Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertneunundzwanzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
40 Tote bei Anschlägen auf irakische Marktbesucher. Erste positive
Resonanz auf Al-Malikis Versöhnungsplan
Di.27.06.06 - Bombenanschläge auf zwei belebte irakische Märkte haben am
Montagabend mindestens 40 Menschen das Leben gekostet. Fast 90
Marktbesucher wurden bei den Explosionen in Bakuba und Hilla verletzt.
Im 60 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Bakuba detonierte
ein auf ein Fahrrad montierter Sprengsatz und riss 25 Menschen in den
Tod. 33 weitere seien verletzt worden, sagte der Direktor des
Leichenschauhauses der überwiegend von Sunniten bewohnten Stadt,
Ahmed Fouad.
Der Anschlag ereignete sich kurz nach einem Blutbad auf dem zentralen
Marktplatz der mehrheitlich von Schiiten bewohnten Stadt Hilla, die
rund 90 Kilometer südlich von Bagdad liegt. Bei diesem ersten
Anschlag gab es 15 Tote und 56 Verletzte. Die Bombe explodierte, als
gerade zahlreiche Menschen für das Abendessen einkauften. Die
Überlebenden richteten ihre Wut teilweise gegen die Polizisten,
weil diese den Anschlag nicht hatte verhindern können: Bei ihrer
Ankunft auf dem Markt wurden die Sicherheitskräfte mit Steinen und
dem Ruf «Nieder mit der Polizei» empfangen.
Auf den Versöhnungsplan des irakischen Ministerpräsidenten
Nuri al-Maliki gibt es nach offiziellen Angaben eine erste positive
Reaktion: Sieben sunnitische Aufständischen-Gruppen streben eine
Waffenruhe unter der Initiative an. Das teilte ein Sprecher der
Dawa-Partei Al-Malikis, Hassan al Suneid, am Montag in Bagdad mit.
Al Suneid nannte nur die Namen von sechs der sieben Gruppen, die von
Beobachtern als weniger bedeutend eingestuft werden: Die
Al-Aschrin-Brigaden, die Mohammed-Armee, Abtal al Irak (Helden Iraks),
die Gruppe 9. April, die Al-Fatah-Brigaden und die Brigaden des
Generalkommandos der Streitkräfte. Die Bereitschaft dieser Gruppen
zu einer Waffenruhe unter dem am Sonntag vorgestellten
Versöhnungsplan könnte auf eine wachsende Kluft zwischen
irakischen Aufständischen aus dem Umfeld des gestürzten
Regimes von Saddam Hussein und den brutaleren und ideologischeren
Kämpfern des Terrornetzwerks Al Kaida hindeuten, die meist aus dem
Ausland kommen sollen.
Al-Malikis 24 Punkte umfassendes Papier fordert einen Zeitplan für
die Übernahme aller Sicherheitsaufgaben durch irakische Truppen.
Zum Abzug der US- und britischen Soldaten werden jedoch keine
Einzelheiten genannt. Darüber hinaus sieht der Plan eine
Generalamnestie für Täter vor, die nicht an
Terroraktivitäten beteiligt waren.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 27.06.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertvierundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.27.06.05 - US-Präsident Bush bittet Landsleute um Geduld beim Irak-Krieg.
Rumsfeld: Aufständische vielleicht erst in zwölf Jahren
besiegt +++ 41 Tote bei Selbstmordanschlägen im Irak +++ USA führen
Geheimgespräche mit Rebellen im Irak
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0506270.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Kalaschnikows bleiben 'beliebtestes Mordwerkzeug' weltweit
Di.27.06.06 - Weil sie so einfach zu beschaffen sind, werden
Kalaschnikow-Schnellfeuergewehre noch in den nächsten 20 Jahren das
"beliebteste Mordwerkzeug" weltweit bleiben. Dies geht aus einer
gemeinsamen Studie von Amnesty International, Oxfam und dem
Internationalen Aktionswerk zu Kleinwaffen (IANSA) anlässlich der
Kleinwaffen-Konferenz der Vereinten Nationen hervor. Weltweit
dürften zwischen 50 und 100 Millionen Kalaschnikow-Gewehre oder
Nachbauten im Umlauf sein.
