Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertfüundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Gewalt hält unvermindert an - Bei Anschlagen mehr als 40 Tote.
Bush: Neubewertung der Sicherheitslage nach Regierungsbildung im Irak.
Neuer Prozess wegen Misshandlungen in Abu Ghraib begonnen
Mi.24.05.06 - Der Irak kommt auch nach dem Amtsantritt der neuen Regierung nicht zur
Ruhe. Bei einer Serie von Anschlägen wurden am Dienstag mehr als
40 Menschen getötet, überwiegend Schiiten, wie die Polizei
mitteilte. Der folgenschwerste Angriff galt am Abend einer schiitischen
Moschee in Bagdad. Mindestens elf Menschen kamen ums Leben, neun wurden
verletzt. Nach Behördenangaben war der Sprengsatz an einem
Motorrad versteckt, das auf dem Innenhof der Moschee abgestellt war.
Eine Stunde später detonierte eine weitere Bombe vor einer
Bäckerei in Bagdad. Dabei wurden drei Passanten getötet und
zwölf verletzt. Zuvor hatten mehrere Sprengsätze in der
Hauptstadt schon mindestens 15 Menschen in den Tod gerissen und
Dutzende verwundet.
In Mossul im Norden des Landes schossen Bewaffnete auf Schmiede, die in
einem Kleinbus zur Arbeit fuhren, und töteten vier von ihnen. Bei
einem ähnlichen Überfall unweit von Bakuba nordöstlich
von Bagdad wurden drei Arbeiter getötet. Wenige Stunden
später wurden in derselben Gegend drei irakische Passanten aus
einem fahrenden Auto heraus erschossen. Noch mehrere weitere Iraker
wurden ebenfalls Opfer von Mordanschlägen.
Am Montag hatte Ministerpräsident Nuri al-Maliki nach einem
Treffen mit dem britischen Premierminister Tony Blair in Bagdad
erklärt, der Irak wolle von Juni an die Verantwortung für die
Sicherheit von den Besatzungstruppen übernehmen und diesen Prozess
bis Ende des Jahres weitgehend abschließen. Angesichts der
anhaltenden Gewalt stellten sich Beobachter allerdings die Frage, ob
die irakischen Sicherheitskräfte die Lage tatsächlich unter
Kontrolle bekommen könnten.
Nach der erfolgreichen Regierungsbildung in Bagdad soll laut
US-Präsident George W. Bush der weitere Einsatz amerikanischer
Soldaten im Irak neu abgestimmt werden. Die neue Regierung werde eine
Beurteilung ihrer Sicherheitsbedürfnisse und der möglichen
Übernahme der Aufgaben durch irakische Sicherheitskräfte
erarbeiten, erklärte Bush am Dienstag vor Journalisten in
Washington. Dabei werde sie mit den US-Streitkräften
zusammenarbeiten.
Derzeit sind rund 132.000 US-Soldaten im Irak. Seit Beginn der
Militäroffensive 2003 kamen mehr als 2.450 US-Streitkräfte ums
Leben.
Bush rief die Amerikaner auf, den Fortschritt im Irak nicht allein an
der anhaltenden Gewalt zu messen. Damit würde der Blick auf die
Errungenschaften im politischen und militärischen Bereich
verstellt, sagte Bush mit Blick auf die Regierungsbildung und die
Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte. Bush trat am Dienstag
gemeinsam mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert vor
die Presse.
Jordanien nahm nach eigenen Angaben ein Führungsmitglied von Al
Kaida im Irak fest. Siad Chalaf Radscha al Karbuli, ein Leutnant des
Terroristenchefs Abu Mussab al Sarkawi, habe bereits mehrere
Entführungen und Morde gestanden, teilte die Regierung in einer
30-minütigen Sondersendung im staatlichen Fernsehen mit. Demnach
wurde der Iraker an der gemeinsamen Grenze von jordanischen
Geheimdienstbeamten auf deren Territorium gelockt und dann festgenommen.
Teile des Geständnisses wurden direkt im Fernsehen
übertragen. Darin erklärte der als Al Karbuli bezeichnete
Sprecher, es gebe bei Al Kaida im Irak große Ressentiments
gegenüber Jordanien, weil dieses Land mit den USA kollaboriere.
Deshalb habe er den Auftrag erhalten, Jordanier zu verschleppen. Er
beschrieb dann im Detail die Entführung und Tötung des
Lastwagenfahrers Chalid al Dessuki im vergangenen September.
Die Terrorgruppe Al Kaida im Irak hat sich zu Dutzenden Anschlägen
und Entführungen bekannt. Ihr Anführer Al Sarkawi stammt aus
Jordanien und ist in seinem Heimatland in Abwesenheit zum Tode
verurteilt worden.
