Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertsiebenunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Mindestens acht Tote bei Anschlägen. Entsetzen im Irak über
Morde durch US-Soldaten. Irak will eigene Untersuchung
Do.06.07.06 - Mehrere Anschläge haben am Mittwoch im Irak mindestens acht
Menschen das Leben gekostet. In Mossul wurden ein Polizist und eine
Zivilperson bei der Explosion einer Autobombe getötet, vier
Personen wurden verletzt. Ziel des Anschlags war eine Polizeipatrouille.
Weitere Sprengsätze detonierten in der Hauptstadt Bagdad.
In einem Busdepot im Zentrum von Bagdad riss die Explosion einer Bombe
zwei Menschen in den Tod, zehn weitere wurden verletzt. Die Busse
bringen in erster Linie Fahrgäste in das schiitische Viertel Sadr
City. Im Stadtteil Dora wurde ein Angestellter der dortigen Raffinerie
erschossen. Ein Mitarbeiter des Innenministeriums erlitt schwere
Verletzungen, als Bewaffnete das Feuer auf seinen Wagen eröffneten.
Im Südwesten der Hauptstadt schossen Unbekannte aus einem
fahrenden Auto heraus auf eine schiitische Familie. Ein
zwölfjähriger Junge kam ums Leben, sein Bruder und zwei
weitere Angehörige wurden verwundet. Im Osten von Bagdad wurde ein
Zivilist bei einem Bombenanschlag auf eine Polizeipatrouille
getötet, vier Menschen erlitten Verletzungen. Auf einem Basar in
der Innenstadt explodierte ein in einer Tasche versteckter Sprengsatz.
Sieben Menschen wurden verletzt.
In Kirkuk im Nordirak wurden Angestellte eines privaten
Sicherheitsdienstes zum Ziel eines Anschlags. Der Sprengsatz war am
Straßenrand versteckt. Ein Mensch kam ums Leben, drei weitere
wurden verletzt.
In der Stadt Ramadi durchsuchten irakische und amerikanische Soldaten
ein Krankenhaus. Das Gebäude sei von Aufständischen als
Unterschlupf genutzt worden, erklärten die Streitkräfte. Von
dort aus seien auch Anschläge ausgeführt und koordiniert
worden.
Berichte über die Ermordung von vier irakischen Zivilisten und die
Vergewaltigung einer jungen Frau durch einen früheren US-Soldaten
haben in Bagdad Entsetzen ausgelöst. Mit der Gewalttat gegen die
junge Frau sei "Iraks Ehre" angegriffen worden, sagte die sunnitische
Abgeordnete Safiah el Suheil. Gegen den 21-jährigen, inzwischen
entlassenen Soldaten wurde in den USA ein Verfahren wegen Vergewaltigung
und vierfachen Mordes eröffnet.
Ebenso wie die Vergewaltigung sollen die Morde am 12. März in
Mahmudijah verübt worden sein. Mehrere andere US-Soldaten sollen
Zeugen der Taten gewesen sein. "Es geht um eine Irakerin, sie steht
für die Ehre aller Frauen dieses Landes", sagte Suheil. Das
Parlament müsse die Regierung zwingen, eigene Ermittlungen
anzustellen und die Verantwortlichen zu bestrafen.
Einzelheiten der Bluttat waren erstmals am Montag in Washington bekannt
gegeben worden. Der 21-jährige Steven Green soll seinen drei
Begleitern zunächst von der jungen Frau erzählt haben, bevor
sie gemeinsam in das Haus nahe Mahmudijah eindrangen. Dort habe Green
die Frau vergewaltigt und erschossen. Im selben Haus haber er drei
weitere Menschen erschossen, unter ihnen ein minderjähriges
Mädchen.
Das US-Justizministerium machte keine Angaben zur Identität der
Opfer. Die "Washington Post" berichtete unter Berufung auf Nachbarn der
Todesopfer, dass es sich um ein Ehepaar und seine zwei Töchter
handele. Demnach hatte die 15-jährige Tochter ihrer Mutter
anvertraut, dass ihr US-Soldaten an einem nahe gelegenen Kontrollpunkt
wiederholt Avancen gemacht hätten. Nach Angaben des
US-Justizministeriums wurde Green am Freitag im Bundesstaat North
Carolina festgenommen und am Montag einem Bundesgericht in Charlotte
vorgeführt.
Der Irak will die mutmaßliche Vergewaltigung und die Ermordung
irakischer Zivilisten durch einen US-Soldaten von einem eigenen Gremium
untersuchen lassen.
"Wir werden eine unabhängige irakische Untersuchung der
Vorwürfe fordern", sagte Ministerpräsident Nuri al-Maliki am
Mittwoch. Möglich seien auch gemeinsame Ermittlungen mit den
multinationalen Streitkräften, sagte Maliki in Kuwait.
