Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertdreiundzwanzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
13 irakische Zivilisten bei US-Angriff nahe Baakuba getötet. Zwei
US-Soldaten von irakischen Sicherheitskräften umgebracht. Japan
zieht seine Irak-Truppen ab
Mi.21.06.06 - Bei US-Angriffen im Irak sind nach irakischen Angaben in der Nacht zum
Dienstag 13 irakische Zivilisten getötet worden. Bei den Opfern
handelte es sich nach Angaben der Polizei und von Menschenrechtlern um
Arbeiter in Geflügelfarmen nahe der Unruhestadt Baakuba. Zum
Zeitpunkt des US-Einsatzes hätten die Arbeiter in den Feldern des
Dorfes Buschahin nordöstlich von Bagdad geschlafen, um das
Geflügel zu bewachen, sagte ein Polizeivertreter. 13 Menschen seien
getötet und vier weitere verletzt worden. Zudem seien zehn Menschen
festgenommen worden. Aus dem Krankenhaus von Baakuba wurde
bestätigt, dass 13 Leichen eingeliefert wurden.
In der Nähe von Bakuba war am 7. Juni der Top-Terrorist Abu Mussab
al-Sarkawi getötet worden. Seither hat es in der Region zahlreiche
Razzien, Anschläge sowie Gefechte zwischen der US-Armee und
Aufständischen gegeben.
In einem Altersheim der südirakischen Stadt Basra riss ein
Selbstmordattentäter am Dienstag zwei Frauen mit in den Tod. Vier
Menschen wurden verletzt. In der vorwiegend von Schiiten bewohnten Stadt
war Anfang Juni der Ausnahmezustand ausgerufen worden. In Bagdad
explodierte am Dienstagmorgen ein Sprengsatz auf einem Flohmarkt. Laut
Polizei starben vier Iraker, 18 Menschen wurden verletzt.
Zwei vermeintlich bei einem Feuerüberfall im Irak getötete
US-Soldaten sind tatsächlich vorsätzlich von irakischen
Sicherheitskräften erschossen worden, die die Amerikaner auf
Patrouille begleitet hatten. Das ergab eine Untersuchung der
US-Streitkräfte. Der Vorfall trug sich im Juni 2004 nahe der
irakischen Stadt Balad zu. Er kenne keinen vergleichbaren Vorfall,
sagte Pentagonsprecher Paul Boyce am Dienstag. Einzelheiten wollte er
mit Hinweis auf Respekt vor den Angehörigen der beiden
getöteten Soldaten nicht nennen. Boyce äußerte sich
nicht dazu, ob die Ermittler ein Motiv für die Tat herausgefunden
haben und die mutmaßlichen Täter festgenommen worden sind.
Die japanische Regierung hat am Dienstag offiziell den Abzug ihrer
Truppen aus dem Irak beschlossen. Japan werde den Irak aber weiterhin
beim Wiederaufbau der Infrastruktur unterstützen, versicherte
Ministerpräsident Junichiro Koizumi bei der Bekanntgabe des
Abzugsbeschlusses.
Sein Land wolle jedoch den Transport der multinationalen
Streitkräfte im Irak mit der Luftwaffe fortsetzen und künftig
auch Mitarbeiter der Vereinten Nationen transportieren.
Der Generaldirektor des Verteidigungsamtes, Fukushiro Nukaga, erteilte
sogleich den Abzugsbefehl. Die Regierung hofft laut Medienberichten,
noch Ende dieses Monats mit dem Abzug der Soldaten zu beginnen und ihn
bis Ende Juli zu beenden. Tokios Entscheidung zum Truppenabzug folgt der
Ankündigung des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki
vom Vortag, dass irakische Truppen die Aufgabe der Japaner in einer
verhältnismäßig ruhigen Provinz 300 Kilometer
südlich von Bagdad übernehmen werden.
Erst vor einer Woche hatte Italien den Abzug seiner Truppen bekannt
gegeben. Bis zum Herbst sollen die einst 3200 Soldaten in die Heimat
zurückgekehrt sein. Die japanischen Heeressoldaten sind seit Anfang
2004 in Samawa im Einsatz.
Das 600 Mann starke japanische Kontingent besteht hauptsächlich
aus Ingenieuren und medizinischem Personal. Im Einklang mit der
japanischen Verfassung dürfen die Soldaten nicht an
Kampfeinsätzen teilnehmen. Etwa 5500 japanische Soldaten wurden
seither in Drei- Monats-Rotationen in den Irak geschickt, der
größte Auslandseinsatz für Japans
Selbstverteidigungsstreitkräfte.
Mit der Entsendung eigener Soldaten in den Irak war Japan einen
historischen Schritt zu einer aktiveren sicherheitspolitischen Rolle an
der Seite der USA gegangen. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg
rückten Soldaten in ein Land aus, in dem praktisch noch
Kriegszustand herrscht. Nach Ansicht von Kritikern verstößt
dies gegen Japans pazifistische Verfassung.