Vor einem US-Militärgericht hat am Montag (Ortszeit) ein weiterer
Prozess wegen der Misshandlungen im Gefängnis im irakischen Abu
Ghraib begonnen. Der 31-jährige US-Soldat Santos Cordona ist
angeklagt, zusammen mit einem anderen Soldaten Gefangene systematisch
mit Hunden bedroht und misshandelt zu haben. Der zweite Beteiligte war
bereits zu sechs Monaten Haft verurteilt worden. Wie schon in dem
damaligen Prozess ist erneut der US-General Geoffrey Miller als Zeuge
geladen.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 24.05.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Literaturnobelpreisträger Grass wirft den USA kriminelles Handeln
vor
Mi.24.05.06 - Literaturnobelpreisträger Grass hat die Außenpolitik der USA
scharf kritisiert. Beim 72. Internationalen PEN-Kongress in Berlin
sagte Grass, die Vereinigten Staaten seien eine kriminell handelnde
Großmacht. Der Irak-Krieg missachte die Regeln der zivilisierten
Welt und fördere den Terror. Grass warf auch der britischen
Regierung vor, sie habe den USA auch dann nicht die Gefolgschaft
aufgekündigt, als die Folterpraxis in irakischen Gefängnissen
offenkundig geworden sei. Deutschlands Präsident Köhler rief
bei dem Kongress zum weltweiten Kampf gegen die Unterdrückung der
freien Wortes und der Kultur auf. Er erinnerte daran, dass vielerorts
Schriftsteller und Journalisten von Zensur, Folter und sogar Mord
betroffen sind.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Mehr bei telepolis vom 24.05.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22741/1.html
Amnesty wirft USA Menschenrechtsverletzungen vor
Mi.24.05.06 - Amnesty International hat den USA und Großbritannien schwere
Menschenrechtsverletzungen in deren Kampf gegen den internationalen
Terrorismus vorgeworfen. Die USA hielten tausende Gefangene ohne
Prozesse in Afghanistan, im Irak und in Guantanamo auf Kuba fest,
heißt es im Jahresbericht der Menschenrechtsorganisation. In
zahlreichen Ländern Lateinamerikas werden die Menschenrechte
demnach weiterhin mit Füßen getreten. Amnesty wirft
außerdem Weißrussland und Usbekistan schwere
Menschenrechtsverstöße vor.
Auch Großbritannien halte im Irak rund zehntausend Menschen
gefangen, teilte Amnesty mit. Die Regierung in London habe
außerdem nach dem Anschlägen vom 7. Juli unter dem Deckmantel
des Anti-Terror-Kampfes die Menschenrechte missachtet. So erlaubt es
das Gesetz, die Bewegung und die Kommunikation von
Terrorverdächtigen stark einzuschränken, auch wenn diese nicht
verurteilt sind.
Besonders betroffen von Menschenrechtsverstößen in
Lateinamerika sind die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft, wie
Ureinwohner, Frauen und Kinder. In Kolumbien seien Zivilisten nach wie
vor Opfer von Verschleppungen und willkürlichen Tötungen. In
einigen Teilen des Landes sei die Zahl dieser Fälle zwar
zurückgegangen, doch das Ausmaß der
Menschenrechtsverletzungen sei nach wie vor hoch. "Besonders Besorgnis
erregend" seien Berichte über außergerichtliche Hinrichtungen
durch Militär und Polizei und die Tötung von Zivilisten durch
linke Guerillakämpfer und ultrarechte Paramilitärs. In Haiti
habe die Zahl der Tötungen und Entführungen zugenommen.
Amnesty prangerte auch die Ausbeutung, Sklaven- und Kinderarbeit von
14.000 Guarani-Indianern in Bolivien an. In Venezuela gebe es anhaltende
Sorge über die Drangsalierung von Kritikern der Regierung. In Kuba
säßen fast 70 politische Häftlinge im Gefängnis.
In Weißrussland wurden laut Amnesty zahlreiche Oppositionelle
festgenommen. In Usbekistan habe Präsident Islam Karimow den
Aufstand in Andischan blutig niedergeschlagen. Außerdem wies
Amnesty darauf hin, dass Afrika immer noch Schauplatz von schweren
Menschenrechtsverletzungen wie "Mord, Vergewaltigung und anderen Formen
von sexueller Ausbeutung" sei.
2005 wurden laut Amnesty weltweit 2148 Menschen hingerichtet. 94
Prozent der Todesurteile wurden demnach in China, Saudi-Arabien, dem
Iran und den USA vollstreckt. 122 Staaten hätten aber inzwischen
die Todesstrafe abgeschafft, im Jahr 2005 kamen Mexiko und Liberia hinzu.
(Quelle: ap)
Wieder Tote bei Gefecht in Afghanistan
Mi.24.05.06 - Bei einem Gefecht zwischen Taliban-Kämpfern und Polizisten im
Süden Afghanistans sind am Dienstag mindestens 15 Menschen ums
Leben gekommen. Eine Polizeipatrouille sei in der Provinz Helmand in
einen Hinterhalt geraten, teilte ein Behördensprecher mit. Drei
Polizisten und zwölf Extremisten seien getötet worden.
