Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertsechsundzwanzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Senat lehnt Truppenabzug aus dem Irak ab. Zahl der seit Kriegsbeginn
im Irak getöteten US-Soldaten auf 2.514 gestiegen. 22 Tote bei
Anschlägen
Sa.24.06.06 - Der US-Senat hat einen Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak
abgelehnt. Das von den Republikanern dominierte Gremium wies am
Donnerstagabend zwei entsprechende Anträge der Demokraten
zurück. Die Opposition hatte gefordert, noch in diesem Jahr mit dem
Abzug der 127.000 US-Soldaten zu beginnen und ihn bis Mitte 2007
abzuschließen. Der Befehlshaber der US-Truppen im Irak, General
George Casey, sprach sich gegen einen Zeitplan für eine
Truppenreduzierung aus.
Ein solcher Zeitplan schränke seine Flexibilität ein, sagte
Casey. Er wäre außerdem «ein schreckliches Signal an
die neue Regierung der Nationalen Einheit» im Irak. Eine
Verringerung der Truppenstärke noch in diesem Jahr ist nach Caseys
Worten aber denkbar.
Unterdessen stieg die Zahl der seit März 2003 im Irak
getöteten US-Soldaten auf 2.514. Wie die Streitkräfte am
Freitag mitteilten, kam ein Marineinfanterist am Mittwoch bei
Kampfhandlungen in der Provinz Anbar ums Leben. Die Provinz, die sich
westlich von Bagdad bis an die Grenzen zu Syrien und Jordanien
erstreckt, gilt als Hochburg der Aufständischen. Außerdem
gaben die Streitkräfte den Tod eines weiteren Soldaten bekannt.
Dieser sei aber nicht im Kampfeinsatz ums Leben gekommen, hieß es.
Bei der Explosion einer Bombe vor einer sunnitischen Moschee in der
Ortschaft Hibhib nördlich von Bagdad sind zwölf Menschen ums
Leben gekommen. 20 Menschen wurden nach Polizeiangaben nach dem
Freitagsgebet verletzt. Bei einem Selbstmordanschlag in der
südirakischen Stadt Basra starben laut Polizei zehn Menschen, 18
erlitten Verletzungen. Ein mit Sprengstoff präparierters Fahrzeug
explodierte in der Nähe einer Tankstelle im Zentrum der
mehrheitlich von Schiiten bewohnten Stadt.
Am Donnerstag hatte der britische Verteidigungsminister Des Browne
während eines Besuchs in Basra gesagt, dass die verstärkten
Sicherheitsmaßnahmen in der Stadt zu greifen schienen. Die
irakische Regierung hatte am 31. Mai wegen der Zunahme der Gewalttaten
einen einmonatigen Ausnahmezustand über Basra verhängt. Im
Südirak sind etwa 7200 britische Soldaten stationniert, ein Teil
von ihnen in Basra.
In Bagdad verhängten die Behörden am Freitag
überraschend eine Ausgangssperre, die von 14.00 Uhr Ortszeit (12.00
Uhr MESZ) bis Samstag 06.00 Uhr Ortszeit (04.00 Uhr MESZ) gelten soll.
Gründe dafür wurden nicht genannt. Seit gut einer Woche gilt
in Bagdad bereits eine nächtliche Ausgangssperre.
(Quellen: ap, afp)
Marschbefehl verweigert
Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg. Der 28
Jahre alte Leutnant der US-Armee, Ehren Watada, verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei. Damit ist der aus
Hawaii stammende Watada der erste Offizier der US-Armee, der den
Einsatz in Irak wegen der Illegalität des Krieges offen ablehnt
und so das mächtige Pentagon öffentlichkeitswirksam
herausfordert. Watada wurde umgehend in Fort Lewis im Bundesstaat
Washington weggesperrt. Ihm droht ein Prozeß vor einem
militärischen Standgericht. Wegen des verhängten
Kontaktverbots kann Watada nur noch über seinen Anwalt mit der
Außenwelt in Verbindung treten... Mehr in der Tageszeitung 'junge
Welt' vom 24.06.06:
http://www.jungewelt.de/2006/06-24/001.php
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 24.06.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihunderteinundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.24.06.05 - Irakischer Premier sagt neue Verfassung binnen zwei Monaten zu +++
US-Verteidigungsminister Rumsfeld weiter gegen einen Zeitplan für
Irak-Abzug +++ Serie von Autobombenanschlägen im Irak: Bis zu 40
Menschen getötet +++ Französische Journalistin zum Verlassen des
Iraks aufgefordert...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0506240.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
US-Militär: 14 Taliban bei Gefechten in Südafghanistan
getötet
Sa.24.06.06 - Bei neuen Gefechten in Südafghanistan sind nach US-Angaben in den
vergangenen Tagen 14 Taliban-Kämpfer getötet worden.
