Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertzweiunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Rumänien zieht Truppen aus dem Irak ab. Rebellengruppen bieten
Einstellung von Angriffen an
Fr.30.06.06 - Rumänien hat am Donnerstag überraschend den Abzug seiner
Truppen aus dem Irak angekündigt. Ministerpräsident Calin
Popescu Tariceanu erklärte, er habe Verteidigungsminister Teodor
Atanasiu angewiesen, die 890 Soldaten wieder nach Hause zu holen. Als
Grund nannte Tariceanu die schwierige Sicherheitslage im Irak und die
Kosten für den Einsatz. Wie es hieß, spart Rumänien
dadurch 980 Millionen Dollar. Dies könne nicht vernachlässigt
werden, sagte Tariceanu. Einen Zeitplan nannte er zunächst nicht.
Erste Gespräche über den Rückzug Rumäniens gab es
nach Angaben des Ministerpräsidenten bereits nach der
Ankündigung Italiens, seine Soldaten aus dem Irak abzuziehen. Zur
Mission in Afghanistan, wo Rumänien mit 700 Soldaten die
internationalen Truppen unterstützt, wurde zunächst nichts
gesagt.
Im Irak hielt die Welle der Gewalt weiter an - trotz der Zusage von elf
Widerstandsgruppen, auf Anschläge zu verzichten. In Bagdad wurde
dabei auch der Chef des Sicherheitsdienstes der Universität
getötet. An der Vereinbarung zwischen der Regierung den Rebellen
sind aber einige der radikalsten Organisationen wie die Islamische Armee
im Irak oder der Mudschahedin-Schura-Rat mit Verbindungen zu Al Kaida
im Irak nicht beteiligt. Um die Bemühungen der Regierung, die
Sicherheit zu verbessern, zu verdeutlichen, nahm Innenminister Dschawad
al Bolani am Donnerstag an der Vereidigung von 560 Polizeirekruten teil.
Die an den Gesprächen mit der Regierung beteiligten Gruppen
fordern, dass die USA ihre Truppen innerhalb von zwei Jahren abziehen
müssen. Ministerpräsident Nuri al-Maliki wies dies zwar nicht
zurück, er bezeichnete die Forderung aber als unrealistisch.
Terroristenführer Osama bin Laden will laut einer Ankündigung
im Internet eine Videobotschaft zum Tod des Extremisten Abu Mussab al
Sarkawi senden. Bin Laden werde darin den am 7. Juni bei einem
US-Luftangriff getöteten Führer von Al Kaida im Irak
würdigen, hieß es in der Notiz auf einer islamistischen
Web-Site am Mittwoch. Auf ähnliche Weise war vor einer Woche eine
Botschaft von Bin Ladens Stellvertreter Ajman al Sawahri
angekündigt worden, der sich kurz später im Internet zu Wort
meldete.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 30.06.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertsiebenundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.30.06.05 - Britischer Premier warnt vor verfrühtem Truppenrückzug. Blair
rechtfertigt erneut Irak-Krieg +++ Iraker sollen bis Dezember halb Bagdad
kontrollieren +++ Bombenanschlag auf Hotel in Bagdad +++ Türkische
Geisel im Irak freigelassen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0506300.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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US-Militärchef in Afghanistan: Taliban werden stärker
Fr.30.06.06 - Mehr als vier Jahre nach dem Sturz der afghanischen Taliban wird die
radikale Moslemgruppe dem US-Militär zufolge immer stärker.
Der Oberbefehlshaber der US-Truppen in Afghanistan, Karl Eikenberry,
sagte vor Abgeordneten in Washington, die Taliban leite ihre
Einsätze von Pakistan aus. Die Kommandostrukturen der Gruppe
hätten sich verbessert, und ihre Anführer seien weiter frei.
Eine Mitarbeiterin des US-Verteidigungsministeriums sagte den
Abgeordneten am Mittwoch, auf lange Sicht werde die Nato und nicht die
USA die Führungsrolle bei den Kämpfen in Afghanistan haben.
Einen konkreten Zeitplan nannte sie jedoch nicht.
In den vergangenen Wochen hat die Gewalt in Afghanistan deutlich
zugenommen. Die Lage ist so instabil wie nie zuvor seit dem Sturz der
Taliban 2001. Mehr als 1100 Menschen kamen in diesem Jahr ums Leben,
darunter 50 ausländische Soldaten. Der jüngste Vorfall
ereignete sich US-Angaben zufolge in der südlichen Provinz Helmand.
Dort seien ein Soldat der US-geführten Truppen getötet sowie
drei weitere verletzt worden, weil eine Landmine explodierte. Die Mine
sei wahrscheinlich alt und im Krieg vor 25 Jahren vergraben worden,
teilte das US-Militär mit. Die Nationalität der betroffenen
Soldaten wurde nicht bekannt gegeben.
