Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertzweiundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Wieder Tote bei Anschlägen. Irak übernimmt im Juli Kontrolle
in südlicher Provinz. Staatsanwalt fordert Todesstrafe für
Saddam Hussein. Drei US-Soldaten wegen Mordes an Irak-Gefangenen
angeklagt
Di.20.06.06 - Bei zwei neuen Sprengstoffexplosionen im Großraum Bagdad sind am
Montagabend mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen und 16
verletzt worden. Der erste Anschlag richtete sich gegen eine Patrouille
des Innenministeriums im Westen der Hauptstadt. Eine Autobombe riss
dort vier Soldaten in den Tod, sechs weitere wurden verwundet. Eine
halbe Stunde später detonierte ein Sprengsatz auf einem Markt im
südlichen Vorort Mahmudija. Dort wurden nach Polizeiangaben drei
Menschen getötet und zehn verletzt. Mahmudija wird
überwiegend von Sunniten bewohnt.
Bei der Explosion einer Autobombe in Wasirijah im Norden von Bagdad
kamen zwei Zivilisten ums Leben, wie aus Polizeikreisen verlautete.
Sechs weitere Zivilisten wurden demnach verletzt. Der Anschlag habe
einer Armeepatrouille gegolten. Nach Angaben eines Polizeisprechers in
der Stadt Kerbela erschossen Rebellen den Polizeichef und drei
Polizisten aus dem Ort Ain Tanr in einem Hinterhalt westlich der Stadt.
Ein weiterer Polizist wurde demnach verletzt. In der 25 Kilometer
südöstlich von Bagdad gelegenen Ortschaft Madaen töteten
Unbekannte eine Frau und ihre beiden Kinder.
Die irakischen Streitkräfte wollen im kommenden Monat die
Kontrolle über die südliche Provinz El Muthanna von den
multinationalen Truppen übernehmen. El Muthanna sei damit die erste
Provinz, in der irakische Einheiten für die Sicherheit
zuständig sein werden, kündigte der irakische
Ministerpräsident Nuri el Maliki am Montag in Bagdad an. In der
Region sind derzeit australische Einheiten unter britischem Kommando
stationiert.
Im Prozess gegen den früheren irakischen Staatschef Saddam Hussein
hat der Generalstaatsanwalt die Todesstrafe gefordert. Auch für die
Mitangeklagten Barsan el Tikriti, den Halbbruder Sadamm Husseins, und
den früheren Vizepräsidenten Taha Jassin Ramadan forderte
Chefankläger Dschaafar el Mussawi in Bagdad die Todesstrafe. Bei
neuer Gewalt im Irak wurden neun Menschen getötet.
Insgesamt stehen neben Saddam Hussein sieben Mitangeklagte für das
Massaker an Bewohnern des schiitischen Dorfes Dudschail im Jahr 1982 vor
Gericht. Alle Angeklagten müssen sich im Zusammenhang mit dem
Massaker an 148 Schiiten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit
verantworten. Sie plädierten auf unschuldig.
Drei US-Soldaten sind im Zusammenhang mit dem Tod von drei irakischen
Gefangenen wegen Mordes angeklagt worden. Das teilte das
US-Militär in Tikrit mit. Danach wird den drei Amerikanern auch
versuchter Mord, Verschwörung, Bedrohung und Rechtsbehinderung
angelastet. Die Opfer seien männliche Gefangene, die am 9. Mai
während einer Operation in der südlichen Provinz Salaheddin
ums Leben gekommen seien. Die Angeklagten sind zur Zeit in
Untersuchungshaft.
(Quellen: afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 20.06.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertsiebenundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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30 Tote bei zwei Taliban-Überfällen in Afghanistan
Di.20.06.06 - Taliban-Kämpfer haben im Süden Afghanistans bei zwei
Überfällen mindestens 30 Menschen getötet. Ziel des
ersten Überfalls war die Wagenkolonne eines früheren
Bezirkschefs der Provinz Helmand, wie ein Sprecher des Gouverneurs am
Montag erklärte. Dabei wurden am Sonntag der Exregierungsbeamte und
vier seiner Leibwächter getötet. Beim zweiten Überfall
griffen die Taliban wenige Stunden später 30 Verwandte des
früheren Bezirkschefs an, die seine Leiche bergen wollten.
Wie sein Bruder Dad Mohammed Chan sagte, wurden 25 Menschen
getötet und vier verletzt. Zehn weitere Menschen wurden noch
vermisst. «Wir wissen nicht, ob sie tot oder noch am Leben
sind», erklärte Chan. Unter den Todesopfern seien ein Bruder
und ein Neffe des getöteten Bezirkschefs. Die Überfälle
ereigneten sich an der Fernstraße zwischen den Bezirken Sangin und
Grischk.