Maliki sprach sich zudem für eine Diskussion über die
Immunität der ausländischen Soldaten aus. "Wir glauben, dass
die Immunität, die den ausländischen Soldaten gewährt
wird, sie zu solchen Verbrechen ermutigt", sagte er.
(Quellen: ap, afp, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 06.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertdreiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Afghanistan: Serie von Taliban-Anschlägen in Kabul
Do.06.07.06 - Die radikal-islamischen Taliban haben ihre Anschlagserie in der
afghanischen Hauptstadt Kabul fortgesetzt und einen Zivilisten
getötet sowie 44 weitere Menschen verletzt.
Bei der Explosion eines Sprengsatzes neben einem Armeebus während
des Berufsverkehrs seien 39 Soldaten verletzt worden, sagte der
Sprecher des Verteidigungsministeriums, General Sahir Asimi. Eine
Stunde später detonierte eine weitere Bombe neben einem Bus mit
Personal des Handelsministeriums. Nach Angaben des Innenministeriums
wurden sechs Zivilisten verletzt, einer davon starb auf dem Weg ins
Krankenhaus. Die Taliban bekannten sich zu den Anschlägen.
Taliban-Sprecher Mohammad Hanif kündigte verstärkte Angriffe
in Kabul und im Verantwortungsbereich der Bundeswehr in Nordafghanistan
an. In Nordafghanistan sind seit dem 10. Juni fünf Anschläge
auf die Bundeswehr verübt worden, bei denen insgesamt fünf
deutsche Soldaten verletzt wurden.
Die Bundeswehr hatte am 1. Juni das Kommando über die
NATO-geführte Internationale Schutztruppe ISAF in Nordafghanistan
übernommen. Der NATO-Sprecher für die Region, Oberstleutnant
Markus Werther, betonte: «Wir werden uns nicht vertreiben
lassen.» Die Vereinten Nationen verurteilten die Anschlagserie in
Kabul.
Im Osten Kabuls kam es am Mittwoch zu einer dritten Explosion, bei der
nach Angaben des Innenministeriums niemand verletzt wurde.
Ministeriumssprecher Jussuf Stanisai sagte, es habe sich um eine alte
Mine gehandelt, die möglicherweise wegen starker Hitze detoniert
sei. Taliban-Sprecher Hanif sagte dagegen, die Explosion sei auf einen
Anschlag der Rebellen zurückzuführen. «Unsere
Mudschaheddin haben heute drei Angriffe im Norden, Osten und Zentrum
der Stadt Kabul gegen Sicherheitskräfte ausgeführt»,
sagte er per Telefon. Dabei seien zehn Angehörige der
Sicherheitskräfte getötet worden.
Bei einem Bombenanschlag nahe des stark gesicherten
Präsidentenpalastes im Zentrum Kabuls waren am Dienstag mindestens
sechs Menschen verletzt worden. Wenige Stunden zuvor war ein Anschlag
auf einen Bus des Innenministeriums verübt worden, wobei ein
Polizist verletzt worden war. Auch zu diesen Anschlägen bekannten
sich die Taliban. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte am
Mittwoch: «Weil die Feinde des afghanischen Volkes nicht in der
Lage sind, von Angesicht zu Angesicht gegen die afghanische Armee zu
kämpfen, führen sie diese Terroranschläge aus.»
Afghanistan erlebt seit dem Frühling die schlimmste Welle der
Gewalt seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban Ende 2001. Mehr
als 1100 Menschen kamen seitdem ums Leben, die meisten davon Rebellen
im Süden des Landes. Derzeit läuft in Afghanistan die
größte Offensive der US-geführten Koalitionstruppen
seit dem Sturz der Taliban. Deutsche ISAF-Soldaten sind daran nicht
beteiligt. Gegenwärtig sind für die ISAF rund 2750 deutsche
Soldaten in Afghanistan und im usbekischen Termes stationiert. Seit
Beginn des ISAF-Einsatzes Ende 2001 starben 18 deutsche Soldaten.
(Quelle: dpa)
Weltweite Sorge vor Eskalation in Nahost - Israel beschließt
Ausweitung der Offensive im Gazastreifen
Do.06.07.06 - Die israelische Regierung hat nach dem ersten palästinensischen
Raketenangriff auf eine größere Stadt eine Verschärfung
ihrer Militäroffensive beschlossen. International wächst die
Besorgnis vor einer weiteren Eskalation.
Das so genannte Sicherheitskabinett um Ministerpräsident Ehud
Olmert billigte am Mittwoch neue Einsätze gegen die regierende
radikal-islamische Hamas-Bewegung im Gazastreifen und Westjordanland,
wie die Regierung mitteilte. Am Dienstagabend war eine Kleinrakete des
Typs Kassam erstmals im Zentrum der Küstenstadt Aschkelon
eingeschlagen.
