Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertundvierzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Bush hält zweitägigen Kriegsrat - Auch mit Irakern. Tote bei
Razzia und neuen Anschlägen im Irak
Di.13.06.06 - Nach der Tötung des irakischen Al-Kaida-Chefs Abu Mussab
al-Sarkaui hat US-Präsident George W. Bush sein Kriegskabinett zu
einer zweitägigen Sondersitzung einberufen.
In der Abgeschiedenheit seines Landsitzes Camp David will er unter
anderem mit seinem Stellvertreter Dick Cheney, Außenministerin
Condoleezza Rice sowie Verteidigungsminister Donald Rumsfeld über
die weitere Strategie der USA in dem Golfstaat beraten. Die USA hoffen,
nach der Tötung des Rebellen-Anführers größere
Erfolge bei der Niederschlagung des Aufstands im Irak zu erzielen.
Die anhaltende Gewalt hat die Unzufriedenheit der US-Bürger mit
der Irak-Politik des Präsidenten geschürt und ihm sowie seiner
republikanischen Partei wenige Woche vor der Kongresswahl schlechte
Umfragewerte beschert. Seit dem US-geführten Einmarsch in den
Golfstaat im März 2003 wurden mehr als 2400 US-Soldaten
getötet.
Am zweiten Tag der Sondersitzung ist eine Videokonferenz mit
Spitzenvertretern der neuen irakischen Regierung unter
Ministerpräsident Nuri al-Maliki geplant. Dabei will Bush die
Regierung in Bagdad vor allem dazu drängen, die Chance nicht
verstreichen zu lassen, die durch die Tötung Sarkauis entstanden
sei. Malikis Kabinett müsse ihre Autorität gegenüber den
Rebellen durchsetzen und das Vertrauen der Iraker gewinnen, hieß
es vor Beginn der Kabinettssitzung am Montag. "Damit hat sich eine
Gelegenheit aufgetan und nun ist es wichtig, dass sie einen Erfolg
erringen", sagte Dan Bartlett, ein Berater des US-Präsidialamtes.
"Genau deswegen findet das Treffen jetzt statt: um sicherzustellen, dass
wir alles unternommen haben, um einen Erfolg zu ermöglichen."
Möglicherweise wird auch die vor allem von der demokratischen
US-Opposition geforderte Truppenreduzierung ein Thema sein. Bush hat
bislang keinen Zeitplan dafür genannt. Der oberste Kommandeur der
US-Truppen im Irak, General George Casey, kündigte jedoch am
Sonntag eine schrittweise Verkleinerung der Truppe an, vorausgesetzt,
die irakische Regierung bleibe stabil und die im Aufbau befindliche
Armee des Landes mache Fortschritte bei der Übernahme von Aufgaben
von den US-geführten Koalitionstruppen.
Die Tötung Sarkauis in der vergangenen Woche war ein dringend
benötigter Erfolg für Bush. Sarkaui war einer der wichtigsten
Organisatoren des Aufstands im Irak und war mit seinen Anhängern
für zahlreiche Selbstmordattentate mit Hunderten von zivilen Opfern
verantwortlich. Er war das höchstrangige Al-Kaida-Mitglied, das den
USA seit den September-Anschlägen 2001 in die Hände fiel. Die
US-Regierung hatte ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar auf ihn
ausgesetzt.
Amerikanische und irakische Truppen haben am Montag bei einer Razzia in
Bakuba vier Mitglieder einer Familie getötet.
Aus Sicherheitskreisen in der 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad
gelegenen Stadt, in deren Umgebung vergangene Woche der Topterrorist Abu
Mussab al-Sarkawi getötet worden war, hieß es, die Soldaten
hätten zudem 17 Verdächtige festgenommen. Unter den
Festgenommenen seien mutmaßliche Extremisten, die per Haftbefehl
gesucht wurden.
In einem südlichen Vorort von Bagdad starben am Montag sechs
Mitarbeiter einer staatlichen Ölfirma, als ein Sprengsatz unter
ihrem Fahrzeug explodierte. In der südirakischen Stadt Amara wurde
eine Trauerzeit von drei Tagen angeordnet, zu Ehren von zehn Irakern,
die von der britischen Armee bei einer Razzia getötet worden waren.
Ein Mitarbeiter des Provinzgouverneurs sagte, die Provinzregierung
verurteile die von der britischen Armee begangenen
«Menschenrechtsverletzungen». Die Soldaten hatten nach
irakischen Angaben nach einem Angriff auf ihren
Militärstützpunkt bei Amara mehrere Viertel durchkämmt
und dabei die zehn Menschen erschossen.