Die alliierten Truppen setzten unterdessen ihre Großoffensive
gegen Aufständische im Süden des Landes fort. Bei einem
heftigen Gefecht in der Nähe der Provinzhauptstadt Tirin Kot in
Urusgan wurden sieben Rebellen getötet, wie der afghanische General
Rahmatullah Rufi erklärte. Nach dreistündigen Kämpfen
wurden vier Aufständische festgenommen, die anderen
flüchteten in die Berge. Die Soldaten beschlagnahmten automatische
Waffen und Granaten.
(Quelle: ap)
Konstituierende Sitzung des Menschenrechtsrats
Di.20.06.06 - Der neu eingerichtete UN-Menschenrechtsrat ist in Genf zu seiner
konstituierenden Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär Kofi
Annan sagte in seiner Eröffnungsrede, mit dem Rat habe "für
die Vereinten Nationen auf dem Feld der Menschenrechte eine neue
Ära begonnen". Annan appellierte zugleich an die Mitgliedsstaaten
des Gremiums, sich nicht in politische Händel verwickeln zu lassen
und sich klar von der umstrittenen Vorgängerkommission abzusetzen.
Der Rat geht auf eine Initiative Annans zurück. Er löst die
bisherige Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen ab, die immer
wieder wegen mangelnder Konsequenz bei der Anprangerung von
Menschenrechtsverstößen in die Kritik geraten war. Die USA
lehnen den Rat ab, weil sie die Schaffung eines ineffektiven Organs
befürchten. Menschenrechtsorganisationen beklagen die Mitarbeit von
Ländern, denen selbst Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen
werden.
An der Eröffnung der zweiwöchigen Sitzung nahmen Minister und
ranghohe Vertreter von rund 100 Staaten teil. Deutschland als Mitglied
des neuen Gremiums wird von Außenminister Frank-Walter Steinmeier
(SPD) vertreten.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Israel will offenbar gesamten Verlauf von Westjordanland-Grenze
prüfen
Di.20.06.06 - Israel will offenbar den gesamten Verlauf des umstrittenen Grenzwalls
zum Westjordanland auf den Prüfstand stellen. Verteidigungsminister
Amir Perez habe eine Überprüfung angeordnet, gab sein
Büro am Montag bekannt. Dabei sollten die Bedenken der
Palästinenser stärker berücksichtigt werden.
Die Zeitung «Haaretz» berichtete, der gesamte Verlauf solle
überprüft werden, einschließlich der bereits gebauten
Teile des 760 Kilometer langen Zauns. Arbeitspartei-Politiker Perez
wolle die Grenzanlage unter dem Sicherheitsaspekt neu bewerten, sie
solle nicht als Mittel zur Erweiterung israelischen Gebietes oder zur
Zementierung von Gebietsansprüchen dienen, hieß es weiter.
Bei einer Neubewertung ausschließlich unter Gesichtspunkten der
Sicherheit erwarten Beobachter Änderungen in mehreren Abschnitten.
Vor allem in der Region Jerusalem könnte in diesem Fall der
Grenzverlauf geändert werden, sagte Schaul Arieli, Gutachter
für den Obersten Gerichtshof, im Armeerundfunk.
Der Grenzwall schneidet bisherigen Planungen zufolge an mehreren
Stellen tief ins Westjordanland ein. Der Oberste Gerichtshof hat daher
wiederholt Änderungen zugunsten der Palästinenser angemahnt.
Perez wolle solche Urteile offenbar künftig vermeiden, schrieb
«Haaretz».
Das Oberste Gericht genehmigte allerdings am Sonntag den Bau eines
umstrittenen Abschnitts der Grenzanlage in Ostjerusalem.
Palästinensische Anrainer hatten geklagt, dass der geplante Verlauf
sie von ihrem Lebenszentrum abtrennen würde und zudem private
Grundstücke zerschneide. Auch ein Friedhof werde tangiert. Die
Richter entschieden am Sonntagabend jedoch im Sinne der israelischen
Regierung. Bisher ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums etwa
die Hälfte der Anlage fertig gestellt. Ein Abschluss der
Bauarbeiten wird im Laufe des Jahres 2008 erwartet.
Die EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner traf am Montag zu
Gesprächen in Jerusalem ein. Sie nannte den Plan von
Ministerpräsident Ehud Olmert zum weitgehenden Rückzug aus dem
Westjordanland und zu einer einseitigen Grenzziehung einen «sehr
mutigen Schritt». Sie betonte jedoch zugleich, dass ein
dauerhafter Friede nur im Dialog gefunden werden könne.
