Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertdreiundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Neue Regierung will Sicherheit verbessern. USA und EU sichern
Unterstützung zu. Am Wochenende bei Anschlägen und Angriffen
mindestens 66 Tote
Mo.22.05.06 - Unter dem Eindruck einer anhaltenden Welle von Anschlägen und
Angriffen hat am Sonntag die neue irakische Regierung unter
Ministerpräsident Nuri al-Maliki ihre Arbeit aufgenommen. Ihre
Hauptaufgabe wird die Beendigung der Gewalt und die Stabilisierung des
Landes sein. Die USA und die Europäische Union sicherten ihm ihre
Unterstützung zu. Am Wochenende aber kamen bei Anschlägen und
Angriffen aber wieder mindestens 66 Menschen ums Leben.
Wie groß die Probleme im Irak drei Jahre nach dem Sturz von
Saddam Hussein sind, zeigt sich auch darin, dass das im Dezember
vergangenen Jahres gewählte Parlament fünf Monate brauchte, um
sich auf die Regierung zu verständigen. Drei
Schlüsselressorts wurden dabei allerdings nur kommissarisch besetzt.
Die außerordentliche Parlamentssitzung begann am Samstag mit der
Verlesung von Koranversen. Die Abgeordneten sprachen danach den 39
Mitgliedern des Kabinetts ihr Vertrauen aus, anschließend legten
die Minister ihren Amtseid ab.
Staatspräsident Dschalal Talabani sagte, diese Regierung der
nationalen Einheit unter Einschluss von Schiiten, Kurden und Sunniten
werde gemeinsam mit den Verbündeten «den Irak von seinen
bösen Kräften reinigen». Die US-Regierung hofft, dass
die breite Basis der Regierung den Aufständischen den Boden
entzieht, und sie die Zahl der amerikanischen Soldaten im Irak
reduzieren kann.
Al-Maliki kündigte an, die Wiederherstellung von Sicherheit und
Ordnung habe höchste Priorität. Er wolle einen Zeitplan
für die Übergabe der Sicherheitsaufgaben auf die Iraker
erarbeiten, was die «Aufgabe der multinationalen
Streitkräfte» beenden würde.
Die Iraker selbst konnten sich aber bislang noch nicht auf die
Besetzung der Schlüsselressorts Inneres, Verteidigung und nationale
Sicherheit verständigen. Al-Maliki übernahm selbst das
Innenministerium, der Sunnit Salam Sikam al Subaie das
Verteidigungsressort und der kurdische Vizepremier Barham Saleh wurde
vorübergehend zum Staatsminister für Nationale Sicherheit
ernannt. Al-Maliki will diese Posten langfristig mit Politikern
besetzen, die keine Verbindung zu Milizen haben.
Überschattet wurde das Wochenende von Bombenanschlägen und
Schießereien, bei denen mindestens 66 Menschen getötet
wurden. Der schwerste Anschlag riss am Samstag im vorwiegend von
Schiiten bewohnten Stadtteil Sadr City in Bagdad 19 Menschen in den Tod,
es gab 58 Verletzte. Bei zwei weiteren Selbstmordattentaten in Kaim und
Mossul wurden mindestens acht Menschen getötet. Die Polizei
meldete zudem den Fund von 21 Toten, die vermutlich von
Todesschwadronen gefoltert worden waren. Am Sonntag wurden bei einem
Selbstmordsanschlag im Zentrum Bagdads mindestens 13 Menschen
getötet. Fünf starben bei weiteren Anschlägen.
Die Regierungsbildung im Irak ist international begrüßt
worden. US-Präsident George W. Bush nannte die Einsetzung der neuen
Regierung ein wichtiges Kapitel in der Geschichte Iraks. Die neue
irakische Führung sehe sich großen Herausforderungen
gegenüber, erklärte Bush. Diesen werde sie sich aber nicht
alleine stellen müssen, versicherte er. Die EU rief die Regierung
auf, die tiefe Kluft innerhalb der irakischen Gesellschaft zu
überwinden. Sie hoffe, mit der neuen Regierung in Bagdad schon bald
über das für 2006 vorgesehene Hilfspaket der EU im Umfang von
200 Millionen Euro zu beraten.
UN-Generalsekretär Kofi Annan wünscht «der neuen
Regierung angesichts der enormen Herausforderungen, vor denen der Irak
steht, jeden Erfolg», teilte ein Sprecher Annans am Samstag in New
York mit. Zugleich habe der UN-Generalsekretär die Hoffnung
geäußert, dass der Aufbau der Regierungsmannschaft so rasch
wie möglich abgeschlossen werden könne, «so dass die
entscheidenden Fragen der nationalen Aussöhnung, der Sicherheit,
der Rechtsstaatlichkeit, der Achtung der Menschenrechte sowie des
Wiederaufbaus und der Entwicklung rasch angegangen werden
können».