(Quellen: rtr, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 13.06.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.13.06.05 - Über 100 Tote am Wochenende +++ Irakische
Polizei findet zwanzig Leichen in der Nähe von Bagdad +++ Vier
weitere US-Soldaten verlieren bei Anschlägen ihr Leben: Seit
Beginn des Krieges sind schon 1.701 US-Soldaten im Irak getötet
worden +++ Massud Barsani zum Präsidenten der Kurdenregion im Irak
gewählt +++ Im Irak entführte französische Journalistin
Aubenas frei +++ Blair wollte Angriff auf Irak 'legal' machen:
Geheimdokument enthüllt Londons Bemühungen, den Krieg als
rechtmäßig darzustellen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0506130.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Menschenrechtler fordern Schließung Guantánamos
Di.13.06.06 - Nach dem Selbstmord dreier Insassen des US-Gefangenenlagers
Guantánamo auf Kuba haben Menschenrechtler dessen
Schließung gefordert. Die Suizide seien Beleg für "die
Verzweiflung der Menschen, die zum Teil seit vier Jahren festgehalten
werden und nicht die geringste Ahnung von der Dauer der 'Strafe' haben",
sagte der UN-Sonderberichterstatter für Folter, Manfred Nowak, der
AFP. Auch die Menschenrechtsgruppe Amnesty International verlangte die
Schließung des Lagers.
UN-Sonderberichterstatter Nowak wies darauf hin, dass bereits
zahlreiche Selbstmordversuche in Guantánamo dokumentiert worden
seien. Das Festhalten der USA an Guantánamo werde "immer
untragbarer", sagte der österreichische Jurist. Die USA
müssten dort "die Rechtlosigkeit beenden", erklärte ai in
London. Es habe bereits "zahlreiche Selbstmordversuche" in dem Lager
gegeben. Nun hätten offenbar die ersten zum Tode geführt.
Lagerkommandant Harry Harris hatte am Sonntag mitgeteilt, zwei
Saudi-Araber und ein Jemenit seien erhängt in ihren Zellen gefunden
worden. Nach US-Angaben waren es die ersten Selbstmorde in dem
Gefangenenlager. Harris sagte, er glaube nicht, dass die Selbstmorde ein
Akt der Verzweiflung gewesen seien, "vielmehr ein Akt der
Kriegsführung gegen uns".
Dagegen vertrat ein australischer Anwalt die Auffassung, dass die
Selbstmorde Ergebnis der Haftbedingungen im Lager Guantánamo
seien. Die Suizide zeigten, "in welch tiefe Verzweiflung Menschen fallen
können, wenn sie über lange Zeit keine Verbindung zur
Außenwelt haben", sagte Major Michael Mori, der Rechtsbeistand des
"australischen Taliban" David Hicks. Auch sein Mandant sei bei seinem
jüngsten Besuch vor einer Woche in schlechter körperlicher und
seelischer Verfassung gewesen, sagte er dem Sender ABC: Er habe Gewicht
verloren, deutliche Zeichen einer Depression gezeigt und sei wie
ausgehungert nach menschlichem Kontakt gewesen.
Hicks, der der Mitgliedschaft in der afghanischen Taliban-Miliz
beschuldigt wird, ist seit mehr als vier Jahren in dem US-Lager auf Kuba
inhaftiert. Der 31-jährige frühere Landarbeiter zählt zu
den zehn Häftlingen, gegen die bislang Anklage vor den umstrittenen
Militärkommissionen erhoben wurde; die anderen mehr als 400
Insassen wissen teilweise nicht einmal, was ihnen zur Last gelegt wird.
(Quelle: afp)
Selbstmord als 'asymmetrischer Krieg'
Guantanamo-Chef Harry Harris: "Sie sind gerissen.
Sie sind erfinderisch. Sie sind von ihrer Sache überzeugt. Sie
haben keine Achtung vor dem Leben, weder vor unserem noch vor ihrem
eigenen. Ich glaube , das war kein Akt der Verzweiflung, sondern ein Akt
der Kriegsführung."... Mehr bei telepolis vom 12.06.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22869/1.html
USA distanzieren sich von diskriminierender Äußerung zu
Guantanamo
Di.13.06.06 - Nach den Selbstmorden in Guantanamo haben sich die USA von den
Äußerungen einer Mitarbeiterin über einen «guten
PR-Schachzug» distanziert. Die Regierung sei sehr besorgt, wenn
sich jemand das Leben nehme, erklärte
Außenministeriumssprecher Sean McCormack am Montag. Washington
sagte der deutschen Regierung eine umfassende Aufklärung zu.