Nach der Explosion am Strand von Gaza am 9. Juni, bei der acht Menschen
getötet wurden, räumte Perez seinem Büro zufolge ein,
dass möglicherweise doch ein israelisches Geschoss verantwortlich
war. Bei einer Kabinettssitzung am Sonntag habe er nicht ausgeschlossen,
dass ein nicht explodiertes israelisches Geschoss am Strand gelegen
haben könnte. Israel hatte zuvor nach eigenen Nachforschungen die
Verantwortung für den tödlichen Zwischenfall
zurückgewiesen.
(Quelle: ap)
Waffenstillstand im Ost-Sudan unterzeichnet
Di.20.06.06 - Vertreter der sudanesischen Regierung und der Rebellen im Ost-Sudan
haben ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Die in Eritreas
Hauptstadt Asmara ausgehandelte Prinzipienvereinbarung sieht die
"Beendigung von Feindseligkeiten" und die Aufnahme von
Friedensgesprächen vor, sagte der eritreische Vermittler Yemane
Gebreab.
Für die sudanesische Regierung unterzeichnete
Präsidentenberater Mustafa Osman Ismail das Dokument und für
die Rebellen der "Ost-Front" deren Chef Mustafa Mohammed Ahmed. Ismail
räumte ein, dass noch "ein langer Weg" bis zu einer
Friedensregelung zu gehen sei. Ahmed kündigte an, seine
Gruppierung strebe einen dauerhaften Frieden an.
Seit etwa zehn Jahren kämpfen Rwebellen im Ost-Sudan gegen die
Zentralregierung in Khartum. Sie kontrollieren ein Gebiet entlang der
Grenze zu Eritrea. Die "Ost-Front" war im vergangenen Jahr von
Vertretern der größten Volksgruppe im Ost-Sudan, den Beja,
und der arabischen Bevölkerungsgruppe der Raschidija gebildet
worden. Wie die Rebellen im westsudanesischen Darfur fordern die
Rebellen im Osten des Landes mehr Autonomie von Khartum sowie einen
größeren Anteil an den Bodenschätzen der Region. Ein
dritter Konflikt - der Bürgerkrieg im Süd-Sudan - wurde nach
Unterzeichnung eines Friedensabkommens im vergangenen Jahr beendet.
(Quelle: afp)
USA und Japan befürchten Raketen-Test von Nordkorea
Di.20.06.06 - In den USA und Asien wachsen die Befürchtungen vor einem
möglicherweise kurz bevorstehenden Raketentest Nordkoreas.
Das kommunistische Land hat nach Angaben von Vertretern aus
Südkorea und den USA wahrscheinlich eine Langstreckenrakete
betankt, die in der Lage sein könnte, auch das US-Festland zu
treffen. Die USA und Japan warnten die politische Führung in
Pjöngjang umgehend vor den Folgen eines solchen Tests. Die Antwort
werde "hart" ausfallen, sagte Japans Ministerpräsident Junichiro
Koizumi am Montag. Die Furcht vor einer Eskalation des Konflikts
belastete auch die asiatischen Aktienmärkte und schickte den
japanischen Yen auf ein Rekordtief zum Euro.
Der Test der nordkoreanischen Rakete Taepodong-2 stehe unmittelbar
bevor, sagten südkoreanische und US-Vertreter übereinstimmend.
Die Taepodong-2 hat eine Reichweite von 3500 bis 4300 Kilometern. Das
Geschoss könnte damit neben zahlreichen asiatischen Ländern
auch den US-Bundesstaat Alaska und Russland treffen. Bereits 1998
schockierte das weitgehend abgeschottete Nordkorea die
Weltgemeinschaft, als es eine Rakete über Japan in den Pazifik
feuerte. Zudem liegen die Sechs-Parteien-Gespräche über
Nordkoreas Atomwaffenprogramm seit längerem auf Eis.
"Wir hoffen immer noch, dass sie das nicht machen werden", sagte
Koizumi auf einer Pressekonferenz zu den jüngsten Berichten
über einen möglichen Raketentest Nordkoreas. "Sollten sie
jedoch unseren Standpunkt ignorieren und eine Rakete abfeuern, dann
müsste die japanische Regierung in Abstimmung mit den USA hart
antworten." Koizumi machte keine weiteren Angaben dazu, wie eine
Reaktion aussehen könnte. Bereits zuvor hatte Japan eine
Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Ein japanischer
Regierungssprecher schloss Sanktionen gegen Nordkorea nicht aus.
