B.O.A.-NACHRICHTEN
 last update: boa München, Mo.03.07.2006 - 14:00 
  [ Übersicht] [ Ticker ] [ Medien-Termine] [ Medien-Nachrichten]

 

.
 
a8-k070030      

Kurznachrichten                    [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ]

[ vorherige] [ nächste ]         

+++ Mo.03.07.06, 07:00        zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak am siebenhundertvierunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

US-Soldaten der Ermordung einer irakischen Familie verdächtig. Irak veröffentlicht Liste mit meistgesuchten Personen. Bagdad: Terror im 24-Stunden-Takt

Mo.03.07.06 - Nach Berichten über ein mutmaßliches Massaker amerikanischer Marineinfanteristen in Haditha häufen sich die Hinweise auf ein weiteres schweres Verbrechen an der irakischen Zivilbevölkerung. Mindestens vier US-Soldaten sollen im März südlich von Bagdad eine junge Irakerin vergewaltigt und anschließend sie und drei ihrer männlichen Familienmitglieder getötet haben, darunter vermutlich auch ein Kind. Dabei habe es sich allem Anschein nach um vorsätzlichen Mord gehandelt, räumte ein Militärbeamter am Samstag ein.

Dem Gewährsmann zufolge beobachteten die betroffenen Soldaten das Haus der irakischen Familie unweit von Mahmudija ungefähr eine Woche lang ganz gezielt. Schließlich seien sie in das Gebäude eingedrungen und hätten die Vergewaltigung und die Morde begangen. Den Leichnam der Frau hätten sie mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet, um die Tat zu vertuschen. Einen vorherigen Angriff auf die Soldaten habe es nicht gegeben.

Der Polizeichef von Mahmudija, Ihsan Abdul Rahman, erklärte, er habe schon am 13. März Informationen erhalten, dass eine irakische Familie von US-Soldaten getötet worden sei. Er habe die amerikanischen Streitkräfte aber nicht davon unterrichtet. Nach US-Militärangaben war zwar der Tod der Betroffenen bekannt, doch wurde er auf die gewaltsamen Aufstände in der Region zurückgeführt. Dem Gewährsmann zufolge kam der Fall nach der grausamen Tötung und Verstümmelung von zwei entführten US-Soldaten im Raum Mahmudija Mitte Juni ans Licht. Offenbar aus Gewissensbissen heraus habe einer der mutmaßlichen Beteiligten die Ermordung der Familie gestanden.

Den Verdächtigen droht im Falle einer Verurteilung die Todesstrafe. Vor rund zehn Tagen wurden bereits acht US-Soldaten beschuldigt, am 26. April in Hamdania westlich von Bagdad einen Iraker aus seinem Haus gezerrt und ohne vorausgegangene Provokation erschossen zu haben. Anschließend sollen sie die Leiche so hergerichtet haben, dass es aussah, als ob es sich um einen Aufständischen gehandelt habe.

Für Aufsehen sorgten unlängst zudem Berichte über mutmaßliche Massaker in Haditha sowie in Ischaki. In Haditha nordwestlich von Bagdad sollen US-Marineinfanteristen am 19. November vergangenen Jahres willkürlich bis zu 24 irakische Zivilpersonen getötet haben, nachdem einer ihrer Kameraden bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommen war. Bei einem ähnlichen Zwischenfall in Ischaki nördlich von Bagdad sollen bis zu elf Iraker getötet worden sein.

Die Vereinigung muslimischer Gelehrter im Irak, eine einflussreiche sunnitische Organisation, erklärte am Sonntag, das Verbrechen gegen die Familie zeige abermals «das hässliche Gesicht Amerikas». Ein in Jordanien ansässiger irakischer Menschenrechtsaktivist rief die internationale Staatengemeinschaft zur Intervention auf. Solche Verbrechen dürften sich nicht wiederholen, betonte Mohammed al Schechli vom Zentrum für Justizstudien in Amman. In den irakischen Medien hat der jüngste Fall bislang indessen noch keine große Rolle gespielt.

Der Irak hat am Sonntag eine Liste der 41 meistgesuchten Personen des Landes veröffentlicht. Darauf stehen unter anderen die Ehefrau von Expräsident Saddam Hussein, Sadschida Chairallah Tulfah, und seine älteste Tochter, Raghad. Außerdem finden sich auf der Liste Saddam Husseins früherer erster Stellvertreter, Issat Ibrahim al Duri, der bei der Finanzierung des sunnitischen Aufstands eine Rolle spielen soll. Auch der neue Führer von Al Kaida im Irak, Abu Ajjub al Masri, zählt zu den Gesuchten.

