Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhunderteinunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Mutmaßliches Al-Kaida-Mitglied im Irak festgenommen. Erneut Tote
bei Kämpfen und Anschlägen. Amerikaner tief gespalten
über Truppenabzug aus dem Irak
Do.29.06.06 - Im Irak ist nach Regierungsangaben ein mutmaßliches
Al-Kaida-Mitglied festgenommen worden, das wegen eines folgenschweren
Anschlags auf ein schiitisches Heiligtum gesucht wurde. Der Tunesier sei
vor einigen Tagen bei einem Gefecht mit Sicherheitskräften
nördlich von Bagdad schwer verletzt worden, teilte der nationale
Sicherheitsberater Muwafak al Rubaie am Mittwoch mit. Der Mann sei an
dem Anschlag auf die Goldene Moschee in Samarra beteiligt gewesen, der
vor vier Monaten eine Welle der Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten
auslöste.
Seit dem Bombenanschlag auf das bedeutende schiitische Heiligtum sind
rund 150.000 Iraker aus ihren Häusern geflohen, wie die Vereinten
Nationen am Dienstagabend mitteilten. Insgesamt seien derzeit 1,3
Millionen Iraker im eigenen Land auf der Flucht. Das entspreche etwa
fünf Prozent der Bevölkerung.
Bei der Festnahme des Tunesiers in einem Dorf nördlich von Bagdad
wurden nach Angaben der irakischen Regierung 15 weitere
ausländische Kämpfer getötet. Der irakische Drahtzieher
des Anschlags sei allerdings noch immer flüchtig. Auch vier
Saudiaraber seien an der Tat beteiligt gewesen, sagte Sicherheitsberater
Al Rubaie.
Am Mittwoch riss ein Selbstmordattentäter in Bakuba ein Opfer mit
in den Tod, zwölf weitere Menschen wurden verletzt. Bei einem
Anschlag auf einen US-Konvoi in Bagdad kam ein irakischer Zivilist ums
Leben. Zudem wurden in der Hauptstadt ein ranghoher Zollbeamter und
dessen Fahrer erschossen.
Die US-Streitkräfte planen keine Disziplinarmaßnahmen gegen
einen Soldaten, der ein Lied über die Tötung einer irakischen
Familie verfasst und vorgetragen hat. Der 23-Jährige habe nicht
gegen den Militärkodex verstoßen, teilte eine
Militärsprecherin am Dienstag in Camp Lejeune in den USA mit.
Dessen ungeachtet sei der Text des Liedes «unangemessen». Es
handelt von einem amerikanischen Soldaten, der sich in eine Irakerin
verliebt und mit ihr nach Hause geht. Die Angehörigen der Frau
erschießen sie und richten dann die Waffe auf den Soldaten,
woraufhin dieser die Familie tötet.
Die Amerikaner sind in der Frage eines Truppenabzugs aus dem Irak tief
gespalten. 50 Prozent der US-Bürger befürworten zwar einer von
der «USA Today» veröffentlichten Gallup- Umfrage
zufolge einen Rückzug der US-Streitkräfte sofort oder
spätestens binnen eines Jahres. Allerdings sprachen sich demnach
auch 41 Prozent dafür aus, die Truppen «so lange wie
notwendig» im Irak zu belassen. 8 Prozent forderten sogar eine
Verstärkung der US-Truppen.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 29.06.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertsechsundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.29.06.05 - Selbstmordanschläge zum Jahrestag der Beendigung der
Besatzungsverwaltung im Irak +++ Alterspräsident des Parlaments in
Bagdad getötet +++ US-Präsident bittet Amerikaner um Geduld im
Irak +++ Mehrheit der US-Bürger lehnt Bushs Irak-Politik ab +++
Angeblich Missbrauch bei Halliburtons Irak-Aufträgen +++
In Istanbul berieten Menschenrechtsorganisationen und Intellektuelle
drei Tage lang über den Krieg in Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0506290.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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US-Außenministerin Rice in Kabul - Rückenstärkung
für Karsai
Do.29.06.06 - US-Außenministerin Condoleezza Rice ist am Mittwoch in
Afghanistan eingetroffen, wo sie für eine bessere Zusammenarbeit
mit dem Nachbarn Pakistan im Kampf gegen die Taliban-Rebellen werben
will.
Bereits am Vortag hatte sich Rice beim pakistanischen Präsidenten
Pervez Musharraf für ein Ende der Unstimmigkeiten zwischen
Afghanistan und Pakistan eingesetzt. "Wir, Afghanistan und Pakistan
werden all unsere Bemühungen vereinen, wie wir es in den
vergangenen Jahren getan haben, mit dem Ziel die Bedrohung durch die
Al-Kaida und die Taliban zu beseitigen", sagte Rice nach dem Treffen mit
Musharraf.
Mit dem Besuch in Afghanistan wollen die USA auch dem Präsidenten
Hamid Karsai den Rücken stärken. Dieser steht wegen des
schleppenden wirtschaftlichen Fortschritts und der anhaltend instabilen
Sicherheitslage im eigenen Land zunehmend unter Druck.