Auch der US-Botschafter in Japan erklärte Strafmaßnahmen
für eine mögliche Reaktion, nannte aber ebenfalls keine
weiteren Details. "Es ist eine sehr gefährliche Situation und wir
müssten in diesem Fall dann sehr negativ reagieren", sagte Thomas
Schieffer. Diplomatischen Vertretern Nordkoreas bei den Vereinten
Nationen (UN) sei bereits am Freitag eine Nachricht überbracht
worden, in denen die USA die Regierung vor einem solchen Test warnten,
sagten US-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Es habe jedoch keine
Antwort gegeben.
(Quelle: rtr)
Koalition einigt sich auf Kompromiss bei Föderalismusreform
Di.20.06.06 - Union und SPD haben sich auf einen Kompromiss im Ringen um die
Föderalismusreform verständigt. Wie am Montag in
Koalitionskreisen bestätigt wurde, soll der Bund auch in Zukunft
zusammen mit den Ländern gemeinsame Projekte im Hochschulbereich
fördern und finanzieren dürfen. Darauf hätten sich die
Spitzen der Koalition bei ihrem Treffen am Sonntagabend
verständigt, hieß es.
Damit kam die Union der SPD-Bundestagsfraktion in einer zentralen
Forderung entgegen. Das Kooperationsverbot in der Bildungspolitik werde
allerdings nur für die Hochschulen aufgehoben, nicht - wie von der
SPD-Fraktion gefordert - auch für die Schulen, hieß es.
Endgültig soll der Kompromiss am Donnerstag bei den Beratungen der
Ministerpräsidenten mit der Bundesregierung unter Dach und Fach
gebracht werden.
(Quelle: ap)
Private Krankenversicherer gegen Beteiligung am Gesundheitsfonds
Di.20.06.06 - Die privaten Krankenversicherungen schließen ihre Beteiligung an
dem von der großen Koalition erwogenen Gesundheitsfonds
kategorisch aus. «Wer die Einbeziehung der Privaten in den
Gesundheitsfonds fordert, der will die staatlich gelenkte
Einheitskasse», sagte der Sprecher der Deutschen
Krankenversicherung (DKV), Frank Neuhaus, laut «Leipziger
Volkszeitung». Falls die Politik das beschließen
würde, wäre dies das Ende für einen funktionierenden
privaten Sozialversicherungsbereich, wird Neuhaus zitiert.
Die Einbeziehung der Privaten in den allgemeinen Risikofonds wäre
zudem eine «ungerechte Doppelbelastung der
Privatversicherten», sagte Neuhaus. «Denn sie finanzieren
durch ihre Beiträge die steigenden Kosten für ihr Alter
selbst. Und dann sollen sie noch einmal in einen Gesundheitsfonds
einzahlen, um die Kosten für die Älteren in den gesetzlichen
Kassen zu finanzieren», kritisierte der Sprecher.
Die Einführung eines Gesundheitsfonds ab 2008 scheint so gut wie
sicher. Das Modell an sich werde in der Koalition praktisch nicht mehr
in Frage gestellt, wie es am Montag aus Koalitionskreisen hieß.
Andere Kernpunkte seien aber noch ungeklärt.
(Quelle: ap)
Rechtsextremes Motiv hinter Überfall in Schönefeld
Di.20.06.06 - Der Überfall auf einen 15-jährigen äthiopischer Herkunft
in Schönefeld bei Berlin am Wochenende hatte einen
rechtsextremistischen Hintergrund. Die vier Tatverdächtigen im
Alter zwischen 15 und 23 Jahre seien eindeutig der rechten Szene
zuzuordnen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Potsdam. Gegen
sie werde wegen des Verdachts der gefährlichen
Körperverletzung ermittelt, weil sie den 15-Jährigen mit einem
Steinwurf gegen den Kopf verletzt hatten. Neben dem Jugendlichen hatten
auch zwei der Angreifer Verletzungen davongetragen.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft attackierten die vier jungen
Männer in der Nacht zum Sonntag in Schönefeld eine Gruppe von
zehn Jugendlichen, unter denen sich auch der Äthiopier befand.
Dabei sollen sie den 15-Jährigen als "Scheiß Nigger"
beschimpft und "Deutschland den Deutschen - Ausländer raus" gerufen
haben. Die beiden 21 und 23 Jahre alten Tatverdächtigen
gehörten der gewaltbereiten rechten Szene an, sagte der Sprecher.
Die beiden 15 und 16 Jahre alten Jugendlichen seien indes noch nicht
einschlägig in Erscheinung getreten. Allerdings waren die vier
Tatverdächtigen den Ermittlern zufolge in Schönefeld
unterwegs, um NPD-Aufkleber an Laternenmasten zu kleben.