US-Außenministerin Condoleezza Rice rief Israel zur
Zurückhaltung auf. Zugleich verlangte Rice am Mittwoch in
Washington, Druck auf die radikal-islamische Hamas-Bewegung
auszuüben, damit der entführte israelische Soldat
freigelassen wird und die Angriffe mit Kleinraketen vom Typ Kassam auf
Israel aufhören. Die US-Außenministerin kündigte an,
die humanitäre Hilfe für die Palästinenser fortzusetzen.
Außerdem werde alles getan, um die Energieversorgung
wiederherzustellen.
Die finnische EU-Ratspräsidentschaft kritisierte das
militärische Vorgehen Israels im Gazastreifen als
«unverhältnismäßig». Damit werde die
gesamte palästinensische Bevölkerung bestraft, sagte die
finnische Europaministerin Paula Lehtomäki vor dem Europaparlament
in Straßburg. Gleichzeitig forderte sie die Palästinenser
auf, den verschleppten israelischen Soldaten freizulassen und den
Raketenbeschuss zu stoppen.
Israels Vorgehen in den Palästinensergebieten wurde auch in einer
Sondersitzung des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen deutlich
kritisiert worden. Eine entsprechende Resolution, nach der Tel Aviv der
Verletzung von Menschenrechten beschuldigt wird, wurde jedoch vertagt.
In einer Mitteilung von Olmerts Büro war von der Einführung
neuer «Spielregeln» in der Region die Rede. Der engste
Ministerkreis habe eine «lang andauernde, in Stufen verlaufende
Militäroperation» im Gazastreifen und Westjordanland
gebilligt. Die Bewegungsfreiheit militanter Palästinenser solle
durch eine Untertrennung des Gazastreifens in verschiedene Abschnitte
eingeschränkt werden. Olmerts Büro dementierte jedoch
Medienberichte über die angeblich geplante Einrichtung einer
Sicherheitszone im nördlichen Gazastreifen. Es seien Einsätze
gegen Einrichtungen der Hamas und Infrastrukturen geplant, «die
dem Terror dienen».
Der militärische Hamas-Arm Issedin al-Kassam hatte sich zu dem
Angriff auf die 120.000-Einwohner-Stadt Aschkelon bekannt. Militante
Palästinenser hatten dabei eine Schule getroffen. Menschen kamen
nicht zu Schaden. Olmert sprach am Dienstagabend von einer
beispiellosen Eskalation. Bislang waren Kassam-Raketen lediglich auf
kleinere israelische Ortschaften gefeuert worden.
In der Nacht setzte Israel Angriffe auf den Gazastreifen fort. Aus
einer Drohne wurde eine Rakete auf das palästinensische
Innenministerium in Gaza abgefeuert. Auch eine von der
radikal-islamischen Regierungspartei Hamas betriebene Grundschule sei
getroffen worden.
Das israelische Militär versuchte am Mittwochmorgen vergeblich,
weitere führende Hamas-Politiker festzunehmen. Augenzeugen
berichteten, dass Soldaten das Haus des Parlamentspräsidenten Asis
Dweik in Ramallah stürmten. Auch Häuser mehrerer anderer
Abgeordneter der regierenden radikal-islamischen Hamas wurden
durchsucht. In allen Fällen seien die Parlamentarier jedoch nicht
zu Hause gewesen. Israel hatte bereits 26 Hamas-Abgeordnete und 8
Minister in Haft genommen.
Bei einem Schusswechsel zwischen israelischen Soldaten und militanten
Palästinensern in Bet Chanun im nördlichen Gazastreifen wurde
am Mittwoch ein elfjähriger Junge getötet. Soldaten
erschossen in Jericho im Westjordanland einen militanten
Palästinenser. Eine Armeesprecherin sagte, der Mann habe versucht
zu flüchten. Bei einer schweren Explosion in einem Haus in der
Stadt Gaza wurden mindestens zwei Palästinenser getötet.
Die israelische Zeitung «Jediot Achronot» meldete unter
Berufung auf arabische Quellen aus dem Umfeld ägyptischer
Vermittler, der am 25. Juni in den Gazastreifen entführte
israelische Soldat Gilad Schalit werde in einem unterirdischen Bunker
gefangen gehalten.
(Quelle: dpa)
20 Präsidentenkandidaten fordern Stopp des Wahlkampfes im Kongo
Do.06.07.06 - Unter Berufung auf diverse Unregelmäßigkeiten haben 20 der
33 Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl im Kongo einen Stopp des
Wahlkampfes gefordert. "Wir verlangen das Einfrieren der Wahlkampagne",
hieß es in der am Dienstag veröffentlichten gemeinsamen
Erklärung. Vor einer Fortsetzung der Wahlvorbereitungen
müssten die "festgestellten und angeprangerten
Unregelmäßigkeiten" beseitigt werden, forderte
Forschungsminister Gérard Kamanda wa Kamanda, der zu den
unterzeichnenden Kandidaten zählt.
