Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertundersten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mehr als 30 Tote bei Bombenanschlägen. US-Abgeordneter wirft Armee
Vertuschung im Fall des Massakers an 24 Irakern in der irakischen Stadt
Haditha vor
Di.30.05.06 - Eine Serie von Bombenanschlägen hat am Montag im Irak mehr als 30
Menschen in den Tod gerissen. Fast 100 wurden verletzt.
Nahe Basra wurden zehn irakische Arbeiter getötet, die in einem
öffentlichen Bus auf dem Weg zur Arbeit waren. Zwölf weitere
wurden nach Polizeiangaben verletzt. Die Opfer waren Arbeiter auf einem
Stützpunkt der iranischen Oppositionsgruppe Mudschahedin Chalk.
Mindestens sieben Menschen kostete die Explosion einer Autobombe vor
einem Markt für Second-Hand-Kleidung in Bagdad das Leben, 20 wurden
verletzt. Bei der Detonation einer in einem Fahrzeug versteckten Bombe
nahe der sunnitischen Abu-Hanifa-Moschee wurden neun Iraker
getötet und etwa 25 verletzt, wie Krankenhausärzte berichteten.
Weiteren Sprengstoffanschlägen in Bagdad fielen nach
Polizeiangaben drei Polizisten und vier Zivilpersonen zum Opfer. Vier
weitere Polizisten wurden in Bagdad und Amara auf offener Straße
erschossen. In der südirakischen Stadt Basra wurden am Sonntagabend
zwei britische Soldaten bei der Explosion einer Bombe am
Straßenrand getötet, wie das Verteidigungsministerium in
London am Montag mitteilte. Zwei weitere Briten seien verletzt worden.
Im Prozess gegen den früheren Präsidenten Saddam Hussein bot
die Verteidigung am Montag Zeugen auf, die der damaligen Justiz im Fall
der Todesurteile von Dudschail ein ausgewogenes Verfahren bescheinigten.
Saddam Hussein und sieben Mitangeklagte müssen sich wegen des
Massakers von Dudschail verantworten, bei dem 1982 insgesamt 148
Menschen getötet wurden. Die Anklage geht von einem Scheinprozess
aus.
Der einflussreiche demokratische US-Abgeordnete John Murtha hat der
US-Amee Vertuschung des Massakers an 24 Irakern in der irakischen Stadt
Haditha vorgeworfen. "Es gibt keinen Zweifel daran, dass die
Militärs versucht haben, die Affäre zu vertuschen", sagte
Murtha dem US-Fernsehsender ABC. Die erste Version habe gelautet, die
Iraker seien durch Sprengsätze ums Leben gekommen. Am nächsten
Tag seien Ermittler vor Ort gewesen, aber niemand habe etwas gesagt,
sagte Murtha. Bis März, als das US-Magazin "Time" die Sache ans
Licht gebracht habe, hätten alle geschwiegen. Jetzt müsse
aufgedeckt werden, bis auf welche Ebenen die Affäre reiche. "Wann
wurde er (der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs, General Peter
Pace) informiert. Hat er Order gegeben, die Affäre zu
vertuschen?", fragte Murtha.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 30.05.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertsechsunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.30.05.05 - Beispielloser Einsatz gegen Aufständische im Irak: 500
Verdächtige bei Operation 'Blitz' festgenommen +++ Anschlag vor
Ölministerium in Bagdad +++ Neun irakische Soldaten bei Anschlag in
Bagdad getötet...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0505300.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Afghanistan: Schwerste Unruhen in Kabul seit Sturz der Taliban
Di.30.05.06 - Ein von US-Truppen verursachter Verkehrsunfall hat am Montag in Kabul
die schwersten Unruhen seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001
ausgelöst. Mindestens acht Menschen seien getötet und 107
verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Bei den
Protesten wurden Geschäfte geplündert und Polizeiautos in
Brand gesteckt. Hunderte aufgebrachte Afghanen zogen zum Palast von
Präsident Hamid Karsai und skandierten: «Tod Karsai! Tod
Amerika!». Diese verurteilte die Proteste und nannte die
Demonstranten Agitatoren.
Karsai rief die Menschen in einer Fernsehansprache auf, sich gegen die
Plünderer zu stellen. «Wir erkennen in den Menschen, die
dies tun, die Feinde Afghanistans», sagte Karsai mit Bezug auf
die radikalislamischen Taliban, die ihren Einfluss in jüngster
Zeit wieder ausweiten konnten. «Steht auf gegen diese Agitatoren
und lasst nicht zu, dass unser Land wieder zerstören.»
Hunderte afghanische und NATO-Soldaten bezogen in der Hauptstadt mit
Panzern Stellung. Am Abend verhängte die Regierung ein
Ausgehverbot für die Hauptstadt.
Die Randalierer plünderten auch ein Gebäude der
Hilfsorganisation CARE. Aus Richtung der amerikanischen Botschaft waren
Schüsse zu hören, das Personal wurde an einem sicheren Platz
innerhalb des stark gesicherten Gebäudes zusammengezogen, wie ein
Sprecher mitteilte. Zu der antiamerikanischen Stimmung dürfte auch
der Luftangriff auf das Dorf Asisi im Süden Afghanistans
beigetragen haben, bei dem vor gut einer Woche mindestens 16
Zivilpersonen getötet wurden.