Im vergangenen Monat war es in Afghanistan zu gewaltsamen Protesten
gegen die USA und gegen Karsai gekommen. Zudem eskaliert die Gewalt vor
allem im Süden des Landes, wo die radikal-islamischen Taliban immer
aktiver gegen Armee und Polizei vorgehen.
Auch die von der Nato geführte Schutztruppe wird von
Attentätern immer öfter ins Visier genommen. Am Dienstag
verübte ein Selbstmordattentäter einen Anschlag auf
Bundeswehrsoldaten. Er sprengte sich vor einem gepanzerten Fahrzeug der
Deutschen in die Luft und riss dabei zwei Passanten mit in den Tod. Die
Bundeswehrsoldaten blieben unverletzt.
(Quelle: rtr)
Hohle Lobeshymnen in Kabul
US-Außemninisterin Rice verschleiert die schweren
Rückschläge am Hindukusch
Wer so gelobt wird, der muss wissen, dass etwas faul ist. "Ich kenne
niemanden", sprach die amerikanische Außenministerin Condoleezza
Rice am Mittwoch in Kabul, "der in der internationalen Gemeinschaft
mehr bewundert und respektiert wird als Präsident Karsai". Sie
pries seine Stärke, seine Weisheit, seinen Mut. Und sie
verhieß einen gemeinsamen Sieg im Kampf gegen die Taliban sowie
bei der Schaffung eines demokratischen Afghanistan. Für Hamid
Karsai war das ein'harter Schlag.
Das Gift dieser Lobhudelei liegt nämlich zum einen darin, dass
auch in Washington niemand mehr glaubt, was Rice da sagte. Das
Verhältnis ist von gegenseitiger Enttäuschung geprägt,
manche sehen es sogar als zerrüttet. Zum anderen werden die
Afghanen die hehren, hohlen Worte als Beweis dafür nehmen, dass
ihr Präsident noch immer der Büttel Amerikas ist, eine
Marionette der Befreier, die inzwischen auch am Hindukusch von immer
mehr Menschen als Besatzer gesehen werden. Karsai wird um seiner
Glaubwürdigkeit im Volk willen also in Zukunft seine Kritik an der
US-Strategie noch lauter vorbringen müssen, und es wird ihm damit
noch schwerer fallen, die eingeforderte Unterstützung vom Westen
zu bekommen. Es muss folglich schlimm stehen um Afghanistan, wenn ein
solches Lob vonnöten ist.
Tatsächlich ist Rice in einer Art multipler Feuerwehr-Mission nach
Kabul gereist. Afghanistan durcherlebt die schlimmsten Turbulenzen seit
dem Kriegsende 2001. Allein in den vergangenen drei Monaten sind etwa
1100 Menschen gewaltsam ums Leben gekommen, zumeist Rebellen der
wiedererstarkten Taliban, aber auch Zivilisten und mehr als 30
ausländische Soldaten. Die Gefechte toben vor allem im Süden,
die Anschläge aber erfolgen landesweit - innerhalb von zwei Tagen
wurde nun auch zwei Mal die im ruhigeren Norden stationierte Bundeswehr
zum Ziel, ein Menetekel auch für die Deutschen.
Gründe für den dramatischen Rückschlag im afghanischen
Befriedungsprojekt gibt es zuhauf: die zu lange geduldete Schwäche
der Isaf-Friedenstruppen, Versäumnisse der internationalen
Gemeinschaft beim Wiederaufbau und die Erblast zweier Kriegsjahrzehnte,
die ein zunehmend hilflos wirkender Präsident nicht in den Griff
bekommt. Wegen der real existierenden Machtverhältnisse muss er
die Warlords ins Regieren einbinden und kann den Anti-DrogenKampf nicht
führen, er muss Kompromisse mit Tod und Teufel schließen,
bei denen er am Ende immer verliert. Derweil wenden sich die
enttäuschten Afghanen von
ihrer Führung sowie von den ausländischen Truppen und Helfern
ab, das Land zerfällt - und droht wie so oft in seiner Geschichte
zum Spielball fremder Mächte zu werden.
Das zeigt sich vor allem bei der undurchsichtigen Rolle Pakistans, dem
die Afghanen nicht zu Unrecht eine fortgesetzte Unterstützung der
Taliban, die schon vom dortigen Geheimdienst ISI an die Macht
gepäppelt worden waren, vorwerfen. Rice hat auch hier versucht zu
vermitteln, war vor dem Besuch in Kabul noch in Islamabad, doch auch in
diesem Punkt kann ihre Lobesrhetorik die Gräben nicht
überdecken.
Ein Gesamtkonzept zur Umkehr ist nirgends zu sehen, vielmehr sind die
Interessen in vielem gegenläufig geworden: Der afghanische
Präsident fordert mehr internationale Hilfe, die USA reduzieren
gerade ihre Truppen in Afghanistan; Karsai verlangt mehr Rücksicht
auf die Zivilbevölkerung im Anti-Terror-Krieg Washington
lässt sich dabei von niemandem reinreden. Und auf der anderen
Seite erwarten die USA und die übrigen westlichen Staaten eine
Demokratisierung des Landes nach westlichem Zuschnitt, doch Karsai ist
zu schwach, um gegen alte Traditionen und neue Trends der
Fundamentalisierung anzutreten. Fünf Jahre nach Beginn des
Friedenseinsatzes droht ein böses Erwachen in Afghanistan.