(Quelle: afp)
Uganda: Rebellenchef bleibt im Falle von Friedensvertrag straffrei
Do.06.07.06 - Der ugandische Präsident Yoweri Museveni hat dem Chef der
Rebellenbewegung LRA, Joseph Kony, Straffreiheit zugesichert, wenn es
zum Abschluss eines Friedensvertrages für das Land kommt. Trotz der
Anklage des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag gegen
Kony wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die
Menschlichkeit werde Museveni dem Rebellenchef eine "vollständige
Amnestie" gewähren, wenn er sich bei den Friedensgesprächen
kommende Woche "positiv" verhalte, teilte die Präsidentschaft in
Kampala am Dienstag mit. Zudem müsse Kony dem Terrorismus
abschwören. Kony und vier weitere Rebellenführer werden vom
IStGH per Haftbefehl gesucht.
(Quelle: afp)
USA und Japan wollen sich für UN-Sanktionen gegen Nordkorea
einsetzen
Do.06.07.06 - Die USA und Japan wollen sich im UN-Sicherheitsrat gemeinsam für
Sanktionen gegen Nordkorea stark machen. US-Präsident George
W.Bush und der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi
hätten in einem Telefongespräch ein gemeinsames Vorgehen
vereinbart, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag.
Japan hat dem UN-Sicherheitsrat bereits einen Resolutionsentwurf
vorgelegt, in dem Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea gefordert
wurden. China und Russland sprachen sich jedoch für einen deutlich
schwächeren Resolutionstext ohne Androhung von Sanktionen aus.
Ein nordkoreansicher Diplomat bei den Vereinten Nationen hat
«radikale Gegenmaßnahmen» angedroht, falls der
UN-Sicherheitsrat Sanktionen gegen Nordkorea verhängen sollte.
«Wir werden gezwungen sein, radikale Gegenmaßnahmen zu
ergreifen, falls Sanktionen verhängt werden», sagte der
stellvertretende Leiter der nordkoreanischen UN-Mission, Han Song Ryol,
in einem Interview des Fernsehsender TBS.
(Quelle: ap)
Rund 16.000 Menschen durch Kämpfe auf Philippinen vertrieben
Do.06.07.06 - Im Süden der Philippinen sind nach einer Woche heftiger
Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Moslemrebellen mindestens
16.000 Menschen auf der Flucht. Mindestens zehn Menschen seien in der
vergangenen Woche getötet worden, wie der von der Regierung
eingesetzte Vermittler Ramon Santos sagte. Humanitäre Hilfe sei in
die Region unterwegs. Die Konfliktparteien hätten den Einsatz von
Nothelfern erlaubt. Bei den Toten handele es sich Militärangaben
zufolge um drei Kämpfer der MILF-Rebellen und sieben
Angehörige regierungsnaher Milizen.
Nach Angaben der Rebellen gingen die Verluste auf Seiten der
Regierungstruppen dagegen in die Dutzende. Die Angriffe auf der Insel
Mindanao sei Vergeltung für einen Armeeangriff auf eines ihrer
Ausbildungslager.
(Quelle: afp)
Venezuela tritt Mercosur bei
Do.06.07.06 - Venezuela ist am Dienstag (Ortszeit) der südamerikansichen
Wirtschaftsgeinschaft Mercosur beigetreten. Präsident Hugo Chavez
unterschrieb im Beisein seiner Kollegen aus Brasilien, Argentinien,
Uruguay und Paraguay die Vereinbarungen der Zollunion. Deren Erweiterung
bedeute, dass «wir die Hegemonialansprüche» der USA
nicht akzeptierten, sagte Chavez. «Heute haben wir einen neuen
Eckpfeiler für die Freiheit und Einheit Südamerikas
aufgestellt.» Dagegen erklärte der brasilianische
Präsident Inacio Lula da Silva, Antiamerikanismus sei kein
Markenzeichen des Handelsblocks.
(Quelle: ap)
Europäische Grenzregionen für Experimentierklauseln im
Rechtssystem
Do.06.07.06 - Vertreter europäischer Grenzregionen haben Experimentierklauseln
in den nationalen Rechtssystemen gefordert, um eine intensivere
Zusammenarbeit mit den Nachbarn zu ermöglichen. Die Teilnehmer
eines Kongresses in Saarbrücken schlossen sich damit am Mittwoch
einem Vorschlag des saarländischen Ministerpräsidenten Peter
Müller an.
