Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertundsiebzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Irakische Regierung startet Sicherheitsoffensive in Bagdad. Trotz
verstärkter Armeepräsenz erneut Anschläge. Seit
Jahresbeginn kamen mindestens 3.829 irakische Zivilpersonen ums Leben.
Italiener beginnen Abzug aus dem Irak
Do.15.06.06 - Die irakische Regierung hat am Mittwoch eine umfassende
Sicherheitsoffensive in Bagdad gestartet und zehntausende Soldaten und
Polizisten in der Hauptstadt stationiert. An dem Einsatz seien 70.000
Sicherheitskräfte beteiligt, verlautete aus Militärkreisen.
US-Präsident George W. Bush erklärte nach seinem Blitzbesuch
in Bagdad, er rechne nicht damit, dass die Regierung die andauernde
Gewalt im Land allein beenden könne.
Trotz des angekündigten Groß-Einsatzes Zehntausender
Soldaten ist es am Mittwoch in der irakischen Hauptstadt erneut zu
Schießereien und Anschlägen gekommen.
Im Stadtteil Adhamija lieferten sich Aufständische ein
Feuergefecht mit Sicherheitskräften. Im Norden der Metropole wurden
bei der Explosion einer Autobombe zwei Menschen getötet. Zu Beginn
einer Offensive gegen Extremisten der Al-Kaida, an der sich bis zu
40.000 irakische und US-Soldaten beteiligen sollten, errichteten
Sicherheitskräfte zusätzliche Straßensperren. Auch
Panzer und gepanzerte Fahrzeuge waren im Einsatz. Am Vortag hatte
US-Präsident George W. Bush bei einem Überraschungsbesuch in
Bagdad die irakische Regierung zum entschlossen Handeln aufgerufen.
Mit Steinen und Baumstämmen blockierten Bewaffnete in der
Sunniten-Hochburg Adhamija mehrere Straßen. Es kam zu
Schusswechseln mit irakischen Soldaten. Zivilisten flohen aus der
Gegend. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Drei
irakische Panzer fuhren auf. Die Autobombe im Norden Bagdads war
offenbar gegen eine Polizeipatrouille gerichtet. Ein Reuters-Fotograf
konnte einen Mann und einen Jugendlichen brennend in dem Feuerball
erkennen, der durch die Explosion ausgelöst worden war.
In der südirakischen Ölstadt Basra griffen Demonstranten die
iranische Botschaft an. Hunderte Menschen skandierten Parolen gegen
einen iranischen Fernsehsender und warfen ihm vor, einen schiitischen
Geistlichen im Irak beleidigt zu haben.
Unterstützt von Panzern und Militärfahrzeugen wollen die
irakische Regierung und die US-Armee mit verstärkten Patrouillen
den Druck auf die irakische Al-Kaida-Organisation nach dem Tod ihres
Chefs Abu Mussab al-Sarkawi erhöhen. Im westlichen Stadtbezirk
Bagdads, Mansur, errichteten irakische Soldaten zusätzliche
Kontrollpunkte. Im Stadtteil Amirija, wo es wiederholt zu
Zusammenstößen zwischen sunnitischen Aufständischen und
irakischen sowie US-Soldaten kam, war ein irakischer Panzer unterwegs.
US-Soldaten waren nicht zu sehen. Ähnliche Einsätze gegen
Aufständische hatten in der Vergangenheit wenig Erfolg in dem
Bemühen, die Gewalt zu beenden, der seit dem Einmarsch
US-geführter Truppen zehntausende Menschen das Leben kostete.
Bush erklärte am Dienstag auf dem Rückflug in die USA, das
Ziel «keine Gewalt» könne die irakische Regierung
unmöglich allein erreichen. Ein Kriterium, das vom Kabinett von
Ministerpräsident Nuri al-Maliki erfüllt werden könne,
sei jedoch der Aufbau von Vertrauen in der Bevölkerung. Er habe
Al-Maliki zugesichert, dass die USA den Irak auf dem Weg nach vorn
«an allen Fronten» unterstützen werde, sagte Bush
weiter. Die USA würden ihre Soldaten aus dem Irak nicht abziehen,
bevor das Land selbst für seine Sicherheit sorgen könne. Im
Gespräch mit Al-Maliki hatte Bush betont, die Zukunft des Iraks
liege in den Händen der neuen Regierung. Der rund
fünfstündige Besuch des Präsidenten war bis zu seiner
Ankunft geheim gehalten worden, selbst Al-Maliki war darüber vorher
nicht informiert.