Für die Ergreifung von Al Duri wurden zehn Millionen Dollar (7,9 Millionen Euro) Belohnung ausgesetzt, für die von Al Masri 50.000 Dollar. Der nationale Sicherheitsberater Muwafak al Rubaie sagte, auch Interpol sowie alle Nachbarstaaten seien informiert worden. Er betonte, dass die Liste sich von derjenigen unterscheide, die die USA veröffentlicht haben. Die meisten der 55 Gesuchten auf der US-Liste sind inzwischen entweder tot oder wurden gefangengenommen.

Mit einem verheerenden Anschlag auf Zivilisten in einem Schiiten-Viertel von Bagdad hat die Gewalt zwischen irakischen Schiiten und Sunniten am Wochenende einen neuen Höhepunkt erreicht. 68 Menschen starben, als eine Bombe am Samstag in dem Vorort Sadr-City explodierte.

102 weitere Menschen erlitten nach Angaben des Gesundheitsministeriums zum Teil schwere Verletzungen. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira veröffentlichte zudem in der Nacht zum Sonntag ein Tonband, auf dem angeblich El-Kaida-Chef Osama bin Laden erstmals den Schiiten im Irak mit Gewalt droht.

«Die schiitischen Regionen im Süden des Iraks sollen nicht sicher sein, wenn die Liquidierung der Sunniten nicht aufhört», heißt es auf dem Tonband. Die Schiiten müssten bestraft werden, da sie gemeinsam mit den USA und ihren Verbündeten sunnitische Städte wie Mossul, Falludscha und Ramadi angriffen, fordert die Bin Laden zugeschriebene Stimme. Dies wäre das erste Mal, dass der El-Kaida-Chef eine derart aggressive Haltung gegenüber schiitischen Muslimen zeigt. Allerdings bedrohte der Terroristenchef in der Tonbandbotschaft auch die sunnitische Islamische Partei, weil sie seit dem Frühjahr an der irakischen Regierung beteiligt ist. Alle Angehörigen der Regierungsparteien seien Angriffsziele.

Bewaffnete griffen am Sonntag in Mahmudija südlich von Bagdad die Abgeordnete Lika al-Jassin von der religiösen Schiiten-Allianz an. Die Parlamentarierin konnte nach Angaben aus Sicherheitskreisen entkommen. Die Extremisten verschleppten aber acht ihrer Begleiter.

Ein schiitischer Abgeordneter der säkularen Partei von Ijad Allawi überlebte ebenfalls einen Attentatsversuch. Aus dem Büro von Ijad Dschamal al-Din hieß es, zwei Leibwächter des Politikers seien verletzt worden, als am Sonntag ein Sprengsatz in der Nähe des Hauses von Dschamal al-Din in Bagdads Dschadirija-Viertel explodiert sei. Noch kein Lebenszeichen gibt es von der sunnitischen Abgeordneten Tajsir Awad al-Maschhadani, die am Samstag gemeinsam mit acht ihrer Leibwächter in Bagdad entführt worden war.

Am Sonntag explodierte erneut ein Sprengsatz auf einem Markt in der irakischen Hauptstadt. Nach Angaben des irakischen Staatsfernsehens wurden auf dem Markt im Al-Hurrija-Viertel 31 Menschen verletzt. Bei der Explosion einer Autobombe im Stadtteil Karrade kamen zwei Zivilisten ums Leben.

(Quellen: ap, dpa)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Chronologie des Irak-Kriegs:

Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05. 2005 bis 03.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
 
 

Vor einem Jahr:
 
Irak am dreihundertundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

So.03.07.05 - Mindestens 42 Tote und viele Verletzte bei Anschlägen und Kämpfen +++ Schweizer im Irak durch Schüsse von US-Soldaten getötet... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0507030.htm#news

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
 

Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248 Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.

Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine verlässlichen Angaben. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 

 


 


 

Zwei britische Soldaten in Afghanistan getötet

Mo.03.07.06 - Beim Angriff auf einen Stützpunkt der Koalitionsstreitkräfte im Süden Afghanistans sind zwei britische Soldaten und ein afghanischer Dolmetscher getötet worden. Vier weitere Soldaten wurden verletzt, ihre Nationalität wurde vorerst jedoch nicht bekannt gegeben. Sie befänden sich in stabilem Zustand im Krankenhaus, erklärte ein Militärsprecher am Sonntag. Nach Einschätzung des deutschen Verteidigungsministers Franz Josef Jung wird auch die Gefahr für die deutschen Soldaten in Afghanistan immer größer.

