Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertachtunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Zwölf Tote und 37 Verletzte bei Anschlag in schiitischer Stadt
Kufa. Iraks Ministerpräsident will gegen Immunität
ausländischer Truppen im Land vorgehen. Wegen Mordes an irakischer
Famile inhaftierter Exsoldat erklärt sich für nicht schuldig
Fr.07.07.06 - Bei einem Autobombenanschlag in der irakischen Pilgerstadt Kufa sind
zwölf Menschen getötet worden. Unter den Todesopfern waren
auch acht Iraner, teilte die Gesundheitsbehörde der Provinz
Nadschaf mit. 37 Menschen wurden verletzt. In der irakischen Hauptstadt
Bagdad wurden binnen 24 Stunden 35 Leichen gefunden. Der irakische
Ministerpräsident Nuri el Maliki kündigte an, die 160.000
Mann starke Sicherheitstruppe zum Schutz der irakischen Einrichtungen
umzustrukturieren. Gleichzeitig bekräftigte er, gegen die
Immunität ausländischer Truppen im Land vorgehen zu wollen.
Bei dem Autobombenanschlag in Kufa wurden nach Angaben der
Gesundheitsbehörden auch vier Iraker getötet. 37 Menschen
seien verletzt worden, darunter 22 Iraner, als die Bombe in der
Nähe eines Kleinbuses explodierte. Der Ort in der irakischen
Provinz Nadschaf ist eine beliebte schiitische Pilgerstätte.
Bislang war es in der Stadt weitgehend ruhig.
In Bagdad wurden binnen 24 Stunden 35 Leichen gefunden. Im Irak werden
Tag für Tag Leichen von erschossenen oder enthaupteten Menschen
gefunden. Im Süden Bagdads wurden eine Frau und ein Mann bei einem
Granatenangriff auf eine Polizeiwache getötet. Ein ehemaliger
Richter wurde von Unbekannten am Steuer seines Wagens getötet. In
der Region Kirkuk starben sechs Menschen bei Gewalttaten.
Die 160.000 Mann starke Sicherheitstruppe zum Schutz der irakischen
Einrichtungen müsse umstrukturiert werden, sagte Maliki. Es habe
sich gezeigt, dass die 2004 unter US-Führung gegründete
Truppe bei der Verhinderung von Anschlägen "nicht effektiv" sei.
Zudem seien Angehörige der Truppe möglicherweise in
Entführungen und Morde verwickelt. Die Truppe ist für den
Schutz von Ministerien und anderen Einrichtungen wie beispielsweise
Universitäten zuständig.
Das von den USA geschaffene Immunitätsgesetz müsse
überprüft werden, forderte Maliki weiter. Eine andere
Möglichkeit sei die Beteiligung irakischer Behörden an den
Ermittlungen. Das irakische Volk könne diese "brutalen Verbrechen
nicht mehr länger tolerieren". In der Vergangenheit waren
verstärkt Mord- und Vergewaltigungsvorwürfe gegenüber
US-Soldaten laut geworden.
Der wegen Mordes an einer irakischen Familie inhaftierte US-Veteran
Steven Green hat sich vor Gericht für nicht schuldig erklärt.
US-Präsident George W. Bush erklärte am Donnerstag, wenn die
Vorwürfe gegen den 21-Jährigen zuträfen, handele es sich
um «ein abscheuliches Verbrechen». Green wird beschuldigt,
eine junge Frau vergewaltigt und sie sowie drei ihrer Angehörigen
erschossen zu haben. Die Iraker sollten sehen, dass die USA mit den
Vorwürfen «sehr transparent und offen umgehen»
würden, sagte Bush dem Fernsehsender CNN.
Der US-Präsident betonte, wichtig sei, den Fall nicht zu
verallgemeinern. Er wolle nicht, «dass die Menschen dann sagen,
die US-Streitkräfte sind voll von solchen Leuten. Das stimmt
nicht. Unsere Streitkräfte sind fabelhaft».
Die Anhörung Greens fand im US-Staat Kentucky statt, wo am 8.
August auch die Anklage gegen den 21-Jährigen verlesen werden
soll. Green war vor einer Woche in North Carolina festgenommen worden,
die Einheit, mit der er im Irak im Einsatz war, hat ihre Basis aber in
Kentucky. Die Streitkräfte hatten ihn schon vor Bekanntwerden des
Mordfalls aufgrund einer Persönlichkeitsstörung entlassen.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 07.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertvierundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.07.07.05 - Iran und Irak nehmen nach 20 Jahren wieder Militärgespräche
auf +++ Iraks Präsident Dschaafari bittet um internationalen Beistand
für sein Land +++ Sarkawi: Irakerinnen opfert Eure Söhne +++
Mindestens elf Tote bei Doppelanschlag südlich von Bagdad...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0507070.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Zwei Koalitionssoldaten bei Kämpfen in Südafghanistan
getötet
Fr.07.07.06 - Taliban-Kämpfer haben in Afghanistan zwei Soldaten der
US-geführten Koalitionstruppen getötet, darunter einen Briten.