Die Mehrheit der Japaner hat den Einsatz abgelehnt. «Ich bin
froh, dass die Aufgabe abgeschlossen werden kann, ohne dass eine Kugel
abgefeuert wurde und ohne einen Verletzten», wurde Koizumi nach
einem Treffen mit dem Koalitionspartner Komeito zitiert. Koizumi will im
September seine Ämter als Partei- und Regierungschef niederlegen.
(Quellen: afp, dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 21.06.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertachtundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
Nahost-Konflikt
Hamas verschiebt Machtprobe mit Abbas im Parlament
Mi.21.06.06 - Die in den Palästinenser-Gebieten regierende Hamas hat am Dienstag
eine Machtprobe mit Präsident Mahmud Abbas im Parlament verschoben.
Bei der Auseinandersetzung sollte es um die geplante Volksabstimmung am
26. Juli über eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten gehen.
"Wir wollen dem derzeitigen Dialog eine Chance auf Erfolg geben", sagte
ein führender Abgeordneter der radikalen Hamas. Eigentlich wollte
es die Regierung auf eine Machtprobe ankommen und das Referendum im
Parlament formell für illegal erklären lassen.
In den vergangenen Tagen hatten Beteiligte und Beobachter jedoch von
einer Annäherung zwischen den rivalisierenden Parteien Hamas und
Fatah gesprochen. Fatah ist die gemäßigte Partei von
Präsident Abbas. Ministerpräsident Ismail Hanija hatte sich am
Wochenende zuversichtlich gezeigt, dass die Verhandlungen zu einem
Abschluss kämen. Die Hauptkonfliktpunkte bleiben aber weiter
ungelöst: Die Hamas hat sich der Zerstörung Israels
verschrieben und lehnt damit das Existenzrecht dieses Staates ab. "Wir
weisen alles zurück, was eine Anerkennung der Legitimität der
Besatzung signalisiert", sagte der Abgeordnete.
Die Hamas sieht in dem Referendum den Versuch, die
Palästinenser-Regierung zu stürzen. Seit dem Wahlsieg der
radikalen Partei im Januar ist zwischen den zwei Lagern ein erbitterter
Machtkampf entbrannt.
(Quelle: rtr)
Palästinenser unterstützen mehrheitlich Anerkennung Israels
Mi.21.06.06 - Die Palästinenser stehen mehrheitlich hinter dem Fatah-Dokument,
in dem Israel indirekt anerkannt wird. Das geht aus einer am Montag
veröffentlichten Umfrage eines unabhängigen
palästinensischen Forschungszentrums hervor. Demnach
befürworten fast 75 Prozent das von prominenten
palästinensischen Gefangenen ausgearbeitete Papier, das einen
palästinensischen Staat an der Seite Israels fordert. Für die
Erhebung wurden 1.270 Erwachsene befragt.
In einem Referendum, wie es Präsident Mahmud Abbas für den
26. Juli angesetzt hat, würden allerdings nur 47 Prozent dafür
stimmen, wie das Palästinensische Zentrum für Politik und
Umfrageforschung berichtete. «Die Botschaft an Abbas ist, auf das
Referendum zu verzichten», sagte der Meinungsforscher Chalil
Schikaki. «Und die Botschaft an die Hamas ist, das Dokument
anzuerkennen.» Die von der Hamas geführte Regierung hat dies
bislang abgelehnt.
Die radikale Organisation Islamischer Dschihad wies das «Dokument
der Gefangenen», wie sie es nannte, am Montag zurück - eben
weil es Israel indirekt anerkennen würde. Der Islamische Dschihad
werde es nicht unterzeichnen, sagte ein Sprecher in Gaza. Zuvor hatte es
nur geheißen, die Gruppe habe Vorbehalte.
(Quelle: ap)
Streik in Israel aus Protest gegen palästinensische Raketenangriffe
Mi.21.06.06 - Mit Straßenblockaden und einem Streik haben Bewohner der
israelischen Stadt Sderot gegen das Unvermögen der Regierung
protestiert, palästinensischen Raketenangriffen aus dem
benachbarten Gazastreifen Einhalt zu gebieten. Rund 30 Demonstranten
blockierten am Dienstag die Hauptzufahrt nach Sderot mit einem Bulldozer
und einem Lastwagen, öffentliche Bedienstete stellten die Arbeit
ein und drohten damit, am Abend den Strom abzustellen.
Von der Regierung habe sich niemand gezeigt, und bis dies der Fall sei,
werde der Protest fortgesetzt, sagte Bürgermeister Eli Mojal, der
sich den Demonstranten anschloss. Seit dem Abzug der israelischen
Soldaten aus dem Gazastreifen im Sommer vergangenen Jahres ist Sderot
fast täglich Ziel von Raketen militanter Palästinenser. Sechs
Bewohner wurden getötet, mehrere Häuser beschädigt. In
fast jeder Nacht ertönen Sirenen, die vor Angriffen warnen.
Vizeregierungschef Schimon Peres hat die Besorgnis der Bewohner als
«hysterisch» bezeichnet und damit großen Ärger
unter den rund 20.000 Menschen in der Grenzstadt ausgelöst.