Großbritannien beteiligt sich zurzeit mit gut 3.000 Mann an einer Großoffensive gegen Taliban-Kämpfer im Süden Afghanistans. Insgesamt sind daran 10.000 afghanische und ausländische Soldaten beteiligt. Es handelt sich um die größte Militäraktion seit dem Sturz des Taliban-Regimes im Herbst 2001. Dabei wurden am Samstag in der Provinz Helmand elf Aufständische von afghanischen Soldaten getötet.

Die Angreifer der ebenfalls in Helmand gelegenen Militärbasis setzten bei ihrem Gegenschlag auch Panzerabwehrraketen ein, wie von Seiten der Koalitionsstreitmacht verlautete. Zuvor hatten Taliban-Kämpfer bereits einen Stützpunkt in Kandahar mit Raketen angegriffen und zehn Menschen verwundet. Dabei handelte es sich nach Militärangaben um fünf amerikanische und zwei kanadische Soldaten sowie drei ausländische Zivilangestellte.

Jung erklärte laut «Bild am Sonntag»: «Die Entwicklung in Afghanistan bereitet mir größte Sorge. In diesem Jahr haben wir bereits fast so viele Anschläge zu verzeichnen wie im gesamten letzten Jahr.» Er habe angeordnet, dass die deutschen Truppen vor Ort grundsätzlich nur noch in geschützten Fahrzeugen transportiert werden dürften.

Jung sprach von einer neuen terroristischen Herausforderung in Afghanistan: «Die Terroristen versuchen den Wiederaufbauprozess im Lande zu stoppen.» Taliban, Al-Kaida-Anhänger und Drogenbarone arbeiteten dabei offensichtlich zusammen. Dennoch will der CDU-Politiker das Mandat der internationalen Schutztruppe ISAF zum Wiederaufbau weiterhin vom Mandat zur Terrorbekämpfung getrennt halten.

(Quelle: ap)
 


 

Peres: Angriff auf Hanijas Amtssitz war klare Warnung

Mo.03.07.06 - Der israelische Vizeministerpräsident Schimon Peres hat den Raketenangriff auf den Amtssitz des palästinensischen Ministerpräsidenten vom frühen Sonntagmorgen als «klare Warnung» bezeichnet. Der Angriff sei in der Nacht erfolgt, als klar gewesen sei, dass Ministerpräsident Ismail Hanija nicht anwesend sein würde, sagte Peres am Sonntag im US-Fernsehsender CNN. Hanija müsse sein «Doppelverhalten» ändern: «Entweder es ist eine Regierung mit allen Verantwortlichkeiten einer Regierung, oder es ist eine Terrororganisation mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben.» Die Tatsache, dass die Hamas-Vertreter «einst gewählt wurden, gibt ihnen nicht das Recht, auf Israelis zu schießen, sie zu töten, in Gefahr zu bringen, zu entführen», sagte Peres.

(Quelle: ap)
 


 

Afrika-Gipfel berät über Lage in Somalia und Sudan

Mo.03.07.06 - Die Krise in der sudanesischen Region Darfur sowie in Somalia haben am Wochenende das zweitägige Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) in Gambia beherrscht. UN-Generalsekretär Kofi Annan bezeichnete den Darfur-Konflikt als «einen der größten Albträume der jüngeren Geschichte». Doch auch die Folgen von Krieg, Armut und Krankheiten in anderen Teilen Afrikas dürften nicht ignoriert werden. Gäste des Gipfels in Banjul waren die Präsidenten des Irans und Venezuelas, Mahmud Ahmadinedschad und Hugo Chavez.

Annan wies darauf hin, dass die internationalen Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent stiegen und die Ausbreitung von HIV-Infektionen prozentual zurückgehe. Dies dürfe aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Zahl der Aids-Kranken weiter zunehme und ebenso die Anzahl der Menschen, die in extremer Armut lebten. Ebenso blieben die Bemühungen um eine Beilegung der Konflikte in Darfur und Somalia sowie in der Elfenbeinküste und im nördlichen Uganda hinter den negativen Entwicklungen vor Ort zurück.

