige
seien wegen Erschöpfung oder Unterkühlung medizinisch
behandelt worden.
Der Zugang zu den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla an der
marokkanischen Küste sowie der klassische Fluchtweg über die
Straße von Gibraltar ist den Migranten inzwischen weitgehend
versperrt. Wohl deswegen ist die Zahl der Afrikaner, die den weitaus
riskanteren Weg von Mauretanien in Richtung Kanarische Inseln auf sich
nehmen, deutlich gestiegen.
Die niederländische Polizei hat bei einer Routinekontrolle auf
einem Lastwagen mit Ziel Großbritannien 27 Einwanderer entdeckt.
Die Flüchtlinge hatten sich auf der Ladefläche hinter
Tomatenkisten versteckt, wie ein Polizeisprecher am Donnerstag sagte.
Der Fahrer, ein 42-jähriger Niederländer, wurde festgenommen.
Bei den Einwanderern handelte es sich um Iraker, Inder und Chinesen,
darunter drei Frauen.
(Quelle: ap)
Deutschland
BND-Skandal weitet sich offenbar aus
Fr.19.05.06 - Der Geheimdienstskandal um die Bespitzelung von Journalisten weitet
sich offenbar aus: Mitarbeiter der operativen Abteilungen des
Bundesnachrichtendienstes (BND) hätten mit dem Militärischen
Abwehrdienst (MAD) und dem Bayerischen Verfassungsschutz
zusammengearbeitet, berichtet die ARD aus ihrer Sendung "Monitor". Dem
Gesetz zufolge sind BND, MAD und Verfassungsschutz streng voneinander
getrennt. Derweil räumte Ex-BND-Chef Hans-Georg Wieck ein, dass
die frühere BND-Spitze Kenntnis von der Zusammenarbeit des
Geheimdienstes mit Journalisten hatte.
Der Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom sagte "Monitor": "Die
Observanten des BND haben sich einmal in der Woche in einem
Münchener Restaurant mit ihren Kollegen vom Bayerischen Landesamt
für Verfassungsschutz und dem Militärischen Abschirmdienst
getroffen." Bei diesen Zusammenkünften sei festgelegt worden, "wer
für den anderen ihm jeweils verbotene Aufträge im Bereich der
Observation und Lauschmaßnahmen erledigt".
Damit sei die vom Gesetzgeber festgeschriebene Trennung der
Nachrichtendienste auf der Arbeitsebene "ausgehebelt" worden, sagte
Schmidt-Eenboom. Dies habe ein BND-Mitarbeiter berichtet, der ihn auch
observiert hätte.
Wieck bestätigte der "Financial Times Deutschland", dass der
frühere "Focus"-Journalist Wilhelm Dietl dem BND in den 80er
Jahren aus dem Nahen Osten zugearbeitet habe. Er bestritt jedoch, dass
Dietl mit der Ausforschung von Journalisten beauftragt gewesen sei. Bei
der Kooperation habe es sich um ein "Normalgeschäft" bei der
Nachrichtenbeschaffung gehandelt, sagte Wieck.
Dietl ist einer von fünf Journalisten, die im Sonderbericht zur
Spitzelaffäre als BND-Quellen erwähnt werden. Der Reporter,
der beim BND Berichten zufolge zwischen 1982 und 1998 unter zwei
Decknamen geführt wurde, soll dem Auslandsgeheimdienst insgesamt
856 Berichte geliefert haben.
Der Herausgeber und Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "Focus",
Helmut Markwort, sprach sich gegen eine ungeschützte
Veröffentlichung des bislang geheimen BND-Berichts zur
Journalistenbespitzelung aus. "Ich stehe der Veröffentlichung
etwas skeptisch gegenüber, auch wenn ich prinzipiell dafür
bin", sagte Markwort dem "Hamburger Abendblatt". Er habe volles
Verständnis für den Schutz der Journalisten, über die
der Auslandsgeheimdienst Informationen gesammelt habe. "Es kann nicht
sein, dass Details aus dem Privatleben der Betroffenen schon bald im
Internet nachzulesen sind."