Nicht nur fast die Hälfte aller Streitkräfte weltweit haben
laut der Studie AK-Schnellfeuergewehre in ihrem Arsenal; wegen ihrer
einfachen Handhabung und ihrer Robustheit seien sie auch das bevorzugte
Kampfmittel von Rebellen, Milizen und bewaffneten Banden. Die
massenhafte Verbreitung habe dazu geführt, dass AK-47 in "solch
unterschiedlichen Ländern wie Afghanistan, Großbritannien,
der Demokratischen Republik Kongo, Irak, Mexiko, Sierra, Leone, den USA,
Venezuela und Jemen" eingesetzt würden. "Massaker,
Verstümmelungen, Vergewaltigungen und Misshandlungen sind die
Folge", heißt es in der Studie weiter.
Vor allem in den Entwicklungsländern sei das AK-47 zum "Inbegriff
für Zerstörung, Terror und Menschenrechtsverletzungen aller
Art geworden". In den Händen marodierender Banden und
Kindersoldaten werde das Sturmgewehr schnell zu einem unberechenbaren
und wahllosen "Mordwerkzeug". In Konfliktgebieten in Afrika sei eine
gebrauchte Kalaschnikow bereits ab 30 Dollar zu bekommen.
Das halbautomatische Schnellfeuergewehr AK-47 wurde während des
Zweiten Weltkriegs für die sowjetischen Streitkräfte
entwickelt. Zur Serienreife gelangte es aber erst 1947.
Die drei Organisationen forderten von der zweiwöchigen
UN-Konferenz Regelungen zu einer stärkeren Kontrolle der Produktion
der Sturmgewehre und ihres Handels. Der Erfinder, General Michail
Kalaschnikow, bedauerte das Fehlen eines internationalen
Waffenhandelsabkommens. Er werde oft gefragt, ob er sich schuldig
fühle, angesichts des menschlichen Leids, das durch das AK-47
verursacht werde: "Natürlich bin ich traurig und frustriert, wenn
ich bewaffnete Kämpfer sehe, die meine Waffe missbrauchen". Aber es
seien nicht die Entwickler, die letztendlich die Verantwortung
dafür übernehmen müssten, wo und wie Gewehre eingesetzt
würden, "es sind die Regierungen, die ihre Produktion und ihren
Export kontrollieren müssen".
(Quelle: afp)
Sieben pakistanische Soldaten bei Selbstmordanschlag getötet
Di.27.06.06 - Bei einem Selbstmordanschlag nahe der Grenze zu Afghanistan sind am
Montag sieben pakistanische Soldaten getötet und fünf weitere
verletzt worden. Wie die pakistanischen Sicherheitskräfte weiter
mitteilten, sprengte sich der Attentäter an einem Kontrollposten
sechs Kilometer östlich von Miranshah in der Provinz
Nord-Waziristan in die Luft. Die Soldaten befanden sich den Angaben
zufolge vor einer Moschee. Der Attentäter zündete den
Sprengsatz, als er von den Soldaten an einem Kontrollpunkt zum
Aussteigen aufgefordert wurde. In Nord-Waziristan in den pakistanischen
Stammesgebieten gehen die Sicherheitskräfte gegen
fundamentalistische Taliban-Kämpfer aus Afghanistan und
mutmaßliche Mitglieder des internationalen Terrornetzwerks El
Kaida vor.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Israel droht Palästinenserpräsident Abbas mit Abbruch der
Kontakte
Di.27.06.06 - Israel hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas einen Tag nach
der Verschleppung eines Soldaten in den Gazastreifen mit dem Abbruch der
Kontakte gedroht. Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman forderte
die internationale Gemeinschaft auf, ebenfalls Druck auszuüben.
Militante Palästinenser hatten gestern einen israelischen
Grenzposten am Rand des Gazastreifens angegriffen, zwei Soldaten
getötet und einen entführt. Sie fordern eine Freilassung
palästinensischer Gefangener im Austausch für den
19-Jährigen.
(Quelle: dpa)
Umstrittener Regierungschef Osttimors tritt zurück
Di.27.06.06 - Wenige Wochen nach den schweren Unruhen in Osttimor ist der umstrittene
Regierungschef Mari Alkatiri zurückgetreten. Er wolle damit eine
Verschärfung der Krise abwenden, erklärte Alkatiri in der
Hauptstadt Dili. Der charismatische und beliebte Präsident Xanana
Gusmão hatte zuvor seinen Rücktritt angedroht, sollte der
Ministerpräsident sein Amt nicht zur Verfügung stellen.
Kritiker warfen Alkatiri vor, mit der Entlassung zahlreicher Soldaten
schwere Unruhen ausgelöst zu haben, bei denen im Mai mindestens 21
Menschen getötet wurden.