Damit stieg die Zahl der in Südafghanistan in den vergangenen vier
Wochen getöteten britischen Soldaten auf sechs. Ein Sprecher der
britischen Armee in der Provinz Helmand sagte, die britische Patrouille
der Koalitionstruppen sei im Distrikt Sangin von Rebellen angegriffen
worden. In der südostafghanischen Provinz Paktika wurden ein Soldat
der US-geführten Koalitionstruppen getötet.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Israel setzt Offensive mit neuen Luftangriffen fort - Allein am
Donnerstag mindestens 21 Palästinenser getötet
Fr.07.07.06 - Die israelischen Streitkräfte haben ihre Offensive im Gazastreifen
am Freitagmorgen fortgesetzt. Bei zwei Luftangriffen im Norden des
Autonomiegebiets wurden kurz nach Sonnenaufgang ein militanter
Palästinenser getötet und drei weitere verletzt, wie
Krankenhausmitarbeiter berichteten. Die Streitkräfte
erklärten, sie hätten auf Palästinenser geschossen, die
sich zuvor Gefechte mit Soldaten geliefert hätten. Bereits am
Donnerstagabend war bei einem gezielten Luftangriff auf ein Auto ein
Palästinenser getötet worden.
Im Zuge der Offensive im Gazastreifen wurden allein am Donnerstag
mindestens 21 Palästinenser getötet. Erstmals kam bei den
Gefechten auch ein israelischer Soldat ums Leben.
Bei einer Razzia im Westjordanland kam am Donnerstag nach
Augenzeugenberichten ein Palästinenser ums Leben, elf weitere
wurden verletzt. Nach palästinensischer Darstellung griffen
israelische Soldaten in Zivil ein Gebäude in der Stadt Dschenin
an, in dem sich mehrere hundert Menschen zu einer Trauerfeier
versammelt hatten. Dagegen sprachen die israelischen Streitkräfte
lediglich von sechs Verletzten und erklärten, sie hätten das
Gebäude zwar umstellt, militante Palästinenser hätten
aber das Feuer eröffnet.
(Quelle: ap)
Deutsche U-Boote für Israel
Fr.07.07.06 - Der Weg für die Lieferung zweier hochmoderner U-Boote aus
Deutschland an Israel ist frei. Vertreter Israels und der HDW-Werft
unterzeichneten am Donnerstag in Berlin entsprechende technische
Vereinbarungen, wie bekannt wurde. Die politische Genehmigung war
bereits im November von der Regierung von Gerhard Schröder (SPD)
in Absprache mit Amtsnachfolgerin Angela Merkel (CDU) erteilt worden.
Dazu gehören Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt in
Millionenhöhe.
Nach einer Finanzierungsvereinbarung wird ein Drittel der Gesamtkosten
von rund einer Milliarde Euro von Deutschland getragen. Geliefert
werden sollen Berichten zufolge Boote der Dolphin-Klasse. Nach dem
Golfkrieg 1991 habe die damalige Bundesregierung unter Kanzler Helmut
Kohl (CDU) Israel drei «Dolphins» fast komplett finanziert.
Die Boote seien mit modernster Brennstoff-Antriebstechnik
ausgerüstet, mit der wochenlange Tauchgänge möglich
seien.
Die Boote gelten nach israelischen Berichten als Teil eines
Rüstungsprogramms, um für die größtmögliche
Bedrohung gewappnet zu sein - einen Atomschlag des Irans. Ende
vergangenen Jahres hatte die israelische Luftwaffe amerikanische
Kampfjets größerer Reichweite erhalten. Gleichzeitig hatte
die Regierung in Jerusalem erklärt, ein Präventiv-Schlag
gegen die Atomanlagen des Irans sei nicht in Vorbereitung.
(Quelle: ap)
Gebirgspass zwischen Indien und China nach 44 Jahren wieder
eröffnet
Fr.07.07.06 - Indien und China haben am Donnerstag den seit 44 Jahren geschlossenen
Gebirgspass Nathu La an der gemeinsamen Grenze wieder geöffnet. Der
Grenzübergang im Himalaya war 1962 nach einem kurzen Krieg zwischen
den beiden asiatischen Staaten geschlossen worden. Seit einigen Jahren
zeigen sich Peking und Neu-Delhi zunehmend um eine Versöhnung
bemüht.
Der Nathu-La-Pass in 4.300 Metern Höhe gehörte einst zur
berühmten Seidenstraße. Er liegt zwischen dem indischen
Unionsstaat Sikkim und Tibet, das zu China gehört. Der feierlichen
Wiedereröffnung wohnten neben den Regierungschefs der beiden
Regionen zahlreiche Soldaten und Händler bei. Die
Geschäftsleute wollten nach der Zeremonie die Grenze
überqueren und sich auf Messen austauschen.
