Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertundzweiten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mädchen berichtet über mutmaßliches Massaker von
Haditha - Bush 'beunruhigt'. Erneut Tote bei Anschlägen. Mehr als
40 Leichen in Bagdad gefunden. Im Irak so viele Journalisten
getötet wie im Vietnam-Krieg
Do.01.06.06 - In einem am Mittwoch veröffentlichten Video berichtet ein
zwölfjähriges irakisches Mädchen über ein Massaker,
das US-Marineinfanteristen am 19. November in der Stadt Haditha
angerichtet haben sollen. Safa Junis ist eine von wenigen
Überlebenden des Angriffs, bei dem irakischen Angaben zufolge 24
unbewaffnete Zivilpersonen getötet wurden. Die
US-Streitkräfte stehen wegen des Vorfalls im Irak unter massivem
Druck.
«Die Amerikaner klopften an die Tür», berichtet das
Mädchen in dem Video. «Mein Vater wollte öffnen, sie
haben ihn durch die Tür erschossen. Nachdem sie die Tür
geöffnet hatten haben sie nochmal auf ihn geschossen.» Die
Marineinfanteristen hätten auch ihre Mutter und ihre vier
Geschwister erschossen. Sie habe nur überlebt, weil sie sich
zwischen den Leichen ihrer Familie tot gestellt habe. Die
Menschenrechtsgruppe Hammurabi machte das Video bereits Ende November,
am Mittwoch wurde es von mehreren Sender ausgestrahlt.
Nach US-Angaben sind die Details des Vorfalls noch nicht
vollständig ermittelt. Bekannt ist, dass eine Bombe explodierte
und dabei ein Marineinfanterist getötet wurde. Anwohnern zufolge
rasteten die US-Soldaten daraufhin aus und töteten in blinder Wut
zwei Familien in nahe gelegenen Häusern. US-Präsident George
W. Bush äußerte sich am Mittwoch in einer ersten
Stellungnahme «beunruhigt». Wenn sich die Vorwürfe
bestätigen sollten, müssten die Verantwortlichen zur
Rechenschaft gezogen werden, sagte er.
Das Weiße Haus will die Untersuchungen zu dem möglichen
Massaker an irakischen Zivilisten durch US-Soldaten in allen
Einzelheiten veröffentlichen. Nach Abschluss der Ermittlungen durch
die Armee würden alle Details der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht, sagte der Sprecher des Weißen Hauses,
Tony Snow, in Washington.
Der einflussreiche demokratische US-Abgeordnete John Murtha warf dem
Militär am Dienstag erneut vor, die Affäre vertuscht zu haben.
Nach dem Tod der 24 Zivilisten sei den Angehörigen bis zu 2500
Dollar Entschädigung gezahlt worden, berichtete Murtha dem
US-Sender CNN. "Dies geschieht nicht, wenn sie durch einen Sprengsatz
getötet wurden". Er schätzte, dass die Entschädigungen
auf Veranlassung der Militärspitze gezahlt wurden. Murtha sagte,
die Geschehnisse in Haditha seien "noch schlimmer" als der Folterskandal
von Abu Ghraib.
Der Gewalt im Irak sind am Mittwoch erneut mehrere Menschen zum Opfer
gefallen. In Mossul im Norden des Landes tötete eine Autobombe
mindestens fünf Polizisten und verwundete weitere 14, wie die
Polizei mitteilte.
In Bagdad erschossen Bewaffnete einen schiitischen Muezzin, der auf dem
Weg zu einer Moschee war. Ein ehemaliger Gouverneur der Provinz Diwanija
wurde den Angaben zufolge am Dienstagabend aus einem fahrenden Auto
heraus erschossen. Bei einem Bombenanschlag in Mukdadija kam der
sunnitische Bürgermeister der nördlich von Bagdad gelegenen
Stadt ums Leben. Der Sprengsatz war nach Darstellung der Polizei in der
Klimaanlage in seinem Büro versteckt.
In Bagdad sind binnen 24 Stunden die Leichen von 42 getöteten
Menschen gefunden worden. Viele der Leichen seien gefesselt gewesen und
wiesen Schusswunden und Spuren von Folter auf, sagten Polizeivertreter
am Mittwoch. Die meisten Leichen seien seit Dienstag im Osten Bagdads
gefunden worden, zwölf von ihnen an einem Ort im Stadtteil
Baladijat, acht im Bezirk Sadr.
Nach einem Anschlag auf ein schiitisches Heiligtum im Februar hat die
Gewalt zwischen schiitischen und sunnitischen Moslems im Irak stark
zugenommen. Zudem verüben Rebellen fast täglich
Anschläge, um die Regierung zu destabilisieren.
Ministerpräsident Nuri al-Maliki traf unterdessen im
südirakischen Basra ein, wo es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen
gekommen war. Bei Treffen mit religiösen und politischen
Führern wolle er dazu beitragen, die Spannungen in der schiitisch
dominierten Stadt zu überwinden.
Seit Beginn des Irakkriegs wurden bislang 71 Journalisten getötet
worden - genauso viele wie während des Vietnamkriegs. Das New
Yorker Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) erklärte am
Dienstag, weitere 26 Opfer hätten als Dolmetscher, Fahrer und
Assistenten für Medienvertreter gearbeitet. CPJ-Direktorin Ann
Cooper sagte, der Tod ausländischer Journalisten errege meist die
größte Aufmerksamkeit. Allerdings handele es sich bei drei
Viertel der Opfer um irakische Medienvertreter. Sie gingen das
größte Risiko ein, egal ob sie für örtliche oder
internationale Medien arbeiteten.
Im Prozess gegen Saddam Hussein warf die Verteidigung am Mittwoch einem
Zeugen der Anklage Meineid vor und verlangte die Überprüfung
aller Aussagen in dem seit sieben Monaten laufenden Prozess. Grundlage
waren widersprüchliche Angaben eines Zeugen vor Gericht und bei
einer öffentlichen Veranstaltung über einen Mordanschlag auf
den irakischen Exmachthaber im Jahr 1982.