(Quelle: ap)
Israelische Armee äußert Bedauern über Tod dreier Kinder
Mi.21.06.06 - Israels Armee hat den Tod von drei Kindern bei einem Raketenangriff auf
militante Palästinenser bedauert. Die Gruppe, der der Angriff im
Gazastreifen gegolten habe, sei mit der Planung von Anschlägen auf
Israel beschäftigt gewesen, sagte ein Militärsprecher. Die
militanten Palästinensergruppen und die radikalislamische
Hamas-Regierung seien letztlich dafür verantwortlich, dass
Zivilisten in Mitleidenschaft gezogen würden. Bei dem Angriff
wurden zudem mehrere Menschen verletzt.
(Quelle: dpa)
UN beklagen Übergriffe gegen Kinder im Kongo
Mi.21.06.06 - Die Vereinten Nationen haben in einem am Dienstag in New York
vorgestellten Bericht Übergriffe gegen Kinder im Kongo beklagt. In
den meisten dokumentierten Fällen seien Regierungstruppen und
Polizisten verantwortlich, schreibt UN-Generalsekretär Kofi Annan.
So würden Kinder verschleppt, um sie als Lastenträger
einzusetzen oder als Sexsklaven zu halten.
Im Zeitraum von Juli 2005 bis Mai 2006 führt der Bericht 29
Entführungen auf, die zumeist von Soldaten begangen wurden. In
einem Fall brachte ein Hauptmann fünf Mädchen in seine
Gewalt. Die Probleme konzentrierten sich auf den Osten des Landes und
resultierten offenbar aus den Bemühungen, frühere
Milizionäre, von denen einige über einen sehr geringen
Ausbildungsstand verfügten, in die Streitkräfte zu
integrieren. Kinder würden oftmals auch bei Kämpfen zwischen
Regierungstruppen und Milizen getötet.
Der Bericht vermerkt aber auch positiv einen starken Rückgang der
Zahl von Kindersoldaten im vergangenen Jahr. Annan führt dies auf
die Arbeit einer 2003 im Kongo geschaffenen Kommission zur Entwaffnung
und Demobilisierung von Kindern zurück. Dieser Kommission zufolge
wurden 18.524 Kinder von verschiedenen bewaffneten Gruppierungen
freigelassen.
Der Kongo bereitet sich derzeit mit internationaler Hilfe auf die erste
Präsidentenwahl seit der Unabhängigkeit vor mehr als 40
Jahren vor. Wahltermin ist der 30. Juli.
(Quelle: ap)
UNICEF befürchtet Tod von Hunderttausenden in Darfur
Mi.21.06.06 - Das Kinderhilfswerk UNICEF befürchtet den Tod von weiteren
Hunderttausenden Menschen in der sudanesischen Bürgerkriegsregion
Darfur. Hilfsorganisationen könnten derzeit nur noch etwa die
Hälfte der 1,9 Millionen Flüchtlinge mit den wichtigsten
Hilfsgütern versorgen, teilte UNICEF aus Anlass des
Weltflüchtlingstags am Dienstag in Berlin mit. Trotz eines
Friedensabkommens zwischen der sudanesischen Regierung und einer
Rebellengruppe habe die Gewalt in den vergangenen Monaten zugenommen.
Eine Viertelmillion Menschen aus Darfur habe seit Jahresbeginn fliehen
müssen.
«Wenn UNICEF und andere Hilfsorganisationen nicht mehr in Darfur
arbeiten können, werden weitere Hunderttausende Menschen in den
kommenden Monaten sterben. Wir dürfen keine Zeit mehr
verlieren», sagte UNICEF-Botschafterin Mia Farrow nach ihrer
Rückkehr aus Darfur in Berlin. Das Kinderhilfswerk beklagte die
Finanzsituation von Hilfsorganisationen: Bis Anfang Juni habe UNICEF
lediglich 20 Prozent der für 2006 benötigten Mittel erhalten.
Die Organisation rief die Bundesregierung und die Öffentlichkeit zu
Spenden auf.
Zum Weltflüchtlingstag forderte UNICEF außerdem
verstärkte Anstrengungen zum Schutz der so genannten
Binnenvertriebenen, die innerhalb der Grenzen eines Landes auf der
Flucht sind. Diese würden von Hilfsorganisationen oft nur schlecht
erreicht, weil Rebellen oder Rebellenbewegungen den Zugang verweigerten.
Nach Angaben der Vereinten Nationen gibt es weltweit 14,2 Millionen
Flüchtlinge und 25 Millionen Binnenvertriebene, die meisten davon
in Afrika.
(Spendenkonto 300 000, Bank für Sozialwirtschaft Köln, BLZ
370 205 00, Stichwort: Sudan).
(Quelle: ap)
Grundsatzurteil: Massaker in Ruanda war Völkermord
Mi.21.06.06 - Das UN-Kriegsverbrechertribunal für Ruanda hat die 1994 begangenen
Massaker in dem afrikanischen Staat in einem Grundsatzurteil als
Völkermord eingestuft. Mit dem am Gerichtssitz im tansanischen
Arusha bekannt gewordenen Urteil wies das Tribunal die Argumentation
mehrerer Verteidiger zurück, derzufolge die massenhaften
Tötungen von Tutsis und gemäßigten Hutus zwischen April
und Juli 1994 nicht der rechtlichen Definition des Begriffs
"Völkermord" entsprächen.
