Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertundfünften Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Ranghohe US-Offiziere offenbar früh über mutmaßliches
Massaker in Haditha informiert. Irakische Regierung kritisiert
Entlastung von US-Soldaten nach Ischaki-Vorfall. Mindestens 28 Tote bei
Anschlag auf Markt in Basra. Russischer Diplomat in Bagdad erschossen.
Sieben Polizisten bei Anschlag getötet. Irakische Polizei findet
acht abgetrennte Köpfe
So.04.06.06 - Ranghohe Offiziere der amerikanischen Marineinfanterie sind nach einem
Zeitungsbericht schon zwei Tage nach dem mutmaßlichen Massaker in
der irakischen Stadt Haditha über den Vorfall informiert worden.
Die «New York Times» berichtete in ihrer Samstagsausgabe,
die Offiziere hätten frühzeitig gewusst, dass die
Zivilpersonen in Haditha nicht bei einem Bombenanschlag ums Leben
gekommen, sondern erschossen worden seien.
Nichts habe jedoch darauf hingedeutet, dass die Iraker absichtlich
erschossen worden seien, berichtete die Zeitung weiter. Daher sei auch
keine Untersuchung eingeleitet worden. Die US-Truppen stehen unter
Verdacht, im November in Haditha 24 Zivilpersonen - darunter Frauen und
Kinder - massakriert zu haben.
Ein Anwalt von überlebenden Familienmitgliedern sagte am Freitag,
drei oder vier Marineinfanteristen hätten die Schüsse
abgegeben, während etwa 20 weitere vor der Tür gewartet
hätten. Die Angehörigen der Opfer hätten eine Bitte der
US-Ermittler, die Leichen exhumieren zu dürfen, jedoch aus
religiösen Gründen abgelehnt, erklärte Chaled Salem
Rsajef.
Iraks Regierung hat einen Bericht des US-Militärs kritisiert, in
dem US-Soldaten vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung mehrerer
Zivilisten in der Stadt Ischaki entlastet werden.
"Wir haben mehr als eine Quelle, aus der hervorgeht, dass die
Tötungen in Ischaki unter fragwürdigen Umständen
geschahen", sagte Adnan al-Kasimi, ein Berater von
Ministerpräsident Nuri al-Maliki am Samstag. "Es wurde mehr als ein
Kind getötet. Der Bericht ist gegenüber dem irakischen Volk
und den getöteten Kindern nicht fair." Kasimi kündigte an,
die irakische Regierung werde ihre eigenen Ermittlungen zu dem Vorfall
in Ischaki vorantreiben und eine Entschuldigung der USA sowie
Entschädigungen für die Opfer fordern. Dies gelte auch
für das mutmaßliche Massaker in der Stadt Haditha.
Das US-Militär hatte am Freitag mitgeteilt, dass eine Untersuchung
des Vorfalls im irakischen Ischaki im März kein Fehlverhalten der
Soldaten ergeben habe. Sie hätten sich an die Vorschriften
gehalten. Vorwürfe, die Militärs hätten eine
elfköpfige Familie in einem Haus regelrecht hingerichtet und dann
versucht, dies mit Verweis auf einen Luftangriff zu vertuschen, seien
absolut falsch. Nach irakischen Polizeiangaben wurden die fünf
Kinder und sechs Erwachsenen durch Kopfschüsse getötet. Das
US-Militär geht davon aus, dass bei der Verfolgung eines
Aufständischen, der sich in das Haus geflüchtet habe, ein
Rebell sowie zwei Frauen und ein Kind getötet wurden. Allerdings
sei nach der Untersuchung nicht auszuschließen, dass bei dem
Einsatz bis zu neun Menschen getötet worden seien. Die genaue Zahl
sei aber in den Trümmern des Hauses nicht mehr festzustellen.
Bei einem Selbstmordanschlag in der südirakischen Stadt Basra sind
mindestens 28 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 80 Menschen wurden
verletzt, als am frühen Samstagabend in der Altstadt eine
Autobombe explodierte, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Der
Selbstmordattentäter habe sich auf einem bevölkerten
Marktplatz in die Luft gesprengt. Bei einem Überfall in Bagdad war
zuvor ein russischer Diplomat getötet worden, vier weitere wurden
entführt.
Am Mittwoch hatte Iraks Regierung einen einmonatigen Ausnahmezustand
über die zweitgrößte Stadt des Landes verhängt, um
die dortige Krise zu überwinden. In der 550 Kilometer südlich
von Bagdad gelegenen Stadt waren in den vergangenen Wochen hunderte
Menschen bei Auseinandersetzungen und Überfällen getötet
worden. Auslöser waren häufig Rivalitäten zwischen
Banden von Ölschmugglern.
