Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertzweiundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Iraks Parlament spricht Regierung das Vertrauen aus - Kabinett noch
unvollständig. 19 Tote bei Anschlag in Schiitenviertel von Bagdad
So.21.05.06 - Fünf Monate nach der Parlamentswahl hat der Irak eine neue
Regierung. Die Abgeordneten billigten am Samstag das Kabinett von
Ministerpräsident Nuri al-Maliki, das anschließend vereidigt
wurde. Al-Maliki kündigte an, die Wiederherstellung von Sicherheit
und Ordnung habe höchste Priorität. Er wolle einen Zeitplan
für die Übergabe der Sicherheitsaufgaben auf die Iraker
erarbeiten, was die «Aufgabe der multinationalen
Streitkräfte» beenden würde. Seiner Regierung der
nationalen Einheit gehören Schiiten, Kurden und Sunniten an.
Al-Maliki verlas unter Beifall die Kabinettsliste, auf die sich die
politischen und religiösen Gruppen in zähen Verhandlungen
verständigt hatten. Keine Einigung erzielten sie jedoch bei der
Besetzung der Schlüsselressorts Inneres und Verteidigung, die
zunächst kommissarisch besetzt wurden: Al-Maliki übernahm
selbst das Innenministerium, der sunnitische Araber Saleh al Mutlak das
Verteidigungsressort. Wegen Beratungen in letzter Minute begann die
Parlamentssitzung noch einmal mit Verspätung.
Der stellvertretende Parlamentspräsident Chalid al Attijah sprach
von einem «historischen Tag für den Irak und seine
Menschen». Erstmals seit dem Sturz von Saddam Hussein sei eine
demokratisch gewählte Regierung für eine volle
Legislaturperiode im Amt. «Die Regierung vertritt alle
Iraker», sagte der schiitische Geistliche.
Die außerordentliche Parlamentssitzung begann mit der Verlesung
von Koranversen. Die 275 Abgeordneten wiesen den Antrag der sunnitischen
Gruppe von Al Mutlak zurück, wegen der fehlenden Einigung für
die Ressorts Inneres und Verteidigung die Sitzung noch einmal zu
verschieben. Hauptaufgabe der Regierung wird die Wiederherstellung der
Sicherheit sein, wozu vor allem die Kämpfe zwischen Sunniten und
Schiiten beenden werden müssen. Die US-Regierung hofft, dass die
breite Basis der Regierung auch den Aufständischen den Boden
entzieht.
Überschattet wurde der Start der neuen Regierung von
Bombenanschlägen, bei denen mindestens 27 Menschen getötet
wurden. Der schwerste Anschlag riss in Bagdad 19 Menschen in den Tod, es
gab 58 Verletzte. Der Sprengsatz detonierte am frühen Morgen im
vorwiegend von Schiiten bewohnten Stadtteil Sadr City in der Nähe
eines Lebensmittelstandes. Dort versammeln sich Tagelöhner, die
Arbeit warteten.
Bei zwei weiteren Selbstmordattentaten wurden zudem mindestens acht
Menschen getötet und zehn verletzt. Die Anschläge ereigneten
sich in Kaim und Mossul. Die Polizei meldete zudem den Fund von 21
Toten, die vermutlich von Todesschwadronen gefoltert wurden.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 21.05.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertsiebenundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.21.05.05 - US-Außenminister Rice wirft Syrien Unterstützung der
Aufständischen im Irak vor. Stellvertretender
US-Außenminister Zoellick: Bewaffneter Aufstand im Irak wird noch
Jahre dauern +++ Wieder Tote bei Anschlag vor Schiiten-Moschee im Irak:
Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten droht sich zu verschärfen +++
US-Armee räumt tödlichen Angriff auf Politiker-Haus im Irak
ein +++ Irak stimmt Prozess gegen Saddam Hussein wegen Iran-Irak-Kriegs
zu +++ Fotos von Saddam Hussein in Gefängniszelle veröffentlicht +++
Das US-Verteidigungsministerium hat auf Gerichtsbeschluss neue
schockierende Dokumente über die Misshandlung von Häftlingen
im Irak und Afghanistan herausgegeben...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0505210.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Drei westliche Soldaten in Südafghanistan getötet
So.21.05.06 - Bei schweren Kämpfen in Afghanistan sind zwei französische
Soldaten, ein US-Soldat und zahlreiche weitere Menschen getötet
worden. Die beiden französischen Spezialkräfte seien im
Süden Afghanistans bei einer Konfrontation mit Taliban ums Leben
gekommen, teilte das Verteidigungsministerium in Paris mit. In der
südlichen Provinz Urusgan wurde bei einem Gefecht mit Taliban
zudem am Freitag ein US-Soldat getötet, wie die internationale
Koalition in Kabul mitteilte. In der Provinz Helmand starben mindestens
vier afghanische Soldaten und fünf Rebellen.