Der Grenzübergang wurde vor der Neueröffnung gründlich
modernisiert, unter anderem gibt es dort ein Internetcafé und
einen Geldautomaten.
(Quelle: ap)
Mexiko: Endergebnis bestätigt knappen Wahlsieg Calderons
Fr.07.07.06 - Vier Tage nach der Präsidentenwahl in Mexiko ist der konservative
Regierungskandidat Felipe Calderon mit hauchdünnem Vorsprung zum
Sieger erklärt worden. Wie die nationale Wahlbehörde am
Donnerstag nach einer Nachzählung bekannt gab, erhielt Calderon
von der Nationalen Aktionspartei (PAN) des scheidenden Präsidenten
Vicente Fox 35,89 Prozent der Stimmen. Auf seinen Gegenkandidaten von
der Demokratischen Revolutionspartei (PRD), Andres Manuel Lopez
Obrador, entfielen demnach 35,31 Prozent der 41 Millionen abgegebenen
Stimmen.
Calderon erhielt demnach nur 236.006 Stimmen mehr als Lopez Obrador.
Der Wahlsieger erklärte am Donnerstagabend vor Anhängern, er
wolle sich um eine Aussöhnung der geteilten Wählerschaft
bemühen. «Ich betrachte es als meine persönliche
Pflicht, die Wünsche der Millionen Bürger, die für
andere Kandidaten gestimmt haben, als meine eigenen zu
übernehmen», sagte der 43-Jährige.
Seinem neun Jahre älteren Kontrahenten Lopez Obrador zollte
Calderon Respekt. Er teile Lopez Obradors Gerechtigkeitssinn, sagte
Calderon. Er wolle für mehr Gleichheit und für Chancen
eintreten, «die Millionen von Mexikanern erlauben werden, die
Armut zu überwinden».
Lopez Obrador hat bereits angekündigt, er werde das Ergebnis der
Wahl vom Sonntag vor Gericht anfechten. Für Samstag rief er seine
Anhänger zu einer Kundgebung im Zentrum von Mexiko-Stadt auf.
Die PRD hat unter Verweis auf Unregelmäßigkeiten statt einer
Neuauswertung der Zählungen eine Überprüfung jedes
einzelnen Stimmzettels gefordert. Falls Lopez Obrador tatsächlich
Klage gegen das Ergebnis einreicht, muss das zuständige Gericht
spätestens bis zum 6. September den Wahlsieger benennen.
(Quelle: ap)
Muslime in Europa fühlen sich in der Mehrheit nicht diskriminiert
Fr.07.07.06 - Die Muslime in Europa machen sich größere Sorgen über
ihre wirtschaftliche Lage als über mögliche
Diskriminierungen. Eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage des
US-Forschungszentrums Pew ergab, dass die große Mehrheit der
Muslime in Europa in den vergangenen zwei Jahren keine
Diskriminierungen zu beklagen hatte. Die meisten zeigten sich zufrieden
mit dem Land, in dem sie leben. Viele fürchteten aber um die
Zukunft der Muslime in Europa.
Diese Angst war besonders groß in Großbritannien und
Frankreich. In Deutschland und Spanien war sei ein wenig geringer. Die
größten Sorgen machen sich die Muslime in allen vier
untersuchten Ländern über die Sicherheit ihres
Arbeitsplatzes. Kurz danach folgte die Angst vor islamischem
Extremismus. Die Pew-Umfrage ergab, dass 37 Prozent der Muslime schon
Diskriminierungen erlebt haben. In Großbritannien waren es 28
Prozent. Für ein wachsendes Misstrauen gegenüber Muslimen in
Europa gab es keine Hinweise. Außer in Deutschland
begrüßte eine Mehrheit der befragten Europäer die
Anwesenheit der Muslime im Land und ihre Suche nach Arbeitsplätzen.
Allerdings bezweifelten die Europäer in der Mehrheit, dass die
muslimischen Immigranten die örtlichen Gepflogenheiten
übernehmen wollten. Die Mehrheit der Muslime erklärte, sie
betrachteten sich zuerst als Muslime und erst danach als Bürger
des Landes, in dem sie lebten.
(Quelle: ap)
Deutsche mehr als alle anderen gegen EU-Erweiterung
Fr.07.07.06 - Zwei Drittel der Deutschen sind gegen die Erweiterung der EU - mehr als
in jedem anderen Land der Europäischen Union. Dies geht aus einer
am Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Befragung von gut 29
000 Bürgern der 25 EU-Staaten hervor.
In sechs Monaten sank in der gesamten EU die Unterstützung
für die Erweiterung deutlich: Jetzt sind nur noch 45 statt 49
Prozent der EU-Bürger dafür. Mit 66 Prozent führen die
Deutschen die Ablehnungsfront an: Die Erweiterungsgegner legten in sechs
Monaten um sieben Punkte zu.