(Quelle: afp)
Innenminister Schäuble für verstärkte
Rückführung von Migranten
Di.20.06.06 - Für eine verstärkte Rückführung von Migranten in
ihre Herkunftsländer hat sich Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble ausgesprochen. Am Vorabend des Weltflüchtlingstages
sagte er am Montag in Berlin, Rückführung und vor allem die
Bekämpfung der Ursachen für Fluchtbewegungen seien
erforderlich, «weil wir sonst die Geschäftsgrundlage der
Schleuserbanden fördern». Das UN-Hochkommissariat für
Flüchtlinge (UNHCR) forderte die Korrektur von «Schieflagen
in der EU-Asylpolitik».
Auf die Schleuserproblematik eingehend sagte Schäuble, mit
«jeden Zehntausend, die wir retten, setzen wir 20.000 weitere in
Marsch». Der CDU-Politiker sprach auf einer Tagung der
Evangelischen Akademie zum Thema «Asyl in Europa». Bei den
neuen Flüchtlingsströmen handele es sich umso genannte
gemischte Wanderbewegungen, denen man mit dem Asylrecht alleine nicht
gerecht werde.
Dennoch sprach sich Schäuble für eine weitere Harmonisierung
der europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik aus. Die
Schwierigkeiten dabei dürften nicht unterschätzt werden. Eine
gleichmäßige Belastung der EU-Mitgliedstaaten mit
Flüchtlingen beispielsweise durch Quoten werde eventuell erst
längerfristig möglich sein. Als Deutschland das wegen der
Jugoslawienkriege mit Flüchtlingen am meisten belastete EU-Land
gewesen sei, seien die Partnerländer «nicht im Ansatz»
bereit gewesen, über Aufnahmequoten zu sprechen.
Die zunehmend gemischten Wanderungsströme machen laut
Schäuble ein besseres Zusammenwirken mit der Entwicklungshilfe
notwendig. Eine erfolgreiche Bekämpfung der Fluchtursachen sei
besonders in Afrika erforderlich. Die Beispiele Kongo und Darfur
zeigten zudem, dass eine militärische Absicherung von
Stabilisierungsbemühungen erforderlich sein könne. Die
gemischten Migrationsströme machten auch eine Debatte über
eine stärkere Auflockerung des Arbeitsmarktes erforderlich.
Nach Zahlen des UNHCR besteht der frühere Migrationsdruck auf
Europa derzeit nicht mehr. Die Zahl der Asylanträge in der EU
befinde sich auf dem tiefsten Stand seit 26 Jahren. Jedoch reichten die
internationale Hilfe für Flüchtlinge, die in
kriegszerstörte Regionen zurückkehrten, bei weitem nicht aus,
schrieb UN-Flüchtlingskommissar António Guterres in der
«Frankfurter Rundschau» (Dienstagausgabe). Akute Nothilfe
für Flüchtlinge und Wiederaufbau griffen zu wenig ineinander.
In dem Zusammenhang machte Misereor auf die desolate Lage zehntausender
Flüchtlinge in Ost-Timor aufmerksam. Nur vier Jahre nach seiner
Unabhängigkeit sei der Konflikt wieder entflammt. Nach dem Abzug
der indonesischen Truppen 1992 sei das UN-Engagement zu kurz gewesen,
um ein stabiles Gemeinwesen zu etablieren, erklärte das
katholische Hilfswerk.
Die Menschenrechtsgruppen Amnesty International und Pro Asyl warfen der
Bundesregierung vor, Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten
ihren Status und Schutz entziehen zu wollen. So werde die notwendige
Umsetzung von EU-Recht in nationales Recht dazu benutzt, um etwa das
Alter für den Familiennachzug bei Flüchtlingen von 18 auf 21
Jahre heraufzusetzen und den Nachzüglern Deutschkenntnisse
abzuverlangen. Wie solle eine mittellose Ehefrau eines
tschetschenischen Flüchtlings im zerstörten Grosny Deutsch
lernen, fragten die Organisationen. Schäuble sagte, er kenne diese
Kritik. Er sei aber für Vorschläge offen, wie man anders
Zwangsheiraten verhindern könne.
(Quelle: ap)
Zonen der Rechtlosigkeit
Schlechte Nachricht zum Weltflüchtlingstag: Selbst anerkannte
Flüchtlinge finden kaum noch Asyl in der Festung Europa. Und diese
Politik der Abschottung macht Schule... Mehr in der taz vom 20.06.06:
http://www.taz.de/pt/2006/06/20/a0214.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/06/20/a0217.1/text