US-geführte Truppen haben eine Offensive im Süden des Landes
begonnen, wo die Taliban ihre Hochburgen haben. Die Nato soll dort
später die Kontrolle übernehmen. Insgesamt sind 28.000 von den
USA geführte Soldaten im Land, 23.000 davon sind US-Bürger.
Die Bundeswehr ist im Norden mit knapp 2800 Soldaten als Teil der
Nato-Friedenstruppe Isaf im Einsatz. In der Nacht zum Mittwoch wurden
dort bei einem Anschlag drei deutsche Soldaten verletzt. Am Tag zuvor
waren Bundeswehrsoldaten Ziel eines Selbstmordanschlags. Der
Attentäter riss zwei Passanten mit in den Tod, Soldaten wurden
nicht verletzt.
(Quelle: rtr)
Bundeswehr wegen Taliban-Angriffen zunehmend beunruhigt
Fr.30.06.06 - Die Bundeswehr ist wegen der jüngsten Angriffe der
radikal-islamischen Taliban zunehmend beunruhigt. «Wir haben schon
einiges von den Taliban erlebt, aber die konzentrierten Attacken in
drei Tagen hintereinander haben uns schon ziemlich verunsichert»,
war aus Bundeswehrkreisen in Kundus am Donnerstag zu hören.
Zuletzt hatten sich die Soldaten südlich von Kundus in der Nacht
zum Mittwoch mit Angreifern ein regelrechtes Feuergefecht geliefert.
«Wir hatten eine solche Häufung und Gefährlichkeit der
Angriffe auf die Deutschen trotz der immer schwierigeren Lage in
Afghanistan nicht erwartet», erklärten übereinstimmend
Offiziere.
Die FDP-Abgeordnete Elke Hoff ist wie viele Parlamentarier beunruhigt:
«Die Anschläge der letzten Tage haben eine erkennbar neue
Qualität». Es sei für jedermann ersichtlich, «dass
deutsche Soldaten nun gezielt angegriffen werden und offenbar auch eine
Koordination der Anschläge erfolgt», sagte Hoff der
Nachrichtenagentur ddp.
Sorge bereitet der Truppe vor allem, dass 40 Prozent ihrer Fahrzeuge,
die am Hindukusch eingesetzt werden, noch immer nicht richtig gepanzert
sind. «Das wissen die Taliban natürlich. Sie sind über
unsere Ausrüstung und ihre Schwächen genau informiert. Wie
gezielt sie gegen uns jetzt vorgehen, trägt bei uns zu den
Irritationen bei», erklärten deutsche Offiziere der
ISAF-Schutztruppe. Die offizielle Behauptung, der Norden Afghanistans,
wo die Bundeswehr gerade die gesamte Verantwortung übernommen hat,
sei ruhig, «hat sich ins Gegenteil verwandelt»,
erläuterte ein Oberstleutnant in der afghanischen Hauptstadt Kabul.
Das Bundesverteidigungsministerium will jetzt rasch für mehr
gepanzerte Fahrzeuge sorgen. Der Parlamentarische Staatssekretär
Christian Schmidt (CSU) versicherte in der «Leipziger
Volkszeitung», dass trotz der schwierigen Finanzlage der
Bundeswehr umgehend mehr geschützte Transportwagen in Afghanistan
eingesetzt werden sollten. Der Haushaltsausschuss habe die Mittel
für 102 Fahrzeuge vom Typ «Dingo II» freigegeben.
«Die Taliban wollen die Deutschen jetzt genauso wie die anderen
ausländischen Truppen aus dem Land jagen», erklärten
Diplomaten in der deutschen Botschaft in Kabul. Die Bundeswehr habe sich
bisher sehr erfolgreich in Afghanistan gerade durch ihre Aufbauhilfe
für die Bevölkerung bewährt. Doch jetzt laufe die
Bundeswehr Gefahr, sich in ihren Camps und gepanzerten Wagen
«einigeln zu müssen», wurde von Geheimdienstkreisen in
Kabul geschildert.
Der Bundeswehrsprecher im neuen nördlichen Feldlager
Mazar-i-Sharif, Oberstleutnant Markus Werther, sprach von einer
«schwierigen Situation». Im Norden, einer Hochburg des
Opiumsanbaus, machen den Bundeswehrsoldaten neben den Taliban die
Drogenbarone mit ihren Privatarmeen immer mehr Sorge. «Die
Drogenbarone betrachten uns als Leute, die sich in ihre
Milliardengeschäfte einmischen wollen», heißt es in
Mazar-i-Sharif. Die Soldaten haben allerdings strikte Order, in keiner
Weise gegen den Opiumanbau vorzugehen. Das ist anderen Alliierten
vorbehalten. «Aber diese Haltung kommt bei den Drogenleuten
offensichtlich nicht an», berichtete ein Offizier.
