Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertundneunten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Italien zieht seine Truppen bis Ende des Jahres ab. Weitere Tote bei
Anschlägen im Irak
Do.08.06.06 - Italien wird seine 2.700 Soldaten bis Ende des Jahres aus dem Irak
abziehen, wie der italienische Außenminister Massimo D'Alema am
Mittwoch in Bagdad bekannt gab. Sein irakischer Kollege Hoschjar Sebari
erklärte, man sei zur Übernahme der Kontrolle in Nassirija im
Südwesten des Landes bereit. «Der Abzug wird nicht
plötzlich stattfinden», sagte er auf einer gemeinsamen
Pressekonferenz. Ende des Monats werde bereits mit der Übergabe der
Verantwortlichkeiten begonnen.
Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi löst mit dem
Rückzug ein Wahlversprechen ein. Erst am Montag waren bei einem
Anschlag auf eine italienische Militärkolonne im Süden ein
Soldat getötet und vier andere verletzt worden. Italien folgt mit
dem Ende seines Militärengagements den Entscheidungen Spaniens,
Bulgariens und anderer US-Verbündeter. Derzeit sind etwa 150.000
ausländische Soldaten im Irak stationiert, davon 130.000 Amerikaner.
Bei neuen Anschlägen kamen am Mittwoch schon vor Tagesanbruch
mehrere Menschen ums Leben. In Bagdad wurden bei der Explosion eines
Sprengsatzes zwei Polizisten in den Tod gerissen. Der Anschlag ereignete
sich nahe einer Passstelle im Osten der Hauptstadt. Nicht weit davon
entfernt gingen drei Raketen nieder. Dabei wurde ein Mann getötet,
der wegen der derzeitigen Hitzewelle auf dem Dach seines Hauses schlief.
Am späten Dienstagabend explodierte eine Autobombe am Rande eines
schiitischen Trauergottesdienstes im Südwesten Bagdads. Mindestens
vier Menschen kamen ums Leben, etwa 20 wurden verletzt. Kurz zuvor hatte
Ministerpräsident Nuri al-Maliki in einer Rede seine Absicht
bekräftigt, die Gewalt in den Griff zu bekommen. Am Mittwoch
ordnete er die Freilassung der ersten 600 von insgesamt 2.500 Gefangenen
an, um im Lande Versöhnung und nationalen Dialog zu fördern.
Von den 50 am Montag in Bagdad entführten Irakern kamen am
Mittwoch 15 wieder frei, wie die Polizei mitteilte. Die Geiseln
hätten zum Teil Folterspuren aufgewiesen.
(Quelle: ap)
Am Wendepunkt
Kommandeurs-Berichte an das Pentagon sprechen davon, dass der
Irak-Krieg verloren sei... Mehr bei telepolis vom 07.06.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22837/1.html
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 08.06.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertfünfundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.08.06.05 - Sunnitische Geistliche im Irak verurteilen Regierungspolitik +++
Mindestens 18 Tote bei Anschlägen. Seit Ernennung der neuen
irakischen Regierung Ende April kamen mehr als 800 Iraker und 88
US-Soldaten ums Leben +++ Aufstand im US-Skandalgefängnis Abu Ghoreib +++
Iraks 'neue Justiz' macht mit Verdächtigen kurzen Prozeß.
Verfahren ohne Beweise, Zeugen und Anwälte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0506080.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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USA wollen offenbar Verbot von 'erniedrigenden' Praktiken streichen
Do.08.06.06 - Das US-Verteidigungsministerium will offenbar aus seinen Regularien
für den Umgang mit Gefangenen einen Passus streichen, der deren
"erniedrigende und herabsetzende" Behandlung verbietet. Wie die Zeitung
"Los Angeles Times" am Montag unter Berufung auf Militärkreise
berichtete, geht dies aus einem Entwurf für eine neue Version des
Feldhandbuchs für Verhöre hervor. Die US-Streitkräfte
würden damit dem Bericht zufolge einen weiteren Schritt weg von den
Genfer Konventionen sowie der Anti-Folter-Konvention der UNO
vollziehen, die die humane Behandlung von Kriegsgefangenen vorschreiben.
(Quelle: afp)
Studie warnt vor Abgleiten Afghanistans in Krieg
Do.08.06.06 - Ganze Regionen in Afghanistan drohen einer Studie zufolge in
Kriegszustände abzugleiten. In der südafghanischen Provinz
Helmand "herrscht Krieg", heißt es in der am Dienstag in London
vorgestellten Studie des sicherheitspolitischen Think Tanks Senlis
Council. Die Lage in der Provinz habe sich von einem "chaotischen
Aufstand" in einen "Zustand organisierter Gewalt" verwandelt, "der die
Grundlagen des neuen Afghanistan gefährdet", sagte
Senlis-Council-Generalsekretär Emmanuel Reinert. Ganze Bezirke
seien bereits in den Händen der Aufständischen, heißt es
in dem Bericht.
