Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
1,3 Millionen Iraker im eigenen Land vertrieben. Zweiter Prozess gegen
Saddam Hussein beginnt am 21. August. Erneut etwa 450 irakische
Häftlinge aus Gefängnis entlassen
Mi.28.06.06 - Seit dem Bombenanschlag auf eines der wichtigsten schiitischen
Heiligtümer vor vier Monaten sind im Irak rund 150.000 Menschen
aus ihren Häusern geflohen. Die Vereinten Nationen erklärten
am Dienstag in New York, derzeit seien insgesamt 1,3 Millionen Iraker
im eigenen Land auf der Flucht. Das entspreche etwa fünf Prozent
der Bevölkerung.
In ihrer Stellungnahme äußerte sich die UN-Mission im Irak
(UNAMI) besorgt über die wachsende Gewalt seit dem Bombenanschlag
auf die Askarija-Moschee in Samarra Ende Februar. Als Vergeltung
für den Anschlag griffen Schiiten sunnitische Moscheen und
Geistliche an. Die UNAMI erklärte, im gesamten Land seien
Angehörige aller Volksgruppen auf der Flucht. So hätten in
den vergangenen zwei Wochen rund 3.200 Familien die Stadt Ramadi wegen
einer Militäroperation unter US-Führung verlassen.
Der irakische Expräsident Saddam Hussein muss sich ab 21. August
wegen Massenmords an den Kurden im Nordirak vor Gericht verantworten.
Das Sondertribunal, das bereits wegen eines Massakers im schiitischen
Dorf Dudschail gegen Saddam Hussein verhandelt, kündigte am
Dienstag die Eröffnung eines weiteren Verfahrens an. Der
Expräsident und sechs seiner Mitarbeiter sind wegen einer
Militärkampagne im Nordirak angeklagt, die in den 80er Jahren rund
100.000 Kurden das Leben kostete.
International wurde die Operation «Anfal» vor allem durch
einen Giftgasangriff auf die Stadt Halabdscha im Jahr 1988 bekannt.
Allein dort gab es 5.000 Tote. Verantwortlich für den Einsatz von
Senfgas und anderen Nervengiften zeichnete damals Saddam Husseins Cousin
Ali Hassan Madschid, genannt «Chemie-Ali».
Angeklagt sind außerdem der damalige Verteidigungsminister Sultan
Haschim Ahmad, der frühere Geheimdienstchef Saber Abdul Asis al
Duri, ein ehemaliger Befehlshaber der Republikanischen Garde, Hussein al
Tikriti, der frühere Militärkommandeur Farhan Mutlak al
Dschuburi und der Ex-Gouverneur der Provinz Ninive, Taher Tafwik al Ani.
Die Anklage zur Operation «Anfal» wurde bereits im April
veröffentlicht, sie lautet auf Völkermord und Verbrechen gegen
die Menschlichkeit.
Im laufenden Verfahren wegen des Massakers in Dudschail werden im Juli
die Schlussplädoyers erwartet. Er gehe davon aus, dass die Richter
ihr Urteil noch vor Eröffnung des zweiten Prozesses am 21. August
fällen würden, sagte Staatsanwalt Dschaafar al Mussawi. Saddam
Hussein könnte im Fall Dudschail mit dem Tode bestraft werden,
vollstreckt würde das Urteil aber wohl erst nach Abschluss
sämtlicher Verfahren gegen den Expräsidenten.
Die neue irakische Regierung veröffentlichte derweil Einzelheiten
des nationalen Versöhnungsplans, den Ministerpräsident Nuri
al-Maliki dem Parlament am Sonntag vorgelegt hatte. Entlassenen
Häftlingen solle die Rückkehr in die Gesellschaft erleichtert
werden, teilte das Kabinett am Montag mit. So sollten ehemalige
Regierungsangestellte, die aus dem Gefängnis entlassen werden,
wieder in ihre Ämter eingesetzt werden. Auch Studenten, die einige
Zeit in Haft verbracht hätten, sollten trotz der entstandenen
Fehlzeiten ihr Abschlussexamen für das laufende Schuljahr ablegen
können.
