Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertsiebenundzwanzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Soldaten nehmen sunnitischen Geistlichen fest. El Kaida kündigt
Rache für Sarkawis Tod an. Irakische Regierung lässt weitere
500 Gefangene frei
So.25.06.06 - US-Soldaten haben am Samstag im Irak vorübergehend einen
führenden sunnitischen Geistlichen festgenommen. Der Mufti Dschamal
al Din Abdul Karim al Dabban und drei seiner Söhne hätten
sich sieben Stunden lang in Gewahrsam befunden, teilte die
einflussreiche sunnitische Vereinigung Muslimischer Gelehrter mit.
Hunderte Menschen seien einem Protestaufruf gefolgt, der über
Moschee-Lautsprecher verbreitet worden sei, und hätten vor dem
Amtssitz des Gouverneurs in Tikrit die Freilassung des Geistlichen
gefordert.
Der Scheich sei «ein islamisches und nationales Symbol»,
hieß es in einer Stellungnahme der Irakischen Islamischen Partei,
der größten politischen Gruppierung der Sunniten im Irak.
Seine Festnahme könnte die Sicherheitslage weiter verschlechtern.
Tikrit ist die Heimatstadt des ehemaligen Präsidenten Saddam
Hussein.
Bei einem Bombenanschlag in Bagdad kamen am Samstag zwei irakische
Polizisten ums Leben. Drei weitere Polizisten wurden verletzt. Der
Sprengsatz explodierte nach Angaben eines Polizeisprechers am Morgen in
einem überwiegend von Schiiten bewohnten Viertel im Norden der
irakischen Hauptstadt.
Ein amerikanischer Soldat auf Fußstreife wurde südlich von
Bagdad Opfer eines Bombenanschlags, wie die US-Streitkräfte
mitteilten. Damit stieg die Zahl der seit Beginn des Krieges im
März 2003 im Irak getöteten US-Soldaten auf 2.520.
In der nordirakischen Stadt Kirkuk wurde der örtliche
Geheimdienstchef bei der Explosion einer am Straßenrand gelegten
Bombe getötet. Auch zwei seiner Leibwächter kamen ums Leben.
Im Nordosten von Bagdad fand die Polizei die Leiche eines Mannes, der an
Händen und Füßen gefesselt und erschossen worden war.
El-Kaida-Vizechef Aiman el Sawahiri hat den Vereinigten Staaten mit
gewaltsamer Rache für den Tod von Abu Mussab el Sarkawi gedroht.
"Niemand von uns wird getötet, ohne gerächt zu werden", sagte
Sawahiri in einem vom Fernsehsender El Dschasira ausgestrahlten
Videoband. Er rief alle Rebellen im Irak auf, ihren Kampf fortzusetzen.
Die Aufnahmen zeigen Sawahiri vor einem Foto des irakischen
El-Kaida-Führers Sarkawi, der am 7. Juni bei einem US-Angriff
starb. Das Weiße Haus wertete die Aufnahmen als Teil eines
"Propagandakriegs".
In seiner Ansprache wandte sich Sawahiri direkt an US-Präsident
George W. Bush: "Dein Versuch, von der Sicherheits zu träumen, ist
vergeblich." Damit stellte Sawahiri einen Bezug zu den
Terroranschlägen vom 11. September 2001 her. Er erinnerte daran,
dass El-Kaida-Chef Osama bin Laden einst geschworen habe, "dass Amerika
nicht den Traum der Sicherheit träumen wird". An die
US-Bevölkerung gerichtet sagte Sawahiri: "Sagt mir, wie viele von
euch schon (im Irak) gestorben sind, wie viel eure Wirtschaft verloren
hat, wie die Moral eurer Soldaten sinkt."
Der El-Kaida-Vizechef griff in dem Video den irakischen
Ministerpräsidenten Nuri el Maliki und den US-Botschafter in
Bagdad, Zalmay Khalilzad an, die als erste die Tötung Sarkawis
bekannt gegeben hatten. Maliki verkaufe den Islam und kämpfe "unter
Bushs Kreuzzug-Banner", sagte Sawahiri. Den gebürtigen Afghanen
Khalilzad nannte er einen "afghanischen Abtrünnigen". Sarkawi war
am 7. Juni bei einem US-Luftangriff im Irak getötet worden. Er
wird für zahlreiche Anschläge, Entführungen und
Hinrichtungen im Irak verantwortlich gemacht.