Gegen Bushs Überraschungsbesuch demonstrierten am Mittwoch in
Bagdad rund 2.000 Anhänger des schiitischen Geistlichen Muktada al
Sadr. Sie riefen «Der Irak gehört den Irakern» und
«Nein zur Besatzung».
Der Großeinsatz der Sicherheitskräfte in der Hauptstadt
löste mehrere Verkehrsstaus aus. Allerdings waren deutlich weniger
Fahrzeuge unterwegs als sonst. «Die Terroristen können einer
solchen Macht nicht widerstehen», sagte ein Militärsprecher.
Al-Maliki hat darüber hinaus Pläne für eine
verlängerte Ausgangssperre und ein Waffenverbot angekündigt,
um die Gewalt einzudämmen.
Nach Angaben des irakischen Verteidigungsministeriums wurden allein in
der vergangenen Woche bei 761 Angriffen 263 Zivilpersonen getötet
und mehr als 300 verletzt. Zugleich seien 78 Terrorverdächtige
getötet und und 584 weitere festgenommen worden. Seit Jahresbeginn
kamen mindestens nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP 3.829
irakische Zivilpersonen ums Leben, mindestens 754
Sicherheitskräfte starben. Außerdem wurden mindestens 335
Angehörige der Koalitionstruppen getötet, 312 von ihnen
US-Soldaten.
Drei Wochen nach dem Amtsantritt von Ministerpräsident Romano
Prodi hat Italien am Mittwoch mit dem Abzug seiner Truppen aus dem Irak
begonnen. Bis Ende Juni sollen von den einst 3200 Soldaten nur noch
1600 im Irak stationiert sein.
Das berichtete das staatliche Fernsehen zum Beginn eines
Brigade-Austauschs im südirakischen Nassirija. Bereits in den
nächsten Monaten, spätestens bis Jahresende kommen alle
Soldaten nach Hause, sagte Außenminister Massimo D'Alema im
Parlament in Rom. Der Schritt sei mit Bagdad und den USA besprochen.
«Es wird keinen ungeordneten Rückzug geben», sagte
D'Alema am Abend.
Damit wird die von den USA geführten «Koalition der
Willigen» immer kleiner: Bereits 2004 verließen mehr als
1300 Spanier das Land, ein Jahr später ebenfalls 1300
Niederländer. Auch die 1650 Soldaten aus der Ukraine zogen ab,
hinzu kamen kleineren Kontingente etwa aus Nicaragua, den Philippinen
und Honduras. Andere Länder wie Großbritannien und
Südkorea verringerten die Zahl der Soldaten. Italien stellte
hinter den USA, Großbritannien und Südkorea das
viertgrößte Kontingent der zeitweise 138 000
ausländischen Soldaten im Irak. Nach dem Golfkrieg vor drei Jahren
waren zunächst 3200 italienische Soldaten im Irak.
Das Ende der Mission «Antikes Babylon» war ein zentrales
Versprechen Prodis im Wahlkampf gegen Silvio Berlusconi. Berlusconi,
der als ein Vertrauter von US-Präsident George W. Bush gilt, hatte
die Militärpräsenz im Irak seinerzeit gegen erhebliche
Proteste durchgesetzt. Vor dem Wahlkampf im Frühjahr hatte er die
Truppenstärke in dem Land allerdings auf 2600 Mann reduziert.
Bisher kamen 31 italienische Soldaten im Irak ums Leben: Allein bei
einem Selbstmordanschlag im November 2003 auf das Hauptquartier in
Nassirija starben 19 Italiener.
Die italienische Staatsanwaltschaft will unterdessen über eine
Anklage gegen einen US-Soldaten im Zusammenhang mit den tödlichen
Schüssen auf den Geheimdienstmitarbeiter Nicola Calipari
entscheiden. Die Untersuchung sei abgeschlossen, sagte Staatsanwalt
Erminio Amelio. Calipari war am 4. März 2005 an einem
US-Kontrollposten erschossen worden, als er mit der gerade befreiten
italienischen Journalistin Giuliana Sgrena auf dem Weg zum Bagdader
Flughafen war. Sgrena und der Fahrer wurden verletzt.