Der britische Premierminister Tony Blair nannte die Bildung der
Regierung einen «entscheidenden Augenblick» für die
Zukunft des Iraks. Großbritannien hoffe, die Sicherung des Iraks
sobald wie möglich an die Iraker übergeben zu können,
sagte Blair. Die britischen Truppen würden aber so lange im Irak
bleiben, wie sie dort gebraucht würden. Der neue italienische
Außenminister Massimo D'Alema kündigte am Samstag aber an, in
Rom werde man in der kommenden Woche mit den Planungen für den
Abzug der derzeit noch 2.600 Soldaten im Irak beginnen.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 22.05.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertachtundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.22.05.05 - Sunniten gründen politische Organisation +++ Mindestens zehn
Polizisten bei neuer Gewalt im Irak getötet - Allein in diesem
Monat kamen mehr als 530 Menschen bei Anschlägen ums Leben +++
Überfälle auf Pipelines und Elektrizitätswerke
verzögern Wiederaufbau +++ Australien will Soldaten aus Irak
innerhalb eines Jahres abziehen +++ 'Sun' druckt erneut Haft-Bild von
Saddam Hussein...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0505220.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Zwei Zivilisten bei Anschlag in Kabul getötet
Mo.22.05.06 - Bei einem Selbstmordanschlag in Kabul sind zwei Zivilisten ums Leben
gekommen. Der Attentäter sprengte sich in einem Taxi auf einer der
Hauptstraßen der afghanischen Hauptstadt in der Nähe einer
Ausbildungsstätte der multinationalen Truppen für die
afghanischen Sicherheitskräfte in die Luft, wie ein Sprecher des
afghanischen Innenministeriums sagte. Er riss demnach einen Passanten
sowie einen Lkw-Fahrer mit in den Tod.
Nach Angaben der Polizei wurden zwei Menschen verletzt. Ein Augenzeuge,
der selbst leicht verwundet wurde, sagte, ein Ladeninhaber an der
Straßenseite sei mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus
gebracht worden. Die Straße, in der der Anschlag stattfand, war in
den vergangenen Monaten bereits mehrfach Schauplatz von
Bombenexplosionen, die sich gegen Angehörige der multinationalen
Truppen sowie afghanische Soldaten richteten.
Bei den anhaltend schweren Kämpfen gegen aufständische
Taliban in Afghanistan sind ein Soldat der multinationalen Truppen sowie
drei afghanische Soldaten ums Leben gekommen. Sie seien bei einem
Gefecht am Samstag nahe der Ortschaft Spin Boldak nicht weit von der
Grenze zu Pakistan gefallen, sagte eine Sprecherin der multinationalen
Truppen in Kabul. 25 afghanische sowie ein weiterer ausländischer
Soldat seien verletzt worden. Die Sprecherin machte keine Angaben dazu,
welcher Nationalität die ausländischen Soldaten waren. Sie
seien Ausbilder der afghanischen Truppen gewesen.
In Spin Boldak sind 200 französische Spezialkräfte
stationiert. Zwei Angehörige dieser Einheiten waren nach Angaben
des Verteidigungsministeriums in Paris am Samstag im Süden
Afghanistans bei einem Gefecht mit Taliban ums Leben gekommen.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Israel billigt Ausweitung von Siedlungen
Mo.22.05.06 - Das israelische Verteidigungsministerium hat die Ausweitung der
rechtlichen Grenzen von vier Siedlungen im Westjordanland gebilligt, wie
Sprecher der Siedler am Sonntag erklärten. Dies entspricht auch
den von Ministerpräsident Ehud Olmert geäußerten
Plänen zu den künftigen Grenzen Israels. Sein Vorhaben,
etliche isolierte Siedlungen zu schließen, dafür aber andere
auszuweiten und zum Teil mit dem israelischen Staatsgebiet zu verbinden,
dürfte auch im Mittelpunkt der Gespräche stehen, zu denen
Olmert am Dienstag im Weißen Haus in Washington erwartet wird.
Die Pläne zur Ausweitung der Grenzen der Siedlungen seien schon
vor Monaten noch von der alten Regierung gebilligt worden, erklärte
der Abgeordnete Othniel Schneller. Das israelische
Verteidigungsministerium erklärte, die Genehmigungen würden
noch einmal vom neuen Minister Amir Perez geprüft. Der
palästinensische Unterhändler Sajeb Erakat rief ihn auf, den
Beschluss rückgängig zu machen.
(Quelle: ap)
Abbas im Machtkampf mit der Hamas um Entspannung bemüht - Israel
gibt Geld für palästinensische Kliniken frei
Mo.22.05.06 - Nach einem Anschlag auf seinen Geheimdienstchef hat sich der
palästinensische Präsident Mahmud Abbas um Entspannung im
Machtkampf mit der Hamas bemüht. Niemand wolle einen
Bürgerkrieg, sagte Abbas am Sonntag am Rande des
Weltwirtschaftsforums in Ägypten. «Bürgerkrieg ist die
rote Linie, die niemand zu überschreiten wagt, egal auf welcher
Seite sie stehen... Bürgerkrieg ist verboten», erklärte
der Präsident nach einem Treffen mit der israelischen
Außenministerin Zipi Livni.