US-Sicherheitsberater Stephen Hadley versicherte dies in einem
Telefonat mit seinem Kollegen im Kanzleramt, wie Regierungssprecher
Ulrich Wilhelm mitteilte.
US-Außenamtssprecher McCormack betonte, seine Regierung
würde nicht von einem «PR-Gag» sprechen. Colleen
Graffy, eine Mitarbeiterin des Außenministeriums hatte in einem
BBC-Interview gesagt, die Todesfälle seien ein «guter
PR-Schachzug, um Aufmerksamkeit zu erregen». Die
Menschenrechtsorganisation Amnesty International zeigte sich
empört. Die Äußerung zeige eine eklatante Missachtung
des menschlichen Lebens.
Auch weitere Menschenrechtsgruppen und Kommentatoren zeigten sich
entsetzt. Ins Kreuzfeuer der Kritik geriet auch die Aussage des
Befehlshabers des Gefangenenlagers Guantanamo, Harry Harris, die
Selbstmorde seien ein «Akt der Kriegsführung». Dazu
äußerte sich McCormack am Montag nicht.
Die EU bekräftigte unterdessen ihre Forderung nach einer
Schließung des umstrittenen Gefangenenlagers auf Kuba. Guantanamo
sei eine Anomalie, erklärte die österreichische
Außenministerin Ursula Plassnik, deren Land die
EU-Ratspräsidentschaft innehat. Bei einem transatlantischen Gipfel
in der kommenden Woche solle US-Präsident George W. Bush zu einer
Aufgabe des Lagers aufgerufen werden.
Auch in Deutschland forderten Regierungs- wie Oppositionsparteien eine
Schließung von Guantanamo. Die Bundesregierung erinnerte daran,
dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dies bereits im Januar gefordert
hatte. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil verlangte am Montag
ebenfalls, das Lager aufzulösen und die «unhaltbaren
Zustände» dort zu beenden.
Der Außenpolitik-Experte der FDP-Fraktion, Wolfgang Gerhardt,
forderte, die Todesfälle unter unabhängiger UN-Aufsicht
untersuchen zu lassen. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der
Linken, Monika Knoche, rief Merkel auf, den Deutschlandbesuch von
US-Präsident George W. Bush Mitte Juli dazu zu nutzen, die nach
ihrer Meinung völkerrechts- und menschenrechtswidrigen
Zustände in Guantanamo anzusprechen. Auch Grünen-Chefin
Claudia Roth forderte Merkel auf, «deutlich vernehmbar zu
intervenieren» und von der Bush-Regierung die Einhaltung
internationalen Rechts zu fordern.
Das international Rote Kreuz will einen geplanten Besuch in dem
US-Gefangenenlager vorziehen. Das kündigte die Organisation am
Montag in Genf an. Sie betonte zugleich, dass es sich dabei nicht um
eine Untersuchung handele.
(Quelle: ap)
Stichwort: Guantánamo Bay
Die USA internieren in Guantánamo Bay auf Kuba seit Januar 2002
mutmaßliche Taliban- und El Kaida-Kämpfer. Den
Flottenstützpunkt im Osten der Insel unterhalten die Vereinigten
Staaten seit 1903. Ein 28 Kilometer langer Grenzzaun mit 44
Wachtürmen umschließt Guantánamo Bay.
Auf 117,6 Quadratkilometern gibt es außer dem Gefangenenlager
zwei Flugplätze, ein Krankenhaus, mehrere Wohnsiedlungen und
Badestrände.
Derzeit sind in dem Lager mehr als 460 Häftlinge aus über 40
Nationen zum Teil schon seit mehr als viereinhalb Jahren ohne Anklage
oder Zugang zu Anwälten interniert. Darunter befindet sich auch der
in Bremen aufgewachsene Türke Murat Kurnaz. Washington verweigert
den Häftlingen den Status als Kriegsgefangene und spricht von
illegalen «feindlichen Kämpfern» («enemy
combatants»). Die Haftbedingungen sind wiederholt von
Menschenrechtsorganisationen kritisiert worden.
Immer wieder gab es Berichte über Gefangenenmisshandlungen in
Guantánamo, das so neben dem Militärgefängnis von Abu
Ghoreib im Irak zum Symbol für amerikanische
Menschenrechtsverletzungen wurde. Die USA haben den
Taliban-Kämpfern den Schutz durch die Genfer Konvention
zugebilligt, nicht jedoch den El-Kaida-Mitgliedern. Das ist selbst in
den USA umstritten.