(Quelle: afp)
Atomkonflikt: Vetomächte und Deutschland wollen Iran
Urananreicherung erlauben
Do.08.06.06 - Die fünf Veto-Mächte und Deutschland wollen dem Iran im
Atomkonflikt offenbar weit entgegenkommen. So würden sie nicht mehr
ein grundsätzliches Stopp der Urananreicherung fordern, sondern
nur ein Aussetzen des Programms während der Verhandlungen, erfuhr
die Nachrichtenagentur AP am Mittwoch aus Diplomatenkreisen in Wien.
Auch solle Teheran die Uranumwandlung - der Schritt vor der
Anreicherung - grundsätzlich erlaubt werden.
Den Diplomaten zufolge setzte sich Deutschland für die
Zugeständnisse ein und hatte dabei die Unterstützung Mohammed
ElBaradeis, dem Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA).
Bedingung sei, dass die iranische Regierung das am Dienstag vom
EU-Außenbeauftragten Javier Solana in Teheran erläuterte
Verhandlungsangebot annehme. Der iranische Chefunterhändler Ali
Laridschani sprach nach dem Treffen mit Solana von einem konstruktiven
Gespräch und von positiven Schritten, allerdings seien noch
Unklarheiten auszuräumen.
US-Präsident George W. Bush bezeichnete die erste Reaktion des
Irans als positiv. Jetzt bleibe abzuwarten, ob Teheran die
Vorschläge tatsächlich ernst nehme, sagte Bush am Dienstag in
Texas. Zugleich bekräftigte Bush sein Angebot zu direkten
Verhandlungen. «Die USA werden sich mit den Iranern an den Tisch
setzen, wenn sie die Urananreicherung in nachprüfbarer Weise
aussetzen.»
Zu dem Angebotspaket gehören neben den möglichen
Zugeständnissen beim Atomprogramm auch wirtschaftliche und
technische Unterstützung. Neben dem Aufbau eines unkritischen
Leichtwasserreaktors werde auch die Lieferung von Passagierflugzeugen
und Ersatzteilen für die zivile iranische Luftfahrt in Aussicht
gestellt - dafür müssten die USA ein Embargo aufheben.
Andererseits enthält es die Drohung, den Weltsicherheitsrat
einzuschalten, sollte der Iran nicht kooperieren. Der russische
Außenminister Sergej Lawrow teilte am Mittwoch mit, man trage
Sanktionen nur für den Fall, dass Teheran gegen den
Atomwaffensperrvertrag verstoße.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete
die Solana-Mission als «ganz wichtigen ersten Schritt nach Monaten
der völligen Gesprächslosigkeit». «Gott sei Dank
gibt es jetzt eine Atmosphäre, in der Gespräche vertraulich
geführt werden können», sagte der SPD-Politiker im
ZDF-Morgenmagazin. Er wollte sich noch nicht zu Details des Paketes
äußern, sagte aber: «Es ist ein umfassendes Angebot,
mit uns in der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Kultur und der Politik
zusammenzuarbeiten.» Es sei auch kein Geheimnis, dass darin
Elemente enthalten seien, die eine Zusammenarbeit bei der nuklearen
Nutzung in Aussicht stellten.
Steinmeier rechnet nicht mit einer sofortigen Antwort aus Teheran.
Möglicherweise seien weitere Missionen Solanas notwendig.
«Dazu stehen wir, dazu steht Javier Solana zur
Verfügung», fügte der Minister hinzu. Aber die Antwort
der Iraner solle natürlich zeitnah erfolgen. Am Dienstag hatte
US-Außenamtssprecher Sean McCormack von «Wochen, nicht
Monaten» gesprochen. Das Angebot der USA, erstmals direkt mit Iran
zu verhandeln, kommentierte Steinmeier mit den Worten: «Das ist
ein Schritt, der Respekt abnötigt. Das erhöht auch die
Werthaltigkeit des europäischen Angebots.» Am Mittag empfing
die deutsche Kanzlerin Angela Merkel Solana in Berlin.
(Quelle: ap)
UN-Führung und USA auf Konfrontationskurs
Do.08.06.06 - Bei den Vereinten Nationen ist es zu einem Eklat gekommen. Der
stellvertretende UN-Generalsekretär Mark Malloch Brown kritisierte
in einer Rede die Darstellung der Arbeit der Vereinten Nationen in den
USA. Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton reagierte empört
und bezeichnete die Rede von Malloch Brown am, Mittwoch als einen
«sehr, sehr schweren Fehler» und forderte
Generalsekretär Kofi Annan auf, diese Bemerkungen
zurückzuweisen, was dieser aber ablehnte.
Malloch Brown erklärte in seiner Rede vom Dienstag, in den USA
erfahre kaum ein Bürger etwas über die Leistungen der UN.