Nach Angaben führender irakischer Abgeordneter haben sieben
Rebellengruppen erklärt, sie strebten eine Waffenruhe unter der
Initiative Al Malikis an. Es soll sich aber um vergleichsweise kleine
Gruppen handeln.
Die Gewalt im Irak hielt unterdessen an: Bei Bombenanschlägen auf
zwei belebte irakische Märkte kamen am Montagabend mindestens 40
Menschen ums Leben, fast 90 weitere wurden verletzt. Die erste Bombe
explodierte auf dem zentralen Marktplatz der überwiegend von
Schiiten bewohnten Stadt Hilla, rund 90 Kilometer südlich von
Bagdad. 15 Menschen wurden getötet. Wenig später riss eine auf
ein Fahrrad montierte Bombe im mehrheitlich sunnitischen Bakuba 25
Marktbesucher in den Tod.
Am Dienstag wurden bei einem Autobombenanschlag auf eine Tankstelle in
Kirkuk mindestens drei Menschen getötet und 17 verletzt. Bei
Gefechten in der Provinz Anbar kamen nach US-Angaben zwei amerikanische
Soldaten ums Leben, ein dritter fiel einem Bombenanschlag südlich
von Bagdad zum Opfer.
Die irakischen Behörden haben am Dienstag erneut rund 450
Häftlinge aus irakischen und US-Gefängnissen entlassen. Der
nationale Sicherheitsberater Muwaffak el Rubaje wies die in Abu Ghraib
westlich von Bagdad versammelten Gefangenen darauf hin, dass ihre
Freilassung Teil des Versöhnungsplans von Ministerpräsident
Nuri el Maliki sei. "Dies ist keine politische Finte, sondern ein
ehrlicher Versuch, den Irak auszusöhnen und zu einen", sagte
Rubaje. Insgesamt wurden damit in diesem Monat bereits 2500
Häftlinge entlassen. Ein US-Militärsprecher sagte, keiner der
Freigelassenen habe sich an schweren Vergehen wie Attentaten, Morden,
Folter oder Geiselnahmen beteiligt.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 28.06.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertfünfundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.28.06.05 - Blair nennt Verhandlungen mit Aufständischen vernünftig +++
Iraks Ministerpräsident Al Dschaafari erwartet Sicherheit im Irak
in zwei Jahren +++ Mindestens vier Tote bei Bombenanschlag in Bagdad +++
Syrien bereitet Wiedereröffnung der Botschaft in Bagdad vor +++
Bomben, Arbeitslose, Internetzugänge: Die Zahlen des
souveränen Iraks...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0506280.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Mehr als 20 Tote bei Gefechten und Anschlägen in Afghanistan
Mi.28.06.06 - Bei Gefechten im Süden Afghanistans sind am Dienstag mindestens 20
Menschen ums Leben gekommen, darunter zwei britische Soldaten. Bei einem
Anschlag im Norden des Landes, der sich gegen ein regionales
Wiederaufbau-Team (PRT) der internationalen Afghanistan-Schutztruppe
ISAF richtete, wurden zudem zwei einheimische Zivilisten getötet.
Die britische Einheit sei am Morgen im Sangin-Tal der südlichen
Provinz Helmand von Rebellen angegriffen worden, teilte das
Verteidigungsministerium in London mit. Die Soldaten hätten das
Feuer erwidert und fünf mutmaßliche Taliban-Kämpfer
getötet.
Etwa 30 Kilometer weiter nördlich, im Bezirk Mussa Kala,
entbrannte ein Gefecht zwischen afghanischen Soldaten und Rebellen.
Dabei seien elf Aufständische und zwei Soldaten ums Leben gekommen,
teilte der Befehlshaber der afghanischen Streitkräfte in
Südafghanistan mit, General Rahmatullah Rufi.