(Quelle: ddp)
US-Gericht: Tribunale gegen Guantánamo-Gefangene illegal
Fr.30.06.06 - Die US-Regierung hat in ihrer Anti-Terror-Politik eine neue Niederlage
vor dem höchsten Gericht erlitten. Die Richter entschieden, dass
die auf dem Stützpunkt Guantánamo auf Kuba unter
Terrorverdacht internierten Männer nicht ohne weiteres hinter
verschlossenen Türen abgeurteilt werden dürfen.
Die geplanten Militärtribunale verstießen gegen die
US-Verfassung und die Genfer Konventionen, urteilten die Richter mit
5:3-Mehrheit. Solche Tribunale müssten die grundlegenden,
internationalen Rechtsnormen zum Schutz von Angeklagten erfüllen,
hieß es am Donnerstag in der Urteilsbegründung.
Der Präsident habe seine Befugnisse überschritten, als er
unter Verweis auf den Anti-Terror-Krieg besondere Amtsgewalt zur
Einrichtung solcher Militärtribunale geltend machte.
Bush versicherte, dass die Regierung sich dem Urteil beugen werde.
«Die Amerikaner sollten aber wissen: Das Urteil bedeutet nicht,
dass jetzt Killer freigelassen werden. Ich werde die Sicherheit des
amerikanischen Volkes nicht aufs Spiel setzen.» Bush deutete an,
das der Kongress möglicherweise per Gesetz Militärtribunale
möglich machen kann, die den Anforderungen des höchsten
Gerichts genügen. Einige der noch rund 450 Männer auf
Guantánamo müssten vor amerikanische Gerichte gestellt
werden. Andere könnten abgeschoben werden. Bush hatte mehrfach
versichert, dass er das weltweit umstrittene Lager schließen
wolle.
Die Regierung unterlag in dem Rechtsstreit dem ehemaligen Fahrer des
Terroristenführers Osama bin Laden. Salim Achmed Hamdans
Anwälte hatten geltend gemacht, dass die Tribunale, die
Angeklagten nur begrenzte Verteidigungsmöglichkeiten geben und
Anklägern eine geringere Beweislast aufbürden als normale
Gerichte, gegen die Verfassung verstoßen. Hamdans
Pflichtverteidiger, ein amerikanischer Marine-Offizier,
begrüßte das Urteil. «Was wir erreichen wollen, ist
ein fairer Prozess. Wir danken dem Obersten Gericht, dass Herr Hamdan
den nun bekommt», sagte Kapitänleutnant Charles Swift.
Es ist das zweite Mal, dass das Oberste Gericht die Pläne der
Regierung im Umgang mit den Gefangenen durchkreuzt. Vor zwei Jahren
beschieden die höchsten Richter, dass die Männer Anspruch auf
Anhörungen haben und nicht unbefristet und ohne Anklage
festgehalten werden dürfen. Das Militär führte daraufhin
Kommissionen ein, die die Anschuldigungen verlesen und den Angeklagten
Gelegenheit zur Aussage geben. An der Situation der Gefangenen, die
teilweise seit vier Jahren ohne Anklage festgehalten werden, hat das
nichts geändert.
Hamdan ist einer von nur zehn Guantánamo-Häftlingen, die
wegen Verschwörung gegen die USA formell angeklagt wurden. Gegen
die meisten anderen reichten die Beweise für eine Anklage nach
Angaben des Pentagon nicht aus. Das Militär beansprucht aber das
Recht, sie gleichwohl festzuhalten, bis der Anti-Terror-Krieg vorbei
sei.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Palästinenser sprengen Grenzmauer nach Ägypten
Fr.30.06.06 - Militante Palästinenser haben einen Durchgang in die Grenzmauer
zwischen dem Gazastreifen und Ägypten gesprengt. Augenzeugen
berichteten, mehrere hundert Menschen seien aus Ägypten in das
Palästinensergebiet gelangt. Palästinensische
Polizeikräfte versuchten, die Menschen am Überqueren der
Grenze zu hindern. Der offizielle Grenzübergang Rafah ist seit der
Entführung eines israelischen Soldaten in den Gazastreifen
gesperrt. Die israelische Armee setzt unterdessen ihre
Militäoperation im Gazastreifen fort.