(Quellen: ap, rtr, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 15.06.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertzweiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.15.06.05 - Mindestens 38 Tote bei Anschlägen: Allein in Kirkuk sterben 20
Menschen +++ Enthauptete gefunden +++ Parlament spricht Regierung Vertrauen
aus +++ Irakischer Minister wünscht sich Uni-Revolte im 68er-Stil +++
Französische Journalistin Aubenas spricht über Qualen der
Geiselhaft in Irak +++ Nach Einschätzung von deutschen Friedens- und Konfliktforschern
tragen militärische Interventionen von außen nicht nachhaltig
zur Demokratisierung von Staaten bei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0506150.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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20 Tote bei Anschlag auf Bus in Afghanistan
Do.15.06.06 - Bei einem Anschlag auf einen Bus mit Zivilbeschäftigten der
Koalitionsstreitkräfte in Südafghanistan sind am Donnerstag
zehn Menschen getötet worden. Das teilte die Polizei mit. 15
Personen seien bei der Bombenexplosion in Kandahar verletzt worden. Der
Bus sei zum Flugplatz der Stadt, dem Hauptstützpunkt der
internationalen Truppen, unterwegs gewesen. Das Fahrzeug sei
völlig zerstört worden. Kandahar ist eine ehemalige Hochburg
der gestürzten Taliban.
In Afghanistan sind am Dienstag zwei Soldaten der US-geführten
Besatzungstruppen bei Gefechten getötet worden. Die
US-Streitkräfte erklärten am Mittwoch, eine Patrouille sei am
in der Provinz Helmand angegriffen worden. Sie sei mit Granaten
beschossen und gezwungen worden, die Nacht im Bezirk Musa Kala zu
verbringen. Die britischen Truppen entsandten Fallschirmjäger zur
Verstärkung. Ein zweiter Soldat kam bei Gefechten in der Provinz
Kunar im Osten des Landes ums Leben, wie es in einer Stellungnahme der
US-Streitkräfte hieß. Zur Nationalität der
getöteten Soldaten wurde nichts mitgeteilt.
(Quelle: ap)
UN-Experten fordern Schließung von Guantanamo
Do.15.06.06 - Nach dem Selbstmord von drei Insassen des US-Gefangenenlagers
Guantanamo Bay auf Kuba haben UN-Menschenrechtsexperten erneut die
Schließung des Gefängnisses gefordert.
Die drei Selbstmorde seien "angesichts der harten und anhaltenden
Haftbedingungen gewissermaßen vorhersehbar" gewesen, hieß es
in einer Stellungnahme von fünf Menschenrechtsexperten der
Vereinten Nationen (UN). Der Vorfall verstärke die Sorge über
die psychische Verfassung der Häftlinge.
Auch die Europäische Union (EU) hat bereits mehrfach die
Schließung von Guantanamo gefordert. Das Lager wurde nach den
Anschlägen vom 11. September 2001 eingerichtet, momentan werden
dort rund 460 Gefangene fest gehalten. Der Selbstmord zweier Saudiaraber
und eines Jemeniten am vergangenen Samstag hatte die Kritik erneut
angefacht.
(Quelle: rtr)
Iran bezeichnet internationales Angebot als 'Schritt nach vorn'
Do.15.06.06 - Der iranische Außenminister Manutschehr Mottaki hat das
internationale Kompromissangebot zur Beilegung des Atomstreits als
«Schritt nach vorn» bezeichnet. Mottaki wollte sich am
Mittwoch bei seiner Ankunft in Madrid jedoch nicht dazu
äußern, wann Teheran über die Annahme oder Ablehnung des
Angebots entscheiden wird. Zunächst wolle man das Papier genau
prüfen, sagte er.