Mehreren Dutzend Taliban sei die Flucht gelungen.
In der Nähe von Kabul fielen vier Mitarbeiter einer örtlichen
Hilfsorganisation einem Anschlag zum Opfer. Auf einer häufig von
Ausländern benutzten Straße, rund 40 Kilometer westlich der
Hauptstadt, explodierte am Montag eine Landmine. Bei den Toten handelt
es sich nach Polizeiangaben um einen Arzt, zwei Krankenschwestern und
ihren Fahrer.
(Quelle: ap)
Karsai ordnet Untersuchung von US-Luftangriff an
Mi.24.05.06 - Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat die Untersuchung eines
US-Luftangriffs angeordnet, bei dem mindestens 16 Zivilpersonen ums
Leben kamen. Wie das Präsidialamt am Dienstag mitteilte, will
Karsai sich deswegen auch mit dem US-Oberbefehlshaber in Afghanistan
treffen.
Der Präsident äußerte sich besorgt über die
Entscheidung der US-geführten Streitkräfte, auch bewohnte
Gebiete zu bombardieren. Zugleich verurteilte Karsai die Taktik der
Terroristen, Zivilpersonen als menschliche Schutzschilde zu
missbrauchen. Nach amerikanischen Angaben wurden bei den Luftangriffen
auf das Dorf Asisi in der Provinz Kandahar am Sonntagabend und
Montagmorgen bis zu 80 Aufständische getötet.
Bei Gefechten zwischen Taliban-Kämpfern und Polizisten im
Süden des Landes kamen am Montag mindestens 15 Menschen ums Leben.
Eine Polizeipatrouille sei in der Provinz Helmand in einen Hinterhalt
geraten, teilte ein Behördensprecher mit. Drei Polizisten und
zwölf Extremisten wurden getötet. Mehreren Dutzend Taliban
sei die Flucht gelungen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Bush sieht Olmerts Grenzpläne als möglichen Schritt zum
Frieden
Mi.24.05.06 - US-Präsident George W. Bush hat nur verhaltende Zustimmung zu den
israelischen Plänen für eine einseitige Festlegung der Grenze
zum Westjordanland signalisiert. Beim ersten Besuch des israelischen
Ministerpräsidenten Ehud Olmert im Weißen Haus erklärte
Bush am Dienstag, eine einseitige Grenzziehung könne ein
«wichtiger Schritt zum Frieden» sein. Er betonte jedoch
zugleich, dass eine Verhandlungslösung Vorrang haben müsse.
Eine Friedenslösung müsse letztlich auf Verhandlungen
zwischen Israel und den Palästinensern basieren, sagte Bush. Er
äußerte die Auffassung, dass die Grenze erst dann einseitig
gezogen werden könne, wenn alle Verhandlungsversuche scheiterten.
Olmert erklärte, er werde seine Pläne nur dann umsetzen, wenn
«alle anderen Optionen nicht möglich» seien. Der
Vorschlag Olmerts sieht einen Abzug jüdischer Siedler aus Teilen
des Westjordanlandes bei gleichzeitiger Stärkung der
größten Siedlungen vor.
Bush rief Israel auf, nach der Regierungsübernahme der militanten
Hamas verstärkt auf Kontakte zum palästinensischen
Präsidenten Mahmud Abbas von der Fatah-Bewegung zu setzen. Abbas
mache sich für Frieden und Verhandlungen stark, erklärte
Bush. Er bekräftigte die Forderung an die Hamas, das Existenzrecht
Israels anzuerkennen und der Gewalt abzuschwören. Olmert
erklärte, Israel sei ein «williger Friedenspartner»,
wenn Hamas die Bedingungen erfülle. Zuvor seien aber keine
Vereinbarungen mit der militanten Bewegung möglich. «Wir
können nicht ewig warten», mahnte er.
(Quelle: ap)
Israelische Armee nimmt Hamas-Militärchef für Westjordanland
fest
Mi.24.05.06 - Bei einem Großeinsatz in Ramallah hat die israelische Armee den
Chef des bewaffneten Arms der radikalislamischen Hamas im Westjordanland
festgenommen. Rund 200 Meter von der Privatresidenz von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas umstellten am
Dienstagmorgen israelische Soldaten, Polizisten und
Sondereinsatzkräfte ein Haus und forderten Ibrahim Hamed auf, sich
zu ergeben. Israel wirft dem 41-Jährigen vor, eine Reihe von
Attentaten organisiert zu haben, bei denen mehr als 60 Menschen
getötet und hunderte weitere verletzt worden waren.
(Quelle: afp)
UN beklagen anhaltende Gewalt in Darfur
Mi.24.05.06 - Trotz des Anfang Mai geschlossenen Friedensabkommens hat sich die Lage
in der westsudanesischen Provinz Darfur nicht verbessert. Zu diesem
Schluss kommt das Amt des UN-Hochkommissars für Menschenrechte
(OHCHR) in einem Bericht, der am Dienstag veröffentlicht wurde.
