Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertzweiunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Bin Laden würdigt im Irak getöteten Terroristenführer Al
Sarkawi
Sa.01.07.06 - Terroristenführer Osama bin Laden hat in einer Video-Botschaft den
im Irak getöteten Extremisten Abu Mussab al Sarkawi als
«Löwen des Heiligen Krieges» bezeichnet. In einer im
Internet verbreiteten Aufzeichnung verteidigte der Sprecher, dessen
Stimme wie die Bin Ladens klang, Anschläge mit Opfern in der
Zivilbevölkerung. Al Sarkawi habe den Auftrag gehabt, jeden zu
töten, der die Amerikaner unterstütze.
Das 19-minütige Video auf einer islamistischen Web-Site zeigte ein
älteres Standbild Bin Ladens sowie bewegte Bilder von Al Sarkawi.
Der Anführer der Al Kaida im Irak war am 7. Juni bei einem
US-Luftangriff nordöstlich von Bagdad getötet worden. Bin
Laden forderte US-Präsident George W. Bush auf, den Leichnam al
Sarkawis dessen Familie zu übergeben. Die Al Kaida werde die USA
und ihre Verbündeten weiter überall bekämpfen, im Irak,
in Afghanistan, Somalia und im Sudan, bis die US-Soldaten besiegt
heimkehrten. Es war die vierte Botschaft von bin Laden in diesem Jahr.
Dabei war jeweils nur seine Stimme zu hören. Die letzten Bilder von
ihm stammten vom Oktober 2004.
Die US-Truppen im Irak meldeten unterdessen weitere Erfolge im Kampf
gegen Terroristen. Bei einem Einsatz nordöstlich von Bagdad seien
drei mutmaßliche Terroristen getötet und drei verwundet
worden. Irakische Polizisten hatte die US-Soldaten zu Hilfe gerufen,
nachdem sie in einem Dorf in der Nähe von Bakuba angegriffen worden
waren. Nach US-Angaben wurden im Juni bei Kämpfen 57
ausländische Kämpfer getötet. Die Organisation der
Terroristen sei derzeit sehr zerrissen, sagte Generalmajor William
Caldwell, der Sprecher der US-Streitkräfte im Irak. Dadurch
müssten sich die verbliebenen Mitglieder häufiger treffen, was
es den US-Truppen erleichtere, sie aufzuspüren und zu verfolgen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 01.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertachtundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Entführer von israelischem Soldaten fordern Ende der Gaza-Offensive
Sa.01.07.06 - Die Entführer des israelischen Soldaten Gilad Schalit fordern die
Freilassung von 1.000 Häftlingen aus Gefängnissen in Israel.
Weiter verlangten sie in einer am Samstagmorgen im Hamas-Rundfunk in
Gaza verbreiteten Erklärung ein Ende der israelischen
Militäroffensive im Gazastreifen.
Unter den freizulassenden Häftlingen könnten auch
nicht-palästinensische Muslime und Araber sein, hieß es in
der gemeinsamen Erklärung vom militärischen Flügel der
Hamas-Bewegung, der Volkswiderstandskomitees und der Armee des Islams.
Die drei militanten Gruppen hatten sich zu der Entführung des
Israelis Schalit vor knapp einer Woche bekannt.
Sie warfen Israel vor, ungeachtet internationaler
Vermittlungsbemühungen einseitig auf militärische Macht zu
setzen. «Der Feind und seine politische Führung» seien
unter dem Einfluss von Militär- und Sicherheitskommandeuren, die
«nur die Sprache der Invasion, Zerstörung und des
Tötens zu persönlichen Zwecken kennen», hieß es
in der Erklärung. Wiederholt wurde auch die frühere Forderung
auf eine Freilassung aller weiblichen und minderjährigen
Palästinenser in israelischen Gefängnissen im Austausch gegen
Informationen über den verschleppten Schalit.
In einer Sondersitzung des Weltsicherheitsrats lieferten sich Vertreter
Israels und der Palästinenser unterdessen einen heftigen
Schlagabtausch. Der palästinensische UN-Beobachter Rijad Mansur
wiederholte Vorwürfe an Israel, schon vor Schalits Verschleppung
eine Großoffensive im Gazastreifen geplant zu haben, um die
jüngste Einigung über die Zukunft der Autonomiegebiete
zwischen Fatah und Hamas zu torpedieren. Israels Ziel sei der Kollaps
der Autonomieregierung, damit es ungehindert einseitige Schritte
verfolgen könne.