Acht der radikalen Moslems seien bei einem Angriff auf einen
Höhlenkomplex in Urusgan ums Leben gekommen, der "ein Treffpunkt
und eine Zufluchtsstätte" für Bombenbauer gewesen sei, teilte
das Militär am Donnerstagabend mit. Sechs Aufständische seien
festgenommen worden. Am Mittwoch seien zudem sechs Kämpfer bei
Gefechten in der benachbarten Helmand-Provinz getötet worden.
In Afghanistan sind allein in diesem Jahr mehr als 1000 Menschen bei
Gefechten und Anschlägen ums Leben gekommen. Seit dem Sturz der
Taliban 2001 war die Gewalt noch nie so heftig wie in den vergangenen
Wochen. US-geführte Truppen hatten vor einigen Tagen eine Offensive
im Süden des Landes begonnen, wo die Taliban ihre Hochburgen
haben. Derzeit bereitet sich die Nato darauf vor, die Kontrolle
über Teile der Region zu übernehmen. Die Bundeswehr ist im
Norden des Landes am Wiederaufbau beteiligt.
(Quelle: rtr)
US-Regierung hatte angebich Zugang zu weltweiten Bankdaten
Sa.24.06.06 - Die US-Regierung hat sich nach einem Bericht der «New York
Times» Zugang zu weltweiten Bankdaten verschafft. Das geheime
Programm sei darauf ausgerichtet gewesen, die Überweisungen von
Verdächtigen mit Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida zu
überprüfen, schreibt das Blatt.
Die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, sagte am
Donnerstagabend, eines der wichtigsten Werkzeuge im Kampf gegen den
Terrorismus sei es, die Finanzierung zu stoppen.
Wie das Blatt berichtete, hätten sich die amerikanischen
Terrorermittler Zugang zu den Daten über den zentralen
internationalen Datenknotenpunkt in Belgien verschafft.
Dieser Knotenpunkt mit Namen «Society for Worldwide Interbank
Financial Telecommunication» (Swift) leite Finanztransaktionen
zwischen Banken, Brokerhäusern, Börsen und anderen
Finanzinstituten in einem Volumen von sechs Billionen Dollar (4,8
Billionen Euro) täglich weiter. Swift wickle den Finanzverkehr von
etwa 7800 Geldinstituten in mehr als 200 Ländern ab. Das Programm
sei vor allem angewandt worden, um telegrafische Überweisungen und
ähnliche Geldtransfers weltweit oder in die USA oder aus den USA zu
kontrollieren. Tausende Amerikaner und in den USA lebende
Ausländer seien betroffen, schrieb die «New York Times».
Ziel des seit den Anschlägen vom 11. September 2001 laufenden
Verfahrens sei es gewesen, das Finanzgebaren von Verdächtigen mit
möglichen Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida zu
durchleuchten. Es habe dazu geführt, dass gesuchte Topterroristen
von El Kaida in Südostasien gefasst werden konnten. Stuart Levey
von US- Finanzministerium nannte das Vorgehen «ohne Zweifel
legal». Levey sagte, der US-Geheimdienst CIA, die Bundespolizei
FBI und andere US- Geheimdienste hätten zehntausende von
Finanztransaktionen untersucht.
Im Fokus der Ermittler seien im internationalen Finanzgeschäft
Geldtransfers von Privatleuten, Unternehmen, Wohlfahrtsverbänden
und anderer Organisationen gewesen, die nach US-Ansicht verdächtigt
waren. Nur ein kleiner Teil habe Geldgeschäfte innerhalb der USA
betroffen.
Das Blatt betont unter Berufung auf nicht namentlich genannte Beamte,
der Zugang zu einer solchen Datenmenge sei «höchst
unüblich». Innerhalb der Regierung habe es Zweifel an der
Legalität dieser Praktiken gegeben. Das weiterhin als geheim
eingestufte Programm wurde laut «New York Times» von
Regierungsbeamten als «das größte und weit
reichendste» von mehreren geheimen Aktionen zum Aufspüren der
Finanzierung des Terrorismus beschrieben.
Das Finanzministerium sei im September 2001 von Präsident George
W. Bush in einer so genannten «Executive Order» angewiesen
worden, die Finanzquellen für Terroristen trocken zu legen.