Regierung und Rebellen werden darin aufgefordert, den Waffenstillstand
unverzüglich einzuhalten. UN-Generalsekretär Kofi Annan warf
der sudanesischen Regierung in einem anderen Bericht Verstöße
gegen die Menschenrechte vor.
Das Verbot von Hilfsmittellieferungen in Gebiete, die von der
Rebellengruppe SLA kontrolliert werden, bedeute, dass zahlreiche
Menschen keinen Zugang zu lebenswichtigen Gütern hätten,
erklärte Annan in dem Bericht an den UN-Sicherheitsrat. Die
Einwohner von Darfur litten unter anhaltender Gewalt und Unsicherheit.
Besonders beunruhigend sei, dass die Regierung wieder Kampfhubschrauber
einsetze, hieß es in dem OHCHR-Bericht. Außerdem sei die
Regierung ihrer völkerrechtlichen Verpflichtung nicht nachgekommen,
Angriffe von Milizionären zu unterbinden. Täglich würden
Zivilpersonen getötet, sexuell missbraucht oder
eingeschüchtert. Dem Konflikt in Darfur fielen seit 2003 rund
200.000 Menschen zum Opfer, 2,5 Millionen sind auf der Flucht.
(Quelle: ap)
Unruhen in Osttimor nehmen zu
Mi.24.05.06 - Angesichts zunehmender Spannungen in Osttimor haben Australien und
Neuseeland die Entsendung von Soldaten angeboten. Der australische
Außenminister Alexander Downer sagte, er stehe mit seinem
osttimorischen Kollegen José Ramos-Horta in Kontakt. Schiffe,
Flugzeuge und Truppen stünden bereit, um auf eine entsprechende
Anfrage schnell reagieren zu können. Die Unruhen in Dili kosteten
am Dienstag einen Soldaten das Leben.
Vier weitere Sicherheitskräfte seien bei dem Feuergefecht mit
ehemaligen Soldaten verletzt worden, sagte Ministerpräsident Mari
Alkatiri. Er rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Lage sei unter
Kontrolle. Auslöser der jüngsten Spannungen war die Entlassung
von 600 Soldaten aus der Armee. Sie waren aus Protest über
Diskriminierung und schlechte Arbeitsbedingungen in einen Streik
getreten.
Das neuseeländische Verteidigungsministerium teilte mit, in
Christchurch seien rund 30 Soldaten auf Abruf stationiert. Sie
könnten innerhalb von 48 Stunden nach Osttimor entsandt werden.
Downer sagte, Berichten vom Montag und Dienstag zufolge nehme die
Gewalt in der Hauptstadt Dili und anderen Landesteilen zu. «Wir
haben deutlich gemacht, dass wir bereit sind, Osttimor
Unterstützung anzubieten, falls dies nötig und erwünscht
ist», erklärte der australische Außenminister im
Parlament in Canberra.
Australien führte die UN-Friedenstruppe INTERFET, die 1999 in
Osttimor stationiert wurde, nachdem sich die Bürger der
indonesischen Provinz für die Unabhängigkeit ausgesprochen
hatten. Proindonesische Milizen überzogen Osttimor nach dem
Referendum mit einer Welle der Gewalt. Erst der INTERFET-Einsatz setzte
dem ein Ende. Nach zweieinhalbjähriger UN-Verwaltung wurde Osttimor
im Mai 2002 unabhängig.
(Quelle: ap)
US-Regierung besorgt über militärische Aufrüstung in
China
Mi.24.05.06 - Die rasche und umfangreiche militärische Aufrüstung in China
könnte nach Ansicht des Pentagons langfristig zur Bedrohung
für die USA werden. Einem vom US-Verteidigungsministerium am
Dienstag (Ortszeit) veröffentlichten Bericht zufolge steigerte die
Volksrepublik auch im vergangenen Jahr weiter ihre
Militärausgaben, ohne die Ziele dieser Expansion zu
erläutern. China habe weltweit das größte Potenzial,
eines Tages militärisch mit den USA gleichzuziehen. Der Bericht
schätzt die jährlichen Rüstungsausgaben des Landes auf
zwischen 70 und 105 Milliarden Dollar (zwischen 55 und 82 Milliarden
Euro), drei Mal so hoch wie die offiziell von Peking genannten 35
Milliarden Dollar.
(Quelle: afp)
Merkel schließt ersten Besuch in China ab
Mi.24.05.06 - Mit einer Fahrt in der Magnetschwebebahn von Schanghai hat
Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag ihren ersten offiziellen
China-Besuch beendet. Die Regierungschefin fuhr mit 430 Kilometern in
der Stunde zum Flughafen; die Transrapid-Strecke soll bis 2010 von
derzeit rund 30 auf 170 Kilometer verlängert werden. Vor ihrer
Rückkehr nach Berlin war noch ein Zwischenstopp in der kasachischen
Stadt Almaty geplant.