Der israelische UN-Gesandte Daniel Carmon entgegnete, Israel habe auf
die Entführung Schalits reagiert, nachdem es sich wochenlang trotz
wiederholten Raketenbeschusses auf sein Territorium und versuchter
Entführungen zurückgehalten habe. Gaza habe sich zu einer
«Terrorbasis» entwickelt, die von der Hamas-Regierung aktiv
unterstützt werde, hielt er den Palästinensern vor.
Mansur rief den Sicherheitsrat auf, die israelische Offensive zu
verurteilen und die Freilassung Dutzender festgenommener
palästinensischer Politiker zu fordern. Zahlreiche Sprecher riefen
zu einem Ende der israelischen Militäraktion auf, zu einer
Resolution entschloss sich das Gremium am Freitagabend jedoch nicht.
(Quelle: ap)
Hanija mahnt Palästinenser zu Geduld
Sa.01.07.06 - Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija hat
seine Landsleute am Freitag angesichts des israelischen
Großangriffs auf den Gazastreifen zu Geduld gemahnt. Die Offensive
habe das Ziel, die von der Hamas geführte Regierung zu
stürzen, erklärte Hanija in seiner ersten öffentlichen
Erklärung seit Beginn des Angriffs am Mittwoch. Die israelische
Luftwaffe hatte am Freitag ihre Angriffe im Gazastreifen intensiviert,
die Bodentruppen blieben aber zunächst noch in ihren Stellungen an
der Grenze.
Hanija sagte in einer Moschee, seine Regierung werde ungeachtet der
Entführung von acht Ministern durch Israel standhaft bleiben. Sie
lasse sich nicht von ihren Positionen abbringen. Hanija erklärte,
er arbeite hart daran, die Krise mit Israel zu beenden. Um eine
Vermittlung bemüht sich auch Ägypten, das weiter hofft, die
Freilassung des entführten israelischen Soldaten zu erreichen.
«Je schneller das geschieht, desto so besser», erklärte
der israelische Verteidigungsminister Amir Perez. Wenn der Soldat
freigelassen und der Beschuss Israels mit Kassam-Raketen eingestellt
sei, «dann kehren unsere Soldaten in ihre Stützpunkte
zurück».
Mit einem Luftangriff auf das Innenministerium in Gaza setzte Israel
die palästinensische Hamas-Regierung am Freitag weiter unter Druck.
Eine Rakete traf dabei das Büro von Innenminister Said Sijam im
vierten Stock des Gebäudes, eine weitere die Räume von Sijams
Leibwächtern im Erdgeschoss. Die zweite und dritte Etage, in denen
Pässe hergestellt werden, blieben unversehrt. Verletzt wurde
niemand. Die israelischen Streitkräfte bestätigten den
Angriff. Ein Sprecher nannte das Gebäude «einen Treffpunkt
zur Planung und Koordination von Terroraktivitäten».
Augenzeugen berichteten weiter von Einschlägen in Einrichtungen
der militanten Hamas-Bewegung und in einem Büro der Fatah von
Präsident Mahmud Abbas in der Stadt. In Rafah wurde ein Führer
des Islamischen Dschihads getötet. Im nördlichen Gazastreifen
legte israelischer Artilleriebeschuss nach palästinensischen
Angaben die Stromversorgung zum Teil lahm. Zwei Transformatoren seien
getroffen worden.
Israel entzog zudem am Freitag vier führenden Hamas-Mitgliedern
ihre Wohnrechte in Jerusalem. Sie können auch nicht mehr frei
Israel reisen. Der Beschluss dazu wurde schon im April gefasst, die
Anordnung wurde aber erst am Freitag von Innenminister Roni Bar-On
unterzeichnet.
(Quelle: ap)
Islamisten gewinnen Mehrheit im Parlament von Kuwait
Sa.01.07.06 - Aus der ersten Parlamentswahl in der Geschichte Kuwaits, an der auch
Frauen teilnehmen konnten, ist die islamistische Opposition als
stärkste Kraft hervorgegangen. Nach dem amtlichen Endergebnis kamen
fundamental-islamische Kandidaten auf 21 der 50 Parlamentssitze, drei
mehr als bisher. Insgesamt stellt die Opposition mit 33 Mandaten die
Mehrheit im künftigen Parlament. Größte Verlierer waren
Kandidaten der Regierung; sie stellen künftig nur noch 13
Abgeordnete, sechs weniger als im aufgelösten Parlament. Alle 28
Bewerberinnen gingen leer aus.