Unbekannte Bewaffnete in Bagdad haben einen russischen Diplomaten
getötet und vier andere entführt. Diese Information sei sowohl
vom irakischen Innenministerium wie von der Botschaft selbst
bestätigt worden, melden russische Agenturen. Die Entführer
hatten laut CNN nahe der Botschaft ein Auto mit den Diplomaten
angegriffen und beschossen. Nach Berichten der Agentur Itar-Tass sind
drei der Entführten einfache Botschaftsmitarbeiter, der vierte ein
Diplomat im höheren Dienst.
Aufständische im Irak haben am Samstag einen Kontrollpunkt der
Polizei in Bakuba angegriffen. Dabei wurden sieben Polizisten
getötet und fünf Passanten verletzt, wie die Behörden
mitteilten. Bakuba, rund 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad, ist
schon seit geraumer Zeit Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen. So
haben Sunniten und Schiiten, die in der Stadt etwa gleich große
Bevölkerungsgruppen stellen, wiederholt Moscheen der jeweils
anderen Seite angegriffen.
Die irakische Polizei hat am Samstag nördlich von Bagdad acht
abgetrennte Köpfe gefunden. Bei den Leichenteilen wurde eine Notiz
gefunden, in dem einem der getöteten Männer der Mord an vier
schiitischen Ärzten und einem Exgouverneur vorgeworfen wurde, wie
die Behörden erklärten. Bei fünf der Opfer handele es
sich um Aufseher eines Krankenhauses in der Hauptstadt, die am
Donnerstag von der irakischen Polizei festgenommen worden waren.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki beriet unterdessen
mit Führern der sunnitischen und schiitischen Volksgruppen
über die Besetzung der Ministerien für Inneres und
Verteidigung. Al-Maliki hatte in dieser Woche angekündigt, die
Ämter am (morgigen) Sonntag zu besetzen.
(Quellen: ap, dpa, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 04.06.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihunderteinundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.04.06.05 - Im Irak starben in eineinhalb Jahren 12 000 Zivilisten. Unterdessen
geht das Blutvergießen weiter: Mindestens zehn Iraker bei
Selbstmordanschlag getötet +++ Irakische Parteien üben
Solidarität mit Sunniten-Parteichef Hamid....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0506040.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Zwölf Taliban-Kämpfer in Afghanistan getötet
So.04.06.06 - Mutmaßliche Taliban-Kämpfer haben eine Polizeistation im
Süden Afghanistan angegriffen. Bei den anschließenden
Gefechten wurden zwölf Aufständische getötet und 17
Menschen verwundet, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Unter den
Verletzten seien auch vier Sicherheitskräfte. Die
Taliban-Kämpfer nahmen die Polizeiwache in Miana Schien in der
Provinz Kandahar mit Maschinengewehren unter Beschuss. Die Kämpfe
hätten mehrere Stunden angedauert, sagte ein Sprecher der
Provinzregierung.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel beginnt mit Bau neuer Siedlung im besetzten Westjordanland
So.04.06.06 - Israel hat im besetzten Westjordanland mit dem Bau einer neuen
jüdischen Siedlung begonnen. In Jordantal sollen Familien aus dem
im vergangenen Jahr von Israel geräumten Gazastreifen einziehen,
berichteten israelische Medien. Die israelische Regierung von
Ministerpräsident Ehud Olmert will das Jordantal auch bei einem
angekündigten Rückzug aus einem Teil des Westjordanlandes als
Sicherheitszone beanspruchen. International wird ein Stopp des
Siedlungsbaus in den Palästinensergebieten gefordert.
(Quelle: dpa)
Fatah bringt neue Miliz in Stellung
So.04.06.06 - Als eine Demonstration der Macht hat die palästinensische
Fatah-Bewegung am Samstag in Dschenin eine neue Miliz in Stellung
gebracht. Die Einheit mit 2.500 Mitgliedern soll in den Straßen
der Stadt im Westjordanland für Sicherheit sorgen, wie die Fatah
erklärte. Die Partei des palästinensischen Präsidenten
Mahmud Abbas reagierte damit offensichtlich auf die Gründung einer
neuen Hamas-Miliz im vergangenen Monat.
«Ihr seid hier, um Euer Volk zu schützen sowie die
Institutionen der palästinensischen Regierung», sagte der
Fatah-Führer in Dschenin, Ata Abu Rmeileh, vor mehr als 2.000
versammelten Mitgliedern der neuen Miliz. «Wir stehen loyal zu
unserem Volk, nicht wie diejenigen, die sich an arabische und
nichtarabische Hauptstädte verkauft haben.»