Nach der Prüfung werde der Iran Deutschland, Großbritannien
und Frankreich über seine Ansichten informieren, erklärte der
Minister weiter. Außerdem seien Diskussionen mit anderen
europäischen Ländern, mit China, Russland und blockfreien
Staaten geplant. Die fünf ständigen Mitglieder des
UN-Sicherheitsrates und Deutschland wollen den Iran mit einer
Kombination aus Anreizen und Drohungen zu einem Stopp der Anreicherung
von Uran bewegen. Die Regierung in Teheran hat bereits angekündigt,
sie werde das Paket nicht unverändert annehmen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hunderte Angestellte stürmen palästinensisches Parlament -
Abbas will möglicherweise auf geplante Volksabstimmung verzichten
Do.15.06.06 - Hunderte Menschen haben am Mittwoch in Ramallah das
palästinensische Parlamentsgebäude gestürmt. Nach
Augenzeugenberichten handelte es sich um Angestellte, die eine
Auszahlung ihres Gehalts fordern.
Mehrere Dutzend der Demonstranten konnten den Berichten zufolge in den
Plenarsaal vordringen und bewarfen dort Abgeordnete mit Wasserflaschen.
«Wir haben Hunger» schrien sie und verlangten nach ihren
Gehältern. Nach einem Sitzstreik konnten sie davon überzeugt
werden, das Gebäude zu verlassen.
Nach palästinensischen Angaben gehörten die meisten von ihnen
der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas an.
Bereits am Montagabend hatten bewaffnete Männer den Regierungssitz
des palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija in
Ramallah gestürmt und teils verwüstet.
Die Palästinensische Autonomiebehörde hat wegen eines
internationalen Boykotts der radikal-islamischen Hamas-Regierung mit
einer schweren Finanzkrise zu kämpfen. Hamas weigert sich jedoch
weiter, Israels Existenzrecht sowie die unterzeichneten
Friedensverträge anzuerkennen und der Gewalt abzuschwören.
Hamas und Fatah liefern sich zudem seit Wochen einen heftigen
Machtkampf, der schon mehrere Todesopfer auf beiden Seiten gefordert hat.
Unterdessen will Präsident Abbas angesichts der zugespitzten Lage
in den Palästinensergebieten auf die geplante Volksabstimmung
über eine Lösung des Konflikts mit Israel möglicherweise
verzichten. Nach einem Gespräch mit dem palästinensischen
Ministerpräsidenten Ismail Hanija sagte Abbas am späten
Dienstagabend in Gaza: «Wenn wir so ungefähr in der
nächsten Woche eine Vereinbarung erzielen - und ich glaube, das
hoffen wir -, wäre ein Referendum nicht gerechtfertigt.» Die
Hamas-Regierung lehnt das Referendum und eine Anerkennung Israels ab.
Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erekat warnte vor
einem Bürgerkrieg.
Stunden zuvor waren bei dem folgenschwersten Raketenangriff im
Gazastreifen seit dem israelischen Abzug im vergangenen Sommer
mindestens elf Palästinenser getötet worden. Etwa 25 Menschen
wurden verletzt, als die Geschosse in das Auto einschlugen, berichteten
Krankenhausärzte. Bei den Toten handelte es sich um drei militante
Palästinenser, drei Sanitäter, drei Passanten und zwei Kinder.
Eine israelische Armeesprecherin sagte, das mit Raketen beladene
Fahrzeug sei unterwegs zu Angriffen auf israelische Grenzorte gewesen.
Palästinenserpräsident Abbas verurteilte den Angriff scharf
als israelischen «Staatsterror».
Israel wies unterdessen offiziell die Verantwortung für eine
Explosion am Strand des Gazastreifens zurück, bei der vor vier
Tagen sieben Angehörige einer palästinensischen Familie
getötet worden waren. «Wir haben genug Beweise, die unseren
großen Verdacht bestätigen, dass der Versuch, den Vorfall als
Schuld Israels darzustellen, nicht richtig ist», sagte
Verteidigungsminister Amir Perez auf einer Pressekonferenz in Tel Aviv.
Die palästinensischen Behörden bestehen weiter darauf, dass
die Familie am Freitag beim Aufenthalt am Strand von einer israelischen
Granate getroffen wurde.
(Quelle: dpa)
Opfer bei Zusammenstößen von Palästinenser-Gruppen
Do.15.06.06 - Bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Palästinenser-Gruppen
hat es am Mittwoch nach Informationen aus Sicherheitskreisen erneut
Opfer gegeben.