Das Gespräch Livnis mit Abbas am Rande des Weltwirtschaftsforums
in Scharm el Scheich war die erste israelisch-palästinensische
Begegnung auf hoher Ebene, seit die radikalislamische Hamas im Januar
die Parlamentswahl in den Autonomiegebieten gewann. Abbas gehört
der gemäßigteren Fatah-Bewegung an. Im israelischen Rundfunk
hieß es, Abbas und Livni wollten einen Kommunikationskanal an der
Hamas vorbei aufbauen.
Livni sagte nach dem Gespräch, das palästinensische Volk
dürfe für die Wahl der Hamas nicht bestraft werden. Das
israelische Kabinett bewilligte am Sonntag die Lieferung von
Medikamenten und anderen Hilfsmitteln in die Autonomiegebiete. Die
humanitäre Hilfe soll aus Zoll- und Steuergeldern finanziert
werden, die Israel für die Autonomiebehörde eintreibt, seit
dem Wahlsieg der Hamas jedoch einbehält. Geliefert werden sollen
Medikamente im Wert von 50 Millionen Schekel (7 Millionen Euro),
früher überwies Israel monatlich 43 Millionen Euro an die
Autonomiebehörde.
Neben einer massiven Verschlechterung der Beziehungen zu Israel hat der
Wahlsieg der Hamas auch einen innerpalästinensischen Machtkampf
ausgelöst. Dieser droht nach einem Anschlag auf den
palästinensischen Geheimdienstchef Tarek Abu Radschab zu
eskalieren. Sicherheitskräfte von Präsident Abbas schlossen
eine Verwicklung der Hamas in den Attentatsversuch nicht aus, bei dem
Abu Radschab am Samstag in seinem Hauptquartier in Gaza
lebensgefährlich verletzt wurde. Der General, ein führendes
Fatah-Mitglied, gilt als Vertrauter von Abbas.
Am Sonntag wurde nach Angaben von Sicherheitskräften ein Anschlag
auf einen weiteren Abbas-Vertrauten vereitelt, Raschid Abu Schbak. An
der Straße zwischen Abu Schbaks Wohnhaus und seinem Arbeitsplatz
sei ein 70 Kilogramm schwerer Sprengsatz gefunden worden, verlautete aus
Sicherheitskreisen. Abbas hatte Abu Schbak im April zum Leiter dreier
Sicherheitsdienste ernannt, die nominell dem Innenministerium
unterstehen, und damit die Regierungspartei Hamas verärgert.
Abbas kündigte am Samstagabend Gespräche mit der
Hamas-Führung an. «Es gibt eine Krise, wir müssen nach
einer Lösung suchen», sagte Abbas auf einer Pressekonferenz
in Scharm el Scheich. Mitglieder der Fatah-Bewegung hatten den
Präsidenten zuvor aufgefordert, die von der Hamas gestellte
Regierung aufzulösen.
Auch der arabische Sender Al Dschasira wurde in die
innerpalästinensischen Spannungen hineingezogen: Auf zwei Fahrzeuge
des Senders in Ramallah wurden am Samstag Brandanschläge
verübt. Im Zuge des Machtkampfes zwischen Fatah und Hamas ist Al
Dschasira von beiden Seiten der Parteinahme beschuldigt worden.
Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen wurde der
Militärchef des Islamischen Dschihads, Mohammed Daduh,
getötet. Nach palästinensischen Behördenangaben feuerte
die Luftwaffe mehrere Geschosse auf den Jeep des Dschihad-Führers,
den Israel für Raketenangriffe auf sein Territorium verantwortlich
macht. In einem dahinter fahrenden Taxi kamen eine Frau, ihr
fünfjähriger Sohn sowie die Großmutter des Jungen ums
Leben. Fünf weitere Personen wurden den Angaben zufolge teils
lebensgefährlich verletzt.
(Quelle: ap)
Marsch gegen Hunger in über 100 Ländern
Mo.22.05.06 - Hunderttausende Menschen in aller Welt sind am Sonntag einem Aufruf der
Vereinten Nationen zu einem Marsch gegen den Hunger gefolgt. Mehr als
700.000 Personen hätten sich für die Demonstrationen in
über 100 Ländern registriert, erklärte das
UN-Welternährungsprogramm (WFP). Ziel der jährlichen
Veranstaltung ist es, Bewusstsein für das Schicksal hungernder
Kinder zu schaffen und Spenden für Schulspeisungen des WFP
einzuwerben.
In Kenia nahm unter anderem der Marathon-Star Paul Tergat an dem
fünf Kilometer langen Marsch durch die Hauptstadt Nairobi teil.
Der Sieger des New-York-Marathons erklärte, er habe als Kind
selbst von einem Schulspeisungsprogramm profitiert.