(Quelle: dpa)
Annan besorgt wegen Unregelmäßigkeiten vor Wahl im Kongo
Sa.24.06.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat sich besorgt wegen Berichten
über Unregelmäßigkeiten vor der Wahl im Kongo
geäußert. Einschüchterungsversuche, politisch
motivierte Festnahmen und Korruption könnten der ersten Wahl seit
der Unabhängigkeit des Landes vor mehr als 40 Jahren schwer
schaden, erklärte Annan am Freitag in einem Bericht an den
Weltsicherheitsrat in New York. Jeder Versuch, die Abstimmung zu
manipulieren, «kann nicht toleriert werden».
Die Vereinten Nationen hätten noch nie eine Wahl von derart
großem Ausmaß unterstützt, erklärte Annan weiter.
Am 30. Juli treten 33 Präsidentschaftskandidaten und 19.000
Bewerber für Abgeordnetenmandate an. Landesweit gibt es 50.000
Wahllokale. Der Wahlkampf beginnt offiziell am kommenden Donnerstag.
Der oberste Medienwächter hat Präsident Joseph Kabila und
mehreren seiner Stellvertreter vorgeworfen, in den vergangenen Wochen
ihren Einfluss auf den Rundfunk genutzt zu haben, um Hass und
Intoleranz zu schüren.
(Quelle: ap)
Somalias Regierung und Islamisten schließen Abkommen
Sa.24.06.06 - Unter Vermittlung der Arabischen Liga haben die somalische
Übergangsregierung und die in den Kämpfen um die Hauptstadt
Mogadischu siegreichen Islamisten ein Abkommen zur Beendigung der
Kämpfe unterzeichnet. In der Vereinbarung sichern sich beide Seiten
die gegenseitige Anerkennung zu, sagte der Generalsekretär der
Arabischen Liga, Amr Mussa, am Donnerstag in der sudanesischen
Hauptstadt Khartum. Das Dokument bestätige "die
Rechtmäßigkeit der Übergangsregierung und die
Präsenz der Union der Islamischen Gerichte". Zudem sehe es die
Einstellung militärischer Konfrontationen und die Fortführung
des Dialogs vor.
(Quelle: afp)
UNICEF dringt auf wirksame Kontrolle von Kleinwaffen
Sa.24.06.06 - Der internationale Handel mit Schusswaffen muss nach Ansicht des
Kinderhilfswerks UNICEF wirksamer kontrolliert werden. Vor einer
UN-Konferenz zu Kleinwaffen in der kommenden Woche in New York forderten
UNICEF und das Internationale Konversionszentrum Bonn am Freitag, die
deutsche Regierung solle sich für konkrete und verpflichtende
Regelungen einsetzen. Anders als bei dem bestehenden Aktionsprogramm
der Vereinten Nationen sollten neben Waffen in staatlichem Besitz auch
Waffen in den Händen von Privatleuten und Milizen einbezogen
werden.
«Kleinwaffen sind die wahren Massenvernichtungswaffen unserer
Zeit. Sie bringen jedes Jahr 500.000 Menschen den Tod, darunter Tausende
Kinder und Jugendliche», erklärte die deutsche
UNICEF-Vorsitzende Heide Simonis in Berlin. Neun von zehn Kriegsopfern
stürben schätzungsweise durch Kleinwaffen wie Maschinengewehre
und Pistolen. Durch die leichte Verfügbarkeit und einfache
Bedienung dieser Waffen sei es möglich, dass weltweit 250.000
Kinder als Soldaten missbraucht würden.
Simonis wies darauf hin, dass etwa die Friedensbemühungen in der
Republik Kongo durch den Einsatz von Kindersoldaten und den massenhaften
Einsatz von Kleinwaffen erschwert würden. 45 Prozent der
Todesopfer in Ostkongo seien 2004 Kinder gewesen, ihr Anteil an der
Gesamtbevölkerung liege aber nur bei 19 Prozent.
(Quelle: ap)
USA und Japan arbeiten bei Raketenabwehr enger zusammen
Sa.24.06.06 - Mit Blick auf Nordkorea vertiefen Japan und die USA ihre Zusammenarbeit
beim Aufbau eines Raketenabwehrsystems. Beide Seiten unterzeichneten am
Freitag in Tokio ein Abkommen, das unter anderem die gemeinsame
Produktion von Abfangraketen regelt. Der Zeitpunkt des
Vertragsabschlusses hänge aber nicht direkt mit den Anzeichen
für einen bevorstehenden nordkoreanischen Raketentest zusammen,
hieß es. Die US-Streitkräfte beendeten derweil ihr
größtes Manöver im Pazifik seit dem Vietnam-Krieg.
An dem fünftägigen Manöver vor der Insel Guam waren drei
Flugzeugträger mit 22.000 Soldaten und 280 Kampfjets beteiligt.