Der Oberste Gerichthof befand 2004, dass grundsätzlich auch in
Guantánamo US-Recht gelten müsse. Die Gefangenen
könnten ihre Festnahme vor US-Gerichten anfechten. An der
unbefristeten Haft ohne Anklage und Prozess rüttelte der
Gerichtshof allerdings nicht. Im Juli 2005 hat ein
US-Bundesberufungsgericht militärische Sondertribunale für
Häftlinge in Guantánamo für rechtens erklärt.
Quelle: dpa, 12.06.06
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SIPRI: USA trieben weltweite Rüstung nach oben
Di.13.06.06 - Die Rüstungsausgaben sind 2005 weltweit auf 950 Milliarden Euro
und damit in den letzten zehn Jahren um ein Drittel gestiegen. Wie das
Friedensforschungsinstitut SIPRI im neuen Jahrbuch über
Rüstung und Abrüstung mitteilte, standen die USA im
abgelaufenen Jahr für 80 Prozent aller zusätzlichen
militärischen Aufwendungen.
Diese stiegen insgesamt gegenüber 2004 um 3,4 Prozent und machten
pro Kopf der Weltbevölkerung 137 Euro aus. Als Hintergrund für
die massiven Ausgabensteigerungen der Vereinigten Staaten nannte SIPRI
(Stockholm International Peace Research Institute) am Montag vor allem
die Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan.
Danach stand die einzige Supermacht 2005 für 48 Prozent aller
Militärausgaben auf der Welt, in weitem Abstand gefolgt von
Großbritannien, Frankreich, Japan und China mit einem Anteil von
jeweils vier bis fünf Prozent. Trotz der seit Jahren deutlichen
Zuwachsraten bei den Militärausgaben in China und Indien als
aufstrebenden Mächten hätten diese nach wie vor nur
«Bruchteile» von denen der USA aufzuweisen, hieß es in
Stockholm.
Bei den Rüstungsexporten errechneten die SIPRI-Experten einen
weiter steigenden Trend auf ein Volumen von 35 bis 42 Milliarden Euro
(2004). Die wichtigsten Exporteure seit 2001 waren das in dieser Branche
wiedererstarkte Russland und die USA mit einem Marktanteil von jeweils
etwa 30 Prozent. Es folgten in großem Abstand Frankreich,
Deutschland und Großbritannien mit einem Anteil von zusammen 20
Prozent. Deutschland führte nach SIPRI-Angaben in den letzten vier
Jahre Militärprodukte für 4,4 Milliarden Euro aus.
Die hundert größten Rüstungskonzerne der Welt
verkauften 2004 (letzte aktuelle Zahl; ohne China) im eigenen Land sowie
über den Export für 212 Milliarden Euro und steigerten ihren
Absatz damit gegenüber 2003 um 15 Prozent. Zwei Drittel der
führenden Rüstungsunternehmen sind in den USA und Westeuropa
angesiedelt. Stark zugenommen hat nach SIPRI-Angaben der Anteil von
Lieferungen aus allen Bereichen der Computerindustrie.
Bei der Zahl der als Krieg (mit mehr als tausend Toten pro Jahr)
definierten Konflikte gab das Stockholmer Institut für 2005 mit 17
die niedrigste Zahl seit Ende des Kalten Krieges 1990 an. Dabei wurde
kein einziger Krieg mehr zwischen zwei oder mehr Staaten ausgetragen.
Die internationale Haltung zum israelisch-palästinensischen
Konflikt sowie um die indisch-pakistanische Grenzregion Kaschmir habe
sich deutlich verändert, weil in beiden Fällen zunehmend der
internationale Terrorismus statt früherer Kolonialkonflikte oder
die Rolle von Großmächten ins Blickfeld gerate.
Als weitere Kriegsregionen mit sehr komplizierten Konfliktstrukturen
wurden der Irak, die Demokratische Republik Kongo, die sudanesische
Provinz Darfur und der russisch-tschetschenische Krieg herausgehoben.
(Quelle: dpa)
Mehr unter:
http://www.sipri.org
Amnesty: Chinas Waffenausfuhr nährt Konflikte im Sudan und anderswo
Di.13.06.06 - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat China als
eines der "unverantwortlichsten" Waffenexportländer kritisiert, das
maßgeblich zu Konflikten wie im Sudan, Nepal und Birma
beiträgt. Peking bezeichne seine Waffengeschäfte als "behutsam
und verantwortlich", die Wirklichkeit sei jedoch ein völlig andere,
erklärte Amnesty am Sonntag. China liefere Waffen an Staaten, in
denen Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung seien. Die
Organisation rief Peking auf, sich an das Völkerrecht zu halten
und seinen sich daraus ergebenden Verpflichtungen nachzukommen.