Washington stütze sich zwar in diplomatischen Fragen auf die UN,
nehme sie zu Hause aber nicht vor Kritik in Schutz. Die
Äußerungen des Stellvertreters von Kofi Annan kamen
überraschend, besagt doch ein ungeschriebenes Gesetz, dass
ranghohe UN-Vertreter einzelne Länder nicht kritisieren.
Bolton sagte, die Rede von Malloch Brown könne die Bemühungen
von Annan zur Reform der Vereinten Nationen gefährden. Dies habe
er auch Annan am Mittwochmorgen in einem Gespräch mitgeteilt. Er
kenne Annan seit 1989, aber «das ist der schwerste Fehler eines
hohen UN-Vertreters gewesen, den ich in der ganzen Zeit gesehen
habe.»
Annans Sprecher Stephane Dujarric teilte später mit, Annan habe
sich hinter die Äußerungen von Malloch Brown gestellt.
Dieser sagte vor Reportern, der Kern seiner Rede sei gewesen, dass die
Vereinten ohne die zentrale Rolle der USA nicht arbeiten könnten.
Seine Rede sei ein kalkulierter Versuch gewesen, den festgefahrenen
Reformprozess wieder in Gang zu bringen. Malloch Brown lobte
US-Außenministerin Condoleezza Rice und ihre Vorgänger,
beschwerte sich aber zugleich, dass die gute Arbeit der UN in den USA
ignoriert werde. In einer Gallup-Umfrage vom März erklärten
64 Prozent der Amerikaner, dass die UN ihrer Ansicht nach schlecht
arbeiteten. Eine große Mehrheit sprach sich aber auch dafür
aus, dass sie eine wichtige Rolle in der internationalen Politik
spielen sollten.
(Quelle: ap)
Genfer Deklaration gegen Waffengewalt verabschiedet
Do.08.06.06 - Die Genfer Deklaration gegen Waffengewalt ist am Mittwoch von 42
Staaten in Genf verabschiedet worden. Die Unterzeichner verpflichten
sich, ihre Anstrengungen zur Bekämpfung von Waffengewalt und
-schmuggel sowie zur Konfliktprävention auf allen Ebenen zu
verstärken, wie das Schweizer Außenministerium mitteilte.
Vordringlich sei der Kampf gegen den Schmuggel von leichten Waffen,
sagte Außenministerin Micheline Calmy-Rey. Die Eindämmung
von Waffengewalt sei unumgänglich, wolle die internationale
Gemeinschaft ihre Entwicklungsziele erreichen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hamas zieht umstrittene Miliz aus dem Gazastreifen ab
Do.08.06.06 - Im Streit mit der oppositionellen Fatah hat sich die Hamas-Regierung am
Mittwoch zu Zugeständnissen bereit erklärt. Man werde eine
umstrittene private Miliz von den Straßen des Gazastreifens
abziehen, sagte Regierungssprecher Ghasi Hamad. Die Einheit werde in
der offiziellen palästinensischen Polizei aufgehen. Präsident
Mahmud Abbas, der auch Fatah-Vorsitzender ist, hatte die Miliz als
illegal bezeichnet.
Zuvor hatten Vertreter beider Seiten unter Vermittlung ägyptischer
Diplomaten mehrere Stunden verhandelt. Die Hamas hatte bereits in der
vergangenen Woche erklärt, sie wolle die 3.000 Mitglieder der
Miliz abziehen. Innerhalb weniger Tage nahmen die schwarz uniformierten
Kämpfer ihre Stellungen jedoch wieder ein. Auch nach
Veröffentlichung der Vereinbarung am Mittwoch patrouillierten sie
noch auf den Straßen. Die Fatah und die Hamas sind seit dem
Wahlsieg der Hamas im Januar in einen Machtkampf verstrickt, in dessen
Mittelpunkt die Kontrolle der Sicherheitskräfte steht.
Milizionäre der Fatah und der Hamas lieferten sich in der Nacht
zum Mittwoch in Gaza abermals ein Feuergefecht. Es gab einen
Verletzten, wie Krankenhausmitarbeiter mitteilten. In den vergangenen
Wochen ist es immer wieder zu Kämpfen zwischen den rivalisierenden
palästinensischen Gruppen gekommen. Abbas verlängerte am
Dienstag sein Ultimatum für ein Referendum, mit dem er die
radikalislamische Hamas zur indirekten Anerkennung Israels zwingen will.
Der jordanische König Abdullah II. kritisierte unterdessen die
israelischen Pläne für einen einseitigen Rückzug aus dem
Westjordanland. Der Zeitung «Yediot Ahronot» sagte der
Monarch, er sei besorgt über das Vorhaben des israelischen
Ministerpräsidenten Ehud Olmert. Zugleich stellte er am Mittwoch
klar, dass Jordanien niemals eine «Ersatz-Heimat» für
die Palästinenser werden könne.
Hardliner in Israel haben vorgeschlagen, Palästinenser aus dem
Westjordanland nach Jordanien umzusiedeln. Abdullah warnte, die
palästinensische Frage werde sich nicht auf Kosten Jordaniens
lösen lassen. Zugleich begrüßte er den Vorstoß
des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, ein
Referendum über die faktische Anerkennung Israels abzuhalten.