Der CDU-Politiker sagte, die grenzüberschreitende Kooperation
werde in vielen Fällen durch die nationalstaatlichen Vorgaben und
Regelungen beträchtlich erschwert oder behindert. In Anwendung des
Subsidiaritätsprinzips sollte man deshalb den Grenzregionen die
Umsetzung gemeinsamer Lösungen erleichtern, auch wenn diese nicht
lückenlos mit nationalem Recht übereinstimmten, forderte
Müller.
Gleichzeitig sprach sich der Saarbrücker Regierungschef für
eine stärkere Interessenvertretung der Grenzregionen bei der
Europäischen Union aus. Dabei kritisierte Müller, dass der
Ausschuss der Regionen rein national organisiert sei. So könnten
sich die Vertreter einer Region, beispielsweise eines deutschen
Bundeslandes, bei Verhinderung nicht einmal durch eine andere Region aus
einem Nachbarstaat vertreten lassen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Kabinett beschließt Haushalt für 2007
Do.06.07.06 - Das Bundeskabinett hat den Bundeshaushalt 2007 beschlossen: Die
Ausgaben des Bundes sollen im kommenden Jahr 267,6 Milliarden Euro
betragen, eine Milliarde Euro weniger als in der mittelfristigen
Finanzplanung bislang vorgesehen. Die Neuverschuldung soll bei 22
Milliarden Euro liegen, für Investitionen sind 23,5 Milliarden
veranschlagt.
Damit würde die Vorgabe des Grundgesetzes befolgt, wonach die
Neuverschuldung nicht höher sein darf als die Summe der
Investitionen. Auch die EU-Vorgaben für das gesamtstaatliche
Defizit sollen im kommenden Jahr wieder eingehalten werden. Die
Neuverschuldung soll um 16,2 Milliarden Euro geringer ausfallen als 2006.
(Quelle: afp)
DGB: Gesundheitsreform zementiert die soziale Schieflage
Do.06.07.06 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat der großen Koalition
vorgeworfen, mit ihrer beabsichtigten großen Gesundheitsreform
die bereits bestehende soziale Schieflage bei der
Finanzierung der Kosten auf Dauer festzuschreiben und zu
verstärken.
DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach, die an der DGB-Spitze
für Sozialpolitik zuständig ist, sagte gegenüber der
"Leipziger Volkszeitung" (Mittwoch-Ausgabe): "Die paritätische
Finanzierung ist ohnehin durchlöchert. Die Versicherten zahlen
bereits den zusätzlichen Sonderbeitrag von 0,9 Prozent ihres
Einkommens, Praxisgebühren und erhöhte Zuzahlungen. Wenn die
Arbeitgeberbeiträge faktisch festgeschrieben werden, droht diese
Schieflage für alle Zeit in Stein gemeißelt zu werden",
bemängelte Buntenbach. Davor könnten die Gewerkschaften nur
warnen, "denn das sprengt die Solidarität und
wäre das falsche Signal für Konjunktur und Arbeitsmarkt".
Heftige Kritik übte die Gewerkschafterin auch an dem geplanten
Gesundheitsfonds. Kernproblem der Gesundheitspolitik der Koalition sei,
dass die Zahl der Arbeitnehmer, die die gesetzliche Krankenversicherung
mit ihren Beiträgen finanzierten, in den letzten Jahren dramatisch
gesunken sei. Deshalb sei es notwendig, die solidarische Finanzierung
zu stärken. "Doch das wird mit dem Gesundheitsfonds nicht
erreicht. Fakt ist: Bis zu fünf Prozent der künftigen
Ausgabensteigerungen sollen nicht aus dem Gesundheitsfonds, sondern
generell von den Versicherten finanziert werden - zusätzlich zu
den bestehenden einseitigen Belastungen." Zudem solle ein Zusatzbeitrag
der Versicherten eingeführt werden, wenn die Mittel aus dem Fonds
den Ausgabenbedarf nicht deckten. "Dann müssen die Krankenkassen
zusätzliche Beiträge von den Mitgliedern fordern oder
Leistungen streichen. Wir fordern, dass die Arbeitgeber in Zukunft
gleichwertig an den Kostensteigerungen beteiligt werden und
mithelfen, unnötige Ausgaben zu vermeiden." Das gelte auch
für die private Krankenversicherungswirtschaft. "Ohne einen
effektiven Finanzausgleich zwischen gesetzlicher und privater
Versicherung wird die Solidarität nicht gestärkt", meinte
Frau Buntenbach.
Insgesamt sei die geplante Gesundheitsreform für den DGB "ein
Kompromiss mit vielen Nebenwirkungen, deren Sprengkraft sich zum Teil
erst auf längere Sicht zeigen wird". Die große Koalition
habe ihren Frieden, doch das dürfe nicht das Reform-Kriterium
sein. "Die Probleme im Gesundheitswesen löst diese Reform nicht.