(Quelle: afp)
EU-Außenminister geben Marschbefehl für Kongo-Einsatz
Di.13.06.06 - Die EU-Außenminister haben am Montag den formalen Marschbefehl
für den Kongo-Einsatz gegeben. Der Einsatz könne mit
sofortiger Wirkung beginnen, erklärten die Minister in Luxemburg.
Die EU soll den Verlauf der Präsidentschaftswahl in dem
zentralafrikanischen Land am 30. Juli sichern. Dafür sollen 1.700
Soldaten in Marsch gesetzt werden, darunter 780 Angehörige der
Bundeswehr. Der Einsatz soll vier Monate dauern.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier betonte in
Luxemburg: «Ich gehe davon aus, dass diese vier Monate ausreichen
werden.» Die Bundeswehr-Soldaten sollen vor allem für
eventuell notwendig werdende Evakuierungen aus der Hauptstadt Kinshasa
zuständig sein. Die Mehrzahl des deutschen Kontingents wird
dafür im benachbarten Gabun in Bereitschaft stehen.
Die EU-Truppe soll die mehrheitlich im Osten des Kongos stationierten
17.000 UN-Soldaten unterstützen. Der Einsatz wird von der
EU-Operationszentrale in Potsdam aus geführt und steht unter dem
Kommando des deutschen Generalleutnants Karlheinz Viereck.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel verstärkt Drohungen gegen Hamas-Regierungschef Hanija
Di.13.06.06 - Ein hochrangiges Mitglied der israelischen Regierungspartei hat den
palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija mit dem
Tod bedroht.
Falls dessen radikal-moslemische Bewegung Hamas wieder
Selbstmordattentate in Israel begehe, sei der Regierungschef vogelfrei,
sagte Zachi Hanegbi, Chef des Ausschusses für Äußeres
und Verteidigung im israelischen Parlament, am Montag dem Armeeradio. Am
Wochenende hatte die Hamas ihre seit mehr als einem Jahr gültige
Waffenruhe gegenüber Israel aufgekündigt. Entlang der Grenze
zwischen Israel und dem palästinensischen Gaza-Streifen kam es zu
einer Eskalation der Gewalt zwischen beiden Seiten.
"Jassin und Rantissi warten auf dich, Hanija, wenn du auf dieselbe
Weise wie sie vorgehst und Juden liquidierst, wahllos Gewalt übst
und Selbstmordattentate wieder aufnimmst, um die israelische
Gesellschaft zu paralysieren", drohte Hanegbi. Israel hat Scheich Ahmed
Jassin, einen Mitbegründer der Hamas, und Abdel-Asis al-Rantissi,
einen weiteren Anführer der Gruppe, 2004 mit Luftangriffen gezielt
getötet. Hanija wies die Drohung zurück und erklärte, sie
zeige "den politischen Wahnsinn einiger israelischer Spitzenpolitiker".
Hanegbi gehört nicht zum engsten Kreis um den israelischen
Ministerpräsidenten Ehud Olmert. Am Wochenende hatte aber auch
Verteidigungsminister Amir Perez von Olmerts Koalitionspartner, der
Arbeitspartei, den Ton verschärft und erklärt, wer eine Gefahr
für Israelis darstelle, sei auch dann nicht sicher, wenn er einen
Titel trage.
Israel schrieb zugleich den Ausbau einer Siedlung im
palästinensischen Westjordanland aus. In Elkana in der Nähe
des Siedlungsblockes Ariel sollen demnach 54 Einfamilienhäuser
erstellt werden. Es ist die erste Ausschreibung dieser Art seit dem
Regierungsantritt Olmerts im April. Eine Erweiterung der Siedlungen
widerspricht dem internationalen Friedensplan "Road Map", der zu einer
Lösung des Nahost-Konflikts führen soll. Aber auch die
palästinensische Seite hat eine der grundlegenden Vorgaben des
Planes, eine Entwaffnung der Milizen, bislang nicht erfüllt. Olmert
hat angekündigt, Israel werde einseitige Regelungen für das
Westjordanland treffen, wenn es zu keinen Verhandlungen mit den
Palästinensern kommt.
(Quelle: rtr)
Hamas-Proteste gegen Vorgehen von Fatah-Sicherheitskräften
Di.13.06.06 - Mehr als 3.000 Anhänger der Hamas-Regierung haben am frühen
Dienstagmorgen in Gaza gegen das Vorgehen von
Fatah-Sicherheitskräften wenige Stunden zuvor in Ramallah
demonstriert. Mehrere hundert Sicherheitskräfte hatten
Regierungsgebäude gestürmt und in Brand gesetzt. Auch das
Parlamentsgebäude zündete die Gruppe an, die sich im
innerpalästinensischen Machtkampf loyal zu Präsident Mahmud
Abbas erklärt hat.