Die Interessen seiner Heimat stünden an oberster Stelle,
hieß es in einer Erklärung, die Alkatiri auf der Veranda
seines Amtssitzes auf Portugiesisch, der Landessprache Tetun und
Englisch verlas. Mit seinem Rücktritt habe er auch verhindern
wollen, das Gusmão zurücktrete. Der einstige Führer des
militärischen Widerstandes gegen die indonesische Besatzungsmacht,
der in der Bevölkerung noch große Popularität
genießt, hatte Alkatiri in der vergangenen Woche ultimativ
aufgefordert, die Verantwortung für die Krise zu übernehmen.
Alkatiri widersetzte sich bis zuletzt dem Ultimatum des Staatschefs.
Noch am Sonntag bestätigte ihn die regierende Fretilin-Partei als
Generalsekretär im Amt. Aus Protest gegen die Entscheidung der
Partei reichten Außen- und Verteidigungsminister José
Ramos-Horta sowie Verkehrsminister Ovidio de Jesus Amaral und
Vize-Gesundheitsminister Luis Lobato ihren Rücktritt ein.
Auf den Straßen Dilis wurde die Entscheidung Alkatiris bejubelt.
Bei der osttimoresischen Bevölkerung war der Regierungschef
unbeliebt. Ihm wurden vor allem die Unruhen im Mai angelastet.
Auslöser war die im März von Alkatiri angeordnete Entlassung
von rund 600 der insgesamt 1400 Regierungssoldaten. Rund 2200
ausländische Soldaten wurden zur Wiederherstellung von Ruhe und
Ordnung in das kleine Land entsandt.
Schon vor dem Gewaltausbruch wurde Alkatiri Arroganz und
Fehlentscheidungen vorgeworfen, unter anderem die versuchte Abschaffung
des obligatorischen Religionsunterrichts in dem katholischen Land. An
seinem Parlamentsmandat will Alkatiri festhalten.
(Quelle: afp)
Chinesische Polizei verhindert Pressekonferenz von Kritikerinnen
Di.27.06.06 - Die chinesische Polizei hat am Montag in einem Pekinger Hotel vier
Frauen daran gehindert, Reporter über Polizeibrutalität auf
dem Land zu informieren. Polizisten erschienen kurz vor der
Veranstaltung und führten einen Reporter aus dem Hotelzimmer. Der
Sohn einer der vier Frauen sagte später, diese hätten ihm
telefonisch mitgeteilt, dass sie in ihrem Heimatbezirk Xiong
zurückgebracht würden. Eine von ihnen sei verletzt worden.
Die Frauen aus der zentralchinesischen Provinz Hebei werfen der Polizei
vor, Anzeigen wegen Vergewaltigung und Körperverletzung nicht
nachgegangen zu sein. Als die Frauen versucht hätten, dieses
Verhalten anzuzeigen, hätten die Polizisten sie geschlagen, bedroht
und unrechtmäßig in Gewahrsam genommen. Bereits am Sonntag
war dieselbe Gruppe von Frauen daran gehindert wurden, eine
Pressekonferenz abzuhalten.
In China erlaubt es das Gesetz, Beschwerden über die Polizei bei
den Zentralbehörden in Peking einzureichen. Häufig versuchen
Betroffene auch, sich an die Medien zu wenden.
(Quelle: ap)
Türkische Journalistenverbände protestieren gegen
Antiterrorgesetz
Di.27.06.06 - Türkische Journalistenverbände protestieren gegen ein neues
Antiterrorgesetz der Regierung, das diese Woche vom Parlament in Ankara
verabschiedet werden soll. Das neue Gesetz richte sich gegen die Presse
und die Meinungsfreiheit, erklärte der Journalistenverband CGD, wie
die reformorientierte Tageszeitung "Radikal" am Montag meldete. Die
angedrohten Strafen für Medien und Journalisten begünstigten
zudem die Selbstzensur. Der Verband TGS kritisierte, die geplanten
Maßnahmen seien schlimmer als die Beschränkungen in
Putsch-Zeiten. Der Rechtsausschuss des türkischen Parlaments hatte
den Entwurf des Antiterrorgesetzes in der vergangenen Woche angenommen;
in den kommenden Tagen steht laut "Radikal" die Schlussabstimmung im
Plenum bevor.