Vor der deutschen Handelskammer in Schanghai sprach sich Merkel noch
einmal deutlich zum Kampf gegen die Produktpiraterie aus. Deutschland
werde «hart und klar» dagegen vorgehen, sagte die Kanzlerin.
Vor rund 600 deutschen Managern erklärte Merkel, die deutsche
Delegation habe während ihrer Gespräche in China immer wieder
den Schutz des geistigen Eigentums angesprochen. Sie werde dies auch im
nächsten Jahr zum Gegenstand des G-8-Gipfels machen. Der
chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao sagte am Montag zu, das
geistige Eigentum künftig besser zu schützen. Er räumte
die Probleme beim Ideen- und Patentschutz ein und sagte, China wolle
juristische Voraussetzungen schaffen, um besser gegen Diebstahl
vorgehen zu können.
Dem ZDF-Morgenmagazin sagte Merkel am Dienstag, die chinesische
Wirtschaft habe Wachstumsraten, «von denen wir nur
träumen». Da die chinesischen Unternehmen künftig
verstärkt eigene Technologien entwickeln wollten, müsse sich
die deutsche Wirtschaft auf einen zunehmenden Wettbewerb und harte
Verhandlungen einrichten.
Merkel traf am Dienstag noch zu einer Unterredung mit dem katholischen
Bischof Aloysius Jin zusammen, der bis 1982 insgesamt 27 Jahre im
Gefängnis war. Der 90-Jährige führte Merkel durch die
Sankt-Ignatius-Kathedrale. Der Bischof, der vor dem Zweiten Weltkrieg in
Köln und Innsbruck Deutsch gelernt hatte, sprach mit der Kanzlerin
unter anderem über seine Haft wegen «Volksaufhetzung im
Auftrag des Vatikans».
Jin ist Bischof der Chinesischen Patriotischen Katholischen
Vereinigung, der staatlich anerkannten katholischen Kirche. Seine
Bischofsweihe wurde vom Vatikan nicht offiziell anerkannt, laut Jin wird
sie aber vom Papst toleriert. In China gibt es ungefähr fünf
Millionen Katholiken, die sich zu der staatlichen Kirche gehörig
fühlen, sowie eine unbekannte Zahl von katholischen Christen im
Untergrund. Jin, der auch schon vom früheren US-Präsidenten
Bill Clinton und von Altbundespräsident Roman Herzog besucht
wurde, vertritt den Standpunkt, ein Arrangement mit dem Staat sei
nötig, um den Katholiken die Ausübung ihres Glaubens zu
ermöglichen.
Zu Beginn ihres Aufenthalts in Schanghai machte sich Merkel im
Stadtplanungsbüro ein Bild von den Problemen der
20-Millionen-Metropole. In der Region Schanghai leben rund 8.000
Deutsche, deutsche Firmen unterhalten hier rund 800 Repräsentanzen.
(Quelle: ap)
Italien: Prodi gewinnt Vertrauensvotum im Abgeordnetenhaus
Mi.24.05.06 - Mehr als sechs Wochen nach dem Sieg seines Mitte-Links-Bündnisses
bei der Parlamentswahl hat Italiens neuer Ministerpräsident Romano
Prodi die letzte Hürde für die Übernahme der
Regierungsgeschäfte genommen. Vier Tage nach dem Senat sprach auch
das Abgeordnetenhaus dem neuen Regierungschef und seinem Kabinett das
Vertrauen aus. Laut Parlamentspräsident Fausto Bertinotti stimmten
344 der Abgeordneten für die neue Regierung und 268 gegen sie. In
seiner Regierungserklärung kündigte Prodi eine strikte
Sanierung der Staatsfinanzen an.
Mit dem Sieg bei der Vertrauensabstimmung im Abgeordnetenhaus war
allgemein gerechnet worden, da sein Bündnis dort über eine
deutliche Mehrheit von 347 der 629 Mandate verfügt. Mit Hilfe der
Stimmen der sieben Senatoren auf Lebenszeit hatte er jedoch schon in
der vergangenen Woche überraschend klar die Abstimmung im Senat
überstanden.
In seiner Rede ging Prodi mit der Regierung seines Vorgängers
Silvio Berlusconi scharf ins Gericht. Er kündigte an, er werde
alle Gesetze rückgängig machen, "die das Land gespalten
haben", allen voran die "miserable Wahlreform". "Dieses Gesetz wird
heute von allen Seiten kritisiert. Ich stelle fest, dass es inzwischen
keinen Vater und keine Mutter mehr hat, und frage mich, wie es
überhaupt durch das Parlament kam", sagte er mit ironischem
Lächeln.