Nach einem Gespräch mit Ahmadinedschad zeigte sich Annan laut seinem Sprecher Stephane Dujarric erfreut darüber, dass der Iran ernsthaft an einer friedlichen Beilegung des Streits über sein Atomprogramm interessiert sei. Der Besuch des iranischen Präsidenten in Banjul galt als Versuch, die Unterstützung der Afrikaner im Atomstreit zu gewinnen. Chavez betonte, der Iran habe wie jedes andere Land das Recht auf eine friedliche Nutzung der Kernenergie.

Ahmadinedschad wiederum warf dem Westen Rüpelmethoden bei der Ausbeutung armer Länder vor. Er wisse, wie viel die unterdrückten Völker Afrikas und Lateinamerikas gelitten hätten. Der Gastgeber des Gipfels, der gambische Präsident Yahya Jammeh, pries die Anwesenheit von Chavez und Ahmadinedschad als moralische Aufwertung Afrikas und als Zusicherung, dass der Kontinent den Aufschwung schaffen werde.

(Quelle: ap)
 


 

Bolivien: Anhänger Morales' dominieren Verfassungsversammlung

Mo.03.07.06 - Die neue verfassungsgebende Versammlung Boliviens wird von Anhängern von Präsident Evo Morales dominiert. Bei der Wahl des Gremiums am Sonntag eroberten Parteigänger Morales' nach einer Hochrechnung des Senders PAT 135 der 255 Sitze. Sie verfehlten damit allerdings die Zwei-Drittel-Mehrheit, mit der sie Verfassungsänderungen im Alleingang hätten durchsetzen können.

Die Versammlung soll eine Verfassung erarbeiten, die insbesondere der indianischen Bevölkerung Boliviens mehr Rechte verleihen soll. Präsident Morales, der erste Indio an der Spitze des Andenstaats, will in dem neuen Grundgesetz unter anderem eine Umverteilung beziehungsweise Verstaatlichung von Landbesitz festgeschrieben sehen.

Die verfassungsgebende Versammlung soll am 6. August zusammentreten und innerhalb von sechs bis zwölf Monaten das derzeitige Grundgesetz überarbeiten. Den Änderungen müssen mindestens zwei Drittel des Gremiums zustimmen. Anschließend wird der neue Verfassungsentwurf den Bürgern in einem Referendum zur Abstimmung vorgelegt.

Gleichzeitig mit der Wahl der verfassungsgebenden Versammlung sollten die Bolivianer am Sonntag in einer Volksabstimmung darüber entscheiden, ob Zuständigkeiten von der Zentralregierung in La Paz auf die Teilstaaten übertragen werden sollten. In vier der neun Staaten stimmte ersten Ergebnissen zufolge eine große Mehrheit der Bevölkerung für mehr Autonomie. Morales hatte sich gegen die Dezentralisierung ausgesprochen und argumentiert, davon profitierten nur reiche Bolivianer. Die vier Staaten, in denen die Reform offenbar Unterstützung fand, gehören zum wohlhabenderen Teil Boliviens.

(Quelle: ap)
 


 

Kopf-an-Kopf-Rennen nach Präsidentschaftswahl in Mexiko

Mo.03.07.06 - Nach der Präsidentschaftswahl in Mexiko zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Wählerumfragen zufolge dürften der linksgerichtete Exbürgermeister von Mexiko-Stadt, Andres Manuel Lopez Obrador, und der konservative frühere Energieminister Felipe Calderon in etwa gleichauf liegen. Die beiden größten mexikanischen Fernsehsender verzichteten am Sonntagabend (Ortszeit) darauf, die Ergebnisse ihrer Wählernachfragen zu veröffentlichen. Der Abstand zwischen den beiden Kandidaten sei nicht aussagekräftig, hieß es.

Vertreter der Wahlkommission äußerten die Hoffnung, dass die Stimmauszählung mehr Klarheit bringen werde. Lopez Obrador von der Demokratischen Revolutionspartei (PRD) hat im Wahlkampf versprochen, das Los der Armen in Mexiko entschieden zu verbessern. Sein Gegner Calderon von der regierenden Nationalen Aktionspartei (PAN) versicherte, er werde die Schaffung von Arbeitsplätzen in den Mittelpunkt seiner Politik stellen. Der amtierende Präsident Vicente Fox durfte sich gemäß Verfassung nicht um eine weitere Amtszeit bewerben.