Das Weiße Haus in Washington nahm die Videobotschaft Sawahiris
als Beleg dafür, dass "Sawahiri und die Führung der El Kaida
weiterhin einen Propagandakrieg führen und eine verdorbene
Botschaft der Gewalt und des Hasses verbreiten". Eine Sprecherin des
Weißen Hauses erklärte, es würden weitere Drohungen
erwartet. "Im weltweiten Kampf gegen den Terror liegt noch viel harte
Arbeit vor uns."
Erst am Donnerstag wurde im Internet eine Botschaft Sawahiri
veröffentlicht, die aber bereits am 30. Mai aufgenommen wurde.
Darin rief er die Menschen in Afghanistan zum Widerstand gegen die
ausländischen Truppen im Land auf. Auf Sarkawis Tod war Sawahiri
darin nicht eingegangen.
Die irakische Regierung und die US-geführten Truppen im Irak haben
weitere 500 Häftlinge freigelassen. Nach Angaben des
US-Strafvollzugs handelte sich dabei um Gefangene aus der Haftanstalt
Abu Ghraib im Westen von Bagdad, die an keinen Gewalttaten,
Entführungen oder Folterungen beteiligt waren. Der schiitische
Geistliche Sadreddin el Kubandschi vom Obersten Rat für die
Islamische Revolution im Irak kritisierte die Massenentlassungen. Bei
verschiedenen Anschlägen wurden im Land 22 Menschen getötet.
Der frühere sunnitische Vize-Regierungschef und derzeitige
Abgeordnete Abed Motlak el Dschuburi sagte, die freigelassenen
Häftlinge stammten aus Ramadi, Hauptstadt der mehrheitlich
sunnitischen Unruheprovinz El Anbar, sowie aus Bagdad und dessen
Ungebung. Er forderte Regierung und Behörden auf, für die
Wiedereingliederung der Gefangenen in die Gesellschaft zu sorgen. Laut
US-Armee wurden seit dem 7. Juni etwa 2300 Häftlinge auf freien
Fuß gesetzt.
Die "Terroristen im Irak" müssten wie die Gefangenen im US-Lager
Guantánamo in Kuba behandelt werden, sagte der Geistliche
Kubandschi in seiner Predigt in der den Schiiten heiligen Stadt
Nadschaf. Der pro-iranische Oberste Rat ist eine der Hauptstützen
der Regierung von Ministerpräsident Nuri el Maliki, der selbst
Mitglied der konservativen Schiitenpartei Dawa ist.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 25.06.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertzweiundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.25.06.05 - US-Präsident Bush will US-Truppen nicht aus dem Irak abziehen +++
Iraks Ministerpräsident Dschaafari dankt den USA für ihre
Unterstützung +++ Seit Übergabe der politischen Verantwortung
von der Besatzungsmacht an eine irakische Übergangsregierung
wurden bei Anschlägen mindestens 2.174 Menschen getötet +++ UN
überweisen dem Irak 200 Millionen Dollar +++ USA vor symbolischem Irak-
Tribunal angeklagt +++ Um die seit dem Irak-Krieg zunehmend schwierige Anwerbung von Rekruten
für die US-Armee zu verbessern, sammelt das Pentagon Daten junger
Amerikaner im Alter zwischen 16 und 18 +++ USA geben offenbar Folter von Gefangenen vor UNO zu...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0506250.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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65 Tote bei Kämpfen in Afghanistan
So.25.06.06 - Bei bewaffneten Zusammenstößen mit US-geführten
Koalitionstruppen sind im Süden Afghanistans mindestens 65
Kämpfer der radikal-islamischen Taliban getötet worden.
