Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertachtundneunzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Mindestens acht Tote bei Autobombenanschlag in Bagdad. Italien zieht im
Juni 1.100 Soldaten aus Irak ab. Iraks Außenminister Sebari warnt
Iran vor Massenvernichtungswaffen. Iran sagt direkte Gespräche mit
USA über Irak ab
Sa.27.05.06 - Bei einem Autobombenanschlag in Bagdad sind am Freitagmorgen mindestens
acht Menschen getötet und 31 weitere verletzt worden. Die Bombe
ging nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium bei einem Marktplatz
in der Nähe eines Busbahnhofs im Viertel El Nahda im Stadtzentrum
hoch.
Im Viertel Baja im Süden der irakischen Hauptstadt wurden 18
Menschen verletzt, als ein selbstgebauter Sprengsatz in der Nähe
eines Marktes explodierte, wie aus dem Innenministerium verlautete. In
Mansur im Westen Bagdads gab es demnach ebenfalls bei zwei
Bombenexplosionen mindestens fünf Verletzte.
Am frühen Morgen war ein Polizist bei der Explosion eines
Sprengsatzes in Kirkuk ums Leben gekommen. Vier weitere Menschen wurden
laut Polizei verletzt, als die Bombe am Straßenrand explodierte.
Kirkuk liegt rund 250 Kilometer nördlich von Bagdad.
Italien wird nach Angaben von Außenminister Massimo D'Alema im
kommenden Monat seine Truppen im Irak von 2.700 auf 1.600 Mann
reduzieren. Es war das erste Mal, dass die neue Mitte-links-Regierungen
Zahlen für den von ihr angekündigten Truppenrückzug
nannte. D'Alema äußerte sich in einer Fernsehsendung mehrere
Stunden nach einem Treffen mit Ministerpräsident Romano Prodi.
«Im Juni werden wir unsere Truppen im Irak von 2.700 auf 1.600
reduzieren», sagte er.
Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari hat nach einem
Treffen mit seinem iranischen Kollegen Manuschehr Mottaki am Freitag in
Bagdad indirekt vor Massenvernichtungswaffen in der Region gewarnt.
Sebari erinnerte daran, dass sein Land bereits unter den
Massenvernichtungswaffen gelitten habe, die unter Präsident Saddam
Hussein zum Einsatz kamen. Sein Land erwarte, dass der Iran die
Bemühungen des Irak für Sicherheit und Stabilität
unterstütze. "Wir sind derzeit gegen jede Spannung in der Region,
denn wir glauben, dass dadurch jeder nur verlieren kann", sagte Sebari
auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Mottaki. Generell respektiere
der Irak aber das Recht des Iran auf Nukleartechnologie.
Die iranische Regierung will nun doch nicht direkt mit den USA
über die Lage im Irak verhandeln. Außenminister Manutschehr
Mottaki sagte am Freitag bei einem Besuch in Bagdad zur
Begründung, die Amerikaner hätten die ursprüngliche
Bereitschaft des Irans zu Propandazwecken nutzen wollen und zudem
«andere Themen» angesprochen. Einzelheiten nannte er nicht.
«Sie versuchten, eine negative Atmosphäre zu schaffen, und
deshalb ist die getroffene Entscheidung bis auf weiteres
ausgesetzt», sagte Mottaki. Die US-Regierung hatte ihren
Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad, zu Gesprächen mit Teheran
ermächtigt. Das Atomprogramm Teherans sollte dabei nicht zur
Sprache kommen.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 27.05.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertdreiunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Offenbar mehr zivile Tote bei US-Angriff in Afghanistan als bislang
bekannt
Sa.27.05.06 - Bei einem US-Luftangriff im Süden Afghanistans sind nach
Darstellung einer Menschenrechtsorganisation mehr Zivilpersonen ums
Leben gekommen als bislang bekannt. Abdul Kadar Nursai von der
afghanischen Gruppe Unabhängige Menschenrechtskommission sagte am
Freitag in Kandahar, nach Berichten von Flüchtlingen seien
insgesamt 34 Dorfbewohner getötet worden. Zudem seien weitere 35
«unbekannte Menschen» begraben worden, offenbar militante
Extremisten. Die afghanische Regierung hat bislang von 16
getöteten Zivilpersonen gesprochen. Die US-Streitkräfte
hatten sich für den Angriff vom Sonntag entschuldigt, aber darauf
hingewiesen, dass die Soldaten beschossen worden seien und das Recht
auf Selbstverteidigung gehabt hätten.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hamas ruft Miliztruppe im Gazastreifen zurück
Sa.27.05.06 - Die regierende Hamas-Bewegung der Palästinenser ist offenbar um
Entspannung in den Beziehungen zur Fatah von Präsident Mahmud Abbas
bemüht. Die Hamas zog am Freitag ihre 3.000 Mann starke von den
Straßen im Gazastreifen zurück. Ein Sprecher erklärte,
damit sollten weitere Auseinandersetzungen mit der Fatah vermieden
werden, denen in der vergangenen Woche zehn Menschen zum Opfer gefallen
waren.