In dem Urteil heißt es: "Es gibt keine vernünftige Grundlage
für Zweifel daran, dass 1994 die Kampagne zur massenhaften
Tötung auf die vollständige oder fast vollständige
Vernichtung von Ruandas Tutsi-Bevölkerung abzielte." Es sei "ein
Teil der Weltgeschichte", dass die Gewaltexzesse den Tatbestand des
Völkermords erfüllten.
Das Urteil wurde bereits am Freitag von den Richtern gefällt. In
der Vergangenheit hatten Verteidiger und Angeklagte immer wieder
angezweifelt, dass es sich um Völkermord handelte. Das Gericht
musste daraufhin in jedem Einzelfall nachweisen, dass der Tatbestand
des Genozids erfüllt war. Dies nahm bei dem ohnehin
überlasteten Tribunal viel Zeit in Anspruch. Im vergangenen Jahr
beantragte die Anklage deshalb eine Grundsatzentscheidung der Richter.
Nach UN-Angaben töteten Angehörige der
Bevölkerungsgruppe der Hutu von April bis Juli 1994 systematisch
bis zu 800.000 Menschen, überwiegend Angehörige des
Tutsi-Volks. Das UN-gestützte Tribunal in Arusha hat seit 1997
insgesamt 25 Menschen verurteilt. Die Verfahren laufen schleppend; das
Gericht ist zeitlich unter starken Verzug geraten.
(Quelle: afp)
Erstmals chinesische Beobachter bei US-Manöver im Pazifik
Mi.21.06.06 - China nimmt erstmals als Beobachter an einem Manöver der
amerikanischen Streitkräfte im Pazifik teil. Die Einladung sei ein
sehr bedeutendes Element im Austausch zwischen den Streitkräften
Chinas und den Vereinigten Staaten, zitierte die amtliche
Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag einen nicht näher genannten
Funktionär des chinesischen Verteidigungsministeriums. Das
fünftägige Manöver im US-Territorium Guam begann am
Montag. Beteiligt sind 30 Schiffe, darunter drei Flugzeugträger,
280 Flugzeuge und 22.000 Soldaten.
(Quelle: ap)
Deutschland
Union will von Hartz-IV-Empfängern eidesstattliche Erklärungen
Mi.21.06.06 - Unionsregierte Länder sollen sich dafür einsetzen, dass
Hartz-IV-Empfänger künftig alle ihre Angaben mit einer
eidesstattlichen Erklärung versehen müssen. Der
Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), sagte im
«Kölner Stadt-Anzeiger» zur Begründung, Menschen,
die mit falschen Angaben Arbeitslosengeld II beantragten, würden
sich damit automatisch strafbar machen.
Nach seinen Angaben haben sich in einer Arbeitsgruppe, der neben
Unionsfraktionschef Volker Kauder acht Arbeitsminister unionsregierter
Länder angehören, mehrere Ressortchefs für diesen
Vorschlag ausgesprochen. Es habe keinen Widerspruch gegeben. Laut
Paragraf 156 Strafgesetzbuch stehen auf falsche Versicherungen an Eides
statt bis zu drei Jahre Haft.
«Wer eine eidesstattliche Erklärung abgibt, muss die
juristischen Konsequenzen in Kauf nehmen. Macht er falsche Angaben,
begeht er automatisch eine Straftat. Das ist bei anderen Leistungen
üblich. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dies Wirkung
entfaltet», wird Haseloff zitiert. Der CDU-Politiker betonte, die
große Mehrheit der Betroffenen sei ehrlich. Es müsse aber
klar werden, dass Leistungsmissbrauch ein eklatanter Angriff auf den
Sozialstaat und kein Kavaliersdelikt sei.
Widerspruch gegen das Vorhaben meldete der arbeitsmarktpolitische
Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Brandner, an. «Ich
halte davon nichts», sagte er dem Blatt. Der Zwang zu
eidesstattlichen Erklärungen schaffe nur zusätzliche
Bürokratie und desavouiere die bisherigen Verwaltungsverfahren.
Zudem stelle sich die Frage, warum man derlei eidesstattliche
Erklärungen nicht auch bei der Beantragung von Kindergeld oder
Bafög verlange. Zu guter Letzt habe der Bundestag ja gerade erst
Nachbesserungen bei Hartz IV beschlossen. «Ich bin sehr
betrübt über eine solche Debatte», wird Brandner zitiert.
Der CDU-Politiker und ehemalige sächsische Ministerpräsident
Kurt Biedenkopf sprach sich dafür aus, die Vermittlung von Hartz
IV-Empfängern neu zu organisieren. Die Kooperation von Kommunen und
Arbeitsagentur in den so genannten Arbeitsgemeinschaften funktioniere
nicht, sagte das Mitglied des Ombudsrats zur Arbeitsmarktreform, der am
Donnerstag seinen Abschlussbericht vorlegen will. «Ich bin
dafür, eine neue einheitliche Behörde zu schaffen»,
forderte Biedenkopf im «Rheinischen Merkur». Die Gefahr
einer neuen Mammutbehörde sehe er nicht. «Wer sagt denn, dass
diese Behörde groß und schwerfällig sein muss?»,
fragte er rhetorisch.