Bei dem Einsatz der französischen Spezialkräfte wurde nach
Angaben des Verteidigungsministeriums ein weiterer Soldat verletzt.
Seit Dezember 2001 kamen sieben französische Soldaten bei dem
Einsatz in Afghanistan ums Leben, vier gehörten den
Spezialkräften an. Das etwa 200 Mann starke Kommando arbeitet mit
den US-Truppen zusammen und ist seit 2003 in Spin Boldak im Süden
des Landes an der Grenze zu Pakistan stationiert.
Bei dem Einsatz von Einheiten der USA und der afghanischen Regierung
gegen aufständische Taliban in der Provinz Urusgan wurden sechs
weitere US-Soldaten verletzt, wie die internationale Koalition in Kabul
mitteilte. Sie seien in ein Krankenhaus gebracht worden, ihr Leben sei
nicht in Gefahr. Urusgan ist seit dem Sturz der radikalislamischen
Taliban-Regierung Ende 2001 eine der unruhigsten Regionen Afghanistans.
Der Süden des Landes wurde in den vergangenen Tagen von den
blutigsten Kämpfen seit vielen Monaten erschüttert.
Zu weiteren Gefechten kam es in der südlichen Provinz Helmand, als
ein Konvoi der afghanischen Armee mit 20 Fahrzeugen am späten
Freitag angegriffen wurde. Lediglich sechs Fahrzeuge seien entkommen,
die verbliebenen 50 Soldaten seien von der Einheit abgeschnitten, sagte
ein Armee-Offizier. Möglicherweise gebe es große Verluste.
Die US-geführte Koalition bestätigte zunächst lediglich
den Tod von vier afghanischen Soldaten, die Rebellen verloren nach
eigenen Angaben fünf Kämpfer.
(Quelle: afp)
Wachsende Spannungen nach Attentat auf palästinensischen
Geheimdienstchef
So.21.05.06 - Ein möglicher Attentatsversuch auf Geheimdienstchef General Tarek
Abu Radschab hat am Samstag die innerpalästinensischen Spannungen
weiter verschärft. Abu Radschab wurde bei einer Explosion im
Hauptquartier des Geheimdienstes in Gaza mit neun weiteren Personen
schwer verletzt, einer seiner Leibwächter wurde getötet. Der
palästinensische Präsident Mahmud Abbas, zu dessen Vertrauten
Abu Radschab zählt, sprach von einer «ernsten Gefahr»
für die Autonomiebehörde.
Die Verletzten wurden zunächst in ein nahe gelegenes
palästinensisches Krankenhaus gebracht. Ärzte erklärten,
es sei gelungen, die Blutungen bei Abu Radschab zu stoppen. Der Patient
sei aber in eine israelische Klinik verlegt worden, um sein Bein zu
retten.
Die Explosion ereignete sich, als sich Abu Radschab mit sechs
Leibwächtern im Aufzug befand und kurz vor dem zweiten Stock war.
Durch die heftige Detonation wurden auch drei Personen in einem
benachbarten Aufzug verwundet. Nachdem zunächst Unklarheit
über den Hergang der Explosion geherrscht hatte, hieß es
später aus palästinensischen Sicherheitskreisen, es sei ein
Attentat gewesen.
Der Vorfall kommt zu einer Zeit großer Spannungen zwischen der
von der militanten Organisation Hamas geführten Regierung und den
Sicherheitskräften, die zumeist loyal zu Präsident Mahmud
Abbas stehen. Abu Radschab ist ein führendes Fatah-Mitglied und
gilt als wichtiger Verbündeter von Abbas.
Fatah-Mitglieder in Gaza forderten Abbas danach auf, die von der Hamas
geführte Regierung wegen des Anschlags aufzulösen.
Ministerpräsident Ismail Hanijeh sagte alle seine Termine für
Samstag ab und mahnte, vorschnelle Schuldzuweisungen zu vermeiden. Diese
würden nur die Spannungen in den Straßen verschärfen.
Abu Radschab entging vor zwei Jahren nur knapp einem Attentat, als
Bewaffnete auf seinen Konvoi feuerten. Zwei seiner Leibwächter
wurden dabei getötet, er selbst schwer verletzt.