Süddeutsche Zeitung vom 29.06.2006
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Nahost-Konflikt
Soldaten-Entführung deutet auf Bruch in der Hamas hin
Do.29.06.06 - Die Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit hat tiefe
Meinungsverschiedenheiten innerhalb der regierenden
palästinensischen Hamas-Bewegung zutage treten lassen. Die
politische Führung weist einen Bruch mit dem militärischen
Flügel weit von sich, der sich zu der Verschleppung Schalits am
Sonntag bekannte. Zugleich betonte sie, nichts von der Aktion gewusst zu
haben, die eine große israelische Militäroffensive im
Gazastreifen ausgelöst hat.
Die spektakuläre Aktion kam zu einem Zeitpunkt, an dem politische
Führer von Präsident Mahmud Abbas' Fatah und der Hamas
über ein Dokument zur indirekten Anerkennung Israels berieten. Die
Befürwortung einer Zweistaatenlösung bedeutet für die
Hamas die Aufgabe ihrer bisherigen Position, Israel zerstören zu
wollen. Die Einigung auf ein Dokument zur Lösung des
Nahostkonflikts mit einem israelischen und palästinensischen Staat
wurde am Dienstag von Hamas-Sprecher Ibrahim Abu Nadschah bestätigt.
Vertrauten von Abbas kommt das Zusammentreffen von Entführung und
politischer Kehrtwende verdächtig vor. Ihren Angaben zufolge geht
Abbas davon aus, dass der im syrischen Exil lebende Hamas-Führer
Chaled Maschaal persönlich grünes Licht für die
Entführungsaktion gegeben hat, ohne die Hamas-Regierung in Ramallah
zu konsultieren. Das würde erklären, warum die
Hamas-Regierung darauf besteht, nichts davon gewusst zu haben.
Den beiden Abbas-Vertrauten zufolge, die ihren Namen nicht genannt
wissen wollten, haben Maschaals militante Kräfte im internen
Machtkampf der Hamas die Oberhand, weil sie den Geldzufluss der
Organisation kontrollieren. Gleich drei militante Hamas-Gruppen
bekannten sich zur Entführung des 19-jährigen Soldaten:
Issedine al Kassam, die Volkswiderstandskomitees und die Armee des
Islams.
Die Entführung Schalits ist die erste eines israelischen
Militärangehörigen seit zwölf Jahren. Abbas rief 19
ausländische Regierungschefs an, um Unterstützung für
seine Freilassung zu mobilisieren - darunter den syrischen
Präsident Baschar Assad. Es wird vermutet, dass Assad Einfluss und
Druck auf Maschaal ausüben könnte.
Ein Maschaal nahe stehender Hamas-Repräsentant in Beirut, Osama
Hamdan, sagte aber, der exilierte Führer habe nichts mit der
Entführung zu tun. Die Fatah versuche mit dieser Darstellung,
Maschaal zum Ziel für eine israelische Tötungsaktion zu
machen. «Tatsächlich haben wir Drohungen erhalten, Bruder
Chaled zu liquidieren», sagte er. «Wir nehmen sie sehr
ernst.»
Einer der Fatah-Gewährsmänner sieht das anders. Für
Israel habe es nicht der jüngsten Aktion bedurft, um Maschaal auf
die Liste geplanter Liquidierungen zu setzen, sagte er. Israel habe
längst klar gemacht, dass alle Hamas-Führer Ziele solcher
Aktionen sein könnten.
Ein Sprecher der Hamas-Regierung in Gaza, Ghasi Hamad, wies die These
von einem Bruch innerhalb der Hamas als «große
Lüge» zurück. Warum die Hamas-Führung dann nichts
von der Aktion des militärischen Flügels nichts wusste, konnte
er nicht erklären. Die verzweifelte Lage in dem wegen des
internationalen Boykotts gegen die Hamas-Regierung noch weiter ins Elend
abgeglittenen Gazastreifen führe dazu, dass man «ein paar
Widersprüche» finden könne.
Für die Abbas-Berater zeigt der Vorgang, dass die
gemäßigten Kräfte um Hamas-Ministerpräsident Ismail
Hanija und seinem Stellvertreter Nasser Schaer nichts gegen Maschaal
unternehmen könnten. Der Führer der Issedine al Kassam, Ahmad
Dschaabari, stehe im engen Kontakt mit dem Mann in Damaskus.
(Quelle: ap)
Israel nimmt Minister und Abgeordnete der Hamas fest
Do.29.06.06 - Mit Festnahmen von Mitgliedern der palästinensischen Regierung und
zahlreichen Hamas-Abgeordneten hat Israel bei seiner Suche nach einem
verschleppten Soldaten den Druck massiv verstärkt. Die in der
Nacht zum heutigen Donnerstag festgenommenen Politiker könnten
möglicherweise gegen den entführten israelischen Soldaten
ausgetauscht werden, berichtete der Armeerundfunk. Tausende israelische
Soldaten waren bereits am Mittwoch auf der Suche nach ihrem Kameraden
in den Gazastreifen vorgedrungen.