Obwohl Frauen etwa 57 Prozent der rund 340.000 Wahlberechtigten
stellen, war wegen des Wahlsystems nicht damit gerechnet worden, dass
eine der Kandidatinnen auf Anhieb den Sprung ins Parlament schaffen
würde. Die aussichtsreichste Bewerberin, Rola Daschti, konnte
gerade mal 1540 Stimmen auf sich vereinen.
Die Opposition hatte in einem aggressiven Wahlkampf für Reformen
und gegen Korruption geworben. Wegen ihrer Forderung, die Wahlkreise
radikal zusammenzustreichen, hatte der kuwaitische Emir Scheich Sabah el
Ahmed el Sabah im Mai das Parlament aufgelöst und vorgezogene
Neuwahlen angesetzt.
(Quelle: afp)
USA : Somalische Islamisten erhalten Geld aus Saudi-Arabien
Sa.01.07.06 - Die US-Regierung befürchtet die Schaffung eines
Taliban-ähnlichen moslemischen Regimes in Somalia, wo die Milizen
der Bewegung islamische Gerichte die Hauptstadt Mogadischu eingenommen
haben.
Aus Somalia und Jemen flössen Gelder an die islamischen Gerichte,
sagte die Afrika-Beauftragte des Außenministeriums, Jendayi
Frazer, am Donnerstag bei einer Anhörung des
Repräsentantenhauses in Washington. "Ich will nicht sagen, dass die
saudiarabische Regierung irgendein (islamisches) Gericht
unterstützt, ich weiß aber, dass Geld aus Saudi-Arabien
kommt", sagte sie. Außerdem kämen Geld aus dem Jemen und
Waffen aus Eritrea nach Somalia.
Die islamischen Gerichte entstanden Mitte der 90er Jahre in Somalia, in
dem sich Kriegsfürsten verschiedener Stämme seit Jahren
bekriegten. Unterdessen haben bewaffnete Kämpfer der Gerichte die
Hauptstadt Mogadischu eingenommen. Ein Anführer der Bewegung,
Scheich Hassan Dahir Aweys, hat nach US-Informationen Kontakte zur
Extremistenorganisation Al-Kaida. Dies ist auch ein Grund, warum die USA
die Kriegsfürsten gegen die islamischen Gerichte
unterstützten. Frazer verteidigte dies und erklärte, die
US-Regierung wolle verhindern, dass Somalia ein sicherer Hafen für
Terroristen werde.
Im Moment kämen widersprüchliche Nachrichten aus Somalia,
sagte Frazer. Während der als moderat geltende Scheich Scharif
Ahmed einen versöhnlich gehaltenen Brief an die US-Regierung
geschrieben habe, sei Scheich Aweys zum Chef des Rates der islamischen
Gerichte ernannt worden. Einen Dialog mit Aweys lehnt die US-Regierung
ab. Sie wolle dagegen ihre Unterstützung für die
Übergangsregierung ausbauen, die in der südsomalischen Stadt
Baidoa sitzt. Die Regierung wurde im benachbarten Kenia gebildet, hat
bislang aber kaum Einfluss auf die Entwicklungen in Somalia.
(Quelle: rtr)
Zweidrittelmehrheit im Bundestag für Föderalismusreform
Sa.01.07.06 - Nach heftigem Ringen um Kompromisse hat die große Koalition die
umstrittene Föderalismusreform mit Zweidrittelmehrheit im
Bundestag durchgesetzt. Einige SPD-Abweichler änderten mit ihrem
Abstimmungsverhalten am Freitag am Ergebnis nichts. Bundeskanzlerin
Angela Merkel würdigte das Reformwerk, weil es «Mut zur
Veränderung» zeige. Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck sprach von
der größten Verfassungsreform seit Inkrafttreten des
Grundgesetzes. Die Mehrzahl der Interessenverbände ließ kaum
ein gutes Haar an der Reform.
428 von 593 Abgeordneten stimmten für die Staatsreform. Für
die Verabschiedung waren mindestens 410 Ja-Stimmen erforderlich.