Die Sicherheitskräfte reagierten auf eine von Hamas-Kämpfern
ausgelöste Schießerei im Gazastreifen, bei der im Laufe des
Tages zwei Menschen getötet und 14 verletzt wurden. Bei der
Stürmung des zweistöckigen Regierungskomplexes
zerstörten die Männer Mobiliar und Computer, nachdem sie
bereits Fensterscheiben des Parlaments und der Kabinettsräume
zerschossen hatten. Unterstützung erhielten sie von Kämpfern
der Al-Aksa-Brigaden.
Später erklärten die Angreifer, sie hätten den
Hamas-Abgeordneten Chalil Rabei vorübergehend entführt und
sein Büro in Brand gesetzt. Ein Berater von Abbas erklärte,
Rabei sei anschließend zusammen mit neun weiteren Abgeordneten in
Abbas' Amtssitz in Sicherheit gebracht worden. Die Leibwächter des
Präsidenten sollten die Männer nach Hause begleiten. Abbas
verurteilte die Übergriffe.
Die Hamas-Demonstranten am Dienstag in Gaza bezeichneten die
Vorgänge in Ramallah als schändlich. Der Präsident habe
nicht alles in seiner Macht stehende getan, um den Sturm auf die
Regierungsgebäude zu verhindern.
Präsident Abbas ernannte am Montag einen früheren Kommandeur
zu seinem militärischen Berater und Verbindungsmann zum
Hamas-geführten Innenministerium. Die Ernennung von
Generalleutnant Abdel Rasek Madschaide soll zu einer Entspannung im
Machtkampf zwischen Abbas' Fatah und der Hamas-Regierung beitragen, wie
aus informierten Kreisen in Gaza verlautete. Madschaide war früher
ein ranghoher Befehlshaber der Streitkräfte im Westjordanland und
im Gazastreifen. Er genießt den Respekt sowohl von Fatah- als
auch von Hamas-Anhängern.
Am Montagabend eröffneten bewaffnete Palästinenser das Feuer
auf mehrere Verwaltungsgebäude in Nablus. Die Identität der
Angreifer war zunächst nicht bekannt.
(Quelle: ap)
Mehr als 150 Tote bei Kämpfen um Land in Äthiopien
Di.13.06.06 - Bei tagelang andauernden Kämpfen um Landbesitz in Äthiopien
sind mindestens 150 Menschen getötet und Tausende in die Flucht
getrieben worden. Die Kämpfe zwischen den Stämmen Guji und
Borena hätten Ende Mai begonnen, sagte ein in der Region
ansässiger Vertreter einer Hilfsorganisationen der
Nachrichtenagentur AFP. Auslöser sei ein Gerichtsurteil, das den
Gujis Land der Borenas zusprach. Betroffen ist die Region zwischen
Yabello und Finchewa, rund 400 Kilometer südlich der Hauptstadt
Addis Abeba.
Andere Vertreter von Hilfsorganisationen in dem ostafrikanischen Land
bestätigten die Kämpfe, konnten aber keine Angaben zu den
Opferzahl machen. Im trockenen Süden Äthiopiens kommt es
häufig zu Konflikten zwischen verschiedenen Hirtenstämmen um
das knappe Wasser und Weideland.
(Quelle: afp)
EU nimmt Beitrittsverhandlungen mit der Türkei auf
Di.13.06.06 - Die EU nimmt formale Beitrittsverhandlungen mit der Türkei auf:
Auf Druck Zyperns verständigten sich die EU-Außenminister
darauf, die Türkei wegen der Nichtanwendung der gemeinsamen
Zollunion zu verwarnen. Im Gegenzug gab Zypern die Weigerung auf, die
für gestern Abend geplante Eröffnung der ersten Runde in den
Beitrittsverhandlungen platzen zu lassen. Deutschland
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) betonte, die
erreichte Einigung sei keine "Lösung" des Streits mit Ankara um
die Zollvorschriften. Nach der Einigung machte sich der türkische
Außenminister Abdullah Gül auf den Weg nach Luxemburg.
Gül nannte die Aufnahme der formalen Verhandlungen vor seinem
Abflug "einen Wendepunkt". Er versicherte, die Türkei werde den
Weg der Reformen fortsetzen.
Österreichs Außenministerin Ursula Plassnik hatte als
Ratsvorsitzende Erfolg mit dem Vorschlag, die Bedenken des von der
Türkei nicht anerkannten EU-Mitglieds Zypern durch
zusätzliche Formulierungen in der EU-Verhandlungsposition
gegenüber der Türkei auszuräumen. In der von allen 25
Ministern akzeptierten Erklärung wurde Ankara gewarnt, dass der
Erfolg der Beitrittsverhandlungen insgesamt beeinträchtigt werde,
sollte die Türkei ihre Verpflichtungen aus den Vereinbarungen zur
Zollunion nicht voll erfüllen.