Der Anschlag auf das PRT wurde in der nordafghanischen Provinz Kundus
verübt, wo die Bundeswehr rund 350 Soldaten stationiert hat. Ob es
sich bei den angegriffenen Soldaten um Deutsche handelte, war
zunächst aber unklar. Nach Angaben der afghanischen Polizei
zündete ein Selbstmordattentäter in der Nähe des
ISAF-Konvois eine Autobombe. Die Soldaten blieben unverletzt, der
Täter riss jedoch zwei Afghanen mit in den Tod, acht weitere wurden
verwundet. Unter den Verletzten seien vier Kinder, sagte der Polizeichef
von Kundus, Abdul Rahman Aktasch.
Die US-Streitkräfte teilten unterdessen mit, sie hätten
bereits am Montag bei einer Razzia in Kooperation mit afghanischen
Soldaten zehn Aufständische getötet. Der Einsatz habe sich
gegen den Unterschlupf eines Waffenproduzenten in der Provinz Urusgan
gerichtet, erklärten die Streitkräfte.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hamas erstmals zu impliziter Anerkennung Israels bereit
Mi.28.06.06 - Die palästinensische Hamas-Bewegung hat sich erstmals implizit zur
Anerkennung Israels bereit erklärt. Nach zähen Verhandlungen
stimmten die rivalisierenden Palästinensergruppen einem Abkommen
zur nationalen Einigung zu, das von Palästinenserpräsident
Mahmud Abbas zur Grundlage einer Friedensregelung erklärt wurde.
Israel bezeichnete den Sinneswandel der Hamas als "interne
Angelegenheit" der Palästinenser.
"Mit der Beteiligung von Vertretern aller islamischen und nationalen
Kräfte, der Zivilgesellschaft und des privaten Sektors haben wir
ein Versöhnungsabkommen beschlossen", sagte der Vertreter der
Einigungsinitiative, Ibrahim Abu Nadscha, in Gaza. Ohne Einzelheiten zu
nennen, sprach er von gewissen Änderungen gegenüber der so
genannten Gefangeneninitiative, die von Präsident Abbas verfochten
wird.
Im Kern sieht der Plan, der nur von der Gruppe Islamischer Dschihad
nicht anerkannt wurde, die Schaffung eines palästinensischen
Staates im Gazastreifen und im Westjordanland vor. Unausgesprochen wird
das Existenzrecht Israels anerkannt. Der Text wurde von führenden
palästinensischen Politikern ausgearbeitet, die in Israel
einsitzen. Abbas hatte gedroht, er werde zu der Initiative ein
Referendum ansetzen, wenn sie von der Hamas-Regierung nicht mitgetragen
werde.
Die US-Regierung nahm die Nachricht vom Durchbruch bei den
Verhandlungen zwischen den Palästinenserfraktionen mit
Zurückhaltung auf. Die bisherigen Verlautbarungen über das
Abkommen zur nationalen Einigung seien "vage", sagte
Präsidentensprecher Tony Snow in Washington. Die USA hielten an
ihren Forderungen an die in den Palästinensergebieten regierende
Hamas fest: der Anerkennung des Existenzrechts Israels, dem Verzicht
auf Gewalt und der Anerkennung bisheriger Friedensvereinbarungen.
(Quelle: afp)
Israel startet Offensive zur Befreiung des entführten Soldaten
Mi.28.06.06 - Mit Panzern und Bodentruppen ist die israelische Armee in der Nacht zum
heutigen Mittwoch im Gazastreifen eingerückt. Ziel des Einsatzes
sei die Befreiung eines am Sonntag verschleppten Soldaten, sagte ein
Militärsprecher. Zuvor hatten Kampfjets mehrere Brücken sowie
ein Elektrizitätswerk im Gazastreifen angegriffen. In weiten
Teilen des Autonomiegebiets fiel der Strom aus. Eine militante
palästinensische Gruppe drohte mit der Ermordung eines
entführten Siedlers.