Rmeileh bezog sich damit offensichtlich auf die Hamas-Regierung, die
von Syrien und dem Iran unterstützt wird. Nach der kurzen Ansprache
kamen die Milizionäre in 23 Gruppen zusammen und zogen durch die
Straßen von Dschenin. Sie trugen schwarze T-Shirts mit einem Bild
des verstorbenen palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat.
Die Hamas hat ihre neue Miliz Mitte Mai im Gazastreifen gegen den
Widerstand von Abbas installiert. Dessen Berater Nabil Amr erklärte
am Samstag, der Präsident werde erst in den Gazastreifen reisen,
wenn die Hamas-Miliz aufgelöst sei. Aus Kreisen der Fatah
verlautete, die Hamas plane die Gründung einer neuen
Sicherheitseinheit im Westjordanland. Die Kontrolle über die
Sicherheitskräfte ist einer der größten Streitpunkte im
Machtkampf zwischen der Fatah und der Hamas.
In Dschenin wurde wenige Stunden vor der Zeremonie ein ranghohes
Mitglied des militärischen Flügels der Hamas erschossen. Die
Hamas beschuldigte niemanden direkt, wies jedoch darauf hin, dass die
palästinensischen Sicherheitskräfte schon vor zwei Monaten auf
Abdel Hadi Sijam geschossen hätten.
Aus dem Gazastreifen feuerten Palästinenser abermals zwei Raketen
auf den Süden Israels ab. Sie beschädigten mehrere Fahrzeuge,
wie die israelischen Streitkräfte mitteilten. Sie reagierten mit
Artillerie-Feuer.
(Quelle: ap)
UN-Sicherheitsrat verstärkt Friedenstruppe für
Elfenbeinküste
So.04.06.06 - Der UN-Sicherheitsrat hat am Freitag eine Aufstockung der
internationalen Friedenstruppe für die Elfenbeinküste um 1.500
Soldaten beschlossen. Die Verstärkung der bislang 6.000 Blauhelme
sei «durch die Fortdauer der Krise und Hindernisse für den
Frieden» erforderlich, hieß es in einer Erklärung. Im
April hatte UN-Generalsekretär Kofi Annan einen Bericht vorgelegt,
demzufolge die bisherige Mission nicht stark genug sei, um die Spannung
zwischen dem von der Regierung kontrollierten Süden und dem von
Rebellen gehaltenen Norden zu entschärfen. Mehrere
Friedensabkommen seit 2003 wurden bislang nicht umgesetzt. Bis Ende
Oktober sollen Wahlen abgehalten werden. Die Aufstockung der
Friedenstruppe ist zunächst auf sechs Monate befristet.
(Quelle: ap)
UNO beendet Aids-Konferenz in New York
So.04.06.06 - Mit einem Plädoyer für den Schutz und die Aufklärung von
Frauen haben die Vereinten Nationen eine dreitägige Aids-Konferenz
beendet. Nach langwierigen Debatten verabschiedete die
UN-Generalversammlung in New York in der Nacht zum Samstag (Ortszeit)
den Text, in dem eine globale Strategie für den Kampf hegen das
HI-Virus formuliert wird. Die Erklärung erkennt den von der UNO
geschätzten Bedarf von 20 bis 23 Milliarden Dollar pro Jahr
für den Kampf gegen Aids bis zum Jahr 2010 zwar an, enthält
aber keine verpflichtenden Handlungsanweisungen.
Der Vorsitzende der Konferenz Jan Eliasson sprach von einem "guten,
substanziellen und vorausschauenden Dokument". Es werde besonders auf
die Stärkung von Frauen und Mädchen eingegangen. Die
Erklärung fordert unter anderem den Schutz von Frauen vor sexueller
Gewalt und die Möglichkeit für Frauen, frei über
Sexualität und Fortpflanzung zu bestimmen. Der Gebrauch von
Kondomen wird als Mittel der Aids-Prävention hervorgehoben. Dies
hatten einige moslemische und lateinamerikanische Länder
verhindern wollen.
Nichtregierungsorganisationen kritisierten das Fehlen konkreter
Handlungsvorgaben für die Finanzierung des Kampfes gegen Aids. Es
sei angesichts von 8500 Aids-Toten und 13.500 Neuinfizierten pro Tag
"unbegreiflich, wie die Verhandlungsführer so eine schwache
Erklärung beschließen konnten", sagte Aditi Sharma von der
Organisation ActionAid International. UNAIDS-Geschäftsführer
Peter Piot wies die Kritik zurück. In das Abschlussdokument seien
"erstmals einige der umstrittensten Themen" rund um Aids eingegangen,
sagte er.