Als «Unsinn» bezeichnete Biedenkopf Vorwürfe, die
Arbeitsmarktreform sei gescheitert. «Wenn wir in Deutschland nach
dem Motto 'Der Gesetzgeber beschließt jetzt was, und dann
können wir das Problem vergessen' an die Sache herangehen, werden
wir nie vernünftige Reformen zustande bringen», wird der
CDU-Politiker zitiert.
(Quelle: ap)
Studie: Viele Ärzte verschreiben viel zu teuer
Mi.21.06.06 - Ärzte verschwenden dem Arzneimittelreport 2006 zufolge Milliarden
durch die unnötige Verschreibung teurer Medikamente. Die
gesetzlichen Krankenkassen könnten drei Milliarden Euro durch den
Einsatz von Nachahmerpräparaten (Generika) sparen, sagte der Autor
der Studie, der Bremer Professor Gerd Glaeske, in Berlin.
Das entspricht 0,3 Beitragssatzpunkten. Dies sei ein «Politikum
ersten Ranges». Die Verschreibung teuerer Medikamente sei eine
Plage für die gesetzliche Krankenversicherung und eine Falle
für die Ärzte. Die Mediziner ließen sich durch das
erfolgreiche Pharma-Marketing beeinflussen.
Gesundheits-Staatssekretärin Marion Caspers-Merk (SPD) mahnte die
Mediziner: «Man darf keine Arzneimittel verordnen nach dem Motto
'Viel hilft viel'.» Viel verordnet werde in Ostdeutschland, Berlin
und Hessen. Sparsam hätten Ärzte in Baden-Württemberg,
Bayern und Schleswig-Holstein verschrieben. Jedes vierte durch Generika
ersetzbare Mittel werde dennoch verschrieben. Glaeske nannte einen
Anteil von 30 Prozent von teureren Mitteln ohne Zusatznutzen.
Cornelia Yzer, Geschäftsführerin des Verbands Forschender
Arzneimittelhersteller, verteidigte die kritisierten so genannten
Analogpräparate als einen wichtigen Teil «einer hochwertigen
Arzneiversorgung». Zielgenaue Therapien seien nur so möglich.
Glaeske forderte Kassen und Kassenärztlichen Vereinigungen dazu
auf, rund 1000 Arzneimittelberater für rund 100 Millionen Euro
für die Ärzte einzustellen, die Pharmareferenten ersetzen
sollen. Dies könne zu Einsparungen führen. Ein Drittel der
2005 auf rund 23 Milliarden Euro gestiegenen Arzneimittelausgaben
entfallen nach dem Report, der Zahlen der Gmünder Ersatzkasse (GEK)
hochrechnet, auf Mittel mit tatsächlichem therapeutischen
Fortschritt.
Allein die GEK verzeichnete im vergangenen Jahr Zusatzkosten von 70
Millionen Euro für die Arzneimittel und 50 Millionen für die
Kliniken. Über mögliche Beitragssteigerungen werde in den
kommenden Tagen entschieden, sagte Vorstandschef Dieter Hebel.
Frauen und ältere Menschen werden nach der Darstellung Glaeskes
erheblichen Risiken durch die Verschreibung zu vieler Medikamente
ausgesetzt. Noch immer bekämen 22 Prozent der Frauen zwischen 65
und 70 Jahren Hormonpräparate. Glaeske warnte vor Brustkrebs,
Herzinfarkten und Schlaganfällen. Über 20 Prozent der
älteren Menschen erhielten mehr als 13 Medikamente parallel.
Verträglich seien vier Wirkstoffe. Glaeske führte rund 300 000
Klinikeinweisungen und 16 000 bis 24 000 Todesfälle jährlich
auf Wechselwirkungen der Arzneien zurück. Manche gingen sogar von
doppelt so vielen Toten aus.
Anfang Juli veröffentlichen die Krankenkassen eine Liste mit
vorerst rund 1000 Mitteln, die vielfach günstiger sind als bisher -
und künftig ohne Zuzahlung von 5 bis 10 Euro erhältlich. Der
Preissturz geht auf das Arzneimittel-Sparpaket der Koalition
zurück. Caspers-Merk sagte, es habe sich gezeigt, dass der
Generika-Markt zu teuer gewesen sei. Das Gesetz müsse noch
stärker genutzt werden. Pro Generika-Geschäftsführer
Hermann Hofmann sagte, nun könnten die Kassenausgaben durch
stärkere Generika-Verschreibung 2006 erheblich gesenkt werden.
Bereits 2005 hätten die Kassen 1,1 Milliarden sparen können,
weniger als von Glaeske angegeben. Weitere Sparmöglichkeiten sollen
nach Caspers-Merk durch die Gesundheitsreform ausgeschöpft werden.