Der erste Marsch begann um 10.00 Ortszeit in Neuseeland, wo nach
Angaben des WFP rund 800 Menschen auf die Straße gingen. In
Moskau versammelten sich laut einem Bericht auf der Website
fighthunger.org tausende Demonstranten auf dem Roten Platz. Eine der
größten Kundgebungen war in der liberianischen Hauptstadt
Monrovia geplant, wo nach Angaben des örtlichen WFP-Büros
zehntausende Kinder mit ihren Eltern erwartet wurden.
Papst Benedikt XVI. erwähnte den Marsch in seiner Sonntagspredigt.
Jedermann könne dazu beitragen, die «Geißel des
Hungers» zu überwinden, sagte der Papst den auf dem
Petersplatz versammelten Gläubigen. Besonders denke er dabei an
die «dramatische Lage in Darfur». In der westsudanesischen
Provinz befinden sich seit Beginn eines Bürgerkriegs im Jahr 2003
über zwei Millionen Menschen auf der Flucht.
(Quelle: ap)
Nagin bleibt Bürgermeister von New Orleans
Mo.22.05.06 - Der Bürgermeister der Südstaatenmetropole New Orleans, Ray
Nagin, ist am Samstag für eine zweite Amtszeit wiedergewählt
worden. Nach Auszählung aller Wahlbezirke erhielt der schwarze
Amtsinhaber 52 Prozent.
Sein weißer Herausforderer Mitch Landrieu kam bei der Wahl neun
Monate nach der Zerstörung durch Hurrikan «Katrina» auf
48 Prozent. Die Wähler waren teils mit Bussen eigens für die
Stimmabgabe am Samstag zurückgebracht gebracht. Lange hatten die
Kandidaten, die beide den Demokraten angehören, in der Wahlnacht
fast gleichauf gelegen.
Der 49-jährige Nagin hatte angesichts der chaotischen
Zustände nach dem Zerstörungszug von «Katrina»
Schlagzeilen gemacht - mit heftiger Kritik an den Bundesbehörden in
deftiger Sprache. Landrieu warf ihm vor, den Wiederaufbau der Stadt
nicht schnell genug vorangetrieben zu haben.
Der 45 Jahre alte Landrieu ist stellvertretender Gouverneur des
Bundesstaates Louisiana. Sein Vater war der letzte weiße
Bürgermeister von New Orleans in den 70er Jahren.
Schon am frühen Morgen waren die Busse mit Wählern
eingetroffen, die nach dem Hurrikan geflüchtet waren und teilweise
hunderte Kilometer zurücklegen mussten. Von den einst rund 500 000
Einwohnern kehrten bislang nur knapp die Hälfte zurück.
Bei der ersten Runde am 22. April lag die Wahlbeteiligung bei den
Weißen bei 51 Prozent der registrierten Wähler, bei den
Schwarzen bei 31 Prozent. Viele Einwohner der wohlhabenden,
überwiegend weißen Stadtteile waren vor dem Hurrikan in
umliegende Orte geflüchtet und kehrten schnell zur Renovierung
ihrer überfluteten Häuser zurück. Vielen Schwarzen fehlte
dagegen das Geld zur Flucht. Sie saßen tagelang in der weitgehend
unter Wasser stehenden Stadt fest, wurden unter chaotischen
Umständen gerettet und in Auffangzentren teils tausende Kilometer
entfernt verteilt.
Der Bürgermeister legt am 31. Mai den Amtseid ab, einen Tag vor
dem offiziellen Beginn der Hurrikansaison.
(Quelle: dpa)
Proteste nach Unruhen in Sao Paulo
Mo.22.05.06 - Nach den schweren Unruhen in Sao Paulo mit mehr als 170 Toten sind
tausende Brasilianer gegen die Gewalt auf die Straße gegangen. In
Sao Paulo versammelten sich am Sonntag zunächst rund 2.000
Demonstranten, auch in Rio de Janeiro und weiteren Städten
protestierten hunderte Menschen.
«Wir protestieren gegen Korruption», erklärte Gabriela
Campos Paulino in Sao Paulo. Die Aktion sei bereits vor den Angriffen
krimineller Banden auf die Polizei geplant gewesen, sagte sie. Die
Angriffe hätten den Protesten aber noch weit größere
Dringlichkeit verschafft. Bei dem Marsch sollte auch der getöteten
Polizisten gedacht werden.
Präsident Luiz Inacio Lula da Silva erklärte, der Gewalt
könne nicht einfach durch eine Aufstockung der Polizei Einhalt
geboten werden. Vielmehr müsse die Ursache angegangen werden.
«Warum können die Bandenmitglieder tun, was sie wollen, und
wir haben keine Kontrolle darüber? Warum wollen Anwälte nicht
durchsucht werden, wenn sie Häftlinge besuchen? Wir müssen
intensiver über eine Lösung nachdenken», erklärte
der Präsident.
Menschenrechtsgruppen fürchten, dass beim Vorgehen der Polizei
während der Unruhen in der vergangenen Woche auch Unbeteiligte
getötet wurden. Medien berichteten, die Sicherheitsbehörde in
Sao Paulo habe die gerichtsmedizinischen Unterlagen von Todesopfern
konfisziert, die von Polizisten erschossen worden sein sollen. Die
Behörden äußerten sich dazu nicht.