Am frühen Donnerstagmorgen nahmen israelische Truppen im
Westjordanland nach palästinensischen Angaben 20 Hamas-Abgeordnete
sowie sieben Regierungsmitglieder fest. Berichte, wonach auch
Vizeministerpräsident Nasser Schaer betroffen war, stellten sich
später als falsch heraus. Israelische Medien berichteten von
Razzien gegen Hamas-Abgeordnete auch in Jerusalem und weiteren Orten.
Ein im Westjordanland verschleppter israelischer Siedler wurde
unterdessen erschossen aufgefunden. Zur Ermordung des 18-Jährigen
bekannten sich die militanten Volkswiderstandskomitees. Aus
israelischen Sicherheitskreisen hieß es, Eliahu Ascheri sei in
den Kopf geschossen worden. Vermutlich sei der Jugendliche schon am
Sonntag getötet worden, kurz nach seiner Entführung. Seine
Leiche sei nahe Ramallah gefunden worden.
Auch im Gazastreifen verstärkte Israel seine Offensive.
Augenzeugen berichteten am Donnerstagmorgen von einem
Panzervorstoß im Norden nahe dem Flüchtlingslager
Dschebalja. Die israelischen Streitkräfte wiesen die Berichte
jedoch zurück. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert
hat erklärt, zur Befreiung des 19-jährigen entführten
Soldaten Gilad Schalit werde seine Regierung auch vor «extremen
Aktionen» nicht zurückschrecken. Der Militäreinsatz ist
die erste Bodenoffensive im Gazastreifen seit dem Abzug israelischer
Truppen aus dem Autonomiegebiet im September.
Am frühen Donnerstagmorgen feuerte ein israelischer Kampfjet
Raketen in Chan Junis im Süden des Gazastreifens ab. Verletzt
wurde offenbar niemand. Die israelischen Streitkräfte
erklärten, insgesamt seien drei Luftangriffe geflogen worden. Ziel
seien Straßen gewesen, um den Bewegungsspielraum der
Entführer des israelischen Soldaten einzuschränken.
Auch die islamische Universität von Gaza geriet nach Berichten von
Augenzeugen unter Beschuss. Eine von einem israelischen Kampfjet
abgefeuerte Rakete habe ein Loch in einen Hof innerhalb des
Universitätsgeländes geschlagen, hieß es. Die 60
Wachleute wurden evakuiert. Nach Angaben der israelischen
Streitkräfte schlug eine Rakete in ein freies Feld neben der
Hochschule ein.
UN-Generalsekretär Kofi Annan rief alle Seiten zur
Zurückhaltung auf. Er forderte zudem den palästinensischen
Präsidenten Mahmud Abbas sowie Syrien auf, alles in ihrer Macht
Stehende zu tun, um die Freilassung des verschleppten israelischen
Soldaten zu erreichen.
(Quelle: ap)
UNO will über doppelt so viele Soldaten wie AU nach Darfur schicken
Do.29.06.06 - Die Vereinten Nationen wollen vorrausichtlich mehr als doppelt so viele
Soldaten als die Afrikanische Union (AU) zum Einsatz in der
sudanesischen Krisenprovinz Darfur abstellen. Die Friedenstruppe
müsse aus einer Division bestehen, sagte der Chef
UN-Friedensmissionen, Jean-Marie Guéhenno, am Dienstag vor
Journalisten in New York. Dies würde etwa 17.000 Soldaten
entsprechen. Die AU hatte bisher lediglich 7000 Soldaten auf dem Gebiet,
das etwa so groß ist wie Frankreich, stationiert gehabt. Sie galt
als schlecht finanziert und ungenügend ausgerüstet. Die
Soldaten waren kaum in der Lage, die Menschen in dem
Bürgerkriegsland vor Gewalt und Willkür zu schützen.
(Quelle: afp)
Massenproteste gegen australische Arbeitsmarktreform
Do.29.06.06 - Zehntausende Australier haben am Mittwoch in mehreren Städten des
Landes gegen neue Arbeitsmarktgesetze der konservativen Regierung
protestiert. In Melbourne versammelten sich nach Angaben der Polizei
80.000 Menschen, Oppositionsführer Kim Beazley sprach von 150.000.
In Sydney gingen Schätzungen von Polizei und Gewerkschaften zufolge
bis zum 40.000 Menschen auf die Straße. Auch in Brisbane
protestierten nach Polizeiangaben mehr als 10.000 Menschen.
Der Anlass für die Proteste sind neue Arbeitsmarktgesetze, die den
Kündigungsschutz lockern und nach Angaben von Opposition und
Gewerkschaften langfristige die Löhne sinken lassen. Die Regierung
wies die Proteste als Produkt einer Angstkampagne der Opposition
zurück. Arbeitsminister Kevin Andrews sagte, die neuen Gesetze
erlaubten flexiblere Bedingungen für Arbeitnehmer. In Australien
sei die Arbeitslosigkeit so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr, sagte
Andrews weiter.