Ein US-Militärsprecher teilte am Samstag mit, afghanische und
Koalitionseinheiten seien im Dorf Mirabad in der Provinz Uruzgan (rund
400 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Kabul) von mehr als 40
Extremisten attackiert worden. Die Angreifer seien nach mehr als
fünfstündigem Kampf getötet worden. Bei einem anderen
Zusammenstoß hätten die Koalitionstruppen in der Provinz
Kandahar am Freitag 25 Extremisten getötet. Auf Seiten der
Koalitionstruppen habe es keine Opfer gegeben.
Bei Kämpfen und Anschlägen sind in den vergangenen drei
Monaten in Afghanistan mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen, die
meisten von ihnen radikal-islamische Rebellen. Derzeit läuft die
größte Offensive der US-geführten Koalitionstruppen
gegen die Taliban seit dem Sturz des radikal-islamischen Regimes Ende
2001.
Der dänische Generalstabschef Hans Jesper Helsø war am
Freitag bei einem Afghanistan-Besuch knapp einem Bombenanschlag
entgangen. Ein Sprengsatz war explodiert, als ein Konvoi mit dem General
vorbeifuhr. Der Anschlag ereignete sich rund 20 Kilometer entfernt vom
dänischen Stützpunkt im nordostafghanischen Feisabad.
Verletzt wurde niemand.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Abbas und Hanija erörtern Streit zwischen Fatah und Hamas
So.25.06.06 - Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas und
Ministerpräsident Ismail Hanija sind am Samstagabend im
Gazastreifen zusammengetroffen, um über eine Beendigung des
Machtkampfs zwischen der Fatah des Präsidenten und der regierenden
Hamas zu verhandeln. Zuvor verlautete aus Kreisen der Hamas noch, Abbas
habe das Treffen abgesagt.
Beide Seiten deuteten vor der Unterredung an, man stehe kurz vor einer
Einigung. Im Mittelpunkt des Streits steht ein Fatah-Papier zur
Zwei-Staaten-Lösung, das eine indirekte Anerkennung Israels
enthält. Sollte es zu keiner Einigung mit der Hamas kommen, will
Abbas am 26. Juli ein Referendum über dieses Dokument abhalten.
Erstmals seit dem Abzug aus dem Gazastreifen nahmen israelische Truppen
in dem Autonomiegebiet zwei Mitglieder der radikalislamischen Hamas
fest. Die Männer hätten einen Anschlag auf Israel geplant,
teilte ein Militärsprecher mit. Die Hamas bestätigte die
Aktion, die am Samstag noch vor Morgengrauen stattfand.
Israelische Bodentruppen sind seit der Räumung des Gazastreifens
im vergangenen September schon zwei Mal zuvor auf
palästinensisches Gebiet vorgedrungen. In einem Fall wurden Bomben
im Grenzgebiet entfernt, in anderem Fall drei Palästinenser beim
Abwerfen von Raketen aufgespürt und erschossen. Festnahmen gab es
bislang jedoch nicht.
Abbas bat US-Außenministerin Condoleezza Rice in einem
Telefongespräch, Israel zum Abbau der Spannungen zu drängen.
Dies gelte insbesondere für die Luftangriffe, hieß es aus
dem Büro von Abbas. Den Attacken aus der Luft sind in den
vergangenen Wochen 13 palästinensische Zivilpersonen
zusätzlich zu 18 gesuchten Extremisten zum Opfer gefallen.
(Quelle: ap)
US-Senat stimmt für Sanktionen gegen Hamas-Regierung
So.25.06.06 - Der US-Senat hat am Freitag für Sanktionen gegen die von der Hamas
geführte palästinensische Regierung gestimmt. Eine
ähnliche Vorlage hatte vorigen Monat bereits das
Repräsentantenhaus verabschiedet. Die Vorlage des Senats gibt
Präsident George W. Bush jedoch größere Vollmachten
hinsichtlich der Anwendung der Sanktionen. Jetzt muss der
Vermittlungsausschuss der beiden Parlamentskammern einen gemeinsamen
Entwurf ausarbeiten.