(Quellen: rtr, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 01.06.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertachtunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.01.06.05 - Weltsicherheitsrat stimmt dem weiteren Verbleib der von den USA
geführten multinationalen Truppen im Irak zu +++
Ministerpräsident Dschaafari strebt förderativen und
pluralistischen irakischen Staat an +++ Neun Tote bei Hubschrauber-
und ein Flugzeugabsturz im Irak +++ Aufständische erschiessen
einen Journalisten +++ Zwei irakische Soldaten bei Selbstmordanschlag
getötet +++ Strafen gegen britische Soldaten wegen Misshandlung
abgemildert...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0506010.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Die 'Koalition der Willigen' bröckelt
Do.01.06.06 - Gut drei Jahre nach Beginn des Irak-Kriegs sind immer weniger
Länder bereit, die Politik der USA mit der Entsendung eigener
Truppen an den Golf zu unterstützen. Nach dem Regierungswechsel in
Rom hat Italien angekündigt, bis Ende des Jahres vollends aus der
«Koalition der Willigen» auszuscheren. Südkorea will
die Anzahl seiner Soldaten um 1.000 Mann verringern. Polen hat sich auf
eine Verlängerung seiner Irak-Mission noch nicht festgelegt. All
dies macht es den USA schwer, den eigenen Abzug aus dem arabischen Land
zu planen.
Zwar betont der neue irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki,
sein Land wolle binnen 18 Monaten selbst die volle Kontrolle über
die Sicherheit übernehmen. Angesichts der anhaltenden Gewalt sind
internationale Beobachter aber äußerst skeptisch, ob die
Regierung die Lage wirklich ohne ausländische Truppen in den Griff
bekommen kann. Andererseits tragen gerade die permanenten
Anschlagsserien viel zum Abbröckeln der «Koalition der
Willigen» bei. Selbst in Großbritannien, dem engsten
Verbündeten der USA im Irak-Konflikt, wächst der
öffentliche Unmut über den Einsatz.
Manche Analysten argumentieren, dass unter den gegebenen Umständen
ein Truppenabzug äußerst unklug wäre. Die wachsende
Gewalt, der Mangel an politischer Stabilität und das Erstarken des
radikalen Islamismus im Irak verlangten vielmehr eine noch
größere multinationale Intervention, meint Christopher
Langton vom Internationalen Institut für Strategische Studien in
London. Notwendig sei ein umfassendes Konzept, in das auch die
einflussreichsten Länder der Golfregion selbst eingebunden werden
müssten.
In Großbritannien, das mit 8.000 Mann das zweitgrößte
Truppenkontingent nach den USA mit 132.000 stellt, gibt es nach
offizieller Darstellung vorerst keine Rückzugspläne.
Allerdings hat der neue Verteidigungsminister Des Browne
eingeräumt, dass die Sicherheitslage vor Ort viele Sorgen bereite.
Erst am Wochenende wurden wieder zwei britische Soldaten bei der
Detonation einer am Straßenrand versteckten Bombe in Basra
getötet. Seit Kriegsbeginn sind damit 113 Briten im Irak ums Leben
gekommen. Mehr als 1.000 Truppenmitglieder sollen desertiert sein.
Dennoch betonte Browne unlängst im Rundfunksender BBC: «Wir
werden im Irak bleiben, bis die irakische Regierung und die irakischen
Sicherheitskräfte voll und ganz in der Lage sind, ohne
Unterstützung der Koalitionsstreitkräfte für Sicherheit
zu sorgen.» Ein Truppenrückzug werde also von den Bedingungen
vor Ort abhängen, nicht von irgendeinem festen Zeitplan.
Dies ist schon seit langem die Argumentation der USA. Präsident
George W. Bush werde sich nicht auf einen bestimmten Termin in einem
Jahr oder in zwei oder vier Jahren festlegen lassen, erklärte der
Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow. Allerdings gibt es
Überlegungen, die Gesamtstreitmacht im Irak von 132.000 auf rund
100.000 Mann zu verringern.
Die Partner der USA und Großbritanniens haben weniger Skrupel,
wenn es um Zeitpläne geht. Die neue Mitte-links-Regierung in
Italien hat definitiv einen Truppenabzug bis Ende dieses Jahres
angekündigt. Schon bis Mitte Juni soll die Anzahl der im
südlichen Irak stationierten 2.600 italienischen Soldaten um 1.000
verringert werden. Italien werde der Regierung in Bagdad jedoch
weiterhin politische und humanitäre Hilfe leisten, erklärte
Außenminister Massimo D'Alema.
Südkorea stellt mit 3.200 Soldaten bislang das
drittgrößte Kontingent der Koalitionsstreitmacht. 1.000 davon
sollen bis Jahresende abgezogen werden. Weitere Länder haben
Reduzierungen in Aussicht gestellt, wenn auch in geringerem
Ausmaß. Andere wiederum haben sich noch nicht festgelegt, ob sie
das Mandat für ihre Truppen weiter verlängern wollen. Diese
Unsicherheit dürften den USA und Großbritannien
zusätzliche Probleme bereiten.
(Quelle: ap)
Taliban töten und entführen Dutzende afghanische Polizisten
Do.01.06.06 - Im Süden Afghanistans haben Taliban-Kämpfer offiziellen
Angaben zufolge mindestens zwölf Polizisten getötet und bis zu
40 weitere entführt.
Mehr als zehn Polizisten seien bei einem Angriff der Moslem-Extremisten
am Dienstagabend in der südlichen Provinz Sabul ums Leben gekommen,
teilte ein Behördenvertreter am Mittwoch mit. Ein weiterer
Polizist, der in einem Fahrzeug zur Hilfe geeilt war, sei durch
Raketenbeschuss ums Leben gekommen. Seine vier Begleiter seien verletzt
worden.
Bei einem zweiten Angriff in der benachbarten Provinz Urusgan
attackierten Taliban-Kämpfer nach Angaben eines
Behördenvertreters eine Polizeistation. Bis zu 40 Polizisten seien
entführt worden. Einem mutmaßlichen Sprecher der Taliban
zufolge wurden bei dem Angriff zudem ein Dutzend Polizisten
getötet. Wie der Mann in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur
Reuters mitteilte, werden die Leitung der Taliban über das
Schicksal der entführten Polizisten entscheiden.
In Kabul blieb die Lage nach den schweren anti-amerikanischen
Ausschreitungen vor zwei Tagen am Mittwoch ruhig. Afghanische Soldaten
patrouillierten nach einer nächtlichen Ausgangssperre durch die
Straßen. Am Montag waren bei Ausschreitungen in Kabul mindestens
sieben Menschen ums Leben gekommen. Auslöser für die Unruhen
war ein Unfall, bei dem ein US-Militärfahrzeug ein Dutzend Wagen
gerammt hatte. Dabei starben mindestens fünf Afghanen. Es waren die
heftigsten Ausschreitungen in Kabul seit dem Sturz der Taliban Ende
2001.
In Afghanistan sind auch 2500 deutsche Soldaten stationiert.
Einsatzgebiet der deutschen ISAF-Soldaten sind die Hauptstadt Kabul
sowie die Umgebung von Kundus und Faisabad im Nordosten des Landes.