(Quelle: dpa)
Israelische Hubschrauber greifen palästinensische Ziele in Gaza an
Fr.30.06.06 - Die israelische Armee hat am Morgen ihre Offensive im Gazastreifen
fortgesetzt. Kampfhubschrauber griffen mehrere Ziele an, darunter das
palästinensische Innenministerium in Gaza. Nach Berichten von
Augenzeugen wurden zwei Raketen auf das Ministerium abgeschossen. Das
Gebäude ging in Flammen auf, es wurde jedoch niemand verletzt. Das
israelische Außenministerium wies inzwischen Berichte
zurück, nach denen die Hamas unter bestimmten Bedingungen bereit
sein soll, den verschleppten Soldaten freizulassen.
(Quelle: dpa)
Erstmals wählen in Kuwait auch Frauen das Parlament
Fr.30.06.06 - Erstmals in der Geschichte Kuwaits haben auch Frauen bei der
Parlamentswahl gewählt. Dutzende Wählerinnen standen schon vor
Öffnung der Wahllokale um 08.00 Uhr morgens (07.00 MESZ) Schlange.
Ebenfalls neu: Unter den 253 Abgeordnetenkandidaten sind 28 Frauen, die
um eines der 50 Mandate konkurrieren. Die Frauen in Kuwait erhielten
erst im Mai vergangenen Jahres das aktive und passive Wahlrecht.
Wegen des Wahlsystems gehen Beobachter jedoch davon aus, dass es keiner
der Kandidatinnen gelingen wird, ins Parlament einzuziehen. Von rund
drei Millionen Einwohnern haben nur eine Million die kuwaitische
Staatsbürgerschaft, davon sind 340.000 wahlberechtigt. 195.000 von
ihnen sind Frauen, das sind etwa 57 Prozent. Umfragen zufolge
könnten die Islamisten hinzugewinnen und mindestens 20 Sitze
erringen.
(Quelle: afp)
UN-Menschenrechtsrat fordert mehr Rechte für Ureinwohner
Fr.30.06.06 - Der UN-Menschenrechtsrat hat mehr Rechte für die Urvölker in
aller Welt gefordert. In einer am Donnerstag verabschiedeten
Erklärung sprach das Gremium den Ureinwohnern grundsätzlich
ein Recht auf Wiedergutmachung für das Land zu, das ihnen genommen
wurde. Zudem mahnte der Menschenrechtsrat Respekt für die Kultur
indigener Völker an. Sie hätten ein Recht darauf, «sich
als anders zu betrachten und so respektiert zu werden».
30 der 47 Ratsmitglieder stimmten für die Erklärung, Russland
und Kanada votierten dagegen. Zahlreiche weitere Staaten enthielten
sich. Vertreter indianischer Ureinwohner beklagten anschließend,
Kanada, das sich bislang stets für ihre Rechte eingesetzt habe,
sei nach dem Antritt einer konservativen Regierung zu Beginn dieses
Jahres umgeschwenkt.
(Quelle: ap)
Deutschland
Arbeitslosenzahl sinkt auf 4,397 Millionen
Fr.30.06.06 - Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juni überraschend deutlich auf
4,397 Millionen und damit auf den niedrigsten Stand seit November 2004
gesunken.
Dies seien 138.000 weniger als im Mai und 383.000 weniger als im Juni
vorigen Jahres, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am
Donnerstag in Nürnberg mit. Die Arbeitslosenquote sei um 0,3 Punkte
auf 10,5 Prozent gesunken. Saisonbereinigt ging die Erwerbslosenzahl
von Mai auf Juni um 49.000 zurück. Nach Einschätzung der BA
zeigt die wirtschaftliche Besserung allmählich deutlichere
Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt.
BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise sprach von einer erfreulichen
Entwicklung. Die Arbeitslosigkeit sei stärker gesunken als für
einen Juni üblich. Zudem bewege sich die
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wieder auf dem
Vorjahresniveau. Darüber hinaus sei die Nachfrage nach
Arbeitskräften nach wie vor hoch. Zum Rückgang der
Arbeitslosenzahl hätten auch die intensivere Betreuung der
Arbeitslosen und die gemeinnützigen Ein-Euro-Jobs beigetragen. In
diesen so genannten Arbeitsgelegenheiten waren im Mai nach den neuesten
BA-Zahlen etwa 290.000 Arbeitslosengeld-II-Bezieher beschäftigt,
etwa 111.000 mehr als vor einem Jahr.
Von Reuters befragte Banken-Volkswirte sprachen von einer positiven
Entwicklung. Sie hatten im Schnitt mit einem saisonbereinigten
Rückgang um nur 30.000 gerechnet. "Das sind sehr, sehr gute
Zahlen", sagte Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim. "Ein Teil
geht sicherlich auch auf die Fußball-WM zurück, aber wir
gehen generell auch davon aus, dass der Funke der Konjunkturerholung
sich am Arbeitsmarkt bemerkbar machen wird." Peter Meister von der
BHF-Bank äußerte die Erwartung, dass die positive Entwicklung
in den nächsten Monaten anhalten werde. Brian Mandt von der
Postbank sagte, der Arbeitsmarkt profitiere von der sehr robusten und
soliden Konjunktur. Eine gute Arbeitsmarktentwicklung sei auch eine
Stütze für den privaten Konsum: "Insgesamt ist der Cocktail
für eine wirklich robuste binnenwirtschaftliche Erholung gemixt."