Generalleutnant David Deptula sagte, die Streitkräfte hätten
ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, binnen kurzer Zeit eine
massive Streitmacht aufzustellen.
Die erweiterte Zusammenarbeit zwischen Japan und den USA war
ursprünglich infolge des letzten Tests einer nordkoreanischen
Langstreckenrakete im Jahr 1998 vereinbart worden. Die neue Rakete vom
Typ Taepodong-2, deren baldiger Start befürchtet wird, hat
vermutlich eine Reichweite bis zu 15.000 Kilometern und könnte
damit auch Ziele in den USA treffen. Die Unterzeichnung des
Kooperationsabkommens wurde als Signal für die Entschlossenheit der
Japaner und Amerikaner gewertet, sich gemeinsam gegen mögliche
nordkoreanische Raketenangriffe zu schützen.
Der südkoreanische Wiedervereinigungsminister Lee Jong Seok rief
Nordkorea am Freitag auf, die Vorbereitungen für den Raketenstart
unverzüglich einzustellen. Der US-Botschafter in Südkorea,
Alexander Vershbow, warnte Pjöngjang vor Konsequenzen. «Wir
hoffen immer noch, dass sie (die Nordkoreaner) erkennen, dass der Start
dieser Rakete sie weiter isolieren würde», sagte Vershbow am
Freitag der Nachrichtenagentur AP. Selbst die traditionellen
Verbündeten Nordkoreas, China und Russland, hatten sich am
Donnerstag ungewöhnlich deutlich gegen einen Raketentest
ausgesprochen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Regierung schließt Steuererhöhung für Gesundheit nicht
aus
Sa.24.06.06 - Die Bundesregierung schließt eine Steuererhöhung zu Gunsten
der Krankenversicherung ab 2008 nicht aus. «Es ist davon
auszugehen, dass ein behutsamer Einstieg möglicherweise in Betracht
kommt», sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg
am Freitag in Berlin. Er bezeichnete eine stärkere
Steuerfinanzierung des Gesundheitswesens als «sinnvoll».
Der Bundesregierung gehe es um eine gerechtere Finanzierung der
Sozialversicherungen und eine «Belastungsveränderung».
Etwaige Steuererhöhungen müssten einher gehen mit
gleichzeitiger Senkung der Lohnnebenkosten, in diesem Fall der
Krankenversicherungsbeiträge. «Es geht also nicht um eine
zusätzliche Belastung der Bevölkerung», betonte der
Regierungssprecher. Er räumte aber ein, dass dabei Be- und
Entlastung ungleich auf Bevölkerungsgruppen verteilt sein
könnten.
Bisher gebe es nur Überlegungen in einzelnen Parteien, sagte Steg.
Bundeskanzlerin Angela Merkel habe diese zur Kenntnis genommen.
Entscheidungen seien noch nicht gefallen. Somit gebe es derzeit auch
«keine Pläne in der Bundesregierung für die Anhebung der
Einkommensteuer».
Steg ließ Zweifel erkennen, dass die Steuerfinanzierung einen
Umfang von bis zu 45 Milliarden Euro erreichen könnte. Dies
wäre eine «gewaltige Summe». Aus der SPD-Spitze war
berichtet worden, dass künftig 30 bis 45 Milliarden Euro in die
Krankenversicherung fließen sollen.
(Quelle: ap)
Bundestag beschließt den Haushalt 2006
Sa.24.06.06 - Der erste Haushalt der großen Koalition kann mit sechsmonatiger
Verspätung in Kraft treten. Der Bundestag billigte nach
viertägiger Haushaltsdebatte am Freitag mit der Mehrheit von Union
und SPD den Etat für 2006.
Die Opposition kritisierte die Haushaltspläne von Union und SPD
angesichts einer auf mehr als 38 Milliarden Euro ausgeweiteten
Neuverschuldung als Armutszeugnis. Die Regierung setzt nach einem Jahr
des Übergangs von 2007 an auf eine durchgreifende Sanierung der
Staatsfinanzen. Der Etatentwurf für das kommende Jahr soll bereits
Anfang Juli beschlossen werden.
Der Etat von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) für 2006
sieht bei Gesamtausgaben von 261,6 Milliarden Euro eine Neuverschuldung
von 38,2 Milliarden vor. Das sind rund 7 Milliarden Euro mehr als 2005.
Es ist die höchste Nettokreditaufnahme, die je in einem
Haushaltsplan angesetzt wurde. Die Investitionen liegen mit 23,2
Milliarden Euro deutlich darunter. Dies ist laut Grundgesetz nur
erlaubt, um eine Störung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichtes
abzuwehren.