Auf das einzige Elektrizitätswerk von Gaza seien mindestens neun
Raketen abgefeuert worden, teilten palästinensische
Sicherheitskräfte mit. In der Anlage brach ein Brand aus, den die
Feuerwehr zunächst nicht unter Kontrolle bringen konnte.
Außerdem wurden drei Brücken aus der Luft angegriffen. Durch
ihre Zerstörung ist der Gazastreifen nach palästinensischen
Angaben in zwei Hälften geteilt. Nach israelischen
Militärangaben sollte verhindert werden, dass die Entführer
des 19-jährigen Soldaten Gilad Schalit ihre Geisel innerhalb des
Autonomiegebiets an einen anderen Ort bringen oder über die Grenze
nach Ägypten fliehen.
Soldaten und Panzer bezogen laut Augenzeugen Positionen östlich
der Stadt Rafah. Palästinenser verschanzten sich in Erwartung
einer Offensive hinter Mauern und Sandwällen. Rund um Gaza-Stadt
gingen maskierte Extremisten in Stellung. Mitglieder von drei
militanten Gruppen erklärten, sie hätten am Mittwochmorgen
eine Rakete auf die israelische Ortschaft Nahal Os abgefeuert.
Nach Beginn der israelischen Offensive drohte das palästinensische
Volkswiderstandskomitee (PRC), einen entführten jüdischen
Siedler zu ermorden. «Wir sind mit unserer Geduld am Ende»,
hieß es in einer Erklärung der Gruppe, die am Montag
mitgeteilt hatte, sie habe nicht nur Schalit, sondern auch einen
Zivilisten im Westjordanland verschleppt.
UN-Generalsekretär Kofi Annan rief die Konfliktparteien im Nahen
Osten zur Zurückhaltung auf. Er habe sich beim
palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas für eine
Freilassung des entführten Soldaten eingesetzt, sagte Annan am
Dienstag. Am Mittwoch wolle er mit dem israelischen Regierungschef Ehud
Olmert sprechen und versuchen, eine Eskalation zu verhindern. Er stehe
in Kontakt zu allen, die einen Einfluss auf die Lage hätten. So
habe er auch mit dem syrischen Präsidenten Baschar Assad
telefoniert. Es gehe darum, die gegenwärtige Situation zu
entschärfen.
(Quelle: ap)
Umweltverschmutzung gefährdet laut UN Entwicklung in Afrika
Mi.28.06.06 - Die Vereinten Nationen haben vor gefährlichen Auswirkungen der
Umweltzerstörung auf die Entwicklung in Afrika gewarnt. In einem
am Dienstag veröffentlichten Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP)
hieß es, mehr als 70 Prozent der Afrikaner seien für ihr
Überleben von den natürlichen Ressourcen des Kontinents
abhängig. Wenn dem Umweltschutz keine Priorität
eingeräumt werde, sei die afrikanische Wirtschaft stark
gefährdet.
In dem 542 Seiten starken Bericht wurden die globale Erwärmung,
genetisch veränderte Organismen und die wachsende Produktion von
Chemikalien als Bedrohungen für Afrika genannt.
UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner betonte, im Umweltschutz lägen
viele Chancen für den Kontinent. Entgegen der verbreiteten Ansicht
gebe es viele Wasserressourcen. Diese müssten angemessen verwaltet
und verteilt werden. Wenn die Politik sich aber nicht verändere,
drohe Afrika noch tiefer in die Armut zu rutschen, sagte Steiner.