(Quelle: rtr)
Laut Bundesagentur Lehrstellenlücke größer als vor
einem Jahr
Fr.30.06.06 - Die Lehrstellenlücke wird nach Berechnungen der Bundesagentur
für Arbeit in diesem Jahr noch größer ausfallen als im
Berufsberatungsjahr 2004/2005. Im Juni lag die Differenz zwischen freien
Ausbildungsplätzen und unversorgten Bewerbern bei knapp 195 000.
Das seien gut 11 000 mehr als vor einem Jahr, berichtete die BA in
Nürnberg. Die Zahl der bislang gemeldeten Lehrstellen lag mit 383
000 um ein Prozent niedriger. Die Zahl der Bewerber stieg dagegen um
zwei Prozent auf 650 200.
(Quelle: dpa)
München-Ramersdorf: Große Bestürzung an der
Führichschule - Nur sieben Abgänger bekommen eine Lehrstelle
Individuelle Hilfestellung bei Berufswahl und Bewerbung nutzt den
meisten der 52 Jungen und Mädchen nichts
Mit dem Ende des Schuljahres geht für 52 Jungen und Mädchen
der Hauptschule an der Führichstraße die Schulzeit zu Ende
und der Start in die Arbeitswelt der Erwachsenen beginnt - sollte er
zumindest. Doch nur für sieben von ihnen hat sich der Traum von
einer Lehrstelle erfüllt. "Zwei von ihnen haben den
Ausbildungsvertrag von nahen Verwandten bekommen", weiß
Schulleiterin Angela Ilmberger. Zwanzig haben die Hoffnung, doch noch
einen Lehrherren zu finden, noch nicht aufgegeben und schreiben weiter
Bewerbung um Bewerbung.
Die anderen 25 Schüler und Schülerinnen haben sich
anderweitig arrangiert, um nicht auf der Straße zu stehen. Drei
sind in einer Berufsfachschule für Kinder- oder Altenpflege
angemeldet, drei im Berufsvorbereitungsjahr und wiederum drei werden
eine Wirtschaftsschule im Anschluss besuchen. Ohne einen
Aubildungsvertrag zu besitzen, gehen im Herbst zwei Schüler in ein
Berufsgrund-Schuljahr, drei sind von der Berufsberatung für eine
Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme vorgesehen und elf haben
einen Antrag auf Wiederholung der 9. Klasse gestellt, da sie den Quali
nicht bestanden haben. "Die Schüler und Schülerinnen, die
sich im Berufsgrundschulljahr angemeldet haben und die elf Wiederholer
der 9. Klasse hätten viel lieber einen Ausbildungsplatz, haben die
Suche jedoch aufgegeben." Rektorin Angela Ilmberger macht sich keine
Illusionen: Auch an anderen Münchner Hauptschulen sieht es nicht
viel anders aus.
Dennoch ist die Quote für das engagierte Lehrerteam
enttäuschend. Wie wohl kaum eine andere Hauptschule in
München versuchen die Lehrer ihren Schülern über diverse
Programme den Rücken zu stärken, sie fit zu machen für
die Arbeitswelt, wo Teamworkfähigkeitt und soziale Kompetenz
wichtig sind. "Die Schülerfirma Holzwerkstatt' zum Beispiel war
ein Projekt des letzten Jahres", hebt Ilmberger hervor, wo Teamarbeit,
handwerkliches und kaufmännisches Können und
selbstverantwortliches Handeln gleichzeitig gefordert war.
Gewaltprävention und Verhaltensschulung, Interkulturelles
Aufklärungstraining und ein speziell für Mädchen die
Selbstsicherheit stärkendes Training werden geboten und zu
Prüfungszeiten systematische Unterstützung zur Vorbereitung
in kleinen Gruppen.
Dafür hat das Kollegium sich neben der Schulsozialarbeit noch
andere Hilfe ins Boot geholt - vom Prüfungsvorberetungsverein
Tuion und vom Erzbischöfhchen Jugendamt, dem Awo-Projekt für
Interkulturelle Kommunikation jnkomm", der Münchner Initiative
für Mädchenarbeit "Imina" und vom Jugendinformationszentrum,
das zurzeit mit einer Gruppe von Schülerinnen ein
Informationsbüro aufbaut, um die Möglichkeiten zu erkunden,
im europäischen Ausland Praktikantenstellen und Jobs zu finden.