(Quelle: rtr)
Malteser setzen Hilfsprojekte in Afghanistan aus
Do.01.06.06 - Nach den schwersten Unruhen seit dem Ende des Taliban-Regimes hat die
Hilfsorganisation Malteser International ihre Projekte in Afghanistan
ausgesetzt. Alle Fahrten in die Projektregion in Zentralafghanistan
seien abgesagt, teilte die Organisation am Mittwoch in Köln mit.
Die Mitarbeiter müssten bis auf weiteres in der Kabuler Zentrale
bleiben. Vor zwei Wochen war ein Arzt der Malteser bei einem Angriff auf
ein UN-Fahrzeug in Westafghanistan getötet worden.
Malteser International ist seit 2002 in Afghanistan aktiv und erreicht
nach eigenen Angaben etwa 220.000 Menschen.
(Quelle: ap)
US-Soldaten schossen möglicherweise auf afghanische Zivilisten
Do.01.06.06 - Zwei Tage nach den blutigen anti-amerikanischen Protesten in Kabul
haben die US-geführten Koalitionstruppen eingeräumt, das Feuer
auf Demonstranten eröffnet zu haben. Die Soldaten hätten
"ihre Waffen zur Selbstverteidigung eingesetzt", aber über die
Köpfe der aufgebrachten Menge geschossen, sagte Armeesprecher Tom
Collins in der afghanischen Hauptstadt. Laut dem US-Oberst zeigten
Videoaufnahmen von den Unruhen, dass die ersten Schüsse aus der
Menschenmenge kamen. Er fügte jedoch hinzu, die Untersuchungen der
Vorfälle stünden erst am Anfang.
Ein tödlicher Unfall, der nach ersten Erkenntnissen durch ein
defektes US-Armeefahrzeug verursacht worden war, hatte am Montag die
schwersten Unruhen in Kabul seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001
ausgelöst. Eine aufgebrachte Menge bewarf die Soldaten mit
Steinen, diese eröffneten das Feuer. Mehrere Augenzeugen
berichteten, die Soldaten hätten direkt in die Menge gezielt. Die
Ausschreitungen waren so heftig, dass UNO und USA ihr Personal in
Bunkern und Sicherheitszonen unterbringen mussten. Nach Angaben der
Polizei wurden mindestens zwölf Menschen getötet, Augenzeugen
berichteten von mehr Opfern.
(Quelle: afp)
Bundeswehr hat Kommando über ISAF in Nordafghanistan
übernommen
Do.01.06.06 - Viereinhalb Jahre nach Beginn des Einsatzes in Afghanistan hat die
deutsche Bundeswehr ihren Einsatzschwerpunkt von der Hauptstadt Kabul
ins nordafghanische Masar-i-Scharif verlegt. Die Bundeswehr
übernahm dort um Mitternacht das Kommando über die
Internationale Schutztruppe ISAF im Norden des Landes. Zuvor hatte der
deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung die Lage am neuen
deutschen Standort als gefährlich eingeschätzt. Es gebe auch
dort «vereinzelte hinterhältig Anschläge» , sagte
Jung in der ARD.
(Quelle: dpa)
Bewegung im Atomkonflikt - USA zu Gesprächen mit Iran bereit
Do.01.06.06 - In einer Abkehr von ihrer bisherigen Politik haben sich die USA unter
bestimmten Bedingungen zur Teilnahme an Atomverhandlungen mit dem Iran
bereit erklärt. Bedingung sei, dass der Iran nachweislich alle
Aktivitäten zur Urananreicherung einstelle, sagte
US-Außenministerin Condoleezza Rice am Mittwoch in Washington.
Ein außenpolitischer Sprecher des iranischen Parlaments bewertete
die Gesprächsbereitschaft der USA zwar grundsätzlich positiv,
lehnte aber Vorbedingungen ab. Die Außenminister der fünf
ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschlands
treffen sich an diesem Donnerstag in Wien, um ihre Haltung abzustimmen.
«Um unseren Willen zu einer diplomatischen Lösung zu belegen
und die Erfolgsaussichten zu erhöhen, und sobald der Iran
vollständig und nachweislich den (Uran-)Anreicherungsprozess
beendet», seien die USA bereit, an den Verhandlungstisch mit den
EU3-Kollegen (Deutschland, Frankreich und Großbritannien) und den
Iranern zu kommen, sagte Rice vor ihrem Abflug nach Wien. Mit den
anderen Mitgliedern des UN- Sicherheitsrates gebe es eine weitgehende
Übereinstimmung. Der Iran habe nun die Wahl zwischen
internationaler Isolation oder aber dem Verzicht auf die Entwicklung
von Atomwaffen.
Sollte es mit Teheran zu einer Verhandlungslösung kommen, gebe es
ein Paket von Anreizen und Belohnungen, erklärte Rice. Wenn die
iranische Führung auf den weiteren Ausbau der
Nuklearkapazitäten bestehe, werde es dagegen internationale
Strafmaßnahmen geben. Rice gestand aber auf Nachfrage ein, dass
es mit China und Russland über die konkreten Sanktionen noch keine
vollständige Einigung gebe.
Die Wende in der US-Politik gegenüber dem Iran bedeutet nach den
Worten von US-Präsident George W. Bush auch, dass die USA ihrer
Führungsrolle gerecht werden. Die Botschaft an das iranische Volk
sei, dass die Urananreicherung beendet werden müsse und das Land
keine Atomwaffen haben dürfe, sagte Bush im Weißen Haus.
Der Sprecher des außenpolitischen Ausschusses des iranischen
Parlaments, Kasem Dschalai, sagte in Teheran: «Die US-
Bereitschaft zu Verhandlungen sollte im Prinzip positiv gesehen werden,
aber die von Washington gestellten Vorbedingungen sind dafür
ungeeignet.» Er bekräftigte, der Iran habe das Recht zur
friedlichen Nutzung der Atomenergie und zur Urananreicherung.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier
begrüßte das Gesprächsangebot der USA. «Ich sehe
in der Tat ein Fenster geöffnet», sagte Steinmeier nach
einem Treffen mit seinem niederländischen Amtskollegen Bernard Bot
in Berlin. Beide Minister betonten, es sei zu hoffen, dass Irans
Führung die Bedeutung dieses Angebots verstehe und die Chance nun
nutze.
Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy sagte
in Paris, dieser Schritt stärke die Glaubwürdigkeit der
europäischen Bemühungen im Konflikt mit Teheran.