Auslöser der Ausschreitungen war ein tödlicher
Verkehrsunfall, über dessen Hergang es unterschiedliche
Darstellungen gab. Ein Sprecher der US-geführten Streitkräfte
erklärte, ein großer Lastwagen habe wegen technischer
Probleme an einer belebten Kreuzung zwölf Fahrzeuge gerammt.
Mindestens ein Mensch sei ums Leben gekommen und sechs seien verletzt
worden. Nach Berichten von Augenzeugen fuhren drei US-Geländewagen
in einen Stau. Ein Polizeisprecher sagte, mindestens drei Menschen
seien getötet und 16 verletzt worden.
«Der amerikanische Konvoi hat alle Fahrzeuge in seinem Weg
gerammt. Sie kümmerten sich überhaupt nicht um die
Zivilisten», sagte der Ladenbesitzer Mohammad Wali.
Amerikanische und afghanische Truppen schossen nach Polizeiangaben im
Anschluss auf Demonstranten, die «Nieder mit Amerika»
skandierten und Steine warfen. Ein Demonstrant sei von US-Soldaten
erschossen worden, erklärten zwei Polizeisprecher. Der Sprecher
der internationalen Truppe, Oberst Thomas Collins, sagte, die Besatzung
eines Militärfahrzeugs habe über die Menge in die Luft
geschossen. «Dies war ein tragischer Zwischenfall», sagte
er und sagte den afghanischen Behörden volle Unterstützung
bei der Untersuchung zu. Man bedauere zutiefst, dass Menschen zu
Schaden gekommen seien.
Es gab bereits häufig Beschwerden über
US-Militärkonvois, die mit hohem Tempo durch belebte Stadtviertel
fahren. Die Streitkräfte begründeten dies mit Risiko von
Anschlägen.
Zunächst war unklar, ob zu den acht offiziell bestätigten
Toten auch die Opfer des Unfalls gezählt wurden. Ausländer
wurden laut Regierung weder getötet noch verletzt.
Bilder der Fernsehnachrichtenagentur APTN zeigten hunderte junger
Männer, die Steine in Richtung von US-Militärfahrzeugen
schleuderten, ein auf einem Geländewagen montiertes
Maschinengewehr feuerte in die Luft. Ein AP-Reporter sah, wie mehrere
Demonstranten einen Mann, offenbar einen westlichen Ausländer, aus
einem Wagen zogen und ihn schlugen. Ihr Opfer konnte sich bei
Polizisten in Sicherheit bringen, die in die Luft schossen. Ein
AP-Reporter und ein APTN-Kameramann wurden geschlagen, blieben aber
unverletzt.
Bei einem Luftangriff auf ein Versteck mutmaßlicher
Taliban-Kämpfer im Süden des Landes wurden am Sonntagabend
mehr als 50 Aufständische getötet, wie der Vizegouverneur von
Helmand, Amir Mohammed Akhunzada, am Montag mitteilte. Ein
US-Militärsprecher bestätigte, es seien zwei 500-Pfund-Bomben
auf ein Taliban-Versteck abgeworfen worden und es habe viele Tote
gegeben. Zuvor seien afghanische Soldaten von den Taliban-Kämpfern
angegriffen worden.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hamas lehnt Anerkennung Israels weiter ab
Di.30.05.06 - Die seit rund zwei Monaten regierende palästinensische Hamas lehnt
die Anerkennung des Existenzrechts Israels weiter ab. Auch eine
Volksabstimmung zu diesem Thema in den palästinensischen Gebieten
sei reine Geldverschwendung, sagte Außenminister Mahmud Sahar am
Montag auf einem Treffen der Bewegung der blockfreien Staaten in
Malaysia.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat
angekündigt, das Existenzrecht Israel in einem Referendum zur
Abstimmung stellen zu wollen. Er hat die Hamas ultimativ aufgerufen,
einen palästinensischen Staat an der Seite Israels zu akzeptieren.
Er setzte dafür eine Frist von zehn Tagen, die Ende der Woche
abläuft.
«Israel wird uns keine Chance geben, einen unabhängigen
Staat zu errichten», sagte Sahar der Nachrichtenagentur AP.
«Niemand kann Israel trauen. Niemand kann den USA trauen. Amerika
erwürgt unser Volk.» Auf die Frage, wie die Aussichten auf
eine Belebung der palästinensisch-israelischen Verhandlungen
seien, sagte Sahar: «Es gibt keinen Friedensprozess. Wie haben
viele Jahre für nichts verhandelt.»
Vertreter der Hamas und der Fatah hatten sich am Sonntag auf
Verhandlungen verständigt, in denen ein Weg aus der
internationalen Isolation gefunden werden soll, in die die
Palästinenser durch die Regierungsübernahme der Hamas geraten
sind. Zu den Verhandlungen am Montag erschien der Hamas-Vertreter aber
zunächst nicht. Er sei an einer israelischen Straßensperre
aufgehalten worden, teilte ein Sprecher der Fatah mit.
Wegen der Weigerung der radikalislamischen Organisation, ihre
israelfeindliche Position zu mäßigen, hat die internationale
Gemeinschaft die finanzielle Unterstützung weitgehend ausgesetzt.