Seit April 2006 nimmt die Führichschule an "Koosa", der
Kooperation Schule-Arbeitswelt, teil. Sie bietet Lehrkräften bei
Praktika in Betrieben die Möglichkeit, die zukünftige
Arbeitswelt ihrer Schüler kennen zu lernen, um sie besser darauf
vorbereiten zu können. , Zudem arbeiten wir mit dem Internatiolen
Bund zusammen und machen zusätzlich Deutschförderung und
Alphabetisierung." Das zusätzliche Engagement ringt dem Sprecher
des Sozialreferates, Fabian Riedl, Respekt ab. "Die Schule ist
unglaublich aktiv und macht viele zusätzliche Sachen mit
EU-Mitteln."
An der Führichschule sind individuelle Hilfestellung bei der
Berufswahl und Bewerbung aber auch bei der Auswertung von
Berufspraktika und der Verarbeitung der dabei gemachten Erfahrungen
eine Selbstverständlichkeit. Das Ergebnis aller Bemühungen
ist deprimierend. "Was in der Gesellschaft an Missachtung
gegenüber den Hauptschülern da ist, können wir nicht
auffangen", bedauert Ilmberger. Die meisten Hauptschüler seien
sehr bemüht und auch leistungsfähig: "Ihnen die Schuld
dafür zu geben, dass keine Lehrstellen für sie da sind, ist
menschenverachtend."
Süddeutsche Zeitung vom 13.07.2006
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7000 Allianz-Beschäftigte demonstrierten gegen Stellenabbau
Fr.30.06.06 - Gegen den geplanten Stellenabbau bei der Allianz haben am Mittwoch rund
7000 Beschäftigte protestiert. Schwerpunkt der Warnstreiks waren
nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Frankfurt am Main mit
1500 und Hamburg mit 1000 Teilnehmern. Zu Protesten kam es auch in
München, Köln, Stuttgart, Dortmund und Augsburg. Der
größte deutsche Versicherungskonzern hatte vergangene Woche
erklärt, trotz Rekordgewinns bis 2008 fast 7500 Stellen zu
streichen, davon rund 5000 bei der Allianz und weitere 2480 bei der
Dresdner Bank.
Die Gewerkschaft fordert Regelungen zur Sicherung der Jobs und
Standorte und einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis
2012. "Wir können dieses brutale Konzept des Allianzvorstandes
nicht akzeptieren", sagte Verdi-Bundesvorstand Uwe Foullong im
Südwestrundfunk. Die Protesthaltung bis hin zur Wut sei "sehr, sehr
groß."
(Quelle: afp)
Bundestag beschloss Einschnitte für Pendler, Familien und
Kleinsparer
Fr.30.06.06 - Die Bürger müssen sich auf neue Belastungen einstellen: Der
Bundestag beschloss am Donnerstag mit den Stimmen der großen
Koalition Einschnitte für Pendler, Familien mit Kindern und
Kleinsparer. Das Steueränderungsgesetz sieht zudem einen Aufschlag
für Spitzenverdiener - die so genannte Reichensteuer - vor.
Finanzminister Peer Steinbrück gab zu, dass er den Bürgern
«Härten und Zumutungen» nicht ersparen könne. Das
Gesetz soll zum 1. Januar 2007 in Kraft treten. Der Bundesrat muss noch
zustimmen.
Künftig fällt danach die Pendlerpauschale für die ersten
20 Kilometer des Weges zum Arbeitsplatz komplett weg. Für Fahrten
zum Arbeitsplatz soll nur noch ab dem 21. Kilometer eine Pauschale in
Höhe von 30 Cent pro Kilometer geltend gemacht werden können.
Einschnitte wird es auch beim Kindergeld geben: Es soll nur noch bis zum
vollendeten 25. Lebensjahr gezahlt werden. Zudem wird die steuerliche
Abzugsfähigkeit des Arbeitszimmers drastisch reduziert. Der
Sparerfreibetrag wird auf 750 Euro für Ledige und 1.500 Euro
für Verheiratete gekürzt.
Spitzenverdiener mit einem Jahreseinkommen von mehr als 250.000 Euro
beziehungsweise 500.000 Euro für Verheiratete müssen
künftig einen Zuschlag von drei Punkten auf den
Einkommensteuer-Spitzensatz von 42 Prozent zahlen - die so genannte
Reichensteuer.