(Quelle: ap)
Türkei bezeichnet Bedingungen für EU-Beitrittsgespräche
als unfair
Do.29.06.06 - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat das
Verhalten der Europäischen Union zu Beginn der
Beitrittsgespräche seines Landes als unfair bezeichnet. Es sei
nicht gerechtfertigt, dass das Vorankommen der Gespräche von einer
Anerkennung Zyperns abhängig gemacht werde, sagte Erdogan nach
einer Debatte im Europarat vor Journalisten in Straßburg.
Die Außenminister der EU-Mitgliedsstaaten hatten Mitte Juni das
Verhandlungskapitel «Wissenschaft und Forschung» mit der
Türkei zwar abgeschlossen. Dennoch wurden dabei erhebliche
Meinungsverschiedenheiten zwischen der EU und Ankara deutlich.
«Die Zypern-Frage mit den Kapiteln zu verbinden, ist aus
ethischer Sicht absolut unfair», erklärte Erdogan.
«Was haben Wissenschaft, Kultur und Umwelt mit Zypern zu
tun?» Damit würden der Türkei nur Hindernisse in den
Weg gelegt.
Die Türkei hatte im vergangenen Sommer das so genannte
Ankara-Protokoll unterzeichnet, das eine Ausweitung der Zollunion der
Türkei mit der EU auf alle neuen EU-Mitgliedstaaten vorsah.
Allerdings wurde das Dokument bisher nicht umgesetzt.
(Quelle: ap)
Erdogan mahnt mehr religiöse Toleranz an
Do.29.06.06 - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat
wachsende Islam- und Fremdenfeindlichkeit in den reichen westlichen
Staaten beklagt. In der islamischen Welt verstärke sich zugleich
der Eindruck, dass ihre Werte vom Westen angegriffen würden, sagte
Erdogan am Mittwoch im Europarat in Straßburg. Vorfälle wie
der mit den von Muslimen in aller Welt als gotteslästerlich
empfundenen Karikaturen des Propheten Mohammed verstärkten einen
Trend, der aus dem Westen und der islamischen Welt Feinde machen
könnten.
«Ist die Meinungsfreiheit unbegrenzt?» fragte Erdogan. Es
müssten Regeln definiert werden, die den kulturellen und
religiösen Werten verschiedener Gesellschaften Rechnung
trügen. «Alle Freiheiten haben eine Grenze. Man kann keine
grenzenlosen Freiheiten haben - es hat in der Geschichte nie eine
unbeschränkte Meinungsfreiheit gegeben», sagte Erdogan. In
Städten wie London und Paris entstünden wegen mangelnder
Integration muslimischer Einwohner Probleme. «Gesellschaftliche
Integration ist wichtiger denn je», sagte Erdogan und betonte,
dass dazu Anstrengungen beider Seiten notwendig seien.
(Quelle: ap)
EU beansprucht mehr Kompetenzen in Kampf gegen Terror
Do.29.06.06 - Ungeachtet der ablehnenden Haltung Deutschlands hat die EU-Kommission
ihren Anspruch auf mehr Kompetenzen in der Terrorbekämpfung und
der grenzüberschreitenden Polizeiarbeit untermauert.
Kommissionspräsident José Manuel Barroso mahnte am Mittwoch
in Brüssel Schritte an, «um die Sorgen der Bürger bei
einem Thema zu adressieren, bei dem mehr Europa gebraucht wird».
Neben Deutschland wehrt sich vor allem auch Großbritannien
dagegen, in Sicherheitsfragen das Vetorecht aufzugeben.
Die Ausweitung der Brüsseler Kompetenzen müsste von den
Mitgliedstaaten einstimmig beschlossen werden. Nach einem solchen
Beschluss könnten Entscheidungen mit Zweidrittelmehrheit getroffen
werden. Dies ist auch in der auf Eis liegenden EU-Verfassung
vorgesehen. Befürworter des neuen Vertrages wie Bundeskanzlerin
Angela Merkel haben aber davor gewarnt, einzelne Teile der Verfassung
vor Abschluss des Ratifizierungsprozesses in Kraft zu setzen. Barroso
verwies darauf, dass die EU-Staats- und Regierungschefs mit Blick auf
die Terrorgefahr eine engere Zusammenarbeit in der Justiz- und
Innenpolitik beschlossen hätten.
(Quelle: ap)
EU-Kommission will Sparkassen-System in Deutschland aufbrechen
Do.29.06.06 - Die EU-Kommission will die wichtigste Hürde für die
Übernahme von Sparkassen durch Privatbanken beseitigen.
Die Kommission beschloss am Mittwoch in Brüssel, Deutschland
ultimativ zum Ende des Namensschutzes der Sparkassen aufzufordern.
Bislang dürfen sich nur öffentlich-rechtliche Institute
Sparkasse nennen. Dies verstößt nach Einschätzung der
EU-Behörde gegen europäisches Recht. Die Bundesregierung hat
bereits angekündigt, der Forderung nicht nachzukommen und es auf
eine Klage der Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof ankommen
zu lassen.