In Brüssel kündigte eine Sprecherin der EU-Kommission am
Montag an, dass es bald Vorschläge für weitere Hilfen an die
Palästinenser unter Umgehung der von der Hamas geführten
Regierung geben werde. Dies könne schon Ende der Woche der Fall
sein.
Israelische Soldaten verhinderten am Montag im Westjordanland offenbar
einen Selbstmordanschlag von Palästinensern. Zwei Männer
wurden nach einer Verfolgungsjagd festgenommen. Sie warfen auf ihrer
Flucht einen Sack weg, in dem sich nach israelischen Angaben sieben
Kilogramm Sprengstoff befanden, die mit Nägel und Metallteilen
versetzt waren. In der Nähe der Grenzbefestigung zwischen Israel
und dem Gazastreifen wurde zudem ein Palästinenser erschossen.
Nach Angaben der israelischen Streitkräfte wollten offenbar drei
Männer einen Anschlag begehen. Das militante palästinensische
Volkswiderstandskomitee erklärte, bei dem Opfer habe es sich um
eines seiner Mitglieder gehandelt.
(Quelle: ap)
Kein Ende der Gewalt in Osttimor
Di.30.05.06 - In Osttimor haben erneut marodierende Banden Angst und Schrecken
verbreitet. Mit Macheten bewaffnete Männer stürmten am
Dienstag das Büro der Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt Dili
und plünderten das Gebäude. Auch in anderen Gegenden Dilis
kam es zu Gefechten und Brandstiftungen. Tausende Flüchtlinge
versammelten sich vor einem Lagerhaus, wo kostenloser Reis ausgegeben
wurde. Australische Soldaten bemühten sich, die Ordnung
aufrechtzuerhalten.
Die politische Führung des Landes setzte unterdessen ihre
Krisensitzung fort, bei der über das weitere Vorgehen beraten
wurde. Australische und osttimorische Soldaten bewachten den Palast.
Vor dem Gebäude forderten Demonstranten den Rücktritt von
Ministerpräsident Mari Alkatiri. Bereits am Wochenende waren
marodierende Banden durch die Hauptstadt gezogen. Mindestens 50.000
Einwohner sind geflohen oder suchen Schutz in Übergangslagern.
(Quelle: ap)
China: Tiananmen-Mütter fordern Entschädigung von Peking
Di.30.05.06 - Kurz vor dem Jahrestag des Massakers auf dem Platz des Himmlischen
Friedens haben Angehörige der Opfer ihre Forderung nach
Entschädigung von der chinesischen Regierung bekräftigt. Die
Gruppe der Tiananmen-Mütter erklärte am Montag in einem
offenen Brief, das Land befinde sich in einem kritischen Moment der
friedlichen Transformation. Die Regierung müsse daher Ereignisse
von historischer Bedeutung neu bewerten, darunter auch die blutige
Niederschlagung der Demokratiebewegung vor 17 Jahren.
Die Mütter forderten in dem Brief eine Entschuldigung der
Verantwortlichen und Entschädigungszahlungen für die
Hinterbliebenen. Außerdem müsse die Regierung ihre
Beobachtung der Angehörigen einstellen und ihnen erlauben, der
Opfer zu gedenken. Die chinesischen Gerichte weigern sich bisher, eine
Klage der Tiananmen-Mütter anzunehmen, in denen sie fordern, dass
die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Nach offizieller
chinesischer Darstellung wurde am 3. und 4. Juni 1989 ein
konterrevolutionärer Aufruhr beendet. Hunderte, möglicherweise
tausende Menschen kamen ums Leben.
(Quelle: ap)
Japan wegen illegaler Holzimporte unter Beschuss
Di.30.05.06 - Umweltschützer haben beim Pacific Islands Leaders Meeting (PALM4)
in Okinawa ein 450 Quadratmeter großes Transparent enthüllt,
auf dem der Stopp der "Waldzerstörung" gefordert wird. Greenpeace
hatte bereits zuvor heftige Kritik an der illegalen Abholzung in den
tropischen Inselgebieten vor allem in Neuguinea geübt. Die
Umweltschützer hoben am Ende des Treffens hervor, dass das wichtige
Thema der illegalen Rodung der Urwälder beim Forum ausgespart
wurde, obwohl die beiden Premierminister von Japan und von Papua
Neuguinea anwesend waren.
"Im Schluss-Statement des Treffens war das Thema illegaler
Holzeinschlag mit keinem Wort erwähnt", berichtet das Pacific
Magazine am Montag. Japans Premierminister Koizumi hatte während
der Verhandlungen allerdings angekündigt, die 14 Inselstaaten, die
dem Treffen beiwohnten, zu unterstützen, wenn es um die Frage nach
Holztransporten und der finanziellen Unterstützung gehe. Greenpeace
kritisiert, dass in dem Statement mit keinem Wort "illegaler
Holzeinschlag" erwähnt werde und außerdem kein deutliches
Zeichen für ein Importverbot von illegalem Tropenholz gesetzt
wurde. Es sei durchaus positiv, dass Koizumi über die Wälder
dieser Region gesprochen habe, aber in Wirklichkeit sei es notwendig,
dass Japan Schritte gegen illegal geschlagenes Holz setze, argumentiert
Yuka Ozaki, Waldexpertin von Greenpeace-Japan.