Erneut sprach sich der 66-Jährige für den baldigen
Rückzug der italienischen Truppen aus dem Irak aus. Seine
Regierung werde den Kampf gegen den Terrorismus entschlossen
fortsetzen, aber mit anderen Mitteln. Er werde sich für eine
vorbeugende Friedenspolitik einsetzen, die auf Dialog und
Verständnis zwischen den Kulturen und Religionen setze. Im
Gegensatz zu Berlusconi will Prodi Italien wieder stärker in der
EU verankern. Nur wenn Italien in Europa wieder eine wichtige Rolle
spiele, werde es auch weltweit Gewicht haben, sagte er. Am 29. Mai will
er der EU-Kommission in Brüssel seine neue Politik vorstellen.
Ganz oben auf seine Agenda setzte Prodi die Sanierung der
Staatsfinanzen. Die Wirtschaftslage seines Landes seit
"möglicherweise schlimmer als 1996, als wir uns auf den Euro
vorbereiteten", sagte der Wirtschaftswissenschaftler. Er kündigte
noch für die nächsten Woche eine Reihe von Maßnahmen
an, um das Wirtschaftswachstum wieder anzukurbeln und die Schwindel
erregende Staatsverschuldung zurückzuschrauben.
(Quelle: afp)
Deutschland
Rasterfahndung nach Islamisten verfassungswidrig
Mi.24.05.06 - Die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eingeleitete
Rasterfahndung nach möglichen islamistischen Terroristen war
verfassungswidrig. Das Bundesverfassungsgericht setzte mit diesem Urteil
dem Abgleich von personenbezogenen Daten der Bürger Grenzen.
Demnach sind Rasterfahndungen künftig nur noch zulässig, wenn
eine auf Tatsachen begründete, "konkrete Gefahr" etwa für die
Sicherheit der Bundesrepublik oder das Leben eines Bürgers
vorliegt.
Eine allgemeine Bedrohungslage wie nach den Anschlägen vom 11.
September in den USA
oder eine außenpolitische Spannungslage reichen für eine
Rasterfahndung nicht aus. Damit hatte die Klage eines marokkanischen
Studenten aus Nordrhein-Westfalen Erfolg, der sich gegen den Eingriff in
sein Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung gewehrt hatte.
Nach den Maßgaben, die das Gericht am Fall des umstrittenen
Polizeigesetzes von Nordrhein-Westfalen aufstellte, werden nun elf der
16 Bundesländer, darunter Bayern und Baden-Württemberg, ihre
Regelungen zur verdachtslosen Rasterfahndung ändern müssen.
Nach den Terroranschlägen vom 11. September in New York und
Washington hatten die Behörden im Oktober 2001 in allen
Bundesländern nach so genannten islamistischen Schläfern
gefahndet. Es handelte sich um die größten koordinierte
Rasterfahndung in der deutschen Geschichte. Terroristen wurden dabei
allerdings nicht gefunden.
Den Verfassungshütern geht solch ein Eingriff in die Grundrechte
der Bürger ohne konkreten Anfangsverdacht zu weit: Der Staat
müsse Terrorangriffe mit rechtsstaatlichen Mitteln abwehren; dabei
habe er sich aber auch "auf diese rechtsstaatlichen Mittel zu
beschränken". Laut Karlsruhe wird deshalb künftig ein Richter
einer Rasterfahndung etwa nach Terroristen erst dann anordnen
dürfen, wenn "konkrete Tatsachen auf die Vorbereitung oder
Durchführung terroristischer Anschläge hindeuten".
Die Verfassungsrichterin Evelyn Haas folgte dem nicht. Nach ihrer
Ansicht macht das Gericht mit seiner Entscheidung "den Staat
gegenüber drohenden Terrorangriffen wehrlos". Durch die
Rasterfahndung werde die Sicherheit als Grundlage der Freiheit
gestärkt, heißt es in einem Sondervotum der Richterin. Davon
profitierten auch die Betroffenen, die daher die Rasterfahndung als
"Eingriff minderer Intensität" in ihre Grundrechte hinnehmen. (AZ 1
BvR 518/02)
Die starke Einschränkung der Rasterfahndung durch das
Bundesverfassungsgericht ist bei Datenschützern und Studenten auf
Zustimmung gestoßen. Die Gewerkschaft der Polizei kritisierte die
am Dienstag veröffentlichte Entscheidung dagegen scharf.
Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar,
erklärte in Bonn: «Das Bundesverfassungsgericht hat erneut
das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung
gestärkt.» Die Rasterfahndung sei ein massiver Eingriff in
die Grundrechte, der eine große Anzahl völlig
Unverdächtiger treffe. Deswegen habe das Bundesverfassungsgericht
zu Recht strenge Anforderungen an die Anordnung einer derartigen
Maßnahme gestellt.
«Ich erwarte von den Verantwortlichen, dass sie diesen
verfassungsrechtlichen Anforderungen Rechnung tragen», betonte
Schaar. Dies gelte auch bei anderen Maßnahmen mit ähnlicher
Breitenwirkung, etwa bei der präventiven Erfassung von
Kfz-Kennzeichen und bei der so genannten Funkzellenabfrage bei
Verbindungsdaten der Telekommunikation.