Die Opposition hatte zuvor wegen angeblicher Verfahrensfehler die
Absetzung der Beratungen über das Steueränderungsgesetz
verlangt und war damit gescheitert. Der Finanzausschuss hatte am Morgen
in einer Sondersitzung noch Änderungen an dem Gesetz vorgenommen,
die nach Auffassung der Opposition einseitig von der großen
Koalition beschlossen wurden. Laut Geschäftsordnung des Bundestages
müssen die Abgeordneten ausreichend Zeit bekommen, um die
Abstimmungsvorlagen zu studieren. Das war nach Auffassung der
Opposition nicht gewährleistet.
Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker
Beck, sprach von einer Schande für das Parlament. Die Abgeordneten
würden sich nicht zu «Stimmvieh» machen lassen. Die
Linksfraktion warf Union und SPD «Arroganz der Macht» vor.
Steinbrück verteidigte die strikte Sparpolitik der Bundesregierung
als alternativlos. «Die Einschnitte sind nicht populär, aber
im Ergebnis zumutbar», sagte der SPD-Minister. Den Vorwurf, mit
der Reichensteuer Symbolpolitik zu betreiben, wies er zurück. Der
Aufschlag für Spitzenverdiener sei ein Beitrag zur
verteilungspolitischen Balance. Haushaltskonsolidierung sei wichtig,
«um den Enkelkindern nicht einen Schuldenberg vor die
Füße zu kippen».
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn warf der Regierung eine
«Schröpf-den-Bürger-Politik» vor. Die kleinen
Leute müssten die Haushaltskonsolidierung bezahlen, sagte er. Zudem
gebe es durchaus Alternativen zu der von Steinbrück verfolgten
Haushaltspolitik.
Linksfraktionschef Gregor Gysi hielt der Regierung vor, ihre
Steuerpolitik habe nichts mit sozialer Gerechtigkeit zu tun. Die
Kürzungen der Pendlerpauschale seien grundgesetzwidrig. Zudem sei
die Reichensteuer «weniger als ein Witz».
Der FDP-Finanzexperte Volker Wissing sagte, die Politik der
großen Koalition sei «eine Beleidigung für jeden
denkenden Bürger». Union und SPD würden dem Bürger
in die Tasche greifen und selbst keinen Sparbeitrag leisten. Die
Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007 nannte er unsozial und
wachstumsfeindlich.
(Quelle: ap)
Alle Eltern rechnen
Vor allem ärmere Familien werden zum so genannten Systemwechsel
gezwungen. Wohlhabendere können weitermachen wie bisher. Drei
Beispiele... in der taz vom 03.07.06:
http://www.taz.de/pt/2006/07/03/a0105.1/text
Mehrheit für Antidiskriminierungsgesetz
Fr.30.06.06 - Das lange umstrittene Gesetz gegen Diskriminierung kann in Kraft
treten. Der Bundestag billigte am Donnerstag in namentlicher Abstimmung
mit der Mehrheit der großen Koalition und der Grünen das
Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das vier Richtlinien der
Europäischen Union (EU) umsetzt.
In der Unionsfraktion gab es überraschend viele Nein-Stimmen: 18
Abgeordnete von CDU und CSU lehnten das Gesetz ab, drei enthielten
sich. Zuvor hatten Abgeordnete der CDU/CSU noch einmal ihre
grundsätzlichen Bedenken zu Protokoll gegeben. Das Gesetz will
Benachteiligungen aus Gründen der Rasse, der ethnischen Herkunft,
des Geschlechts, der Religion, einer Behinderung, des Alters oder der
sexuellen Identität verhindern.
Die FDP und die Abgeordneten der Linksfraktion lehnten bei einigen
Enthaltungen aus gegensätzlichen Gründen das Gesetz ab. Die
Zustimmung des Bundesrates, der umfassende Änderungen wollte, gilt
am 7. Juli als sicher, nachdem der Entwurf nochmals geändert
wurde. Die SPD hatte erst vor zwei Tagen einige Änderungen
akzeptiert, nachdem die Union bei der Föderalismusreform,
über die am Freitag abgestimmt wird, nachgab. FDP-Partei- und
Fraktionschef Guido Westerwelle sprach deshalb von einem
«bemerkenswerten Kuhhandel».
Bundesjustizminister Brigitte Zypries (SPD) zeigte sich erleichtert
über das Ende der Auseinandersetzungen. «Ich muss gestehen,
dass mich die ideologische Schärfe, mit der diese Debatte
geführt wurde, schon verblüfft hat.» Deutschland sei
eine tolerante Gesellschaft, aber es gebe immer noch Diskriminierungen.
2005 hatte die damals regierende rot-grüne Koalition ein von Union
und FDP heftig bekämpftes Antidiskriminierungsgesetz vorgelegt,
das wegen der vorgezogenen Bundestagswahl nicht mehr verabschiedet
werden konnte. Das jetzige Gesetz basiert auf dieser Grundlage. Der
Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion,
Volker Beck, zeigte sich darüber zufrieden, auch wenn er die
letzten Änderungen als unsinnig bezeichnete. Der Rechtsexperte der
Union, Jürgen Gehb, sagte, die Koalition habe in einem langen
Prozess des gegenseitigen Annäherns zu «einem nicht
geliebten, aber tragfähigen Kompromiss gefunden».