Olmert wurde am Donnerstag zu Gesprächen in Jordanien erwartet.
Israel beschoss in der Nacht erneut Ziele im Gazastreifen. Ein
Kampfhubschrauber feuerte zwei Geschosse auf ein Gebäude in der
Stadt Gaza ab. Den Streitkräften zufolge war das Angriffsziel ein
Lagerhaus, in dem Extremisten Raketen für Angriffe auf Israel
hergestellt und deponiert hätten. Kurze Zeit später beschoss
die israelische Luftwaffe eine Straße im Norden von Gaza.
(Quelle: ap)
Medienwächter kritisieren Google-Blockade in China
Do.08.06.06 - Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RsF) hat der chinesischen
Regierung vorgeworfen, aus Zensurgründen die internationale
Internetsuchmaschine Google zu blockieren. Seit einer Woche hätten
Internetnutzer in vielen chinesischen Provinzen Schwierigkeiten, die
internationale Version www.google.com aufzurufen, teilte die
Journalistenorganisation mit. Neben der Suchmaschine seien auch der
Nachrichten- und der E-Maildienst von Google betroffen. Die zensierte
chinesische Version der Suchmaschine www.google.cn war hingegen ohne
Probleme aufrufbar.
Gleichzeitig schalteten die chinesischen Behörden laut RsF auch
zahlreiche Softwareprogramme aus, die es chinesischen Internetnutzern
bisher erlauben, trotz der Beschränkungen des Informationszugangs
internationale Websites zu lesen. Der Schöpfer eines dieser
Programme namens Dynapass, Bill Xia, sagte, die Angriffe auf seine
Software seien so stark wie noch nie. Er sei überzeugt, dass die
chinesischen Behörden dahintersteckten.
Google leitete nach eigenen Angaben eine Untersuchung ein. Eine
Sprecherin lehnte weiterführende Stellungnahmen ab. Die
US-Internetfirma hatte vor dem Start ihrer Suchmaschine im Januar in
China Zugeständnisse an die chinesischen Behörden gemacht.
Organisationen wie Reporter ohne Grenzen kritisieren dies als Einknicken
vor der chinesischen Zensur.
(Quelle: afp)
Türkische Journalistin wegen Meinungsäußerung vor
Gericht
Do.08.06.06 - Eine prominente türkische Journalistin soll bis zu drei Jahre ins
Gefängnis, weil sie in einem Artikel die Wehrdienstverweigerung als
Grundrecht verteidigt hat. Das auf Initiative der Armee eingeleitete
Verfahren gegen die Kolumnistin Perihan Magden begann am Mittwoch vor
einem Istanbuler Gericht, wie der Fernsehsender CNN-Türk meldete.
Die Staatsanwaltschaft begründet ihre Forderung nach einer
Haftstrafe von bis zu drei Jahren mit dem Argument, Magden habe mit
ihrer Unterstützung für das Recht auf Wehrdienstverweigerung
versucht, das Verhältnis zwischen Armee und Bevölkerung zu
zerstören. Dies ist ein Straftatbestand. In der Türkei gilt
die allgemeine Wehrpflicht; ein Recht auf Wehrdienstverweigerung gibt
es nicht.
(Quelle: afp)
CIA ließ NS-Verbrecher Adolf Eichmann in Argentinien unbehelligt
Do.08.06.06 - Deutsche und amerikanische Geheimdienste wussten schon 1958, dass der
NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann in Argentinien lebte. Doch wurde dem
Hinweis nicht nachgegangen, aus Sorge, Eichmann könnte über
Hans Globke auspacken - der Verfasser eines Kommentars zu den
Nürnberger Rassengesetzen im Dritten Reich war damals
Staatssekretär unter Bundeskanzler Konrad Adenauer und half den USA
bei ihren antikommunistischen Aktivitäten in Westdeutschland. Das
geht aus US-Dokumenten vor, die die CIA jetzt freigeben musste.
In einem Vermerk deutscher Geheimdienstler vom 19. März 1958 an
die CIA hieß es, Berichten zufolge halte sich Eichmann seit 1952
unter dem Aliasnamen «Clemens» in Argentinien auf. Der
ehemalige SS-Obersturmbannführer, der für die Umsetzung der so
genannten Endlösung zur Ermordung der Juden verantwortlich war,
wurde 1960 vom israelischen Geheimdienst Mossad nach Israel
entführt, dort zum Tode verurteilt und 1962 hingerichtet.
Nach seiner Enttarnung übte die CIA Druck auf Journalisten aus, um
Hinweise auf Globke zu unterdrücken. «Gesamtes Material wurde
gelesen. Eine unklare Erwähnung von Globke, die 'Life' auf unsere
Forderung hin weglässt», schrieb der damalige CIA-Direktor
Allen Dulles am 20. September 1960 in einem internen Memorandum,
nachdem das Magazin «Life» die Erinnerungen des Nazis
erworben hatte.