(Quelle: dpa)
Koalitionsstreit über Gesundheitskompromiss wird heftiger
Fr.07.07.06 - Das Koalitionsklima wird durch neue Attacken und gegenseitige
Schuldzuweisungen weiter belastet. Mit Appellen zur Mäßigung
bemühen sich führende Politiker von Union und SPD aber darum,
den heftigen Streit über die Ergebnisse zur Gesundheitsreform
nicht weiter eskalieren zu lassen.
Die SPD-Führung dringt darauf, dass polemische Angriffe auf
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aus den SPD-Reihen künftig
unterbleiben. Mit Verärgerung wurden intern deshalb entsprechende
Beschimpfungen des Sprechers des konservativen Seeheimer Kreises,
Johannes Kahrs, an die Adresse der Regierungschefin quittiert.
«Das Problem dieser Koalition ist immer mehr die
Kanzlerin», sagte Kahrs im RBB-Inforadio und fügte hinzu:
«Der Fisch stinkt immer vom Kopf her». Merkel sei entgegen
den Absprachen mit der SPD bei der Steuerfinanzierung des
Gesundheitswesens vor Unions- Ministerpräsidenten
«eingeknickt». Dies sei nicht nur
«unanständig», sondern habe auch mit Führung
nichts zu tun. «Die hat ihren Laden nicht im Griff», sagte
Kahrs der «Berliner Zeitung».
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil versuchte, den Konflikt mit dem
Koalitionspartner zu entschärfen. «Es gibt einen Streit in
der Sache, das ist in Ordnung. Aber wir müssen jetzt daraus
lernen, nach vorne gucken und Großes bewegen», sagte er im
ZDF.
Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) rief die Koalition zur
Geschlossenheit auf. «Entscheidungen, die wir im
Koalitionsausschuss getroffen haben, müssen wir miteinander
vertreten, anstatt mit Attacken zu kommen», sagte er dem Sender
n-tv. Er wies Zweifel an den Führungsqualitäten der Kanzlerin
zurück. «Frau Merkel hat gar keinen Grund, ein Machtwort zu
sprechen, wenn sich da jemand aus der zweiten, dritten Reihe
meldet», sagte Kauder in Richtung von Kahrs. Unions-Fraktionsvize
Wolfgang Bosbach (CDU) verwahrte sich gegen die rauen Töne von
Seiten der SPD: «So jedenfalls kann man die nächsten drei
Jahre nicht miteinander umgehen», sagte er der
«Netzeitung».
Anders als SPD-Fraktionschef Peter Struck vermied Vize-Kanzler Franz
Müntefering namentliche Kritik an Merkel. Der SPD- Arbeitsminister
warf der Union insgesamt mangelnden Mut bei der Gesundheitsreform vor.
In der «Neuen Presse» aus Hannover beklagte er weiter die
Einmischung von Unions-Ministerpräsidenten. Dies dürfe sich
bei künftigen Abstimmungen nicht wiederholen. Nach Ansicht von
CSU-Generalsekretär Markus Söder muss die Koalition wieder in
ruhigeres Fahrwasser kommen.
(Quelle: dpa)
Merkel steht trotz Streit zu großer Koalition
Fr.07.07.06 - Trotz der scharfen Auseinandersetzungen zwischen Union und SPD
hält Bundeskanzlerin Angela Merkel an der großen Koalition
fest. «Ich bin sehr optimistisch, dass diese Koalition
erfolgreich weiter arbeitet», sagte die CDU-Politikerin der
«Bild»-Zeitung. Sie habe den festen Eindruck, dass sich die
gesamte Koalition ihren Aufgaben verpflichtet fühle. Zugleich
verteidigte die Regierungschefin den vielfach kritisierten
Gesundheitskompromiss und stellte den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit
als entscheidendes Erfolgskriterium für die Regierung heraus.
Merkel sagte der Vorabmeldung zufolge, dass Kompromisse ein Teil der
Politik seien. «Eine große Koalition wird ohne diese auch
nicht auskommen, wie jede andere Koalition auch nicht.» Union und
SPD hätten bereits Entscheidungen getroffen, die vielleicht nur in
dieser Konstellation möglich gewesen seien.
Als Beispiele nannte sie die längere Lebensarbeitszeit und die
Gesundheitsreform und verteidigte die geplante Erhöhung der
Kassenbeiträge um 0,5 Prozentpunkte. «Eine weitere
Steuer-Erhöhung nach der Mehrwertsteuer-Erhöhung kann ich
nicht verantworten.» Zugleich versicherte die Regierungschefin,
die Koalition plane nicht, die Beiträge auch für die
Pflegeversicherung zu erhöhen. «Wir werden die
Pflegeversicherung im nächsten Jahr reformieren, aber
Beitragserhöhungen stehen nicht auf der Tagesordnung.»