Die Koalition nimmt 2006 bewusst einen weiteren Verstoß gegen die
Schuldenregeln des Grundgesetzes und gegen die Defizitkriterien des
Euro-Stabilitätspaktes in Kauf. Mit den neuen Schulden sollen
Konjunkturimpulse gegeben werden. Grund für mehr Kredite sind auch
verschobene Einmalerlöse sowie Mehrkosten auf dem Arbeitsmarkt. Aus
Sicht von FDP, Grünen und Linkspartei kann sich die Koalition
angesichts höherer Wachstumsraten und sprudelnder Steuereinnahmen
nicht erneut auf die Ausnahmeregelung des Grundgesetzes berufen.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte angesichts der Haushaltsprobleme
von einem «Sanierungsfall» gesprochen und damit heftige
Kritik aus der SPD geerntet. Hintergrund ist auch der anstehende Etat
2007. Darin soll der EU-Kommission dargelegt werden, wie vom kommenden
Jahr an die Vorgaben des Euro-Stabilitätspaktes wieder eingehalten
werden. Bis 14. Juli muss Berlin Konzepte nach Brüssel melden,
damit das im März verschärfte Defizit-Verfahren wieder auf Eis
gelegt und Milliarden-Strafen abgewandt werden. Der Etatentwurf 2007
soll am 5. oder 12. Juli beschlossen werden.
Steinbrück hatte in der Haushaltsdebatte erneut angedeutet, dass
das gesamtdeutsche Staatsdefizit schon in diesem Jahr unter die
Obergrenze von 3,0 Prozent des Bruttoinlandsproduktes gedrückt
werden könnte. Offiziell wird von einer Defizitquote von 3,3
Prozent ausgegangen, 2007 soll ein Defizit von 2,5 Prozent erreicht
werden.
Als weit schwieriger gilt das Einhalten der Schuldenregeln des
Grundgesetzes. Allein beim Arbeitslosengeld II drohen 2007
Mehrbelastungen von fünf bis sechs Milliarden Euro. Bisher sieht
die Finanzplanung für 2007 Investitionen von 23,3 Milliarden Euro
vor bei einer Neuverschuldung von 22 Milliarden. Die Vorgaben
würden damit - trotz der Mehrwertsteuererhöhung - nur knapp
erfüllt.
(Quelle: dpa)
Linksfraktion wirft Regierung Verzögerung des Altenberichts vor
Sa.24.06.06 - Die Linksfraktion hat der Bundesregierung vorgeworfen, die
Veröffentlichung des jüngsten Altenberichts mit seiner Skepsis
gegenüber der geplanten Rente mit 67 bewusst zu verzögern.
Sie machte am Freitag Kernpunkte der Expertise publik, die sich bei der
derzeitigen Arbeitsmarktlage gegen eine Heraufsetzung des Rentenalters
wendet und für die heutigen mittleren Jahrgänge eine Zunahme
der Altersarmut befürchtet. Der stellvertretende
Fraktionsvorsitzende Klaus Ernst sprach von einer
«Ohrfeige» für die Bundesregierung.
Er warf ihr vor, den seit August vorigen Jahres vorliegenden Bericht
unter Verschluss zu halten, um sich der Diskussion zu entziehen. Nach
Auskunft des Familienministeriums soll er im Juli zusammen mit einer
Stellungnahme der Bundesregierung im Kabinett beraten und danach dem
Bundestag vorgelegt werden. Die lange Zeitspanne bis zur
Veröffentlichung wurde mit der vorgezogenen Bundestagswahl und dem
Regierungswechsel begründet.
Die große Koalition plant, das gesetzliche Rentenalter von
derzeit 65 Jahren von 2012 bis 2029 schrittweise auf 67 Jahre anzuheben.
Wer früher in Rente geht, bekommt weniger Geld. In ihrer Kritik
daran sieht sich die Linksfraktion durch den Bericht bestärkt. Da
Ältere ohnehin kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten,
bedeute das Vorhaben praktisch eine Rentenkürzung, kritisierte
Ernst. Zwar herrschten in der Kommission unterschiedliche Auffassungen,
räumte er ein. Die Kernaussage sei aber eindeutig, «dass es
nicht geht».