Die 27.000 Seiten, die vom Nationalarchiv nun freigegeben wurden,
werfen Licht in die Schattenwelt des Kalten Krieges, in der die
US-Geheimdienste frühere Nazis als Agenten anheuerten.
Kriegsverbrecher seien damals mit Klatsch und Gerüchten hausieren
gegangen, um der Strafe für ihre Taten zu entgehen oder für
Söldnerlohn oder aus politischen Gründen, die sich nicht immer
mit den amerikanischen Interessen gedeckt hätten, sagte Robert
Wolfe, Fachmann für deutsche Geschichte, bei einem Briefing zur
Freigabe der Dokumente.
Diese enthalten Informationen über den Fall des früheren
SS-Obersturmführers Heinz Felfe, der als Mitarbeiter der
Organisation Gehlen und später des BND Doppelagent der Sowjetunion
war. Die CIA hat demnach auch Mitte der 70er Jahre die amerikanischen
Einwanderungsbehörden über die Rolle ihres Agenten Tscherim
Soobzokov und seine Verwicklung in Kriegsverbrechen der Nazis
irregeführt.
Die Veröffentlichung der Dokumente geht auf ein Gesetz aus dem
Jahr 1999 zurück, dem sich die CIA widersetzt hatte. Es regelt die
Freigabe von Unterlagen der US-Regierung, die im Zusammenhang mit
deutschen und japanischen Kriegsverbrechen stehen. Die Dokumente zu
Japan sollen in diesem Sommer einsehbar sein.
(Quelle: ap)
Französischer Staat und Bahn SNCF wegen Deportation verurteilt
Do.08.06.06 - In Frankreich sind der Staat und die Eisenbahngesellschaft SNCF
erstmals wegen der Deportation von Juden verurteilt worden. Das
Verwaltungsgericht im südwestfranzösischen Toulouse gab am
Dienstag einer Klage des grünen Europaabgeordneten Alain Lipietz
statt, dessen Vater und Onkel 1944 in einem Eisenbahnkonvoi in das
Sammellager Drancy bei Paris gebracht worden waren. Paris und die SNCF
müssen dem noch lebenden Onkel und den Angehörigen des Vaters
62.000 Euro Schadenersatz zahlen. Damit gab das Gericht Forderungen des
Staatskommissars statt. Der als eine Art Staatsanwalt auftretende Jurist
hatte Mitte Mai eine Verurteilung Frankreichs und der SNCF "wegen
Mittäterschaft bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit" gefordert.
(Quelle: afp)
Europarat erhebt wegen CIA-Flügen Vorwürfe gegen Deutschland
Do.08.06.06 - Deutschland und 13 weitere europäische Staaten haben nach
Ermittlungen des Europarats Gefangenentransporte der CIA zumindest
stillschweigend geduldet. In seinem am Mittwoch in Paris vorgestellten
Abschlussbericht erklärt der Sonderermittler Dick Marty, es gebe
zwar keine Beweise, aber übereinstimmende Hinweise für die
Existenz von Geheimgefängnissen des amerikanischen Geheimdienstes
in Europa.
CIA-Flüge mit Terrorverdächtigen seien in Rumänien und
Polen gelandet. Wahrscheinlich hätten dort auch Gefangene die
Flugzeuge verlassen. Sein Bericht stützt sich vor allem auf
Unterlagen der Flugüberwachungsbehörde Eurocontrol und
Berichte der Betroffenen über ihre Entführung. «Es steht
nun fest, dass die Behörden mehrerer europäischer Länder
sich aktiv mit der CIA an den ungesetzlichen Aktivitäten beteiligt
haben», sagte Marty. «Andere Länder ignorierten sie
wissentlich oder wollten es nicht wissen.»
In den Entführungsfällen Khaled El-Masri und Abu Omar
könnte Deutschland gegen deren Rechte verstoßen haben,
heißt es in dem Bericht. Der Deutsch-Libanese El Masri hat der CIA
vorgeworfen, dass sie ihn Anfang 2004 nach seiner Festnahme in
Mazedonien nach Afghanistan verschleppt habe. Dort sei er geschlagen und
monatelang in einem CIA-Gefängnis festgehalten worden. Der
Geistliche Osama Mustafa Hassan Nasr, auch als Abu Omar bekannt, wurde
nach Darstellung der italienischen Justiz 2003 von Mailand zu dem
Luftwaffenstützpunkt Aviano gefahren und dort über Ramstein
nach Ägypten geflogen. In Ramstein sei das Flugzeug gewechselt
worden.