Wir warnen vor allem davor, die gleichen Fehler wie bei Hartz IV zu
machen. Deshalb werden wir die Politiker der großen Koalition mit
den Auswirkungen des Gesundheitsfonds konfrontieren." Es solle
hinterher niemand sagen, er oder sie habe davon nichts gewusst.
(Quelle: ots)
Fusion von PDS und WASG soll in einem Jahr vollzogen sein
Do.06.07.06 - Die Fusion von PDS und WASG zu einer neuen Linkspartei soll in einem
Jahr endgültig vollzogen sein und mit einem gemeinsamen
Parteiprogramm besiegelt werden. Das kündigten Gregor Gysi und
Oskar Lafontaine als Chefs der gemeinsamen Linksfraktion im Bundestag
nach einer Klausurtagung am Mittwoch in Rostock an.
PDS-Chef Lothar Bisky ergänzte, die Linksfraktion sei bei dem
Neubildungsprozess das wichtigste Gremium und zugleich ein Seismograph
für die Stimmungen in beiden Parteien. Im Bemühen um mehr
soziale Gerechtigkeit habe man bereits ein gutes Stück
Gemeinsamkeit erworben und Profil gewonnen. Die Fusionskomplikationen
würden aber noch viel Kraft binden, was auf die politische Arbeit
Nachteile habe. Trotzdem gingen WASG und PDS bei Umfragen im Osten
häufig schon als stärkste Kraft hervor, sagte Bisky.
Als Alternative zur geplanten Gesundheitsreform der Koalition stellte
Gysi ein Eckpunktepapier für eine solidarische
Bürgerversicherung vor. Was die Bundesregierung entworfen habe,
sei «kläglich, klein kariert und geht zu Lasten der sozial
Schwachen», kritisierte er. Ab dem Existenzminimum sollen nach
Vorschlag der Linksfraktion alle Einkommensbezieher und -arten zur
Beitragserbringung herangezogen werden. Die finanziell Stärkeren
hätten dabei auch entsprechend höhere Beiträge zu
entrichten.
Dieses Prinzip müsse auch bei der Steuergesetzgebung stärker
greifen, sagte Lafontaine. Gegenwärtig würden vor allem die
Ärmeren belastet und die Wohlhabenden geschont. Auch die
Fortsetzung des Kampfes gegen Hartz IV habe sich die Linksfraktion auf
die Fahnen geschrieben. Das jetzt praktizierte Verfahren sei nicht auf
neue Arbeitsplätze, sondern gegen die Arbeitslosen gerichtet.
Den bevorstehenden Bush-Besuch in Mecklenburg-Vorpommern lehnt die
Linksfraktion wegen des Irak-Kriegs 2003 ab. Die Absicht von
Bundeskanzlerin Angela Merkel, sich mit Bush einen prominenten Helfer
für ihren CDU-Landesverband einzuladen, werde angesichts der
Vorbehalte gegen Bush ins Gegenteil umschlagen, erklärte
Lafontaine und fügte hinzu: «Wer sich den einlädt, hat
schon verloren».
(Quelle: ap)
SPD empört über Bücherverbrennung durch Rechtsextreme
Do.06.07.06 - Eine von Rechtsextremen inszenierte Bücherverbrennung in
Sachsen-Anhalt ist von der SPD scharf verurteilt worden. Nach dem
Vorbild der Bücherverbrennung der Nationalsozialisten das Tagebuch
der Anne Frank öffentlichkeitswirksam ins Feuer zu werfen, sei
"eine schwer wiegende Grenzverletzung, die das Andenken Ermordeter in
den Dreck zieht", sagte der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz
der "Netzeitung". Es sei "zwingend richtig, staatsanwaltschaftlich zu
ermitteln". Den Tätern sei mit "voller Härte des Gesetzes" zu
begegnen.
Rechtsextremisten hatten Berichten zufolge am 24. Juni in Pretzien nahe
Magdeburg die Sonnenwende mit einer Tanzveranstaltung und einem offenen
Feuer gefeiert. Zunächst soll eine amerikanische Flagge in dem
Feuer verbrannt worden sein. Dann soll ein Teilnehmer das weltbekannte
Tagebuch der von den Nazis ermordeten Anne Frank in die Flammen
geworfen haben. Eine Mitarbeiterin des zuständigen Ordnungsamtes
hatte die Veranstaltung schließlich abgebrochen.
Wiefelspütz befürchtet nach dem Vorfall auch negative
Außenwirkungen für das Ansehen Deutschlands in der Welt.
"Ich hoffe, dass dieser Vorgang nicht das Bild beeinträchtigt, das
Deutschland gerade in den letzten Tagen zeigt", sagte er mit Blick auf
die Fußball-WM.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der
Volksverhetzung gegen drei Verdächtige. In der Kritik steht
außerdem der Ortsbürgermeister, der der Veranstaltung
tatenlos zugeschaut haben soll.