Ein Teil der Kommission lehnt dem Bericht zufolge eine Erhöhung
des Rentenalters ab, um weitere soziale Ungleichheiten zu vermeiden, und
verweist auf die «bis mindestens 2015 angespannt» bleibende
Arbeitsmarktlage. Ein anderer Teil hält es für möglich,
die Anhebung jetzt anzukündigen, aber erst wirksam werden zu
lassen, wenn sich die Arbeitsmarktlage gebessert hat und weitere
«flankierende Maßnahmen» ergriffen wurden. Auch diese
Experten halten das aber nur für vertretbar, wenn das Rentenniveau
nicht in dem beschlossenen Maße sinkt. Ein weiteres
Kommissionsmitglied ist überhaupt gegen eine allgemeine
Altersgrenze und plädiert für individuelle Lösungen durch
ein «Grundarbeitsvolumen» auf der Grundlage von
Arbeitszeitkonten.
(Quelle: ap)
Kritik an Allianz-Stellenabbau
Sa.24.06.06 - Der drastische Stellenabbau bei der Allianz stößt bei
Gewerkschaften und Politik auf heftige Kritik. Aus Sicht von ver.di sind
rund 9000 Menschen von den Plänen für Stellenstreichungen und
Standortschließungen im deutschen Versicherungsgeschäft und
bei der Dresdner Bank betroffen.
Sachverständige sollten nun im Auftrag des Betriebsrates ein
Gegengutachten zu den Plänen des Unternehmens erstellen, sagte
Oliver Ostmann, der für ver.di im Allianz-Aufsichtsrat sitzt, der
dpa in München. DGB-Chef Michael Sommer warf der Allianz
unterdessen vor, ihre neue Struktur trotz Milliarden-Gewinnen auf dem
Rücken der Beschäftigten und der Kunden aufzubauen.
Am Vortag hatte die Allianz als Konsequenz aus dem einschneidenden
Konzernumbau den Abbau von insgesamt 7500 Jobs im deutschen
Versicherungsgeschäft und bei der Tochter Dresdner Bank sowie
Standortschließungen angekündigt. Bei dem Gegengutachten gehe
es nun hauptsächlich darum, Alternativen zu den Einschnitten zu
entwickeln, sagte Ostmann. «Das ist ein durchaus übliches
Instrument im Rahmen von Interessenausgleichsverhandlungen.» Aus
rechtlicher Sicht dürfe die Allianz mit der Umsetzung der
Maßnahmen erst beginnen, wenn ein Interessenausgleich entweder
vereinbart oder gescheitert sei. Es gebe aber auch Spielraum für
andere Vereinbarungen.
Der Allianz-Gesamtbetriebsrat fühlt sich unterdessen von den
Plänen des Konzerns «überrollt». Die
Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hätten den Vorstand mehrfach
dazu aufgefordert, vor einer Veröffentlichung über die
detaillierten Pläne zu informieren. «Es ist völlig
unverständlich, warum dies nicht geschehen ist», sagte Lutz
Steinhardt, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates und
Aufsichtsratsmitglied der Allianz Versicherungs-AG, dem
«Tagesspiegel» (Freitagausgabe). Die Betriebsräte der
Allianz waren am Vorabend der Veröffentlichung über die
Pläne informiert worden.
Die Allianz selbst verteidigte ihr Vorgehen. «Dass das für
unsere Mitarbeiter eine schmerzhafte Entscheidung ist, die wir uns nicht
leicht gemacht haben, ist klar», sagte ein Unternehmenssprecher.
«Gerade mit Blick auf die Mitarbeiter und im Interesse eines
geordneten Kommunikationsprozesses haben wir uns zu diesem Vorgehen
entschlossen.» Nun werde man in Beratungen mit den
Wirtschaftsausschüssen und später in die Verhandlungen
über einen Interessenausgleich eintreten.
DGB-Chef Sommer sagte im «Inforadio» des Rundfunks Berlin-
Brandenburg, was die Allianz mache, sei «absolut
kontraproduktiv». Langfristig sei der Schaden für den
Versicherer und die Dresdner Bank durch den Stellenabbau sehr viel
größer als der Nutzen. «Sie verschlechtern ihr Image,
sie verschlechtern ihren Kundenservice und überall dort, wo der
Kunde dann schlechter behandelt wird, gerade bei Finanzdienstleistungen,
wird er sich Alternativen suchen.»
Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen
Rüttgers (CDU) übte scharfe Kritik an den Einschnitten.
«Mir ist unverständlich, wie der Konzern mit seinen
Mitarbeitern umgeht», sagte Rüttgers in Düsseldorf. In
Nordrhein-Westfalen sind unter anderem durch die geplante
Schließung des Allianz-Standortes in Köln mehrere hundert
Beschäftigte betroffen. Rüttgers forderte die
Konzernführung zu «ergebnisoffenen Gesprächen«
auf. Die Pläne des Allianz-Vorstands berührten das Schicksal
vieler tausend Beschäftigter und ihrer Familien. «Solche
Ankündigungen darf man nicht machen, ohne den Mitarbeitern zu
sagen, was aus ihnen wird», sagte Rüttgers.