Marty stellte als Beispiel eines «Auslieferungs-Kreislaufs»
der CIA den Flug einer Maschine mit der Nummer N313P vor. Sie sei in der
Nacht des 25. Januar 2004 im rumänischen Timisoara gelandet,
nachdem sie El Masri nach Kabul gebracht habe. Das Flugzeug habe 72
Minuten auf dem Flugplatz gestanden und sei dann nach Palma de Mallorca
weitergeflogen. Nachdem er andere Erklärungen wie einen
Versorgungsflug verworfen habe, sei die wahrscheinlichste Hypothese,
dass einer oder mehrere Gefangene von der afghanischen Hauptstadt nach
Rumänien gebracht worden seien, sagte Marty weiter.
Als weiteren Flughafen für solche Aktivitäten nannte er
Szymany in Polen sowie weitere acht Airports außerhalb Europas.
Neben Deutschland listete der Sonderermittler Großbritannien,
Italien, Schweden, Bosnien, Mazedonien, die Türkei, Spanien,
Zypern, Irland, Griechenland, Portugal, Rumänien und Polen auf.
Die ersten Informationen über geheime CIA-Haftanstalten zur
Vernehmung von Terrorverdächtigen veröffentlichte am 2.
November die Zeitung «Washington Post». Einen Tag danach
berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch über
Erkenntnisse, dass Terrorverdächtige aus Afghanistan nach Polen und
Rumänien gebracht worden seien. Die Parlamentarische Versammlung
des Europarats beauftragte den Tessiner Ständerat Marty am 7.
November, den Berichten nachzugehen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Knobloch neue Präsidentin des Zentralrats der Juden
Do.08.06.06 - Die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde in München,
Charlotte Knobloch, ist zur neuen Präsidentin des Zentralrats der
Juden gewählt worden. Das gab das Präsidium des Zentralrats in
Frankfurt am Main am Mittwoch bekannt. Die 73-Jährige tritt die
Nachfolge von Paul Spiegel an, der am 30. April nach schwerer Krankheit
im Alter von 68 Jahren gestorben war. Die Entscheidung für Knobloch
fiel einstimmig aus.
Knobloch war seit 1997 Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden
in Deutschland. Bereits sei 1985 steht sie an der Spitze der
jüdischen Gemeinde in München. Wie ihr Vorgänger Spiegel
gehört Knobloch noch der Generation der Holocaust-Überlebenden
an. Krieg und Judenverfolgung überlebte sie auf einem Bauernhof,
wo sie als uneheliches Kind des ehemaligen Dienstmädchens
ausgegeben wurde.
Als Vizepräsident im Amt bestätigt wurde der Vorsitzende der
jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main, Salomon Korn, der im
Vorfeld ebenfalls als Kandidat für das Amt des
Zentralratspräsidenten gehandelt worden war. Nachfolger Knoblochs
im Amt des Vizepräsidenten wurde den Angaben zufolge das
Frankfurter Präsidiumsmitglied Dieter Graumann.
(Quelle: afp)
Junge Strafgefangene sollen besser gefördert werden
Do.08.06.06 - Vier Stunden Besuch im Monat, mehr Schul- und Ausbildungsplätze,
Einzelunterbringung bei Nacht und Wohngruppen für die
Jüngsten: Jugendliche Strafgefangene sollen nach einem
Gesetzentwurf des Bundesjustizministerium künftig deutlich mehr
Rechte bekommen. Zugleich werde ein Grundkatalog von Pflichten
festgelegt, betonte Justizministerin Brigitte Zypries am Mittwoch in
Berlin. «Wir wollen klarstellen, dass wir hier keinen
Kuschelstrafvollzug machen, sondern auch fordern.»
Mit der Vorstellung ihres Gesetzentwurfs kam Zypries den Ländern
Bayern und Baden-Württemberg zuvor, die am selben Tag ihre eigenen
Konzepte präsentierten. Die bayerische Justizministerin Beate Merk
kritisierte die Pläne ihrer SPD-Kollegin dabei als
realitätsfremd. «Frau Zypries hat hier so eine Art
Landschulheim im Kopf», sagte die CSU-Politikerin im Bayerischen
Rundfunk. Dabei müsse doch klar sein, dass es um Straftäter
gehe, die mit der notwendigen Konsequenz behandeln werden müssten.
Das Bundesverfassungsgericht hatte am 31. Mai entschieden, dass der
Jugendstrafvollzug bis Ende 2007 auf eine eigene gesetzliche Grundlage
gestellt werden muss. Ziel müsse die Resozialisierung sein, dabei
müsse der besonderen Situation Jugendlicher Rechnung tragen werden,
verlangten die Richter. Bisher ist der Haftalltag junger Menschen nur
knapp im allgemeinen Strafvollzugsgesetz geregelt, ansonsten greifen
die Haftanstalten auf spezielle Verwaltungsvorschriften zurück.
Der Gesetzentwurf des Bundesjustizministeriums regelt nun die Pflichten
der jungen Gefangenen, legt aber auch Mindeststandards für ihre
Förderung fest. Danach soll es in jeder Anstalt für mindestens
zwei Drittel der Häftlinge Schul- und Ausbildungsplätze
geben. Statt einer Stunde sollen die Jugendlichen künftig vier
Stunden Besuch im Monat bekommen, Eltern darüber hinaus zwei Mal
im Monat für längere Zeit ihre Kinder sehen dürfen.