Solange die Hamas nicht der Gewalt abschwört und das Existenzrecht
Israels anerkennt, soll die palästinensische Autonomiebehörde
keine US-Finanzhilfe mehr erhalten. Außerdem sollen Kontakte zur
Hamas untersagt werden. Die US-Regierung betrachtet die Hamas als
Terrororganisation. Washington hat bereits wie die Europäische
Union nach dem Wahlsieg der Hamas die direkte Finanzhilfe an die
palästinensische Regierung eingestellt.
(Quelle: ap)
Philippinen schaffen Todesstrafe ab
So.25.06.06 - Einen Tag vor ihrer Abreise zu einem Vatikan-Besuch hat die
philippinische Präsidentin Gloria Arroyo ein Gesetz zur Abschaffung
der Todesstrafe unterzeichnet. Arroyo setzte ihre Unterschrift am
Samstag im Präsidentenpalat in Manila unter das Gesetz, das Anfang
Juni die zweite Kammer des Parlaments passiert hatte. Das Gesetz sieht
vor, die Todesurteile aller 1200 Verurteilten auf den Philippinen in
lebenslange Haftstrafen umzuwandeln.
1994 war auf den Philippinen die Todesstrafe für besonders schwer
wiegende Verbrechen eingeführt worden. 1999 und 2000 wurden
insgesamt sieben verurteilte Straftäter hingerichtet. Auf Druck der
katholischen Kirche, der Europäischen Union und von
Menschenrechtsgruppen beschloss Manila dann ein Moratorium. Auch auf den
Philippinen lebender Deutscher, der nach einem Amoklauf wegen
dreifachen Mordes angeklagt ist, hatte mit der Todesstrafe rechnen
müssen.
Arroyo wollte am Sonntag zu einer Reise in den Vatikan, nach Italien
und Spanien aufbrechen. Die 58-Jährige hatte sich am Donnerstag im
Krankenhaus wegen einer Durchfallerkrankung behandeln lassen. Nach
Angaben ihres Beraters Eduardo Ermita ging es ihr am Samstag wieder
besser.
(Quelle: afp)
Mehrheit der Europäer befürwortet Bio- und Gentechnologie
Gentechnisch veränderte Lebensmittel stoßen jedoch auf
Widerstand
So.25.06.06 - Immer mehr Europäer stehen Biotechnologie und Gentechnik positiv
gegenüber. Erreichte die Zustimmung 1999 noch einen Tiefstwert von
41 Prozent, äußerten im Jahr 2005 erstmals 52 Prozent der
Befragten die Hoffnung, dass sich die Bio- und Gentechnologie positiv
auf das eigene Leben auswirken könnte. Vor allem Malta, Estland,
Spanien, Zypern und Schweden zeigen sich optimistisch: In diesen
Ländern glaubt über 70 Prozent der Bevölkerung, dass die
Biotechnologie ihre Lebensqualität verbessert. Die Deutschen
zählen mit 33 Prozent zu den Skeptikern. Dies zeigen die Ergebnisse
des aktuellen, durch eine internationale Expertengruppe koordinierten,
"Eurobarometers", die am 22. Juni in Brüssel vorgestellt wurde.
Für die bereits zum sechsten Mal durchgeführte
Repräsentativerhebung zur Wahrnehmung der Gentechnik und ihrer
Anwendungen wurden in den 25 EU-Mitgliedstaaten jeweils rund 1.000
Menschen befragt. Im Bereich der embryonalen Stammzellenforschung
signalisieren die Zahlen ein ethisches Dilemma: Während 41 Prozent
der Europäer sich dagegen aussprechen, menschliche Embryos in der
medizinischen Forschung zu verwenden, stimmen 53 Prozent der Aussage zu,
dass es eine Pflicht gibt, Forschung zu erlauben, wenn dies die
Entwicklung bedeutender neuer Therapien ermöglicht. Allerdings gilt
die Zustimmung nur, wenn die Forschung an strenge Vorschriften
geknüpft ist.