Bei der Neuwahl des Parlaments deutete sich in Wählernachfragen ein Sieg der PAN an, gefolgt von Lopez Obradors PRD. Die Partei der Institutionellen Revolution (PRI), die bis zu Fox' Wahlsieg vor sechs Jahren 71 Jahre lang in Mexiko regiert hatte, schaffte offenbar kein Comeback: Sie landete in den Wählernachfragen an dritter Stelle.

(Quelle: ap)
 


 

WTO-Gespräche in Genf gescheitert

Mo.03.07.06 - Die Verhandlungen zur Liberalisierung des Welthandels sind vorerst gescheitert. Ein Ministertreffen bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf endete erneut ergebnislos. Nach WTO-Generaldirektor Pascal Lamy sprach auch Deutschlands Wirtschaftsminister Michael Glos am Sonntag von einer Krise. Deutschland werde aber seinen Einfluss für einen erfolgreichen Abschluss geltend machen. Lamy sagte, es bestehe kein Grund zur Panik. Hauptstreitpunkt sind weiter Agrarsubventionen und Einfuhrzölle auf landwirtschaftliche Produkte.

Der Handelskommissar der Europäischen Union, Peter Mandelson, warnte vor einem Scheitern der gesamten Doha-Runde, wenn nicht noch in diesem Sommer Fortschritte erzielt würden. «Dies war kein erfolgreiches Treffen, aber es war auch keine Katastrophe», sagte er. Die Doha-Runde - benannt nach der Hauptstadt von Katar, wo sie vor fünf Jahren initiiert wurde - zielt auf einen weiteren Abbau protektionistischer Hürden im Welthandel ab. Die WTO hat erklärt, bei einem Scheitern der Verhandlungen entstünden der Weltwirtschaft Verluste in Milliardenhöhe.

Glos betonte, nötig seien nun Mechanismen zur Krisenbewältigung. Er begrüßte, dass Lamy beauftragt sei, zunächst zwischen EU, USA, Brasilien, Indien, Japan und Australien zu vermitteln. «Deutschland wird seinen Einfluss auch zukünftig geltend machen, um die Doha-Runde zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.» Bei einem Scheitern würden deutsche Interessen über bilaterale Freihandelsabkommen gesichert. Der Staatssekretär im Agrarministerium Gert Lindemann erklärte: «Wir sind mit großer Bereitschaft zu Kompromissen in die Verhandlungen gegangen und hätten uns auch von den USA mehr Flexibilität erwartet.»

Die Europäische Union zeigte sich in Genf zu Zugeständnissen bereit. Mandelson deutete an, dass die EU weitere Einschnitte bei den Einfuhrzöllen auf landwirtschaftliche Produkte nicht ausschließe. Die USA dagegen rückten von ihrem bisherigen Angebot nicht ab, das wiederum den Entwicklungs- und Schwellenländern nicht weit genug geht. Außerdem fordern USA und EU, dass Länder wie Brasilien und Indien mehr Wettbewerb auf dem Industrie- und Dienstleistungssektor zulassen. Der brasilianische Außenminister Celso Amorim, der die G-20 genannte Gruppe der Entwicklungsländer anführt, nannte die Haltung «politisch und moralisch falsch».

Der Schweizer Wirtschaftsminister Joseph Deiss machte in erster Linie die USA für das Scheitern der WTO-Verhandlungen verantwortlich. «Die USA haben sich um kein Jota bewegt», sagte Deiss der «NZZ am Sonntag». Die Amerikaner wollten ihre Subventionen für die Landwirtschaft nicht abbauen, und auch die G-20 verharrten auf ihrer Position. Laut Deiss wird es sehr schwer werden, die Verhandlungen wie geplant vor Jahresende unter Dach und Fach zu bringen. «Wenn uns das nicht gelingt, müssen wir damit rechnen, dass der Liberalisierungsprozess um ein paar Jahre zurückgeworfen wird», erklärte er.

(Quelle: ap)
 


 

Deutschland

Krankenkassenbeiträge steigen 2007

Mo.03.07.06 - Die Krankenkassenbeiträge sollen zum 1. Januar 2007 um etwa 0,5 Prozentpunkte erhöht werden, um das Milliardendefizit bei den gesetzlichen Kassen zu decken. Ab 2008 soll dann die Krankenversicherung für Kinder schrittweise zum Teil aus Steuermitteln finanziert werden, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel am frühen Montagmorgen in Berlin mitteilte.