(Quelle: afp)
Italiener lehnen Verfassungsreform ab
Di.27.06.06 - Die Italiener haben sich mit deutlicher Mehrheit gegen eine
Verfassungsreform für mehr Autonomie der 20 Regionen
ausgesprochen. 61,7 Prozent der Wähler stimmten laut offiziellen
Ergebnissen gegen die Reform. Regierungschef Romano Prodi sagte, die
Italiener hätten sich gegen ein Gesetz entschieden, in dem die
Mitte-Links-Regierung eine Gefahr für die Stabilität der
republikanischen Institutionen sehe. Das Projekt war von der
konservativen Vorgängerregierung unter Silvio Berlusconi
angestoßen worden.
An dem Referendum beteiligten sich nach Angaben von Innenminister
Giuliano Amato 53,6 Prozent der 50 Millionen italienischen Wähler.
Die Reform sah mehr Autonomie in den Bereichen Gesundheit, Ausbildung
und Polizei, die Umwandlung des Senats in ein föderales Gremium
sowie die Stärkung der Befugnisse des Regierungschefs vor. In den
südlichen Regionen sprachen sich 74,8 Prozent der Wähler
gegen die Reform aus, im Landesinneren 67,7 Prozent. Aber auch in den
nördlichen Regionen, wo traditionell Lega-Nord-Wähler stark
vertreten sind, stimmten 52,6 Prozent der Wähler dagegen.
Der Chef der rechtspopulistischen Liga Nord, Umberto Bossi, zeigte sich
als Verfechter der Reform enttäuscht. Bossi sagte der
Nachrichtenagentur Ansa, er sei ein "wenig enttäuscht", aber "wir
müssen weiter machen". "Wir werden es wieder versuchen", sagte er.
Der Liga-Nord-Europaabgeordnete Francesco Speroni schlug schärfere
Töne an. "Die Italiener ekeln mich an, (...), weil sie sich nicht
modernisieren wollen."
Prodi hatte im Vorfeld für ein Nein zu der Reform geworben, weil
er mit ihr eine Teilung des Landes in Reiche und Arme befürchtete.
Auch die italienische Kirche hatte vor sozialen Ungleichheiten durch
die Reform gewarnt.
(Quelle: afp)
Weltweit größte Stahlunternehmen fusionieren
Di.27.06.06 - Nach fünfmonatigem Abwehrkampf gibt der europäische
Stahlkonzern Arcelor nach: Die Unternehmensführung stimmte einer
Übernahme durch den weltweit größten Stahlkonzern,
Mittal Steel, zu. Mit dem Zusammenschluss der Nummern eins und zwei der
Branche entsteht das weltweit mit Abstand größte
Stahlunternehmen mit einer Jahresproduktion von rund 118 Millionen
Tonnen. Das ist mehr als dreimal so viel wie die Produktion des
nächstgrößten Konkurrenten, Nippon Steel aus Japan.
Arcelor hatte sich seit Januar vehement gegen die Übernahme
gewehrt, zuletzt legte Mittal aber nach Angaben aus Unternehmenskreisen
ein verbessertes Angebot im Wert von rund 27,6 Milliarden Euro vor.
Einzelheiten der Entscheidung sollen auf einer gemeinsamen
Pressekonferenz der beiden Konzerne mitgeteilt werden. Der
Verwaltungsrat von Arcelor hatte am Sonntag neun Stunden lang in
Luxemburg beraten. Der luxemburgische Wirtschaftsminister Jeannot
Krecké bestätigte anschließend die Empfehlung des
Gremiums für Mittal.
Ausschlaggebend war womöglich, dass Mittal sein
Übernahmeangebot verbesserte: Nach Angaben aus Unternehmenskreisen
bot der Konzern 40,37 Euro je Arcelor-Aktie. Das wären fast drei
Euro mehr pro Aktie als zuvor. Arcelor als größter
europäischer Stahlkonzern hatte bis zum Schluss daran festgehalten,
kein Angebot von weniger als 40 Euro pro Aktie zu akzeptieren.
Mittal hatte Ende Januar ein Übernahmeangebot für Arcelor von
zunächst 28,21 Euro pro Aktie veröffentlicht. Von dem
europäischen Konzern waren die Pläne umgehend als feindlich
abgelehnt und seither erbittert bekämpft worden. Arcelor-Chef Guy
Dollé hatte vor einigen Wochen sogar einen Einstieg des
russischen Unternehmens Severstal bei Arcelor eingefädelt, um
Mittal auf Abstand zu halten.
Vor wenigen Tagen nahm Arcelor dann doch direkte Verhandlungen mit
Mittal auf. Nun muss Arcelor den Russen womöglich wegen
Vertragsbruchs eine Strafe in Höhe von 130 Millionen Euro zahlen.