(Quelle: ap)
Putin schlägt USA neue Verhandlungen zur atomaren Abrüstung
vor
Mi.28.06.06 - Der russische Präsident Wladimir Putin hat den USA am Dienstag
neue Verhandlungen zur Abrüstung bei den strategischen Atomwaffen
vorgeschlagen. Es gehe zuerst einmal um einen Ersatz für das 2009
auslaufende START-Abkommen, sagte Putin laut einem Bericht der
Nachrichtenagentur Interfax. Er sprach sich in einer Grundsatzrede vor
dem diplomatischen Korps auch für eine grundlegende Neuordnung der
weltweiten Sicherheitsstruktur aus.
«Wir sind an dem Punkt angelangt, an dem die Modernisierung der
ganzen Architektur der globalen Sicherheit notwendig ist»,
erklärte Putin. Er rufe die USA deshalb in einem ersten Schritt zu
neuen Verhandlungen über das Abkommen zu Begrenzung der Atomwaffen
auf, das 1991 von den USA und der damaligen Sowjetunion unterzeichnet
wurde. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern müssten dabei
auf «gleichen Rechten und gegenseitigem Respekt» beruhen,
erklärte der russische Präsident.
Mit Bezug auf den Streit über das iranische Atomprogramm
erklärte Putin, dass sich Russland in dieser Frage nicht an
Ultimaten beteiligen werde. Dies könne in eine Sackgasse
führen. Die USA und Europa haben den Iran gedrängt,
möglichst schnell auf ein Angebot zu reagieren, das umfangreiche
Vergünstigungen für die Regierung in Teheran vorsieht, wenn
sie auf die Urananreicherung verzichtet. Der Westen verdächtigt den
Iran, nach Atomwaffen zu streben. Die Regierung in Teheran betont
hingegen, dass es ihr um die friedliche Nutzung der Kernenergie gehe und
dass sie den Brennstoff dafür auch selbst herstellen wolle.
(Quelle: ap)
Deutschland
Ifo-Geschäftsklima steigt im Juni auf Rekordhoch
Mi.28.06.06 - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni
überraschend aufgehellt und ist so gut wie seit 15 Jahren nicht
mehr.
Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 106,8 von 105,7 Punkten, wie
das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am
Dienstag mitteilte. Die rund 7000 befragten Unternehmen bewerteten ihre
aktuelle Situation besser als im Mai: Der Lageindex kletterte auf 109,4
von 107,3 Punkten. Auch ihre Geschäftsaussichten beurteilten die
Firmen etwas optimistischer, der Erwartungsindex kletterte auf 104,2 von
104,0 Punkten. "Der konjunkturelle Aufschwung erweist sich damit erneut
als robust", erklärte das Ifo-Institut. Die Situation in weiten
Teilen der Wirtschaft bessere sich spürbar und deutlich, sagte
Ifo-Experte Klaus Abberger der Nachrichtenagentur Reuters. Auch der
Konsum belebe sich: "Wir erwarten eine weiterhin solide Entwicklung, die
nach wie vor an Breite gewinnt."
Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt
damit gerechnet, dass der Ifo-Index auf 105,0 Punkte sinkt. "Das ist
eine deutliche positive Überraschung", sagte Ralph Solveen von der
Commerzbank. Sebastian Wanke von der DekaBank sagte, der Verlauf der
Fußball-WM habe wohl die Stimmung der Unternehmen beflügelt:
"Die vom Ifo-Institut befragten Unternehmen sind anscheinend schon im
Finale." Der Anstieg sei ein Grund zur Euphorie, kommentierte Gerd
Hassel von der BHF-Bank. Im zweiten Quartal werde das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) kräftig wachsen.
Die Volkswirte sind sich jedoch einig, dass die Dynamik der Wirtschaft
wegen der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung im weiteren Verlauf
des Jahres zurückgehen wird. Im kommenden Monat werde der Blick -
nach der WM - stärker auf den Jahreswechsel gerichtet sein, wo
wegen der Steuererhöhung ein deutlich schwächere privater
Konsum zu erwarten sei, sagte Wanke: "Der eigentliche Lackmus-Test
für den Ifo-Index steht im Juli an."