Die 3.000 Mann starke schwarz gekleidete Miliz war erst in der
vergangenen Woche aufgestellt worden. Als Ziel ihres Einsatzes wurde die
Sicherung der öffentlichen Ordnung genannt. Die Mitglieder der
Miliz waren am Freitag nicht mehr zu sehen, in den Straßen von
Gaza blieb es ruhig. Hamas-Vertreter betonten aber, die Miliz sei nicht
aufgelöst worden. Es sei nur die Anweisung an die Kämpfer
ergangen, sich an sechs Punkten zu sammeln. Vertreter der Hamas und der
Fatah berieten am Freitag den zweiten Tag, wie die Spannungen beendet
werden können.
Fatah-Vertreter hatten der «schwarzen Miliz» vorgeworfen,
sie planen einen Staatsstreich gegen Präsident Abbas. Dieser hatte
die Hamas erst am Donnerstag herausgefordert, in dem er sie ultimativ
aufforderte, einen palästinensischen Staat an der Seite Israels zu
akzeptieren. Sollte diese Zustimmung nicht innerhalb von zehn Tagen
kommen, werde er eine Volksabstimmung anberaumen. Die Hamas lehnt ein
Existenzrecht für Israel bislang ab.
Durch die Haltung der Hamas sind die Palästinenser international
isoliert, die EU und USA haben viele Hilfsgelder gestoppt. Als
Ansprechpartner wird auch von vielen Israelis nur noch Präsident
Abbas akzeptiert. Offenbar um ihn zu stärken, billigte die
israelische Regierung Waffenlieferungen für die
Sicherheitskräfte von Abbas. Die Waffen würden von einem
Drittland geliefert, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums,
Amos Gilad.
(Quelle: ap)
Friedensgespräche in Nepal aufgenommen
Sa.27.05.06 - Zehn Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs im Himalaja-Staat Nepal
haben in der Hauptstadt Kathmandu Friedensgespräche begonnen.
Ministerpräsident Girija Prasad Koirala traf am Freitag mit dem
Chefunterhändler der kommunistischen Rebellen, Krishna Mahara,
zusammen. Wie lange die Gespräche dauern werden, war zunächst
nicht abzusehen. Innenminister Krishna Sitaula erklärte vor Beginn
der Beratungen, es gebe «keine Differenzen» zwischen beiden
Seiten. «Die Gespräche sollten erfolgreich sein.»
Ermöglicht wurden die Friedensgespräche vom Regierungswechsel
im vergangenen Monat. König Gyanendra hatte sich nach wochenlangen
Streiks und Demonstrationen bereit erklärt, seine Alleinherrschaft
aufzugeben. Die neue Regierung ließ mehrere hundert inhaftierte
Rebellen frei und erklärte sich zur Erneuerung der Verfassung
bereit. Die Rebellen, die sich nach eigenen Angaben am chinesischen
Revolutionsführer Mao Tse-Tung orientieren, kämpfen seit 1996
für die Abschaffung der Monarchie. Sie streben einen
kommunistischen Staat an.
(Quelle: ap)
Lebenslange Haft für Geiselnehmer von Beslan
Sa.27.05.06 - Mehr als eineinhalb Jahre nach dem Geiseldrama in der Schule von Beslan
ist der vermutlich einzige überlebende Attentäter am Freitag
wegen Mordes und Terrorismus zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die
von der Staatsanwaltschaft beantragte Todesstrafe könne aus
rechtlichen Gründen nicht verhängt werden, sagte der
Vorsitzende Richter Tamerlan Agusarow vom Obersten Gerichtshof von
Nordossetien.
Die Verlesung des Urteils gegen Nur Paschi Kulajew begann bereits am
Dienstag vergangener Woche und zog sich über eineinhalb Wochen hin.