Merkel sagte, die Regierung sei gerade mitten in der Arbeit mit zum
Teil harten Entscheidungen. Entscheidend sei, was beim Thema
Arbeitsplätze erreicht werde. «Zum Ende der
Legislaturperiode können uns die Menschen daran messen, ob wir die
Arbeitslosigkeit gesenkt, die Bürokratie abgebaut und endlich
wieder verfassungskonforme Haushalte aufstellen.»
Trotz ihres Bekenntnisses zur großen Koalition ließ Merkel
offen, was nach der für 2009 geplanten Bundestagswahl passiert.
«Mich muss doch heute beschäftigten, was der Wähler im
vergangenen September wollte.» 2009 werde sie dann das Erreichte
präsentieren. Merkel sagte, dass noch viele Aufgaben vor der
Regierung lägen und ihr die Arbeit große Freude bereite.
«Ich schaue zufrieden auf die vergangenen Monate und bin gespannt
auf die kommenden.»
(Quelle: ap)
Lauterbach sieht Finanzreform der Krankenkassen als gescheitert an
Fr.07.07.06 - SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach macht offen Front gegen die
Kompromisse der Koalitionsspitzen zur Gesundheitsreform. Gemessen an dem
Problem, die Finanzierung der Krankenversicherung gerechter und
nachhaltiger zu gestalten, «ist die Reform gescheitert - oder hat
noch nicht stattgefunden», sagte Lauterbach am Donnerstag in
Berlin. Er kritisierte die Bemühungen der Koalitionsspitzen
«Messing als Gold zu verkaufen».
Das Kernstück der Finanzreform, den geplanten Gesundheitsfonds,
bezeichnete der SPD-Politiker als überflüssig. «In der
Sprache der Arzneimitteltherapie ist der Fonds eine
Scheininnovation», sagte Lauterbach bei einer Gesundheitskonferenz
des «Handelsblatts». Er äußerte außerdem
Zweifel, ob der Fonds in dieser Legislaturperiode eingeführt werde.
Bis 2008 sei die Frist - gemessen an der Umsetzung früherer
Entscheidungen betreffend die Krankenkassen - zu kurz. Und 2009 sei ein
Wahljahr. «Was aus dem Fonds wird, ist aus jetziger Sicht
völlig unklar», sagte Lauterbach. «Eigentlich will aus
meiner Sicht keiner diesen Fonds.»
Die SPD habe den Fonds in den Verhandlungen zur Gesundheitsreform nur
deshalb erwogen, weil er als Sammelbecken für «andere
Einkünfte» - also zum Beispiel Zahlungen der
Privatversicherten oder auf andere Einkünfte neben dem
Erwerbseinkommen - dienen könnte. Weil die Union Widerstand
geleistet habe, habe die SPD dann eine Lösung mit erheblicher
Steuerfinanzierung der Krankenversicherung angestrebt. Darauf habe man
sich geeinigt, «auch mit der Bundeskanzlerin», sagte
Lauterbach. «Dieser Weg ist uns in letzter Minute verschlossen
worden.»
Nun habe der Fonds die gleiche Beitragsbasis wie bisher die gesetzliche
Krankenversicherung. Sie werde nur über den Fonds anders
abgewickelt, «aus meiner Sicht schlechter». Lauterbach sagte
massive Proteste der Kassenmitarbeiter voraus, die bisher mit dem
Beitragseinzug beschäftigt sind. Außerdem würden die
Arbeitgeber gegen den Aufbau der zusätzlichen Bürokratie
für den Gesundheitsfonds Sturm laufen. Die Rede sei von 80
Niederlassungen des Fonds im Bundesgebiet. «Sie können damit
nicht punkten», sagte Lauterbach zur politischen Durchsetzbarkeit
des Modells.
Ausgangspunkt der Finanzreform sei die Tatsache gewesen, dass die
Beitragseinnahmen nicht mit dem Wachstum der Ausgaben Schritt halte.
Ziel sei es gewesen, steigende Beitragssätze zu verhindern.
«Und nun steigen die Beitragssätze», beklagte
Lauterbach. Benötigt würden bei den Krankenkassen im kommenden
Jahr fünf Milliarden Euro für das laufende Defizit sowie vier
Milliarden Euro zum Abbau der noch vorhandenen Schulden der Kassen.
Folglich werde es eine «deutliche Beitragssatzsteigerung»
geben. Rein rechnerisch entsprechen neun Milliarden Euro 0,9
Prozentpunkten beim Beitrag.
