Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertachtundzwanzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Irakischer Ministerpräsident präsentiert nationalen
Versöhnungsplan. US-Militär will Truppen im Irak bis Ende 2007
reduzieren. El Kaida gibt Ermordung entführter russischer
Diplomaten bekannt
Mo.26.06.06 - Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat dem Parlament
am Sonntag einen nationalen Versöhnungsplan vorgelegt. Das 24
Punkte umfassende Papier fordert einen Zeitplan für die
Übernahme aller Sicherheitsaufgaben durch irakische Truppen. Zum
Abzug der US- und britischen Soldaten werden jedoch keine Einzelheiten
genannt. Darüber hinaus sieht der Plan eine Generalamnestie
für Täter vor, die nicht an Terroraktivitäten beteiligt
waren.
Aufständische Mörder entgingen jedoch nicht ihrer Strafe,
sagte Al-Maliki. Zugleich machte er ein Friedensangebot an diejenigen,
die der Gewalt entsagten: «Wer unser Land wieder aufbauen will,
dem reichen wir einen Ölbaumzweig. Und wer auf Töten und
Terror besteht, dem zeigen wir mit der Macht des Gesetzes die Faust, um
unser Land und Volk zu schützen», sagte er unter dem Applaus
der Abgeordneten. Ferner ruft der Plan zum Dialog mit allen
Organisationen außer Al Kaida und Anhängern von
Expräsident Saddam Hussein auf, die zur Teilnahme am politischen
Prozess bereit seien.
US-Soldaten nahmen am Samstag vorübergehend einen führenden
sunnitischen Geistlichen fest. Der Mufti Dschamal al Din Abdul Karim al
Dabban und drei seiner Söhne hätten sich sieben Stunden lang
in Gewahrsam befunden, teilte die einflussreiche sunnitische Vereinigung
Muslimischer Gelehrter mit. Die US-Streitkräfte erklärten,
Soldaten hätten bei einer Razzia in einem Haus bei Tikrit
fünf Terrorverdächtige festgenommen.
Erst später hätten sie festgestellt, dass einer von ihnen ein
ranghoher Scheich sei. Ihnen sei auch nicht bewusst gewesen, dass das
Haus einem Scheich gehöre. Einer der Verdächtigen habe
Verbindungen zu ranghohen Al-Kaida-Mitgliedern und spiele nach
Geheimdiensterkenntnissen zwischen Bakuba und Tikrit eine wichtige Rolle
in dem Netzwerk.
Der Scheich sei «ein islamisches und nationales Symbol»,
hieß es in einer Stellungnahme der Irakischen Islamischen Partei,
der größten politischen Gruppierung der Sunniten im Irak.
Seine Festnahme könnte die Sicherheitslage weiter verschlechtern.
Tikrit ist die Heimatstadt des gestürzten Präsidenten Saddam
Hussein.
Bei einem Bombenanschlag in Bagdad kamen am Samstag zwei irakische
Polizisten ums Leben, drei weitere wurden verletzt. Der Sprengsatz
explodierte nach Angaben eines Polizeisprechers in einem
überwiegend von Schiiten bewohnten Viertel im Norden der irakischen
Hauptstadt.
Die derzeit knapp 130 000 Soldaten starken US-Truppen im Irak sollen
nach einem Plan der amerikanischen Militärführung bis Ende
2007 drastisch reduziert werden.
Die Tagezeitung «The New York Times» berichtete am Sonntag
unter Berufung auf ein streng vertrauliches Papier des
Oberkommandierenden der US-Streitkräfte im Irak, General George
Casey, der Truppenabbau solle im kommenden September beginnen. Dann
sollten zunächst zwei der Kampfbrigaden, die regelmäßig
ausgewechselt werden, nicht wieder ersetzt werden. Das entspräche
einer Reduzierung der Zahl der amerikanischen Soldaten im Irak um etwa
7000. Bis Ende 2007 solle die Zahl der Kampfbrigaden von derzeit 14 auf
5 bis 6 verringert werden.
Unklar blieb, wann wie viele Angehörige der anderen Truppenteile,
die die meisten der knapp 130 000 Soldaten im Irak stellen, nach dem
Plan abgezogen werden sollen. Im republikanisch beherrschten US-Senat
war am Donnerstag ein Vorstoß gescheitert, bereits bis Juli 2007
alle amerikanischen Soldaten aus dem Irak nach Hause zu holen. Nach dem
Bericht der «New York Times» sieht der von General Casey
vorgelegte Plan aber einen einschneidenderen Truppenabbau vor als von
Experten erwartet. Die US-Regierung macht den Abzug ihrer Truppen davon
abhängig, inwieweit es der irakischen Regierung gelingt, die
Kontrolle im Land zu übernehmen.