CDU/CSU und SPD zusammen verfügen im Bundestag über 448
Stimmen. Die Zweidrittelmehrheit war wegen 25 verfassungsändernder
Eingriffe nötig. Die namentliche Abstimmung im Bundestag war die
vorletzte parlamentarische Hürde. Jetzt muss noch der Bundesrat am
7. Juli die Staatsreform billigen.
Dann ist die Zustimmung der Länder nicht mehr bei rund 60 Prozent
der Bundesgesetze, sondern nur noch bei geschätzten 30 bis 40
Prozent erforderlich. Grundsätzlich in die Kompetenz der
Länder fallen in Zukunft zum Beispiel Strafvollzug, Heimrecht,
Ladenschlussrecht, Versorgung und Laufbahnrecht von Landesbeamten sowie
das Hochschulrecht mit Ausnahme der Zulassung und der Abschlüsse.
Der Bund erhält als neue Gesetzgebungskompetenz die Regelung der
Befugnisse des Bundeskriminalamts im Kampf gegen Terrorismus. Noch
innerhalb dieser Wahlperiode sollen auch die Finanzbeziehungen zwischen
Bund und Ländern reformiert werden.
Merkel würdigte, dass es in letzter Minute gelungen sei, bei
Vorhaben der Wissenschaft und Forschung an Hochschulen die gemeinsame
Förderung von Bund und Ländern im Grundgesetz zu verankern.
Allerdings muss der Bundesrat solche Projekte einstimmig billigen.
Für Merkel gehört auch der Umweltbereich zu den Gewinnern der
Reform. Dass die Länder von Bundesvorgaben abweichen können,
sah sie pragmatisch: «Sie werden sehen, das wird sich
vernünftig einspielen.»
SPD-Fraktionschef Peter Struck lobte die Kompromissbereitschaft der
Länder bei den zweieinhalb Jahre langen Verhandlungen. «Die
reine Lehre war nicht durchsetzbar», räumte er ein. Ohne die
Reform wäre der Bund in akute Handlungsnot gekommen.
FDP-Partei- und Fraktionschef Guido Westerwelle bemängelte, das
Herzstück einer bundesstaatlichen Reform, die Finanzbeziehungen
von Bund und Ländern, sei auf die lange Bank geschoben worden. Der
Vizevorsitzende der Linksfraktion, Bodo Ramelow, lehnte die
Föderalismusreform als «faulen Kompromiss» ab. Die
Fraktionschefin der Grünen, Renate Künast, äußerte
die Befürchtung, die Reform führe in die
«Kleinstaaterei».
Positiv äußerte sich der Bundesverband der Deutschen
Industrie (BDI). Präsident Jürgen Thumann sagte: «Die
große Koalition kann Reformen zügig voranbringen, wenn sie
nur will.»
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft nannte die Reform dagegen
die «Mutter allen Unsinns». Das Kooperationsverbot bei den
Schulen oder die Zersplitterung des Hochschulrechts lasse das deutsche
Bildungswesen «immer mehr zum Flickenteppich verkommen».
Die Naturschutzverbände NABU und Deutsche Umwelthilfe sahen in den
Abweichungsrechten der Länder eine Schwächung des
Umweltschutzes. Auch der Deutsche Bauernverband warnte vor einer
Zersplitterung im Umweltrecht, die nur Wettbewerbsnachteile mit sich
bringe.
(Quelle: ap)
Wissenschaft und Technik
Nobelpreisträger Crutzen will Klima wegen Erderwärmung
manipulieren
Sa.01.07.06 - Im Kampf gegen die Erderwärmung will der niederländische
Nobelpreisträger Paul Crutzen notfalls zu radikalen Mitteln
greifen: Sollte der Anstieg der Temperaturen rund um den Globus sich als
"brutaler als erwartet" erweisen, könnte die Menschheit eine
Million Tonnen Schwefel oder Schwefelwasserstoff per Ballons in die
Ozonschicht bringen, sagte der 72-Jährige dem französischen
Wissenschaftsblatt "La Recherche". Daraus würde dann in einer
chemischen Kettenreaktion eine Art Schutzschicht entstehen, die
Sonneneinstrahlung teils absorbiert und innerhalb von Jahren für
niedrigere Durchschnittstemperaturen auf der Erde sorgt.