EU-Chefdiplomat Javier Solana erklärte in Brüssel: «Die
direkte Teilnahme der USA (an Verhandlungen) wäre das
stärkste und positivste Zeichen unseres gemeinsamen Wunsches, eine
Verständigung mit dem Iran zu erreichen.»
Zuversichtlich äußerte sich Steinmeier über das
für Donnerstag anberaumte Treffen in Wien. Es sei zwar noch nicht
alles ausgehandelt. Er glaube aber, dass es zu einer Einigung kommen
werde. Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow hofft, dass
die Beratungen den Weg zu einer politischen Lösung ebnen werden.
Alle sechs Länder kämen «mit dem einzigen Ziel»
nach Wien, «eine gemeinsame Haltung und eine gemeinsame
Lösung zu finden», sagte Lawrow bei einem Besuch in Ankara.
Medienberichten zufolge sind die USA inzwischen auch bereit, bei den
Beratungen über eine Iran-kritische Resolution des Sicherheitsrats
China und Russland in der Frage von Sanktionen entgegenzukommen. Moskau
und Peking lehnen Sanktionen bisher strikt ab. Die «New York
Times» berichtete am Mittwoch, die USA verlangten nun nicht mehr,
dass sich die Resolution auf Kapitel VII der UN- Charta berufe. Dieser
Abschnitt erlaubt Sanktionen bis hin zu einem militärischen
Eingreifen.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Palästinenser schießen drei Raketen auf israelisches
Territorium ab - Israel warnt Palästinenser vor Katastrophe
Do.01.06.06 - Allen internationalen Warnungen zum Trotz haben militante
Palästinenser abermals israelisches Territorium vom Gazastreifen
aus beschossen. Drei Kassam-Raketen schlugen am Mittwoch in der
Grenzstadt Sderot ein, wo ein Wohnhaus beschädigt wurde. Eine
Rakete landete in der Nähe des Hauses von Verteidigungsminister
Amir Perez. Dieser warnte die palästinensische Bevölkerung
davor, sich von extremistischen Gruppen in die Katastrophe führen
zu lassen.
«Wir werden Wege finden, um diese Organisationen daran zu
hindern, Sderot und andere Orte anzugreifen», sagte Perez nach
einer Besichtigung des beschädigten Hauses in seiner Heimatstadt.
Die israelischen Streitkräfte reagierten auf den Angriff mit einem
neuerlichen Artilleriebeschuss des Gazastreifens. Am Dienstag waren
erstmals seit dem Abzug vor acht Monaten wieder israelische
Bodentruppen in das Autonomiegebiet vorgedrungen. Vier
Palästinenser wurden erschossen, unter ihnen drei Angehörige
des Islamischen Dschihads.
Unterdessen kündigte der palästinensische Finanzminister Omar
Abdel Rasek zumindest für einen Teil der Beschäftigten im
öffentlichen Dienst eine Auszahlung der ausstehenden Gehälter
an. In den nächsten Tagen würden alle, die weniger als 1.500
Schekel (260 Euro) im Monat verdienten, ein Monatsgehalt bekommen,
hieß es. Etwa 40.000 Bedienstete kämen in diesen Genuss.
Ministerpräsident Ismail Hanija hatte am Dienstag zumindest einen
Gehaltsvorschuss für alle Betroffenen versprochen. Deren
Gesamtzahl wurde bislang immer mit 165.000 angegeben, Rasek sprach
jetzt aber von 151.000 Beschäftigten. Der Finanzminister
räumte ein, dass die Autonomiebehörde nicht über genug
Geld für weitere Gehaltszahlungen verfüge. Ursache der Krise
ist die Einstellung der westlichen Finanzhilfen nach der
Regierungsübernahme der islamisch-fundamentalistischen
Hamas-Bewegung.
(Quelle: ap)
Mindestens 13 Tote bei neuen Kämpfen in Mogadischu
Do.01.06.06 - Nach fünf Tagen relativer Ruhe sind die Kämpfe zwischen
islamischen Milizen und Warlords in der somalischen Hauptstadt
Mogadischu am Mittwoch wiederaufgeflammt. Mindestens 13 Menschen wurden
nach Angaben von Augenzeugen und Krankenhäusern getötet und
elf verletzt. Seit Mittwoch vergangener Woche kamen mindestens 83
Menschen ums Leben. Somalia versank 1991 nach dem Sturz des
langjährigen Machthabers Mohamed Siad Barre in Anarchie. Seither
kämpfen verschiedene Clans um die Oberherrschaft in dem
nordostafrikanischen Land, eine mit Hilfe der UN in der Stadt Baidoa
installierte Übergangsregierung konnte sich bislang nicht
durchsetzen.
(Quelle: ap)
Sechs Tote bei Kämpfen rivalisierender Milizen in Somalia
Do.01.06.06 - Bei neuen Kämpfen zwischen rivalisierenden Milizen in Somalia sind
Anwohnern zufolge am Mittwoch sechs Menschen getötet worden. Unter
den Opfern seien auch zwei Zivilisten.
Die Gefechte seien am frühen Mittwochmorgen im Nordosten
Mogadischus ausgebrochen. "Wir sind vom Lärm der Granaten und der
Schüsse beider Seiten aufgewacht", berichtete ein Einwohner der
Hauptstadt. Eine Gruppe von Moslem-Extremisten griff den Angaben zufolge
Stellungen einer gegnerischen Miliz an.
In den vergangenen drei Tagen zuvor war es in der von Unruhen
erschütterten Stadt relativ ruhig geblieben. Die Milizen
kämpfen seit Februar um die Vorherrschaft in der Stadt. Dabei
wurden bisher mindestens 326 Menschen getötet. Die Unruhen gelten
als die schlimmsten in der Geschichte des Landes.
(Quelle: rtr)
Immer mehr Flüchtlinge in Osttimor
Do.01.06.06 - Die tagelangen Ausschreitungen in Osttimor treiben immer mehr Menschen
in die Flucht. Nach Schätzungen von Hilfsorganisationen
verließen in der Hauptstadt Dili bislang etwa 70 000 Menschen aus
Angst vor rivalisierenden Jugendbanden ihre Häuser und damit rund
die Hälfte der Bevölkerung.
Augenzeugen berichteten am Mittwoch trotz der Stationierung einer
internationalen Eingreiftruppe aus mehr als 2000 Mann noch von
vereinzelten Brandstiftungen und Plünderungen in Dili. Ihr
Ausmaß sei im Vergleich zu den vergangenen Tagen aber
zunächst zurückgegangen.