(Quelle: ap)
Montenegros Regierungschef erklärt sein Lager zum
Referendums-Sieger
Mo.22.05.06 - Montenegro hat sich in seinem Unabhängigkeitsreferendum offenbar
für eine Auflösung des Staatenbundes mit Serbien entschieden.
Ministerpräsident Milo Djukanovic erklärte nach dem Ende der
Abstimmung am Sonntag: «Heute haben die Bürger von
Montenegro für die Wiederherstellung ihres Staates
gestimmt.» Er gab die Ja-Stimmen mit 55,5 Prozent an. Die
Europäische Union hatte eine Mindestmarke von 55 Prozent
Ja-Stimmen festgelegt. Die Gegner der Unabhängigkeit wollten sich
jedoch noch nicht geschlagen geben und verwiesen auf das noch
ausstehende amtliche Ergebnis.
Der Führer der Fraktion für einen Erhalt der Union mit
Serbien, Predrag Bulatovic, gestand einen Vorsprung der
Unabhängigkeitsbefürworter ein. Er betonte jedoch, erst
müsse das offizielle Ergebnis abgewartet werden. Die
Wahlkommission erklärte, die Auszählung der Stimmen sei
vermutlich am späten Montagvormittag abgeschlossen. Zuvor werde
sie keine Stellungnahme abgeben.
Tausende Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung feierten schon
Stunden nach Schließung der Abstimmungslokale auf den
Straßen von Podgorica und anderen Städten. Sie schossen in
die Luft und schwenkten montenegrinische Flaggen. Bulatovic rief sie
auf, nach Hause zurück zu kehren und Ruhe zu bewahren. Angesichts
befürchteter Spannungen rief auch die serbisch-montenegrinische
Regierung zur Zurückhaltung auf. Die Unabhängigkeit
Montenegros würde den endgültigen Zerfall des ehemaligen
Jugoslawiens besiegeln.
Die Beteiligung an dem Referendum vom Sonntag erreichte nach Angaben
der Zentralen Wahlkommission rund 87 Prozent. Abgesehen von kleineren
Zwischenfällen sei die Abstimmung friedlich verlaufen,
erklärte die unabhängige Beobachtergruppe Zentrum für
Demokratischen Übergang.
(Quelle: ap)
Juncker gibt EU-Verfassung derzeit keine Chance
Mo.22.05.06 - Der luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker gibt der
europäischen Verfassung auf absehbare Zeit keine Chance. Die von
den Staats- und Regierungschefs verordnete Denkpause müsse
verlängert werden, sagte Juncker dem Deutschlandfunk. "Wir sollten
weiterhin gemeinsam nachdenken, um dann 2007, 2008, 2009 zu
weiterführenden Beschlüssen zu kommen." Bei den Menschen sei
das Gefühl weit verbreitet, die europäische Verfassung habe
die Funktion einer "gross-europäischen Planierraupe" und Walze
alles nieder.
Er habe sich immer gegen den Begriff 'Europäische Verfassung'
gewehrt, da der Begriff etwas anderes signalisiere als im Text
drinstehe, sagte Juncker. Mit dem Begriff Verfassung verbänden die
Menschen "nationale Kontexte, nationale Nähe, nationale
Verfasstheit, Parteiensysteme und regionale Ordnungen". Der Begriff
nähre den Verdacht, dass die Nationalstaaten langsam
verschwänden, und dass ein europäischer Staat entstehe, die
Vereinigten Staaten von Europa. Dies wollten die Menschen nicht, sagte
der Ministerpräsident, und sie hätten damit völlig recht.
"Mir hätte ein Grundvertrag völlig gereicht, in dem wir mal
aufschreiben, was Sache ist und was Sache sein muss in Europa. Das muss
man nicht Verfassung nennen. Wir haben uns in der Terminologie
sträflichst daneben benommen." Das Interview mit Juncker fand
anlässlich der Verleihung des Karlspreises der Stadt Aachen statt.
Der luxemburgische Regierungschef erhält den Karlspreis am
Donnerstag für seine Verdienste um die europäische Einigung.
Juncker kritisierte in diesem Zusammenhang "die
Oberflächlichkeit", mit der der europäische Einigungsprozess
heute betrachtet werde. "Der Zeitgeist hat sich von der geschichtlichen
Betrachtung, vom europäischen Werden und Wirken verabschiedet, weil
es bequemer und leichtfüßiger ist." Europa werde von der
ganzen Welt dafür bewundert, aber die Europäer seien
"betriebsblind" geworden für seine "Dimensionen und Erfolge". Es
sei eine "geradezu idiotische Vorstellung", dass die Themen Krieg und
Frieden in Europa endgültig vom Tisch sei, sagte Juncker im
Gespräch mit dem Deutschlandfunk.