Kulajew hat zugegeben, an dem Überfall auf die Schule von Beslan
teilgenommen zu haben, hat aber den Vorwurf zurückgewiesen, selbst
jemanden getötet zu haben. Bei der Geiselnahme und der
anschließenden Erstürmung der Schule durch russische
Sicherheitskräfte kamen 331 Menschen ums Leben, die meisten davon
Kinder.
Das Gericht befand Kulajew schuldig, eine Bombe gezündet und sich
an der Erschießung von 16 Geiseln beteiligt zu haben. Er soll auch
Kinder und andere Geiseln erschossen haben, die am dritten Tag zu
fliehen versucht hatten. Er trage auch eine Verantwortung für den
Tod der vielen Menschen und des Sachschadens in Höhe von 34
Millionen Rubel (eine Millione Euro). «Kulajew verdient die
Todesstrafe, aber er wird wegen des Moratoriums zu einer lebenslangen
Gefängnisstrafe verurteilt», sagte Richter Agusarow.
Das Strafmaß entzweite die Angehörigen der Opfer, vor dem
Gericht kam es zu lautstarken Diskussionen. «Ich habe die
Todesstrafe erwartet und es ist nicht gerecht, dass er zu lebenslanger
Haft verurteilt wurde», sagte Rita Sidakowa von der Organisation
der Mütter von Beslan. Er ist schuld am Tod hunderter Menschen, er
lebt aber weiter, und meine Tochter ist tot.»
Dem entgegnete Ella Kessajewa von der rivalisierenden Organisation
Stimmen von Beslan, Kulajew sei als Zeuge viel zu wertvoll. Dass er
weiter lebe, «gibt uns die Hoffnung, dass alle Umstände des
Terroraktes aufgeklärt werden. Wir hoffen, die Wahrheit über
Beslan zu erfahren», sagte Kessajewa.
Überlebende und Angehörige der Opfer machen den russischen
Behörden schwere Vorwürfe. Sie kritisieren, dass sich die
Terroristen mit ihrer schweren Bewaffnung ungehindert in der Region
bewegen konnten. Und sie halten den Sicherheitskräften vor, mit dem
Einsatz schwerer Waffen bei der Erstürmung den Tod zahlreicher
Menschen mitverschuldet zu haben.
(Quelle: ap)
Deutsche Hilfsorganisation fordert mehr Unterstützung für den
Kongo
Sa.27.05.06 - Die Hilfsorganisation «CARE International Deutschland»
hält den geplanten Bundeswehreinsatz in der kongolesischen
Hauptstadt Kinshasa und deren Umland für nicht ausreichend. Der
Vorstandsvorsitzende der Organisation, Heribert Scharrenbroich, forderte
am Freitag in Berlin mehr Unterstützung für den Osten des
Kongo. Die Befriedung des Landes werde auch im Osten entschieden,
argumentierte er.
Scharrenbroich appellierte an die Politik, mit der kongolesischen
Regierung und der internationalen Gemeinschaft ein Konzept für die
Befriedung des Ostens zu entwickeln. Besonders in der Provinz Katanga
spiele sich täglich eine «schreckliche politische und
humanitäre Katastrophe» ab, sagte er. Täglich kämen
dort neue Bürgerkriegstote hinzu, in der Region fehlten
Lebensmittel, eine Betreuung der Opfer sowie ein politisches, soziales
und ökologisches Konzept. Scharrenbroich forderte, dass bei
zukünftigen Einsätzen der Bundeswehr im Land die
humanitäre Seite mehr bedacht werden müsse.
Gleichwohl begrüßte er den Einsatz der Bundeswehr. Dies sei
ein Zeichen von Solidarität mit den Menschen im Kongo und gebe
ihnen Hoffung. Die Hoffnung werde aber nur Bestand haben, wenn es
wirkungsvollen Schutz der Demokratie auch nach den Wahlen gebe, sagte
Scharrenbroich.
Der Bundeswehreinsatz ist auf vier Monate begrenzt und beginnt mit den
Wahlen im Kongo. Neben 500 Soldaten nehmen 280
Unterstützungskräfte teil. Die ersten Soldaten sollen Mitte
Juli in den Kongo verlegt werden.
(Quelle: ddp)
Lebenshaltung in Deutschland wegen Energiekosten teuerer
Sa.27.05.06 - Die teure Energie hat auch im Mai die Budgets der deutschen Verbraucher
belastet.