In der südlichen Stadt Chan Junis wurde den Angaben nach ein
bewaffnetes Mitglied der israelfeindlichen Hamas erschossen. Zuvor habe
der Mann zusammen mit anderen radikalen Palästinensern ein Auto
angegriffen, in dem sich ein Vertreter einer dem Präsidenten Mahmud
Abbas nahe stehenden Gruppe befunden habe. Dieser wiederum sei verletzt
ins Krankenhaus gebracht worden. Vertreter der Hamas sagten, die andere
Seite habe zuerst geschossen.
Die zunehmenden Spannungen innerhalb der palästinensischen Gruppen
haben jüngst die Angst vor einem Bürgerkrieg geschürt.
(Quelle: rtr)
Islamische Miliz nimmt strategisch wichtige Stadt in Somalia ein
Do.15.06.06 - Islamische Milizionäre haben eine strategisch wichtige Stadt im
Süden Somalias eingenommen und damit praktisch die gesamte Region
unter ihre Kontrolle gebracht. Die Islamische Gerichtsunion sei am
Mittwoch in Jowhar einmarschiert, erklärten Augenzeugen. Die Stadt
war zuvor die letzte Hochburg einer säkularen Allianz von Warlords
im Süden des Landes. Deren letzte Kämpfer flohen den Angaben
zufolge kurz vor dem Einmarsch der Miliz. 19 Menschen seien bei
Kämpfen getötet worden.
Ein Augenzeuge erklärte, er habe in einem Krankenhaus die Leichen
von 18 Kämpfern und einer Zivilperson gesehen. Ärzte konnten
dies zunächst nicht bestätigen. Ein Kommandeur der Miliz
sprach von zwei Toten und mindestens 15 Verletzten. Nach der Einnahme
von Jowhar befindet sich nun die gesamte Region in der Hand der
Milizionäre, bis auf die Stadt Baidoa, den Sitz der
Übergangsregierung. Die Islamisten beschuldigen die Warlords,
für den US-Geheimdienst CIA zu arbeiten. Die USA haben eine
Unterstützung der Allianz bislang weder bestätigt noch
dementiert.
Bereits Anfang des Monats hatte die islamische Miliz nach wochenlangen
Kämpfen die Hauptstadt Mogadischu eingenommen. Die jüngste
Welle der Gewalt begann im Mai. Seither wurden mehr als 300 Menschen
getötet und rund 1.700 verletzt, darunter viele Zivilpersonen.
Somalia versank 1991 nach dem Sturz des langjährigen Machthabers
Mohamed Siad Barre in Anarchie. Verschiedene Clans kämpfen um die
Oberherrschaft in dem Land am Horn von Afrika. Die mit Hilfe der
Vereinten Nationen in Baidoa installierte Übergangsregierung
konnte sich bisher nicht durchsetzen.
(Quelle: ap)
Welthungerhilfe stellt Güterverteilung in Darfur ein
Do.15.06.06 - Die Deutsche Welthungerhilfe hat vor einer neuen Katastrophe in der
sudanesischen Krisenprovinz Darfur gewarnt. Wegen der andauernden
Kämpfe im Bürgerkriegsgebiet sei man gezwungen, die Verteilung
von Hilfsgütern einzustellen, teilte die Organisation am Mittwoch
in Bonn mit. Danach erhalten 385.000 Menschen im Juni keine
Nahrungsmittel.
«Wenn die Kämpfe zwischen den Rebellenfraktionen nicht bald
aufhören, werden tausende Menschen verhungern», sagte der
Regionalkoordinator der Welthungerhilfe im Sudan, Johan van der Kamp.
Viele Menschen hätten Anfang Mai die letzten Monatsrationen
bekommen und seien nun ohne Nahrung. Die Organisation befürchtet
zudem, dass es in Darfur zu neuen Flüchtlingsströmen kommt.
(Quelle: ap)
Russische Firma will erstes schwimmendes Atomkraftwerk bauen
Do.15.06.06 - Ein russisches Schiffsbauunternehmen wird im kommenden Jahr am
Nordpolarmeer mit dem Bau des ersten schwimmenden Atomkraftwerks
beginnen. Ein entsprechender Vertrag wurde am Mittwoch vom russischen
Kernkraftwerksbetreiber Rosenergoatom und der auf Bau von Kriegsschiffen
spezialisierten Firma Sewmasch unterzeichnet. Der 9,1 Milliarden Rubel
(267 Millionen Euro) teure Reaktor, der im Hafen von Sewerodwinsk am
Weißen Meer gebaut wird, soll im Oktober 2010 in Betrieb gehen.