Japan begann am Sonntag mit dem Abzug aus dem Irak. Ein Sprecher in
Tokio erklärte, ein erstes Vorauskommando habe die Grenze zu Kuwait
gegen 07.50 Uhr überschritten. Bislang waren rund 600 japanische
Soldaten am Wiederaufbau der Infrastruktur des Iraks beteiligt. Sie
waren entsprechend der japanischen Verfassung nicht bewaffnet und auch
nicht für Kampfeinsätze ausgerüstet.
Ministerpräsident Junichiro Koizumi hatte den Rückzug der
japanischen Bodentruppen erst am Dienstag angekündigt.
Vier im Irak entführte russische Diplomaten sind offenbar ermordet
worden. Die Terrororganisation El Kaida im Zweistromland teilte mit,
die Russen seien hingerichtet worden. Auf einer von der Gruppe in der
Vergangenheit mehrfach genutzten Internetseite, sind Bilder und kurze
Videoaufnahmen einer Hinrichtung zu sehen. In früheren
Erklärungen hatten die Entführer gefordert, die russischen
Truppen müssten Tschetschenien verlassen. Die vier Diplomaten
waren am 3. Juni entführt worden.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 26.06.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertdreiundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Iran hält sich Antwort-Termin offen
Mo.26.06.06 - Der Iran will sich bei seiner Antwort auf das Vorschlags-Paket zur
Beilegung des Atomstreits nicht auf einen Termin festlegen.
Der Sprecher des Außenministeriums in Teheran, Hamid-Reza Assefi,
ließ am Sonntag offen, ob der Iran erst Mitte August auf das
Angebot der Vetomächte des Weltsicherheitsrats und Deutschlands
antworten will, wie es Präsident Mahmud Ahmadinedschad
angekündigt hat. «Wir haben niemals ein genaues Datum genannt
und nur gesagt: im Laufe des (am 23. Juli beginnenden persischen)
Monats Mordad», sagte Assefi in Teheran.
Unterdessen betonte der türkische Außenminister Abdullah
Gül auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem iranischen
Kollegen Manucher Mottaki, alle Staaten der Welt seien gehalten, nach
einer friedlichen Lösung des Atomstreits zu suchen. Auch die
Türkei werde als Nachbarstaat des Irans eine unterstützende
Rolle bei einer diplomatischen Lösung spielen.
Zum Inhalt einer Botschaft des türkischen Ministerpräsidenten
Recep Tayyip Erdogan an Ahmadinedschad, die Gül überbringen
sollte, wollte der Minister nichts sagen. Auch zur Forderung der
internationalen Gemeinschaft nach einem Stopp der Urananreicherung nahm
er nicht Stellung. Ein Mitglied der türkischen Delegation sagte
jedoch, Gül habe den Iran zum Einlenken in dieser Frage
gedrängt.
Die Vetomächte im Weltsicherheitsrat und Deutschland haben dem
Iran eine enge Zusammenarbeit unter anderem bei der Atomenergie
angeboten, falls Teheran sein Urananreicherungsprogramm stoppt.
Andernfalls will der Westen, der den Iran verdächtigt, eine
Atombombe zu entwickeln, Sanktionen gegen Teheran durchsetzen.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Treffen von Abbas und Hanija endet ohne Durchbruch
Mo.26.06.06 - Ein weiteres Spitzentreffen von Palästinenserpräsident Mahmud
Abbas und Regierungschef Ismail Hanija ist ohne Durchbruch in der
strittigen Frage des künftigen Verhältnisses mit Israel zu
Ende gegangen. Die beiden Politiker hätten ein weiteres Treffen in
Gaza vereinbart, sagte Regierungssprecher Ghasi Hamad. Auch dabei sollte
es um ein Kompromissdokument zur Zwei-Staaten-Lösung gehen, das
einen Ausweg aus dem ungelösten Machtkampf zwischen Abbas'
Fatah-Bewegung und Hanijas radikalislamischer Hamas bringen soll.
Derweil rückte die israelische Armee nach einem Angriff
palästinensischer Extremisten in den Gazastreifen vor.
Kurz vor ihrem Gespräch hatten Hanija und Abbas ein geplantes
Treffen rivalisierender Palästinensergruppierungen im Rahmen des so
genannten nationalen Dialogs abgesagt. Zur Begründung hieß
es, die beiden Spitzenpolitiker wollten zunächst eine Vereinbarung
ausarbeiten, die dann den Gruppierungen vorgelegt werden solle.
Die Hamas lehnt das Fatah-Papier zur Zwei-Staaten-Lösung bislang
ab. Die von in Israel inhaftierten Palästinenserführern
vorgelegte so genannte Gefangeneninitiative, sieht die Schaffung eines
palästinensischen Staates in Koexistenz mit Israel vor. Nach
bisheriger Planung wollte Abbas die Palästinenser gegen den
Widerstand der Hamas-Regierung am 26. Juli über den Entwurf
abstimmen lassen. Dann hatte er jedoch angedeutet, dass eine Einigung in
den Gesprächen mit der Hamas die Volksabstimmung
überflüssig machen könne.