(Quelle: afp)
Aidsgipfel fällt hinter Erwartung zurück
Afrikanische Regierungen beugen sich der Prüderie von Muslimen und
US-Konservativen: Die Abschlusserklärung der wichtigsten
Aidskonferenz der Vereinten Nationen seit fünf Jahren wird damit
verwässert. Aidsaktivisten sind empört... Mehr in der taz vom
03.06.06:
http://www.taz.de/pt/2006/06/03/a0084.1/text
Rumsfeld fordert China zu Offenheit bei Militärausgaben auf
So.04.06.06 - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat China zu mehr Transparenz
in Bezug auf seine gestiegenen Rüstungsausgaben aufgefordert. Es
sei auch im Interesse Pekings, Handlungen zu "entmystifizieren", die in
der Welt mit Sorge betrachtet würden, sagte Rumsfeld am Samstag auf
einer internationalen Sicherheitskonferenz in Singapur. Wegen seiner
wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung stehe China unter
verstärktem Druck, der internationalen Gemeinschaft sein Verhalten
zu erklären. Wenn der Rest der Welt in China ein
"möglicherweise bedrohliches Verhaltensmuster" beobachten
müsse, könne dies auch die Investitionsbereitschaft hemmen,
betonte Rumsfeld.
(Quelle: afp)
Landreform in Bolivien auf den Weg gebracht
So.04.06.06 - Mit der Übergabe von 20.000 Quadratkilometern staatlichen Landes
an arme Indios hat der bolivianische Präsident Evo Morales am
Samstag eine Bodenreform in Angriff genommen. In der Stadt Santa Cruz
im Osten des Landes versammelten sich tausende Ureinwohner, um
Besitzurkunden zu erhalten. Zuvor waren Gespräche zwischen Morales
und Vertretern der Landwirtschaftsindustrie über die so genannte
Agrarrevolution gescheitert. Sie sieht vor, in den kommenden fünf
Jahren 200.000 Quadratkilometer Land zu verteilen.
Der Plan heizt die seit langem schwelenden Spannungen zwischen den
wohlhabenden Bewohnern der landwirtschaftlich genutzten bolivianischen
Ebene und den ärmeren, überwiegend indianischen Völkern
der westlichen Hochebene an. Ein Großteil des für die Reform
vorgesehenen Gebiets ist brachliegendes staatliches Land in der
fruchtbaren östlichen Ebene. Vizelandminister Alejandro Almaraz
sagte, die Regierung werde eine nachhaltige Bewirtschaftung
sicherstellen. Außerdem werde darauf geachtet, dass keine
Wälder oder Naturschutzgebiete betroffen seien.
Für die Reform wurde kein Land beschlagnahmt. Die Regierung hat
aber angekündigt, letztlich Privatland zu beschlagnahmen oder
umzuverteilen, das nicht produktiv genutzt wird, illegal in Besitz
genommen wurde oder zu Spekulationszwecken verwendet wird. Nach
Regierungsangaben werden knapp 90 Prozent der produktiven
Agrarfläche Boliviens von lediglich 50.000 Familien bewirtschaftet.
(Quelle: ap)
Putin für europäische Energie-Charta unter Gleichberechtigten
So.04.06.06 - Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich prinzipiell
für eine von der Europäischen Union geforderte
europäische Energie-Charta ausgesprochen. Im Gespräch mit den
Leitern der größten Nachrichtenagenturen aus den
G8-Ländern, forderte der Präsident am Freitag zugleich eine
Gleichbehandlung beider Seiten. Die EU wolle "ins Herz der russischen
Wirtschaft vordringen". Dann müsse sie aber auch umgekehrt Russland
in das Herz der EU-Wirtschaft vorstoßen lassen, sagte er in
seiner Residenz in Nowo Ogarewo bei Moskau. Die russischen
Energiesysteme arbeiteten mit russischen Mitteln und Geldern. Sie
gehörten dem russischen Volk, fügte Putin hinzu. Das Thema
Energie steht im Mittelpunkt des Gipfels der sieben wichtigsten
Industriestaaten und Russlands (G8) im Juli in St. Petersburg.