Unterdessen ist ein Machtkampf zwischen dem bei der Bevölkerung
beliebten Präsidenten Osttimors, Xanana Gusmao, und dem
umstrittenen Regierungschef Mari Alkatiri voll entbrannt. Gusmao hatte
am Dienstag die Befehlsgewalt über Armee und Polizei
übernommen, um die ausufernde Gewalt zu stoppen. Alkatiri
erklärte unterdessen am Mittwoch, Verteidigung und innere
Sicherheit seien nach wie vor Angelegenheit seiner Regierung, deren Chef
er sei.
Auslöser der Unruhen war die Entlassung von 600 streikenden
Soldaten, die der Ministerpräsident im März angeordnet hatte.
Diese warfen der Regierung Diskriminierung vor, da sie angeblich wegen
ihrer Herkunft aus dem Westen des Landes bei Beförderungen
übergangen worden sind. Danach war es immer wieder zu Unruhen
gekommen, die in der vorigen Woche in heftigen Gefechten zwischen den
rebellierenden Soldaten und Regierungstruppen gipfelten. Mit der Ankunft
der von Australien geführten Eingreiftruppe hat sich dieser
Konflikt beruhigt. Das Machtvakuum wurde jedoch von Jugendbanden
gefüllt.
Der rund 500 Kilometer nördlich von Australien liegende Staat auf
der Osthälfte der Insel Timor ist erst vor vier Jahren ein
eigenständiger Staat geworden. Zuvor war die Inselhälfte rund
ein Vierteljahrhundert eine Provinz Indonesiens.
(Quelle: dpa)
Bolivianischer Präsident erhebt schwere Vorwürfe gegen die USA
Do.01.06.06 - Der linksgerichtete bolivianische Präsident Evo Morales hat der
US-Regierung vorgeworfen, ein Attentat auf ihn geplant zu haben.
Washington habe Banden organisiert, «um Evo Morales zu verfolgen,
um Evo Morales zu töten», sagte der Präsident bei einer
Ansprache in La Paz. «Sie haben es nicht geschafft und jetzt sind
wir organisiert und sie können uns nicht mehr stoppen.» Die
Verschwörung richte sich nicht nur gegen ihn, sondern wir
angestoßenen Veränderungen. Morales betonte, sein
venezolanischer Kollege Hugo Chavez sage die Wahrheit, wenn er behaupte,
die USA planten seinen Sturz. Morales wurde im Dezember gewählt
und verstaatlichte kürzlich die Gas-Industrie des Landes.
(Quelle: ap)
Bericht: Mehr Morde an Ureinwohnern in Brasilien unter Lula
Do.01.06.06 - In der Amtszeit des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio
Lula da Silva ist die Zahl der an Ureinwohner verübten
Gewaltverbrechen in Brasilien drastisch gestiegen. Wie der
brasilianische Indiomissionsrat CIMI in einem am Dienstag
veröffentlichten Bericht darlegt, wurden in den Jahren 2003 bis
2005 122 Ureinwohner ermordet; unter der Vorgängerregierung seien
dagegen im Zeitraum von 1999 bis 2001 51 Morde gezählt worden. "In
Brasilien gibt es eine enorme Aggressivität gegenüber der
indigenen Bevölkerung, die sich in der Missachtung ihrer Anliegen,
Gewalt, sexuellem Missbrauch, mangelnder Gesundheitsversorgung,
Unterernährung, Rassismus und Diskriminierung äußert",
heißt es in dem Bericht.
(Quelle: afp)
USA setzen Unterstützung für Serbien aus
Do.01.06.06 - Die US-Regierung hat die finanzielle Unterstützung Serbiens wegen
mangelnder Kooperation mit dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag
eingefroren. Wie das Außenministerium am Mittwoch (Ortszeit)
bekannt gab, werden sieben Millionen Dollar (5,4 Millionen Euro)
vorerst nicht an die Regierung in Belgrad ausgezahlt. «Wir rufen
Belgrad zur vollständigen Zusammenarbeit mit dem Tribunal
auf», sagte der Sprecher des State Department, Sean McCormack.
Oberste Priorität habe die Festnahme und Überstellung
mutmaßlicher Kriegsverbrecher, insbesondere des noch immer
flüchtigen Ratko Mladic, erklärte McCormack. Zuvor hat die EU
ihre finanzielle Unterstützung und Verhandlungen mit Belgrad auf
Eis gelegt, weil der bosnisch-serbische Exgeneral immer noch auf freiem
Fuß ist.
(Quelle: ap)
Deutschland
Bundeswehrverband kritisiert Auslandseinsätze als konzeptlos
Do.01.06.06 - Der Bundeswehrverband hat die deutschen Auslandseinsätze als
konzeptlos und Besorgnis erregend kritisiert. Mit Blick auf die Lage in
Afghanistan sagte der Verbandsvorsitzende Bernhard Gertz der
«Leipziger Volkszeitung», der Einsatz dort basiere nicht auf
einem wirklich schlüssigen Konzept. Die Aufgabenverteilung
zwischen den Nationen funktioniere nicht richtig: «Insgesamt
verfehlen wir das Ziel, die Lebensverhältnisse der Menschen zu
verbessern.» Daraus ergäben sich Rückwirkungen auf die
Sicherheit der Soldaten, die Anlass zur Sorge gäben.
Der Oberst schloss Motivationsprobleme für die zu entsendenden
Soldaten nicht aus: «Bislang wussten wir, 99 Prozent der
Bevölkerung stehen hinter unseren Soldaten. Das trifft heute nicht
mehr zu.» Die Bevölkerung sei müde geworden. Es werde
auch nicht mehr differenziert zwischen Amerikanern und Europäern.
Vor diesem Hintergrund regte Gertz eine ergänzende psychologische
Einsatz-Betreuung der Soldaten an. Diese müssten noch intensiver
vorbereitet werden auf die sich verschärfende Konfliktsituation.
Den Politikern warf Gertz vor, sich manchmal die Verhältnisse
schön zu reden. Das sei schon in Bosnien und im Kosovo der Fall
gewesen. In Afghanistan hätte schon sehr viel früher eine
Bestandsaufnahme gemacht werden müssen, warum es noch immer keine
Aussicht auf einen strategischen Erfolg gebe, sagte der Verbandschef:
«So belastet die immer noch nicht geklärte Frage des
Zusammenwirkens zwischen 'Operation Enduring Freedom' - den wesentlich
von den USA gestellten Anti-Terroreinheiten - und der ISAF alle
beteiligten Soldaten.»