(Quelle: ap)
Hunderte Familien flüchten nach Massaker aus Dorf in Sri Lanka
So.21.05.06 - Nach einem Massaker unter Tamilen haben am Samstag mehrere hundert
Familien ihr Dorf im Norden Sri Lankas verlassen. Rund 1.500 Menschen
seien geflüchtet und suchten Schutz in einem von den tamilischen
Rebellen kontrollierten Gebiet, sagte ein katholischer Priester in der
Ortschaft Allaipiddy. Bewaffnete hatten dort vor einer Woche acht
Zivilpersonen getötet, darunter ein vier Monate altes Kind und
einen vierjährigen Jungen.
Auf einer den Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) nahe
stehenden Web-Site hieß es, Soldaten hätten die Häuser
in Allaipiddy umstellt und das Feuer eröffnet. Die Regierung machte
dagegen LTTE-Kämpfer für die Bluttat verantwortlich. Die
Polizei hatte am Freitag erklärt, sie könne nicht für
die Sicherheit der Dorfbewohner garantieren.
Die LTTE-Rebellen wollen einen eigenen Staat für die 3,2 Millionen
Tamilen in Sri Lanka errichten, weil sie sich von der Mehrheit der
Singhalesen diskriminiert fühlen. Seit 2002 gilt ein brüchiger
Waffenstillstand. Der Friedensprozess brach 2003 zusammen, nachdem die
LTTE die Verhandlungen beendet hatte.
(Quelle: ap)
Deutschland
Steinbrück für vorwiegend steuerfinanzierte Sozialsysteme
So.21.05.06 - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat sich dafür
ausgesprochen, die Sozialversicherungen vorwiegend durch Steuern zu
finanzieren.
"Ich glaube, wir müssen uns mehr am skandinavischen Modell
orientieren", sagte Steinbrück auf dem Bundeskongress der
SPD-Nachwuchsorganisation Juso am Samstag in Saarbrücken. In
Deutschland erodiere das Sozialsystem, auch als Folge der
demographischen Entwicklung, und sei zunehmend schwieriger zu
finanzieren. Während in den skandinavischen Länder soziale
Leistungen überwiegend aus Steuereinnahmen bezahlt werden, wird
dies in Deutschland durch Abgaben wie etwa Krankenkassenbeiträge
finanziert.
Steinbrück sagte weiter, er sei überzeugt, dass die
öffentlichen Haushalte durch Sparen allein nicht mehr sanierbar
seien. In diesem Zusammenhang rechtfertigte der Minister die
beschlossene Mehrwertsteuererhöhung auf 19 Prozent. Dies sei
verglichen mit radikalen Aufgabenkürzungen das kleinere Übel:
"Ich glaube, dass jede Alternative mit größeren Schäden
verbunden ist als die Mehrwertsteuererhöhung. Ich kenne keine
schmerzfreie Operation, um aus dem Schraubstock der öffentlichen
Verschuldung herauszukommen." Es sei besser, den Menschen reinen Wein
einzuschenken, auch wenn dies unpopulär sei.
(Quelle: rtr)
Struck für weitere Hartz-IV-Kürzungen
So.21.05.06 - Wegen der stetig wachsenden Zahl von Hartz-IV-Empfängern muss die
große Koalition nach Ansicht von SPD- Fraktionschef Peter Struck
weitere Leistungskürzungen vornehmen. «Niemand hat die
explosionsartige Vermehrung der Bedarfsgemeinschaften auf derzeit vier
Millionen mit ihren finanziellen Folgen vorausgesehen», sagte
Struck der «Bild am Sonntag».
«Wir wollen, dass nur diejenigen Hartz IV bekommen, die auch
wirklich bedürftig sind. Dabei müssen wir auch
berücksichtigen, dass jeder Euro, der für Hartz IV aufgewendet
wird, zuvor von den Steuerzahlern erarbeitet werden muss.»
Der SPD-Fraktionsvorsitzende erklärte, er wisse genau, «dass
viele Taxifahrer, Wachleute und Friseurinnen weniger verdienen, als
ihnen bei Hartz IV zustehen würde. Das kann nicht Sinn der Sache
sein.» Struck sagte, er nehme den Brief mehrerer
Wohlfahrtsverbände und der kommunalen Spitzenverbände an die
Bundesregierung von vergangener Woche «sehr ernst. Sie fordern wie
ich: Es soll nur derjenige Sozialleistungen bekommen, der auch wirklich
bedürftig ist. Und die Wohlfahrtsverbände und
Sozialämter sind nah an der Lebenspraxis.» Es sei darum
«klar, dass wir die Wirkungen der Hartz-IV-Gesetze genau
beobachten und die Regelungen auch in den kommenden Jahren anpassen
müssen».