Auf Widerstand dagegen stoßen nach wie vor die gentechnisch
veränderten Lebensmittel. Nur ein Drittel der Europäer
akzeptiert derartige Eingriffe in die Lebensmittelproduktion. Mit einem
Zustimmungsgrad von 21 Prozent liegt Deutschland unter dem
europäischen Durchschnitt. Die Bereitschaft, gentechnisch
veränderte Lebensmittel zu konsumieren, ist dagegen gestiegen.
Positive Gesundheitseffekte sowie weniger Pestizidrückstände
werden vor allem als Gründe für einen möglichen Konsum
erwähnt. Auf der anderen Seite wird in Österreich sowie auch
in Griechenland, Zypern, Lettland und Luxemburg der Konsum gentechnisch
veränderter Lebensmittel von mehr als 40 Prozent der Befragten
generell abgelehnt.
(Quelle: pte)
Deutschland
Steinmeier trifft iranischen Amtskollegen in Berlin
So.25.06.06 - Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ist mit seinem
iranischen Kollegen Manuschehr Mottaki zusammengekommen, um über
den Atomstreit zwischen Teheran und dem Westen zu beraten. Im
Mittelpunkt des Gesprächs in Berlin-Dahlem dürfte die Frage
stehen, ob und in welcher Form der Iran ein eigenes Nuklearprogramm
betreiben darf.
Am 6. Juni hatten die fünf Vetomächte im Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen - Frankreich, Großbritannien, China, Russland
und die USA - sowie Deutschland dem Iran ein neues Angebot vorgelegt,
damit dieser die Urananreicherung aussetzt. Eine Antwort steht noch aus;
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat sie bis zum 22. August
angekündigt.
(Quelle: afp)
Fall El Masri: Zweifel an Darstellung der Regierung
So.25.06.06 - Grüne und Linkspartei haben Zweifel an der Darstellung der
Regierung, erst im Nachhinein von der Entführung des
Deutsch-Libanesen Khaled el Masri durch die CIA erfahren zu haben.
Der Grünen-Obmann im BND-Untersuchungsausschuss, Hans-Christian
Ströbele, bezeichnete die Zeugenaussage des Telekom-Mitarbeiters
Wolf-Dieter Mengel - er will der deutschen Botschaft in Skopje schon im
Januar 2004 Verhaftung eines Deutschen berichtet haben - als
«absolut glaubwürdig». «Welchen Grund sollte er
auch haben, sich diese Geschichte auszudenken», sagte
Ströbele der «Berliner Zeitung».
Für den Obmann der Linksfraktion, Wolfgang Neskovic, waren Mengels
Darlegungen «keine auf dem Reißbrett entstandene Aussage,
die meistens ein Indiz für ein Lügengebäude ist».
Die Annahme, deutsche Behörden hätten frühzeitig von El
Masris Festnahme in Mazedonien gewusst oder seien gar eingeweiht
gewesen, werde immer plausibler, sagte Neskovic. Schließlich seien
mit einem BND-Beamten und dem Geschäftsmann zwei Deutsche
unabhängig voneinander aus mazedonischen Polizeikreisen Fall
informiert worden.
Ströbele und Neskovic sehen noch weitere Ansatzpunkte, um eine
mögliche Beteiligung deutscher Stellen an der Entführung El
Masris aufzuklären. Im Zentrum steht dabei die nicht
identifizierte, Deutsch sprechende Person namens «Sam», die
El Masri im Mai 2004 mehrfach in afghanischer Haft besucht und ihn auf
seiner Rückkehr nach Deutschland zeitweise begleitet hatte.
«Für mich ist Sam der Schlüssel in diesem Fall»,
sagt Ströbele. «Wenn wir wissen, wer sich hinter Sam
verbirgt, können wir vielleicht auch die Frage beantworten, ab wann
deutsche Stellen von (El) Masris Entführung wussten.»
Ströbele hofft dabei auf Hinweise aus den USA. Neskovic nannte die
Bewertung der Staatsanwaltschaft, wonach es sich bei Sam nicht um einen
BKA-Beamten handele, «zumindest fragwürdig». Der Beamte
solle als Zeuge vor dem Ausschuss erscheinen, forderte er.