Mittal ist bereits jetzt der größte Stahlhersteller der
Welt. Zusammen mit Arcelor entsteht ein Konzern mit weltweit 320.000
Mitarbeitern, davon knapp 17.000 in Deutschland - vor allem bei Arcelor
Bremen und Eko-Stahl in Eisenhüttenstadt. Der gemeinsame Umsatz
läge bei rund 69 Milliarden Dollar.
(Quelle: afp)
Deutschland
Koalition vereinbart über zwei Milliarden Einsparungen bei
Gesundheit
Di.27.06.06 - Die große Koalition hat sich bislang auf Einsparungen von mehr
als zwei Milliarden Euro im Gesundheitswesen verständigt. Das sagte
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag in Berlin. Den genauen
Betrag nannte er nicht. Die Frage, ob den Versicherten
Leistungskürzungen drohen, ließ er unbeantwortet.
Wie das erwartete Defizit von sieben bis zehn Milliarden Euro 2007 voll
gedeckt werden soll, blieb ebenfalls offen. Dies werde diese Woche in
der Koalitionsarbeitsgruppe Gesundheit besprochen, sagte der Sprecher
des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater. «Die werden da auch eine
Lösung finden.»
Vater nannte einige Beispiele für vereinbarte Strukturreformen,
die «die Krankenversicherung insgesamt sparsamer und effizienter
machen» und den «Wirkungsgrad der eingesetzten Gelder»
erhöhen sollen. Dazu zählte er mehr Vertragsfreiheit zwischen
Krankenkassen und Leistungserbringern wie Ärzten und
Krankenhäusern und eine Kosten-Nutzen-Analyse für Arzneien.
Ziel sei unter anderem, die Vermeidung von Doppeluntersuchungen, die
Milliardenbeträge verschlängen.
Wilhelm betonte, dass verbindliche Vereinbarungen zur Gesundheitsreform
erst am kommenden Sonntag getroffen werden. Dies sei «das
entscheidende Gespräch». Bis dahin hat nach seinen Worten
alles vorläufigen Charakter. Dies sagte er auf Fragen nach einer
Einigung der Koalition, Steuergelder in die Krankenversicherung
fließen zu lassen.
Im Mittelpunkt stehe nicht die Einnahmeseite, betonte Wilhelm. Es gehe
um eine Gesamtkonzeption, die mehr Wettbewerb und mehr Transparenz ins
Gesundheitssystem bringe. Eine Teilfinanzierung der Krankenversicherung
über Steuern werde in jedem Fall «einen längeren
Zeitraum in Anspruch» nehmen.
Der Sprecher des Finanzministeriums, Torsten Albig, bestätigte,
dass das Ministerium Prüfaufträge zur möglichen
Gegenfinanzierung von Steuerzuschüssen an die Krankenversicherung
habe. Dabei werde man sich stärker auf direkte Steuern wie die
Einkommensteuer konzentrieren, weniger auf indirekte Steuern wie die
Mehrwertsteuer. Voraussetzung für eine stärkere
Steuerfinanzierung des Systems seien einerseits eine «massive
Ausgabensenkung im System» und andererseits Beitragssenkungen.
(Quelle: ap)
IG Metall kritisiert Koalitionspläne zu Gesundheitsreform
Di.27.06.06 - Die IG Metall hat die Pläne der Regierungskoalition zur Reform des
Gesundheitssystems scharf kritisiert.
"Sollten sich diese Pläne bestätigen, steht das Ende der
sozialen solidarischen Krankenversicherung bevor", sagte
Gewerkschaftschef Jürgen Peters am Montag in Frankfurt. Er warf der
Koalition vor, sie versuche, die Reform hinter verschlossenen
Türen durchzusetzen, während die Öffentlichkeit von der
Fußball-WM abgelenkt sei.
Die Pläne von SPD und Union bürden den Arbeitnehmern aus
Gewerkschaftssicht einseitig die Kosten der Reform auf. Sozial Schwache
würden künftig vor die Wahl gestellt, zwischen kaum
verkraftbaren Kopfpauschalen und einer minderwertigen Versorgung zu
wählen. Pauschalen sollen die Kassen nach Vorstellungen der Union
von den Versicherten erheben können, wenn das Geld, das sie aus dem
zu schaffenden Gesundheitsfonds erhalten, nicht zur Deckung der Kosten
ausreicht.