(Quelle: afp)
Kritik am Kongo-Einsatz wächst
Fr.19.05.06 - Nach dem Kabinettsbeschluss über die Entsendung von
Bundeswehrsoldaten in die Demokratische Republik Kongo wächst die
Kritik an dem geplanten Einsatz. Der SPD-Verteidigungsexperte Johannes
Kahrs nannte das Vorhaben eine «windige Veranstaltung». Er
bezog sich vor allem darauf, dass statt 500 nun 780 Mann an der Mission
teilnehmen sollen. FDP-Chef Guido Westerwelle nannte den Einsatz
«risikoreich». Der Chef des Bundeswehrverbands, Bernhard
Gertz, betonte, der «sektorale Eingriff» sei «mehr
politisches Showbusiness als nachhaltige Politik».
Ex-Heeresinspekteur Helmut Willmann ist dagegen davon überzeugt,
dass die Bundeswehr den Kongo-Einsatz bewältigen kann.
Westerwelle bezweifelte den Sinn der Mission zur Sicherung der ersten
freien Wahlen im Kongo. «Mit ein paar hundert europäischen
Soldaten ein Land demokratisch zu stabilisieren, das größer
ist als Westeuropa - daran glaubt doch keiner ernsthaft», sagte er.
Kahrs betonte, die Bundesregierung müsse sich an das halten, was
sie selbst zugesagt habe. Er fügte hinzu: «500 Mann,
Kinshasa, vier Monate.» Die Vorbereitung des Einsatzes sei ein
Modell dafür, «wie man es nicht machen sollte». Dagegen
sagte Unions-Verteidigungsexperte Bernd Siebert (CDU), der
Kabinettsbeschluss sei zustimmungsfähig.
Der frühere Heeresinspekteur Willmann wies dagegen Kritik an den
Vorbereitungen zurück. «Ich habe keine Zweifel, dass unsere
Truppe mental und militärisch gut vorbereitet im Kongo erscheinen
wird», sagte Willmann. Kritiker hatten vor dem Kabinettsbeschluss
immer wieder auf Probleme mit dem tropischen Klima, fehlende Impfungen
und mangelnde Sprachkenntnisse der Soldaten hingewiesen.
Willmann wies diese Vorbehalte zurück: Schon 1994 habe er
Unteroffiziere des deutsch-französischen Korps nach
Französisch-Guayana, eine Überseebesitzung in Südamerika,
geschickt und dort bei der Fremdenlegion üben lassen. »Die
wurden acht Tage akklimatisiert und übten mit hervorragenden
Ergebnissen«, berichtete Willmann.
Am Sinn des Einsatzes meldete er aber Zweifel an: Maßstab
für den Einsatz von Truppen sei nationales Interesse. »Die
Argumente, die bisher für den Kongo gebracht worden sind,
überzeugen mich nicht.« Er kenne keine deutsche Strategie, in
der Kongo irgendwann einmal als ein Bereich geopolitischer oder
geostrategischer Priorität genannt worden wäre.
Grünen-Sicherheitsexperte Winfried Nachtwei lobte unterdessen die
Klarstellung der Bundesregierung zu möglichen
Nothilfe-Einsätzen deutscher Soldaten im Kongo. Es sei gut, dass
eine mögliche Nothilfe nicht an der Stadtgrenze von Kinshasa endet.
Noch besser wäre es gewesen, das auch in das Mandat
hineinzuschreiben, betonte der Politiker. Die grundsätzliche
Beschränkung der Bundeswehr auf die Hauptstadt bezeichnete Nachtwei
als «nicht sinnvoll». Damit werde die
Handlungsfähigkeit der Mission einschränkt.
Ein Regierungssprecher hatte am Mittwoch erklärt, in
unvorhersehbaren Fällen können die Bundeswehr auch
außerhalb Kinshasas Nothilfe leisten.