Ein Fall des Namensschutzes könnte die Grundfesten des
dreigliedrigen deutschen Bankenwesens aus privaten Banken,
Genossenschaftsbanken und öffentlich-rechtlichen Instituten
erschüttern. EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy hatte die nun
beschlossene Verschärfung des Vertragsverletzungsverfahrens
bereits am Dienstag angekündigt.
(Quelle: rtr)
Deutlich weniger Firmenpleiten und mehr Privatinsolvenzen
Do.29.06.06 - Die konjunkturelle Erholung hat nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei
Creditreform im ersten Halbjahr 2006 zu deutlich weniger Firmenpleiten
geführt.
Für das Gesamtjahr rechnet Creditreform nun mit weniger
Unternehmensinsolvenzen als bisher. Zugleich erhöhte sich aber
drastisch die Zahl der privaten Insolvenzen.
Wie Creditreform am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte, schrumpfte
im fast abgelaufenen ersten Halbjahr die Zahl der Firmeninsolvenzen in
Deutschland um 12,8 Prozent auf 16.700 Fälle. Für das gesamte
Jahr erwartet Creditreform nun nur noch 32.000 bis 34.000
Unternehmensinsolvenzen. Im Februar hatte die Auskunftei noch bis zu
38.000 Pleiten vorausgesagt. Hauptgrund für den Rückgang sei
die deutliche Erholung im Baugewerbe und im Einzelhandel, sagte
Vorstandsmitglied Helmut Rödl. Im Baugewerbe ging die
Insolvenzanzahl um 16,8 Prozent zurück auf 3260 Fälle, im
Einzelhandel um 19,1 Prozent auf 3390 Fälle.
Deutlich nach oben weist dagegen die Statistik für
Privatinsolvenzen: Ihre Zahl erhöhte sich im ersten Halbjahr um
40,9 Prozent auf 43.900. Wesentlicher Grund dafür sei der
schwierige Zugang überschuldeter Menschen zur gesetzlich
vorgeschriebenen Schuldnerberatung. Die Wartezeit für eine Beratung
liege inzwischen im Schnitt bei eineinhalb Jahren, beklagte Rödl.
Dadurch werde wertvolle Zeit für Gegenmaßnahmen verschenkt.
Derzeit gebe es 3,13 Millionen überschuldeter Haushalte in
Deutschland, nur jeder achte habe aber Zugang zur Schuldnerberatung.
Angesichts der vielen Wartefälle sei in den nächsten Jahren
mit einem weiteren stürmischen Anstieg privater Insolvenzen zu
rechnen.
Für das Gesamtjahr rechnet Creditreform nun mit 130.000 bis
140.000 Privatinsolvenzen, statt bisher mit maximal 110.000 Fällen.
Im vergangenen Jahr hatte Creditreform nach revidierten Berechnungen
36.850 Unternehmenspleiten und 99.720 private Insolvenzen verzeichnet.
(Quelle: rtr)
Deutschland vergibt weniger Abgasrechte als geplant
Do.29.06.06 - Deutschland wird ab 2008 der Industrie und den Energiekonzernen weniger
Verschmutzungsrechte für Treibhausgase zubilligen als
ursprünglich geplant.
Nach einem Kabinettsbeschluss vom Mittwoch werden 2008 bis 2012
jährlich Zertifikate für den Ausstoß von 482 Millionen
Tonnen Kohlendioxid (CO2) vergeben, teilte ein Sprecher des
Bundesumweltministeriums in Berlin mit. Noch im Frühjahr waren 495
Millionen Tonnen geplant. Hintergrund der Reduzierung ist ein geringerer
Ausstoß in den vergangenen Jahren, der dem neuen Berechnungen zu
Grunde gelegt wurde. Es waren offenbar insgesamt weniger Anlagen mit
geringerem Ausstoß in Betrieb, als in den vergangenen Jahren
erwartet wurde.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel wies Kritik von
Umweltverbänden zurück, er teile zuviele Rechte zu. Die
Klimaschutzziele des Abkommens von Kyoto bis 2012 würden mit dem
Zuteilungsplan nicht gefährdet. Mit Blick auf die Ziele danach
machte er aber deutlich: "Wir müssen beim Klimaschutz wesentlich
mutiger werden." In der nächsten Handelsperiode für die
Zertifikate ab 2012 müsse der Flugverkehr in das System einbezogen
werden. Auch in den Bereichen Verkehr und Gebäudesanierung
müsse erheblich mehr getan werden.
Über den Handel mit Abgasrechten sollen Industrie und
Energieerzeuger zu Einsparungen beim Ausstoß des
klimaschädlichen Kohlendioxids gezwungen werden. Die nationalen
Regierungen in Europa entscheiden, wie viele Abgasrechte in der
Handelsperiode die einzelnen Anlagen von Versorgern und Industrie
zugeteilt bekommen. Fehlende Berechtigungen müssen an der
Börse gekauft oder der C02-Ausstoß muss über
Modernisierungen entsprechend reduziert werden. Wer viel Treibhausgas
durch Modernisierungen einspart, kann seine Zertifikate verkaufen.