Derzeit schiebe vor allem die Industrie, die von der boomenden
Weltwirtschaft profitiert, die Konjunktur an, sagte Scheuerle.
Allerdings waren die Exporterwartungen der Unternehmen im Juni etwas
weniger optimistisch als im Mai. Die Laune bei den Einzelhändlern
und im Baugewerbe verbesserte sich.
Angesichts der sich weiter aufhellenden Konjunktur in Deutschland sieht
Abberger Spielräume für weitere Zinserhöhungen der
Europäischen Zentralbank (EZB), allerdings sollten diese allenfalls
in kleinen Schritten erfolgen: "Die Notwendigkeit von den Preisen her
ist nicht so, dass man schnell und unmittelbar reagieren müsste."
Der überraschende Anstieg des Ifo-Index belastete den für die
europäischen Rentenmärkte Richtung weisenden Bund-Future, der
nach Veröffentlichung der Daten ins Minus drehte und neun Ticks
tiefer bei 114,95 Zählern notierte. Der Euro stieg zeitweise
über 1,26 Dollar.
(Quelle: rtr)
Föderalismusreform: Grüne wollen geschlossenes Vorgehen der
Opposition
Mi.28.06.06 - Die Grünen streben ein geschlossenes Vorgehen der Opposition bei
der Föderalismusreform an. Wie ein Fraktionssprecher am Dienstag
mitteilte, haben die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Renate
Künast und Fritz Kuhn ihren Amtskollegen von FDP und Linksfraktion
per Brief vorgeschlagen, gemeinsame Änderungsanträge
einzubringen. Weitgehende Übereinstimmung bei den
Oppositionsfraktionen bestehe etwa hinsichtlich der Komplexe Bildung und
Wissenschaft sowie Umweltrecht.
In dem Brief an FDP-Chef Guido Westerwelle sowie die Vorsitzenden der
Linksfraktion Gregor Gysi und Oskar Lafontaine vom Montagabend wurde dem
Sprecher zufolge darauf hingewiesen, dass das Kooperationsverbot
zwischen Bund und Ländern auch für Schulen fallen müsse.
Die Zusammenarbeit ist bislang nach einem Kompromiss vom Montag nur in
der Wissenschaft erlaubt. Beim Umweltrecht gehe es um bundeseinheitliche
Standards, die auch für Investitionsentscheidungen von Unternehmen
wichtig seien, hieß es in Fraktionskreisen.
(Quelle: ap)
Verbände kritisieren Verbraucherinformationsgesetz
Mi.28.06.06 - Umwelt- und Verbraucherorganisationen haben die große Koalition
eindringlich davor gewarnt, das geplante Verbraucherinformationsgesetz
in seiner jetzigen Form zu verabschieden. Der Entwurf von Minister Horst
Seehofer (CSU) sei «in keiner Weise geeignet», Verbrauchern
für bewusste Kaufentscheidungen zeitnah Informationen von
Behörden und Unternehmen bereitzustellen, hieß es in einer
Erklärung von Greenpeace, Deutscher Umwelthilfe und BUND.
Der im Koalitionsvertrag verankerte Anspruch, Verbraucherpolitik
müsse «ein Gleichgewicht zwischen Verbraucher- und
Geschäftsinteressen suchen», werde massiv verletzt,
hieß es. Nicht die versprochene «gleiche
Augenhöhe» sei das Ziel des Gesetzes, sondern der Schutz der
Wirtschaft vor Auskunftsbegehren der Bürger.
Greenpeace, DUH und BUND äußerten die Befürchtung, dass
das geplante Regelwerk das bestehende Kräfteungleichgewicht
zwischen Verbrauchern auf der einen sowie Behörden und Unternehmen
auf der anderen Seite gesetzlich festklopft, statt es zu beseitigen. Als
Beispiel nannten Experten der Umweltorganisationen den Skandal um
umetikettiertes Gammelfleisch, Pestizide in Obst und Gemüse und die
Kontamination von Obst- und Gemüsesäften in Kartonverpackungen
mit der Druckchemikalie Isopropylthioxanton (ITX).