Bei teuren Mitteln sollen Ärzte eine zweite Meinung einholen
müssen. In Österreich habe sich die Ausgabensteigerung so
halbiert.
(Quelle: dpa)
Beiträge für Gesundheitsfonds sollen offenbar gedeckelt werden
Mi.21.06.06 - Aus den Verhandlungen zwischen Union und SPD über die
Gesundheitsreform werden immer mehr Details bekannt. Wie die
«Berliner Zeitung» am Mittwoch unter Berufung auf
Koalitionskreisen berichtete, ist als Finanzierungsmodell keine
Kopfpauschale mehr vorgesehen und der Gesundheitsfonds soll anders
funktionieren als bisher geplant.
Dem Bericht zufolge sollen die Arbeitgeber einen bei rund sechs Prozent
des Einkommens gedeckelten Beitrag in den Fonds zahlen. Der
Arbeitnehmeranteil, der bei rund sieben Prozent festgeschrieben werden
soll, wird direkt an die Beschäftigten ausgezahlt. Diese
überweisen ihren Versicherungsbeitrag dann an die gesetzliche
Kasse ihrer Wahl. Je nach deren Effizienz kann der Satz über oder
unter den sieben Prozent liegen. Es liege damit stärker als heute
im Interesse des Versicherten, sich eine günstige Kasse zu suchen,
berichtete die Zeitung. Der Beitrag bleibe aber immer
einkommensabhängig.
Die einzelne Krankenkasse bekommt den Informationen zufolge aus dem
Fonds zusätzlich für jeden Versicherten einen
arbeitgeberfinanzierten Einheitsbetrag. Bislang war demnach vorgesehen,
dass der Versicherte einen «kleine Kopfpauschale» genannten
Zusatzbetrag an die Kasse zahlen sollte, wenn die Fonds-Zuweisungen
nicht ausreichten. Gegen diese Pläne der Union habe es in der SPD
erheblichen Widerstand gegeben, berichtete die Zeitung.
Nach Informationen der «Süddeutsche Zeitung» sollen
Gutverdiener künftig mehr für die Krankenversicherung zahlen,
weil die Bemessungsgrenze an die der Rentenversicherung von derzeit
5.250 Euro angepasst werden soll. Folge wäre, dass Gutverdiener
bis zu 127 Euro mehr in die Versicherung einzahlen müssten als
bisher. Allerdings basierten diese Berechnung auf den heutigen
Beitragssätzen. Fachleute der großen Koalition erwarten dem
Bericht zufolge niedrigere Kassenbeiträge als Folge der
Gesundheitsreform und deshalb eine Reduzierung der tatsächlichen
Belastung.
(Quelle: ap)
Siemens trennt sich von Netzwerksparte - Bis zu 15 Prozent der
Arbeitsplätze gefährdet
Mi.21.06.06 - Siemens-Chef Klaus Kleinfeld ist bei der Umgestaltung des
Technologiekonzerns ein großes Stück vorangekommen.
Überraschend teilte Siemens am Montag in München mit, dass
der Netzwerkbereich in ein gemeinsames Unternehmen mit dem finnischen
Telekommunikationskonzern Nokia eingebracht wird. Der Bereich
gehörte bislang zur Problemsparte Communications (Com), die nach
und nach aufgelöst werden soll. Die Siemens-Arbeitnehmervertretung
und die IG Metall forderten den Erhalt der betroffenen
Arbeitsplätze.
Mit dem Gemeinschaftsunternehmen entsteht gemessen am Umsatz der
drittgrößte Telekommunikationsausrüster weltweit. Von
Com als der umsatzstärksten Siemens-Sparte, die die
Renditevorgaben Kleinfelds bislang nicht erreicht hat, bleibt nun nur
noch das Enterprise-Networks-Geschäft (Unternehmenskommunikation
per Internet) übrig. Der Bereich Wireless Modules (Module für
drahtlose Übertragung) soll in die Siemens-Sparte Automation &
Drives (Automatisierung & Antriebe) eingegliedert werden.
Die Zusammenlegung soll der Mitteilung zufolge bis 2010 bei der
ursprünglich 60 000 Mitarbeiter zählenden Belegschaft des
neuen Unternehmens einen Stellenabbau um 10 bis 15 Prozent nach sich
ziehen. Dies müsse aber noch mit den Arbeitnehmervertretern
abgestimmt werden, hieß es.
Der Gesamtbetriebsrat von Siemens und die IG Metall erklärten, die
Abtrennung des Unternehmensbereichs Com sei der bislang radikalste
Bruch in der Geschichte des Hauses Siemens. Die
Kommunikationstechnologie sei das Kerngeschäft von Siemens
schlechthin. Die Abspaltung sei «eine Notoperation, damit im
Herbst eine optisch saubere Bereichsbilanz vorgelegt werden kann».
Analysten beurteilten das Joint Venture positiv. Die im deutschen
Leitindex DAX notierten Siemens-Aktien verteuerten sich in der Spitze
um rund neun Prozent auf 68,81 Euro. «Siemens gibt das Signal,
dass man sich für Bereiche, die nicht allein saniert werden
können, einen Partner sucht», sagte ein Beobachter.