(Quelle: afp)
Bundespräsident Köhler will Patriotismus auch nach der WM
Do.06.07.06 - Bundespräsident Horst Köhler hat die Deutschen aufgerufen,
sich ihren Patriotismus auch nach der Fußball-Weltmeisterschaft zu
bewahren. Im Gespräch mit der «Bild»-Zeitung zeigte
sich das Staatsoberhaupt zugleich stolz darauf, Präsident einer
Nation zu sein, die sich während der WM als guter Gastgeber
präsentiert habe. Zudem sieht Köhler in der Begeisterung
für das Sportereignis auch eine Chance zur Verbesserung der
Integration von Ausländern in der Bundesrepublik.
«Wir sind auf gutem Weg, uns zu uns selbst zu bekennen, stolz zu
sein auf das, was wir nach 1945 erreicht haben», wird der
Bundespräsident zitiert. Die Deutschen identifizierten sich mit
ihrem Land und seinen Nationalfarben. «Das finde ich
großartig», sagte Köhler und fügte hinzu:
«Es ist schön, wenn Patriotismus da ist. Dann gibt er
Halt.» Der Bundespräsident appellierte zugleich an die
Bürger, Mut zu haben, um Neues zu wagen. Daran solle man sich auch
nach der WM erinnern. «Ja ich bin stolz auf dieses Land, auch weil
wir aus der Geschichte gelernt haben», betonte Köhler.
Die besondere Chance, die sich aus der Fußball-Weltmeisterschaft
für die Integration von Ausländern ergebe, begründete
Köhler vor allem mit dem Verhalten der in Deutschland lebenden
Türken. Bei vielen Begegnungen mit Jugendlichen türkischer
Abstammung hätten diese auf die Frage, wem sie bei der WM die
Daumen drückten, «ganz selbstverständlich»
geantwortet: «Deutschland natürlich.» Köhler
betonte: «Etwas Besseres kann uns gar nicht passieren. So gelingt
Integration.»
Diesem Thema hätten die Deutschen in der Vergangenheit nicht genug
Aufmerksamkeit geschenkt, bemängelte das Staatsoberhaupt und
betonte: «Es wird Zeit, dass wir allen Einwanderern, die sich zu
unserem Land und unserer Verfassung bekennen, ein Angebot machen, sie
mit offenen Armen in unsere Gesellschaft integrieren.»
(Quelle: ap)
Böhmer verlangt nationalen Integrationsplan bis Jahresende
Do.06.07.06 - Die Bundesregierung will den Integrationsgipfel am 14. Juli dazu
nutzen, ein einheitliches Vorgehen von Staat und Gesellschaft
voranzubringen. Ziel sei ein «nationaler Integrationsplan»
bis Jahresende, sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung,
Maria Böhmer (CDU), am Dienstag in Berlin. An dem Gipfel im
Kanzleramt sollen rund 70 Personen teilnehmen.
Böhmer wies darauf hin, dass heute rund 15 Millionen Menschen mit
Migrationshintergrund in der Bundesrepublik lebten, die Hälfte
davon seien Deutsche. Trotz zahlreicher Initiativen gebe es nach wie vor
«erhebliche Defizite» bei der Integration, insbesondere
beim Frauenrecht oder dem Spracherwerb. Daher solle auch bei der
Integration künftig der Grundsatz von «Fördern und
Fordern» gelten, forderte Böhmer.
Bayern hat bereits angekündigt, auf dem Gipfel eine Initiative
für bundeseinheitliche Standards bei Einbürgerungen in
Deutschland einbringen zu wollen. Nordrhein-Westfalen will seinen
20-Punkte-Plan vorstellen, mit dem die Integration in dem Bundesland
einen kräftigen Schub erhalten soll. Dazu gehört unter anderem
der Einstieg in einen Islamunterricht an den Schulen sowie eine
verstärkte Gewinnung von Lehrern mit Migrationshintergrund.
Böhmer versicherte, der Integrationsgipfel werde keine einmalige
Veranstaltung sein. Der nationale Integrationsplan, der neben einem
Maßnahmekatalog auch Selbstverpflichtungen enthalten soll,
könne nur in einem längeren Prozess erarbeitet werden.
(Quelle: ddp)
SPD in Stralsund nennt US-Präsident Bush 'nicht willkommen'
Do.06.07.06 - Der SPD-Kreisverband Stralsund hat sich gegen den für nächste
Woche geplanten Besuch von US-Präsident George W. Bush in der Stadt
ausgesprochen. «Der SPD-Kreisverband Stralsund heißt
Präsident Bush nicht willkommen», heißt es in einer
Pressemitteilung. Bush betreibe «eine zügellose Machtpolitik
ohne Rücksicht auf das Völkerrecht, die
Menschenrechtskonvention und internationale Übereinkommen».