Mit Blick auf den umstrittenen Kongo-Einsatz der Bundeswehr sprach
Gertz erneut von «politischem Show-Business mit militärischen
Mitteln». Es gebe eine europäische Afrikastrategie. Sie
werde nur nicht konsequent umgesetzt: «Wir erzählen unseren
Bürgern und den Menschen im Kongo, wir kämen besuchsweise
für vier Monate, machen uns dann wieder aus dem Staub, und
trotzdem sei alles gut», kritisierte der Oberst. Dabei müsse
der Kongo als zentraler Ankerpunkt für eine Stabilisierung Afrikas
genutzt werden.
(Quelle: ap)
Umfrage: Mehrheit gegen Kongo-Einsatz der Bundeswehr
Do.01.06.06 - Die Mehrheit der Deutschen lehnt den geplanten Bundeswehreinsatz im
Kongo ab. Wie eine am Mittwoch veröffentlichte Forsa-Umfrage im
Auftrag des Magazins «Stern» ergab, sprechen sich 57 Prozent
der Bundesbürger gegen einen Beteiligung an der EU-Mission aus,
mit der die erste Mehrparteienwahl seit vier Jahrzehnten in dem
zentralafrikanischen Land überwacht werden soll. 40 Prozent der
Bürger befürworten den Einsatz.
Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte 1001 repräsentativ
ausgewählte Bundesbürger.
Der Bundestag will am heutigen Donnerstag über das
Bundeswehr-Mandat für den Kongo entscheiden. Vorgesehen ist, bis zu
780 deutsche Soldaten für die EU-Mission bereit zu stellen. Die
Haupteinsatzkräfte sollen im Nachbarland Gabun in Bereitschaft
stehen.
(Quelle: ddp)
Koalition verschärft Sanktionen bei Hartz IV
Do.01.06.06 - Vor der am heutigen Donnerstag geplanten Verabschiedung des
Hartz-IV-Korrekturgesetzes im Bundestag hat die Koalition die geplanten
Sanktionsmöglichkeiten bei der wiederholten Ablehnung angebotener
Jobs verschärft. Eine entsprechende Änderung des
Gesetzentwurfs zur "Fortentwicklung der Grundsicherung für
Arbeitssuchende" wurde mit den Stimmen von Union und SPD vom Arbeits-
und Sozialausschuss des Bundestages beschlossen. Dem Beschluss zufolge
können nach dem dritten derartigen Fall künftig die Leistungen
ganz gestrichen werden. Die Möglichkeit einer
Einzelfallprüfung wollen Union und SPD jedoch beibehalten.
Das Vorhaben der Koalition sieht vor, dass bereits bestehende
Sanktionsmöglichkeiten, wenn ein Arbeitsloser einen angebotenen Job
ablehnt, bei mehreren aufeinander folgenden Fällen auch kombiniert
werden können. Entfallen können der Neuregelung zufolge
grundsätzlich auch die Zahlungen für die Mietkosten des
Betroffenen. Allerdings können Sanktionen erlassen werden, wenn
der Betroffene sich nachträglich bereit erklärt, seinen
Pflichten nachzukommen. Auch dann muss jedoch in bestimmten Fällen
eine Minderung um mindestens 60 Prozent der Regelleistung erfolgen. Bei
Leistungskürzungen um mehr als 30 Prozent können dem
Betroffenen Sachleistungen als Ersatz zugesprochen werden. Dies ist eine
Soll-Vorschrift, wenn der Leistungsempfänger für
minderjährige Kinder sorgen muss.
Unterdessen schlug Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) vor,
bisherigen Ein-Euro-Jobbern teils den Zusatzverdienst zu streichen. "Die
Notwendigkeit, den einen Euro zu zahlen, sehe ich nicht in jedem Fall",
sagte Kauder der "Süddeutschen Zeitung". "Wer Hartz IV bekommt,
muss dafür etwas als Gegenleistung erbringen. Und wenn er nur
drei, vier Stunden etwas tut", fügte der CDU-Politiker hinzu. "Es
darf nicht der Eindruck entstehen, in Deutschland bekommt man als
Arbeitsfähiger eine Grundsicherung und kann den ganzen Tag im Bett
liegen bleiben."
Zugleich verlangte Kauder, auch ein arbeitsloser Akademiker oder
Manager müsse, wenn er Arbeitslosengeld II erhalte, zum
Spargelstechen herangezogen werden können. "Also von mir zum
Beispiel könnte man erwarten, dass ich abends in der Kneipe
bediene", sagte der CDU-Politiker.
(Quelle: afp)
Stimmungsmacher der Hartz-Republik
Hartz IV ist für die einen Sozialstaatsabbau, für andere
genau das Gegenteil. Aber manchmal finden sich sogar Leute, die gleich
beide Thesen vertreten - je nachdem, wie der Wind weht. Und ausgerechnet
diese Wendehälse sind die prominentesten Meinungsmacher der
Republik... Mehr in der taz vom 30.05.06:
http://www.taz.de/pt/2006/05/31/a0144.1/text
Sozialverband hält Hartz-IV-Verschärfung für
überflüssig
Do.01.06.06 - Der Sozialverband Deutschland hat die geplante Verschärfung der
Hartz-IV-Vorschriften als überflüssig bezeichnet. «Die
Sanktionsregelungen sind jetzt schon scharf genug», sagte
Verbandspräsident Adolf Bauer der «Stuttgarter
Zeitung» (Donnerstagausgabe). Schon jetzt habe die Arbeitsagentur
die Möglichkeit, bei schwerwiegenden Pflichtverletzungen von
Arbeitslosen Arbeitslosengeld zu streichen.
Bauer wies darauf hin, dass gegenwärtig bereits das
Arbeitslosengeld II um 90 Prozent gekürzt werde, wenn ein
Erwerbsloser das Jobangebot drei Mal ausschlage. «Hier wird eine
Scheindebatte geführt», zitierte das Blatt den Verbandschef
und warf der Koalition vor, mit der Androhung schärferer
Sanktionen von den eigentlichen PProblemenabzulenken. Die
Arbeitsagenturen sollten ihre Vermittlung verstärken, anstatt
Personen ohne Job zu Sündenböcken zu machen, sagte Bauer.
(Quelle: ap)
Arbeitslosenzahl sinkt im Mai deutlich
Keine Entspannung am Ausbildungsmarkt. BA befürchtet
größere Lehrstellenlücke als im vorigen Jahr
Do.01.06.06 - Die Zahl der Arbeitslosen ist im Mai überraschend deutlich
gesunken: Sie ging im Vergleich zum April um 255.000 auf 4,535
Millionen zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA)
mitteilte. Dies war der stärkste Rückgang in einem Mai seit
dem Einheitsjahr 1990. BA-Chef Frank-Jürgen Weise bezeichnete die
Entwicklung am Arbeitsmarkt als "erfreulich". Arbeitsminister Franz
Müntefering (SPD) erklärte, der Rückgang reiche noch
nicht aus, sei aber schon ein Erfolg. Angespannt bleibt die Situation
dagegen vor allem am Ausbildungsmarkt.