Insgesamt «hoffe ich noch auf die parlamentarischen
Beratungen», sagte Lauterbach. Die in dem Paket vorhandenen
Strukturreformen verteidigte der Abgeordnete. Er befürchte, dass
wegen des Widerstands gegen die Finanzierungsreform diese auch scheitern
könnten.
(Quelle: ap)
Datenschützer gegen mehr Rechte für Geheimdienste
Fr.07.07.06 - Die Pläne für mehr Befugnisse der Nachrichtendienste im
Anti-Terror-Kampf stoßen bei Datenschützern auf Bedenken und
Ablehnung. «Die bestehenden Befugnisse sind nur begrenzt genutzt
worden, also besteht kein dringender Bedarf, sie jetzt
auszuweiten», sagte der Bundesbeauftragte für den
Datenschutz, Peter Schaar, «Spiegel online». Zudem sei die
bisher geltende Anti-Terror- Gesetzgebung noch nicht abschließend
ausgewertet. Die große Koalition hatte sich auf eine Ausweitung
der Anti-Terror-Gesetze verständigt.
(Quelle: dpa)
Geheimdienste bekommen mehr Befugnisse
Die von der Bundesregierung geplante Neuregelung der Anti-Terrorgesetze
könnte auch soziale und politische Bewegungen betreffen... Mehr
bei telepolis vom 06.07.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/23/23045/1.html
Legalisierung der Ungesetzlichkeit
Der Dank der Koalition für Rechtsbrüche des BND ist die
Ausweitung der Rechte der Geheimdienste
Der deutsche Geheimdienst ist in jüngster Zeit dadurch
aufgefallen, dass er seine Kompetenzen überschritten und das Recht
gebrochen hat. Zum Dank für illegale Spitzeleien, für so
genannte Informationspannen im Fall el-Masri und für bedenkliche
Mauscheleien mit US-Geheimdiensten soll er nun von der großen
Koalition noch mehr Rechte und noch mehr Kompetenzen im Inland erhalten.
Soeben erst hat der Untersuchungsausschuss des Bundestages damit
begonnen, die Ungesetzlichkeiten des BND aufzuklären. Aber schon
erteilt die große Koalition dem Untersuchungsobjekt ihren Segen:
Der Geheimdienst soll noch weiter zu einer geheimen
Ermittlungsbehörde ausgebaut, die aber abseits der ordentlichen
gerichtlichen Kontrolle steht - ohne Rücksicht auf mehrmalige
Ermahnungen des Bundesverfassungsgerichts. Das geplante Gesetz
heißt Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz"; es
handelt sich dabei um einen anderen Namen für Chuzpe. Das ist ein
Wort aus dem Hebräischen; es fasst die Wörter
Unverschämtheit, Frechheit und Anmaßung zusammen.
Klassisches Beispiel für Chuzpe war bisher die Geschichte vom
Frevler, der seine Eltern erschlug und dann um mildernde Umstände
bat, weil er ja Vollwaise sei. Von ähnlicher Qualität ist die
Begründung für das neue Gesetz.
Es verlängert die befristeten Quasi-Notstandsrechte, die den
Geheimdiensten in Otto Schilys Anti-Terror-Gesetzen nach dem 11.
September zugestanden worden waren, um weitere fünf Jahre und
weitet sie auch noch aus. Aus Ausnahmen werden Regeln, aus Regeln wird
Gewohnheit. Seit dem Verbrechensbekämpfungsgesetz 1994 stand die
Tür zwischen Geheimdienst und Polizei einen Spalt offen; mit dem
Terrorismusbekämpfungsgesetz 2001 wurde die Tür weit
geöffnet; jetzt wird sie ausgehängt.
Seit 2001 dürfen Geheimdienste bei Kreditinstituten,
Luftverkehrsunternehmen, Post- und Kommunikationsdienstleistern
jederzeit Daten abfragen und Auskünfte einholen, "im Einzelfall",
wie es bisher noch heißt, aber künftig nicht mehr. Wenn
Geheimdienste sich in Privatwohnungen begeben, darf dort der Lausch-
und Spähangriff praktiziert werden. Und: Alle Personen, die in
sicherheitsempfindlichen Einrichtungen arbeiten, werden vom
Geheimdienst überprüft. Diese Befugnisse sind schon jetzt
keiner Kontrolle durch die Justiz unterworfen, sondern unterliegen nur
einer (unzureichenden) parlamentarischen Kontrolle. Jetzt werden sie
sachlich und räumlich noch ausgeweitet, dürfen sie im
gesamten Schengen-Raum stattfinden.
Von diesen Maßnahmen erfährt der Betroffene erst einmal gar
nichts, sondern vielleicht nach Jahren, wenn, wie es in den Gesetzen
heißt, eine Gefährung der Aufgabenstellung der
Sicherheitsbehörden "nicht mehr zu besorgen ist". Vor fünf
Jahren, als die angeblichen Ausnahmegesetze eingeführt wurden,
fragten sich die Experten bei der Anhörung im Bundestag, wo das
alles hinführen soll. Ja, wohin? Weit weg vom Rechtsstaat.
Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung vom 06.07.2006
Staatsgewalt mit Tarnkappe
Wie die neuen und neuesten Sicherheitsgesetze aus dem Geheimdienst eine
geheime Polizei machen
Seit dem 11. September 2001 ist viel vom Aufbau einer "neuen
Sicherheitsachitektur" die Rede. Das klingt kompliziert, ist es aber
nicht. Dieses neue System der inneren Sicherheit ist auch schon
längst aufgebaut: Es sieht aus wie eine Sanduhr. Das obere
Gefäß enthält die Bürger- und Freiheitsrechte, das
untere enthält die Sicherheitsgesetze, Telefonüberwachung,
Lauschangriff, Datenspeicherung, geheimdienstliche Ermittlungsmethoden
der Polizei und Polizeibefugnisse für den Geheimdienst. Das obere
Gefäß mit den Bürgerrechten wird immer leerer, das
untere wird immer voller.
Nach fünf Jahren, so sah es die Sondergesetzgebung nach dem 11.
September 2001 vor, sollte das System, also die Sanduhr, wieder
umgedreht werden - auf dass die Bürger- und Freiheitsrechte nicht
ganz auslaufen. Nun hat das Bundeskabinett beschlossen, dies nicht zu
tun. Die Sicherheitsgesetze werden verlängert, und das Loch in der
Sanduhr wird vergrößert: Die Geheimdienste erhalten noch
mehr Kompetenzen - und zwar nicht igendwelche, sondern Kompetenzen im
Bereich der Kriminalitätsbekämpfung Das heißt: Der
Geheimdienst übernimmt immer mehr Polizei- und
Staatsanwaltsaufgaben, ohne aber den gerichtlichen Kontrollen zu
unterliegen, wie sie für die ordentlichen
Sicherheitsbehörden, also für Polizei und Staatsanwaltschaft,
vorgesehen sind. Aus dem Geheimdienst wird eine Geheimpolizei.
Diese forcierte Entwicklung versteckt sich in einem Gesetz mit dem
monströsen Namen Terrorismusbekämpfungsergänungsgesetz
und in absurden Paragrafenketten, die es erschweren sollen, zu
verstehen, was hier überhaupt geregelt wird. Dieses Gesetz ist
Teil einer Entwicklung, die zur Verschmelzung von Polizei und
Geheimdiensten führt. Sie hat 1994 begonnen: Damals wurde der
Bundesnachrichtendienst das große Ohr der Polizei; er bekam das
Recht, zur Bekämpfung der Drogenkriminalität Gespräche
des internationalen Telefonverkehrs aufzuzeichnen, sobald bestimmte
Stichwörter fallen. Die Erkenntnisse darüber werden, ohne
dass Betroffene davon erfahren, an andere Sicherheitsbehörden
weiterzugeben. Solche Ermittlungsbefugnisse wurden seitdem stark
ausgeweitet.
Den Geheimdiensten sind Sonderrechte aber eigentlich nur zum
Schütz der freiheitlichen Grundordnung eingeräumt. Die neuen
Gesetze verleihen ihnen diese Sonderrechte auch zur allgemeinen
Kriminalitätsbekämpfung und losgelöst von den
Kontrollen, die sonst bei der Verhütung und Verfolgung von
Straftaten gelten. Auf diese Weise setzt sich die Staatsgewalt eine
Tarnkappe auf. Es geht aber nicht an, dass die Regeln, die das
Polizeirecht und die Strafprozessordnung formulieren, dadurch umgangen
werden, dass man die Bekämpfung von Straftaten einem Organ
überträgt, für das diese Gesetze nicht gelten.
Wenn ein Geheimdienst wie eine Polizei arbeitet, muss er künftig
auch wie die Polizei angeleitet und kontrolliert werden - von
Staatsanwaltschaft und Justiz.
Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung vom 13.07.2006
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Massenfestnahmen nach Demo gegen Studiengebühren in Frankfurt
Fr.07.07.06 - Bei Demonstrationen gegen Studiengebühren ist es in Frankfurt am
Main erneut zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei nahm am Donnerstag
insgesamt 220 Studenten fest, die im Stadtgebiet Autobahnen blockieren
wollten. Dabei wurden Augenzeugen zufolge rund 100 Demonstranten auf
der Auffahrt der A66 Frankfurt-Wiesbaden im Norden der Stadt von
Polizisten eingekesselt. Zuvor hatten laut Polizei mehr als 3.000, nach
Veranstalterangaben mehr als 5.000 Studenten und Schüler friedlich
gegen die Gebührenpläne mehrerer Landesregierungen
demonstriert.