(Quelle: afp)
Montenegro erklärt Unabhängigkeit
So.04.06.06 - Montenegro hat mit einem Feuerwerk seine Unabhängigkeit und die
Trennung vom Staatenbund mit Serbien gefeiert. Das Parlament in der
Hauptstadt Podgorica hatte zuvor eine Deklaration über die
Wiederherstellung der Staatlichkeit und Unabhängigkeit
verabschiedet. Rechtsgrundlage für die Entscheidung war das
Referendum vom 21. Mai, bei dem sich 55,5 Prozent der Wähler
für die Souveränität entschieden hatten. Der Sitzung des
Parlaments blieben die pro-serbischen, oppositionellen Parteien fern.
(Quelle: dpa)
Konservative gewinnen Wahl in Prag
So.04.06.06 - Die oppositionelle Demokratische Bürgerpartei hat die
Parlamentswahlen in Tschechien gewonnen. Das teilte die
Statistikbehörde in Prag am Abend offiziell mit. Die konservative
Partei erreichte laut amtlichem Endergebnis 35,4 Prozent der Stimmen.
Zweitstärkste Kraft wurden die regierenden Sozialdemokraten mit
32,3 Prozent vor den orthodoxen Kommunisten mit 12,8 Prozent. Das
Ergebnis bedeutet, dass eine von Wahlsieger ODS angestrebte Koalition
mit KDU- CSL und Grünen keine Mehrheit im Parlament hätte.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Streit um Hartz IV eskaliert
So.04.06.06 - Der Streit in der großen Koalition über die Korrektur der
Arbeitsmarktreform Hartz IV droht zu eskalieren. SPD-Chef Kurt Beck
forderte die Unions-Ministerpräsidenten auf, dem
Fortentwicklungsgesetz zu Hartz IV im Bundesrat zuzustimmen.
«Es darf nicht zu parteipolitisch motivierten Verzögerungen
oder gar Blockaden kommen, wie das hier der Fall ist», sagte der
rheinland-pfälzische Ministerpräsident dem
«Tagesspiegel am Sonntag» zu Ankündigungen aus der
Union, die vom Bundestag verabschiedeten Hartz-IV-Korrekturen in der
Länderkammer zu stoppen.
Beck appellierte an Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel, auf
die Ministerpräsidenten einzuwirken. «Parteivorsitzende
haben immer die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Vereinbarungen
eingehalten werden. Das gilt in diesem Fall und ganz
grundsätzlich.» Union und SPD hatten am Donnerstag im
Bundestag unter anderem beschlossen, dass hartnäckigen
Arbeitsverweigerern die Unterstützung gestrichen werden kann. Den
Länderchefs reichen die Änderungen angesichts der steigenden
Kosten für Hartz IV aber nicht aus.
Laut «Passauer Neuer Presse» (Samstag) wollen mehrere
Unions-geführte Bundesländer das
Hartz-IV-Fortentwicklungsgesetz so im Bundesrat nicht passieren lassen.
Vor allem wird auf die massiven Probleme der Kommunen wegen der hohen
Mietkosten für die gestiegene Zahl der Bedarfsgemeinschaften
verwiesen. Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) hatte die
Unions-Ministerpräsidenten am Freitag harsch dafür
kritisiert, weil sie sich nicht an Absprachen hielten.
Die Einsparungen durch die Aufdeckung von Leistungsmissbrauch bei
Hartz-IV-Empfängern fallen voraussichtlich deutlich geringer aus,
als von der Bundesregierung erwartet. Bislang seien nur 26 Millionen
Euro an Leistungen zu Unrecht ausgezahlt worden und werden nun
zurückgefordert, sagte ein Sprecher der Bundesagentur für
Arbeit in Nürnberg der «Thüringer Allgemeinen»
(Samstagsausgabe). Nur etwa fünf Prozent der Langzeitarbeitslosen
hätten in der Vergangenheit ALG II zu Unrecht erhalten. Das
Bundesarbeitsministerium hatte sich allein durch das Aufspüren von
Nebeneinkünften und Vermögen jährlich Einsparungen 500
Millionen Euro erhofft.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla kündigte unterdessen
weitere langfristige Änderungen an Hartz IV an. «Wir
brauchen Veränderungen bei den
Zuverdienstmöglichkeiten», sagte er der «Berliner
Zeitung» (Samstag). Auch die Junge Union forderte weitere
Einschnitte: «Wir haben heute in Deutschland faktisch einen
Kombilohn aus Hartz IV und Schwarzarbeit. Das müssen wir
ändern, auch um die Staatsausgaben zu verringern», sagte der
Vorsitzende der CDU-Nachwuchsorganisation, Philipp Mißfelder, der
«B.Z. am Sonntag».