Wie es weiter hieß, werden bei der rechtlich eigenständigen
Nokia Siemens Networks Synergieeffekte von rund 1,5 Milliarden Euro
angestrebt, die bis 2010 stufenweise erreicht werden sollen. Das neue
Unternehmen, an dem beide Konzerne zu jeweils 50 Prozent beteiligt
sind, werde seinen Hauptsitz in Helsinki sowie eine starke regionale
Präsenz in München haben. Drei der insgesamt fünf
Geschäftseinheiten sollen ihren Sitz in der bayerischen
Landeshauptstadt haben.
Der Abschluss der Transaktion soll - wenn die Kartellbehörden
zustimmen - noch bis Ende 2006 erfolgen. Sollte bis dahin auch ein
Partner für das Enterprise-Networks-Geschäft gefunden sein,
hätte Kleinfeld zumindest die Probleme bei Com wie
angekündigt bis April 2007 gelöst.
(Quelle: ddp)
Karlsruhe lässt Schulverweigerung aus religiösen Gründen
nicht zu
Mi.21.06.06 - Ein Elternpaar aus Hessen darf den Schulbesuch seiner Kinder
endgültig nicht aus religiösen Gründen verweigern. Das
Bundesverfassungsgericht hat ein entsprechendes Urteil des
Oberlandesgerichts Frankfurt bestätigt und die
Verfassungsbeschwerde der Eltern nicht zur Entscheidung angenommen. Den
einstimmigen Beschluss der Kammer veröffentlichte das Karlsruher
Gericht am Dienstag.
Die Eltern aus dem Vogelsbergkreis waren im Jahr 2003 unter Androhung
einer Geldstrafe von 1.600 Euro vom Landgericht Gießen verwarnt
worden, wenn sie drei Töchter weiter vom Schulbesuch abhielten. Das
Ehepaar, das noch fünf jüngere Kinder hat, gehört der
Glaubensgemeinschaft der bekennenden evangelisch-reformierten Gemeinde
an. Die Familie lebe nach biblischen Grundsätzen, hatten die Eltern
die Schulverweigerung erklärt. Insbesondere vom
Sexualkundeunterricht und der Aufklärung über
Empfängnisverhütung wollten sie ihre Töchter abhalten.
Die Mutter unterrichtete ihre Kinder seit dem Schuljahr 2001/2002 selbst.
Das Amtsgericht Alsfeld hatte den Eltern einen Gewissensnotstand
zugebilligt. Das Landgericht Gießen hob jedoch das Urteil im
November 2003 jedoch auf und folgte der Argumentation der
Staatsanwaltschaft, dass sich die Eltern nicht auf die grundgesetzlich
garantierte Glaubens- und Gewissensfreiheit berufen könnten. Der
Vater hatte vor Gericht erklärt, es gehe ihnen darum, ihre Kinder
«keusch und rein zu erziehen, wie es die Bibel vorgibt». Die
Schule dagegen habe die Schamgefühle der Kinder mit
Füßen getreten und ihren kindlichen Glauben verletzt. Daher
habe er sich nach sieben Jahren entschlossen, seine Kinder aus der
Schule zu nehmen.
Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte die Verwarnung im Juli 2004
bestätigt. Danach legten die Eltern Verfassungsbeschwerde ein.
Die Verfassungsrichter kamen zum Schluss, dass die strafrechtliche
Verwarnung nicht zu beanstanden sei. Mit dem Sexualkundeunterricht und
der Vermittlung der Evolutionstheorie im Biologieunterrecht habe die
Schule ihre Neutralitätspflicht nicht verletzt. Die Eltern
könnten nicht beanspruchen, dass ihre Kinder vollständig von
anderen Glaubensbekundungen oder Ansichten verschont bleiben.
Zudem hätten die Eltern Möglichkeiten ungenutzt gelassen, den
Konflikt zwischen ihren Glaubensüberzeugungen und den rechtlichen
Vorschriften aufzulösen. Sie seien nicht zu Elternabenden
erschienen. Es sei auch nicht erkennbar, weshalb es Glaubensgründe
erforderlich machten, ihre Kinder von neutralen Unterrichtsfächern
wie Mathematik und Fremdsprachen abzumelden.
(Aktenzeichen: Bundesverfassungsgericht 2 BvR 1693/04)
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Britische Forscher entwickeln neuen Gentest für Embryonen
Mi.21.06.06 - Britische Wissenschaftler haben nach eigenen Angaben einen
revolutionären neuen Gentest für Embryonen entwickelt. Damit
könnten Paare, die sich einer künstlichen Befruchtung
unterziehen, eine Reihe von Erbkrankheiten bei ihrem Kind
ausschließen, ohne wie bisher die Zahl der einsetzbaren Embryonen
von vornherein signifikant reduzieren zu müssen, erklärte das
Forscherteam aus London am Montag auf einer Konferenz der European
Society of Human Reproduction in Prag. Die neue Technik sei für die
Überprüfung der genetischen Anlagen der Embryonen bahnbrechend.