An den prozentualen Einsparvorgaben des Bundes für die Kraftwerke
und Produktionsanlagen ändert sich aber gegenüber
früheren Plänen nichts: Versorger erhalten für ihre
Kraftwerke künftig noch 85 Prozent der nötigen
Abgas-Berechtigungen. Die Strom verbrauchende Industrie wird deutlich
besser gestellt. Sie bekommt 98,75 Prozent der nötigen Rechte.
Damit soll ihre Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden.
Kritik auch innerhalb der Regierung hatte sich daran entzündet,
dass die Rechte gratis zugeteilt werden. Die Energiekonzerne rechnen
aber den Börsenpreis der Zertifikate in die Energiepreise ein. Dies
gilt als rechtmäßig. Unter anderem Bundesfinanzminister Peer
Steinbrück (SPD) hatte vorgeschlagen, einen Teil der Rechte zu
verkaufen oder zu versteigern.
Gabriel lehnt dies ab, weil dies die Zertifikate verteuern und dann zu
weiter steigenden Strompreisen führen werde. "Ich glaube, dass man
aufpassen muss, dass man kein trojanisches Pferd vor die Tore des
Bundestages fährt." Das ganze wäre ein Spiel auf dem
Rücken der Verbraucher, sagte der SPD-Politiker.
Der Zuteilungsplan wird Ende des Monats an die EU-Kommission
verschickt. Auf seiner Basis muss der Bundestag dann noch ein
Zuteilungsgesetz verabschieden.
(Quelle: rtr)
Tausende demonstrieren gegen Studiengebühren
Do.29.06.06 - Insgesamt mehr als 10.000 Menschen haben am Mittwoch in Hamburg und
Wiesbaden gegen die Einführung von Studiengebühren in beiden
Ländern demonstriert. «Die Einführung von
Studiengebühren ist kontraproduktiv», sagte der hessische
DGB-Vorsitzende Stefan Körzell in Wiesbaden. Studiengebühren
führten zu Akademikermangel, zu sozialer Ausgrenzung und zu noch
größeren Engpässen auf dem Ausbildungsmarkt. Am Abend
kam es am Rande der Wiesbadener Kundgebung zu Rangeleien mit der
Polizei.
Nach übereinstimmenden Angaben der Polizei und der Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft, die gemeinsam mit Studentenvertretern, SPD
und Grünen zu der Kundgebung aufgerufen hatte, nahmen an der
Demonstration in Wiesbaden rund 7.000 Menschen teil. Zahlreiche
Demonstranten trugen Transparente mit Aufschriften wie «Bildung
ist keine Ware» oder «Reiche Eltern für alle».
In Hamburg schätzten die Sicherheitskräfte die Teilnehmerzahl
auf etwa 3.500.
Beide Demonstrationen verliefen zunächst weitgehend friedlich. In
Wiesbaden löste sich jedoch ein Zug von rund 800 Studenten aus der
Hauptdemonstration und marschierte in Richtung Autobahn 66. Ein
Großaufgebot der Polizei stoppte die Demonstranten an einer
Ausfallstraße, da die Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben
eine Blockade der Autobahn befürchteten. Anschließend zogen
die Studenten zum hessischen Landtag und versuchten in die Bannmeile
vorzudringen. Nach Aussagen von Zeugen kam es zu mindestens zwei
Festnahmen.
In Hamburg musste ein Demonstrant ins Krankenhaus eingeliefert werden,
nachdem er von Einsatzkräften mit einem Knüppel geschlagen
wurde, wie die Veranstalter mitteilten. Polizeisprecher Ralf Meyer
sagte, der Verletzte habe zuvor eine Beamtin beleidigt und ihr in den
Unterleib getreten.
In beiden Ländern sollen ab 2007 Studiengebühren von 500 Euro
pro Semester erhoben werden. In Hessen sind für bestimmte
Studiengänge sowie für ausländische Studenten aus
Nicht-EU-Staaten Gebühren bis 1.500 Euro möglich.
Vertreter der Studenten kündigten anhaltenden Widerstand gegen
Studiengebühren an. «Studiengebühren führen zu
sozialer Selektion», sagte Sören Steffe von der hessischen
Landes-Astenkonferenz. Die Landeskonferenz der Allgemeinen
Studentenausschüsse prüft demnach die Möglichkeit einer
Klage sowie eines Volksbegehrens gegen das geplante Gebührengesetz.
Studiengebühren sind nach der hessischen Verfassung
grundsätzlich verboten. Ausnahmen sind lediglich möglich,
wenn der Studierende wirtschaftlich zur Zahlung von Gebühren in
der Lage ist. Daher will die Landesregierung allen Studierenden ein
Darlehen anbieten, mit dem die Gebühren finanziert werden
können. Ihr Gesetzentwurf sieht vor, dass die Studenten das
Darlehen nach Ende ihrer Ausbildung zurückzahlen müssen.