Konkret sollen 2008 zunächst 1,5 Milliarden aus Steuermitteln in die Versicherung von Kindern fließen, 2009 werde diese Summe auf drei Milliarden steigen, sagte Merkel. In der nächsten Legislaturperiode solle die schrittweise Erhöhung fortgesetzt werden. Dazu seien keine Steuererhöhungen nötig. «Das ist ein wirklicher Durchbruch», betonte die Kanzlerin.

Die Spitzen von Union und SPD legten fest, dass ein Gesundheitsfonds eingerichtet werden soll, der die Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern einziehen soll. Aus diesem Fonds sollen die Kassen für jeden Versicherten einen einheitlichen Betrag erhalten. Die private Krankenversicherung werde als Vollversicherung erhalten, unterstrich Merkel, aber in einer Vielzahl von Bereichen Anteile übernehmen. Sie wies darauf hin, dass durch die Verwendung von Steuermitteln für die beitragsfreie Kinderversicherung auch die gesetzliche Krankenversicherung durch Gelder von allen Steuerzahlern entlastet werde. Viele Maßnahmen würden erst schrittweise greifen. «Ich glaube, uns ist hier ein guter Schritt gelungen», sagte Merkel.

(Quelle: ap)
 


 

650 Menschen protestieren gegen Truppenübungsplatz 'Bombodrom'

Mo.03.07.06 - In Kyritz haben am Sonntag Hunderte Menschen gegen den geplanten Luft-Boden-Schießplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide demonstriert. Es war bereits die 101. Protestwanderung der Bürgerinitiative «Freie Heide». Zum Auftakt hätten sich rund 500 Gegner des als «Bombodrom» bekannten ehemaligen Truppenübungsplatzes bei Wittwock in der St. Marienkirche versammelt, sagte ein Sprecher der Initiative. Anschließend seien rund 650 Menschen über den Altstadtring zum Markt zu einer abschließenden Kundgebung gelaufen.

Es sei die erste Protestwanderung in Kyritz gewesen, fügte der Sprecher hinzu. Bislang hätten die Wanderungen immer durch Dörfer in unmittelbarer Nähe des «Bombodroms» geführt. Doch Kyritz würde im Falle einer Inbetriebnahme des «Bombodroms» im Nachtflugkorridor liegen. Deshalb sei der Protest dieses Mal in die Stadt westlich von Neuruppin verlegt worden. Nach Polizeiangaben verlief die Protestaktion friedlich.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) bekräftigte in einem Grußwort an die Demonstranten seine ablehnende Haltung zum «Bombodrom». Die Region brauche eine tragfähige Perspektive. Die Pläne der Bundeswehr hätten keine wirtschaftliche Perspektive. Diese liege im naturnahen Tourismus. Das Ruppiner Land habe 2005 mit mehr als einer Million Übernachtungen alle anderen Reisegebiete in Brandenburg übertroffen. «Das ermutigt und bestätigt uns», betonte Junghanns.

Die Bundeswehr will den rund 12 000 Hektar großen früheren sowjetischen Truppenübungsplatz bei Wittstock für Übungsflüge nutzen. Geplant sind rund 1700 Einsätze pro Jahr. Seit 13 Jahren wehren sich die Anwohner gegen das «Bombodrom».

(Quelle: ddp)
 


 

30 Organisationen wollen bei Bush-Besuch demonstrieren

Mo.03.07.06 - Beim Deutschland-Besuch von Präsident George W. Bush will ein Aktionsbündnis von etwa 30 Organisationen gegen die Außenpolitik der USA demonstrieren. «Es geht dabei nicht gegen Bush persönlich oder generell gegen die USA, sondern gegen die amerikanische Kriegspolitik, die der Präsident entgegen des Völkerrechts betreibt und zu verantworten hat», erklärte Peter Strutynski vom Bundesausschuss der Organisation Friedensratschlag in Stralsund, wo Bush Mitte Juli erwartet wird. Die Proteste stünden unter dem Motto «Not welcome, Mr. President».

An zwei Veranstaltungsorten in der Stralsunder Innenstadt sind von Kundgebungen, Gespräche, Informationsangebote und Demonstrationszüge geplant. Die Hauptforderung der Demonstranten laute «Kriege beenden - Kriegsplanungen stoppen», sagte Strutynski. Bushs Krieg gegen den Terror sei schon lange zu einem Vorwand geworden, unliebsame Regime auszuwechseln und so Einfluss und wirtschaftliche Vorteile zu gewinnen. Für Öl dürfe künftig kein Blut mehr fließen.