(Quelle: ddp)
Merkel schließt Erhöhung des Kassenbeitrags für Rentner
aus
Fr.19.05.06 - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Erhöhung des
Krankenkassenbeitrags für Rentner bei der anstehenden
Gesundheitsreform ausgeschlossen. Die Bundesregierung habe sich
verpflichtet, die Renten in dieser Legislaturperiode nicht zu
kürzen, sagte Merkel am Donnerstag in Berlin. «Damit ist auch
das Thema Krankenversicherungsbeiträge vom Tisch.»
Die CDU-Chefin bekannte sich zu einer Art der Finanzierung der
Krankenversicherung, die zwischen Arm und Reich, Alt und Jung sowie
Gesunden und Kranken umverteilt. «Wir werden eine solidarische
Finanzierung natürlich beibehalten», sagte sie. Doch werde es
ohne Reformen ab kommendem Jahr erhebliche Defizite der gesetzlichen
Krankenversicherung geben. Klar sei zudem, dass angesichts des
medizinischen Fortschritts und der älter werdenden Bevölkerung
die Gesundheitsversorgung nicht billiger werden könne: «Das
wird es nicht sein», bekräftigte Merkel.
Deshalb werde sich die Koalition «über die Finanzierung des
Systems Gedanken machen». Die Reformen dürften nicht so
ausfallen, dass man Arbeitsplätze außer Landes treibe.
Einzelheiten nannte die Kanzlerin nicht. Sie bezeichnete die Diskussion
als schwierig, äußerte aber die Erwartung, sie werde in
«konstruktiver Atmosphäre» stattfinden.
Derzeit bestehe die Gefahr, dass Gesundheitsrisiken künftig
unterschiedlich behandelt würden. «Wir wolle den Weg in die
Zwei-Klassen-Medizin nicht», sagte sie. Dies gelte für die
gesamte große Koalition. Allerdings dürfe man nicht die Augen
davor verschließen, dass bereits heute Behandlungen gestreckt
würden, die zum Beispiel die Lebensqualität von Behinderten
verbessern könnten. Auch gebe es bereits Wartezeiten.
Es gelte nun, die Weichen richtig zu stellen und solchen Entwicklungen
entgegenzuwirken. Zunächst werde man schauen, welche Verbesserungen
im System möglich seien. Merkel nannte als Beispiel das
Wechselspiel zwischen ambulanter und stationärer Versorgung.
Allerdings müsse für beide Sektoren auch ein Kostenvergleich
möglich sein. Dies sei wegen des Abrechnungssystems der
Kassenärzte derzeit nicht gegeben. Auch die Patienten sollten
wissen, was Leistungen kosten.
Insgesamt «können wir in den Strukturen vieles
verbessern», betonte Merkel. Wenn es jemandem gelingen werde,
solche Verbesserungen durchzusetzen, dann der großen Koalition.
Merkel äußerte sich auf dem Verbandstag des Sozialverbands
VdK.
(Quelle: ap)
Koalitionsparteien streiten über Arbeitslosengeld II
Fr.19.05.06 - In den Koalitionsparteien gibt es Streit über die Zukunft des
Arbeitslosengeldes II. Mehrere SPD-Politiker lehnten am Donnerstag
Vorschläge aus der Union ab, die Regelsätze zu senken. Es
bleibe bei der Anhebung der Regelleistung in Ostdeutschland auf das
Westniveau von monatlich 345 Euro, sagte der für den Aufbau Ost
zuständige Bundesminister Wolfgang Tiefensee. «Viele Menschen
haben den Ost-West-Unterschied als zutiefst ungerecht empfunden.
Kürzen zu wollen, bevor die Angleichung überhaupt
stattgefunden hat, wäre paradox und würde diesem
Unrechtsgefühl neue Nahrung geben», sagte der SPD-Politiker.
Tiefensee sagte, im Osten fehlten Arbeitsplätze, die vermittelt
werden könnten. Damit ein würdevolles Leben gewährleistet
sei, dürfe es bei der Grundsicherung keine Abstriche geben.
«Der ganz überwiegende Teil würde sofort Arbeit
annehmen, wenn es entsprechende Angebote gäbe», sagte
Tiefensee.