Auch der Gesetzgeber müsse künftig die Vorgaben des
Bundesverfassungsgerichts beachten, etwa bei der im Rahmen der
Föderalismusreform diskutierten Festlegung von Vorfeldkompetenzen
für das Bundeskriminalamt, verlangte der Datenschützer.
Der freie zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs)
begrüßte das Ende der Rasterfahndung in ihrer bisherigen Form
und forderte in einer Erklärung eine Entschuldigung der
Verantwortlichen. Tausende ausländische Studenten seien unter
Generalverdacht gestellt worden und monatelang polizeilicher
Willkür und dem Misstrauen ihrer Kommilitonen ausgesetzt gewesen.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) erklärte dagegen ihr
Unverständnis über die Karlsruher Entscheidung: «Wir
können nicht verstehen, dass die Gerichte den Handlungsspielraum
der Sicherheitsbehörden, die Bevölkerung vor katastrophalen
Anschlägen zu schützen, immer wieder einschränken»,
erklärte GdP-Chef Konrad Freiberg in Berlin. «Damit ist uns
wieder eine Möglichkeit verwehrt, terroristische Vorbereitungen
bereits im frühesten Stadium zu erkennen.»
(Quellen: afp, ap)
Ex-Verfassungshüterin Limbach warnt vor
Bürgerrechtseinschränkung
Mi.24.05.06 - Die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta
Limbach, hat dem Staat ein "unersättliches
Sicherheitsbedürfnis" vorgeworfen. Dieses "überbordende
Bedürfnis" führe dazu, dass der Staat "immer mehr in die
Grundrechte der Bürger eingreift" und deren "Freiheit missachtet",
sagte Limbach bei der Vorstellung des Grundrechtereports 2006 am Montag
in Karlsruhe. Limbach, die seit 2002 Präsidentin des
Goethe-Instituts ist, würdigte die Arbeit der neun Organisationen,
die den Report erstellt haben. Die Organisationen von der Humanistischen
Union bis hin zur Neuen Richtervereinigung besäßen ein
"feinnerviges Gespür für Grauzonen" und schützten
stellvertretend für die Bürger die Menschenrechte.
(Quelle: afp)
Haftbefehle wegen Angriff in Potsdam aufgehoben
Mi.24.05.06 - Fünf Wochen nach dem Überfall auf einen Deutschen
äthiopischer Abstammung in Potsdam sind die Haftbefehle gegen die
beiden Tatverdächtigen aufgehoben worden. Das bestätigte eine
Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Der Haftrichter beim
Bundesgerichtshof (BGH) habe die Entscheidung damit begründet,
dass "ein dringender Tatverdacht" nicht mehr gegeben sei. Dies sei auch
deshalb der Fall, weil sich das Opfer nicht an die Tat erinnern
könne. Der Sprecherin zufolge erwägt Generalbundesanwalt Kay
Nehm, Beschwerde gegen die Entscheidung einzulegen.
Die beiden Männer waren wegen des Verdachts in Untersuchungshaft
genommen worden, den dunkelhäutigen Wasserbauingenieur am
Ostersonntag an einer Straßenbahn-Haltestelle in Potsdam
angegriffen und brutal zusammengeschlagen zu haben. Der 37-jährige
Ermyas M. schwebte zeitweilig in Lebensgefahr und lag wochenlang in
künstlichem Koma. Nehm hatte den Fall wegen eines vermuteten
rechtsextremen Hintergrunds an sich gezogen.
(Quelle: afp)
Engelen-Kefer fällt bei Wahl zur DGB-Vize durch
Mi.24.05.06 - An der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) wird die
streitbare SPD-Politikerin Ursula Engelen-Kefer vom CDU-Mitglied Ingrid
Sehrbrock abgelöst. Sehrbrock setzte sich bei der Kampfabstimmung
um das Amt der DGB-Vizechefin in Berlin mit 212 zu 161 Stimmen gegen
Engelen-Kefer durch. Die Delegierten auf dem DGB-Bundeskongress folgten
damit dem Personalvorschlag der Vorsitzenden der acht
DGB-Einzelgewerkschaften. Zuvor war DGB-Chef Michael Sommer für
weitere vier Jahre im Amt bestätigt worden.
Engelen-Kefer war von der Gewerkschaftsspitze nicht mehr für den
Vize-Posten nominiert worden, die Sehrbrock an ihre Stelle setzen
wollten. Begründet wurde dies vor allem mit dem Alter
Engelen-Kefers von 62 Jahren. Die 57-jährige Sehrbrock ist
fünf Jahre jünger. In ihrer Bewerbungsrede bezeichnete sie es
als ihr Anliegen, Positionen der Gewerkschaften auch in die CDU
hineinzutragen. Neben Engelen-Kefer scheidet auch Heinz Putzhammer aus
Altersgründen aus dem fünfköpfigen DGB-Spitzengremium aus.