Die Arbeitslosenquote sank im Mai im Vergleich zum Vormonat um 0,7
Punkte auf 10,8 Prozent. Gegenüber dem Mai des Vorjahres lag die
Arbeitslosenzahl um 349.000 niedriger. Die Arbeitslosigkeit sei
unerwartet stark gesunken, unterstrich Weise. Die Nachfrage nach
Arbeitskräften sei nochmals gestiegen und der
Beschäftigungsabbau habe sich weiter verlangsamt.
Müntefering sprach sich für eine "gemeinsame
Kraftanstrengung" aus, um die "positiven Tendenzen" zu verstärken.
Er forderte die Wirtschaft auf, mehr Arbeit und mehr
Ausbildungsplätze zu schaffen. Sie habe die Kraft dazu und auch
die Verantwortung, erklärte der Arbeitsminister.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) wertete die Entwicklung
als Beleg dafür, dass die Regierung auf dem richtigen Weg sei. Von
einer "grundlegenden Wende am Arbeitsmarkt" könne aber noch nicht
gesprochen werden.
Keine Entspannung gab es dagegen am Ausbildungsmarkt. Im Mai waren laut
BA 134.400 Ausbildungsplätze noch unbesetzt, neun Prozent mehr als
vor einem Jahr. Auf der anderen Seite suchten jedoch 354.500 junge
Menschen einen Job. Dies waren 15 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die
rechnerische Lücke zwischen unbesetzten Lehrstellen und Bewerbern
lag bei 220.110 und war damit deutlich größer als vor einem
Jahr, als die Differenz 185.000 betrug. Die derzeitige Lücke sei
allerdings durch die Umstellung des Vermittlungssystems
überzeichnet, erklärte die BA.
Die Arbeitsagentur zeigte sich dennoch besorgt angesichts der
Entwicklung am Ausbildungsmarkt. Bis zum Ende des Berufsberatungsjahres
Ende September sei eine größere Lücke als im
vergangenen Jahr zu befürchten.
Saisonbereinigt ging die Arbeitslosigkeit laut BA im Mai um 93.000
zurück. Von November bis Mai lag der Rückgang demnach pro
Monat durchschnittlich bei 30.000. Die Zahl der Erwerbstätigen
nahm nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im
April saisonbereinigt um 10.000 zu. Nicht saisonbereinigt stieg die
Erwerbstätigkeit um 168.000 auf 38,56 Millionen.
(Quelle: afp)
Kommunen wollen mehr Geld von Bund und Ländern für
Jugendzentren
Do.01.06.06 - Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat von Bund und
Ländern mehr Geld für den Erhalt von Jugendzentren gefordert.
Wenn die Kommunen wegen der erdrückenden Finanzlage gezwungen
seien, immer mehr Betreuungseinrichtungen für Jugendliche zu
schließen, sei das eine kurzsichtige Politik und ein Schritt in
die falsche Richtung, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd
Landsberg der Chemnitzer «Freien Presse».
Er forderte zugleich die Unternehmen auf, den Jugendlichen deutlich
mehr Ausbildungsplätze bislang zur Verfügung zu stellen. Es
sei nicht akzeptabel, dass erneut zigtausende Mädchen und Jungen
nach dem Schulabschluss keine Lehre beginnen könnten. Eine wichtige
Ursache für die zunehmende Gewaltbereitschaft und die
Anfälligkeit für rechtsextremistisches Gedankengut sei die
Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher, die keinerlei Chance auf einen
Lehrstelle oder Arbeitsplatz hätten, betonte Landsberg.
(Quelle: ap)
Verfassungsrichter fordern Gesetz für Jugendstrafvollzug
Do.01.06.06 - Das Bundesverfassungsgericht hat eine gesetzliche Regelung für den
Jugendstrafvollzug gefordert. In einer am Mittwoch in Karlsruhe
verkündeten Entscheidung ließen die Richter dem Gesetzgeber
eine Frist bis Ende des kommenden Jahres. Die Verfassungsbeschwerde
eines verurteilten Mörders, der seit 2003 seine Jugendstrafe
absitzt und sich unter anderem gegen Disziplinarmaßnahmen ohne
gesetzliche Grundlage gewehrt hatte, wurde jedoch abgewiesen.
Bislang ist das Jugendstrafrecht nur mit einigen wenigen Paragrafen
sowie einheitlichen Verwaltungsvorschriften geregelt. Eine
bundeseinheitliche Rechtsverordnung gibt es aber nicht.
Beschwerdeführer war ein verurteilter Mörder, der seit 2003
seine neunjährige Jugendstrafe absitzt. Wegen der allgemeinen
Kontrolle seiner Post und einer Disziplinarmaßnahme sah der Mann
seine Grundrechte verletzt, weil es nach seiner Ansicht dafür keine
gesetzliche Grundlage gibt.
Während der mündlichen Verhandlung in Karlsruhe forderten
Rechtsexperten gesetzliche Mindeststandards für den
Jugendstrafvollzug. Auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD)
sagte, es sei unbefriedigend, dass seit dreißig Jahren kein
Jugendstrafvollzugsgesetz verabschiedet werden konnte. Als Grund nannte
sie vor allem Differenzen bei der Finanzierung des Jugendstrafvollzugs.
(Aktenzeichen: Bundesverfassungsgericht 2 BvR 1673/04 und 2402/04)
(Quelle: ap)
Entmachteter Berliner WASG-Vorstand vorläufig wieder im Amt
Do.01.06.06 - Der abgesetzte Berliner WASG-Landesvorstand hat einen ersten
juristischen Sieg gegen die Bundespartei errungen und darf
vorläufig im Amt bleiben. Das Landgericht Berlin gab am Mittwoch
einem Antrag des Vorstands statt, der sich gegen seine Entmachtung zur
Wehr gesetzt hatte. Der Landesverband sprach von einem großen
Erfolg. Die WASG-Bundesspitze hingegen ist nach Worten von
Vorstandsmitglied Axel Troost «sehr enttäuscht». Die
Linkspartei bedauerte das Urteil, hält die geplante Fusion aber
nicht für gefährdet.