Die teilweise aus dem ganzen Bundesgebiet angereisten Teilnehmer zogen
in drei Sternmärschen zum Opernplatz im Stadtzentrum. Während
der dortigen Abschlusskundgebung lösten sich mehrere hundert
Demonstranten und zogen in Richtung Norden, wo auch das
Universitätsgelände liegt. Dabei kam es zu Steinwürfen
und Sachbeschädigungen, wie ein Polizeisprecher berichtete. Trotz
eines Großaufgebots von Beamten gelang es den Demonstranten, die
nahe gelegene A66 zu blockieren. Die Autobahn wurde gesperrt, es kam zu
massiven Verkehrsbehinderungen.
Eine andere Gruppe versuchte, durch den westlichen Stadtteil
Rödelheim zur A66 vorzudringen. Bis zum Abend zogen zudem mehrere
hundert Demonstranten am Polizeipräsidium vorbei entlang des
Innenstadtrings und später wieder in Richtung Zentrum. Dabei kam
es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit Beamten. Außerdem
wurde eine Straßenkreuzung am Polizeipräsidium blockiert.
Mit dem einsetzenden Platzregen verließen die Demonstranten
jedoch freiwillig den Bereich. Zunächst hatte die Polizei sogar
von insgesamt 320 Festnahmen berichtet, diese Zahl später jedoch
nach unten korrigiert.
Bei der Kundgebung am Opernplatz kritisierten Redner die geplanten
Studiengebühren. Die Pläne der hessischen Landesregierung,
Gebühren trotz des Verbots in der Landesverfassung
einzuführen, seien eine «neoliberale Rumfummelei»,
sagte der hessische DGB-Chef Stefan Körzell. Mike Josef vom
Frankfurter Studierendenausschuss erklärte, die Proteste
bräuchten einen langen Atem. Sollten Studiengebühren in
Hessen Realität werden, sei auch ein Volksbegehren möglich.
Die Bildungskompetenz müsse wieder zum Bund, forderte er.
Neben den Plänen zur Einführung allgemeiner
Studiengebühren kritisierte das Aktionsbündnis gegen
Studiengebühren (ABS) auch die von der Bundesregierung geplante
Unternehmenssteuerreform: «Für die Hochschulen soll kein
Geld da sein, den Unternehmen wird es nachgeworfen», sagte der
ABS-Vorsitzende Jochen Dahm.
Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret
Wintermantel, verteidigte unterdessen die Einführung von
Studiengebühren. Im Deutschlandradio Kultur sagte sie, dies
führe zu einer Verbesserung der Studienbedingungen. Wegen der
angespannten finanziellen Situation der Universitäten komme man um
Gebühren nicht mehr herum. Wintermantel forderte die
Universitäten auf, die Studenten an der Entscheidung zu
beteiligen, wofür die zusätzlichen Einnahmen eingesetzt
werden.
Fünf Bundesländer haben die Einführung allgemeiner
Studiengebühren bereits beschlossen, in acht weiteren Ländern
wird dies diskutiert. Geplant sind Gebühren zwischen 500 und 1.500
Euro pro Semester.
(Quelle: ap)
Höchste Abwanderungsrate in Deutschland seit 1954
Fr.07.07.06 - Das Statistische Bundesamt registriert die höchste
Abwanderungsrate deutscher Staatsbürger seit 1954. Den Angaben
zufolge wurden 2005 rund 145 000 Fortzüge aus dem Bundesgebiet
registriert. Vor 52 Jahren verließen gut 107 000 Personen mit
deutschem Pass das Land. Bereits in den vergangenen Jahren lagen die
entsprechenden Zahlen über dem Wert von 1954, als die Abwanderung
Deutscher erstmals statistisch erfasst wurde, wie die Behörde am
Donnerstag in Wiesbaden mitteilte.
Zudem zogen 2005 mit 128 000 Personen deutlich weniger
deutschstämmige Zuwanderer nach Deutschland. Zwei Jahre zuvor waren
es noch 167 000. Einen wesentlichen Grund für diesen Rückgang
sehen die Statistiker darin, dass seit einigen Jahren immer weniger
Spätaussiedler, die den größten Anteil deutscher
Zuwanderer ausmachen, ins Land kommen. So wurden 2003 rund 62 000
Zuzüge von Spätaussiedlern registriert. Für 2004 und 2005
dokumentieren die Statistiker nur noch 50 000 beziehungsweise 31 000
Zuzüge.
Zudem zogen im vergangenen Jahr gegenüber 2004 mit 579 000
Zuwanderern rund vier Prozent weniger Ausländer nach Deutschland.
Da sich die Zahl der Fortzüge ebenfalls verringerte, ergibt sich
nach Angaben der Statistiker für 2005 ein
Ausländer-Wanderungsüberschuss von 96 000 Personen.
(Quelle: ddp)