(Quelle: afp)
Madrid will Friedensverhandlungen mit ETA aufnehmen
Mo.22.05.06 - Knapp zwei Monate nach der Waffenstillstandserklärung der ETA hat
sich der spanische Ministerpräsident José Luis Rodriguez
Zapatero für Friedensverhandlungen mit der baskischen
Separatistengruppe ausgesprochen. Er werde im Juni vor das Parlament
treten, um «den Beginn des Dialogs mit der ETA über eine
Beendigung der Gewalt» anzukündigen, sagte der
Ministerpräsident am Sonntag bei einer Veranstaltung seiner
Sozialistischen Partei im Baskenland. Die konservative Opposition
kritisierte Zapateros Vorhaben.
Es sei falsch, mit der ETA zu verhandeln, sagte der frühere
Innenminister Angel
Acebes von der oppositionellen Volkspartei (PP). Stattdessen sollten
die Auflösung der ETA und eine «endgültige,
unumkehrbare Abgabe ihrer Waffen» sichergestellt werden.
Zapatero selbst hat wiederholt erklärt, bei Verhandlungen mit der
Separatistenorganisation könne es nur um die Bedingungen ihrer
Auflösung und die Zukunft der rund 500 ETA-Häftlinge in
spanischen Gefängnissen gehen. Politische Zugeständnisse an
die Separatisten hat der Ministerpräsident ausgeschlossen.
Die Volkspartei wirft der Regierung dennoch vor, der ETA gegenüber
zu großzügig zu sein und die Opfer ihrer Gewalttaten zu
vernachlässigen. Zapatero sprach sich am Sonntag dafür aus,
eine Widmung an die Opfer in die Präambel der spanischen
Verfassung aufzunehmen. Der Kampf der ETA für ein
unabhängiges Baskenland hat seit Ende der 60er Jahre mehr als 800
Menschen das Leben gekostet.
Der letzte tödliche Anschlag der Gruppe liegt drei Jahre
zurück: Im Mai 2003 kamen bei der Explosion einer Autobombe in der
Stadt Sanguesa zwei Polizisten ums Leben. Die am 22. März
ausgerufene Waffenruhe hat die ETA bislang eingehalten.
(Quelle: ap)
Mehr als 300 Bootsflüchtlinge an italienischer Küste
eingetroffen
Mo.22.05.06 - Mehr als 300 Bootsflüchtlinge sind am Wochenende an der Küste
der italienischen Insel Lampedusa gelandet. Das größte Boot
mit 206 Menschen traf am frühen Sonntagmorgen ein, wie die
zuständige Hafenbehörde in Palermo mitteilte. Wenige Stunden
später folgte ein weiteres Boot mit 32 Flüchtlingen.
Insgesamt 86 Bootsflüchtlinge waren bereits am Samstag auf der
kleinen Insel vor Sizilien eingetroffen. Alle wurden in ein
Aufnahmelager gebracht.
Laut einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur ANSA wurde
zwischen Lampedusa und Malta ein weiteres Boot mit rund 25 Menschen an
Bord gesichtet. Tausende von Flüchtlingen versuchen jedes Jahr die
italienische Küste zu erreichen, die meisten kommen aus Nordafrika.
(Quelle: ap)
Deutschland
Müntefering gegen Fortsetzung der großen Koalition
Mo.22.05.06 - Vizekanzler Franz Müntefering hat sich gegen die Fortsetzung der
großen Koalition nach 2009 ausgesprochen. «Eine große
Koalition sollte keine Dauerlösung sein», sagte der
SPD-Politiker der «Bild»-Zeitung. Seine Partei und die
Union könnten und würden die laufende Wahlperiode nutzen, um
wichtige Reformen auf den Weg zu bringen. «2009 werden die Karten
dann neu gemischt - und wir wieder stärkste Kraft sein.»
Der Arbeitsminister verteidigte zugleich die am Freitag beschlossene
Steuererhöhung. Bund, Länder und Gemeinden bräuchten
wieder Geld für Investitionen. «Wir müssen raus aus der
Sparspirale. Immer mehr kürzen, streichen, den Staat kaputtsparen
- das geht auf Dauer nicht.» Der Staat müsse
handlungsfähig bleiben und investieren, etwa in Bildung. Zudem
werde mit Investitionen auch Arbeit geschaffen.
(Quelle: ap)
Jung will Energieversorgung militärisch sichern
Mo.22.05.06 - Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) will die deutsche
Energieversorgung notfalls auch mit Hilfe der Bundeswehr sichern. Zu den
sicherheitspolitischen Interessen Deutschlands "gehört auch eine
freie und sichere Energieversorgung", sagte Jung dem Magazin "Focus".
"Wenn Terroristen etwa eine Meerenge kontrollieren, dann liegt es
natürlich auch im deutschen Interesse, wieder für einen
freien Handel zu sorgen", fügte der Minister hinzu. Er verwies
darauf, dass deutsche Soldaten am Horn von Afrika schon jetzt an der
Sicherung der Ölversorgung beteiligt seien.