(Quelle: dpa)
Ärztegewerkschaft will Tarifabschluss nicht übernehmen
So.21.05.06 - Der nach 14 Wochen Arbeitskampf erzielte Tarifkompromiss für den
öffentlichen Dienst der Länder wird vermutlich nicht zu einem
Ende der Krankenhaus-Streiks führen. Am Tag nach der mühsamen
Einigung von Potsdam lehnte die Ärzteorganisation Marburger Bund
(MB) den zwischen Ländern und Gewerkschaften ausgehandelten
Tarifvertrag für ihre Mediziner strikt ab. MB-Chef Frank Ulrich
Montgomery kündigte weitere Arbeitsniederlegungen an den
Universitätskliniken und Landeskrankenhäusern für Ende
Mai an. Die Tarifkommissionen der Gewerkschaften ver.di und dbb
tarifunion billigten den neuen Tarifvertrag mit großer Mehrheit.
In einer kämpferischen Rede sagte Montgomery am Samstag auf der
MB-Hauptversammlung in Magdeburg zu einer möglichen Anwendung des
Vertrags auf die Krankenhaus-Ärzte: «Dann brennen die
deutschen Universitätskliniken, und der Brandstifter heißt
Möllring.» Der Verhandlungschef der Tarifgemeinschaft
deutscher Länder (TdL), Hartmut Möllring, hatte von den
Ärzten verlangt, den Kompromiss nun ebenfalls zu akzeptieren und
ihre seit neun Wochen andauernden Streiks einzustellen.
Während einer «Streikruhe» in der kommenden Woche
würden verschobene Operationen nachgeholt, versicherte Montgomery.
«Wir haben den Patienten diese eine Woche Streikruhe versprochen,
solche Zusagen müssen wir einhalten.» Vom 29. Mai an werde
der Arbeitskampf aber unvermindert fortgesetzt. «Wir haben uns
nicht umsonst von dieser Riesen-Gewerkschaft (ver.di) getrennt»,
so der MB-Chef unter lang andauerndem Beifall der etwa 160 Delegierten.
Der Potsdamer Abschluss vom Freitagabend sei «ein
unanständiges Angebot».
Mit dem Kompromiss hatten TdL, ver.di und dbb den schweren Tarifstreit
im öffentlichen Dienst der Länder nach 14 Wochen beendet.
Möllring sagte, ver.di vertrete alle Berufsgruppen in den
Krankenhäusern. «Wir sind mit dem Tarifvertrag den
Forderungen der Ärzte zu 95 Prozent nachgekommen», sagte der
CDU-Politiker der «Bild am Sonntag». «Die Fortsetzung
des Streiks kann ich daher nicht nachvollziehen.»
Der MB verlange weiterhin Verhandlungen mit der TdL über einen
arztspezifischen Tarifvertrag, widersprach Montgomery in einem dpa-
Gespräch. Der Potsdamer Abschluss sei nicht bindend. Ver.di habe
mit etwa 600 ärztlichen Mitgliedern einen Organisationsgrad im
Promillebereich. «Wir haben 105 000 Mitglieder.» Für
seinen Kurs erhielt Montgomery auf der bis Sonntag dauernden
Magdeburger Tagung breite Unterstützung.
Von 93 anwesenden Mitgliedern der ver.di-Tarifkommission stimmten am
Samstag in Potsdam 75 für die Abmachung, 13 dagegen, fünf
enthielten sich. In einer Urabstimmung werden jetzt noch die ver.di-
Mitglieder befragt - ein Ja gilt als sicher. Auch die Tarifkommission
der Tarifunion des Beamtenbundes (dbb) stimmte zu.
Zu dem eskalierenden Streit mit den Ärzten sagte ver.di-Chef Frank
Bsirske, der Tarifvertrag sei eine Gesamtlösung für alle
Beschäftigten. Er werde auch den berechtigten Interessen der
Mediziner gerecht. Ihre Arbeitsbedingungen würden verbessert, ihre
Gehälter angehoben und die Bereitschaftsdienste begrenzt. Er halte
es deshalb für sinnvoll, wenn der Marburger Bund den Vertrag
akzeptiere.
Wichtigster Punkt des neuen Tarifvertrages sind Vereinbarungen
über die Arbeitszeiten, die nach einer komplizierten Formel
künftig für jedes Land anders sein werden. Nur im Osten
bleibt es bei der 40- Stunden-Woche. Laut Bsirske liegt die
durchschnittliche Arbeitszeit aller Länder demnächst bei
39,22 Stunden. Dies bedeutet, dass ab Geltungsbeginn 1. November viele
länger und einige kürzer arbeiten werden. Der neue Vertrag,
der auch Einmalzahlungen und von 2008 an eine Einkommenserhöhung
von 2,9 Prozent bringt, trage zur Befriedung der Verhältnisse bei,
sagte Bsirske.