Das Landgericht setzte mit einer einstweiligen Verfügung den
Beschluss der Bundes-WASG bis zum nächsten Bundesparteitag
vorläufig außer Kraft, wie eine Sprecherin mitteilte. Die
eigenständige Anmeldung zu einer Wahl durch einen Landesvorstand
sei weder rechtswidrig noch verstoße sie gegen die Parteisatzung,
hieß es zur Begründung.
Der WASG-Bundesparteitag soll wie geplant im November stattfinden. Eine
vorherige Einberufung komme allein aus Kostengründen nicht in
Betracht, erkläre Troost. Bis dahin sei die Wahl zum
Abgeordnetenhaus - sie findet am 17. September statt - jedoch schon
über die Bühne gegangen. «Aus meiner Sicht ist die
Sache gelaufen», sagte Troost. Offenbar gelte der Wille eines
Landesvorstandes mehr als der eines Bundesverbandes.
Der Fusionsbeauftragte der Linkspartei, Bodo Ramelow, sagte, der
WASG-Bundesvorstand habe alles getan, um einen konkurrierenden
Wahlantritt in Berlin zu verhindern. Er appellierte nochmals an den
Landesvorstand, darauf zu verzichten Gleichwohl kündigte er an,
der Linkspartei-Vorstand werde seinen Berliner Landesverband im
konkurrierenden Wahlkampf nach Kräften unterstützen.
«Einzelne separatistische Gruppen» würden das Projekt
einer gemeinsamen linken Partei zwar nicht befördern, aber auch
nicht gefährden.
Der Landesverband Berlin erklärte, der Richterspruch sei
«eine Niederlage für jene, die die WASG nach einem
autoritär-zentralistischen Parteimodell aufbauen wollen. Der
Versuch, die Kandidatur gegen Sozialabbau und die Politik des kleineren
Übels durch Sanktionen zu verhindern, ist gescheitert». Der
Landesvorstand werde weiterhin seinen Wahlkampf vorbereiten.
Am (heutigen) Donnerstag wird vor dem Landeswahlausschuss über die
Zulassung der Berliner WASG zur Abgeordnetenhauswahl entschieden. Die
Berliner wollen am 17. September gegen die Linkspartei antreten. Der
Bundesverband will dies verhindern, um die geplante Fusion mit der
Linkspartei auf Bundesebene nicht zu gefährden. Mit ihrem
Widerspruch gegen ihre Entmachtung waren die Berliner vor einem
Partei-Schiedsgericht gescheitert und hatten daraufhin beim Landgericht
eine einstweilige Verfügung beantragt.
(Quelle: ap)
Düsseldorfer Stadtrat stoppt Heine-Preis für Handke
Do.01.06.06 - Der umstrittene österreichische Schriftsteller Peter Handke soll
nun doch nicht den Heine-Preis erhalten: Die Mehrheit aus SPD, FDP und
Grünen im Düsseldorfer Rathaus kündigte an, die zehn Tage
zuvor gefällte Entscheidung der Preisjury zu kippen. Der Stadtrat
werde die Preisvergabe an Handke bei seiner nächsten Sitzung am
22. Juni ablehnen, sagte die Geschäftsführerin der
Grünen-Fraktion, Karin Trepke. Auch in der CDU-Fraktion wird eine
Ablehnung erwartet. Handke werden seine Haltung zum Jugoslawien-Konflikt
und geistige Nähe zu Slobodan Milosevic vorgeworfen.
Der Dramatiker wird seit langem wegen pro-serbischer
Äußerungen kritisiert. Die Kritik nahm zu, seit er bei der
Trauerfeier zu Milosevic' Begräbnis auftrat. Handkes Teilnahme am
Trauerzug sei eine "Beleidigung der Opfer", hatte Frankreichs
Staatsschauspiel Comédie-Française erklärt und ein
Handke-Stück abgesetzt.
Die Entscheidung der Heine-Preisjury für Handke sorgt seit einer
Woche für Streit. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"
entgegnete Handke seinen Kritikern, er habe "nie eins der Massaker in
den Jugoslawienkriegen 1991-95 geleugnet, oder abgeschwächt, oder
verharmlost, oder gar gebilligt". Handke fügte hinzu: "Nirgendwo
bei mir kann man lesen, ich hätte Slobodan Milosevic als 'ein' oder
'das Opfer' bezeichnet."
Der Preis zur Erinnerung an den deutschen Dichter Heinrich Heine wird
seit 1972 verliehen. In diesem Jahr ist die Auszeichnung mit 50.000 Euro
dotiert. Die aus Literaturexperten und Politikern zusammengesetzte Jury
begründete ihre Mehrheitsentscheidung für Handke am 20. Mai
mit den Worten: "Eigensinnig wie Heinrich Heine verfolgt Peter Handke
in seinem Werk seinen Weg zu einer offenen Wahrheit. Den poetischen
Blick auf die Welt setzt er rücksichtslos gegen die
veröffentlichte Meinung und deren Rituale."
Trepke sagte, bereits in der Jury habe sich die Grüne Marit von
Ahlefeld wegen Handkes "Nähe zu Milosevic" gegen den
Österreicher ausgesprochen, sei aber überstimmt worden.
NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Große-Brockhoff hatte
sich ebenfalls von der Entscheidung distanziert.
Die Liste der Heine-Preisträger umfasst von Carl Zuckmayer
über Hitler-Biograf Sebastian Haffner unter anderem den Barden Wolf
Biermann, Carl Friedrich und Richard von Weizsäcker,
Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und den Dichter Robert
Gernhardt. Jelinek zeigte sich "sehr entsetzt" über die
Entscheidung des Düsseldorfer Stadtrats. "Diese Entscheidung steht
dem Stadtrat nicht zu. Schließlich hat ja eine Jury entschieden.
Die sind ja auch keine hilflosen Kinder, die sich dominieren lassen",
sagte sie der österreichischen Nachrichtenagentur APA.
(Quelle: afp)
taz: 'Anschwellender Handke-Gesang'
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2006/05/31/a0152.1/text
Wiglaf Droste: 'Lieber Meise als Meute'
Die Nachricht, dass der Schriftsteller Peter Handke 2006 den mit 50.000
Euro dotierten Heine-Preis der Stadt Düsseldorf zugesprochen
bekommt, ist, wenn es denn dabei bliebe, jedenfalls keine schlechte. Die
Begründung der Jury trifft zu: Eigensinnig wie Heine verfolge
Handke den Weg zu einer offenen Wahrheit; seinen poetischen Blick auf
die Welt setze er rücksichtslos gegen die veröffentlichte
Meinung und ihre Rituale... Mehr in der taz vom 31.05.06:
http://www.taz.de/pt/2006/05/31/a0200.1/text