Auch der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Oskar Lafontaine,
reagierte mit Unverständnis auf den geplanten Jobabbau: «Die
Manager kriegen den Hals nicht voll», erklärte Lafontaine in
Berlin. «Um die Börsenkurse steigen zu lassen und so den
eigenen Reichtum zu mehren, betreiben die Manager einen
unverantwortlichen Stellenabbau.»
(Quelle: dpa)
Haftungsfonds für Gentechnik laut Seehofer vom Tisch
Sa.24.06.06 - Der von Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer geplante
Haftungsfonds für den Einsatz von Gentechnik ist offenbar
gescheitert. Seehofer sagte der «Berliner Zeitung»
(Samstagausgabe), ein klassischer Haftungsfonds sei vom Tisch. Dies
geschehe auf Bitten der Wirtschaft und sei das Ergebnis eines langen
Dialogs, wurde der CSU-Politiker zitiert. Mit dem Fonds sollten
Schäden gedeckt werden, falls sich normale Pflanzen mit
benachbarten Gen-Saaten vermischen sollten.
Nach dem Willen der Bundesregierung hätten Wirtschaft und
Versicherungen den Fonds finanzieren sollen, in den keine Steuermitteln
fließen sollten. Seehofer sagte weiter, nun müssten weiter
alle Anbauer für Schäden durch Verunreinigungen haften, falls
der Verursacher nicht ermittelt werden könne. Er setze nun auf
freiwillige Vereinbarungen zwischen Saatgutherstellern und Bauern. Dazu
solle im Herbst eine Vereinbarung mit Wirtschaft und Landwirten
getroffen werden.
Der Minister betonte demnach auch, dass er bei der kommerziellen
Anwendung der grünen Gentechnik zurückhaltend und vorsichtig
sei. Für die Gegner der Gentechnik habe er sehr viel
Verständnis. «Es gibt ja kein Recht, den Menschen die
Gentechnik aufzuzwingen», wurde er zitiert.
(Quelle: ap)
Bauernbündnisse gegen Gentechnik in der Landwirtschaft
Sa.24.06.06 - Der Deutsche Bauernbund (DBB) sowie die Arbeitsgemeinschaft
bäuerliche Landwirtschaft (AbL) haben sich gegen den Einsatz der
Grünen Gentechnik ausgesprochen. Beide Verbände lehnen den
Einsatz von Gentech-Saaten aus «rechtlichen, ethisch-moralischen
und wirtschaftlichen Gesichtspunkten ab», erklärte
DBB-Präsident Kurt-Henning Klamroth am Donnerstag in Magdeburg.
Jede industrielle Forschung führe zwangsläufig zum Abbau von
Arbeitskräften in der Landwirtschaft, fügte er hinzu. Zudem
würde die Gentechnik eine Wertminderung des Bodens über
Jahrzehnte bedeuten.
Der AbL-Bundesvorsitzende Grünen-Europaparlamentarier
Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf sprach sich für die
Reinhaltung des Saatgutes und einen strengen Nachweis darüber aus.
Klamroth kritisierte die Politik des Deutschen Bauernverbandes (DBV).
Dessen Vorsitzender Gerd Sonnleitner sei in Sachen Gentechnik
«halbschwanger»: Auf der einen Seite rate er den Bauern
wegen strenger Haftungsregeln vom Anbau ab. In Berlin fordere er aber
die Aufweichung der Haftung.
Der Deutsche Bauernverband beginnt am kommenden Montag in Magdeburg
seine diesjährige Mitgliederversammlung, auf der
turnusgemäß Präsident und Vorstand gewählt werden.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Temperaturen auf höchstem Stand seit 400 Jahren
Sa.24.06.06 - Auf der Erde herrschen laut einer US-Studie die höchsten
Temperaturen seit mindestens 400 Jahren. Es gebe ausreichend Beweise
dafür, dass die vergangenen zwei Jahrzehnte wärmer gewesen
seien als jeder andere Zeitraum in den 400 Jahren zuvor, heißt es
in der Studie des Nationalen Forschungsrats, den der US-Kongress im
November in Auftrag gegeben hatte. Vieles spreche dafür, dass die
Temperaturen sogar höher lägen als jemals zuvor seit 900
Jahren. Die Datenlage zeige, dass es vor der Industriellen Revolution
auf der Erde kühler gewesen sei.
In der nördlichen Hemisphäre seien die Temperaturen im 20.