(Quelle: dpa)
Tausende bei Demo gegen Sozialabbau in Berlin
So.04.06.06 - In Berlin gingen tausende Menschen gegen die Reformpolitik der
Bundesregierung auf die Straße. Unter dem Motto «Schluss
mit den "Reformen" gegen uns!» zogen nach Polizeiangaben rund
3500 Menschen durch die Berliner Innenstadt. Die Protestaktion, die
auch von der Linkspartei, der WASG und Gewerkschaften unterstützt
wurde, richtete sich auch gegen eine Erhöhung des
Renteneintrittsalters auf 67 Jahre. In einem Aufruf wurde zudem die
"schikanöse Kontrolle" von Arbeitslosen kritisiert.
"Wir fordern den sofortigen Stopp der Umverteilung von unten nach
oben", hieß es in dem Aufruf weiter. Notwendig sei stattdessen
eine "radikale Abkehr von der bisherigen Sozial- und
Wirtschaftspolitik". Konkret forderten die Demonstranten einen
gesetzlichen Mindestlohn von mindestens zehn Euro sowie die
Erhöhung des Arbeitslosengeldes II auf mindestens 500 Euro.
Ursprünglich hatten die Veranstalter mit 50 000 Teilnehmern
gerechnet.
(Quellen: afp, dpa)
Gesetzlich Krankenversicherten droht Beitragsschub
So.04.06.06 - Millionen gesetzlich Krankenversicherte müssen in den
nächsten Monaten mit höheren Beitragssätzen rechnen.
Der Vorstandschef der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), Rudolf
Hauke, sagte der «Neuen Presse» (Samstag) in Hannover:
«Wenn sich an den Rahmenbedingungen nichts ändert, wird der
GKV-Durchschnitt bis Ende des Jahres auf 13,45 steigen und
am 1. Januar 2007 bei 13,7 oder sogar 13,8 Prozent liegen.» Zur
Zeit liegt der durchschnittliche Beitragssatz in der gesetzlichen
Krankenversicherung noch bei 13,3 Prozent. Auch die «Berliner
Zeitung» (Samstag) berichtet unter Berufung auf
Krankenkassenkreise, die Beiträge könnten auf breiter Front um
0,5 bis 0,8 Prozent steigen.
Der KKH-Chef Hauke begründete die möglichen Erhöhungen
mit milliardenschweren Belastungen, die auf die Krankenkassen
zukämen. Er nannte die Mehrwertsteuererhöhung, aber vor allem
durch die Rücknahme des Steuerzuschusses für
versicherungsfremde Leistungen. Wenn die Politik nichts unternähme
«kann das nur durch höhere Beiträge oder was noch
schlimmer wäre durch neue Schulden der Krankenkassen
aufgefangen werden», sagte Hauke.
Er rechne allerdings nicht mit einer schnellen Einigung der
großen Koalition auf Eckpunkte einer Gesundheitsreform: «Ich
persönlich fürchte, dass wir uns von dem Ziel der Politik,
bis zum Sommer etwas auf den Tisch zu legen, verabschieden können.
Und ich bezweifle auch, dass das bis zum Herbst geschieht.»
Deutschlands größte Krankenkasse, die Barmer, schloss nur
für dieses Jahr Beitragserhöhungen für ihre Versicherten
definitiv aus. «Der Druck in der gesetzlichen Krankenversicherung
für 2007 ist erheblich», sagte eine Barmer-Sprecherin der
«Berliner Zeitung». Steuere die Regierung nicht dagegen, sei
auf breiter Front mit Beitragserhöhungen zu rechen.
Die Betriebskrankenkassen wollen ihre Sätze nach Auskunft ihres
Verbandes 2006 ebenfalls «weitgehend stabil halten». Die
Techniker Krankenkasse und die Gmünder Ersatzkasse hatten zuvor
eingeräumt, dass sie über Beitragserhöhungen nachdenken.
Entscheidungen dazu sollen bis Ende Juni fallen.
(Quelle: dpa)
Bundespräsident fordert von der Wirtschaft mehr Lehrstellen
So.04.06.06 - Bundespräsident Horst Köhler hat die deutschen Unternehmen
aufgefordert, mehr Lehrstellen zur Verfügung zu stellen. «Da
kann mehr geschehen und muss auch mehr geschehen», sagte der
Staatschef in der ARD-Sendung «Bericht aus Berlin», die am
heutigen Pfingstsonntag ausgestrahlt werden sollte. Die Bundesregierung
kündigte unterdessen an, dem Lehrstellenmangel besonders mit der
Förderung kleinerer Unternehmen zu begegnen.