Außerdem sind eigene Schulabteilungen, die Möglichkeit von
Unterbringung in Wohngruppen und Langzeiturlaub zur Vorbereitung der
Haftentlassung geben. Ziel sei, dass die jungen Gefangenen in ihrer
Persönlichkeitsentwicklung so gefördert würden, dass sie
künftig ein straffreies Leben führen könnten, sagte
Zypries.
Bisher liegt die Rückfallquote von Jugendlichen, die ihre Strafe -
ohne vorzeitige Bewährung - bis zum Ende verbüßen
müssen, nach Angaben des Bundesjustizministeriums bei 78 Prozent.
In den bundesweit 22 Jugendhaftanstalten sitzen zur Zeit rund 7.000
Jugendliche und Heranwachsende ihre Strafe ab, fünf Prozent von
ihnen sind Mädchen.
Zuständig für die Gesetzgebung ist bisher der Bund, der in
den vergangenen 30 Jahren mehrfach versucht hatte, ein entsprechendes
Gesetz zu beschließen. Dabei war er jedoch aus finanziellen
Gründen im Bundesrat stets an den Ländern gescheitert. Mit der
geplanten Föderalismusreform soll die Kompetenz nun auf die
Bundesländer übergehen.
Zypries betonte, bei ihrem Vorschlag handele es sich um einen
«Diskussionsentwurf», der zunächst nicht auf den
Gesetzgebungsweg gebracht werden solle. Ziel sei eine breite Debatte mit
Experten, Wissenschaft und Politik. Fest stehe, dass in Zukunft niemand
hinter die vom Bundesverfassungsgericht formulierten Standards
zurückkönne.
(Quelle: ap)
Beck fordert Sozialleistungsempfänger zu mehr Anstand auf
Do.08.06.06 - SPD-Chef Kurt Beck hat Sozialleistungsempfänger zu mehr Anstand
aufgefordert. «Man muss nicht alles rausholen, was geht»,
sagte Beck laut der Tageszeitung «Die Welt». Besonders die
Hartz-IV-Regelungen hätten eine Reihe von neuen Möglichkeiten
geschaffen, die die Politik zuvor nicht richtig abgesehen habe. Auch er
habe sich nicht vorstellen können, dass Schüler in die
Einliegerwohnung der Eltern einzögen, sich als Bedarfsgemeinschaft
anmeldeten und nach dem Abitur Leistungen einstrichen. «Damit
muss Schluss gemacht werden», sagte Beck der Zeitung zufolge.
Es gebe aber auch Dinge, die mache man nicht. «Da hat sich
wirklich etwas zum Schlechten verändert», wird der
SPD-Vorsitzende zitiert und machte dem Bericht zufolge vor allem
«falsche Beispiele» in der Politik, aber auch in der
«Beletage der Wirtschaft» verantwortlich. Manager, deren
Unternehmen bei besten Gewinnen keine Steuern mehr zahlten, seien als
«Männer des Jahres gepriesen worden». Da hätten
sich die Leute gesagt: «Auf die paar Groschen für mich kann
es ja nicht ankommen.»
(Quelle: ap)
Linkspartei und WASG stecken Zeitplan für Fusion ab
Do.08.06.06 - Die Linkspartei.PDS und die Wahlalternative Arbeit und Soziale
Gerechtigkeit haben einen Zeitplan für ihre bis Sommer
nächsten Jahres geplante Fusion abgesteckt. Wie beide Parteien am
Mittwoch mitteilten, legte die gemeinsame Steuerungsgruppe Eckpunkte
vor, die noch von den jeweiligen Vorständen bestätigt werden
müssen. Dem Vorschlag zufolge sollen die Parteispitzen im Herbst
eine «Vereinbarung über den Prozess der Parteibildung»
schließen, die die wichtigsten Schritte enthält.
Dazu gehört der Entwurf der Partei-Gründungsdokumente im
Herbst, die programmatische Grundsätze, das Statut, die
Finanzordnung und den Namen der neuen Partei festschreiben sollen.
Diese Gründungsdokumente sollen in beiden Parteien diskutiert und
im Frühjahr 2007 auf parallelen Parteitagen beschlossen werden.
Nach Urabstimmungen der Basis darüber ist der
Gründungsparteitag für Mai/Juni 2007 vorgesehen.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Harvard-Forscher wollen menschliche Embryonen klonen
Do.08.06.06 - Gentechniker an der US-Eliteuniversität Harvard haben mit Arbeiten
zum Klonen menschlicher Embryonen begonnen. Wie das Forscherteam in
Cambridge im Bundesstaat Massachusetts mitteilte, ist es das Ziel der
Forschungen, aus den Klon-Embryonen Stammzellen-Linien für die
Entwicklung von Therapien gegen bislang unheilbare Krankheiten zu
gewinnen. Das Klonen menschlicher Embryos ist in den Vereinigten Staaten
zwar heftig umstritten, im Gegensatz zu Deutschland aber nicht verboten.