(Quelle: afp)
Zwei Soldaten und zwei Palästinenser bei Gaza-Grenzangriff
getötet
Mo.26.06.06 - Erstmals seit dem israelischen Abzug aus dem Gazastreifen im
vergangenen September sind zwei Soldaten bei einem Angriff militanter
Palästinenser im Grenzbereich getötet worden. Mindestens zwei
Palästinenser wurden getötet. Nach Angaben beider Seiten waren
am Morgen acht Palästinenser durch einen unterirdischen Tunnel auf
israelisches Gebiet bei Kerem Schalom vorgedrungen. In drei Gruppen
griffen sie zwei Panzerfahrzeuge und den israelischen
Militärposten mit Panzerfäusten und Handgranaten an.
(Quelle: dpa)
Sudan untersagt UN bis auf weiteres Arbeit in Darfur
Mo.26.06.06 - Der Sudan hat den Vereinten Nationen (UN) bis auf weiteres ihre Arbeit
in der Krisenregion Darfur verboten.
Die Regierung in Khartum warf UN-Helfern am Sonntag vor, einen
Rebellenchef in einem Hubschrauber transportiert zu haben, der das
Friedensabkommen vom 5. Mai ablehnt. "Das Verbot gilt für ganz
Darfur und wird solange aufrechterhalten, bis wir eine Erklärung
erhalten", sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Davon
betroffen sind Projekte des Welternährungsprogramms und des
Kinderhilfswerks Unicef.
Die UN seien von dem Schritt nicht informiert worden, erklärte
eine UN-Sprecherin. "Wir haben die Medienberichte ebenfalls gesehen,
aber wir haben keine formelle und offizielle Bestätigung dafür
von der sudanesischen Regierung erhalten." Die Sprecherin wollte sich
nicht dazu äußern, ob die UN tatsächlich den
Rebellenanführer transportiert haben.
Bei dem Rebellenchef handelt es sich den sudanesischen Angaben zufolge
um Suleiman Adam Jamous. Das sei eine ungeheuerliche Verletzung der
Souveränität des Sudan, sagte der Außenamtssprecher.
"Die Behörden wurden nicht konsultiert, es wurde nicht um Erlaubnis
gefragt." Jamous war bis zu seinem Bruch mit der größten
Rebellengruppe im November ihr Koordinator für humanitäre
Fragen und der Hauptansprechpartner für die 14.000 Helfer in der
Region.
Das Friedensabkommen war lediglich von der größten
Rebellengruppe SLA unterzeichnet worden. Zwei kleinere Gruppen lehnen es
ab. In Darfur kämpfen seit 2003 die Rebellen gegen die Regierung.
Zehntausende Menschen kamen in dem Konflikt ums Leben, mehr als 2,5
Millionen Menschen sind auf der Flucht. Die UN drängen auf einen
Einsatz eigener Friedenssoldaten in Darfur, um den Bürgerkrieg
dort einzudämmen. Die Regierung in Khartum weigert sich bislang.
Derzeit sollen rund 7000 Soldaten der Afrikanischen Union Darfur
sicherer machen
(Quelle: rtr)
Deutschland
Koalition verschiebt Entscheidung über Reformen erneut
Mo.26.06.06 - Die Spitzen von Union und SPD haben die Entscheidung über die
geplante Gesundheits- und die Unternehmenssteuerreform erneut
verschoben. Nach einer rund siebenstündigen Sitzung des
Koalitionsausschusses sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla in
der Nacht zum Montag in Berlin, für beide Reformprojekte seien
Prüfaufträge vergeben worden. Die Koalitionsführung
wolle erst am kommenden Sonntag entscheiden.
CSU-Generalsekretär Markus Söder erklärte: «Das
wird eine ganz entscheidende Woche werden.» Bei der
Gesundheitsreform sei die Finanzierung weiter ungeklärt.
Söder und Pofalla betonten, 45 Milliarden Euro aus Steuermitteln
in das Gesundheitssystem zu stecken, wie von SPD-Politikern gefordert
worden war, «wird es mit der Union nicht geben». Der
CDU-Generalsekretär erklärte, bei der Gesundheitsreform gebe
es noch «keinerlei Festlegung in der Sache.»
Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck sagte nach dem Treffen: «Wir sind
auf dem Wege.» Entscheidungen sollten am kommenden Sonntag
fallen. Er persönlich sei dafür, Steuermittel in das
Gesundheitssystem zu geben. Andere seien da eher zögerlich.