Die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti erklärte, die
hessische Bildungspolitik habe mit der Einführung von
Studiengebühren ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Die
Landesregierung mache Bildung zu einer Ware, die sich nur noch die
Wohlhabenden leisten könnten. Dagegen plädierte die hessische
FDP dafür, jeder einzelnen Hochschule die Entscheidung zu
überlassen, ob sie Gebühren erheben wolle. Der hessischen
Regierungssprecher Dirk Metz erklärte dagegen, Hessen müsse
handeln, wenn andere Flächenländer Studiengebühren
einführten und die Gefahr bestehe, dass die eigenen Hochschulen zu
voll würden.
(Quelle: ap)
DGB-Chef Sommer kündigt Proteste gegen Reformpolitik an
Do.29.06.06 - Die Gewerkschaften haben Proteste gegen die Reformpolitik der
Bundesregierung angekündigt. Der Vorsitzende des Deutschen
Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, nannte die Ergebnisse der
bisherigen Politik der großen Koalition in einem Interview der
«Saarbrücker Zeitung» (Donnerstagausgabe) «nicht
berauschend». Im Herbst würden die Gewerkschaften deshalb
«viele der schwarz-roten Reformvorhaben auch mit Demonstrationen
begleiten». Die Gewerkschaften wollten «den Interessen der
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Gesetzgebungsverfahren Nachdruck
verleihen».
(Quelle: ap)
Bush-Gegner konzentrieren ihren Protest auf 13. Juli
Do.29.06.06 - Vertreter von Friedensorganisationen und Globalisierungsgegner
konzentrieren ihren Protest gegen den Besuch des amerikanischen
Präsidenten George W. Bush in Stralsund jetzt auf den 13. Juli. Die
geplante Demonstration in der Hansestadt werde wegen des neuen
zeitlichen Ablaufs um einen Tag vorverlegt, teilte das
Aktionsbündnis zur Bush-Visite am Mittwoch in Rostock mit. Mit dem
Protest solle Kritik an der Aggressionspolitik der US-Regierung zum
Ausdruck gebracht werden. Um Aktionen vorzubereiten, wollen sich die
Vertreter von Friedensorganisationen und -initiativen am nächsten
Wochenende in Stralsund treffen.
Für den Tag des Bush-Besuchs wurden den Angaben zufolge
Versammlungen und Demonstrationen angemeldet. Daneben sind eine
Kundgebung, Talkrunden sowie der Aufbau von Infoständen geplant.
Zugleich sollen bundesweit Protestveranstaltungen stattfinden.
(Quelle: ddp)
Not welcome, Mr. President!
Die Tageszeitung 'junge Welt' vom 14.06.06 dokumentiert Aufruf der
Friedensbewegung:
http://www.jungewelt.de/2006/06-14/008.php
Lebensfreude in Deutschland steigt durch Kinder kaum
Do.29.06.06 - Kinder tragen in Deutschland kaum zur Steigerung der Lebensfreude bei.
Dies ist eines der Ergebnisse einer Studie des Bundesinstituts für
Bevölkerungsforschung, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.
Anhand der Klage über die Schlusslichtrolle Deutschlands bei der
Geburtenrate in Europa untersuchte die von der Robert Bosch Stiftung
geförderte Studie die Frage, ob sich die Menschen überhaupt
Kinder wünschen.
Schon die Ausgangslage ist den Zahlen zufolge niederschmetternd: Die
Frauen in Deutschland wünschen sich im statistischen Durchschnitt
nur noch 1,75 Kinder, die Männer 1,59 Kinder. Tatsächlich
verwirklicht würden nur noch 1,37 Geburten je Frau. Dies bedeutet
laut Institutsdirektorin Charlotte Höhn, dass in Deutschland mehr
kinderlose Frauen leben, als in anderen Europäischen Ländern
und dass der Kinderwunsch einen historischen Tiefstand erreicht habe.
Nur noch einer Minderheit von einem Viertel der Männer und Frauen
erwartet den Angaben zufolge, dass ein erstes oder weiteres Kind ihre
Lebensfreude und -zufriedenheit verbessern würde. 80 bis 82 Prozent
der Mütter beziehungsweise Väter glauben laut Studie zwar,
dass Familiengründung einer Partnerschaft verbessern kann. Dem
stehe aber gegenüber, dass mit Kindern kein höheres Prestige
verbunden sei, dass Eltern mit mehreren Kindern soziale Ablehnung
befürchteten oder dass Sicherheit im Alter kein Grund für
Kinder sei.
Die demografische Abwärtsspirale hält Höhn zufolge seit
1972 an. Damals habe man geglaubt, der Rückgang der Geburtenrate
sei ein vorübergehendes Phänomen. Inzwischen verfestige sich
der Trend, weil die durch die Geburtenrückgang nicht geborenen
Kinder als mögliche Eltern ausfallen.
Höhn bezweifelte, dass der Trend durch staatliche Maßnahmen
wie Elterngeld umgedreht werden könnte. Der Faktor Geld spielte bei
den Befragten auch eine weniger wichtige Rolle als die
Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Wichtiger ist laut Höhn
vielmehr die gezielte Werbung für die Werte der Familie.
(Quelle: ap)