Jung bekräftigte auch seine Forderung nach
Bundeswehr-Einsätzen im Inland, vor allem zum Schutz vor
Terroristen. "Ein Angriff mit Massenvernichtungswaffen kann heute nicht
mehr nur von Staaten, sondern auch von Terroristen kommen. Dann ist
für mich der Verteidigungsfall gegeben, in dem der Einsatz
militärischer Mittel zum Schutz der Menschen geboten ist", sagte
der Minister. Wenn beispielsweise ein entführtes Passagierflugzeug
auf ein Stadion zufliege, müsse die Bundesregierung handeln
können: "Wenn als letztes Mittel, um die Bevölkerung zu
schützen, nur der Abschuss möglich ist, muss der Waffeneinsatz
erlaubt sein." Eine Verfassungsänderung sei dafür nicht
erforderlich.
Die SPD lehnt Bundeswehr-Einsätze im Inland und die von Jung
dafür geplante Neudefinition des Begriffs "Verteidigung" jedoch ab.
Ein Terroranschlag sei ein Fall schwerster Kriminalität, aber kein
Kriegsfall, heißt es nach einem Bericht der Zeitung "Die Welt"
vom Samstag in einem Positionspapier der SPD-Arbeitsgruppe
Verteidigung. Darin werden laut "Welt" auch erhebliche Vorbehalte gegen
den Entwurf von Jung für das geplante, neue
Bundeswehr-Weißbuch geäußert.
(Quelle: afp)
Pharma und Ärzten drohen finanzielle Einschnitte
Mo.22.05.06 - Mit kräftigen Einschnitten durch die geplante Gesundheitsreform
müssen nach Worten von SPD-Fraktionschef Peter Struck die
Ärzte, Apotheker und Arzneimittelhersteller rechnen. «Die
Koalition muss in dieser Frage Mut vor Fürstenthronen
beweisen», sagte Struck der «Bild am Sonntag».
«Ich rechne mit einem Proteststurm von Ärzten, Apothekern
und Pharma-Industrie, weil wir gewachsene Besitzstände und
Pfründe angreifen werden.»
Die Gesundheitspolitiker der Koalition erwägen nach
Medienberichten eine Umschichtung von Arzthonoraren zu Gunsten von
Medizinern, die sich in abgelegenen Regionen niederlassen.
Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe lehnte dies umgehend
ab. Erwogen wird auch, für den Arbeitgeberbeitrag zur Krankenkasse
die Beitrags- Bemessungsgrenze aufzuheben und so Mehreinnahmen von den
Betrieben zu kassieren. Diese Idee wiesen die Arbeitgeber am Sonntag
strikt zurück.
Struck forderte den Koalitionspartner CDU/CSU auf, bei den
bevorstehenden Kürzungen mitzuziehen. Weil es in kaum einem Bereich
so viele Lobbyisten gebe wie im Gesundheitswesen, «müssen
SPD und Union sich unterhaken, standhaft sein und ihre Beschlüsse
durchsetzen». Besonders wandte sich Struck gegen die zuletzt
drastisch gestiegenen Kosten für Arzneimittel. Sie seien im ersten
Quartal um 500 Millionen Euro stärker angewachsen als geplant.
«Dagegen muss die Koalition wirksame Beschlüsse
fassen», verlangte der SPD-Fraktionschef. «Die Kosten
für Arzneimittel müssen runter.»
Nach Vorstellungen der Gesundheitsexperten der Koalition sollen
Ärzte, die in bereits überversorgten Großstädten
eine Praxis eröffnen, künftig Honorarabschläge hinnehmen.
Das berichtete die «Süddeutsche Zeitung». Betroffen
wären unter anderem München, das Rhein-Main-Gebiet und der
Raum Köln. In strukturschwachen ländlichen Gebieten sollten
hingegen Zuschläge gezahlt werden. Hoppe lehnte Kürzungen ab,
begrüßte aber die Zuschläge.
Nach Berichten der Magazine «Focus» und
«Spiegel» wollen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt
(SPD) und die Union erreichen, dass Unternehmen künftig deutlich
mehr in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen. Für
Arbeitgeber würde die Bemessungsgrenze von brutto 3562,50 Euro
monatlich wegfallen. Betroffen wären die Arbeitgeber von etwa vier
Millionen Arbeitnehmern, die höhere Gehälter beziehen. Die
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
bezifferte die Mehrkosten für die Wirtschaft auf rund 3,5
Milliarden Euro.
Das Ministerium dementierte allerdings, dass Schmidt diesen Plan
bereits in die Koalitionsarbeitsgruppe zur Gesundheitsreform eingebracht
habe. «Die Arbeitsgruppe hat sich mit Finanzen überhaupt
noch nicht befasst. Deshalb kann Frau Schmidt das noch gar nicht
eingebracht haben», sagte Sprecher Klaus Vater.