Von April auf Mai kletterten die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent, wie
das Statistische Bundesamt am Freitag nach vorläufigen Berechnungen
auf Basis von Daten aus sechs Bundesländern mitteilte. Die
Inflation verlangsamte sich auf 1,9 von 2,0 Prozent.
Der Hauptpreistreiber im Jahresvergleich war erneut die Energie. Mit
einer Teuerung zwischen 25 und 33 Prozent machte Heizöl den
größten Preissprung innerhalb eines Jahres. Aber auch Gas
kostete rund 20 Prozent mehr als im Mai 2005, Strom legte zum Beispiel
in Brandenburg um fast sieben Prozent zu. "Lediglich die Energie
hält die Teuerung im Bereich von zwei Prozent", sagte Matthias
Rubisch von der Commerzbank. Der zu Grunde liegende Preisauftrieb sei
niedrig. Ohne die hohen Energiekosten hätte die Inflation in den
sechs Bundesländern bis zu 0,9 Prozentpunkte niedriger gelegen.
Saisonüblich stiegen die Preise für Nahrungsmittel und
Ferien. So mussten Urlauber gut ein Prozent mehr für eine
Pauschalreise bezahlen als im April, die Übernachtungen in
Ferienwohnungen kostete in Brandenburg vier Prozent mehr. Nahrungsmittel
verteuerten sich um knapp ein Prozent. Auf der anderen Seite konnten
die Verbraucher Kleidung und Schuhe vielerorts rund 0,5 Prozent
billiger erstehen als vor einem Monat.
Die Inflation entwickelte sich damit weitgehend, wie von den Analysten
erwartet: "Diese Daten sind nicht dazu angetan, neue Inflationssorgen
aufkommen zu lassen", sagte Uwe Dürkop von der Bankgesellschaft
Berlin. Zum Jahreswechsel werde die Inflation jedoch nochmals auf bis zu
drei Prozent ansteigen - nicht zuletzt wegen der Erhöhung der
Mehrwertsteuer, sagte Stephan Rieke von der BHF-Bank.
Der für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB)
maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) stieg
innerhalb eines Monats um 0,2 Prozent und lag damit 2,1 Prozent
über dem Vorjahr. "Die EZB muss aber wegen der derzeitigen
Inflation nicht entschieden gegensteuern", sagte Dürkop. Sie werde
wohl in diesem Jahr die Zinsen noch weiter erhöhen, im
nächsten Jahr aber nicht mehr.
(Quelle: rtr)
VW stockt Abfindungsangebot für Beschäftigte auf
Sa.27.05.06 - Volkswagen will im Zuge des Personalabbaus in den deutschen Werken
Beschäftigten das freiwillige Ausscheiden mit höheren
Abfindungen schmackhaft machen als bisher.
"Wir werden den Mitarbeitern ein weiteres Abfindungsangebot machen",
sagte ein VW-Sprecher am Freitag. "Details und Zahlen dazu geben wir
nicht öffentlich bekannt, sondern die werden wir erst einmal den
Mitarbeitern nennen", fügte er hinzu. Bislang haben offenbar nur
wenige hundert Beschäftigte das Angebot von VW angenommen, wie die
"Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) am Freitag unter Berufung auf
Unternehmenskreise berichtete. Das höhere Angebot sehe nun im
Extremfall eine Summe von 250.000 Euro vor, wenn jemand schnell
unterschreibe. VW wollte dies nicht kommentieren.
Experten rechnen damit, dass der Wolfsburger Autobauer sich auf das
Niveau des Konkurrenten Mercedes zubewegt, der ebenfalls mehrere tausend
Beschäftigte mit hohen Abfindungen zum vorzeitigen Ausscheiden
gedrängt hat. Für rund 8.500 Beschäftigte, die bis zum
Herbst das Unternehmen verlassen haben sollen, hat der Mutterkonzern
DaimlerChrysler rund 950 Millionen Euro zur Verfügung. Im Schnitt
bedeutet das eine Abfindung von gut 110.000 Euro. Im Einzelfall sind
bis zu 275.000 Euro drin.