Daraufhin stimmte auch Zyperns Außenminister George Iacovou zu,
das erste Kapitel in den Beitrittsverhandlungen zu eröffnen und
vorläufig zu schließen. Das erste von insgesamt 35
Verhandlungskapitel betrifft die Vorschriften über Wissenschaft
und Forschung, die sachlich als unstrittig gelten.
Die Türkei hatte im vergangenen Jahr zwar das Protokoll
unterzeichnet, das eine Ausweitung der Zollunion auf die zehn neuen
EU-Staaten und damit auch auf Zypern vorsieht. Zugleich hatte Ankara
aber erklärt, dies bedeute nicht die Anerkennung der Republik
Zypern. Deswegen blieben bislang die türkischen Häfen und
Flughäfen für Einfuhren aus dem EU-Staat Zypern geschlossen,
obwohl dies ein Verstoß gegen die Vorschriften der gemeinsamen
Zollunion ist.
"Alle Beteiligten sind sich darüber einig, dass wir bis Jahresende
Klarheit haben müssen", sagte Steinmeier weiter. Falls es keine
Ratifizierung des Zusatzprotokolls zur Zollunion und keine Öffnung
der Häfen und Flughäfen in der Türkei für zyprische
Waren geben werde, müssten "die dafür relevanten Kapitel
storniert werden," sagte der Bundesaußenminister.
(Quelle: afp)
Deutschland
Internationale Arbeitsorganisation befürwortet Mindestlohn
Di.13.06.06 - Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) befürwortet die
Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland.
Angesichts der abnehmenden Tarifbindung sei der Arbeitsmarkt in der
Bundesrepublik bei den Löhnen heute weitgehend dereguliert.
Das sagte der Chef der ILO-Abteilung Arbeitsmarktforschung, Peter Auer,
der «Berliner Zeitung». «Da ist es dann sinnvoll, eine
untere Haltelinie einzuziehen.» Die ILO mit Sitz in Genf ist
diejenige Unterorganisation der Vereinten Nationen, die sich mit Arbeit
und Beschäftigung befasst.
Auer zeigte sich auch offen für einen Mindestlohn in Höhe von
7,50 Euro in der Stunde, wie ihn die deutschen Gewerkschaften fordern.
Er glaube nicht, dass dieser Arbeitsplätze vernichten werde.
«Auch in anderen Industrieländern gibt es Mindestlöhne
in dieser Größenordnung - unter anderem in
Großbritannien und Irland, wo viele neue Jobs entstehen.»
(Quelle: dpa)
Gewerkschaft lehnt Arbeitszeitausweitung bei VW ab
Di.13.06.06 - Die IG Metall lehnt eine Ausweitung der Arbeitszeit bei VW ab. Die von
Volkswagen vorgeschlagene Einführung der 35-Stunden-Woche passe
hinten und vorne nicht, sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut
Meine am Montag nach einem mehr als dreistündigen
Sondierungsgespräch zwischen Gewerkschaft und VW-Management in
Hannover. Schon heute sei unter den Bedingungen der Vier-Tage-Woche
nicht genügend Arbeit für die Beschäftigten da.
VW-Personalvorstand Horst Neumann warb indes darum, gemeinsam an einem
Strang zu ziehen, um Arbeitsplätze beim Wolfsburger Autobauer
«wetterfest» zu machen.
Meine bezeichnete das vorgestellte Konzept von Volkswagen als
unausgegoren. Er fügte hinzu: «Deshalb wird es zum
gegenwärtigen Zeitpunkt keine Tarifverhandlungen geben.» Die
IG Metall fordert von Volkswagen ein Gesamtkonzept für die
beabsichtigte Restrukturierung des Unternehmens. Die
Sondierungsgespräche sollen die Frage klären, ob die
Gewerkschaft Tarifgespräche mit dem Unternehmen aufnimmt. Beide
Seiten vereinbarten ein zweites Sondierungsgespräch, ein Termin
wurde noch nicht genannt.
Nach Auffassung der IG Metall blieben nach der ersten Runde etliche
Fragen offen. Zwar wisse die Gewerkschaft um die schwierige
wirtschaftliche Lage der Marke Volkswagen, vermisse aber ein
schlüssiges Gesamtkonzept von Volkswagen, betonte Meine.
Insbesondere habe es der Gewerkschaft an konkreten Vorschlägen zu
Produkten gemangelt, die für eine bessere Auslastung der Werke
sorgen könnten.