Mehrere Unionspolitiker hatten sich für Einschnitte beim
Arbeitslosengeld II ausgesprochen. Auch der CSU-Sozialexperte Max
Straubinger regte unterdessen Kürzungen an. Es sei darüber
nachzudenken, ob Arbeitslose wegen ihrer
Hinzuverdienstmöglichkeiten den selben Satz haben müssten wie
Sozialhilfeempfänger, sagte der Bundestagsabgeordnete. Für
Erwerbsunfähige sei dagegen die Regelsatzhöhe von 345 Euro
angemessen.
Wie Tiefensee sprach sich der SPD-Sozialexperte Klaus Brandner gegen
Kürzungen beim Arbeitslosengeld II aus. Unionspolitiker wollten den
Betrag von 345 Euro im Monat absenken, sagte der Bundestagsabgeordnete.
«Dies sehen wir nicht für sinnvoll an.» Brandner
verteidigte außerdem die Regelung, nach der Erwerbslose nicht
sofort Arbeitslosengeld II bekommen. Diese Abstufung sei bewusst
für Menschen eingebaut worden, die jahrelang Beiträge gezahlt
hätten. Diese Treppe wolle die Union abschaffen. «Dagegen
werden wir uns zur Wehr setzen», sagte Brandner.
Die Bundesregierung will die Differenzierung des Arbeitslosengeldes II
zwischen Ost- und Westdeutschland bis Jahresende aufheben. Angestrebt
wird ein bundeseinheitlicher Regelsatz für die Sozialhilfe auf
Höhe des bisherigen Westniveaus von 345 Euro.
Kritik an der Festsetzung des einheitlichen Regelsatzes kam vom
Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband.
Verbandshauptgeschäftsführer Ulrich Schneider kritisierte die
Pläne als intransparent. Es sei unklar, wie das Arbeitsministerium
seine Berechnungen angestellt habe. Zudem werde sein Verband kommende
Woche eine eigene Berechnung des Regelsatzes vorlegen, die trotz
derselben Berechnungsgrundlage deutlich höher ausfallen werde.
(Quelle: ap)
DGB-Chef Sommer will einheitlichen Weltgewerkschaftsbund bis November
Fr.19.05.06 - Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer hat den Zusammenschluss eines
Weltgewerkschaftsbundes in Aussicht gestellt. Sommer sagte in einem
Interview der «Süddeutschen Zeitung» (Freitagausgabe),
die drei konkurrierenden internationalen Gewerkschaftsbünde
würden sich wahrscheinlich Anfang November vereinigen. Die
Globalisierung der Gewerkschaften sei eine notwendige Antwort auf die
Globalisierung des Kapitals. Sie sei auch Grundvoraussetzung, um bei
der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds mit einer
Stimme zu sprechen.
Kandidaten für den Zusammenschluss sind nach den Worten des
Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes der Internationale Bund
Freier Gewerkschaften, die Reste des kommunistischen
Weltgewerkschaftsbundes und der Weltverband der christlichen
Gewerkschaften.
Sommer betonte, dass die Arbeitnehmervertreter weltweit gegenüber
den Arbeitgebern benachteiligt seien: «Wir haben es aber nun mal
schwerer als das Kapital. Das fängt damit an, dass wir keine
Leitwährung haben, und hört bei der Sprache nicht auf»,
wurde er zitiert. Die Arbeitnehmer dürften aber nicht vor der
Globalisierung des Kapitals kapitulieren.
(Quelle: ap)
WASG-Abtrünnige bilden eigenes Bündnis
Fr.19.05.06 - In Sachsen-Anhalt hat sich ein Bündnis basisorientierte Arbeit und
soziale Gerechtigkeit (BASG) gegründet. Wie die
«Mitteldeutsche Zeitung» (Donnerstagausgabe) berichtet,
seien dort vor allem ehemalige Mitglieder der PDS-kritischen Bernburger
Kreises der Wahlalternative für Arbeit und soziale Gerechtigkeit
(WASG) vertreten. Nach eigenen Angaben verfügt das Bündnis
über 50 Mitglieder. Vorsitzender des Landesvorstandes sei der
29-jährige Christian Sebastian aus Magdeburg. «Wir wollen uns
klar von der WASG und ihrer Machtbesessenheit abgrenzen», sagte
Sebastian dem Blatt.