Die Wissenschaftler des Stammzellenforschungsinstituts in Harvard
(HSCRI) kündigten an, sie wollten aus den Klon-Embryonen
maßgeschneiderte Stammzellen-Linien mit dem Potenzial zur Heilung
bestimmter Kranheiten gewinnen. Sie verwiesen zugleich darauf, dass ihre
Arbeiten allein aus privaten Mitteln finanziert würden.
Hintergrund ist, dass gemäß einer fünf Jahre alten
Verordnung von US-Präsident George W. Bush staatliche
Fördermittel nur für die Forschung mit bereits bestehenden
Stammzellen-Linien, nicht aber für die Entwicklung neuer Linien
verwendet werden dürfen. Die Einschränkung gilt deshalb, weil
für die Extraktion der Stammzellen die Embryonen getötet
werden müssen, was unter ethischen Gesichtspunkten umstritten ist.
Harvard-Präsident Lawrence Summers betonte jedoch, die ethischen
Bedenken würden durch die erhofften Ergebnisse überwogen. Ziel
der Forschung sei es, zahllose Kinder und Erwachsene von schweren
Krankheiten zu heilen. Von der Forschung mit menschlichen Stammzellen
erhoffen sich Gentechniker rund um die Welt den Durchbruch im Kampf
gegen Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes und Krebs.
(Quelle: afp)
Globale Erwärmung: Auch Teile von Hawaii werden verschwinden -
Größter mariner Schutzpark der USA geplant
Do.08.06.06 - Bereits im kommenden Jahr soll die größte marine Schutzzone
der USA bei den westlichen Ausläufern der Hawaii-Inseln
eingerichtet werden, berichtet die Fachzeitschrift National Geographic.
Allerdings befürchten Wissenschaftler, bedeutet das für
seltene Landlebewesen nicht notwendigerweise langfristigen Schutz, denn
die flachen Inselchen könnten sehr schnell in den steigenden Fluten
verschwinden.
Zwei Drittel der nordwestlichen Hawaii-Inseln könnten nach einer
Studie schon 2100 völlig verschwunden sein, das haben Forscher des
Pacific Islands Fisheries Science Center, einer Abteilung der US
National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), berechnet. Der
gesamte Archipel mit einer Länge von mehr als 1.900 Kilometern
Länge beherbergt eine Vielzahl von sehr seltenen Tier- und
Pflanzenarten. Zu den bedrohten endemischen Tieren zählen einige
Vögel, Schildkröten, Seehunde aber auch Landschnecken und
andere wirbellose Tierarten. Das Team um Jason Baker hat errechnet, dass
der Meeresspiegel im 20. Jahrhundert um fast 15 Zentimeter gestiegen
ist. Angeheizt durch die globale Erwärmung wird der Anstieg im 21.
Jahrhundert immer schneller vor sich gehen, so die Wissenschaftler.
Den Berechnungen zufolge werden 2100 bereits 65 Prozent der
Landfläche der Inseln verschwunden sein, wenn der Meeresspiegel um
48 Zentimeter gestiegen ist. Nach Berechnungen der IPCC-Forscher
könnte es allerdings auch sein, dass der Meeresspiegel bis 2100
sogar um 88 Zentimeter ansteigt. Dann wären 75 Prozent der Inseln
verschwunden. "Durch die Isolation dieser Inseln konnte sich eine
einzigartige Flora und Fauna entwickeln", so Baker, der unterstreicht,
dass diese Inseln eine wichtige Rolle für das natürliche
Ökosystem spielen. "Gerade durch die Isolation und das Fernbleiben
der Menschen konnte sich etwa Trig Island als letzte Bastion der
hawaiianischen Mönchsrobben etablieren. Neben dem Verlust des
Landes klagen die Experten aber auch hier über eine massive
Korallenbleiche durch zu hohe Wassertemperaturen.
Eine letzte Chance der Rettung sehen die Forscher aber dennoch. "Wenn
man mit Sand die Inseln aufschüttet, könnte die Landmasse
zumindest erhalten bleiben", so Baker. Eine solche Arbeit müsste
allerdings mit größter Sorgfalt durchgeführt werden, um
die Zerstörungen am Ökosystem möglichst gering zu halten.
Dass die USA in Zukunft daran denken, die Treibhausgasemissionen zu
reduzieren, daran glaubt offensichtlich kein Forscher. "Nach den
jüngsten IPCC-Berichten wird der Meeresspiegel sogar noch
wesentlich mehr ansteigen", meint die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb
von der Universität für Bodenkultur in Wien im
pressetext-Interview. "Eine Verringerung der Treibhausgase würde
sich zwar sofort auswirken, wäre aber durch die Klimaträgheit
erst in zehn Jahren messbar."
(Quelle: pte)