"Wer kann, wechselt zu den Kassen, die niedrige Beiträge haben und
hohe Boni zahlen", sagte Peters zur Folge des zu erwartenden
schärferen Wettbewerbs unter den Kassen. "Ein solcher
Krankenkassen-Tourismus würde unser solidarisches System in
Kürze ruinieren." Die Gewerkschaft forderte, die paritätische
Beteiligung der Arbeitgeber an der Krankenversicherung beizubehalten.
Zur Finanzierung der Kassen sollten die Senkungen der
Einkommensteuersätze der vergangenen Jahre rückgängig
gemacht werden und die privaten Krankenversicherungen abgeschafft werden.
Union und SPD hatten sich am Sonntag grundsätzlich auf eine
Steuerfinanzierung des Gesundheitssystems verständigt. Nach Angaben
von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) ist ein Spielraum von 16
bis 24 Milliarden Euro Steuermitteln im Gespräch. Einigkeit
erzielten Union und SPD auch darüber, die private
Krankenversicherung in die geplante Reform miteinzubeziehen, ohne
allerdings ihre Existenz zu gefährden. Details dazu soll in
Gesprächen in den nächsten Tagen geklärt werden. Der
Gesundheitsfonds, aus dem Krankenkassen künftig eine feste Summe
für jeden Versicherten erhalten sollen, ist mittlerweile nach
Angaben aus Koalitionskreisen "allseits akzeptiert". Bis kommenden
Sonntag will die Koalition die Eckpunkte für die Gesundheitsreform
vorlegen.
(Quelle: rtr)
Experten bei Anhörung für bessere Bedingungen für
Illegale
Di.27.06.06 - Eine deutliche Verbesserung der Bedingungen für illegale Migranten
haben eine ganze Reihe von Experten im Bundestag verlangt. Bei einer
öffentlichen Anhörung des Innenausschusses sprachen sich
Sachverständige unter anderem dafür aus, dem "Prinzip der
Menschenwürde" den Vorrang vor staatlichen Kontrollinteressen
einzuräumen, wie der Pressedienst des Parlaments mitteilte. So
dürften Ärzte nicht weiter dazu verpflichtet werden, illegale
Einwanderer melden zu müssen. Forderungen nach Abschaffung der
Meldepflicht lehnte hingegen etwa das hessische Innenministerium ab.
Bei der Anhörung forderten Cornelia Goesmann von der
Bundesärztekammer Berlin und Ute Koch vom Katholischen Forum Leben
in der Illegalität, dass die Meldepflicht für Ärzte
abgeschafft wird. Ärzte seien verpflichtet, ihrer Patienten
unabhängig vom Status zu versorgen. Sie hätten derzeit in
dieser Frage keine Rechtssicherheit. Koch hob hervor, derzeit
befänden sich diejenigen, "die Menschen in Notsituationen helfen,
in einer rechtlichen Grauzone". Der frühere Richter am
Bundesverfassungsgericht, Bertold Sommer, sagte, "das Prinzip der
Menschenwürde muss letztlich Vorrang haben".
Dagegen sagte Wilfried Schmäing vom hessischen Innenministerium,
es sei die Aufgabe, den illegalen Aufenthalt von Menschen zu beenden.
Die Meldepflicht für öffentliche Einrichtungen solle
beibehalten werden: "Warum soll der Staat seinen Angestellten erlauben,
den illegalen Aufenthalt hinzunehmen". Winfried Kluth von der
Universität Halle-Wittenberg sagte, illegale Migranten seien nicht
nur "schicksalhaft Gestrandete", sondern auch Personen mit "kriminellen
Intentionen". Das geltende Gesetz räume Ermessensspielräume
ein. Die Forderung nach Abschaffung der Meldepflicht sei daher eine
"Überreaktion".
Im Mittelpunkt der Anhörung standen ein Gesetzentwurf der
Grünen zur Verbesserung der Situation von Ausländern ohne
Aufenthaltsstatus und ein Antrag der Linksfraktion zur Geltung der
Menschenrechte. Michael Bommes von der Universität Osnabrück
wies nach Angaben der Parlamentspressedienstes darauf hin, dass
illegale Einwanderung immer Ausdruck der Leistungsschwäche von
Staaten bei der Kontrolle sei. Menschen, die sich auf dem Territorium
eines Staates befänden, hätten aber ein "Recht auf
Erfüllung elementarer Lebensbedürfnisse". Neben der
medizinischen Versorgung verwies er dabei unter anderem auch auf die
Erziehung der Kinder.
(Quelle: afp)