Er habe einen «nicht gebilligten Angriffskrieg zu verantworten,
in der Folge das menschenrechtswidrige Gefangenenlager Guantanamo, die
Entführung eines deutschen Staatsbürgers und eine beispiellose
rechtsstaatswidrige Bespitzelung der eigenen Bevölkerung»,
heißt es in der Erklärung der SPD-Untergliederung.
Die SPD hält fünf der 42 Sitze in der Bürgerschaft von
Stralsund, die CDU ist mit zwölf Mandaten stärkste Fraktion
und stellt mit Harald Lastovka auch den Oberbürgermeister.
Stralsund liegt im Wahlkreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel, auf
deren Einladung hin Bush vom 12. bis 14. Juli Mecklenburg-Vorpommern
besuchen will.
Mit der Pressemitteilung stellt sich die SPD in der Ostseestadt gegen
SPD-Ministerpräsident Harald Ringstorff, der den Besuch
begrüßt. Der Bush-Besuch hatte schon für Verstimmung in
der rot-roten Landesregierung gesorgt: Die SPD ist verärgert
darüber, dass auch Minister des Koalitionspartners Linkspartei.PDS
gegen den mächtigsten Staatenlenker der Welt demonstrieren wollen.
Der SPD-Landesvorsitzende, Agrarminister Till Backhaus, hat wiederholt
sein Unverständnis für die Protestvorhaben seiner
Kabinettskollegen geäußert.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
DDT beeinträchtigt die Entwicklung von Kindern
Do.06.07.06 - Kinder, die im Mutterleib dem Pestizid DDT ausgesetzt waren, haben
Schwierigkeiten bei der weiteren Entwicklung. Zu diesem Ergebnis ist
eine Studie der University of California ekommen. Das
Schädlingsbekämpfungsmittel wurde in Amerika und
Großbritannien in den siebziger Jahren verboten. Heute wird es in
einigen Ländern noch immer zur Bekämpfung der Malaria
übertragenden Moskitos eingesetzt. Es war bereits bekannt, dass DDT
mit verfrühten Geburten und einem geringen Geburtsgewicht in
Zusammenhang steht. Die Wissenschaftler erklärten, dass ihre in dem
Ergebnisse dem Fachmagazin Pediatrics veröffentlichten
Forschungsergebnisse bei der aktuellen Debatte um die Bekämpfung
von Malaria berücksichtigt werden sollten.
DDT bleibt lange nach dem Einsatz in der Umwelt, lagert sich in der
Nahrungskette und in den Fettgeweben von Tieren und Menschen ab. Im
Laufe der Zeit wird es zu DDE und DDD abgebaut, die ähnliche
chemische und physikalische Eigenschaften haben. 33 Jahre nach seinem
Verbot in Amerika kann DDT laut BBC heute noch bei fünf bis zehn
Prozent der Menschen nachgewiesen werden. DDE träg fast jeder
Mensch in sich. Die Forscher ermittelten die Blutwerte von DDT und DDE
bei 360 schwangeren Frauen. Diese Frauen waren großteils in Mexiko
geboren, wo DDT erst im Jahr 2000 verboten wurde. Faktoren wie Alter,
Einkommen, Ausbildung, Ehestand und Arbeitsverhältnis, das
Geschlecht des Kindes, die Stilldauer und die Qualität des
häuslichen Umfeldes wurden bei der folgenden Auswertung
berücksichtigt. Die mentalen und körperlichen Fähigkeiten
der Kinder testete das Team im Alter von sechs, zwölf und 24
Monaten.
Jede zehnfache Erhöhung der DDT Werte bei der Mutter entsprach
einer Verringerung von zwei bis drei Punkten bei der mentalen
Entwicklung im Alter von zwölf und 24 Monaten. Kinder, die im
Mutterleib den größten DDT Mengen ausgesetzt waren, schnitten
bei den Tests zwischen sieben und zehn Punkte schlechter ab als jene
Kinder, die am wenigsten belastet wurden. Bei den körperlichen
Fähigkeiten ergab sich für jede zehnfache Erhöhung ein
um zwei Punkte schlechteres Abschneiden im Alter von sechs und
zwölf Monaten. Ähnliche aber schwächer ausgeprägte
Auswirkungen wurden bei DDE nachgewiesen. Je länger die Kinder
gestillt wurden, desto besser schnitten sie bei den Entwicklungstests
ab. Die leitende Wissenschaftlerin Brenda Eskenazi erklärte, dass
diese Daten zu berücksichtigen seien, wenn man DDT in manchen
Ländern weiter einsetzt oder einen erneuten Einsatz überlegt.
Frauen und Kinder seien zu schützen. Die Forscher planen, die an
der aktuellen Studie teilnehmenden Kinder weiter zu begleiten.
(Quelle: pte)