Engelen-Kefer hatte ihre Bewerbung bis zuletzt offen gehalten. "Das ist
einer der schwersten Momente in meinem Leben", sagte sie, als sie ihre
Kampfkandidatur bekannt gab. Den Vorhaltungen, sie sei zu alt für
eine neue Amtszeit, begegnete sie mit den Worten: "Ich fühle mich
noch ganz gut und fit und für die Arbeit auch durchaus fähig."
Zwar habe sie zunächst an einen Rückzug gedacht, nachdem sie
nicht mehr nominiert wurde; sie habe dann aber erlebt, "dass ich eine
Unterstützung hatte, die war unglaublich". Ihr Stimmenanteil
betrug dann 43,2 Prozent gegenüber 56,8 Prozent für Sehrbrock.
Die Kandidatur Engelen-Kefers löste auf dem Kongress
vorübergehend große Nervosität aus. Für den
Wahlgang wurden auf Antrag Kabinen aufgestellt, um eine geheime Wahl
sicherzustellen. Auch mussten eilig neue Stimmzettel gedruckt werden.
Sehrbrock sagte auf skeptische Fragen von Delegierten, sie wolle keinen
"Schmusekurs" mit der schwarz-roten Bundesregierung. Vielmehr habe sie
stets Gewerkschaftspositionen engagiert vertreten und dabei auch
Konflikte mit ihrer Partei in Kauf genommen.
Sommers Ergebnis fiel mit einer Zustimmung von 78,4 Prozent deutlich
schlechter aus als bei seinem Amtsantritt vor vier Jahren mit 94,1
Prozent.
(Quelle: afp)
Wohlfahrtsverband fordert höhere 'Stütze'
Mi.24.05.06 - Der Regelsatz für Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II muss nach
Ansicht des Paritätischen Wohlfahrtverbandes (DPWV) um 20 Prozent
auf 415 Euro angehoben werden. "Der derzeit geltende Satz von 345 Euro
reicht nicht aus, um Armut zu verhindern, sondern treibt Menschen in
soziale Not", erklärte DPWV-Hauptgeschäftsführer Ulrich
Schneider in Berlin. Das Bundesarbeitsministerium hatte vergangene Woche
angekündigt, den Regelsatz für Sozialhilfe und
Arbeitslosengeld II für West wie Ost auf 345 Euro festzusetzen.
Schneider kritisierte, bei der Regelsatzberechnung seien Kürzungen
bei einzelnen Ausgabepositionen vorgenommen worden, die fachlich nicht
begründbar seien und mit dem tatsächlichen Bedarf der
Betroffenen nichts zu tun hätten. "Ausgaben für
Kinderbetreuung und Nachhilfeunterricht oder Kursgebühren sind
völlig unter den Tisch gefallen", erklärte er. Bei den Posten
Gesundheit, Nachrichtenübermittlung und Transport seien nicht
vertretbare Abschläge vorgenommen worden. Zudem habe das
Arbeitsministerium bei der Berechnung des aktuellen und zugleich
künftigen Regelsatzes die Preissteigerungen zwischen 2003 und 2006
in Höhe von drei Prozent nicht berücksichtigt.
Der Paritätische Wohlfahrtverband forderte neben einer Anhebung
der Regelsätze um ein Fünftel eine Fortschreibung, die sich an
der Entwicklung der Lebenshaltungskosten und nicht am Rentenwert
orientiere. Zudem müsse ein Bemessungssystem erarbeitet werden, das
die unterschiedlichen Bedürfnisse von Erwachsenen und Kindern
sachgemäß abbilde. Derzeit werde der Regelsatz für
Kinder (207 Euro) von dem der Erwachsenen abgeleitet.
(Quelle: afp)
Rechtsanspruch auf Sterbebegleitung gefordert
Mi.24.05.06 - Die Deutsche Hospiz Stiftung hat für jeden Einzelnen eine
hochprofessionelle Sterbebegleitung gefordert. Dieser Rechtsanspruch
sollte bis zum Sommer in die Gesundheitsreform eingebunden werden,
verlangte Vorstand Eugen Brysch am Dienstag in Berlin. Zu ihrem
zehnjährigen Bestehen stellte die Stiftung einen Entwurf für
ein Gesetz zur Verbesserung der palliativen (auf Beschwerdelinderung
bei unheilbaren Krankheiten ausgerichteten) und hospizlichen Leistung
vor.
Bislang erhielten in Deutschland nur 2,3 Prozent der Schwerstkranken
und Sterbenden eine professionelle palliative Begleitung, erklärte
Brysch. Nach dem Gesetzentwurf müssten rund 660 ambulante
Palliativdienste neu entstehen. Zwei Ärzte, acht Pflegekräfte
und ein Koordinator pro Team könnten eine flächendeckende
Sterbebegleitung in Deutschland sicherstellen.
(Quelle: ap)