Köhler appellierte an die Wirtschaft: «Ihre Verantwortung
hört nicht am Werkstor auf.» Fairerweise müsse man
leider auch feststellen, dass es zu viele Jugendliche gebe, die wegen
mangelnder Qualifikation von den Unternehmen als nicht
ausbildungsfähig eingestuft würden, sagte er laut
Vorabmeldung.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan schrieb in einem Gastbeitrag
für die «Bild am Sonntag», dass in diesem Jahr 30
Millionen Euro für 100 Projekte zur Verfügung gestellt
würden. «Das Bundesbildungsministerium wird sein
'Jobstarter'-Programm besonders auf kleine und mittlere Unternehmen
sowie Existenzgründer ausrichten.» Jetzt müsse um jeden
Ausbildungsplatz gekämpft werden.
Zugleich ermahnte die CDU-Politikerin die Tarifpartner, die
Voraussetzungen für die Einstellung von Lehrlingen zu erleichtern.
«Wir brauchen weniger Spezialisierungen, die komplizierten
Prüfungsordnungen und das Gebührensystem müssen
vereinfacht werden.» Appelle genügten nicht mehr.
(Quelle: ap)
Mehrere tausend Menschen protestieren gegen Rechts
So.04.06.06 - Rund 3500 Menschen haben am Samstag im oberpfälzischen Cham gegen
rechtsextremistische Umtriebe in der Region protestiert. Zu den
Hauptrednern der Kundgebung auf dem Chamer Marktplatz zählten
Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU), Landrat Theo Zellner (CSU)
sowie Chams 1. Bürgermeister Leo Hackenspiel (Freie Wähler).
«Verschwindet aus Cham, wir wollen euch nicht haben», sagte
Landrat Zellner unter lautstarkem Beifall der Teilnehmer an die Adresse
der Rechtsradikalen. Cham müsse wie bisher «bunt und
vielfältig» bleiben. Die Veranstaltung stand unter dem Motto
«Unser Regenbogen ist bunt - nicht braun». Neben
Redebeiträgen sollte es auch zahlreiche musikalische und
kabarettistische Darbietungen geben.
Die Stadt Cham war in den vergangenen Wochen im Zusammenhang mit
Rechtsextremismus in die Schlagzeilen geraten: Die NPD will in der
ostbayerischen Stadt einen ehemaligen Supermarkt erwerben und diesen
für Parteiveranstaltungen nutzen. Mehrmals kam es in der
Vergangenheit außerdem zu rechtsradikalen Überfällen auf
Ausländer. Für den 17. Juni hat die NPD ihren
«Bayerntag» in der Region Cham/Schwandorf angekündigt.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Schlüsselprotein für die Skelettentwicklung entdeckt
So.04.06.06 - Wissenschaftler des Max Planck-Instituts für Immunbiologie in
Freiburg haben ein Protein entdeckt, das auf verschiedenen Ebenen in die
Koordination der Skelettentwicklung einbezogen ist. Dieses
SATB2-Protein stellt einen wichtigen Knotenpunkt dar, der die für
die Skelettbildung wichtige molekulare Mechanismen für die
Entwicklung spezifischer Zelltypen sowie die Musterbildung - die
Zuweisung eines Zelltyps an einen bestimmten Ort - miteinander
verbindet. Die Erkenntnisse werden in der aktuellen Ausgabe der
Zeitschrift Cell veröffentlicht.
Aus Studien an Modellorganismen und aufgrund von Mutationen bei
Menschen hat sich herausgestellt, dass der Transkriptionsfaktor Hoxa2
Hauptregulator bei skelettalen Musterbildung ist, während Runx2 die
Transkription jener Gene steuert, die die Differenzierung der Knochen
bildenden Zellen (Osteoblasten) kontrollieren. Die Wissenschaftler
konnten nun nachweisen, dass SATB2 sowohl mit Hoxa2 als auch mit Runx2
interagiert und dabei die Expression von Hoxa2 herunter regelt,
während es die Aktivität von Runx2 verstärkt.
"Angesichts der großen Zahl vererbter skelettartiger
Anomalitäten beim Menschen ist es wichtig, unser Verständnis
der regulatorischen Mechanismen zu verbessern, die die Entwicklung des
Skeletts steuern", so Max Planck-Forscher Rudolf Grossschedl. "Mit SATB2
haben wir nun einen molekularen Mechanismus aufgedeckt, über den
sich Musterbildung und Differenzierung während dieser Entwicklung
miteinander verknüpfen lassen."