Volkswagen verfolgt bei seiner Kernmarke VW ebenfalls einen
Sanierungskurs und hat in seinen sechs westdeutschen Werken bis zu
20.000 Arbeitsplätze in Frage gestellt, ein Fünftel der
Belegschaft. Allein bis zu 14.000 davon dürften in den
nächsten Jahren in vorgezogenen Ruhestand gehen. Damit müssten
sich noch bis zu 6000 Mitarbeiter bereit erklären, freiwillig
gegen eine Abfindung auszuscheiden. Kündigungen sind durch den im
November 2004 geschlossenen Tarifvertrag bis 2011 ausgeschlossen.
Über die Sanierungsschritte laufen Verhandlungen mit der
Arbeitnehmervertretung.
Dem VW-Sprecher zufolge soll das neue Angebot 85.000 Beschäftigten
in den sechs westdeutschen Werken nächste Woche zugestellt werden.
Dem Zeitungsbericht zufolge ist das neue Abfindungsangebot vor allem
für jüngere Mitarbeiter attraktiver geworden, die erst kurz im
Betrieb arbeiten.
(Quelle: rtr)
Große Lehrstellen-Lücke droht
Sa.27.05.06 - Bis zu 40 000 Jugendliche könnten im Herbst ohne Lehrstelle
dastehen - das fürchtet die Bundesagentur für Arbeit. Die
Bundesregierung rechnet mit 30 000 fehlenden Lehrstellen.
Hintergrund der Lehrstellenmisere ist der neuerliche Rückgang beim
Ausbildungsplatzangebot vor allem in den alten Bundesländern. Laut
Arbeitsministerium könnten mehr als 30 000 Jugendliche leer
ausgehen, wenn die Wirtschaft in den nächsten Monaten nicht
kräftig zulegt. Müntefering hatte am Mittwoch im Kabinett
seine Sorgen vorgetragen. Sie würden von der Kanzlerin geteilt,
sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm anschließend. Für
diesen Montag planen Bundesregierung und Wirtschaft einen Aktionstag
zur Werbung neuer Lehrstellen.
Müntefering betonte, statt von nicht ausbildenden Unternehmen eine
Ausbildungsplatzabgabe zu verlangen, gelte es vielmehr, jene Firmen zu
unterstützen, die guten Willen zeigten. Der Arbeitsminister
kritisierte, dass die Hälfte der Unternehmen in Deutschland nicht
ausbilde. DGB-Chef Michael Sommer hielt Müntefering vor, dass die
damalige rot-grüne Regierung bei der Ausbildungsplatzumlage
eingeknickt sei und mit der Wirtschaft einen Ausbildungspakt
abgeschlossen habe. «Dieser Pakt bringt nichts», weil sich
die Wirtschaft nicht danach richte, sagte Sommer und fügte hinzu:
«Deswegen muss die Politik handeln.»
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren Ende April - vier
Monate vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres - bei den
Arbeitsämtern noch 371 000 Jugendliche als unversorgt registriert.
Dies sind 47 700 oder fast 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Bundesweit
sind noch 155 300 Lehrstellen unbesetzt. Insgesamt bot die Wirtschaft
bis Ende April den Arbeitsämtern knapp 335 000 betriebliche
Lehrstellen zur Vermittlung an - 3,4 Prozent weniger als im Vorjahr.
Während das Angebot im Osten stagniert, wurden im Westen
Rückgänge verzeichnet.
Die Lehrstellendaten der Bundesagentur spiegeln nur einen Teil der
aktuellen Lage auf dem Lehrstellenmarkt wider, da Jugendliche und
Betriebe auch ohne Einschaltung der Arbeitsämter Lehrverträge
abschließen. Dennoch zeigt die monatliche Statistik
erfahrungsgemäß den aktuellen Trend auf dem Lehrstellenmarkt.
(Quelle: dpa)
Fremdenfeindliche Angriffe halten Polizei in Atem
Sa.27.05.06 - Gut zwei Wochen vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft sorgen
ausländerfeindliche Übergriffe in Deutschland für
negative Schlagzeilen.
Am Himmelfahrtstag und in der Nacht zum Freitag nahm die Polizei in
Berlin, Weimar und Wismar fast 30 Personen fest, die Ausländer
angepöbelt und geschlagen hatten. Bei dem Überfall auf eine
private Feier in der thüringischen Kulturhauptstadt Weimar wurde
eines der Opfer erheblich am Kopf verletzt. Der EKD-Ratsvorsitzende
Wolfgang Huber sieht im Rechtsextremismus ein besonderes Problem der
neuen Bundesländer. Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau von
der Linkspartei forderte eine Parlamentsdebatte über die Ursachen
des Rechtsextremismus und seine Bekämpfung.