Das Auswärtige Amt (AA) hatte eigenen Angaben zufolge keinen
Hinweis entdeckt, dass die Deutsche Botschaft in Skopje früher als
bisher bekannt von der Verhaftung El Masris informiert war. Das AA
erfuhr nach eigenen Angaben erst Anfang Juni 2004 von dem Vorgang. Nach
Angaben eines Sprechers wurde nach Bekanntwerden der
Äußerungen des Managers ein Sonderermittler des AA an die
Botschaft in Skopje geschickt. Dieser habe mit allen gesprochen, die
für das Telefonat mit dem Telekom-Direktor in Frage gekommen
wären. Das Ergebnis dieser Befragungen sei negativ gewesen.
(Quelle: dpa)
Steinbrück plant pauschale Abgeltungssteuer von 25 Prozent
So.25.06.06 - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück will die Steuerlast der
Unternehmen von jetzt 38,65 auf 29,19 Prozent senken. Für
Kapitaleinkünfte soll in zwei Schritten eine einheitliche
Abgeltungssteuer von 25 Prozent eingeführt werden. Das sieht das
Eckpunktepapier vor, das Steinbrück am (morgigen) Sonntagabend dem
Koalitionsausschuss vorlegen will, wie Regierungskreise am Samstag
bestätigten. Die Reform, die Anfang 2008 in Kraft treten soll, wird
den Berechnungen zufolge anfangs zu Einnahmenausfällen «in
einstelliger Milliardenhöhe» führen.
Mehrere Zeitungen berichteten am Samstag ausführlich über die
«Eckpunkte einer wachstumsorientierten
Unternehmensteuerreform». Ziel der Reform sei es, «die
internationale steuerliche Attraktivität des Standortes zu
erhöhen, Investitionen und Wachstum zu fördern und
gleichzeitig zu erreichen, dass Gewinne, die in Deutschland
erwirtschaftet werden, wieder hier versteuert werden», heißt
es darin.
Um dies zu erreichen, will Steinbrück die Körperschaftsteuer
von jetzt 25 auf 12,5 Prozent senken. Zusammen mit der Gewerbesteuer und
dem Solidaritätszuschlag ergebe sich damit für
Kapitalgesellschaften eine Belastung von 29,19 Prozent, hieß es.
Die Gewerbesteuer soll künftig auch Mieten, Pachten oder
Leasinggebühren erfassen. Personengesellschaften mit
europäischen Anteilseignern sollen die Möglichkeit bekommen,
sich wie Kapitalgesellschaften behandeln zu lassen.
Zugleich plant Steinbrück die Einführung einer pauschalen
Abgeltungssteuer auf alle Kapitaleinkünfte. Diese soll zum 1.
Januar 2008 zunächst bei 30 Prozent plus Solidaritätszuschlag
liegen, bevor sie zum 1. Januar 2009 auf 25 Prozent sinkt, wie die
«Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtete. Der Satz von 25
Prozent bedeutet, dass Kapitaleinkommen etwa aus Zinsen und Dividenden
künftig deutlich niedriger besteuert werden als
Arbeitseinkünfte. Damit will Steinbrück die Verlagerung von
Geldern in Länder mit niedrigeren Steuersätzen stoppen.
(Quelle: ap)
Siemens-Chef schließt weiteren Stellenabbau nicht aus
So.25.06.06 - Siemens -Chef Klaus Kleinfeld schließt nach der Auflösung
der Telekommunikationssparte einen weiteren Stellenabbau im Konzern
nicht aus. «Das ist in einem Unternehmen, das so vielschichtig
aufgestellt ist wie Siemens, nicht möglich», sagte Kleinfeld
der «Welt am Sonntag».
Siemens und Nokia hatten Anfang der Woche bekannt gegeben, ein
Gemeinschaftsunternehmen zu gründen, in der die Netzwerksparten
beider Unternehmen gebündelt werden. Dadurch könnten bis zu
9000 Arbeitsplätze bei den Unternehmen wegfallen.
Siemens hätte die Netzwerksparte Medienberichten zufolge auch
komplett verkaufen können. Die US-Investmentbank Merrill Lynch habe
Siemens ein Angebot für den Geschäftszweig gemacht,
berichteten die Magazine «Spiegel» und «Focus»
am Wochenende. Ein Siemens-Sprecher wollte sich am Samstag nicht zu dem
Bericht äußern. Der Kaufpreis sollte laut
«Spiegel» bei rund acht Milliarden Euro liegen. Der
Aufsichtsrat habe das Angebot aber abgelehnt.