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Pestizidanwendung fördert Parkinson - Studie belegt 70 Prozent
erhöhtes Risiko
Mi.28.06.06 - Ein Forscherteam der Bostoner Harvard School of Public Health hat in
einer Studie festgestellt, dass die Anwendung von Pestiziden das Risiko
an Parkinson zu erkranken um 70 Prozent erhöht. Sie stellten fest,
dass es dabei irrelevant ist, ob die Pestizide beruflich zur
Schädlingsbekämpfung oder privat zu Hause im Garten genutzt
werden, denn die gesundheitsgefährdenden Folgen sind ähnlich.
Die Forschungsergebnisse werden in der Juli-Ausgabe des Magazins Annals
of Neurology veröffentlicht.
In der 1982 begonnenen Studie wurden 143.000 Männer und Frauen
über einen umfangreichen Fragebogen zu ihrem Lebensstil, ihrer
Berufstätigkeit und der Anwendung von potenziell riskanten
Materialien befragt. Alle Probanden waren zu dieser Zeit ohne Symptome
von jeglichen Krankheiten. 2001 erfolgte dann eine Nachbereitung der
Studie durch weitere Fragebögen. Sie ermittelten daraufhin 413
Parkinsonerkrankte.
Die Forscher untersuchten ebenfalls die Verbindung von Parkinson und
anderen Umweltfremdstoffen wie Asbest, Kohlenstaub, Abgase, Formaldehyde
und radioaktivem Material, fanden aber keinen Zusammenhang zwischen der
Krankheit Parkinson und den Materialien. Zukünftig wollen sie
untersuchen wie Häufigkeit, Dauer oder Intensität von
Pestiziden die Erkrankung an Parkinson beeinflussen und welche
Chemikalien besonders gefährdend sind.
Parkinson ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung.
Sie betrifft bestimmte Gebiete des Gehirns, die an der Kontrolle der
willkürlichen und unwillkürlichen Bewegung beteiligt sind.
"Die Ursachen von Parkinson sind noch bisher nicht
geklärt",erklärt Sonja Franke, Leiterin der
Öffentlichkeitsarbeit vom Kompetenznetz Parkinson [http://www.kompetenznetz-parkinson.de]
, im Gespräch mit pressetext (pte). Es seien multifaktorielle
Ursachen wie Pestizide oder Drogen als Giftstoffe oder auch genetisch
bedingte Ursachen. Seit langer Zeit vermutet man, dass
Umwelteinflüsse eine große Rolle spielen, denn
Tierforschungen haben bewiesen, dass chemische Zusammensetzungen wie
beispielsweise Pestizide, eine Entartung von Dopamin produzierenden
Neuronen verursachen. Bei Patienten mit Parkinson herrscht ein Mangel an
Dopamin, dadurch entstehen die typischen Krankheitssymptome wie
Muskelzucken und -steifheit, Bewegungsarmut sowie Gang- oder
Gleichgewichtsstörungen.
Vorwiegend erkranken Personen in einem Alter zwischen 50 und 60 Jahren,
Männer sind häufiger von der Krankheit betroffen. "In
Deutschland sind zurzeit 250.000 an Parkinson erkrankt. Eine weit
höhere Dunkelziffer wird vermutet, da die Krankheit sehr spät
erkannt und die Bewegungsarmut meistens erst durch einen Hausarzt
behandelt wird", so Franke. Es gibt rund 100 Patienten pro 100.000 bis
200.0000 Einwohner. Bei einem Alter von 65 erhöht sich diese Zahl
auf 1.800 pro 100.000 Einwohner. Ein an Parkinson erkrankter Patient
könne aber genauso lange leben wie ein Nichterkrankter,
erläutert Franke abschließend.
(Quelle: pte)