Außerdem stand beim Treffen der Pazifik-Nationen erneut das Thema
"globale Erwärmung und steigender Meeresspiegel" auf dem Programm.
Der Premier-Minister des polynesischen Inselstaates Tuvalu, Maatia
Toafa, hat erneut angekündigt, rechtliche Schritte gegen die
größten Umweltverschmutzer - insbesondere die USA - zu
unternehmen. Sein Land, bestehend aus neun Atollen mit einer
Gesamtfläche von nur 26 Quadratkilometer werde immer kleiner.
"Plätze an denen vor wenigen Jahren noch Kinder gespielt haben,
stehen heute unter Wasser", so Toafa. Die Situation sei dramatisch und
werde immer dramatischer.
In den vergangenen Monaten ist es immer wieder zu Überflutungen
der für die Bewohner lebensnotwendigen Taro-Felder gekommen. "Erst
vor wenigen Wochen ist eine kleine Insel vor unserer Hauptstadt
verschwunden", erklärte der Minister, der um die Zukunft seiner
Inselnation bangt. Es sei zu hoffen, dass die großen
CO2-Produzenten der Welt diese Katastrophe aufhalten. "Wir werden
weiterkämpfen", zeigt sich Toafa entschlossen. Dabei schließe
er rechtliche Schritte auch nicht aus. "Tuvalu wird Schadenersatz und
Anerkennung seiner Lage in einigen Jahren rechtlich einfordern."
(Quelle: pte)
Weitere Informationen:
http://www.southpacific.org
EU plant Informationskampagne zum Treibhauseffekt
Di.30.05.06 - Mit einer gezielten Informationskampagne will die Europäische
Union ein stärkeres Bewusstsein der Gefahren des Treibhauseffekts
schaffen. Unter dem Motto «Sie selbst kontrollieren den
Klimawandel» erhalten die EU-Bürger rund 50 Ratschläge,
wie sie den Ausstoß von umweltschädlichen Gasen vermindern
können. Jeder könne mit verantwortungsvollem Handeln einen
wichtigen Beitrag leisten, betonte Kommissionspräsident Jose
Manuel Barroso bei der Vorstellung der Kampagne am Montag in
Brüssel.
In den kommenden Tagen sollen in allen Mitgliedstaaten Plakate verteilt
werden mit der Aufforderung: «Runterstellen. Abschalten. Recyceln. Laufen.» So wird etwa
dazu aufgerufen, das Thermostat an Heizkörpern um ein Grad Celsius
zu senken, nicht benötigte Lampen oder andere Elektrogeräte
auszuschalten und öfter mal zu laufen, anstatt das Auto zu
benutzen. Der EU-Kommission zufolge tragen private Haushalte immerhin
zu rund 16 Prozent der Treibhausgase in Europa bei.
Die Umweltgruppe Friends of the Earth appellierte derweil an Barroso,
mit gutem Beispiel voranzugehen und seinen viel Sprit verbrauchenden
Sportwagen zu verkaufen. Dieser entgegnete, dass die Kampagne niemandem
vorschreibe, seinen Lebensstil zu ändern, sondern auf reiner
Freiwilligkeit beruhe. Die Tipps für ein umweltbewussteres
Verhalten sind auch im Internet abrufbar: http://www.climatechange.eu.com
(Quelle: ap)
EU-Staaten einigen sich auf Öffnung der Dienstleistungsmärkte
Di.30.05.06 - Die EU-Staaten haben am Montag eine Öffnung der
Dienstleistungsmärkte in Europa auf den Weg gebracht. Der Rat
für Wettbewerbsfähigkeit einigte sich in Brüssel in
stundenlangen Verhandlungen auf einen Kompromiss. «Mit
großer Befriedigung kann ich Ihnen mitteilen, dass wir einen
Durchbruch bei der Dienstleistungsrichtlinie erreicht haben»,
sagte der österreichische Wirtschaftsminister und Ratsvorsitzende
Martin Bartenstein am späten Abend.
Der Entwurf sieht die Schaffung eines einheitlichen
EU-Dienstleistungsmarktes vor, der es Firmen und Einzelpersonen
erleichtern soll, ihre Dienste auch in anderen EU-Staaten anzubieten.
Wie aus Diplomatenkreisen verlautete, orientiert sich der am Montag
gefunden Kompromiss weitgehend am Beschluss des Europäischen
Parlaments.
Dieser sah vor, dass grenzüberschreitende Dienstleistungen nach
den Bedingungen des Ziellandes und nicht des Heimatlandes angeboten
werden müssen. Rechte von Arbeitnehmern wie die Arbeitszeit,
Mindestlöhne, Urlaubsanspruch oder das Streikrecht sollten nicht
angetastet werden. Dem nun gefundenen Kompromiss zufolge werden
Sozialdienste wie Altenpflege, aber auch das Glücksspiel, von der
Dienstleistungsfreiheit ausgenommen. Anwendung finden wird sie hingegen
für Zeitarbeit und Sicherheitsfirmen.
Vor allem die osteuropäischen Mitgliedstaaten hatten auf eine
größere Öffnung der Märkte gedrungen. Deutschland
und Frankreich wollten dagegen sicherstellen, dass die heimischen
Arbeitsmärkte vor Billigkonkurrenz geschützt werden. Wie es
weiter hieß, gaben sich die Verfechter einer weitergehenden
Liberalisierung schließlich mit dem Kompromiss zufrieden.
EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy lobte vor allem die
Verhandlungsführung durch Österreich. Diese sei «der
entscheidende Faktor» gewesen. Die Liberalisierung von
Dienstleistungen gilt einerseits als wichtiger Schritt zur Vollendung
des EU-Binnenmarktes. Andererseits sorgt die geplante Öffnung der
Märkte seit langem für hitzige Diskussionen.
Ein erster Entwurf des früheren Binnenmarktkommissars Frits
Bolkestein sah die Anwendung des so genannten Herkunftslandprinzips
vor. Dies hätte es etwa einem polnischen Dienstleister
ermöglicht, in Deutschland nach den Vorschriften seines
Heimatlandes zu arbeiten.
(Quelle: ap)
Deutschland
Ver.di-Mitglieder für Tarifergebnis im öffentlichen Dienst
Di.30.05.06 - In einer Urabstimmung haben sich 83,5 Prozent der ver.di-Mitglieder
dafür ausgesprochen, das Tarifergebnis im öffentlichen Dienst
anzunehmen. Gewerkschaftschef Frank Bsirske sagte am Montag in Berlin,
die hohe Zustimmung sei eine erfreuliche Resonanz auf das
Verhandlungsergebnis nach 14 Wochen Streik. Er räumte ein, dass die
Gesamteinigung mit Abstrichen für einige Streikende erkauft worden
sei. Daher habe es «nicht nur ungeteilte Zustimmung»
gegeben.
Überproportional kritisch hätten sich Beschäftigte an
Universitäten und Fachhochschulen geäußert, sagte
Bsirske. Arbeitszeitverlängerungen hätten in einigen Bereichen
nicht vermieden werden können. Es sei aber gut gewesen, dass man
sich nicht habe auseinander dividieren lassen. Unter dem Strich sei ein
Interessenausgleich zustande gekommen; ein einseitiges Diktat der
Arbeitgeber habe verhindert werden können. Außerdem habe
sich gezeigt, dass «die Gewerkschaften auch im Länderbereich
einen langen Streik durchhalten können».
Eine positive Bilanz des neuen Tarifvertrags zogen auch der Vorsitzende
der Beamtengewerkschaft dbb beamtenbund und tarifunion, Frank
Stöhr, der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP, Konrad
Freiberg, und der Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
(GEW), Norbert Hocke. Hocke sagte, dass im Unterbereich Wissenschaft und
Universitäten nur 64 Prozent dem Vertrag in der Urabstimmung
zugestimmt hätten, während in der GEW insgesamt sich 95,1
Prozent dafür ausgesprochen hätten. Gleichwohl meinte er, die
Gewerkschaften seien aus dem Arbeitskampf gestärkt hervorgegangen.
Bsirske betonte, dass «auch für Ärzte deutlich
wahrnehmbare Verbesserungen» bei der Arbeitszeit und den
Lohnbedingungen herausgekommen seien. Er gehe davon aus, dass die
Tarifeinheit in den Krankenhäusern hergestellt sei. Die Forderung
des Marburger Bundes nach 30 Prozent Lohnerhöhung kritisierte er
indirekt als überzogen. Stöhr erklärte: «Wir haben
einen Abschluss für die Ärzte, aber nicht gegen den Marburger
Bund.» Der Tarifabschluss sei geeignet, auch die Ärzte wieder
von der Straße in den Operationssaal zu bringen.
«Es ist gut, dass welche anfangen, sich zu wehren»,
beschrieb Bsirske die Grundstimmung im Frühjahr 2006. Die
Arbeitgeberseite habe die «Stimmungslage, dass es reicht»,
unterschätzt. Der ver.di-Chef kündigte für 2008 eine
weitere «spannende Tarifrunde» an, bei der es um
Arbeitszeitfragen, Sonderzahlungen, die Entgeltordnung und die
betriebliche Alterversorgung gehe.
Nach drei Monaten Streik hatten sich die Vertreter der Länder und
der Gewerkschaften am 19. Mai auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt.
Danach müssen viele der etwa 800.000 Beschäftigten in 14
Bundesländern (außer Berlin und Hessen) künftig
länger arbeiten und erhalten ab 2008 eine Lohnerhöhung von 2,9
Prozent. Die Arbeitszeit wird in den Bundesländern unterschiedlich
geregelt und steigt in Westdeutschland im Schnitt auf 39,22 Stunden.
Außerdem einigten sich die Tarifgemeinschaft deutscher
Länder (TdL) und ver.di auf gestaffeltes Urlaubs- und
Weihnachtsgeld zwischen 35 und 95 Prozent eines Monatsgehaltes sowie auf
Einmalzahlungen für 2006 und 2007 zwischen 100 und 350 Euro.
(Quelle: ap)
Streit um Hartz-IV-Reform geht weiter
Di.30.05.06 - Der Streit zwischen Union und SPD über mögliche
Änderungen an der Arbeitsmarktreform Hartz IV hält auch nach
einem Treffen des Koalitionsausschusses an: Während die Union am
Montag darauf beharrte, die Reform müsse einer «generellen
Revision» unterzogen werden, lehnte die SPD eine radikale
Überarbeitung ab. Die Bundesregierung kündigte eine
Prüfung der Reformen bis zum Herbst an. Am Sonntag hatten sich die
Koalitionsspitzen nicht auf einen gemeinsamen Weg zur Überarbeitung
der Regelungen für Langzeitarbeitslose einigen können.
Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus forderte eine
generelle Revision von Hartz IV. Dazu gehöre das gesamte
Verwaltungsverfahren sowie eine Detailüberprüfung der
Leistungen, sagte der CDU-Politiker. Damit müsse man im Herbst
beginnen. Die im Koalitionsausschuss getroffene Vereinbarung, einige
kleine Dinge zu ändern, könne nur der erste Schritt sein.
SPD-Spitzenpolitiker wandten sich dagegen kategorisch gegen die von der
Union geforderte Überarbeitung des Hartz-IV-Gesetzes. «Es
wird keine Generalrevision geben, höchstens eine
Feinrevision», sagte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Ludwig
Stiegler. Das Gesetz habe noch kaum Zeit zum Wirken gehabt, und schon
kämen die «Superklugen», die eine Generalrevision
forderten.
Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund plädiert für
ein grundsätzliches Festhalten an der Reform. «Die Richtung
des Gesetzes, nämlich Fördern und Fordern, ist richtig»,
sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Allerdings
müsse in einigen Punkten nachgebessert werden, etwa bei den
Unterkunftskosten und bei Fällen von Leistungsmissbrauch.
In der Nacht zum Montag hatten sich die Spitzen von Union und SPD trotz
eines sehr intensiven Meinungsaustauschs nicht darüber
verständigt, ob es eine Generalrevision der Arbeitsmarktreform
Hartz IV geben soll. Diese Frage sei nach wie vor offen, hieß es
nach einer rund vierstündigen Sitzung des Koalitionsausschusses.
Die Bundesregierung kündigte eine Prüfung der Reformen an.
Bis zum Herbst würden «alle arbeitsmarktpolitischen
Instrumente» geprüft und gegebenenfalls neu justiert, sagte
der Sprecher des Arbeitsministeriums, Stefan Giffeler. Er betonte, Hartz
IV werde nicht in Frage gestellt. Vielmehr gehe es um eine
Überprüfung von Hartz I bis III.
Mit Hartz I (ab Januar 2003) wurden neue Formen der Arbeit erleichtert.
Mit Hartz II (Wirkung ebenfalls ab Januar 2003) kamen Minijobs und
Ich-AGs hinzu. Hartz III (1. Januar 2004) war der Umbau der
Bundesanstalt für Arbeit in die Bundesagentur und Hartz IV (Wirkung
ab 1. Januar 2005) die Zusammenführung von Arbeitslosenhilfe und
Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II.
CDU-Fraktionschef Volker Kauder sagte, im Koalitionsausschuss habe man
auch darüber gesprochen, dass das so genannte
Fortentwicklungsgesetz zu Hartz IV verabschiedet werden müsse.
Damit könnten bereits in diesem Jahr 3,5 Milliarden Euro gespart
werden.
Das Gesetz soll am Donnerstag vom Bundestag verabschiedet werden und am
1. August in Kraft treten. Die Zustimmung des Bundestags gelte als
sicher, sagte eine Sprecherin der Unionsfraktion. Es werde mit
Einsparungen von 3,8 Milliarden Euro pro Jahr gerechnet.
Das Gesetz sieht unter anderem schärfere
Bedürftigkeitskontrollen und härtere Sanktionen für
arbeitsunwillige Langzeitarbeitslose vor. Zugleich werden
Rechtsgrundlagen für den Datenabgleich geschaffen, um
beispielsweise verschwiegene Einkommens- und Vermögensquellen
aufzuspüren. Derzeit veranschlagt der Bund für das ALG II 24,4
Milliarden Euro jährlich.
(Quelle: ap)
Ombudsrat sieht keinen Anlass für Hartz-IV-Reform
Di.30.05.06 - Der zuständige Ombudsrat sieht keinen Anlass für eine von der
Union geforderte Generalüberholung der Hartz-IV-Gesetze und warnt
nachdrücklich vor Panikmache. In einem Gespräch mit der
«Neuen Osnabrücker Zeitung» (Dienstagausgabe) sagte
der Sprecher des Gremiums, Hermann Rappe, man sollte erst die Wirkungen
des Optimierungsgesetzes abwarten, das in Abstimmung mit dem Ombudsrat
formuliert worden sei. Insgesamt habe sich Hartz IV bewährt und
werde sich künftig noch positiver entwickeln.
Kürzungen sind nach den Worten Rappes nicht notwendig, aber
Missbräuche müssten gezielter als bisher verfolgt und
geahndet werden. Das gelte vor allem für Bedarfsgemeinschaften und
für Jugendliche, die pro forma zuhause auszögen. Zudem regte
Rappe an, bei so genannten Aufstockern regelmäßig und in
kürzeren Abständen deren tatsächliche sonstige Einkommen
zu überprüfen. Das sei besonders bei Selbstständigen mit
schwankendem Verdienst notwendig.
Schließlich müssten die Arbeitsgemeinschaften viel
konsequenter als bisher die Zuwendungen kürzen, wenn angebotene
Arbeit nicht angenommen werde. Das passiere bisher zu selten. Hartz IV
habe sich zudem zu einer Art Grundsicherung auch für
Geringverdiener entwickelt, betonte Rappe. Das sei gewollt gewesen.