Crutzen zufolge könnte der Schwefel in zehn bis 50 Kilometern
Höhe, also in der Stratosphäre, verbrannt und in Schefeldioxid
umgewandelt werden. Daraus würden anschließend winzige
Sulfat-Partikel mit einem Durchmesser von jeweils weniger als einem
Mikrometer, also einem Tausendstel Millimeter. Diese Teilchen
würden Sonnenstrahlen reflektieren und so den Treibhaus-Effekt
bremsen.
Die übel riechende "Notlösung" sei nicht seine eigene Idee,
räumte der Novelpreisträger von 1995 und langjährige
Direktor am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie ein: Der Russe
Michail Budyko habe sie vor drei Jahrzehnten vorgeschlagen. Nun
müsse die Idee aber ernsthaft geprüft werden, zumal beim Klima
nicht alles vorhergesehen werden könne. Möglicherweise sei
die künftige Erderwärmung unteschätzt worden. "Wir
müssen eine Diskussion ohne Hysterie über die Frage einer
künstlichen Beeinflussung des Klimas führen."
(Quelle: afp)
Space Shuttles sollen durch Kapsel abgelöst werden
Sa.01.07.06 - Auch wenn die für den heutigen Samstag geplante Reise der
US-Raumfähre Discovery diesmal ohne größere Pannen
verlaufen sollte, steht bereits fest, dass sich das Shuttle-Programm
seinem Ende nähert. In vier Jahren will die NASA die Shuttle-Flotte
einmotten. Ihr Nachfolger soll das Crew Exploration Vehicle (CEV)
werden, das bis 2014 für bemannte Flüge startklar sein soll.
Mit dem CEV hat die US-Raumfahrtbehörde dann Großes vor: Es
soll bis 2018 Astronauten zum Mond bringen und später auch zum
Mars.
Von der Technik her ist das CEV aber eher unspektakulär. Es wird
kein Raumgleiter sein wie die Space Shuttles, die wie Flugzeuge wieder
auf der Erde landen. Stattdessen ähnelt sein trichterförmiges
Design der früheren Apollo-Kapsel. Ausschlaggebend dafür sind
Sicherheitsgründe: Als Kapsel sei das CEV zehn Mal sicherer als die
Shuttles, versichert die US-Raumfahrtbehörde.
Das CEV soll fünfeinhalb Meter Durchmesser haben und vier bis
sechs Astronauten aufnehmen können. Beim Start soll es auf der
Spitze einer Trägerrakete aufsitzen. Durch diese Konstruktion soll
verhindert werden, dass die Kapsel während des Aufstiegs durch
herabfallende Stücke der Isolierung beschädigt wird. Ein
solches Schaumstoffteil hatte das Columbia-Unglück vom Februar 2003
ausgelöst, bei dem alle sieben Astronauten ums Leben kamen.
Außerdem wird das CEV im Gegensatz zum Shuttle mit einer
zusätzlichen Minirakete ausgestattet sein, mit der sich die Crew
bei Problemen während des Starts in Sicherheit katapultieren kann.
Wie der Space Shuttle soll das CEV an der Internationalen Raumstation
ISS andocken können. Bei der Rückkehr zur Erde soll das CEV an
drei Fallschirmen hängen und von Luftkissen gefedert werden.
Landen soll es auf der US-Luftwaffenbasis Edwards in Kalifornien.
Notfalls kann es aber auch ins Meer fallen. Neben der bemannten Version
des CEV soll es eine weitere geben, die allein für Fracht gedacht
ist. Dieses Gefährt soll bis zu 125 Tonnen befördern
können. Das unbemannte CEV soll die schweren Teile, die für
die Missionen zum Mond und Mars gebraucht werden, in die Erdumlaufbahn
bringen.
Die NASA hatte bereits im vergangenen Jahr zwei Industriegruppen
ausgewählt, die um den Bau des CEV wetteifern. Das erste Team wird
vom US-Konzern Lockheed Martin angeführt. Zu der Gruppe gehört
auch die EADS Space Transportation, eine Tochter des europäischen
Raumfahrtkonzerns EADS. Das zweite Team wird von dem
US-Rüstungsgiganten Northrop Grunman angeführt. Zu ihm
gehören der US-Luftfahrtkonzern Boeing und das italienische
Raumfahrtunternehmen Alenia Spazio. Wer den Auftrag bekommt, wird die
NASA voraussichtlich im August verkünden. Die Kosten der neuen
Raumkapsel sind im Übrigen bislang noch völlig ungewiss.
(Quelle: afp)