(Quelle: pte)
Film von Lernprozessen im Gehirn möglich
Forscher hoffen Veränderung von Hirnkarten während des
Lernens zu erkennen
So.04.06.06 - Mit einer neu entwickelten Software ist es Wissenschaftlern des
Instituts für Neuroinformatik der Ruhr-Universität Bochum und
der Universität Houston gelungen, einen Film der neuronalen
Aktivierung während eines Lernprozesses aufzunehmen. Die Forscher
erhoffen sich durch ihre Untersuchungen Antworten auf die weltweit
untersuchte Frage, welche Gesetzmäßigkeiten hinter der
Veränderung von Hirnkarten während des Lernens stehen, zu
finden.
"Das neue Imaging-System ermöglicht eine pausenlose Aufzeichnung
der Hirnaktivität", erklärt Hubert Dinse, Professor am
Institut für Neuroinformatik der Ruhr-Universität Bochum, im
Gespräch mit pressetext. Es ist eine neue Technik des Sehsystems,
wobei ein spezielles optisches Reizmuster abgespielt wird, während
die Aktivität der Hirnnervenzellen im visuellen Cortex
aufgezeichnet wird. Bis jetzt sei es nur möglich gewesen eine
Zustandsbeschreibung über neuronale Bilder vor und nach dem Lernen
aufzuzeichnen.
Mit der neuen Software dagegen ist es möglich während des
Lernens zu beobachten, wie sich die Hirnbereiche ändern.
"Perspektivisch gibt es nun viele Möglichkeiten", erläutert
Dinse. Zukünftig könne dies anwendbar sein bei der
Untersuchung in der krankheitsbedingten sowie altersbedingten
Entwicklung und der Entwicklung von Lernprozessen. Ein sehr aktuelles
Beispiel sei PISA. Mit der neuen Software könne man verstehen
lernen, welche Dynamik vorliegt, gut und schlecht zu lernen, so Dinse
weiter.
Das Verfahren basiert darauf, dass aktive Hirnnervenzellen mehr
Sauerstoff benötigen als inaktive. Bei vermehrter
Hirnaktivität strömt mehr sauerstoffreiches Blut in
betreffende Hirnbereiche. Mit Sauerstoff beladene Blutzellen absorbieren
Licht einer bestimmten Wellenlänge stärker als
sauerstoffarmes Blut. Mittels einer speziellen CCD-Kamera lassen sich
diese Verhältnisse aufzeichnen. Es entsteht eine Karte der
Aktivität im beobachteten Hirnareal. Bislang war die
Hirnaktivität beim Lernen nur mit Momentaufnahmen möglich. Mit
dem neuen Verfahren ist es möglich, die gesamten
Hirnaktivitäten in einem Film aufzunehmen. Das Projekt wird mit
750.000 Dollar über drei Jahre aus dem Human Frontier Science
Program gefördert.
(Quelle: pte)
Politiker will Kontrolle für Nanotechnologie nach IAEA-Muster
So.04.06.06 - Angesichts möglicher Risiken durch die Nanotechnologie hat ein
französischer Politiker eine Kontrollstelle nach dem Vorbild der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) gefordert. In dieser
Behörde sollten neben den betroffenen Staaten auch
Nichtregierungsorganisationen vertreten sein, sagte der sozialisitische
Chef des Regierungsbezirks Isère, André Vallini, am
Freitag zur Einweihung des Nanotechnologie-Forschungszentrums Minatec im
ostfranzösischen Grenoble. Er werde in den kommenden Wochen "auf
nationaler und europäischer Ebene" eine Initiative für eine
Überwachung der Fortschritte mit der mikroskopisch kleinen
Technologie starten.
Am Donnerstag hatten in Grenoble 800 bis 1000 Menschen teilweise
gewaltsam gegen die Ansiedlung des acht Hektar großen Zentrums mit
4000 Arbeitsplätzen demonstriert. "Wir stehen vor einer
Gesundheitskatastrophe", sagte Stéphane Lhomme von der
Anti-Atom-Organisation "Sortir du nucléaire". "Nanotechnologie
verschmutzt die Umwelt genauso schwer wie gentechnisch veränderte
Organismen."
Die Bezeichnung Nanotechnologie bezieht sich auf die Größe
der produzierten Stoffe und Gegenstände, die im Bereich von einem
bis zu mehreren Atomen liegen. Bisher findet sie vor allem bei
Beschichtungen, der Herstellung von Materialien und in der
Halbleitertechnik Anwendung. Noch in den Kinderschuhen steckt der Bau
von Nanomaschinen, die etwa im Körper oder in der Umwelt ausgesetzt
bestimmte Aufgaben erfüllen könnten.
(Quelle: afp)