Insofern müsse die Bundesregierung sorgfältig prüfen, ob
Mindestlöhne und neue Kombilohnmodelle überhaupt noch
notwendig seien.
(Quelle: ap)
Regierung in Sorge wegen fehlender Ausbildungsplätze
Di.30.05.06 - Die Bundesregierung ist in Sorge, dass auch dieses Jahr wieder
Ausbildungsplätze fehlen. Dies erklärte Regierungssprecher
Ulrich Wilhelm am Montag zum «Tag des Ausbildungsplatzes».
Deshalb würben nicht nur die Bundesminister Michael Glos und
Annette Schavan in Unternehmen dafür, Plätze auch über
den eigenen Bedarf hinaus zu schaffen. Die Politik unterstütze
zudem nachhaltig die Anstrengungen von Arbeitsvermittlern bundesweit,
persönlich oder telefonisch bei Firmen weitere Lehrstellen
einzuwerben.
Den Vorschlag von Wirtschaftsminister Glos, die Lehrlingseinkommen zu
Gunsten neuer Ausbildungsplätze zu kürzen, unterstützten
Wilhelm und ein Sprecher von Arbeitsminister Franz Müntefering
nicht. Wilhelm sagte, Glos habe nur einen «Denkanstoß in
Richtung der Tarifpartner» geben wollen.
«Selbstverständlich ist für die Bundesregierung klar,
dass die Tarifautonomie gilt», sagte Wilhelm. Münteferings
Sprecher Stefan Giffeler sagte, die Frage der Lehrlingseinkommen sei
für den Sozialminister «nicht prioritär». Es gehe
darum, die Unternehmen auf «Basis der Fakten» dazu zu
bringen, mehr auszubilden.
Einer Neuauflage der Debatte über die Lehrstellenabgabe erteilte
Giffeler aber eine Absage. Diese Diskussion sei in der Vergangenheit mit
einem bestimmten Ziel geführt worden, nämlich dem
Ausbildungspakt. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums sagte, der
Pakt und seine Weiterentwicklung werde am Mittwoch im Bundeskabinett
debattiert werden.
Glos hatte am Wochenende erklärt: «Die Höhe der
Lehrlingsgehälter ist gerade für kleine Betriebe ein
Hemmschuh, wenn es darum geht, einen zusätzlichen Lehrling
auszubilden.» Die Vergütungen dürften kein Tabu sein.
Müntefering hatte sich erbost über das geringe
Lehrstellenangebot der Wirtschaft gezeigt: «Über die
Hälfte der Betriebe in Deutschland bildet nicht aus. Das finde ich
unglaublich.»
(Quelle: ap)
Anhörung zur Föderalismusreform: Massive Kritik am
Rückzug des Bundes aus der Bildungspolitik
Di.30.05.06 - Der bei der Föderalismusreform vorgesehene Rückzug des Bundes
aus der Verantwortung für das Bildungswesen ist auf massive Kritik
gestoßen. Bei einer Anhörung von 23 Experten im
Rechtsausschuss des Bundestages sprachen sich am Montag vor allem
Bildungsfachleute sowie Vertreter von Wissenschaft und Hochschulen gegen
das Verbot der Kooperation von Bund und Ländern im Bildungsbereich
und den Wegfall der gemeinsamen Finanzierung des Hochschulbaus aus. Die
Befürworter - meist Staatsrechtler und Landespolitiker - blieben
in der Minderheit.
Der frühere Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Klaus
Landfried, nannte die vorgesehenen Regelungen
«überflüssige Schritte in die falsche Richtung».
Angesichts der in den nächsten Jahren notwendig werdenden 500.000
zusätzlichen Studienplätze sei ein Wegfall der gemeinsamen
Hochschulbaufinanzierung Unfug, das Kooperationsverbot abwegig, die
vorgesehene Verlagerung der Zuständigkeit für das
Beamtendienstrecht auf die Länder eine Provinzposse.
Auch der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider,
verwies auf die «dramatisch steigenden
Studienanfängerzahlen» und sagte, das Gebot der Stunde sei
Kooperation statt Kooperationsverbot. Für den Deutschen
Akademischen Austauschdienst betonte Generalsekretär Christian
Bode, für die Hochschulen wäre keine Föderalismusreform
besser als die vorgesehene. «Es ist schon schwierig, keine Satire
zu schreiben, wenn wir die gemeinsame Hochschulbauförderung
streichen und gleichzeitig in Treue fest zur Agrarförderung als
Gemeinschaftsaufgabe stehen.»
Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Ulrich
Thöne, nannte das Kooperationsverbot eine absurde Regelung. Der
Gesetzentwurf schade dem deutschen Bildungswesen. Bildung und
Wissenschaft müssten in gemeinsamer Verantwortung von Bund und
Ländern weiterentwickelt werden. Für den Bundeselternrat
forderte der Vorsitzende Wilfried Steinert, den gesamten Bildungsbereich
von der Schule bis zur Hochschule zu einer
Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe zu machen.