Er soll dann die Schiffsbauwerft mit Strom und Heizwärme versorgen.
Der Leiter der russischen Atomaufsicht, Sergej Kirijenko, wies Bedenken
hinsichtlich der Sicherheit des Reaktors zurück. Es werde
«kein schwimmendes Tschernobyl» werden, sagte er der
Nachrichtenagentur ITAR-Tass mit Bezug auf das in der Ukraine gelegene
Atomkraftwerk, in dem sich 1986 der bislang schwerste Unfall bei der
zivilen Nutzung der Atomenergie ereignete. Auch sei das
Firmengelände von Sewmasch, der einzigen russischen Werft, die
Atom-U-Boote baut, ausreichend gesichert.
Der Chef von Rosenergoatom, Sergej Obosow, erklärte, schwimmende
Atomkraftwerke seien eine ideale Lösung für viele Orte am
Polarkreis. Die Behörden prüften derzeit elf weitere
Standorte. Der Widerstand gegen die Kernkraft ist in den vergangenen
Jahren in Russland deutlich zurückgegangen. Die Regierung
bemüht sich derzeit um einen deutlichen Ausbau der Kernkraft.
Derzeit sind in Russland 31 Reaktoren in Betrieb, die 16 bis 17 Prozent
des Strombedarfs in Russland decken. Präsident Wladimir Putin will
diesen Wert auf 25 Prozent anheben.
Heftige Kritik an dem Vorhaben kam von der norwegischen
Umweltschutzorganisation Bellona. Schwimmende Atomkraftwerke seien vom
Prinzip her unsicher, erklärte Bellona-Sprecher Charles Digges auf
der Web-Site der Gruppe. «Schwimmende Atomkraftwerk sind
völlig unsicher. Sie können untergehen und es besteht die
Gefahr, dass sie beim Transport zu ihrem Einsatzort untergehen.»
(Quelle: ap)
Deutschland und Italien wollen Verfassungsprozess wiederbeleben
Do.15.06.06 - Deutschland und Italien haben sich entschlossen gezeigt, den
EU-Verfassungsprozess während der deutschen Präsidentschaft im
ersten Halbjahr 2007 gemeinsam wiederzubeleben. Nach einem Treffen mit
dem neuen italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi am
Mittwoch in Berlin sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel, Deutschland und
Italien seien sich einig: «Wir brauchen den
Verfassungsvertrag.» «Rosinenpickerei», also die
Herausnahme einzelner Teile aus der Verfassung, reiche nicht.
Prodi sagte, der Gipfel unter deutscher Präsidentschaft müsse
«ein neuer Start für den Aufbau Europas werden». Merkel
mahnte, dass man bei der Wiederbelebung des Verfassungsprozesses
«klug» vorgehen müsse. Man dürfe «keinen
überfordern». Bis zur deutschen Präsidentschaft werde
die Reflexionsphase andauern. Frankreich und die Niederlande hatten die
Verfassung im vergangenen Jahr jeweils in Referenden abgelehnt.
(Quelle: ap)
Deutschland spielt bei Löhnen im europäischen Mittelfeld
Do.15.06.06 - Die Lohnkosten in Deutschland liegen einer Studie des
gewerkschaftsnahen Wirtschaftsforschungsinstituts IMK zufolge im
europäischen Mittelfeld.
"Die industriellen Arbeitskosten sind in Deutschland ähnlich hoch
wie in Frankreich, Dänemark, Schweden, Belgien und den
Niederlanden", erklärte das Institut für Makroökonomie
und Konjunkturforschung (IMK) am Mittwoch. Im gesamten privaten Sektor -
Verarbeitendes Gewerbe und Dienstleister - lägen die Arbeitskosten
mit 26,22 Euro je Stunde im Mittelfeld der Europäischen Union vor
der Osterweiterung. Die Studie nutzt erstmals Daten des
europäischen Statistikamtes Eurostat. Die neuen
Mitgliedsländer der EU liegen mit fünf Euro pro Stunde
deutlich unter dem Schnitt der alten EU-Mitglieder von 24 Euro.