Der stellvertretende BASG-Chef Hans-Jörg Guhla sagte, das
Bündnis sei bereits die elfte Ausgründung einer Partei aus der
WASG. Diese elf Landesverbände wollen sich nach Angaben von Guhla
am 27. Mai in Wittenberg treffen, um einen Dachverband mit dem Namen
«Die Alternative» zu gründen.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Marine Biodiversität - Weit größer als bisher angenommen
Fr.19.05.06 - Jährlich werden mehr als 1.600 neue Meereslebewesen neu entdeckt.
Davon sind mehr als die Hälfte Krustentiere und Mollusken. Zu
diesem Schluss sind Experten bei einem Treffen der Marine Biodiversity
and Ecosystem Functioning MarBEF in Lecce gekommen. Die Zahl der Spezies
in den Weltmeeren beträgt mindestens 230.000. Doch die Flora und
Fauna der Meere ist weiterhin stark unter Druck. Experten haben immer
wieder daraufhin gewiesen, dass eine gesunde Biodiversität der
Ozeane essenziell für das Leben auf der Erde ist.
"Es werden jährlich fünfmal so viele Fische beschrieben wie
es weltweit Nematoden gibt", meint Philippe Bouchet, Biologe und
Taxonomie-Experte vom Französischen National Museum of Natural
History. Das sei unerwartet, denn Nematoden, so genannte
Fadenwürmer, zählen zu den artenreichsten Stämmen des
Tierreichs.
Die Meeresforscher Vadim Panov und Tamara Shiganova haben bei der
Konferenz vor den Gefahren von Bioinvasoren in den Küstenzonen im
europäischen Teil Russlands gewarnt. Insbesondere die Verbindung
der südlichen mit den nördlichen Ozeanen durch Wasserwege
öffne artfremden Lebewesen Tür und Tor. Die Forscher sprechen
sogar von einem "Northern Invasion Corridor". Wie schlimm sich solche
Bioinvasoren auswirken können, machen die Forscher am Beispiel der
Rippenquallen-Spezies Mnemiopsis leidyi deutlich. Diese Tiere gelangten
wahrscheinlich über Ballastwassertanks von Schiffen ins Schwarze
Meer und konnten sich mangels Fressfeinden massiv dort ausbreiten. Die
Quallen vertilgten nicht nur zahlreiche Fischeier und -larven, sondern
verdrängte auch erfolgreich innerhalb von nur zehn Jahren alle
Nahrungskonkurrenten um die Planktonbestände, so dass insbesondere
die Sardellen-Fischerei vollkommen zusammenbrach.
Erläutert wurde bei dem Expertentreffen auch die Zukunft eines
Biodiversitäts-Netzwerkes für Meereslebewesen. Erst Anfang Mai
berichteten MarBEF-Biologen von einer sehr seltenen Begegnung eines
Java-Hais vor der Küste Kalabriens. Das lege die Wahrscheinlichkeit
nahe, dass das Mittelmeer doch relativ gesund und sauber sei, denn
sonst würde ein bis zu drei Meter langer Raubfisch kaum hier
auftauchen, meinte Alessandro De Maddalena, Präsident der
italienischen Ichtyologen Gesellschaft. Umgekehrt meinen die Experten
sei es bedenklich, dass ein Raubfisch, der sonst nur in tropischen
Gewässern lebe, nun im Mittelmeer leben kann. Das deute daraufhin,
dass die globale Erwärmung auch das Mittelmeer erfasst habe. "In
den vergangenen Jahren sind immer mehr solcher Tierarten aus dem
Atlantik und aus dem Roten Meer hier aufgetaucht", meinte der Experte
abschließend.
Die MarBEF, die von der EU gegründet wurde, besteht aus 83
europäischen Meeresinstituten aus 24 Ländern und versteht sich
als Plattform eines wissenschaftlichen Austausches zum Thema "marine
Biodiversität".
(Quelle: pte)