Der Föderalismusforscher Hans-Peter Schneider sagte, das
Erziehungs- und Bildungswesen sei angesichts der Bedeutung für die
Gesellschaft am allerwenigsten geeignet zu einer strikten Trennung von
Bundes- und Landeskompetenzen. Auch das Kölner Institut der
Deutschen Wirtschaft lehnte die vorgesehenen Regelungen strikt ab.
Geschäftsführer Hans-Peter Klös sagte: «Die
effektive und effiziente Erfüllung der Bildungsfunktion setzt
zwingend eine Beteiligung des Bundes ... voraus.»
Zu den Befürwortern der Änderungen gehörte der
langjährige Ministerpräsident Bernhard Vogel. Er sehe im
Kooperationsverbot im Grunde ein Einmischungsverbot. Es sei im Sinne des
Föderalismus ein Fortschritt. Änderungen am Gesetzentwurf
sollten nur zugelassen werden, wenn sie die notwendigen Mehrheiten in
Bundestag und Bundesrat nicht gefährdeten. Auch der frühere
sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf sah die
Änderungen «grundsätzlich positiv».
Der Berliner Staatsrechtler Manfred Erhardt würdigte die
Änderungen als «höchst notwendig und erfreulich».
Der Frankfurter Verfassungsrechtler Rudolf Steinberg nannte die
Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau einen «föderalen
Sündenfall» und begrüßte ihre Abschaffung
nachdrücklich.
(Quelle: ap)
Gysi: Neue Linkspartei will mitregieren
Di.30.05.06 - Die künftige neue Linkspartei aus Ex-PDS und WASG will sich nach
den Worten ihres Spitzenpolitikers Gregor Gysi bei künftigen
Regierungs-Beteiligungen konsequenter gegen Privatisierung und
Sozialabbau stellen.
Der Linksfraktionschef im Bundestag reagierte damit in der
«Berliner Zeitung» auf Kritik vor allem aus der
Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG), die Linkspartei
habe sich in den Koalitionen in Berlin und Schwerin zu sehr der SPD
unterworfen.
«Die Leute müssen sich darauf verlassen können, dass
wir eine Partei der sozialen Gerechtigkeit sind», sagte Gysi. Bei
möglichen Koalitionsverhandlungen nach den Wahlen in Berlin und in
Mecklenburg- Vorpommern im Herbst werde die Linkspartei selbstbewusster
als vor fünf Jahren auftreten. Damals sei es vor allem in Berlin um
den Tabubruch einer Regierungsbeteiligung in der Hauptstadt gegangen -
deshalb sei die PDS Kompromisse eingegangen, «die wir heute so
nicht mehr machen würden».
Wegen des angeblich «neoliberalen» Kurses der Linkspartei
in den rot-roten Regierungen von Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
wollen die dortigen WASG-Verbände am 17. September in Konkurrenz
zur Ex-PDS antreten. Darüber wird seit Wochen zwischen
WASG-Bundesspitze und den Regionalverbänden erbittert gestritten.
(Quelle: dpa)
Berliner WASG-Vorstand zieht gegen Absetzung vor Gericht
Di.30.05.06 - Der Vorstand des abtrünnigen Berliner WASG-Landesverbands zieht
gegen seine Absetzung vor Gericht. Er beantragte am Montag nach eigenen
Angaben beim Berliner Landgericht eine einstweilige Verfügung.
Spitzenkandidatin Lucy Redler äußerte sich zuversichtlich,
dass das Gericht bei der Verhandlung am Mittwoch den Landesvorstand in
seiner Funktion bestätigen werde. «Die Argumentation, unser
Wahlantritt verstoße gegen die Grundsätze der Partei,
entbehrt jeder Grundlage», erklärte sie.
Redler sagte, sie sei überzeugt, dass auch der Landeswahlausschuss
am Donnerstag die Kandidatur für die Abgeordnetenhauswahl am 17.
September anerkenne. Wegen des beabsichtigten Wahlantritts gegen die
Linkspartei, mit der die WASG-Spitze fusionieren will, hatte der
Bundesvorstand den Landesvorstand entmachtet und einen
«Landesbeauftragten» eingesetzt. Dagegen versuchten sich
die Berliner vergeblich vor dem Partei-Schiedsgericht zu wehren.
(Quelle: ap)
Raucher sterben sieben Jahre früher
Di.30.05.06 - Raucher sterben im Schnitt sieben Jahre früher als Nichtraucher.
Das hat das Statistische Bundesamt anlässlich des
Weltnichtrauchertages am Mittwoch errechnet. Wie das Amt für das
Jahr 2004 mitteilte, wurden Menschen mit typischen Raucherkrankheiten
wie Lungen-, Kehlkopf- oder Luftröhrenkrebs im Schnitt 69 Jahre alt.
Berücksichtige man alle Todesursachen, liege das durchschnittliche
Sterbealter in Deutschland bei 76 Jahren. Häufigste Erkrankung, die
in Zusammenhang mit Tabakkonsum gebracht werden kann, war im Jahr 2004
Lungenkrebs mit fast 40 000 Todesfällen.
Seit dem Jahr 2001 stieg diese Zahl von damals 38 525 kontinuierlich
an. Damit ist Lungenkrebs nach Angaben der Statistiker inzwischen die
vierthäufigste Todesursache in Deutschland, wobei Männer fast
drei Mal so häufig betroffen sind wie Frauen.
(Quelle: dpa)