Westerwelle hielt der Union Wortbruch vor. Die Union müsse
«diesem Unsinn» zustimmen, damit es bei der
Föderalismusreform nicht zu viele Abweichler bei der SPD gebe. Die
Koalition wolle nur noch diese Woche überstehen. Nach Ansicht der
FDP wird das Gesetz den Minderheiten nicht helfen, neue Bürokratie
schaffen und Arbeitsplätze gefährden. Der Linksfraktion geht
das Gesetz nicht weit genug. Ihre Abgeordnete Sevim Dagdelen sprach von
einem symbolischen Bekenntnis zur Gleichbehandlung.
Die in letzter Minute eingearbeiteten Änderungen betreffen das
Klagerecht des Betriebsrates und der Gewerkschaften, die
Wohnraumvermietung und Regelungen für die Beweislast. Zypries
sagte, die Änderungen ließen den Kern unberührt. Es
gehe um Klarstellungen. Das Klagerecht sei keineswegs gestrichen. Gegen
den Willen der Betroffenen kann aber nicht geklagt werden. Für
Wohnungseigentümer, die bis zu 50 Wohnungen vermieten, gilt das
Gesetz nicht. Auf heftigen Widerspruch stieß die neue
Beweisregelung. Das Gesetz führt einen Indizienbeweis ein. Wenn
sich damit Benachteiligungen vermuten ließen, müsse die
andere Partei beweisen, dass kein Gesetzesverstoß vorgelegen hat.
(Quelle: dpa)
Opposition droht bei BND-Affäre mit Gang nach Karlsruhe
Fr.30.06.06 - Die Opposition erwägt wegen des Ausschlusses der
Öffentlichkeit bei der Befragung von zwei BND-Mitarbeitern im
BND-Untersuchungsausschuss den Gang vor das Bundesverfassungsgericht.
"Ich denke, wir sehen uns in Karlsruhe wieder," sagte
Grünen-Ausschussmitglied Christian Ströbele in Berlin. Die
Entscheidung der Ausschussmehrheit, die Öffentlichkeit bei der
Befragung des BND-Mitarbeiters Harald Cordes und des anonymen
BND-Residenten P.M. auszuschließen, sei nicht konkret
begründet worden.
Union und SPD, die Mehrheit des Ausschusses zur Klärung der
umstrittenen BND-Aktivitäten im Irak-Krieg und im
Anti-Terror-Kampf, hatte zuvor beschlossen, die BND-Mitarbeiter wegen
der beschränkten Aussagegenehmigung der Bundesregierung
nicht-öffentlich in einem abhörsicheren Raum zu befragen.
Das Ausschussmitglied der Linksfraktion, Wolfgang Neskovic,
kündigte an, die drei Oppositionsparteien würden über
mögliche rechtliche Schritte "in Ruhe beraten". Auf jeden Fall
werde es am Ende des Untersuchungsausschusses Rechtsklarheit geben.
FDP-Politiker Max Stadler sagte am Rande der Sitzung, bei der Zulassung
der Öffentlichkeit handele es sich um eine "Grundsatzfrage". Er
vertraue darauf, dass die Obleute aller Fraktionen eine Lösung
finden würden. Notfalls müsse die Frage jedoch juristisch
geklärt werden. Stadler sagte, die FDP habe auf die
Möglichkeit verwiesen, die Zeugen nicht im Sitzungssaal, sondern in
einem anderen Raum zu befragen. Das Verhör könnte dann bei
Unkenntlichmachung des Zeugen in den Sitzungssaal übertragen
werden. Zum Inhalt der Sitzung sagte Stadler dem Nachrichtensender n-tv,
es gehe um die Frage, ob die deutsche Botschaft in Mazedonien doch
frühzeitig über die Entführung eines deutschen
Staatsangehörigen informiert war.
SPD-Ausschussmitglied Thomas Oppermann begründete den Ausschluss
der Öffentlichkeit mit sonst zu befürchtenden Auswirkungen auf
die künftige Einsetzbarkeit der BND-Mitarbeiter. Sicherlich sei
die Information der Öffentlichkeit "ein hohes Gut". Er behalte
sich daher eine Prüfung vor, ob die Ausschussprotokolle im
Nachhinein veröffentlicht würden und ob es eventuell
später noch einmal eine öffentliche Befragung der beiden
BND-Mitarbeiter geben könne.
(Quelle: afp)