Nach einem weiteren Sondierungsgespräch noch vor der Sommerpause
solle intern beraten und entschieden werden, ob Tarifverhandlungen mit
dem Autokonzern aufgenommen würden, sagte Meine. Volkswagen hatte
die IG Metall Anfang Mai zu Gesprächen über geeignete
Maßnahmen zur Erreichung der Ziele Beschäftigungssicherung
und Wettbewerbsfähigkeit des Zukunftstarifvertrages vom November
2004 aufgefordert. Dieser läuft bis 2011 und ist von keiner der
beiden Vertragsparteien gekündigt. Der Tarifvertrag schließt
betriebsbedingte Entlassungen bis Ende 2011 aus.
Neumann bekräftigte die Bereitschaft, mit der IG Metall in den
nächsten Wochen über wettbewerbsfähige Arbeitskosten zu
verhandeln. «Mit Arbeitskosten, die in der allgemeinen
Metallindustrie gelten, bringen wir die traditionellen Standorte auf
ein international akzeptables Niveau», sagte er. Mit diesem Ziel
werde derzeit die gesamte Arbeitsorganisation des Unternehmens neu
strukturiert, um die Produktivität deutlich voranzubringen.
Er fügte hinzu: «Wir haben keine Zeit, bis zum Jahr 2011 zu
warten.» Die Bereitschaft der Mitarbeiter werde jetzt gebraucht.
VW wolle den Zukunftstarifvertrag von 2004 erfüllen. Dabei
könne man aber nicht auf Entspannung durch äußere
Faktoren hoffen.
(Quelle: ddp)
Verfassungsschutz beobachtet Wissenschaftler Grottian
Di.13.06.06 - Der Wissenschaftler und Mitbegründer des Berliner Sozialforums
Peter Grottian wird laut einem Bericht des Magazins «Der
Spiegel» vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Behörde sammle
seit Jahren Informationen über die Aktivitäten von Grottian
und über linke Gruppen, die gegen den rot-roten Senat in Berlin
opponierten.
Bundes- und Landesamt für Verfassungsschutz hätten den
Professor und Mitstreiter des Sozialforums sogar durch V-Leute
ausspähen lassen, schreibt das Nachrichtenmagazin. Der Berliner
Verfassungsschutz bestreite jedoch offiziell jede Überwachung. Das
Bundesamt wolle sich nicht dazu äußern. Intern werde die
umstrittene Operation damit gerechtfertigt, dass Autonome im Sozialforum
«mitmischten» und ihre Einflussnahme auf das Bündnis
beobachtet werde.
Grottian sagte der Nachrichtenagentur ddp am Samstag, er habe erst
durch den «Spiegel»-Bericht von der Überwachung
erfahren. Es habe zuvor Mutmaßungen beim Sozialforum darüber
gegeben, die aber nicht ernsthafter Natur gewesen seien. Die
Überwachung sei «wieder ein Nachweis, dass die Kontrollwut
beim Verfassungsschutz ohne jeden Sinn und Verstand» ist.
Die Maßnahme sei geeignet, Bürgern mit Blick auf ihr
politisches Engagement Angst zu machen, sagte Grottian. Er sprach von
einem Fall der «Selbstdynamisierung des bürokratischen
Apparats». Dienste wie der Verfassungsschutz könnten nicht
reformiert, sondern nur «auf ein Minimum reduziert oder sogar ganz
abgeschafft» werden.
Der Wissenschaftler forderte, dass die «Bespitzelung»
eingestellt und allen Betroffenen Akteneinsicht gewährt werde.
Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und der
Verfassungsschutz selbst müssten Stellung zu dem Vorgang beziehen.
Der Sprecher des Berliner Verfassungsschutzes, Claus Guggenberger, sagte
der «Berliner Morgenpost» (Sonntagausgabe), das Sozialforum
sei kein Beobachtungsobjekt.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Astronomen entdecken Sternen-«Autobahn» am Rand der
Milchstraße
Di.13.06.06 - Am Rand der Milchstraße rasen zahllose Sterne auf einer Art
galaktischen «Autobahn» durchs All. Die kosmische Sternen-
Schnellstraße ist mindestens 30 000 Lichtjahre lang und zieht sich
vermutlich einmal komplett um unsere Heimatgalaxie. Das teilten
Wisenschaftler bei einem Astronomenkongress im kanadischen Calgary mit.
Die Sterne sind auf der galaktischen «Autobahn» mit rund 830
000 Kilometern pro Stunde unterwegs. Mit bloßem Auge ist der
schnelle Sternenstrom nicht zu sehen.
(Quelle: dpa)