In Weimar überfielen am Donnerstag acht Männer eine private
Feier. Nach Angaben der Erfurter Staatsanwaltschaft riefen sie
ausländerfeindliche Parolen und verprügelten zwei Mosambikaner
und einen Kubaner. Eines der Opfer habe ein Schädel-Hirn-Trauma
erlitten, Lebensgefahr bestehe jedoch nicht. Die acht
Tatverdächtigen seien festgenommen worden. In Berlin nahm die
Polizei insgesamt 14 Menschen nach fremdenfeindlichen Übergriffen
fest. Im Stadtteil Prenzlauer Berg hatten am Donnerstag vier
Männer einen Türken angegriffen und leicht verletzt. Zwei der
Tatverdächtigen seien der Polizei als Gewalttäter bekannt.
Bei zwei weiteren Zwischenfällen seien ein Libanese und ein
Afrikaner angepöbelt worden. Danach gab es zehn Festnahmen. In
Wismar in Mecklenburg-Vorpommern misshandelten fünf später in
Gewahrsam genommene Männer auf einem Flohmarkt einen Inder, der
nach Angaben der Staatsanwaltschaft Schwerin leicht verletzt wurde.
Nach Auffassung des EKD-Ratsvorsitzenden Huber ist vor allem
Ostdeutschland vom Rechtsextremismus betroffen. Auch wenn es das
Phänomen in anderen Teilen Deutschlands ebenfalls gebe, sei es in
den neuen Ländern besonders zugespitzt, sagte der Bischof der
Evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg der "Berliner Zeitung". In
Ostdeutschland gebe es Fremdenfeindlichkeit ohne Fremde. "Die wenigen
Menschen mit anderer Hautfarbe, die sich im Osten bewegen, sind dann
tatsächlich besonders gefährdet." Die Abwanderung aus den
neuen Ländern verstärke das Problem. Unter denen, die blieben,
sei ein besonders hoher Anteil von Menschen, die sich wegen schlechter
Ausbildungs- und Berufschancen von der Gesellschaft enttäuscht
abwendeten. Sie suchten vielfach ihr Heil bei Rechtsextremisten.
Bundestagsvizepräsidentin Pau forderte, das Parlament müsse
sich mit dem Rechtsextremismus befassen. Bundesweit habe es 2005
täglich drei rechte Gewalttaten gegeben. Die reale Zahl liege weit
darüber. Der Bundestag habe seit Jahren aber nicht ernsthaft
über das Thema diskutiert. Das müsse nun getan werden.
(Quelle: rtr)
Jugendlicher Amokläufer sticht in Berlin 25 Menschen nieder
Sa.27.05.06 - Kurz nach den Feiern zur Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs hat ein
Jugendlicher im Berliner Regierungsviertel 25 Menschen niedergestochen.
Vier von ihnen erlitten schwere Verletzungen, wie die Polizei in der
Nacht zum Samstag mitteilte. Der 17 Jahre alte Täter wurde
festgenommen. Er stammt den Angaben zufolge aus dem Berliner Stadtteil
Neukölln und ist einschlägig polizeibekannt. Sein Motiv lag
zunächst völlig im Dunkeln, unklar war auch, ob er unter
Alkohol oder Drogen stand.
Der Jugendliche wanderte in der Nähe des Reichstags in der
Menschenmenge umher und stach willkürlich auf zahlreiche Passanten
ein, wie Polizeisprecher Bernhard Schodrowski der Nachrichtenagentur AP
sagte. Der erste Notruf ging am Freitagabend gegen 23.30 Uhr ein,
insgesamt waren elf Notarztwagen im Einsatz. Es sei nicht
auszuschließen, dass es noch weitere Opfer gebe, sagte
Schodrowski. Von den Schwerverletzten befinde sich keiner in akut
lebensbedrohendem Zustand.
Die Einweihung des neuen Berliner Hauptbahnhofs war zuvor mit einer
gigantischen Lichtshow zu Ende gegangen. Rund eine halbe Million
Menschen hatte das Spektakel zwischen Kanzleramt und Bahnhof verfolgt.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Reagenzglasbabys wachsen ganz normal auf
Sa.27.05.06 - Reagenzglasbabys haben einer Berliner Studie zufolge in ihren ersten
Lebensjahren kein schlechteres Verhältnis zu ihren Eltern als
Kinder, die auf normalem Wege entstanden sind.