Eine weitere Baustelle im Siemens-Konzern bleibt der IT- Dienstleister
SBS. «Wir arbeiten an der strategischen Reorientierung»,
sagte Kleinfeld. Er bekräftigte die Renditevorgaben für alle
Sparten, die sich an den jeweils besten Wettbewerbern orientieren.
Bereits im vergangenen Jahr hatte er diese Ziele mit seiner
persönlichen Zukunft verbunden. Heute sei er optimistisch, dass
diese Vorgaben auch erreicht werden.
(Quelle: dpa)
Zeitung: Wirtschaftsweise wollen Arbeitslosengeld II kürzen
So.25.06.06 - Die fünf Wirtschaftsweisen wollen der Bundesregierung nach einem
Zeitungsbericht eine Kürzung des Arbeitslosengeldes II vorschlagen.
In einem Gutachten zum Thema Kombilohn wolle der
Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung einerseits anregen, die Zuverdienstgrenze deutlich
anzuheben, berichtete der "Tagesspiegel" am Samstag aus Kreisen der
fünf Forscher. Im Gegenzug werde das Gremium deutliche Einschnitte
für Langzeitarbeitslose empfehlen, die keinen Job aunnähmen.
Der Rat sei sich aber uneins. Das gewerkschaftsnahe Ratsmitglied Peter
Bofinger lehnte eine Senkung des Regelsatzes von 345 Euro im Monat ab.
"Das ist sozial nicht gerecht", sagte er dem Blatt.
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) hatte eine
Reduzierung des Satzes ausgeschlossen. Auch der Hartz-IV-Ombudsrat
sprach sich in seinem am Freitag vorgelegten Abschlussbericht dagegen
aus.
Dem Zeitungsbericht zufolge will der Sachverständigenrat sein von
der Regierung in Auftrag gegebenes Gutachten im August vorlegen. Die
große Koalition will im Herbst entscheiden, wie mehr
Beschäftigung von gering Qualifizierten erreicht werden kann. In
der Union werden staatlich bezuschusste Kombilöhne favorisiert. Die
SPD setzt stärker auf einen Mindestlohn.
(Quelle: rtr)
SPD will 'Hartz IV'-Missbrauch ächten
So.25.06.06 - Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck hat vor Missbrauch von
Sozialleistungen gewarnt. Die «Hartz»-Reformen seien zu
optimistisch geplant worden, sagte Struck der «Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung». Man sei von einem «zu
positiven Menschenbild» ausgegangen und hätte nicht
erwartet, dass viele Empfänger dieses System ausnutzen
würden. Er betonte: «Niemand hat erwartet, dass Hartz
IV-Berechtigte ihre Kinder ausquartieren mit dem Hinweis: Der Staat
zahlt auch euch die eigene Wohnung.» Schätzungsweise
fünf Prozent aller «Hartz IV»-Empfänger nutzten
«die Solidarität unseres Systems» aus.
Früher habe der Weg zum Sozialamt über eine Hemmschwelle
geführt, sagte der Fraktionschef. »Man wählte ihn, wenn
nichts sonst mehr ging.« Heute aber gingen manche Empfänger
von Arbeitslosengeld II zum Arbeitsamt und forderten für sich und
ihre Kinder das Geld wie Gehälter.
Dieser Missbrauch sei zu ächten, forderte Struck: «Wir
müssen deutlich machen, dass das ausgezahlte Geld Steuerzahlergeld
ist, Cent um Cent hart erarbeitet.» Er fügte aber hinzu,
dass er eine Generalrevision von «Hartz IV» ablehne.
«Wir müssen das richtig Begonnene jetzt fortsetzen,
allerdings ohne die Anfangsfehler», sagte der SPD-Politiker.
(Quelle: ddp)