Jahrhundert im Schnitt um 0,6 Grad gestiegen, heißt es in dem
Bericht. Diese Erwärmung reiche aus, um das Polareis abzuschmelzen
und den Verlauf von Hurrikanen zu beeinflussen. Der Bericht steht damit
in krassem Widerspruch zur Umweltpolitik von US-Präsident George W.
Bush. Dieser hatte wiederholt gesagt, dass die Erderwärmung nicht
schlimm genug sei, um die Politik zu teuren Maßnahmen zu zwingen,
die noch dazu Arbeitsplätze in den USA kosten könnten.
Der Kongress hatte die Studie in Auftrag gegeben, nachdem ein Bericht
des Klimatologen Michael Mann für große Unruhe in den USA
gesorgt hatte. Mann hatte die These aufgestellt, dass die 90er Jahre das
wärmste Jahrzehnt und 1998 das wärmste Jahr des vergangenen
Jahrtausends waren. Der Nationale Forschungsrat erklärte, die
Datenlage aus der Zeit vor 1600 sei zu lückenhaft, um eine sichere
Aussage zu treffen. Manns berühmte
"Hockeyschläger-Temperaturkurve", bei der die Temperaturen ab 1850
sprunghaft nach oben steigen, sei jedoch richtig.
Zwar sei es um das Jahr 1000 herum auf der Erde auch schon warm
gewesen, jedoch längst nicht so wie heutzutage, heißt es in
der Studie weiter. Nach einer eher kühlen Phase zwischen 1500 und
1850 seien die Temperaturen dann mit Beginn der Industriellen Revolution
stark angestiegen. Zwar habe es auch in der vorindustriellen Zeit immer
wieder Schwankungen gegeben. Doch seien diese von Vulkanausbrüchen
oder Veränderungen in der Konstellation der Himmelskörper
verursacht worden, deren Auswirkungen bei weitem nicht so stark gewesen
seien wie in der Zeit nach 1850.
(Quelle: afp)
Creutzfeldt-Jakob kann nach Jahrzehnten ausbrechen
Sa.24.06.06 - Die dem Rinderwahn ähnliche neue Variante der
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (nvCJK) kann möglicherweise noch
Jahrzehnte nach der Infektion ausbrechen. Es sei zu befürchten,
dass Menschen sogar noch mehr als 50 Jahre nach der unbemerkten
Ansteckung erkranken und sterben könnten, heißt es in einer
Studie von Wissenschaftlern des Londoner University College, die in
Medizinerzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wird.
Die Forscher stützen sich dabei auf Erfahrungen mit der
ähnlichen Krankheit Kuru, die durch Kannibalismus auf
Papua-Neuguinea übertragen wurde. Das Risiko einer
Creutzfeldt-Jakob-Epidemie könne damit deutlich höher sein als
bisher angenommen.
Bei seinen Forschungen untersuchte der Wissenschaftler John Collinge
mit seinem Team mehrere Fälle der Kuru-Krankheit aus den
vergangenen Jahren, die ebenso wie vnCJK durch so genannte Prionen
übertragen wird. Anders als Creutzfeldt-Jakob wird die Krankheit
aber nicht durch den Verzehr von BSE-verseuchtem Rind ausgelöst,
sondern durch den rituellen Verzehr des Fleisches Verstorbener beim
Stamm der Fore in Papua-Neuguinea. Die Kannibalismus-Riten waren in den
50er Jahren verboten worden.
Zwischen 1957 und 2004 traten über 2700 Kuru-Fälle auf, wie
die Forscher schreiben - obwohl die Menschen in Papua-Neuguinea gar kein
Menschenfleisch mehr aßen. Die Wissenschaftler fanden elf
Kuru-Fälle, die erst zwischen Juli 1996 und Juni 2004 bei Menschen
auftraten, die noch vor Ende der Kannibalismus-Riten geboren wurden.
"Die Mindest-Inkubationszeit reicht von 34 bis 41 Jahren", heißt
es in der Studie. Wahrscheinlich sei eine maximale Dauer zwischen
Ansteckung und Ausbruch der Krankheit von 56 Jahren oder mehr.
Damit blieben auch die Ausmaße von Creutzfeldt-Jakob "ungewiss"
und würden wahrscheinlich noch unterschätzt. Der Glaube, dass
die Zahl neuer Fälle "einen Höhepunkt überschritten hat
und wir das Schlimmste bei dieser erschreckenden Krankheit hinter uns
haben, muss nun mit äußerster Skepsis betrachtet werden",
warnten die Forscher. In Großbritannien sind bisher 161 Fälle
der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit aufgetreten, bei der das Gehirn nach
und nach wie ein Schwamm durchlöchert wird. Nur fünf der
Erkrankten waren Anfang Juni noch am Leben.
(Quelle: afp)