Bei alleiniger Betrachtung des Verarbeitenden Gewerbes seien die
Arbeitskosten in Deutschland mit 29,90 Euro zwar relativ hoch - nur in
Belgien ist Arbeit mit über 33 Euro pro Stunde teurer.
Demgegenüber seien die Arbeitskosten im privaten
Dienstleistungssektor in Deutschland jedoch mit 24,10 Euro deutlich
unter dem Niveau der anderen großen europäischen
Volkswirtschaften außer Spanien. "Nur in Deutschland klafft diese
riesige Lücke zwischen den Löhnen in der Industrie, die stark
exportorientiert ist, und dem Dienstleistungsgewerbe, das stark von der
Binnennachfrage abhängig ist", schrieben die Forscher. Die für
die internationale Wettbewerbsfähigkeit entscheidende Entwicklung
der Lohnstückkosten, bei der auch die Produktivität
berücksichtigt wird, habe sich in Deutschland in den vergangenen
Jahren so stark verbessert wie in keinem der anderen alten EU-Staaten
mit Ausnahme Österreichs.
(Quelle: rtr)
SPD lehnt 'Gemeinschaftsdienst' für Arbeitslose ab
Do.15.06.06 - Die Forderung des CSU-Abgeordneten Stefan Müller nach einem
«Gemeinschaftsdienst für Langzeitarbeitslose» ist bei
der SPD auf strikte Ablehnung gestoßen. «Damit werden alle
Arbeitslosen unter Generalverdacht gestellt», sagte der
SPD-Arbeitsmarktexperte Klaus Brandner der Nachrichtenagentur AP am
Mittwoch. Das sei diskriminierend. Müller hatte vorgeschlagen, dass
sich Langzeitarbeitslose jeden Morgen bei einer Behörde zum
«Gemeinschaftsdienst» melden sollen.
Sie sollten dann acht Stunden regelmäßiger
gemeinnütziger Arbeit nachgehen, sagte er in der
«Bild»-Zeitung. Langzeitarbeitslose hätten so nicht
länger das Gefühl, überflüssig zu sein und
könnten auch nicht schwarz arbeiten. Wenn sie dieser Verpflichtung
nicht nachkämen, soll ihnen die staatliche Unterstützung
gekürzt werden.
Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, Ludwig Stiegler, sagte
zu dem Vorschlag in der «Netzeitung», er empfehle
Müller «baden zu gehen und sich abzukühlen».
«Offensichtlich sind ihm die hohen Temperaturen, die derzeit
herrschen, nicht bekommen.»
Auch Brandner meinte: «Mit Müller sind wohl die Gäule
durchgegangen». Mit dieser Forderung werde das Prinzip des
Forderns und Förderns auf den Kopf gestellt. «Wir wollen
vermitteln. Das ist Aufgabe der Politik», sagte er. Wenn dann
Angebote abgelehnt würden, blieben den Arbeitslosen Sanktionen
nicht erspart. Jeder wisse aber, dass die überwiegende Mehrheit der
Erwerbslosen wirklich arbeiten wolle.
(Quelle: ap)
Kabinett hat Elterngeld beschlossen
Do.15.06.06 - Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Gesetzentwurf zur
Einführung des Elterngeldes beschlossen. Es sieht eine
Lohnersatzleistung für bis zu 14 Monate für Eltern vor, die
nach der Geburt ihres Kindes vorübergehend aus dem Beruf aussteigen.
Das Elterngeld beträgt 67 Prozent des Nettoeinkommens - maximal
1800 Euro pro Monat. Für Geringverdiener gibt es einen Sockelbetrag
von 300 Euro. Das Gesetz soll Anfang 2007 in Kraft treten.
Noch kurz zuvor hatte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen
(CDU) Nachbesserungen am Gesetzentwurf ausgeschlossen. «Ich gehe
davon aus, dass es keine Änderungen geben wird», sagte sie
der «Thüringer Allgemeinen».