Das geht aus Untersuchungen von Prof. Heribert Kentenich, Chefarzt der
DRK-Frauenklinik Berlin Westend, hervor, die er auf der 30. Jahrestagung
für Sexualmedizin (24.-27.5.) in Berlin präsentierte.
Kentenichs Team begleitete dazu 47 Paare mit IVF-Kind (in vitro
fertilisation) und 45 Paare mit normal gezeugtem Nachwuchs über
drei Jahre hinweg.
«Nach der Geburt der ersten IVF-Kinder kam die Befürchtung
auf, dass die Besonderheit der Zeugung zu einer Veränderung der
Eltern- Kind- Beziehung führt. Aber die psychische Entwicklung der
Kinder ist normal», sagte Kentenich. Allerdings räumte er
ein, dass die Teilnahmebereitschaft bei Eltern höherer sozialer
Schichten größer gewesen sei. Ein repräsentativer
Durchschnitt kam deshalb nicht zu Stande.
Ergänzend hat Kentemich zwei britische Studien ausgewertet, die
auch den weiteren Entwicklungsverlauf von älteren Kindern sowie von
Kindern aus Fremdsamen- und Eizellspenden berücksichtigten
(Gombolek et al., Human Reproduction 2002 und 2004). «Es gibt
lediglich einige Hinweise, dass das elterliche Verhalten
überfürsorglich ist. Psychologisch gesehen ist das
'Auffällige' der Nachuntersuchungen zu den Kindern sowie der
Eltern-Kind-Beziehung das Faktum, dass sie als 'unauffällig' zu
bezeichnen sind», resümiert Kentemich.
(Quelle: dpa)
Feldstudie bestätigt: Aids kam von Schimpansen in Kamerun
Sa.27.05.06 - Vermutet hatten es Aidsforscher schon lange, jetzt gelang endlich auch
der Nachweis: Der Aidserreger HIV wurde von wilden Schimpansen in Afrika
auf den Menschen übertragen. Ein internationales Forscherteam
sammelte in der Wildnis des zentralafrikanischen Kameruns 446 Kotproben
von frei lebenden Schimpansen.
In etlichen dieser Proben fanden die Wissenschaftler die
Antikörper zu SIV, der Schimpansenversion und engsten Verwandten
von HIV, wie sie in einer Online-Veröffentlichung des
US-Fachjournals «Science» vom Donnerstag berichten. Bislang
war SIV stets nur bei Schimpansen in Gefangenschaft nachgewiesen worden,
betont das Journal.
Bis zu 35 Prozent der Schimpansen in den untersuchten Gemeinschaften
waren infiziert, schreibt das Team um Beatrice Hahn von der
Universität von Alabama in Birmingham (USA). Die Analyse
förderte sogar 34 Proben zu Tage, bei denen die gefundenen SIV-
Antikörper der Affen auch mit menschlichen HIV-1-Antigenen
reagierten. In 12 Fällen waren die Testergebnisse der Affen
«so gut wie nicht mehr zu unterscheiden» von Kontrolltests
an HIV-1- infizierten Menschen. Hahn und andere Forscher waren schon
früher zu dem Schluss gekommen, dass die erste HIV-1-Infektion
eines Menschen bereits im frühen 20. Jahrhundert durch einen
Schimpansen in Kamerun erfolgt sein muss.
Nach den neuen Erkenntnissen von Hahns Team, dem auch Forscher aus
Europa und Afrika angehören, sind Kameruns Schimpansen aber nicht
die ursprüngliche Quelle des Erregers. Sie selbst hätten sich
bei anderen Affenarten im westlichen Zentralafrika mit SIV oder einem
Vorläufer dieses Virus infiziert. Damit hat der Aidserreger schon
zwei Mal die Artengrenze übersprungen, zuerst vom Affen zum
Menschenaffen und später vom Menschenaffen zum Menschen.
(Quelle: dpa)
Synthetische Biologie
Lebewesen aus der Retorte... Mehr in der taz vom 26.05.06:
http://www.taz.de/pt/2006/05/26/a0190.1/text
Mendel'sche Vererbungsgesetze widerlegt
Französische Forscherin zeigt erstmals, dass die Weitergabe von
Erbinformationen zumindest bei Mäusen nicht nur über die DNA
erfolgt... Mehr in der taz vom 26.05.06:
http://www.taz.de/pt/2006/05/26/a0194.1/text