Nicht nur aus Stralsund und Mecklenburg-Vorpommern würden Demonstranten dabei sein, sagte Strutynski. Auch aus Hamburg, Berlin und dem Ruhrgebiet seien Busse angemeldet. Zudem würden in vielen Städten in ganz Deutschland während des Aufenthalts des US-Präsidenten so genannte «Bush-Trommeln» geschlagen, um gegen seine Politik zu protestieren.

Die Protestveranstaltungen in Stralsund würden in jedem Fall stattfinden, sagte Monty Schädel von der Steuerungsgruppe des Aktionsbündnisses. Polizei und Stadtverwaltung hätten Entgegenkommen für die Anträge zu den Demonstrationen gezeigt. Man warte nur noch auf die endgültige Bestätigung der Veranstaltungsorte und -abläufe. «Wir wollen friedlich demonstrieren und uns klar von Rechtsextremisten abgrenzen, die ebenfalls Proteste vorhaben», betonte er. Über Teilnehmerzahlen wollten die Initiatoren der Protestaktionen nicht spekulieren.

(Quelle: ap)
 


 

Hirnforscher: Kinder brauchen mehr Herausforderung

Mo.03.07.06 - Schüler müssen nach Ansicht des Hirnforschers Gerald Hüther mehr Möglichkeiten bekommen, ihr erworbenes Wissen praktisch anzuwenden. «Sie könnten zum Beispiel älteren Menschen vorlesen oder Englisch beibringen», sagte der Professor für Neurobiologie an der Universität Göttingen in einem dpa-Gespräch.

«Kinder sind keine Gefäße, die man mit Wissen füllen kann. Sie brauchen Aufgaben, an denen sie wachsen können. Müll runterbringen und Küche aufräumen zählen nicht dazu», sagte Hüther, der auch dem Beirat des Thüringer Projekts «Hirngerechte Bildung in Kindergarten und Schule» (hi.bi.kus [http://www.hibikus.de]) angehört.

Kinder wollten Leistung zeigen, um anerkannt zu werden, betonte Hüther. Zudem könnten nur so in ihrem Gehirn die für ihr Selbstbild zuständigen Nervenzellverschaltungen herausgebildet werden. «Eine Katastrophe ist es, wenn Schüler etwa wegen einer schlechten Zensur entwertet und beschämt werden.» Zensuren seien zwar nötig, aber nicht als Auswahlkriterium dafür, ob ein Kind ein guter oder schlechter Mensch ist.

«Alle Kinder kommen mit einem unglaublichen Potenzial zur Welt», sagte der Neurobiologe. Von den vielen anfänglich hergestellten Nervenzellverknüpfungen würden aber nur diejenigen stabilisiert, die auch genutzt werden. «Wir alle sind nur eine Kümmer-Version dessen, was aus uns hätte werden können», sagte Hüther. Eltern, Kindergärtner und Lehrer könnten dazu beitragen, dass dieses Potenzial der Kinder nicht verloren geht, sondern gefördert wird.

«Es müssen Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die Kinder viele unterschiedliche praktische Erfahrungen machen können. Nur diese werden im Gehirn fest verankert», sagte der Professor. Die Erwachsenen dürften dem Nachwuchs das, was er lernen soll, nicht fertig vorsetzen. «Kinder brauchen immer wieder Gelegenheit, etwas zu erfahren, was unter die Haut geht, was sie berührt und begeistert. Deshalb werden diejenigen die besten Erzieher und Lehrer, die selbst noch neugierig sind und die Kinder mögen», sagte Hüther. «Eine gute Schule erkennt man daran, dass die Schüler traurig sind, wenn der Unterricht ausfällt, weil der Lehrer krank ist oder die Schulferien beginnen.»

(Quelle: dpa)
 
 
 
 

mehr Kurznachrichten...


[ vorherige ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   



 

PicoSearch

| Nachrichtenticker | Nachrichten der vergangen Tage |

 | kunst&kult | philosophie | wissenschaft | gesellschaft | diverses | öko | medien | links

| home | home(no frame) |

B.O.A.-Künstlerkooperative
Gabelsbergerstr.17, D-80333 München, Telefon/Fax : 089- 280621,
boa-kuenstlerkooperative@t-online.de