Bisher können Labore Defekte nur dann nachweisen, wenn ein Gen
eine schon bekannte Mutation aufweist, die noch dazu gut zu erkennen
ist. Bei Krankheiten, die nur bei Männern auftreten, müssen
die männlichen Embryonen im Zweifel vernichtet werden. Damit stehen
den Paaren nur noch halb so viele Embryonen zur Verfügung.
Nach der neuen Methode wird den Embryonen eine Zelle entnommen und
diese eine Million Mal vergrößert. Auf diese Weise sollen
rund ein dutzend Krankheitsmerkmale genauer untersucht werden
können. Zudem kann überprüft werden, ob die Zelle zwei
Chromosomensätze enthält. Die Methode sei seit drei Monaten im
Einsatz, erklärten die Wissenschaftler der Stiftung Guy's and St.
Thomas' NHS Foundation Trust in London. Dank der neuen Technik
erwarteten zurzeit fünf Paare gesunde Babys. Zu den erkennbaren
Krankheiten gehören demnach Mukoviszidose und das
Prader-Willi-Syndrom.
(Quelle: afp)
Regulierung der Seneszenzprozesse in Pflanzen entschlüsselt
Positive Auswirkung auf Landwirtschaft denkbar
Mi.21.06.06 - Die Seneszenz beinhaltet den letzten Abschnitt im Leben eines Blattes
und umfasst einen streng kontrollierten Abbauprozess vom voll
entfalteten Blatt bis zu seinem Tod. Bevor es zum Blättersterben
kommt, sichert sich die Pflanze jedoch zuerst alle nützlichen
Eiweiße und Mineralstoffen aus den Zellen. Diese werden darauf in
den Blüten und Samen gespeichert, womit sie unerlässlich
für das Überleben der nächsten Pflanzengeneration werden.
Die Genetikerin Ulrike Zentgraf vom Zentrum für Molekularbiologie
der Pflanzen der Universität Tübingen erforscht nun, welches
Signal in Pflanzen die Seneszenz auslöst und wie der komplizierte
Prozess auf genetischer Ebene reguliert wird.
"Die Forschungen zeigen, dass sich die Seneszenz-Regulation nicht auf
einem einzigen Faktor beschränken lässt, sondern dass der
Prozess durch ein ganzes Netzwerk von Faktoren ausgelöst wird",
erklärt Zentgraf im pressetext-Interview. So erreicht die
Fotosyntheserate im Forschungsmodell bereits nach vier bis sechs Tage
nach der vollen Entfaltung des Blatts nur noch die Hälfte des
Maximums, und käme somit als möglicher Auslöser der
Seneszenz in Frage. Dass das Alter des Blatts jedoch nicht allein
bestimmend sein kann, zeigt sich dadurch, dass die Aktivität
mancher Gene, deren Genprodukte zum Beispiel für den Proteinabbau
oder den Transport von Nährstoffen zuständig sind, mit dem
Alter des Blatts zusammenhängt, bei anderen aber mit dem Alter der
ganzen Pflanze.
Ein anderes mögliches Signal zur Einleitung der Seneszenz in den
Blättern sei eine Spitzenkonzentration von Wasserstoffperoxid, ein
zerstörerisches Sauerstoffradikal, welches das Gewebe schwer
schädigen kann. Diese Annahme wird dadurch gestutzt, dass der
Stängel der Modellpflanze zum Zeitpunkt der
Wasserstoffperoxidspitze auswächst. Darüber hinaus wurde
festgestellt, dass eine ganze Reihe von Genen, die während der
Seneszenzprozesse angesprochen werden, durch steigende Konzentrationen
von Sauerstoffradikalen induziert werden. Sie enthalten Informationen
für Abbau- und Transportenzyme sowie mehr als 40 verschiedene
Transkriptionsfaktoren, die die Genexpression regeln. Dabei hat die
Forscherin auch einen Transkriptionsfaktor namens WRKY53 identifizieren
können, der in der Seneszenz-Regulation eine wichtige Rolle spielen
muss: Zum Zeitpunkt der Seneszenz steigt die Produktion von WRKY53 in
allen Blättern der Rosette.
Zentgraf kann sich vorstellen, dass die Ergebnisse ihrer Studie auch
Folgen für die Landwirtschaft haben könnten. "Indem in die
Blattalterungsprozesse und die Mobilisierung von Nährstoffen
eingegriffen wird, kann beeinflusst werden, wann und wie die
Samenentwicklung stattfindet", so die Genetikerin gegenüber
pressetext. Somit könnten etwa die Erträge von Nutzpflanzen
gesteigert werden. Auch für die Lagerung von Früchten,
Gemüse wie etwa Brokkoli, Schnittblumen oder Getreide könnte
es interessant sein, die Alterung der Pflanzenorgane hinauszuzögern.
(Quelle: pte)
Zurück in die vergangene Gegenwart des Universums
Astronomen tauchten bis zu zehn Milliarden Jahre in die Vergangenheit
ein und entdeckten dabei 290 neue riesige Galaxienhaufen... Mehr bei
telepolis vom 21.06.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22905/1.html