Von der Leyen ging davon aus, dass künftig jeder vierte Vater eine
mehrmonatige Elternzeit in Anspruch nehmen wird. «Betriebe
müssen sich darauf einstellen, den Erziehenden Zeit zu
gewähren, sich um ihre Kinder auch zu kümmern», sagte
sie der Zeitung.
(Quelle: dpa)
Kritik an schlechter Versorgung Pflegebedürftiger
Do.15.06.06 - Eine menschenwürdige Versorgung Pflegebedürftiger ist in
Deutschland nicht flächendeckend gewährleistet. Das stellt das
Deutsche Institut für Menschenrechte in einer in Berlin
vorgestellten Studie fest. Das Recht auf Pflege und angemessene
Unterkunft gehörten zu den wirtschaftlichen, sozialen und
kulturellen Menschenrechten, die in Deutschland immer noch als
zweitrangig abgetan würden, kritisierte Institutsdirektor Heiner
Bielefeldt. Mehr als 380.000 Menschen in Deutschland würden nicht
ausreichend mit Essen und Trinken versorgt, bemängelte das Institut
unter Rückgriff auf Daten der Medizinischen Dienste der
Krankenkassen (MDK).
440.000 alte Menschen würden nicht ausreichend vor dem in Heimen
verbreiteten Wundliegen geschützt, mehr als 210.000 nicht wegen
ihrer Inkontinenz. Die Rechte der Pflegebedürftigen und
"menschenrechtliche Defizite" in Deutschland leiten die Autoren der
Studie, Jakob Schneider und Valentin Aichele, aus zahlreichen
Vorschriften des Völkerrechts ab. Diese Rechte seien teilweise
rechtlich, in jedem Fall aber moralisch einklagbar. Das Problem in
Deutschland seien weniger die Gesetze als vielmehr deren unzureichende
Umsetzung. Kontrollen seien zu selten und zu lasch, Gewalt in der
Altenpflege werde kaum untersucht.
Mit Blick auf das düstere Fazit der Studie forderte Bielefeldt
einen "Nationalen Aktionsplan Pflege", in dessen Rahmen ein
einheitlicher Standard für eine menschenwürdige Pflege
erarbeitet werden müsse. Kontrollen müssten häufiger und
vor allem öfter unangemeldet stattfinden, fordert das Institut.
Kommunen und Länder sollen mehr Beratungs- und Beschwerdestellen
einrichten. Zudem müsse Deutschland endlich die revidierte
Europäische Sozialcharta ratifizieren und umsetzen, die die Rechte
älterer Menschen besonders schütze.
(Quelle: afp)
Arbeitgeber laufen Sturm gegen Antidiskriminierungsgesetz
Do.15.06.06 - Die Arbeitgeber sehen sich durch das von der Bundesregierung
beschlossene Antidiskriminierungsgesetz schwer benachteiligt. «Der
Gesetzentwurf stellt eine erhebliche Belastung der Wirtschaft
dar», sagte der Präsident der Bundesvereinigung der
Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, am Mittwoch in
Berlin. Die Folge wären zusätzliche Bürokratie und
«jeder Menge neuer Rechtsunsicherheiten«.
Ein »solcher Unfug« dürfe nicht Gesetz werden,
forderte Hundt. Er rechne damit, dass der Entwurf in Bundestag und
Bundesrat noch erheblich verändert werde. Die Brüsseler
Vorgaben dürften lediglich »eins zu eins» umgesetzt
werden.
Der Schutz vor Diskriminierung ist in vier EU-Richtlinien geregelt, die
in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Das soll in
Deutschland über das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz geschehen.
Ziel des Gesetzes ist es, eine Schlechterstellung auf Grund sexueller
Orientierung, Religion, ethnischer Herkunft sowie von Alter oder
Behinderung zu verhindern. Damit geht die deutsche Umsetzung über
die EU-Richtlinie hinaus.
Schon die Zustimmung Deutschlands zu den Richtlinien in Brüssel
sei ein «gravierender Fehler» gewesen, sagte Hundt. Mit der
Umsetzung werde nun «noch größerer und unnötiger
Schaden angerichtet». Der Arbeitgeberpräsident betonte unter
Verweis auf eine Äußerung von Bundespräsident Horst
Köhler: «Deutschland braucht solche Gesetze nicht.»
(Quelle: ddp)