Struck lehnte Äußerungen zur Neuordnung der Finanzierung der
Krankenversicherung ab. «Wir wollen erst über Einsparungen
reden, bevor wir über Handlungsbedarf bei den Einnahmen
reden», sagte er. Langfristig werde der Krankenbeitrag trotz aller
Sparanstrengungen jedoch ansteigen. «Wenn die Medizin Krebs und
Alzheimer besiegt, wird das teuer.» Gesundheitsministerin Schmidt
schätze, dass der medizinische Fortschritt jedes Jahr fünf
Milliarden Euro zusätzlich kostet.
(Quelle: dpa)
Jusos fordern Mindestlohn von 7,50 Euro
Mo.22.05.06 - Die Jusos forderten einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 7,50
Euro. Gleichzeitig lehnte die Jugendorganisation der SPD auf ihrem
Bundeskongress in Saarbrücken Vorschläge ab, für
jüngere Arbeitnehmer niedrigere Einstiegslöhne zuzulassen. Der
Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales,
Kajo Wasserhövel, sprach sich am Sonntag vor den rund 300
Delegierten zwar ebenfalls grundsätzlich für
Mindestlöhne aus, lies die konkrete Ausgestaltung aber offen.
Wasserhövel sagte, da viele Arbeitnehmer nicht mehr von
Tarifverträgen erfasst seien, müsse vor allem die Tarifkraft
der Gewerkschaften gestärkt werden. Während Juso-Chef
Björn Böhning und zahlreiche Redner Kombilöhne als
Lohndrückerei ablehnten, warb Wasserhövel dafür, sich bei
diesem Thema nicht festzulegen und die Koalitionsgespräche
abzuwarten. Allerdings warnte der SPD-Politiker vor Dauersubventionen
und sprach sich deshalb für Befristungen aus.
(Quelle: ap)
Bush-Gegner kündigen Groß-Demo in Stralsund an
Mo.22.05.06 - Mit einer Großdemonstration wollen am 14. Juli Vertreter von
Friedensorganisationen und Globalisierungsgegner gegen den Besuch des
amerikanischen Präsidenten George W. Bush in Stralsund
protestieren. Einen entsprechenden Beschluss hätten am Wochenende
etwa 60 Vertreter eines entsprechenden Aktionsbündnisses in Berlin
gefasst, teilte der Sprecher des Bundesausschuss Friedensratschlag,
Peter Strutynski, am Sonntag mit. Zugleich sollen am 13. und 15. Juli
bundesweit Demonstrationen gegen den G8-Gipfel in St. Petersburg
stattfinden.
Die Kritik richte sich vor allem gegen die Kriegsdrohungen der USA
gegen den Iran und die Unterstützung durch die Europäische
Union (EU). Ein Krieg gegen Iran sei nur zu verhindern, wenn sich die
Europäer Bush eindeutig verweigerten, sagte Strutynski. Dazu
müssten sie von der kriegsunwilligen Bevölkerung mit
«Druck von der Straße» gezwungen werden.
Versuche der Behörden, Demonstrationen am 14. Juli in Stralsund zu
verbieten, würden einer gerichtlichen Prüfung nicht
standhalten, sagte der Bundessprecher der Deutschen
Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegnerinnen (DFG-VK) und
frühere Abgeordnete im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Monty
Schädel. Die Friedensbewegung werde Mittel und Wege finden, das ihr
zustehende Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und
Versammlungsfreiheit durchzusetzen.
(Quelle: ddp)
WWF beklagt 'stilles Artensterben' in Deutschland
Mo.22.05.06 - Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten in Deutschland sind nach Angaben der
Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) vom Aussterben bedroht.
Mehr als die Hälfte aller Säugetiere und Fische sowie zwei
Drittel aller nur in Deutschland heimischen Pflanzen seien akut
gefährdet.
Das teilte WWF Deutschland zum Internationalen Tag der biologischen
Vielfalt am 22. Mai mit. Hauptgrund für das «stille
Sterben» sei der Lebensraumverlust durch Landwirtschaft,
Verkehrswege- und Häuserbau.
Nach Angaben des WWF gelten in Deutschland 520 Tier- und 512
Pflanzenarten als ausgestorben oder verschollen, darunter zwölf
Säugetierarten. Der letzte in Deutschland lebende Braunbär
beispielsweise sei 1835 in Bayern erlegt worden. Weltweit stehen mehr
als 16 000 Tier- und Pflanzenarten auf der Roten Liste der vom
Aussterben bedrohten Arten, in Deutschland gehörten dazu
früher häufige Flussfische wie Maifisch oder Neunauge.
Obwohl sich das öffentliche Bewusstsein in den vergangenen drei
Jahrzehnten gewandelt habe, werde noch viel zu wenig für den
Artenschutz getan, kritisierte WWF-Artenschutzexperte Roland Melisch.
«Jeden Tag werden über 100 Hektar Natur für Gebäude
und Straßen zubetoniert. In der Landwirtschaft blühen die
Monokulturen, es gibt nach wie vor Überdüngung und einen
massiven Einsatz von Pestiziden.»
(Quelle: dpa)