Während es bei der Gesundheitsreform noch erhebliche Differenzen
gab, zeichnet sich bei der Unternehmenssteuerreform nach Angaben von
Teilnehmern eine rasche Einigung ab. Es gebe zwar noch eine Reihe von
Streitpunkten. Union und SPD hätten aber bekräftigt, dass die
Eckpunkte am 12. Juli im Kabinett beschlossen werden sollten. Ein
schneller Kompromiss sei möglich. Zunächst müssten aber
noch mehrere Modelle durchgerechnet werden.
Um die Eckpunkte zu beraten, soll am 2. Juli eine weitere Sitzung des
Koalitionsausschusses stattfinden. Ursprünglich war geplant, dass
am kommenden Sonntag nur die Siebenerrunde der Partei- und
Fraktionschefs sowie Vizekanzler Franz Müntefering zusammenkommen
sollen, um abschließend die Eckpunkte der Gesundheitsreform
festzulegen.
(Quelle: ap)
Schwarzarbeit entspricht mehr als acht Millionen Vollzeitstellen
Mo.26.06.06 - In der deutschen Schattenwirtschaft verbergen sich nach
Expertenschätzung mehr als acht Millionen Vollzeitstellen. Das
Magazin «Focus» meldete unter Berufung auf den
Volkswirtschaftler der Universität Linz, Friedrich Schneider, der
Umfang der illegalen Beschäftigung im laufenden Jahr entspreche
rechnerisch 8,124 Millionen
«Vollzeit-Inlandsschwarzarbeitern». Hinzu kämen 925.000
zeitweilige Schatten-Jobber aus dem Ausland.
Den durchschnittlichen Lohn einer Schwarzarbeiterstunde veranschlagt
Schneider dem Bericht zufolge auf zwölf Euro. Daraus ergebe sich
ein Volumen der Schwarzarbeit in Höhe von 345,5 Milliarden Euro.
Das seien zwar 700 Millionen Euro weniger als im Vorjahr, aber immer
noch knapp 15 Prozent des offiziellen Bruttoinlandsprodukts. Für
2007 rechne Schneider wegen der Mehrwertsteuererhöhung und der so
genannten Reichensteuer wieder mit einer Zunahme um drei bis vier
Milliarden Euro: «Den Deutschen geht die Arbeit nicht aus -
höchstens die offizielle,» zitierte das Magazin den
Wissenschaftler.
2004 waren die Zahlenangaben Schneiders dramatischer. Da hatte der
Professor für Volkswirtschaftslehre von der
Johannes-Kepler-Universität in Linz die Zahl der Schwarzarbeiter in
Deutschland mit 10,6 Millionen und den volkswirtschaftlichen Schaden
mit 370 Milliarden Euro angegeben. Schneider beschäftigt sich seit
über 20 Jahren mit dem Thema Schattenwirtschaft.
(Quelle: ap)
Kultur
Kathrin Passig gewinnt 30. Ingeborg-Bachmann-Preis
Mo.26.06.06 - Die deutsche Autorin Kathrin Passig hat in Klagenfurt den 30.
Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Die 36-Jährige, die im
bayerischen Deggendorf geboren wurde und in Berlin lebt, erhielt die mit
25 000 Euro dotierte Auszeichnung für ihren Text «Sie
befinden sich hier».
Darin erzählt sie von einer Figur, die sich im Riesengebirge
verirrt und langsam im Schnee erfriert. Die Jury lobte den Text als
«ungewohnt witzig», als «kluge und komische Geschichte
vom Nicht-Überleben» und präzise Schilderung vom
«Überlebenskampf unseres Denkens und Erzählens».
Passig setzte sich mit ihrem Beitrag gegen 17 weitere Bewerber aus
Deutschland, Österreich und der Schweiz durch. Bei dem
dreitägigen Wettbewerb im ORF-Theater Klagenfurt lesen Autoren, die
bereits literarische Texte publiziert haben, auf Einladung eines der
neun Juroren aus bislang unbekannten Texten. Die Jury debattiert im
Anschluss an die Lesungen über die vorgestellten Beiträge und
entscheidet in offener Abstimmung über die Preisträger.
Die Verleihung des 30. Preises fiel auf den Tag, an dem die
Namensgeberin Ingeborg Bachmann 80 Jahre alt geworden wäre. In
Gedenken an die aus Klagenfurt stammende Dichterin (1926-1973) war der
Wettbewerb 1977 ins Leben gerufen worden. Unter den bisherigen
Preisträgern waren Gert Jonke, Ulrich Plenzdorf, Sten Nadolny,
Katja Lange-Müller und im Vorjahr Thomas Lang. Insgesamt wurden
fünf Preise im Gesamtwert von 54.500 Euro vergeben.
(Quelle: dpa)
Mehr unter:
http://bachmannpreis.orf.at