(Quelle: dpa)
Türkischstämmiger Berliner Politiker Opfer eines
fremdenfeindlichen Überfalls
So.21.05.06 - Der türkischstämmige Berliner Linkspartei-Abgeordnete
Giyasettin Sayan ist nach Polizeiangaben Opfer eines fremdenfeindlichen
Überfalls geworden. Zwei Schläger im Alter von 20 bis 25
Jahren hätten den 56-Jährigen am späten Freitagabend im
Bezirk Lichtenberg mit einer Flasche geschlagen und schwer verletzt,
sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Dabei sei er auch als
«Scheiß Türke» beschimpft worden. Mit einer
Gehirnerschütterung und Prellungen sei Sayan in ein Krankenhaus
eingeliefert worden. Die Schläger seien entkommen.
Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Die Polizei
setzte für Hinweise, die zur Aufklärung führen, eine
Belohnung von bis zu 3.000 Euro aus.
Sayan, der die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, ist
migrationspolitischer Sprecher seiner Fraktion im Berliner
Abgeordnetenhaus. Der Diplom-Politologe stammt aus Mus im kurdischen
Osten der Türkei und lebt seit den 70er Jahren in Deutschland.
Für die PDS sitzt er seit 1995 im Berliner Landesparlament. Die
stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag,
Petra Pau, wollte Sayan im Krankenhaus besuchen.
(Quelle: ap)
Zahl der Neonazis laut Verfassungsschutzbericht gestiegen
So.21.05.06 - Die Zahl der Neonazis und gewaltbereiten Rechtsextremisten in
Deutschland ist im vergangenen Jahr gestiegen. Das geht aus dem
Verfassungsschutzbericht 2005 hervor, den Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble am Montag in Berlin vorstellen wird, wie eine Sprecherin
des Innenministeriums am Samstag sagte. Sie bestätigte damit einen
Bericht der «Bild am Sonntag».
Demnach registrierte das Bundesamt für Verfassungsschutz einen
Anstieg der Zahl der Neonazis von 3.800 im Jahr 2004 auf 4.100 im
vergangenen Jahr sowie der gewaltbereiten Rechtsextremisten von 10.000
auf 10.400. Die Zahl der Rechtsextremen insgesamt sei dagegen leicht
zurückgegangen, von 40.700 auf rund 39.000. Ursache hierfür
sei laut Verfassungsschutzbericht der Mitgliederrückgang bei DVU
und Republikanern.
Dagegen boome die Skinhead-Musik weiter. So habe sich die Zahl der
Skinhead-Konzerte um 40 Prozent auf 193 erhöht, in Deutschland gebe
es mittlerweile 142 Skinhead-Bands (Vorjahr 106). Erstmals seit 1988
habe es laut Bericht wieder eine Verurteilung wegen Mitgliedschaft in
einer terroristischen Vereinigung gegeben. Der Bundesgerichtshof habe
am 7. März ein Urteil des Oberlandesgerichts Brandenburg
bestätigt, wonach zwölf Angehörige des «Freikorps
Havelland» wegen Brandanschlägen zum Teil mehrjährige
Jugendstrafen erhielten. Die Gruppe hatte 2003 und 2004 in der Region
Havelland den Angaben zufolge aus Fremdenhass zehn Anschläge auf
Imbisse und Geschäfte von Ausländern verübt.
(Quelle: ap)
Politiker fordern mehr Polizeieinsatz gegen Rechtsextremismus
So.21.05.06 - Innenpolitiker von Union und SPD haben der Polizei mangelnden Einsatz
bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus vorgeworfen. So sagte der
Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses Edathy von der SPD,
häufig nehme die Polizei Anrufe und Anzeigen von rechter Gewalt
nicht ernst. Der Umgang mit dem Rechtsextremismus muss nach Ansicht
Edathys einen höheren Stellenwert in der Ausbildung von Polizisten
bekommen, vor allem in Ostdeutschland. Niedersachsens Innenminister
Schünemann von der CDU forderte seine Länderkollegen im Osten
auf, verstärkt gegen Rechtsextremisten vorzugehen. In
Niedersachsen verhindere man Skinhead-Konzerte und leiste
Aufklärungsarbeit an Schulen.
(Quelle: br-Radionachrichten)